Ich bin dann mal weg – SCHON WIEDER.

Tja, momentan wenig los hier im Blog, was? Das hat einen Grund:

Ab morgen bin ich wieder auf dem Jakobsweg!

Dieses Mal nicht ganz so passend wegen des fehlenden Meeres, aber scheiß drauf!

Dieses Mal nicht ganz so passend wegen des fehlenden Meeres, aber scheiß drauf!


Kann man bescheuert finden (es ist mein viertes Mal!), aber ich freu mich schon wahnsinnig darauf! Letztes Jahr haben ja einige mitbekommen, wie ich mich durch Spanien gekämpft habe, doch musste ich irgendwann aus Zeit- und Equipmentmangel aufhören, live vom Camino zu bloggen.

Das wird dieses Mal anders sein! Ich werde nämlich meinen Laptop mitnehmen und das spanische WiFi-Netz nutzen. Anders als bei uns gibt es da nämlich in allen größeren Städten, auf allen größeren Plätzen öffentliches WiFi! Dagegen stinkt Deutschland gewaltig ab. Ich hätte mir auch nen Internetstick für diese Wochen besorgen können, aber da ich von so etwas keine Ahnung habe, ging mir schon die Recherche zu diesem Thema gewaltig auf die Nerven! Ich hoffe also, es wird so gehen.

Doch dieses Mal findet ihr meine Liveberichterstattung nicht hier! Stattdessen habe ich einen völlig neuen Blog angelegt, der vollkommen dem Thema “Jakobsweg” gewidmet ist: Mein Jakobsweg-Blog!

Ich würde mich tierisch freuen, wenn ihr mir auch dort folgt und mich so ein Stück weit auf meinemCamino begleiten würdet. Letztes Jahr gab es ja durchaus ein paar Interessenten :)

Außerdem versuche ich, auf dieser Seite ein FAQ rund um den Jakobsweg aufzubauen, was euch vielleicht nicht so sehr interessiert, aber da auch diese Artikel in meinem unverschämt übertollen Schreibstil gehalten sind, lohnt sich ja doch vielleicht ein Blick!

Hach, merkt man, dass ich gerade überdreht bin?! :D

In diesem Jahr stelle ich mich ganz neuen Herausforderungen auf dem Camino. Bespielsweise werde ich meinen Startort dieses mal per Trampen erreichen. Krasser Scheiß, oder? Das hat meine Mutter auch gesagt. Allerdings war das nicht anerkennend gemeint!

Und dann werde auch noch versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören. Das wird mit Sicherheit kein großes Vergnügen. Allein um zu sehen, wie ich DAS hinkriegen will, ohne Amok zu laufen, lohnt sich die Lektüre schon :D

Ich freue mich jedenfalls darauf, einige von euch auch auf meinem neuen Blog zu sehen. Kommentare und Anmerkungen sind sehr erwünscht :)

Media Monday #160

Es ist mal wieder Media Monday!

1. Einmal einen Tag auf Recht und Ordnung pfeifen: Mit dem Bösewicht… ach, natürlich kann hier nur der Joker stehen! – würde ich gerne einmal die Plätze tauschen, denn es muss wunderbar sein, einfach mal völlig durchgeknallt und darin gleichzeitig auch noch die Beste zu sein. Dazu auf sämtliche modischen Konventionen scheißen… Traum!
Das mit den psychopathischen Mordspielchen kann man ja auf Leute anwenden, die es verdient haben :D

2. Ein gelungenes Prequel macht für mich aus, dass kein totaler Bruch im Genre veranstaltet wird! Das hat mich bei The Carrie Diaries (jaja, ich weiß…) so genervt, dass ich kaum die ersten fünf Minuten ausgehalten habe. Sorry, aber wenn ich was Sex and the City-mäßiges erwarte, will ich nicht als erstes ne tragische Geschichte darüber hören, dass Carries Mutter tot ist. Mann, das klingt irgendwie fies…

3. Wohingegen ich mir von einem Sequel erhoffe, dass die Charakterisierung der bereits etablierten Figuren konsequent fortgeführt wird. Dies geht natürlich nur, wenn nicht der gesamte Cast ausgetauscht wird, was für mich ein komplettes Ausschlusskriterium ist, überhaupt ein Sequel zu machen.

4. Ich ärgere mich richtiggehend, dass ich noch immer nicht dazu gekommen bin, mir irgendetwas, was mit Star Wars zu tun hat zu Gemüte zu führen, denn das ist doch ein empfindliches Autsch in meiner Nerd-Credibility – auch wenn mich Star Wars eigentlich null interessiert :D (sorry, Hemator! Aber ich will’s ja ändern…)

5. Die neue Sailor Moon-Serie hat mich richtiggehend überrascht, zumal mich mit der alten Serie immer eine Art Hassliebe verband. Irgendwie fand ich dieses mädchenhafte rosa Zuckerherzen Liebes-Bla total zum Kotzen, andererseits muss man ja schon dankbar für jeden weiblichen Hauptcharakter in einer Zeichentrickserie sein, die man irgendwie Richtung “Action” einordnen kann. Jetzt habe ich festgestellt – und das ist das Überraschende! – dass mir die Serie und vor allem Bunny/Usagi immer noch tierisch auf die Nerven gehen, es mich aber trotzdem fesselt. Deshalb werde ich wohl dranbleiben.
Vielleicht hat dieser Artikel ja recht und Sailor Moon spricht einen unbewussten Teil von mir an, der durchaus mit Wohlwollen registriert, dass hier endlich mal weibliche Charaktere zum Zuge kommen, was ja auch dann ganz okay ist, selbst wenn die mich nerven. Mir wären ein paar Badass-Arschtreterinnen ja lieber als so pappigsüße Planetenprinzesschen, aber was soll man machen.
Und das war für dich, Stephi! :D

6. Das letzte Mal, dass ich mit einer Empfehlung so richtig fies auf die Nase gefallen bin, war mit Nazi Sky, einem Film, dessen Plot so absurd klingt (Nazis haben sich unter der Leitung von Dr. Mengele unter der Antarktis eingenistet, wo er seine Gefolgsleute durch ziemlich sinnlose Experimente in Zombies verwandelt hat und nur auf die Gelegenheit wartet, ein Roboter mit Hitlers Kopf zum Laufen zu bringen), dass er eigentlich nur herrlich blöd sein kann.
Tja, blöd war er – leider NUR blöd. Obwohl, mehr als das. Er war unglaublich scheiße. Null witzig, weder freiwillig, noch unfreiwillig, mit einigen Ideen, die man nur als völlig widerwärtig bezeichnen kann. Eine Zwangsabtreibung, um mit den so gewonnenen Stammzellen diesen Hitler-Roboter zum Laufen zu bringen? Ähm, der gute Geschmack hat angerufen – er findet, seine Grenzen sind erreicht!
Einfach durch und durch Scheiße! Aus dieser Quelle werde ich Filmempfehlungen in Zukunft genauer unter die Lupe nehmen.

7. Zuletzt gelesen habe ich ein paar MAD-Hefte aus den 80ern und das war ein Erlebnis, weil MAD natürlich Kult ist und ich mich tierisch gefreut habe, als mein Mitbewohner mir diese Hefte schenkte, die er irgendwo auf einem Dachboden gefunden hat! Wert sind die leider nichts wegen des schlechten Zustandes, aber solche Antiquitäten besitze ich dennoch gerne :)

Media Monday #159 (heute mal am Mittwoch)

Es war mal wieder Media Monday, aber Dank anstrengender WM, dem Jammern darüber und weiterer Nebensächlichkeiten komme ich leider erst jetzt dazu. Aber nachreichen ist besser als gar nix! :)

1. Die Familie äh… tja, den Namen weiß man nicht in der Serie Malcolm Mittendrin ist wirklich das disfunktionalste, chaotischste und dabei doch liebenswerteste Assipack, das je auf dem TV-Bildschirm zu sehen war. Vergesst die Bundys, vergesst diese Shameless-Tyen – Lois, Hal, Malcolm, Reese, Francis und Dewey sind die Besten! Das ist wirklich mal eine Serie, die sich zwar irgendwann doch halbwegs abgenutzt hat, aber eigentlich tatsächlich auch gegen Ende nie schlecht geworden ist. Da können sich viele andere ne Scheibe von abschneiden! Eine Serie für die Ewigkeit.

2. Wenn man einen Film poetisch nennen könnte, dann sicherlich American Beauty, denn der fällt mir immer als erstes ein, wenn es um künstlerisch wertvolle Filme geht, die trotzdem nicht total gesaugt haben. Ich kann draußen keine leere Plastiktüte rumfliegen sehen, ohne mit starren Blick “Das ist das Schönste, was ich je gesehen habe” zu murmeln. Teils hart an der Grenze zum Kitsch, trotzdem einfach wundervoll.

3. Optik ist ja nicht alles, aber Manuel Neuer sah schon beeindruckend gut aus, wenn er am Ende jeden Spiels sein Trikot ausgezogen hat. Der Junge könnte in meinen Augen ja ein unehelicher Halbbruder von Tobey Maguire sein, aber Mann, dieser Rücken, diese Oberarme! Vor allem, wenn sein Unterhemd aus irgendeinem Grund am Saum zerrissen war… das hat er bestimmt mit Absicht gemacht!

4. Jack Black gefällt mir am besten in Rollen, die so ein bisschen tragisch und/oder gefühlvoll sind. So dämlich der Film auch ist, aber wenn er in Schwer verliebt dieses kleine Mädchen auf der Brandopfer-Station knuddelt, würde ich am liebsten mitknuddeln. Nichts gegen seine komische Seite, aber da könnte ich wirklich heulen!

5. Das schönste Happy-End hat Die Verurteilten. In der Novelle wird es offen gelassen (mit der Tendenz zum Glück), aber im Film wird der Sack zu gemacht. Der steht auf imdb nicht umsonst ganz oben!

6. Das letzte Mal so richtig als Geek gefühlt habe ich mich eigentlich gerade eben, als ich diesen Artikel über die “Geschlechtsumwandlung” von Marvels Thor gelesen und danach den Twitter-Account von SpiegelOnline damit zugesülzt habe, dass da ein Fehler drin ist: Die aktuelle Green Lantern (Hal Jordan) ist nicht schwul (man müsste leider fast sagen: natürlich nicht), sondern nur die erste Green Lantern, Alan Scott (und das, wenn ich richtig verstanden habe, auch nur in einem Paralleluniversum).
Und natürlich muss auch hier an dieser Stelle mal wieder betont werden, dass ich im Frühling meine Examensarbeit in Geschichte über Comics geschrieben habe. Comics!! Davon werde ich vermutlich den Rest meines Lebens zehren.

7. Zuletzt gesehen habe ich Planet der Affen: Prevolution und das war überraschend gut, weil ich den Film ausgehend vom Trailer und dem totalen Desaster, das Tim Burton mit dem Franchise angerichtet hat, für absoluten Schund gehalten habe. Tatsächlich ist die Story gut, die Schauspieler auch und was Andy Serkis abliefert, kann man einfach nur genial nennen. Das wäre natürlich nichts ohne passende Spezialeffekte, aber in diesem Film sind sie wirklich fast schon perfekt! Vergesst Avatar, die Affen in diesem Film sind der heißeste Scheiß! Und das bei Produktionskosten von “nur” 90 Millionen Dollar.
Ich habe mir den Film nur angesehen, weil der Trailer zum nächsten Teil unerwartet cool aussah. Auf den freue ich mich jetzt schon.

Auf der falschen Seite der Theke – ein WM-Finale als Kellnerin

“Du hast noch ne Reservierung für zehn Leute auf Tisch 4 für 8 Uhr,” teilt mir mein Chef gut gelaunt mit. Ich bestätige die Reservierung, lege auf und starre aus dem Fenster in den Regen.

Klar muss es heute regnen! Damit das Public Viewing auch schön ins Wasser fällt. Für mich als Kellnerin bedeutet das leider, dass viel mehr Menschen in die Kneipen strömen werden, um sich das WM-Finale anzusehen. Einfach zuhause bleiben ist bei einem solchen Spiel für die meisten keine Option.

Mein Chef hat einen Bierstand beim Public Viewing ergattert und sämtliche Kolleginnen dort eingeteilt. Einzige verfügbare Kellnerin für die Kneipe: ich. Alleine.

Diesem Schicksal konnte ich nicht entgehen – so sehr es mich auch ankotzt. Viel lieber wäre ich heute auf der anderen Seite der Theke, um unser Team zu feiern. Je näher die Öffnung der Kneipe jedoch rückt, desto mehr freunde ich mich mit dem Gedanken an. Wenn meine Kinder mich in 20 Jahren fragen, wo ich beim Finale 2014 gewesen sei, kann ich sagen, dass ich hinter der Theke gestanden und den Laden geschmissen habe. Eigentlich ist das doch irgendwie cool.

So halbwegs versöhnt mache ich mich ein paar Stunden später auf den Weg zu meiner Arbeitsstelle. Schon von weitem sehe ich eine Traube Menschen, die aufgeregt vor der Kneipe warten.
Und sämtliche positiven Gefühle fallen in mir zusammen.

“7 Uhr macht ihr auf, oder?!” werde ich sofort aufgeregt bestürmt. “Wir haben reserviert!”
Ich kenne den Typen: ein Stammgast, der oft bei Fußballspielen anwesend ist. Ich starre ihn perplex an. “Ja – für um halb 9!”
“Dein Chef hat uns gesagt, ihr macht um 7 auf und da dachten wir…!”

Ich antworte nicht. Noch nicht mal den Laden aufgesperrt und schon bin ich richtig sauer! Wie kann der mir das antun?! Wenn er den Gästen sagt, dass wir um 7 aufmachen, dann soll er doch bitte MIR sagen, dass ich um halb 7 kommen soll!

Ich öffne und betrete den Laden, hinter mir eine kleine Karawane. Es ist dunkel, nur das Notlicht brennt, aber das stört die Leute nicht. Eilig mache ich das Licht an.
“Wir stören jetzt irgendwie, ne?” fragt einer. Ungeachtet dessen sitzt die Hälfte schon.
“Nee, aber ich brauch grad fünf Minuten, sorry!”

In fliegender Hast erledige ich alle nötigen Handgriffe, Kaffeemaschine an, den Stickstoff für die Zapfanlage aufdrehen, Stereoanlage an, Spülmaschine auch. Deren Anblick macht mich noch saurer – die braucht nämlich eine halbe Stunde, bis sie auf Temperatur ist. Was scheiße ist, denn ich werde sie dringend brauchen! Und die Gläser von gestern Abend hat der Chef auch stehen lassen. Meine Fresse!

Im Abstellraum liegen ein paar Original-WM-Trikots. Die bekamen wir von einer Brauerei zum Verlosen. Eins davon packe ich aus und ziehe es an. Männergröße XL, viel zu groß für mich, außerdem wird es darin sicher megaheiß werden, aber es nicht zu tragen geht gar nicht klar, ein bisschen WM-Feeling will ich selbst auch noch haben. Ich kremple die Ärmel hoch und stopfe eine Ecke hinter meinen Gürtel. So wird’s gehen.

Jetzt das Wichtigste: die blöden Fernseher. Zwei Stück haben wir, dazu noch einen Beamer, insgesamt fünf Fernbedienungen. Ich fummel so lange rum, bis ich das richtige Sky-Programm gefunden habe. Der Chef hat mir nie erklärt, wie das geht.

Endlich fertig, die Leute werden schon ungeduldig. Ich renne zum ersten Tisch, verscheuche dabei gleichzeitig noch ein paar Typen von Tisch 4, weil der ja reserviert ist, aber ich hatte ja keine Zeit ein Schild hinzustellen.
Am Tisch nehme ich die Bestellung auf. “Malzbier” “Erstmal Cola” “Weißbier” “KiBa” “Alt” “Flaschenbier” “Ich auch” – mein Gott, können die nicht einfach alle Pils trinken?
Wenigstens enttäuschen mich die anderen Typen nicht, die einen neuen Platz gefunden haben. “Ein Pils” – vier Männer, ein Wort! So kann ich unseren 5-Liter-Biertower anpreisen, dann wären die schon mal versorgt. Sie wollen drüber nachdenken.

Während ich die Getränke fertig mache, tauchen noch fünf Leute für den reservierten Tisch auf. Von wegen halb 9. Die wollen natürlich auch was trinken. Auch das bringe ich sofort. Ich nutze die Gelegenheit, mich für meinen etwas ruppigen Ton vor der Tür zu entschuldigen. “Aber ich bin heute alleine und mein Chef hätte…” “Du bist heute ALLEINE?!”

Ich ernte erstes Mitleid.

Es kommen mehr Leute. Trotz “Reserviert”-Schildchen muss ich den letzten reservierten Tisch ständig verteidigen. Viele Leute gehen auch wieder, weil sie keinen Platz finden. An der Theke sitzen jetzt auch schon zwei, ein wortkarger Stammgast und ein Typ mittleren Alters, der sich sofort beschwert, es würde kleben. Ich renne mit Reinigungszeug und einem Tuch hin, kann aber absolut nichts klebriges entdecken. Der Typ bläst die Backen.

Anruf, mein Mitbewohner. Er will wissen, ob für ihn, Mitbewohner zwei und einen weiteren Typen noch Platz ist. Ich biete ihnen die Theke an, sie sind einverstanden. Schnell stelle ich auch dort ein “Reserviert”-Schildchen hin. Mein Chef würde ausflippen, wenn er das sieht – an SEINER Theke dürfen immerhin nur SEINE Stammgäste sitzen. Aber die sind nicht da, kucken heute woanders und solange ich arbeite (alleine!!) bestimme ich, wer wo sitzen darf.

Auch diese Reservierung muss ich öfter verteidigen. Es ist inzwischen 8 Uhr, die ersten 100 Euro hab ich bereits verdient. Der zweite reservierte Tisch im Schankraum taucht pünktlich auf, alle anderen Tische sind nun ebenfalls proppenvoll, jeder einzelne Sitzplatz ist inzwischen belegt. Ich schwitze bereits heftig unter meinem Trikot, renne aber weiter tapfer gegen den Ansturm an.

Die Pilstrinker haben ihre erste Runde leer. “Wie ist das denn mit dem Biertower – kriegen wir den zur Feier des Tages ein bisschen billiger?”
Ich öffne den Mund und will anfangen zu diskutieren, aber dann seufze ich einfach nur “Ach, warum nicht…” Je mehr Leute kommen, umso angepisster bin ich wegen der Situation. Wenn mein Chef nicht will, dass ich Nachlass gebe, soll er mich nicht allein da stehen lassen!

Anruf, wieder mein Mitbewohner. Es werden jetzt doch ein paar mehr Leute. Ich sage ihm, dass dann vermutlich einige stehen müssen, aber das ist ihm egal. Außerdem bitte ich ihn dringend, sich zu beeilen, denn ewig werde ich die Theke nicht mehr verteidigen können.

Sie tauchen gerade noch rechtzeitig auf. Zwölf Leute. “Mann, tust du mir leid!” ist so ziemlich das erste, was mein Mitbewohner sagt. Der andere, den ich genau hier hinter dieser Theke kennen gelernt habe – ein ehemaliger Kollege – murmelt mit Blick in den Schankraum einfach nur “Oh Mann…”

Höchste Zeit, unsere beschissene Verlosung vorzubereiten. Nach dem Anpfiff gilt es ja nicht mehr. In fliegender Hast beschrifte ich ca. 50 Lose und verteile sie. Die Leute müssen das Ergebnis tippen und wer richtig liegt, bekommt einen Preis. Eigentlich sind noch genug da, weil bisher kaum jemand richtig getippt hat, aber mein Chef will trotzdem nur ein Trikot rausrücken. Er meinte, wenn ich mehrere Gewinner habe, sollte ich losen. Klar, ER hat ja auch nicht den Stress am Hals, wenn einer richtig getippt hat und erfährt, dass er nun doch nichts kriegt…! Ich versuche trotzdem, allen Anwesenden die Spielregeln so gut es geht zu erklären.

Unser Putzmann taucht mit einem Kumpel auf. Sie bestellen jeder ein Bier und wirken beleidigt, weil die Theke belegt ist. Ich jedoch bin unglaublich froh. Dieser Kumpel ist mir schon mehrmals bei anderen Fußballspielen mit Naziparolen aufgefallen, aber weil er ein riesiger Kerl ist und im besoffenen Zustand unglaublich aggressiv, hat mein Chef sich nie getraut, ihn deswegen rauszuschmeißen. ICH könnte das allerdings nicht einfach so hinnehmen, weshalb ich erleichtert bin, dass beide ihr Bier runterstürzen und wieder gehen.

Das tun auch viele andere Leute, die sehen, dass der Laden voll ist. Heute könnte die Kneipe locker dreimal so groß sein.

Ein paar Leute wollen Pizza bestellen vom Italiener nebenan. Ich sage, dass der heute zu hat. Ich habe keine Ahnung, ob der heute zu hat. Ich kann aber nicht auch noch Pizza servieren.

Ich habe ungefähr fünf Sekunden Luft, Zeit, endlich mal was zu trinken. Ich bin am Verdursten. Im Laden sind locker 28 Grad. “Was ist denn da-has?” fragt eine Bekannte meiner Mitbewohner mit feixenden Blick auf mein Glas. “Tee!” blaffe ich. Es ist wirklich kalter Tee mit Eiswürfeln. Grün, weil ich das Koffein dringend brauche.

Der Anpfiff nähert sich. Die Leute vom reservierten Tisch grölen irgendwelche Fußballlieder. Schon seit einer Stunde werde ich ständig von denen angehauen, ich solle lauter drehen. Mehrmals habe ich dieser Bitte schon entsprochen, es reicht immer noch nicht. Als die Mannschaften einlaufen, brüllt der halbe Tisch gleichzeitig “LAUTER!!!”

“Es wäre laut genug, wenn ihr einfach eure Schnauze halten würdet”, zische ich bei meiner Rückkehr hinter die Theke. Ich habe genug. Ich reiße den Lautstärke-Knopf nach oben, der Krach ist nun infernalisch. Dafür kriege ich stehenden Applaus.

Ich muss feststellen, dass ich nun, da es so laut ist, die Bestellungen nicht mehr hören kann. In mir drin stirbt etwas. Heimlich drehe ich wieder ein bisschen leiser, keiner merkt es.

Nationalhymne. Die eine Hälfte der Gäste singt mit, die andere Hälfte schürzt angewidert die Lippen. Ladies and Gentlemen: Deutschland.

Ich bitte meinen Mitbewohner, einen Kasten Weißbier holen zu gehen. Er weiß ja, wo alles ist. Er erledigt das schnell. Dann räumt er noch die Spülmaschine aus, weil sich die dreckigen Gläser inzwischen stapeln, und räumt sie wieder ein. Bevor er vor die Theke zurück kehrt, umarme ich ihn stürmisch. Der Stammgast an der Theke lacht.

“Sag mal, bist du alleine?!” fragt mich eine Frau im Schankraum. Ich nicke, sie schüttelt fassungslos den Kopf.

Das Spiel läuft schon seit einer Viertelstunde, noch habe ich kein Fitzelchen davon gesehen. Hinter der Theke sehe ich den Fernseher nicht. Die Leute bestellen nun etwas weniger, wie immer, wenn ein Fußballspiel läuft. “Noch eine komplette Runde drehen, dann kuck ich selber mal 10 Minuten,” nehme ich mir vor. Die Runde dauert ebenfalls eine Viertelstunde. Eigentlich könnte ich danach direkt wieder von vorne anfangen, aber ich beschließe, mir jetzt mal eine Pause zu gönnen. Mit einer Zigarette stelle ich mich zu meinen Mitbewohnern an die Theke. 10 Minuten hatte ich mir vorgenommen. Nach knapp vier Minuten ist meine Zigarette aufgeraucht und mein schlechtes Gewissen immens. Also wieder zurück.

Trotz der Hilfe meines Mitbewohners werden die Biergläser knapp. Wenn ein Tisch so voll ist, wie heute alle Tische voll sind, komme ich nicht an die benutzten Gläser ran. Die meisten Gäste denken auch nie daran, sie vielleicht mal dort hinzustellen, wo ich sie auch erreichen kann.

Ich überlege noch, wie ich das Problem lösen kann, als die Kopfschüttel-Frau zu mir kommt. “Sag mal, würde es dir helfen, wenn wir dir ein paar Gläser einsammeln?”
Die Rettung! Sie und ihre Freunde bringen alle ihre gebunkerten und unerreichbaren Gläser, ein paar andere tun es ihnen gleich.

Halbzeit. Ein allgemeiner Strom Richtung Klo setzt ein. Endlich Lücken, durch die ich passe und Gläser einsammeln kann. Die vier Pilstrinker bestellen ihren zweiten 5-Liter-Biertower.

Ich arbeite nun schon drei Stunden unter Volldampf und fange an, Fehler zu machen. Drei Weißbier und ein Weißbier mit Cola sind bestellt, ich mache ein Weißbier und drei Weißbier mit Cola. “Scheißeee,” murmle ich, was jetzt? Ein Liter Bier einfach wegkippen?
Ich bringe den Leuten das Ergebnis trotzdem, zwei kriegen ihr Bier halt mit Cola, keiner beschwert sich.

Wir sind bereits in der 60. Minute. Ich habe immer noch nichts mitgekriegt, glaube aber ständig, was zu verpassen. Bei jedem noch so kleinen Run Richtung Tor schreit die Menge auf. Und sobald der Neuer den Ball auch nur berührt, egal wie lasch der Schuss war, gibt es “Manuuu!!”-Rufe und Applaus.

Überhaupt applaudieren alle pausenlos. Oft direkt neben meinem Ohr. Das pfeift inzwischen kräftig. Wie wird das erst, wenn wir wirklich ein Tor schießen?
Zeit für meinen alten Disco-Trick: Ohrstöpsel aus Taschentüchern basteln. Dafür reißt man eine Ecke ab, kaut sie und steckt sie sich ins Ohr. Isoliert gut und hält besser als normale Ohrstöpsel!

Ich komme mit neuen Bestellungen zur Theke. “Beliebigen Knopf drücken,” empfängt mich jemand.
“Hä?”
“Das steht da! Robin, der Fernseher schaltet sich gleich ab!”
Nicht der Fernseher, sondern der Receiver!!! OMG, die automatische Abschaltung nach drei Stunden!!! Das wollte der Chef doch deaktivieren!!!

Ich springe zur Stereoanlage, oh mein Gott, welche Fernbedienung ist die richtige, was kann ich drücken, ohne alles kaputt zu machen, einfach mal ein Programm hoch und…

“EEEEY!!!!!” brüllt der ganze Laden kollektiv auf. Ich ziehe den Kopf ein und drücke wieder zurück. Kollektives Aufatmen. “Hat geklappt,” wird mir vergnügt mitgeteilt. Ich lächle hilflos.

Die 80. Minute nähert sich, mein Gott, wenigstens die letzten Minuten würde ich doch gerne sehen… ich nehme letzte Bestellungen auf. “Ähm, danach bin ich mal 10 Minuten am Kucken…” “Mach nur, wir werden schon ne Viertelstunde auskommen, ohne zu Verdursten.”

Verständnisvolle Gäste.

Das Spiel geht in die Verlängerung, das gleiche gilt für mich. Ich finde eine halbe Minute Zeit, um mal die Lose durchzukucken. Eigentlich zählt das Ergebnis nach 90 Minuten, aber ob jemand wirklich 0:0 getippt hat…?
Ich finde einen Zettel, bei dem ich nicht beschwören könnte, ob die Zahl bei Deutschland eine 0 oder eine 3 ist. Auch das noch! Eine kurze Umfrage an der Theke ergibt aber, dass es eine 3 sein muss. Also kein Gewinner, dann zählt das Endergebnis, beschließe ich.

Zwei Fässer geht mein Mitbewohner mir wechseln, worüber ich sehr dankbar bin.

Halbzeit der Verlängerung, so, die zweite Hälfte kucke ich mir jetzt aber WIRKLICH an! Ein Kumpel meiner Mitbewohner bestellt noch ein Alt. “Das mach ich noch, dann kuck ich selber,” teile ich ihm überzeugt mit. Er lächelt, redet kurz mit seiner Freundin, dreht sich wieder um, als ich ihm ein Alt hinstelle und sagt: “Machst du noch ein Radler?”

Nach dem Radler dann vor die Theke. Ich darf sogar sitzen. Es ist die 110. Minute. Ich rauche und trinke kalten Tee.

Dann macht Götze sein Tor und der Laden explodiert. Alle feiern, ich feiere mit. Was für ein schönes Tor!!

“Yay, wir sind Weltmeister!” singt eine Bekannte neben mir, obwohl das Spiel noch läuft. Ich sage ihr, dass sowas Unglück bringt, obwohl ich es selber glaube.

10 Minuten und einen lächerlich schlechten Freistoß von Messi später ist es dann soweit. Keinen hält es mehr auf seinem Stuhl. Wir schreien und umarmen uns, ich höre Glas klirren, es ist mir egal. Im Schankraum falle ich mehreren Leuten um den Hals, dann stürme ich hinter die Theke und mache Freischnaps für alle klar. Das ist mit dem Chef nicht abgesprochen, es ist mir egal.

Der ruft kurz darauf an. In diesem Moment bin ich zu happy, um sauer auf ihn zu sein. Er spricht mir seine Hochachtung aus, weil ich schon vor dem ersten Spiel gesagt habe, dass wir Weltmeister werden, und er sich zusammen mit sämtlichen fußballbegeisterten Stammgästen deswegen über mich lustig gemacht hat. Er billigt außerdem meine Freirunde.

Ich bin mega gut drauf, aber das hält nicht lange an. Die Leute feiern, keiner sitzt mehr. Kein Durchkommen. Unmöglich, da überhaupt zu bedienen oder einzelne Leute noch ihren Tischen zuzuordnen. Einige könnten sogar schon gegangen sein. Wie lange das wohl noch geht? Ich habe so viel Geld in der Kasse, aber noch nichts abkassiert. Das macht mir Angst.

Glücklicherweise zieht es die Leute zwar nach draußen, aber nicht alle auf einmal. Ich kassiere das erste Dutzend ab. Wie erwartet bei so glücklichen Menschen klingelt die Trinkgeldkasse. Es sind aber tatsächlich ein, zwei dabei, die megageizig sind. Zum Beispiel hat der Typ, der sich über die klebrige Theke beschwert hat, die gar nicht klebrig war, zusammen mit seinem Kumpel 43,80 Euro zu bezahlen. Erst motzen sie, das könne ja nicht sein (kann es), dann geben sie 45 Euro. Und eine Tussi gibt doch tatsächlich gar nichts. Das macht mich ein bisschen fassungslos. Dafür gibt eine andere 7 Euro, “Weil du das heute so toll gemacht hast!” Das höre ich noch mehrmals. Ich freue mich.

Es wird Zeit für die Siegerehrung. Drei Leute hatten 1:0 getippt. Hm, und jetzt? Anruf bei Chef. Der ist so gut drauf, dass er ALLEN einen Preis gönnt. Zwei Trikots haben wir noch (plus das, was ich trage – aber das ist inzwischen sehr versaut), dazu ne DFB-Stranddecke. Ich gehe alles holen, lasse die Gewinner Streichhölzer ziehen und übergebe alle Preise.

Immer mehr Leute bezahlen und gehen. Ich bin sicher, dass genügend bereit stehen, um nachzurücken – aber ich hatte schon vor Stunden beschlossen, nach dem Spiel dicht zu machen. Ich kann nicht mehr. Der Chef hätte heute das Geschäft seines Lebens machen können, hätte er mir noch eine Kollegin zur Seite gestellt – so ist jetzt Feierabend.

Einer der Typen, der gewonnen hat, bedankt sich am Ende überschwänglich für das Trikot. 80 Euro kosten die Dinger. Oder kosteten sie zumindest bis gestern – jetzt fehlt ja ein Stern. Ich lächle ihn an. Trinkgeld hat er nicht gegeben.

Die Leute, die schon vorher so nett waren, bestehen darauf, mir zu helfen, indem sie sämtliche Gläser zusammen räumen. Die Kopfschüttel-Frau lässt sich von mir die Mailadresse der Kneipe geben. Sie will sich bei meinem Chef beschweren, weil er mich allein hat stehen lassen. Viele andere Gäste teilen mir mit, wie geil ich den Laden geschmissen habe. Ich fühle mich wie die Weltmeisterin im Kellnern.

Ein Stammgast macht noch Stress, weil er betrunken immer aggressiv wird und findet, ich hätte mich einfach weigern sollen, so zu arbeiten. Einerseits findet er, ich hätte mich gar nicht so reinhängen sollen, andererseits ist er sauer, dass er nun bald gehen muss, weil ich schließe. Wir streiten uns ein bisschen, am Ende wankt er angepisst heim.

Ich schließe hinter ihm ab. Nur noch ein einziger Stammgast ist da, ein richtiges Schätzchen. Zu dem setze ich mich. Erstmal Pause vorm großen Aufwisch! Endlich in Ruhe rauchen, endlich auch mal ein Bier trinken!

Wir sitzen friedlich da und sehen uns ein bisschen Nachberichterstattung an, als mein Chef reingewankt kommt. Die Stände beim Public Viewing mussten schon um 1 Uhr schließen. Deutschland.

Seit unserem letzten Telefonat hat er es geschafft, sich komplett volllaufen zu lassen. Als er hoch zur Theke kommt, stolpert er gegen nen Barhocker und schiebt ihn beiseite. “Jetzt komm ich vom Stand und muss hier auch noch selbst die Stühle zusammen stellen,” grummelt er. Für einen Moment würde ich ihn gerne umbringen.

Der Stammgast verabschiedet sich, Chef setzt sich an einen Tisch, den ich schon gewischt habe. Vermutlich will er noch bedient werden, aber nee. Ich ignoriere ihn und beginne, die Zapfanlage sauber zu machen. Wenig später schwankt er heim.

Ich räume weiter auf, während die Nachberichterstattung weiter läuft. Um 3 Uhr endet sie und eine Wiederholung des Spiels fängt an. Na sowas!

Ich muss nur noch das Leergut wegbringen und alle Getränke auffüllen, dann setze ich mich an die Theke. Während das Spiel läuft, zähle ich die Kasse. 750 Euro zähle ich, das wären 250 Bier, wenn denn alle nur Bier getrunken hätten, fast alles davon in nur fünf Stunden.

97 Euro Trinkgeld, das bricht meinen persönlichen Rekord.

Eigentlich wollte ich schnell raus, damit ich noch ein bisschen mitfeiern kann, aber das Spiel fesselt mich. Ich mache mir noch was zu trinken und hole mir eine Packung Kneipenchips, weil ich jetzt erst merke, wie hungrig ich bin, dann sitze ich allein an der Theke in der leeren Kneipe und sehe mir das WM-Finale an.

Als das Spiel abgepfiffen und der Pokal überreicht wird, weine ich ein bisschen.

Trikot4

Wie man lernt, richtig beschissen zu flirten!

Jemand schon mal was von “PickUp” gehört?

Damit ist nicht dieser muffige Schokoriegel gemeint, sondern eine Bewegung, die aus den USA zu uns rüber geschwappt ist und immer mehr Anhänger findet. Dabei geht es um das für gewisse Kerle einzig interessante Thema: Ficken!

Aber vor dem Ficken steht die Eroberung, sprich, das richtige Flirten. Genau diese Kunst versuchen einige selbsternannte Meister auf dem Gebiet, die sich tatsächlich “PickUpArtists” (kurz PUA) nennen, ihrem atemlos lauschenden Publikum – teils gegen viel Geld – zu vermitteln.

Grundlage dieses Konzepts, das sich durch lächerlichen Fachsprech selbst den Anstrich angeblicher Wissenschaftlichkeit gibt, ist die Annahme, dass wir alle Opfer von Evolution und Biologie sind und rein gar nichts dagegen tun können. Weder Sozialisation, noch Kultur können uns das austreiben. Damit ist unser ganzes Leben völlig auf Fortpflanzung ausgelegt, somit auch jede hervorragende Leistung eines Mannes in egal welchem Gebiet nur dazu da, sich als Alphamann zu profilieren und überhaupt hat Michelangelo die Sixtinische Kapelle ja nur angemalt, um die Chicks zu beeindrucken! (Wobei, war der nicht schwul?)

Die Prämisse von PU in aller Kürze:
Frauen sind Neanderthalerinnen, die nur darauf warten, vor dem Typen, der am lautesten mit seiner Keule rasselt, verzückt auf die Knie zu sinken. Bedauerlicherweise (für PUAs) sind diese Urtriebe bei Frauen von einer Patina aus Erziehung, Kultivierung und fehlgeleiteter Emanzipation überzogen, die Frauen tatsächlich weisgemacht hat, es gäbe mehr im Leben als nach dem perfekten Mann zu suchen, dem sie dann Kuchen backen und die Höhle heimelig gestalten können. Aber PUAs haben das durchschaut und die Fähigkeit, die versteckten Evo-Knöpfchen zu finden und zu drücken, zur Kunst erhoben! Halleluja!

Es ist ganz einfach: Da Frauen nur auf Alphamänner stehen, muss man sich selbst als einer präsentieren, um zum Schuss zu kommen. Dominanz und Status sind alles!

Das Schöne an diesem Konzept aber ist, dass man schnell jeden Typen zum “Alpha” labern kann, der Erfolg bei Frauen hat. Klar, Anzüge tragen, Ferrari fahren, überhaupt mit Geld um sich werfen und sich einen Scheißdreck darum scheren, was andere von einem halten, ist natürlich das ultimative Ziel, aber wenn irgendein langhaariger Loser ohne Job und Geld eine klarmacht, dann ist langhaarig, erfolglos und Pleite sein halt in dessen Peer-Group auch irgendwie Status. Niemals nicht kann das vielleicht einfach nur daran liegen, dass der Typ gut aussieht. Denn das kann man ja nur sehr eingeschränkt beeinflussen, womit sich kein Geld verdienen lässt!

Das macht diese Theorie im Grunde absolut nicht falsifizierbar, da alles Status sein kann und jeder erfolgreiche Flirt durch PU erklärt wird. Selbst Basics, die schon unsere Großeltern wussten (beispielsweise, dass man gepflegt besser ankommt, als wenn man zehn Meter gegen den Wind stinkt) werden von PU vereinnahmt und so präsentiert, als hätte man die Relativitätstheorie entdeckt.

Nach dieser Vorrede fragt ihr euch bestimmt, wie das in der Praxis aussieht. Bedauerlicherweise kann ich davon ebenfalls berichten.

Fangen wir von hinten an. Letzten Dienstag bin ich nach dem Deutschland-Brasilien-Spiel (7:1 YEAH!) noch bei uns in der Kneipe an der Theke gelandet. Davor ein Typ, den ich noch nie zuvor gesehen habe und der irgendwann begann, mich anzubaggern. Leider kann ich das Gespräch nicht mehr im Wortlaut wiedergeben (*hust* Ein Tor ein Schnaps *hust*), aber dass sich bei mir sehr schnell ein Gefühl von absoluter Ablehnung einstellte, ist mir noch sehr gut im Gedächtnis.

PUAs glauben, Frauen seien die Herrscherinnen des Schlafzimmers, denn Eier sind teuer, Sperma ist billig blabla und außerdem haben Frauen ja eigentlich eh kaum ne eigene Libido. Dies führe bei Frauen zu der Vorstellung, dass Männer Bittsteller sind, die um Sex betteln, da sie den ja so viel nötiger haben als Frauen.

Ein echter Alpha interessiert das natürlich nicht! Alphas können ja jede haben. Wer also den Eindruck vermittelt, überhaupt kein Interesse an der Frau ihm gegenüber zu haben, macht sich selbst umso interessanter. Logisch, ne? Umgesetzt in ein konkretes Flirtverhalten äußert sich das in einem “Mädel, ich als ultimativer Macker bin ja so viel besser als du”-Gehabe. Das kann erreicht werden durch eine enervierend süffisante Haltung oder auch schlicht Beleidigungen.

Dieser Typ schaffte es also, mich massiv anzumachen und mir gleichzeitig das Gefühl zu geben, dass er mich für eine absolute Idiotin hält (die vermutlich froh sein soll, von diesem Gottesgeschenk an die Weiblichkeit überhaupt beachtet zu werden). Am meisten habe ich noch im Gedächtnis, dass er alles hinterfragte, was ich von mir gab. Wirklich ALLES. Darunter auch Aussagen zu meinem Alter (abgesehen von meiner Mutter dürfte ich selbst die Person sein, die am besten weiß, wie alt ich bin), zu meinem Studium (nicht zu den Inhalten, sondern tatsächlich, WAS ist studiere!) und so weiter. Gönnerhafte Kommentare zu meinen Dartkünsten (ich ließ mich zu einem Spiel breitschlagen… und war BESSER als er) hätten den Sack dann zugemacht, wäre er nicht schon vorher zu gewesen.

Das Tragische daran ist, dass ich den Kerl wirklich süß fand, rein optisch gesehen. Genau mein Typ! Ein freundliches Gespräch hätte ihm alle Optionen eröffnet. Aber nee, lieber führt Mann sich wie ein Arschloch auf, weil voll Alpha und so. Doch leider wird man durch Arschloch-Benehmen nicht zu einem guten Flirter, sondern zu einem Arschloch!

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Aber weiter im Text. Reden wir über den einzigen PU-Anhänger, den ich im echten Leben je getroffen habe und der zu seiner Obsession auch offen stand. Es handelte sich um den Freund einer Ex-Kollegin, der sich für PU zu interessieren begann, als sie gerade frisch zusammen waren.
Klar, dass sie das irgendwie scheiße fand!

Dieser Typ versuchte nun tatsächlich, als Anzugträger zum Alpha zu werden. Natürlich war ihm klar, dass einige körperliche Gegebenheiten eher auf Alpha hindeuten. Evolution halt.
So saß ich mit beiden in einer Bar und bekam mit, wie sie sich anfingen zu streiten. Das Thema war schnell ermittelt, als sich meine Ex-Kollegin mit blitzenden Augen zu mir drehte und zische: “Kannst du dem bitte mal sagen, dass er groß genug ist?!”
Ich musterte ihn von Kopf bis Fuß. “Alter, du bist groß genug.”
Er lächelte über so viel Naivität. “Aber es wäre besser, wenn ich NOCH größer wäre.”
“Wie groß bist du denn?”
“Eins-dreiundachzig.”
“Ähm, das reicht doch?!”
“Fünf Zentimeter mehr wären aber besser,” erwiderte er im jammerigsten Tonfall.
Ich facepalmte innerlich und wusste genau, worauf das hinauslief, aber ich fragte dennoch nach, wieso er das für besser hielt.
Die Antwort natürlich: “Frauen stehen auf große Männer!”
Und das ist IN STEIN GEMEISSELT!!! Das ist EVOLUTION, Baby!!!
Wir begannen zu diskutieren (sinnlos). Irgendwann fragte er mich, wie groß denn meine Exfreunde gewesen wären.
“Die waren alle über eins-achtzig…”
“AHA!!!”
“… aber glaubst du, es ist cool, als so kleine Frau mit so jemanden zusammen zu sein und ständig blöde Sprüche abzukriegen, wie doof wir nebeneinander aussehen würden? Hätte ich es mir aussuchen können, wären sie mir kleiner lieber gewesen.”
Das galt natürlich nicht. Ich habe mich in all meine Freunde verliebt, weil sie groß waren und nicht etwa, weil mich ihre Persönlichkeit ansprach. Weil Evolution. Weißte Bescheid.

Schuldig blieb er mir eine Erklärung darüber, ob sich diese Faustregel irgendwann umkehrt, wenn eine gewisse Größe überschritten ist. Ab, keine Ahnung, 2 Meter 10 ist es doch schon echt eher gruselig als attraktiv. Was soll ich mit einem Mann, der einen halben Meter größer ist als ich? Weil es ja so lustig ist, zum neunzigsten Mal “Standgebläse”-Witze zu hören?

Weiter im Text. Nach diesem erhellenden Gespräch, in dem ich erfuhr, dass PUAs besser wissen, was ich will als ich selbst, kam irgendwann der nächste Typ angerannt.

Nein, eigentlich SPRANG er mir eher in den Weg. Es war in meiner Stammdisco. Ich befand mich auf dem Weg in den Raucherbereich, als sich plötzlich ein Typ vor mich warf und sofort anfing, auf mich einzureden.
Ich kann leider auch hier nicht wiedergeben, was es genau war. Dieses Mal nicht, weil ich betrunken war (kaum), sondern weil es schwer ist, sich so viel Bullshit auf einmal zu merken. Wasserfallartig texte dieser Kerl mich zu und redete offensichtlich nur, weil er ein Wortminimum zu erfüllen hatte!
Kurz zuvor hatte ich dieses Video gesehen:

Olli Schulz lässt sich von einem solchen Checker demonstrieren, wie man Frauen aufreißt – und das ist wirklich Gold! Man weiß kaum, was peinlicher ist: Die Selbstdarstellung dieses Typen (Devil! *hysterisch kreisch*), die Tatsache, dass er in seinen Videos klingt, als würde er in der 5. Klasse ein Referat halten, auf das er sich nicht vorbereitet hat oder den traurigen Umstand, dass er Sprüche wie “Kennste das noch, ne Post, wo man diese viereckigen Dinger abgibt” tatsächlich für witzig hält. SO – PEINLICH. Sowas erinnert mich immer an meinen Lieblingsdozenten der Erziehungswissenschaften, der uns mal den dringenden Tipp auf den Weg gab: “Versuchen Sie nicht lustig zu sein, wenn Sie es nicht sind!”

Aber ich habe dadurch gelernt, dass die Strategie vieler PUAs darin besteht, eine Frau einfach sinnlos vollzulabern, bis sie entkräftet aufgibt und in seine Arme sinkt. So ein Exemplar schien ich vor mir zu haben.
Ich fragte also, während er gerade Luft holte: “Probierst du gerade PickUp bei mir aus?”
Die einzig richtige Antwort wäre jetzt gewesen: “Hä?” Stattdessen lachte er unbeherrscht, versuchte, den Spruch irgendwie zu überspielen (der endgültige Beweis, dass ich mit meiner Einschätzung recht gehabt hatte) und redete weiter mit der Geschwindigkeit einer AK-47.
Da er mir überhaupt nicht die Möglichkeit bot, zu Wort zu kommen, musste ich dann leider unhöflich sein und wortlos gehen.

Den tollsten Vertreter dieser Spezies traf ich dann aber noch etwas später in der selben Disco. Bis dahin war das ein hammergeiler Abend gewesen. Ich war mit Mitbewohner David unterwegs, die Musik war ultragenial, wir tanzten viel, ich fühlte mich superwohl. Einfach ein richtig schöner Abend!
Irgendwann verzog ich mich für eine Zigarette, während Mitbewohner David weiter auf der Tanzfläche abging. Ich stand da, die Kippe in der Hand und war einfach richtig happy. Das war der Zeitpunkt, als einer dieser Möchtegern-Aufreißer auf mich zu kam und meinen Blick suchte. Ich lächelte ihn knapp an – nicht, weil er mir gefiel, sondern weil ich gelernt habe, dass man das so macht, wenn man ein menschliches Wesen vor sich hat.

Das war leider für ihn ein Signal, mich anzulabern. Und was er sagte war: “Wow, du siehst ja so richtig unzufrieden aus!”

Mir fiel ALLES aus dem Gesicht. Wie gesagt – mir ging es gerade richtig gut! Alles war toll! Und dann kommt dieser Kerl und erzählt mir, ich würde unzufrieden aussehen?!

Natürlich – der meinte das ja gar nicht so! Ich sah im Gegenteil ZU zufrieden aus! Was natürlich nicht geht… eine zufriedene Frau ist eine selbstsichere Frau und selbstsichere Frauen lassen sich nicht von PUAs abschleppen! Es galt also, mich zu verunsichern. Ihr wisst schon, Dominanz zeigen, damit er einen auf Alpha machen kann!

Aber statt völlig zusammen zu brechen, was wohl sein Ziel gewesen war, wurde ich ein bisschen sauer. “Ähm, Hallo? Was ist denn das bitte für ein Spruch?” ging ich direkt auf Konfrontationskurs. Das brachte ihn ins Schwimmen, auch wenn er versuchte, Contenance zu bewahren. Ich war aber so von den Socken, dass ich ein Mädel hinter mir anhaute. “Stell dir vor, was der gerade zu mir gesagt hat!”
Sie hörte es sich an und wirkte ebenso verblüfft. “Also wirklich, sowas sagt man doch nicht,” meinte sie tadelnd.
Er versuchte, das Ganze als Witz hinzustellen (“Du siehst unzufrieden aus” – höhö, superwitzig). Da war mir schon klar, dass ich hier jemanden vor mir hatte, der ein Programm abspulte. Und diese Erkenntnis war immerhin interessant genug, dass ich nicht direkt flüchtete. Mal sehen, was der sonst noch so probierte.

Ich hätte es mir nicht schlimmer ausmalen können. Wir, naja, “unterhielten” uns über das Studium (ich antwortete einsilbig). Als ich auf Nachfrage meinte, dass ich gerne wieder zurück nach Hause will, wenn ich fertig bin, antwortete der doch tatsächlich: “Klar, du machst definitiv den Eindruck, total heimatverbunden zu sein!”
Von der völlig idiotischen Überschwänglichkeit abgesehen: Wir kannten uns ZWEI Minuten. Steh ich drauf, von einem komplett Fremden zu hören, was ich für eine Persönlichkeit habe?

An dieser Stelle dann wieder mein Standardspruch: “Probierst du gerade PickUp bei mir aus?”
Wieder kein “Hä?”. Wie lame.

Damit war für mich die Sache gegessen. Ich hatte keinen Bock mehr auf diese Spielchen und wollte wieder tanzen gehen. Ich machte ihm klar, was ich von PU hielt und verabschiedete mich.

Später sah ich ihn an der Tanzfläche stehen und mich beobachten. Er winkte mich zu sich. Dumm, wie ich bin, ging ich hin und wandte den Kopf, weil ich dachte, dass er mir etwas sagen wolle. Stattdessen packte er meine Hand. Ich, konsterniert, wollte sie wegziehen, doch er umklammerte mein Handgelenk so fest, dass ich mich wirklich losreißen musste. “Darauf steht wirklich keine Frau!” teilte ich ihm mit, als ich das geschafft hatte.

Seine Antwort: “Scheiß auf dich!” – und ein beleidigter Abgang.

Tja, PUAs und ihre verletzten Gefühlchen.

All das war nicht gerade dazu angetan, meine Begeisterung für PU zu erhöhen. Abgesehen davon, dass ein Mann, der sein ganzes Leben danach ausrichtet, mit möglichst vielen Frauen möglichst viel Sex zu haben, in meinen Augen so tiefsinnig wie eine Regenpfütze ist, wirkt die Verzweiflung, die sich in der Nutzung kleiner PU-Psychospielchen äußert, für mich so ziemlich als das Gegenteil von “Alpha”.

Da ist mir ein Olli Schulz lieber, der nicht nur witziger ist, sondern die ganze Scheiße auch noch richtig peinlich findet!

Zum Weiterlesen von der fabelhaften Maren, die in dem Thema viel tiefer drin ist (und sich gerne unheimlich witzig der Demontage dieser Bewegung widmet):
Was PickUp so scheiße macht
Was PickUpArtists so scheiße macht

Und Onyx hat auch ne krasse Geschichte über einen PUA auf Lager:
Der vielleicht dümmste Anmachspruch der Welt!

Media Monday #158

Es ist mal wieder Media Monday (und das ist gut so, denn wie man sieht, komme ich momentan zu nichts anderem…)!

1. Der coolste Westernheld ist und bleibt Clint Eastwood, denn das ist der einzige Westernheld, der mir spontan einfällt, weil ich, glaube ich, überhaupt noch nie einen Western gesehen habe.
Ich habe mal gehört, Clint Eastwood hätte auf die Frage “Mr. Eastwood, warum sind sie eigentlich so verdammt cool?” folgendermaßen geantwortet: Er grinste, schnipste unter das Päckchen Zigaretten, das er in der Hemdtasche trug, fing die herausfliegende Zigarette mit dem Mund auf, machte noch irgendeinen abgespacten Trick mit seinem Zippo und blies schweigend den Rauch in die Luft. Einzige Antwort, die nötig war.

2. Die Serie Die Simpsons hat in dem Moment stark nachgelassen, als immer mehr neue Charaktere auftauchten, weil das einfach ein Beweis für die Ratlosigkeit der Drehbuchautoren ist. Acht Staffeln lang kam man mit dem ohnehin riesigen Cast der Serie locker aus, aber ab Staffel 9, die ich mir gerade wieder ansehe, platzt fast jede Folge irgendein neuer Charakter rein, der dann meist auch nur eine Folge lang bleibt. Damit verschob sich auch der gesamte Plot der Serie weg von der Kernfamilie und ihren Problemen hin zu irgendwelchen komplett absurden Ideen. Das war am Anfang AUCH noch cool – aber inzwischen haben die Simpsons den Status einer Lieblingsserie bei mir verloren. Mehr als die Hälfte der Staffeln sind inzwischen einfach nur kompletter Müll. Das ist unglaublich schade, weil der Rest dafür so genial ist, aber man hätte die Serie eben beenden sollen, bevor es soweit kam. Jetzt sieht es irgendwie so aus, als würde diese Serie niemals mehr enden.

3. Wenn in Filmen Engel in Erscheinung treten ist das immer ganz interessant zu sehen, vor allem, wenn es nicht so eklig auf der Glaubensschiene läuft. Meist sind Engel entweder hoffnungslos naiv oder total abgefuckt und irgendwie hat beides seinen Reiz. Hätten wir nicht alle gern einen Engel an unserer Seite?

4. Battlefield Earth würde ich mir nicht einmal unter Zwang ansehen, denn ich hab es einmal probiert und musste nach zehn Minuten ausschalten, weil dieser Film einfach so unendlich schlecht ist!!! Aber weil er sich selbst so unglaublich ernst nimmt, kann man nicht mal drüber lachen. Ein riesiger, riesiger grottiger Haufen Scientology-Scheiße!

5. Es gibt heutzutage in Filmen wirklich viel zu wenig Handarbeit! Es gibt Filme, die schon 20 Jahre auf dem Buckel haben, aber im Bereich Spezialeffekte teils besser sind als heutige Filme. Das Credo scheint offensichtlich zu sein: “Warum sollten wir in Film X ein echtes Tier nehmen, wenn wir auch einfach für viel mehr Geld eine schlechte CGI-Animation am Computer zusammen basteln können?” Und das geht mir unheimlich auf die Nerven!

6. Buch-Verfilmungen und Comic-Adaptionen sind ja groß in Mode, aber wieso kommt eigentlich niemand mal auf die Idee, mal Transmetropolitan zu verfilmen? Ich liebe die Comicserie einfach! Ich glaube, das könnte als Film ein großer Hit werden, sofern man nicht versucht, mit aller Gewalt den FSK zu drücken. Das ginge da gar nicht klar! Ich stelle es mir als eine Mischung aus Fear and Loathing in Las Vegas und Sin City vor. Luc Besson müsste für das Design verantwortlich sein (aber sonst für nix, ich hasse seine Filme). Keine Ahnung, wer Spider Jerusalem spielen könnte, aber da findet sich schon jemand. Das hätte definitiv das Zeug zu einem Kultfilm!

7. Zuletzt gesehen habe ich Titanic und das war jetzt irgendwie peinlich zuzugeben, weil die meisten Leute diesen Film hassen. Ich gehöre nicht dazu. Klar gibt es einige eindeutige Schwächen (es gibt mindestens zwei (wenn auch kleine) Rollen, die so schlecht gespielt sind, dass es mir immer noch unbegreiflich ist, wie diese Leute jemals in einem solchen Blockbuster landen konnten), aber hach, die Kostüme, die Story, die Action, die Dramatik… das ist doch echt nicht schlecht! Es will ja kein Citizen Kane sein.
Ich hatte Lust auf den Film, weil ich mir am 4. Juli Independence Day angesehen habe (weil Tradition) und danach irgendwie mit 90er-Jahre-Kassenknüllern angefixt war. Und ich bin okay damit!

Media Monday #157

Es ist mal wieder Media Monday!

1. Die einen treten sang- und klanglos ab, andere SchauspielerInnen ruinieren sich ihren Ruf im Alter mit halbgaren Rollen. Leonardo di Caprio allerdings hat es geschafft, mich bis heute in ihren/seinen Rollen zu begeistern, denn ernsthaft: Gebt diesem Menschen endlich einen Oscar! Er ist schlicht ein sehr, sehr guter Schauspieler, der es verdient hat!
Eigentlich habe ich ihn ja mal gehasst – das war nach diesem Hype um Titanic. Ungerechterweise übertrug sich meine Aversion gegen diese “OMG ist der so süüüß!!!”-Hysterie (die ich nicht nachvollziehen konnte, weil ich den Leo eben NICHT süß finde) auf das Objekt der Begierde, obwohl der doch wirklich am wenigsten was dafür kann. Aber mit 12 ist man halt nicht immer ganz fair.
Später habe ich dann frühere Filme von ihm gesehen und das schmolz den Hass gegen ihn dahin. Jim Caroll ist großartig und für seine Rolle in Gilbert Grape hätte er damals schon einen Oscar bekommen sollen, auch weil er da 20 ist, aber keinen Tag älter aussieht wie 12. Wie nennt man das eigentlich, wenn die Pubertät gut zehn Jahre später zuschlägt?
Der Leo ist ein ganz Großer, wird irgendwann auch seinen Oscar bekommen und bis ins hohe Alter super schauspielern. I guarantee it!

2. Weil letzte Woche vehement danach verlangt worden ist (und die WM ja schließlich immer noch läuft): Der beste Fussballfilm ist natürlich Das Wunder von Bern! Deutscher Film, für viele schon ein Ausschlusskriterium, aber ich bin da nicht so. Die gesamte Story ist einfach nur richtig gut! Schön auch die Darstellung der verschiedenen Klassen (einerseits die Arbeiterfamilie, andererseits das leicht dekadent angehauchte Journalistenpärchen, das im 50er-Jahre-Schick schwelgt und mit seinen spritzigen Schlagabtauschs für die meisten Lacher sorgt!). Wenn ich irgendwann mal die Nachkriegszeit im Unterricht behandeln werde, werde ich vermutlich den Film zeigen. Es klingt so dämlich, aber Deutschland hätte sich vermutlich wirklich nicht so schnell wieder aufgerappelt, wenn die WM damals nicht gewesen wäre.

3. Wenn es darum geht, eine historische Persönlichkeit zu verkörpern, hat meiner Meinung nach Cate Blanchett in Elisabeth den besten Job gemacht, weil sie die Wandlung von der illegitimen Tochter hin zur Herrscherin über ein Weltreich perfekt hinkriegt. Anfänglich jung (wesentlich jünger, als sie zu dem Zeitpunkt wirklich war) und zerbrechlich wirkend ist sie am Ende wahrhaft aristokratisch. Besser hat’s nur Judi Dench hingekriegt, deren Darstellung doch eher die negativen Aspekte von Elisbeth I. beleuchtet (und trotzdem zum Brüllen ist).

4. Früher konnte ich mit dem Genre Punk überhaupt nichts anfangen, aber The Offspring hat mich bekehren können, weil ihr massentauglicher Song Pretty Fly ein super Einstieg war, der meinem vierzehnjährigen Ich die Türen zu den eher härteren Gefilden der musikalischen Welt öffnete. Davor war halt alles eher so Bravo Hits, ne? Deshalb ist The Offspring immer noch meine Lieblingsband, die auf ewig einen besonderen Platz in meinem Herzen haben wird, und ihr Album Americana werde ich ebenfalls immer in Ehren halten.

5. Das unsinnigste Merchandise-Produkt, das ich je gesehen habe… ach, ich glaube, sowas gibt es gar nicht. Entweder man mag den Film/das Buch/die Serie/das Franchise, dann ist auch jedes Merchandising-Produkt dazu irgendwie toll, oder man mag es nicht und dann ist natürlich alles, was sich darauf bezieht, auch total scheiße. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich kein Merchandising-Opfer bin, was sich spätestens dann bemerkbar machen wird, wenn sich meine finanzielle Situation ändert.

6. Taschenbuch, Hardcover oder eBook?
Taschenbücher! Hardcover sind mir zu sperrig und teuer, während man Taschenbücher so richtig schön quetschen kann. Sehr angenehm, wenn man so liest wie ich (flach auf dem Rücken, Buch über mich haltend). Mit eBooks bin ich bisher noch nicht warm geworden.

7. Zuletzt gesehen habe ich die vorletzte Folge von Penny Dreadful und das war ziemlich cool, weil mich die Serie echt überzeugt. Manchmal tropft der Schmalz meiner Ansicht nach ein wenig zu sehr und der Pathos schlägt einem voll in die Fresse, aber die tolle Sprache und natürlich nicht zuletzt die Story macht es wieder wett.
Gestern kam das Staffelfinale, welches ich mir heute vermutlich noch ansehen werde. Ich bin gespannt, wie die losen Fäden in nur einer Folge noch verknüpft werden können und hoffe natürlich das Beste.