Vermieterstress, auch mal was neues…

Vor unserer Vermieterin hatten mich meine Mitbewohner schon gewarnt, bevor ich überhaupt eingezogen bin. Sie hatten schon ihre schlechten Erfahrungen mit ihr gemacht und sind davon überzeugt, dass die Tussi sie einfach hasst und am liebsten rausekeln würde.

Jetzt wo ich sie kennen gelernt habe, bin ich geneigt dem zuzustimmen.

Die Fronten hatten sich verhärtet, als David und Dave vor eineinhalb Jahren ungefähr die Miete gekürzt hatten. Wir wohnen nämlich in einem Altbau, der zwar an sich noch okay ist, aber gerade bei den Fenstern schon leicht renovierungsbedürftig war und ist. Am schlimmsten war das im Bad: Im Winter bekam man den Raum einfach nicht warm, egal wie sehr man die Heizung aufdrehte. Was natürlich nur so mittelangenehm ist.
Jedenfalls, die Jungs kürzten die Miete um den erlaubten Prozentsatz, die Vermieterin ließ die Fenster austauschen, die Jungs zahlten wieder normale Miete. Problem gelöst, könnte man denken.

Leider stand die Vermieterin Wochen später vor der Tür und verlangte, die neuen Fenster zu sehen, immerhin hatte sie sie ja auch bezahlt. Dave wies sie freundlich darauf hin, dass sie natürlich ein Recht habe, sich Handwerksarbeiten in der Wohnung anzusehen, aber doch bitte nur mit Voranmeldung. Dave und David saßen nämlich eigentlich zu diesem Zeitpunkt im etwas zugemüllten Wohnzimmer und tranken Bier und… so. Nicht gerade toll, wenn da die Vermieterin durchlatscht.
Hat die aber natürlich nicht eingesehen. Wurde fuchsteufelswild. Kam auch nie wieder. Aber seitdem sind beide unten durch!

Obwohl ich nun schon seit drei Monaten hier wohne, habe ich sie aus diesem Grund noch nicht gesehen. Die Jungs haben sie darauf hingewiesen, dass im dritten Zimmer demnächst jemand anderes wohnen wird, aber sie hat darauf nicht reagiert, wie übrigens auch auf keine andere Nachricht, die sie ihr seitdem geschrieben haben. Aber da wir im Mieterbund sind, kann die Tussi leider nicht viel machen. Ich denke, sie würde uns alle am liebsten rausschmeißen!

Ich war ja irgendwie dem Trugschluss anheim gefallen, dass ich ein wenig Entspannungspolitik leisten könnte. Manche Vermieter haben Probleme mit reinen Männer-WGs. Weiß ja jeder, dass Jungs Sachen kaputt schlagen und nie putzen, wenn sie unter sich sind, ne. Ein Mädel, das da ein bisschen Ordnung ins Chaos bringt, ist da doch gerne gesehen!

Das denke ich mir übrigens nicht aus. Das ist ein O-Ton von meinen alten Vermietern und wurde mir zugetragen durch einen Stammgast aus meiner Kneipe, der auch meine Ex-Vermieter kennt. Ich habe mit denen fast nie gesprochen, aber offensichtlich mochten sie mich wirklich. Das hat mich völlig von den Socken gerissen! Und bestärkte mich in meinem Vorhaben.
Denn ich komme ja vom Land. Im Dorf muss man miteinander auskommen. Es wurde mir also von klein auf eingetrichtet, wie man “gut Wetter macht”, sprich, sich gut präsentiert und erfolgreich einschleimt.

Ich weiß, wie das geht, ich tue es nur selten.
Okay… nie :mrgreen: Ist mir schlicht zu anstrengend und glücklicherweise auch nicht mal halb so nötig, wie man mir das immer versucht hat einzureden. Dann kommt man halt mit vielen Leuten nicht aus. Na und? Das tangiert mich und mein Leben kaum. Ihres übrigens auch nicht.

Nur schien mir dies eine Situation zu sein, bei der ich meine sagenhaften Dorffähigkeiten heraus kramen musste, um diese Tussi davon abzuhalten, uns möglicherweise bei der nächsten Gelegenheit vor die Tür zu setzen. Ich wartete darauf, dieser Frau zu begegnen – und vorletzte Woche war es dann endlich so weit!

Ich hörte, dass sie in der Wohnung unter uns mit dem Handwerker laberte. Ich zog mich also an, schlenderte runter und klopfte. “Weiß nicht, wer das ist”, hörte ich den Handwerker sagen, als er zur Tür kam und öffnete.

Draußen stand ein sonnig lächelndes, artiges Mädel, das natürlich sofort nett die Hand gab und sich für die Störung entschuldigte.
“Frau Müller-Pinkel? Wir kennen uns noch gar nicht. Schön, sie endlich zu sehen! Ich bin Ihre neue Mieterin seit ein paar Wochen!”
Die Angesprochene nahm perplex die angebotene Hand und machte ein Gesicht, als stünde sie kurz vor einer Panikattacke. “Ah, ja, von oben. Ich mache da ja keine Verträge mehr.”

An der Stelle hätte mein wahres Ich ja schon direkt ausrasten können. Es stimmt, ich habe keinen Vertrag, nur die Jungs. Auch mein Vormieter hatte keinen Vertrag. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand, vermutlich nicht mal legal. Aber so ist es halt: Verhärtete Fronten aus nichtigen Gründen!

Aber noch hatte ich Hoffnung. Mein Lächeln verrutschte kaum. “Haha… ja.”
Es musste weiter gehen… also streichelte ich ihren hässlichen Köter und gab ein paar Babylaute von mir. Bin ja eigentlich ein Katzenmensch, mag aber auch süße Hunde oder wenigstens welche, die ein Minimum von Würde ausstrahlen, aber diese elende Töle sah aus, als wäre sie zu dämlich, morgens ihren Fressnapf zu finden!

“Ich wollte ohnehin mit Ihnen reden. Wissen Sie, ich bin ab nächster Woche im Ausland und werde vermutlich den ganzen August nicht da sein. Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich deshalb die Miete für den August schon im Juli überweisen werde, nur, damit Sie sich nicht wundern. Von Spanien aus ist das etwas schwieriger. Sie haben hoffentlich nichts dagegen.”
Woraufhin sie mit immer noch weit aufgerissenen Augen von sich gab: “Ja, wenn zwei Monatsmieten nicht bezahlt werden, kann ich fristlos kündigen. Das hat sich jetzt geändert.”

Ich: “Ah.”

An dieser Stelle kapitulierte ich. Ich meine, ich hatte gerade eigentlich genau das Gegenteil gesagt – sie kriegt ihre Miete sogar FRÜHER! Warum mich dann so anscheißen?

Diese Frau war offensichtlich völlig immun gegen meinen Charme, aber ich spielte meine Rolle noch zu Ende, scherzte ein wenig mit dem viel netteren Handwerker, bei dem mein Auftreten mehr zu fruchten schien, verabschiedete mich und ging wieder nach oben.

Das nette, artige Mädel ließ sich im Wohnzimmer auf die Couch fallen, sah Dave an und sagte: “Meine Fresse, ist das eine blöde Fotze.”

Und das ist leider die Wahrheit -.-

Es sind Geschichten wie diese, durch die ich mich wie manisch an den tröstlichen Gedanken klammere, dass ich mal ein Haus erben werde.

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3 Gedanken zu “Vermieterstress, auch mal was neues…

  1. Es gibt manchmal Menschen die sind nur bekloppt.. da ist eine Vermeidungsstrategie tatsächlich das Beste.
    Ansonsten viel Spaß hmm oder Erkenntnis in Spanien.

  2. Wir haben ähliche Vermiter :( und die penetranten Eltern einer Mitbewohnerin, die ganz gerne mal am Wochenende Vormittags unangemeldet zum Frühstück auftauchen.. Die Jungs haben sich seitdem zwei Sitzwürfel besorgt, wo während man von unten in den 4. Stock läuft, die leeren Bierflaschen, Pizzakartons und herumfliegende Klamotten schnell gelagert werden können, bis die Gefahr wieder vorbei ist :D
    so ist das halt, wenn man mit Jungs zusammenwohnt, dafür hat man jede Menge Spass..
    lg und viel Spass in Spanien
    Liese

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