Mädels, join the #Aufschrei!

aufschrei

“Qualitätsmedien” wie die BILD schreiben immer wieder: “Nachdem die Ereignisse bekannt wurden, ging ein Aufschrei durch Deutschland!”

Tja, dieses eine Mal stimmts.

Inzwischen dürfte es wohl jeder mitbekommen haben: Rainer Brüderle macht eine Journalistin blöd an und die schreibt darüber einen Artikel, der eine Sexismusdebatte auslöst, die ich in dieser Form niemals erwartet hätte.

Ich möchte überhaupt nicht darüber diskutieren, ob das Vorgehen der Journalistin so ganz astrein war, denn dass die Tatsache, dass dieser Artikel erst ein Jahr nach dem Vorfall erschienen ist und daher ein “Geschmäckle” hat, ist schon zur Genüge und erschöpfend breit getreten worden. Ich finde, beide Seiten haben gute Argumente, ich bleibe aber trotzdem bei meiner Meinung, dass dieser Artikel gut ist, so wie er ist, auch wenn man ihn schon vor einem Jahr hätte veröffentlichen können.

Ob er trotzdem die gleichen hohen Wellen geschlagen hätte? Wer weiß! Aber DAS er Wellen geschlagen hat, ist unbestreitbar. Von den Blogs, denen ich folge – und das sind nur zum Bruchteil feministische Blogs – beschäftigten sich gut ein Viertel heute oder gestern mit dem Vorfall. Und es werden immer mehr!
Vor allem “Schuld” an dieser tsunamiartigen Ausweitung der Debatte ist wohl Twitter, da ein paar fixe Leute auf die Idee gekommen sind, daraus eine Aktion zu machen. Unter dem hashtag #aufschrei erzählen seit einigen Tagen Frauen und Mädchen aller Altersklassen von ihren Erlebnissen mit dem alltäglichen Sexismus. Inzwischen ist das so groß, dass sich selbst die Mainstreammedien damit beschäftigen müssen (Onyx hat unter ihrem Beitrag zum Thema mal eine beeindruckende Liste mit Artikeln zusammengestellt… und das ist nur der Anfang!).

Und ich finde das ultrageil! Nie im Leben hätte ich gedacht, dass so etwas in Deutschland möglich ist. Was da zusammenkommt, das ist… shocking!

Es heißt von Feministinnen gerne, wir würden in einer Rape Culture leben, einer Kultur, die Vergewaltigung systematisch zulässt durch Opferbeschuldigung, lasche Strafen, wenn überhaupt bestraft wird etc.pp.
Ich fand den Begriff immer etwas reißerisch. Es passieren viel zu viele Vergewaltigungen, dennoch ist das jetzt nicht ein Problem, dem ich mich tagtäglich aussetze, indem ich nur einen Fuß vor die Tür setze. Auch gibt es viele, viele Menschen, die einfach nur übelste Hassgefühle kriegen, wenn sie hören, dass eine Frau vergewaltigt worden ist. Also nix mit Opferbeschuldigung und so weiter.
Man kann den Begriff durchaus kritisieren. In meinen Augen aber völlig unbestreitbar ist die Tatsache, dass wir in einer Belästigungskultur leben. Sexuelle Übergriffigkeiten sind an der Tagesordnung und wer das nicht glaubt, kann ja in diesen Tagen Twitter einschalten!

Ich habe keinen Twitteraccount, werde mir aber in den nächsten Tagen einen anschaffen. Zu beeindruckt bin ich von der Macht dieser Plattform, die sich mir hier demonstriert.
Das heißt aber nicht, dass ich darauf verzichten muss, bei der #Aufschrei-Aktion mitzumachen. Im Gegenteil, ich brenne darauf, meine Erlebnisse nieder zuschreiben… nur halt eben hier! Und ich fände es einfach nur wundervoll (seltsame Wortwahl in diesem Zusammenhang, aber es ist halt so), wenn wirklich jede Bloggerin da mitmachen würde. Man muss keinen Blog mit feministischen Inhalten betreiben, um seine Erlebnisse mit dem alltäglichen Sexismus mit der Welt zu teilen, denn das ist ein Thema, das jede Frau und jedes Mädchen betrifft, da wir ALLE schon mal Opfer solcher Übergriffe geworden sind… oder bezweifelt das immer noch jemand?

“Männer nehmen den alltäglichen Sexismus gar nicht wahr” titelt Spiegel Online. Tja, lasst uns doch einfach eine so gigantische Informationsbombe zünden, dass die gar nicht anders können, als es wahrzunehmen!! Viel ist ja schon erreicht, aber da geht  doch noch mehr! Twittert, schreibt auf Facebook, redet mit Freunden drüber, bloggt, tut was euch sonst noch so einfällt, aber bitte tut was und brecht euer Schweigen! Denn irgendwas liegt in der Luft. Es ist vielleicht mal wieder viel zu optimistisch, aber irgendwie glaube ich, dass diese ganze momentane Debatte das Zeug dazu hat, tatsächlich mal langfristig etwas zu verändern.

Und nach dieser langen Vorrede… mein #Aufschrei!

Ich bin ja manchmal etwas schizophren unterwegs. So bin ich ja eigentlich gegen Gewalt, aber ne saftige Klatsche, zumindest im Geiste, da leider in der Realität nicht passiert, möchte ich dennoch an folgende Personen senden.

Da wären die widerlichen Typen, die mir und meinen Freundinnen, als wir gerade aus der Bahn steigen wollten, an den Arsch gepackt und dabei gröhlend gelacht haben. Und wenn ich “gepackt” schreibe, meine ich gepackt!

Oder der Kumpel, der mir, die ich mich an dem Abend besonders sorgfältig zurecht gemacht hatte und mir in dem edlen Top mit tiefen Ausschnitt besonders hübsch vorkam, nach dem Discobesuch im Subway vor dem vollbesetzten Laden an den Kragen packte und versuchte, mein Top herunter zu ziehen. Ich konnte mich noch eben so retten, so dass lediglich eine Freundin, die mir gegenüber saß, einen Nippel zu sehen bekam. Das wurde mir am nächsten Tag immerhin reuevoll mit einer Rose und einer Packung Merci vergütet. Trotzdem!

Das dumme Arschloch, das meiner besten Freundin, als die in ihm einen Klassenkameraden von der Berufsschule erkannte und lächelnd auf ihn zu trat, blitzschnell in die Hose und damit in den nackten Schritt gegriffen hat, während seine Freunde ihn umringten und der Aktion applaudierten. Das geschah am hellichten Tag mitten in der Stadt und ich stand daneben!

Frauen können auch scheiße sein. Zumindest die unsensible, saublöde Frauenärztin, die ich mit meiner Mutter beim ersten Auftreten von diffusen Bauchschmerzen mit 11 Jahren aufsuchte und die keinen Gedanken daran verschwendete, dass ich es vielleicht unangenehm finden könnte, wenn ich auf den Stuhl und meine Vagina weit öffnen muss, während meine Mutter genau davor sitzt und einen so guten Blick auf UND IN meine Genitalien hat, dass sie praktisch schon ihren ungezeugten Enkeln Hallo sagen konnte!

Da wär noch der ekelhafte Schwanz, der die Freundlichkeit, mit der wir ihn bei Rock am Ring an unser Feuer eingeladen haben, damit vergütete, dass er mir, als ich gerade mit einem Freund neben ihm redete und kurz wegsah, in die linke Titte kniff. Das war nicht nur scheiße, das tat sogar richtig weh!!!

Dann die vielen, vielen Assis, die den fröhlichen Marsch meiner besten Freundin und mir in Richtung Disco jedes verdammte Mal mit einem aus dem heruntergekurbelten Autofenster gerufenen “Fickeeeen!” beendeten!

Oder der Blogger, der ein Lifestyle-Autor sein will, aber einfach nur ein Arschloch ist, der sich nicht zu blöd ist, Frauen, die seine Meinung nicht teilen, zu unterstellen, sie müssten wohl mal wieder gefickt werden, was von seinem degenerierten Fanclub johlend kommentiert wird, und der außerdem abgrundtief böse genug ist, über Missbrauchsopfer abzulästern und gar Frauen, die sowas nicht erlebt haben und die er nicht leiden kann, sein Bedauern über diesen Umstand auszusprechen.
Diesem Kerl würde ich keine Ohrfeige verpassen. Ich wünsche mir schlicht und ergreifend, dass er Krebs kriegt und stirbt!

Schön war auch der zurückgebliebene Sack, der bei meinem Betriebspraktikum in der 9. Klasse in einer Druckerei auf Nachfrage überrascht ausstieß: “Nein, Frauen können keine Druckermeister werden! Dafür muss man gut sehen können!”

Mit besonderer Liebe  denke ich auch an den stinkigen Bastard zurück, der mich, ein sechszehnjähriges Mädchen, im Park in einen schraubstockartigen Griff nahm und meinen Hals küsste und in mein Ohr stöhnte!

Und last, but not least: Die beschissenen kleinen Arschlochkinder, die mich, ich kann nicht älter als sechs Jahre gewesen sein, im Wald zwangen, mich ganz nackt auszuziehen, damit sie die weibliche Anatomie am lebenden Objekt studieren konnten!

…und das sind nur die Vorfälle, die mir spontan einfallen!

Ich möchte nicht, dass das falsch verstanden wird: Ich glaube nicht, dass mich etwas davon nachhaltig traumatisiert hat (bis auf den letzten Vorfall… dafür spricht, dass ich diesen gut 7, 8 Jahre nicht nur verdrängt, sondern VERGESSEN hatte). Aber SCHÖN war es auch nicht, verdammte Scheiße!!!
Es ist nicht unbedingt die Qualität einer Belästigung, die einem das Leben schwer macht, sondern einfach die pure Masse. Es ist nicht die Art der Waffen, die entscheidend ist, sondern wie man sie einsetzt. Wassertropfen sind harmlos, aber in der chinesischen Wasserfolter werden sie, permanent auf die Stirn eines Folteropfers fallend, dennoch zu einer wirksamen Methode, einen Menschen in den Wahnsinn zu treiben.

Und so ist es auch mit Belästigungen. Sie sind die Wassertropfen, die Hass in dir wecken, die dich vom Schlafen abhalten, dir die Laune versauen, dich dazu bringen, dass du dich in dem süßen Kleid, das du gerade noch so hübsch gefunden hast, nicht mehr wohlfühlst, weil sich wieder mal ein Arschloch dazu genötigt gefühlt hat, eine Bemerkung über deinen Arsch oder deine Titten fallen zu lassen. Immerhin hast du mit dem Fetzen Stoff ja auch ein Signal gesendet, also bist DU schuld, weil du Arsch und Titten hast.

Wir sind nicht Schuld, wenn Männer gegen uns übergriffig sind. Wir sind Frauen. Und Frauen werden tagtäglich von schwanzlosen kleinen Wichsern überall in Deutschland auf der Welt zu Opfern gemacht.
Das traumatisiert uns vielleicht nicht, aber es verdirbt uns zumindest temporär den Spaß am Leben. Und manchmal, viel zu oft, macht es uns auch Angst. Das ist nicht okay! Und es gibt so vieles, was mich ankotzt, was aber so alltäglich ist, dass sich kaum das Aufschreiben lohnt. Der abschätzige Blick von oben bis unten, mit dem ich mal eben abgecheckt werde. Die Hand, die ich, höflich wie ich bin, zur Begrüßung gereicht habe, und die einfach nicht mehr losgelassen wird. Die vielen “Fotze”-, “Schlampe”-, “Titten raus”-Rufe, die ich in meinem Leben schon hören musste. Die Kommentare, die ich kassiere, wenn ich aus dem Haus gehe ohne mich zu stylen, und die Kommentare, die ich kassiere, wenn ich es tue. ES NERVT!!!

Liebe Frauen und Mädchen, die ihr das hier liest. Viele machen schon bei dieser Aktion mit. Bitte tut das auch. Lasst uns die Wassertropfen sammeln, die so harmlos sind, aber unser Leben trotzdem manchmal zur Hölle machen, und gemeinsam erschaffen wir damit eine Flut, die vielleicht einen Damm brechen kann. Und wenn es nur der Damm ist, der die ganzen “Sowas passiert bei UNS doch nicht”-Laberern vor der Realität bewahrt. Die Gelegenheit war nie so gut wie jetzt, also macht es wie Maike, JaySue, Ninia, Mina, Theodoraa, Picki, Ina, Antje, Claudia, Frau Auge, AufZehenspitzen, Merle, Kris, die Femgeeks, Nele, Hopskuller, Nonalicious, Lisa, FlauschHanu, Cloudette, Hermione,
Sachensucherin, Katrin und die vielen anderen Bloggerinnen, die über oder von Übergriffen geschrieben haben und die man wohl unmöglich alle lesen kann (ich musste nicht gerade lange suchen für diese Liste!). Knallt den Männern eure Erlebnisse in die Fresse, auf dass sie endlich kapieren, dass dies ein Problem ist, welches man nicht weglabern kann, indem man die Betroffenen veräppelt!!

Wir sind Frauen und wir sind viele. Zeit, dass die richtigen Leute das merken!

29 Gedanken zu “Mädels, join the #Aufschrei!

  1. Ich finde deinen Artikel verdammt gut (und ich frage mich, warum ich derart schwere Kost immer noch vor dem Aufstehen lese…) aber so wirklich kann ich noch nichts konstruktives beitrage. Ich muss die ganze Geschichte erst mal durchdenken (und das dauert kafkabedingt gerade länger, die MA macht dumm).
    Aber in meiner Beschäftigung mit der Thematik fand ich das hier: http://www.fraumeike.de/2013/das-schreien-der-laemmer/
    Oder kennstes schon? Ich fand das durchaus interessant und werd das Netz noch ein wenig weiter durchforsten. Denn irgendwie scheint mir die #aufschrei-Geschichte durchaus Potential zu haben.

    • ich finde es schon erschreckend, wie vielen Frauen so etwas passiert ist, wobei es sicherlich auch nur ein kleiner Teil der Männer ist, die so agieren.
      ich will nicht sagen, dass ich noch nie Grenzen überschreiten habe oder noch nie mist gebaut habe, aber ich habe sicherlich noch keiner Frau einfach so an die brüste gegriffen oder auf den hintern gefasst. sicherlich gab es Missverständnisse und zu schnelles Handeln, aber das ist etwas anderes.

      Frau Meikes Artikel würde ich auch empfehlen, ich finde ihn gut geschrieben, weil er beide Seiten mit einbezieht.

      Belästigungen von Männern erfolgen seltener auf einer sexuellen Ebene, auch wenn das auch vorkommt. ich kann mir insofern in der Tat nicht vorstellen, dass nur eine Frau einfach so in den Schritt greift. Mädchen haben mal einen Blick über die umkleidekabine im Schwimmbad geworfen und natürlich hatte ich auch schon mal eine Hand auf dem hintern, aber etwas tatsächlich schwer sexuell übergriffiges hätte ich noch nicht.

      es ist wohl auch etwas anderes. als Mann sehe ich die Hand auf meinem hintern als freches Kompliment und denke mir, dass sich die Arbeit an der Beinpresse gelohnt hat. wird der Freund neben mir statt dessen auf den hintern gehauen ärgert es mich eher, dass es sein hintern war. natürlich verstehe ich dabei vollkommen, dass diese Reaktion bei Frauen keineswegs zu erwarten ist.

      wenn Frauen aufdringlich werden, dann eher auf der Ebene, dass man was für sie machen soll, weil man ein Mann ist

    • Es muss doch nicht immer konstruktiv sein! Wenn du deine Erfahrungen teilen willst, so wie ich es gemacht habe, dann ist das bestimmt nicht im eigentlichen Wortsinne konstruktiv, aber es tut verdammt gut und bewegt vielleicht doch was ;) Wär cool!

      Den Text von Frau Meike hab ich gelesen. Ich finde ihn ziemlich schlecht. Ich habe dir gerade dargelegt, warum ich das finde, als ich merkte, dass sowas zu viel für die Kommentarspalte ist. Ich werde daraus einen eigenen Blogpost machen, aber vermutlich schaffe ich das heute nicht mehr. Hab also Geduld ;)

  2. Denn irgendwas liegt in der Luft.

    Das denke ich auch. Wie die FAZ schrieb (was ich auch verlinkt habe): Es scheint nur einen Anlass gebraucht zu haben.

    Das hat nichts mit Brüderle, Himmelreich oder der FDP zu tun. Jeder ähnlich gelagerte Vorfall hätte das gleiche ausgelöst. Es hatten einfach die richtigen Leute im richtigen Moment die richtige Idee auf dem richtigen Kanal.

  3. Aus deinem Artikel lese ich viel Wut heraus, die ich auch nachvollziehen kann. Mir blieben selbst viele unangenehme Sprüche und Begegnungen im Gedächtnis. Das reicht soweit, dass ich mein eigenes Verhalten geändert habe und manchen Situationen, deren potentiell unangenehmer Verlauf sich durch kleine Andeutungen abzeichnet, bewusst aus dem Weg gehe. Ohne immer zu wissen, ob es Überreaktion oder berechtigte Schutzmechanismen sind.
    Trotzdem spreche ich mich stark gegen einige von dir verwandter Begriffe aus (“ekelhafter Schwanz”, “schwanzloser Wichser”, “Sack”), die selbst so sexistisch anmuten, dass sie einem Dialog zum Thema Sexismus eher kontraproduktiv entgegenstehen. Unter dem #Aufschrei Hash hat es Mancher meiner Meinung nach ganz gut auf den Punkt gebracht: Dass wir uns in einer respektvolleren Gesellschaft üben müssen. Wenn der Zeitpunkt kommt, dass sich ein Mensch durch sein Verhalten für die Entgegenbringung von Respekt diskreditiert, ist sachliche Nüchternheit am Effektivsten.
    Trotzdem meinen Dank an dich, dass du das Thema aufgreifst.

    • Ja, die Worte sind hart gewählt, vielleicht sogar unangebracht, aber ich kann mir sie leider nicht verkneifen. Eine Diskussion über Respekt finde ich sehr wichtig, aber Menschen, die mich sexuell belästigen, haben sich meinen Respekt verspielt. Klar ist das Mist, aber in diesem Zusammenhang gönne ich mir das einfach mal!

      • Danke. Ich gönne es dir, brauch es darum nicht selber sagen. Wut zu zeigen, zu verbalisieren ist wohl nicht statthaft für Frauen……
        Nächstes Thema? Warum MÜSSEN wir besser sein?

  4. Danke fürs Verlinken, freut mich sehr.
    Dein Artikel ist klasse. Bis auf die Stelle, in der du jemandem Krebs und den Tod wünschst. Dem blödesten Wichser wünscht man sowas nicht. Das ist schlecht fürs Karma ;)
    Hau ihm eine rein, mach ihn mit Argumenten mundtot (gut, manche Idioten kapieren gar nichts, aber sowas muss man vielleicht einfach abtun mit dem Wissen, dass jeder irgendwann mal das bekommt, was man verdient, auch wenn es lange dauern mag).
    Alles Gute für dich.
    n.

    • Hast natürlich Recht. Aber das “abgrundtief böse” war kein Spruch. Ich glaube wirklich, dass dieser Mensch böse ist, und ich glaube außerdem, dass es der Welt besser gehen würde, wenn solche Menschen einfach verschwänden.
      Naja, nichts geschieht ohne Grund, hat meine Uroma immer gesagt. Vielleicht kriegt er irgendwann die Quittung.

      • Das habe ich gemeint mit “er bekommt irgendwann, was er verdient” ;)
        Ich kann dich schon verstehen. Böse Menschen, die solche Äußerungen von sich geben wie dieser Typ, sind aber wahrscheinlich sehr unglücklich mit ihrem Leben und ertragen es nicht, wenn es anderen nicht ebeno ergeht. Leider scheint er eine Bühne zu haben, auf der er von hirnverbrannten Artgenossen gefeiert wird.
        Mich belasten solche Vollhonks ja auch. Daher muss ich mich von Twitter zurückziehen, weil ich solche Äußerungen, wie sie von den Volltrotteln seit gestern kommen, nicht mehr ertragen kann.
        Das Zauberwort heißt Abgrenzung. Da mir das nicht mehr gelingt, und mich jetzt zu sehr belastet, mache ich eine Pause.
        Stellenweise habe auch ich Hassgefühle entwickelt, und sowas will ich auf keinen Fall.
        Du bist schon richtig, wie du bist, mach weiter so :)

    • “Bis auf die Stelle, in der du jemandem Krebs und den Tod wünschst. Dem blödesten Wichser wünscht man sowas nicht.”

      Im ersten Moment hab ich auch mit dem Auge gezuckt. Jemandem den Tod zu wünschen, ist schon harter Tobak. Aber ich weiß, wen sie damit meint, und dieser Typ gehört wirklich einfach nur ins Klo runtergespült. Sein Bedauern darüber auszudrücken, dass jemand keine Gewalterfahrung machen mußte, sagt schon einiges über diesen Charakter aus. Warum soll man angesichts dessen noch milde und nachsichtig lächeln oder das noch lustig finden? Irgendwann ist es auch mal gut mit der Nettigkeit.

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  6. Die meisten Kerle die so eine (krasse) Scheiße abziehen sind die Kerle mit denen sich der Durchschnittsmann (zumindest die, mit denen ich mich abgebe) auch ungern abgeben. Insbesondere wenn man schwul ist aber das ist ein anderes Lied, auch wenn du da auch echt beschissene Kommentare hören darfst.Leider haben diese Saftsäcke einfach oftmals viel zu viel Spielraum, sei es um sich zu prügeln, blöde Kommentare zu machen oder gar anzufangen jemanden zu bedrängen.
    Das Problem mein Sexismus ist aber, dass er sich nicht nur auf die oben genannte Gruppe (wenn auch, erfahrungsgemäß, vor allem dort) bezieht sondern sich auch noch immer in manchen Bereichen als Salonfähig erweist.

    Und: “Der abschätzige Blick von oben bis unten, mit dem ich mal eben abgecheckt werde.” Ist kein (reines) Sexismusproblem. Diesen Blick bekomm ich oft genug von Frauen und Männern. Denke das ist eher einfach das mustern der Umgebung und dann erfolgt die Reaktion… leider oftmals viel zu offensichtlich -.-

  7. Pingback: Artikelsammlung #Aufschrei | zeitrafferin

  8. Pingback: Endlich werden die Täter genannt | Der Aufschrei

  9. Derartige sexuelle Übergriffe sind widerwärtig. Leider wird in der derzeitigen Diskussion nirgends erwähnt, daß es einen schlimmen und folgenreichen Sexismus in der BRD-Justiz gibt.
    Eklige korrupte Politiker/innen können wir abwählen, aber entsprechende Richter/innen nicht, sondern sie dürfen jahrzehntelang Frauen ganz offen diskriminieren und abwatschen. Niemand unternimmt etwas dagegen, denn man plappert uns etwas vom “Respekt vor der Justiz” vor.
    http://youtu.be/GbnyhVOeLDU Landgericht LD hilft Alimente-Preller
    http://youtu.be/35gZgEhslEA Rechtsanwältin unterschlägt Mandantengelder
    http://youtu.be/PWOgtf7pO7Q typische Stellungnahme eines Jugendamtes
    http://youtu.be/LqXPzFJuCIM Sorgerechtsprozeß wegen Dienstaufsichtsbeschwerde
    http://youtu.be/IL8qVuOcPcs Offener Brief an RLP-Justizminister Hartloff
    http://youtu.be/lQ8_M4XV09s Prozeßbetrug wird erneut belohnt
    http://youtu.be/yceHvRq14ww Vorschlag Unwort des Jahres: “Kindeswohl”
    Wann gibt es mal einen Aufschrei gegen die Benachteiligung durch die Justiz? Wann schaffen die Deutschen endlich einen echten Rechtsstaat, in dem “Recht haben” auch “Recht bekommen” bedeutet?

    • Antwort habe ich mal von einem Anwalt erhalten.
      “Recht hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. In England wird es auch “Verwaltung des Rechts” genannt. Es sind nur Gesetze die zur Anwendung kommen.”
      In diesem Sinne beklagt nicht die Gesetze, beklagt die Politiker, die nicht in der Lage sind Gesetze zu schaffen, die Opfer schützen und unterstützen. Es reicht nun einmal nicht die Täter zu strafen. Die Tat besteht weiter bis ich sterbe.

    • Ich sehe in unserer Justiz nicht Sexismus als Hauptproblem, sondern fehlendes Grundlagenwissen über Psychologie (ich hab mal einen Juristen danach gefragt, laut ihm sind solche Inhalte zu keinem Zeitpunkt des Studiums Pflicht, höchstens in Bezug auf Unzurechnungsfähigkeit). Und DAS führt dann leider nur zu oft zu verhängnisvollen Fehlurteilen gerade im Bereich sexualisierter Gewalt.

      Wer nicht versteht, wie welterschütternd ein sexueller Missbrauch z.B. durch den eigenen Vater für ein Kind ist, wird auch nicht nachvollziehen können, warum ein Kind sowas teilweise jahrelang mitmacht, ohne was zu sagen. Schlussfolgerung: Kann ja nicht so schlimm gewesen sein – mildes Urteil. Oder: Das würde ja niemand tun, das Kind denkt sich das doch nur aus – Freispruch.

      Wer nicht versteht, dass man in lebensbedrohlichen Situationen gerne mal einfach zur Salzsäule erstarrt, wird auch nicht kapieren, warum Frau X sich gegen Angreifer Y aus dem Gebüsch nicht gewehrt hat. Ohne Gegenwehr keine Vergewaltigung – Verfahren eingestellt.

      Wer nicht versteht, wie Alkoholismus funktioniert, wird einem alkoholkranken Täter nicht einen Monat nach seiner Entziehungskur einen “geheilt”-Stempel draufklatschen und ihn zur Bewährung verurteilen, weil die Wurzel seiner Bosheit ja ausgerottet wurde und man ihm sein neues Leben ja nicht so schwer machen will.

      Und so weiter und so fort.

      In einer Urteilsbegründung bezüglich sexuellen Missbrauchs gab ein Richter mal folgendes von sich: “Wäre die Geschädigte volljährig gewesen, hätte es sich um Exhibitionismus gehandelt.”
      Ja, und wenn die vergewaltigte Trulla dem Sex zugestimmt hätte, wäre es eine schöne Nacht der Liebe für beide geworden…

      Bei manchen fällt einem echt nichts mehr ein.

  10. Pingback: #Aufschrei hat gezeigt, wie Internet geht « Aus Liebe zur Freiheit

  11. Gut geschrieben und ich kann nur beipflichten. Ich überlege noch, ob ich meine Erlebnisse schildern soll, aber meine Gedanken über die Debatte habe ich heute aufgeschrieben.
    Liebe Grüße
    Lotti

    • Hab ich gelesen. Gefällt mir SEHR gut!!!

      Ich fände es toll, wenn du deine Erlebnisse auch noch schildern würdest. Ich fand es teilweise unheimlich befreiend.
      Egal wie du es machst – dir auch alles Gute!

  12. Danke für deinen Aufschrei.
    Ich bin 50 Jahre alt und habe meine Erfahrungen die allerdings nicht nur im sexistischen Bereich liegen, nicht verkraftet.
    Mit 8 Exibitionist beim Schulausflug
    – 11 sexueller Übergriff durch meinen Bruder
    meide meinen Bruder seit dem
    – 13 Versuch mich zu vergewaltigen durch meine Gitarrenlehrer
    hab aufgehört zu spielen
    – 16 ein Unbekannter würgte mich von hinten als ich nachts auf den Bus wartete. Hab ihm den Kiefer gebrochen vor lauter Angst. Gelesen hab ich das am nächsten Tag in der Zeitung. Es wurden Zeugen gesucht. Hab den Mund gehalten.
    – 17 Schlag auf den Solarplexus als ein Mann mich versuchte festzuhalten. Spätabends auf dem Nachhauseweg. Hab den Krankenwagen gerufen und mich verdrückt.
    – 18 Saublöde Kommentare von Klassenkameraden. Nett waren noch die mit den Rehbeinen. Hab mich halt nicht rasiert.
    – 19 Vergewaltigungsversuch durch meinen Chef nach der Weihnachtsfeier
    – 23 Vergewaltigung durch meinen 1. Ehemann
    – 27 Vergewaltigung durch meinen 2. Ehemann
    Dazu kamen dann noch die Prügel durch meine Eltern. Das letzte mal mit gerade 18 Jahren. Da hatte ich dann die ….. voll und habe zurückgeschlagen. Mit den Worten: “Nocheinmal und du bekommst die Schläge meines gesamten bisherigen Lebens in 30 Minuten zurück.”
    Das war das letzte mal. Einer 18jährigen die Hosen runterziehen wollen um sie mit dem Teppichklopfer (Stiehl) auf den nackten Po schlagen zu können, wie ungezählte Male zuvor. Hab von meiner Tochter zu hören bekommen, dass der Teppichklopfer repariert wurde und wieder im Keller auf seinem Lieblingsplatz hängt. Dem ist beim letzten mal die Metallkappe mit der die Bambusstäbe zusammengehalten werden abgefallen.
    Ich wurde 2001 retraumatisiert und bin seit dem in Behandlung. Das ich noch lebe habe ich Psychologen und Psychiatern zu verdanken. Gesund bin ich aber immer noch nicht und werde es wahrscheinlich auch nicht mehr schaffen. Das hier geschilderte ist ein Bruchteil dessen was mir passiert ist.
    Stolz bin ich dennoch. Ich habe meinen Töchtern beigebracht sich zu wehren und meinem Sohn gelehrt zu fragen bevor er in sexueller Hinsicht irgendetwas unternimmt. Bin jetzt auch das 3te mal verheiratet und habe endlich mal das Glück, das sich jede Frau wünscht. Übrigens versteht er die Debatte nicht. Ein ehrlicher Mann, der sich nicht einmal vorstellen kann, das solche Sachen eben doch an der Tagesordnung sind.
    Jemanden anzeigen hat übrigens keinen Sinn. Verjährungsfristen sind abgelaufen. Das ist der blanke Hohn. Ich habe das erste mal mit 37 Jahren überhaupt darüber sprechen können. Da waren die Verjährungsfristen aber auch schon abgelaufen.

    • Hi überlebend,

      schrecklich, was du schilderst. Mir fehlen da ehrlich gesagt die Worte. Ich weiß auch nicht, ob es darauf überhaupt eine intelligente Antwort gibt…

      Hm… nur soviel: Fühl dich gedrückt. Es tut mir wahnsinnig leid, was dir passiert ist. Umso schöner, dass du deinen Kindern Geborgenheit bieten konntest.

      Ich wünsche dir alles Glück der Welt.

      Ach… und natürlich stimmt jedes Wort, was du zu den Verjährungsfristen schreibst :/

  13. Pingback: #Aufschrei hat gezeigt, wie Internet geht — Carta

  14. Pingback: Ein Jahr danach: #Aufschrei, Nachhallen | robins urban life stories

  15. “Rainer Brüderle macht eine Journalistin blöd an und die schreibt darüber einen Artikel, der eine Sexismusdebatte auslöst, die ich in dieser Form niemals erwartet hätte.”
    Nicht so ganz genau. Vielmehr: Ein Käseblatt, das selbst nicht mit knapp bekleideten Damen spart, wirft Rainer Brüderle vor, eine Journalistin blöd angemacht zu haben. Der Rest trifft aber zu.

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