This argument is valid III

Die Mitbewohner spielen Computer und sind süß besoffen.

Mitbewohner David: “Robiiin, was machst du noch?”

Ich: “Ich wollte grad Zigaretten holen gehen.”

Mitbewohner David: “Gehst du uns ein Sixpack Bier kaufen?”

Ich: “Nee, ich wollt nur um die Ecke zur Kneipe.”

Mitbewohner David: “Aber… die Tankstelle ist doch genauso weit.”

Ich: “Das stimmt nicht, die ist viel weiter.”

Mitbewohner David: “Aber… Bier und… vielleicht Eis?”

Ich: “Boah, Leute…!”

Mitbewohner David: “Wenn… wenn du bis zur Tankstelle gehst, dann kriegste auch deine Schritte für heute voll.”
(Anmerkung: Ich zähle meine Schritte nicht.)

Ich: “Tze, nee, dafür reicht’s lange nicht!”

Mitbewohner David: “Aber, wenn das ja nicht so weit ist, dann… dann kannst du ja auch einfach hingehen und Bier kaufen.”

Ich: “…”

Mitbewohner David: “…”

Ich: “Boah, das war astrein argumentiert, du Arschloch!”

Mitbewohner David: “Hihihi.”

Ich: “Das war jetzt aber ungeplant, oder?”

Mitbewohner David: “…ja.”

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This argument is valid
This argument is valid II

In eigener Sache: Blogneuerungen

Liebe Leute, dem ein oder anderen wird möglicherweise schon aufgefallen sein, dass hier momentan mal wieder sehr wenig passiert. Dabei mangelt es mir wirklich nicht an Themen. Mein Entwurf-Ordner quillt über (aktueller Stand: 105 Entwürfe!), aber irgendwie komme ich einfach momentan zu nix. Dabei wartet noch mein USA-Bericht auf seine Vollendung und von meiner chaotischen Rückreise aus Spanien vor ein paar Wochen wollte ich auch noch erzählen (nur Twitter-Follower wissen warum – seid gespannt!). Auch ein paar Blogstöckchen liegen mal wieder rum, was echt kein Zustand ist. Liebe Nominatoren: Ich habe sie gesehen und möchte sie auch noch beantworten! Nur dauert es vielleicht noch ein bisschen.

Ich habe diesen Blog ursprünglich gestartet, weil mir mein alter Blog thematisch zu eingeschränkt war. Ich wollte einen Blog, in dem ich einfach alles packen kann, was mich irgendwie interessiert. Dementsprechend war es mir auch immer wichtig, eine gewisse Balance zu wahren.
Diese Balance ist leider ein wenig verloren gegangen. Denn wenn ich mir meine letzten paar Beiträge so ankucke, lautet mein Urteil: Viel zu wenig Quatsch!
Das klingt dämlich und ist es auch. Aber wichtig ist es mir dennoch. Und so stelle ich nun mal fest, dass sich in letzter Zeit die Beiträge häuften, die ich für halbwegs intelligent halte – und dabei der Spaß auf der Strecke geblieben ist!
Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich wieder aufgehört habe, beim Media Monday mitzumachen. Zu dieser Zeit hatte ich ebenfalls sehr wenig Energie zum Bloggen (das scheint wirklich ein regelmäßig wiederkehrendes Phänomen zu sein), so dass die Media-Monday-Beiträge diesen Blog zeitweise dominierten. Und das mochte ich nicht, obwohl der Media Monday cool ist, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass sich meine Antworten mit der Zeit wiederholten (was nur beweist, dass ich wesentlich mehr fernsehen sollte!).

Mir ist bewusst, dass mich dieser Themenmischmasch einige Leser kostet, denn wer abonniert schon einen Blog, wenn ihm nur 10% der Themen gefallen? Mir ist in der Vergangenheit tatsächlich oft aufgefallen, dass ich nach einer Phase mit einem gewissen Themenschwerpunkt einige Leser dazu gewonnen habe, die ich danach zumindest teilweise genauso schnell wieder verlor. Das ist schade, aber die Alternative wäre, zehn unterschiedliche Blogs mit zehn verschiedenen Schwerpunkten zu unterhalten.
Das kann ja wohl nicht die Lösung sein. Deshalb verlasse ich mich einfach drauf, dass meine treuen Leser schon selber wissen, welche Artikel sie sich reinziehen und welche nicht, weil sie das Thema nicht interessiert, ohne gleich den ganzen Blog aufzugeben :)

Wie löse ich das Problem nun, sprich, wie überbrücke ich diese maue Zeiten, in denen ich blogtechnisch nichts auf die Reihe kriege?

Begrüßt mit mir zusammen die neue Montagskolumne – eine Idee, auf die sicher vor mir noch nie jemand gekommen ist! BESTIMMT!!

Ab nächste Woche gibt es nun jeden Montag ein festes Thema, zu dem ich bloggen werde. Ob ich das schaffe? Wer weiß! Aber der Plan sieht folgendermaßen aus:

Am 1. Montag des Monats gibt es fortan ein Mixtape. Das wollte ich schon ewig mal machen, um den Umstand zu feiern, dass ich inzwischen tatsächlich schon mehrmals erfolgreich als DJ arbeiten durfte. Ja, wirklich wahr. Ich habe mich mit meinem läppischen Laptop irgendwo hingestellt, Musik über ein kostenloses DJ-Programm abgespielt und dabei getanzt und für lau gesoffen. Und dafür bekam ich wirklich und wahrhaftig GELD. Bester. Job. Ever.
Mein Repertoire ist nicht groß genug, um diese Kategorie ewig füllen zu können und ich habe auch nicht die Expertise oder auch nur das Fachvokabular, um darüber so elaboriert labern zu können wie einige meiner Lieblingsblogger, aber für eine Weile sollte es reichen! Seid gespannt :)

Am 2. Montag des Monats erscheint die Montagsliste. Das wird thematisch nicht so festgelegt sein und einfach kurze (oder auch lange) Listen von Dingen beinhalten, die ich aus irgendeinem Grund für interessant halte. Dazu habe ich auf jeden Fall genug Ideen und ab dann auch endlich einen Platz, wo ich sie hinpacken kann!

Der 3. Montag des Monats ist nun für eine Kategorie reserviert, die ich ganz prägnant betitle als Antifeministische Scheiße des Monats. DAS kann ich nicht groß vorbereiten, da es ja halbwegs aktuell sein soll, aber ich bin sicher: Ich werde massig Material finden, um diese Kolumne zu füllen! Ich rechne hier mit lustigen, aber auch verstörenden Einblicken in die Gedankenwelt von Menschen, die einfach völlig durch sind. An sich sollte man diesen Leuten ja keine Plattform bieten, aber “Don’t feed the trolls” funktioniert ja auch nicht, also kann man immer noch mit den Fingern darauf zeigen und lachen!

Und der 4. Montag im Monat ist fortan belegt mit etwas, was ich schon begonnen, aber nie zu Ende gebracht habe: für Rezensionen sämtlicher Werke von Stephen King. Und ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt: Euch interessiert das einen Scheiß. Das habe ich schon an dem spärlichen Feedback bei den alten Beiträgen zu dem Thema gemerkt. Aber diese Kategorie soll mich ein bisschen daran erinnern, dass dieser Blog hier immer noch MEIN Hobby ist – und ich auch Sachen schreiben kann, bei denen ich nicht mit krassen Applaus oder auch nur Kritik rechnen darf, wenn sie mich halt interessieren. Und ICH finde eine riesige Bibliothek an Rezensionen zu ALLEN King-Büchern nun mal ziemlich cool, zumal es mich dazu zwingen wird, mir ganz opferbereit die paar Bücher von ihm einzuverleiben, die ich noch nicht gelesen habe.
Damit habe ich auf jeden Fall Stoff für mehrere Jahre. Danke, Steve :)

Natürlich werde ich auch weiterhin über allen möglichen anderen Scheiß schreiben, aber diese Termine stehen. Ab nächster Woche geht’s los!

Schulsport – ein Hurra auf ein unbeliebtes Fach

Guten Morgen, Robin! Da hab ich doch glatt eine Diskussion auf Twitter verpasst, welche die Gemüter hochkochen lässt, denn zu etwas, was jeder schon mal erlebt hat (bzw. erleben musste), hat natürlich auch jeder eine Meinung. Das Thema sind die Bundesjugendspiele! Ausgelöst wurde das durch folgenden Tweet:

Inzwischen ist die betreffende Petition tatsächlich ins Leben gerufen worden, aber das hat der Diskussion natürlich keinen Abbruch getan. Mittlerweile scheint sich das Thema teils auf Sport in der Schule allgemein ausgeweitet zu haben.

Ich finde es hochinteressant, in welch schöner Regelmäßigkeit dieses Thema hochkocht. Die perfekte Gelegenheit, endlich auch meine Meinung dazu in die Welt zu posaunen!

Ich werde mich hierbei aber hauptsächlich auf den Schulsport an sich konzentrieren, weil ich darüber schon seit längerer Zeit intensiv nachgedacht habe. Meine Meinung zu der Petition kommt am Schluss!

Warum überhaupt Schulsport?

Bei diesem Thema taucht über kurz oder lang immer die Frage auf, was Sport in der Schule überhaupt zu suchen hat, denn immerhin ist das nichts, was einem in irgendeiner Form im späteren Berufsleben nützlich ist.

Abgesehen davon, dass dieses Argument auf so ziemlich alle Fächer zutreffen kann, je nach dem, welchen Berufsweg man einschlägt, sehe ich den Sinn der Schule nicht in einer rein utilitaristischen Ausrichtung, nur dazu da, die Schüler als Humankapital für den Arbeitsmarkt vorzubereiten. In meinen Augen sollte die Schule breitgefächertes Wissen vermitteln, mit dem man im Alltag bestehen kann (mit der Option, manche Teilgebiete vertieft zu behandeln) und den Schülern gleichzeitig die Möglichkeit geben, ihre individuellen Talente zu erkennen.

Darüber hinaus muss das Schulfach Sport gerade in den letzten Jahren immer mehr Auswüchse eindämmen, die in unserer bewegungsarmen Gesellschaft leider auf dem Vormarsch sind. Die Kleinkinder von heute schneiden im Bereich Koordinationsvermögen deutlich schlechter ab als die Eltern- und Großelterngeneration im selben Alter. Gründe hierfür sind beispielsweise die fortschreitende Technisierung (die schon für die Kleinsten viele Alternativen zum “Draußen spielen” bietet), der Leistungsdruck (der von den Eltern auf ihre Kinder projiziert wird – wenn der Wonneproppen später auf dem harten Arbeitsmarkt bestehen will, muss er schon frühstmöglich mit allen denkbaren Kursen gefördert werden, was dann leider zu Lasten der freien Spielzeit geht) und eine überbehütete Erziehung (durch genau die Eltern, die in ihrer eigenen Kindheit noch ganz andere Erfahrungen machen durften).

Das führt dann leider dazu, dass Kinder heute nicht mehr auf Baumstämmen balancieren können, keinen Purzelbaum mehr hinkriegen und es nicht schaffen, ein paar Meter Rückwärts zu laufen.
Naja… gibt schlimmeres, ne? Dafür haben sie immerhin auch weniger blaue Flecken oder gar Knochenbrüche, die man sich zwangsläufig zuziehen kann, wenn man draußen rumrennt, statt daheim in alle Ruhe PC zu zocken oder Geige zu üben.
Leider hat diese Art der Überprotektion eine ganze Reihe massiv negativer Nachteile, die den meisten Eltern überhaupt nicht bewusst sind. Dazu habe ich vor einiger Zeit einen wirklich ausgezeichneten SPON-Artikel gelesen. Auszug:

Statt nach der Schule dann ein, zwei Stunden im Freien zu toben, wie es Kinder und Jugendliche bräuchten, ziehen sie sich lieber zurück, vor Fernseher, Computer, Spielkonsole. Der daraus resultierende Bewegungsmangel ist Risikofaktor für praktisch alles: Soziale Interaktion mit anderen Kindern und Lernvermögen leiden. Zu wenig Bewegung lässt das Selbstvertrauen sinken, psychische Probleme nehmen zu. “Unsportliche Jugendliche erkranken fünfmal öfter anDepressionen als sportlich aktive”, berichtet der Grazer Kinder- und Jugendmediziner Peter Schober, “und ihr Suchtrisiko ist höher.” Sogar ein Zusammenhang mit ADHS ist wahrscheinlich. So verbesserte sich der Zustand von aufmerksamkeitsgestörten Kindern, die der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther mit viel Bewegung und Herausforderung therapiert hatte, auch ohne Tabletten dramatisch – zwei Monate mit viel Arbeit auf einer Almhütte und käsen lernen hatten gereicht.

Unter dem Natur- und Bewegungsdefizit leidet die Gesundheit unserer Jugend. Kopf- und Rückenschmerzen, Haltungsschäden, Übergewicht und Essstörungen sind auf dem Vormarsch. Und Bewegungsmangel schafft Bewegungsprobleme: “Bei drei von vier verunfallten Kindern spielen motorische Defizite eine Rolle”, fasst Schober die Studienlage zusammen. Die Angst vor Beulen und die ständige Sorge um das Kindeswohl erschaffen letztlich also erst, was sie verhindern wollten: mehr Verletzungen, mehr seelisches Leid, mehr körperliche Probleme.

Link zum Artikel (Das Zitat befindet sich auf Seite 3, der Artikel ist aber in Gänze lesenswert!)

Schulsport ist für viele Kinder, kleine wie große, heutzutage oft die einzige Bewegung, die abgesehen von kleineren Fußstrecken oder (natürlich elterlich überwachten) Besuchen auf dem Spielplatz von ihnen gefordert wird. Wie so oft muss hier die Schule also einspringen, um Möglichkeiten zu bieten und Fertigkeiten zu vermitteln, welche die Kinder eigentlich ganz nebenbei im normalen Alltag lernen sollten.

Darum ist das Fach Sport nicht nur nicht unwichtig, sondern im Gegenteil sogar dringend nötig. Was uns dann aber zur nächsten Frage führt.

Warum kein Schulsport ohne Benotung?

Sehr viele sind der Ansicht, dass Sport durchaus weiterhin Schulfach bleiben sollte, aber die Benotung komplett abgeschafft gehört. Immerhin haben nicht alle Schüler das gleiche Talent für Sport. Schwache Schüler sollten also vor der negativen Erfahrung bewahrt werden, eine schlechte Note zu kassieren, selbst wenn sie sich sehr anstrengen! Wenn also eine Bewertung, dann höchstens die Mühe betreffend, die Schüler sich geben, unabhängig vom Endergebnis. Aber am besten doch gar keine Noten!

Soll das so sein? Dazu muss ich ein bisschen ausholen:

Ich studiere ja auf Lehramt, was bedeutet, dass ich neben meinen beiden Hauptfächern noch als drittes Fach Erziehungswissenschaften belegen musste, das ich bereits abgeschlossen habe. Überraschenderweise habe ich mich nicht nicht durch meine Seminare geschlafen, ohne das ein oder andere zu lernen.

Einer der wenigen Inhalte, die ich nicht für komplett nutzlos für die Lehrerausbildung erachte, war die sogenannte “Theorie der multiplen Intelligenzen”, die von dem Erziehungswissenschaftler und Psychologen Howard Gardner formuliert worden ist. Er geht davon aus, dass jeder Mensch nicht eine, sondern neun Intelligenzen in verschieden großer Ausprägung besitzt. Diese sind:

– Sprachlich-linguistische Intelligenz
– Logisch-mathematische Intelligenz
– Musikalisch-rhythmische Intelligenz
– Bildlich-räumliche Intelligenz
– Körperlich-kinästhetische Intelligenz
– Naturalistische Intelligenz
– Interpersonale Intelligenz
– Intrapersonelle Intelligenz
– existentielle-spirituelle Intelligenz

Wir kennen das ja aus Rollenspielen, egal ob Pen&Paper oder Computerspiel: Erstellt man am Anfang seinen Charakter, kriegt man eine Palette an Fähigkeiten, die für das Spiel notwendig sind, und eine gewisse Anzahl Punkte, die man auf diese Fähigkeiten verteilen kann. Die Punkte sind so bemessen, dass es unmöglich ist, einen perfekten Charakter zu erstellen, der in jeder einzelnen Disziplin brilliert. Man muss sich also entscheiden: Wenn der Charakter beispielsweise ein Meister der Magie sein soll, kann er nicht gleichzeitig ein herausragender Krieger sein. Ein Ass im Schwertkampf kann nicht außerdem den Bogen perfekt beherrschen. Und so weiter! (Natürlich kann die Punkte auch gleichmäßig auf alle Fähigkeiten verteilen, aber dann hat man halt einen profillosen, langweiligen Charakter. Also… für’s Spiel.)

Natürlich hat Gardners Theorie auch ihre Kritiker. Ich selbst bin sehr unglücklich über die Bezeichnung “Intelligenzen”, da ich Intelligenz unabhängig von individuellen Fähigkeiten für einen übergeordneten Wert halte und im vorliegenden Fall lieber von “Begabungen” spreche. Aber ob man seiner Einteilung nun folgt oder nicht, gibt diese Theorie dennoch nicht nur Impulse bei der Entwicklung von Lehr-Lern-Einheiten (vulgo “Unterrichtsstunden” :D ), sondern hat auch meinen Blick für die spezifischen Probleme jedes einzelnen Schülers geschärft.

Jahrelang war ich der gleichen Ansicht, die ich am Anfang dieses Punktes zusammen gefasst habe. Gerade in der Grundschule habe ich in Bezug auf den Sportunterricht nicht eine einzige positive Erinnerung. Ich war langsam und ein bisschen moppelig, traute mich nicht, ein Rad zu schlagen, was während einer denkwürdigen Schulstunde in einem Heulkrampf meinerseits endete, weil mich alle anderen deswegen auslachten, und war überhaupt sehr schlecht im Turnen.
Das änderte sich erst allmählich, bis ich mit der Zeit plötzlich sogar eine der Besten im Sport war. Die Inhalte waren anders (Mannschafts- oder Ballsportarten statt Leichtathletik und dieses dämliche Turnen) und in der Oberstufe durften wir sogar Sportarten auswählen, die zwei Jahre lang im Kurssystem unterrichtet wurden. Auch da war ich ganz vorne dabei und lieferte Glanznoten ab.

Dennoch: Die frühen Erfahrungen saßen tief. Wie ungerecht, dachte ich noch Jahre nach meinem Abschluss, dass hier Schüler schlecht bewertet werden, obwohl sie nichts dafür können, sportlich unbegabt zu sein.

Es dauerte viel zu lange, bis mir klar wurde, dass dies in jedem Fach der Fall ist.

Während ich in Sport versagte, war ich in der Grundschule die Beste in Mathe. Sowieso lerne ich viel leichter als andere. Ich erinnere mich an den Geschichtsunterricht in der 6. Klasse, in denen der Lehrer einen Schüler pro Stunde mündlich prüfte und ich völlig fassungslos zusah, wie einer nach dem anderen immer wieder in die selbe von ihm gestellte Falle tappte (“Fanden die Olympischen Spiele in der Antike AUF dem Olymp oder AM FUSS des Olymps statt?” – “Äh… auf dem Olymp?” *headdesk*).
Mir war das unverständlich, ebenso wie ich nicht nachvollziehen kann, wie manche Leute einfache Texte lesen können, ohne zu kapieren, worum es dabei geht. Dafür bin ich eine absolute Niete in technischen Fragen. Ich habe in meiner Unikarriere bestimmt an die 20 Hausarbeiten geschrieben, aber ich muss jedes Mal neu googeln, wie man die Breite der Seitenränder ändert. Ich bin für sowas einfach unbegabt und darüber hinaus interessiert es mich auch einfach nicht. Ich weiß, dass man kucken soll, wo die Strombuchse ist, bevor man einen Nagel in die Wand schlägt, weil von dort aus die Leitungen zu den Steckdosen laufen, und viel mehr wird im normalen Leben Gott sei Dank auch nicht von mir verlangt. Solange ich nicht zu technikdoof bin, meine Playstation zu bedienen, bin ich glücklich!

Ein Schüler mit sportlich-kinästhetischer Begabung verdient genauso seine Erfolgserlebnisse wie ein Schüler, der gut in Deutsch ist oder dem in Mathe alles zufliegt. Sport ist das einzige Fach, dass Schüler mit einem solchen Begabungsschwerpunkt fördert. In jedem anderen Fach reicht es auch nicht aus, sich einfach nur besonders anzustrengen – dafür kriegt man keine gute Note, wenn die Hälfte der Antworten falsch ist. Maximal kann sich das positiv in der Mitarbeitsnote niederschlagen, aber dadurch wird aus einer 5 halt trotzdem keine 2. Und da JEDES Fach im Grunde ein Wettbewerb ist (Notenspiegel!), ist es schlicht nicht einzusehen, warum Sport hier die große Ausnahme sein soll.

Warum ist Schulsport so ein Drama?

Dies ist weder die erste Debatte, die ich zu diesem Thema mitkriege, noch wird es die letzte sein. Mein Eindruck ist, dass hier viele alte Verletzungen zutage treten, denn der Schulsport gehört für einige zu den schlimmsten Erfahrungen der Schulzeit.

Nun scheinen solche Debatten hauptsächlich in Akademikerkreisen stattzufinden – und da drängt sich mir dann ein Klischee auf, das möglicherweise einen wahren Kern hat: die Einteilung von Schülern in genau zwei Gruppen, nämlich Streber und Sportler, wie man sie so oft in amerikanischen Highschool-Filmen beobachten kann.

Nun ist das Leben kein Rollenspiel, das jedem Menschen am Tag der Geburt Fähigkeitspunkte zuteilt. Ich will damit selbstverständlich nicht sagen, dass jeder eine Niete in Sport ist, der einen Uniabschluss erreicht hat. Noch ist jeder Sportler in jedem anderen Bereich ein tumber Depp. Und natürlich gibt es auch genug Leute, die in beiden Bereichen gut sind (oder in beiden Bereichen schlecht). Aber zumindest eine Tendenz scheint sich mir hier abzuzeichnen – vielleicht auch aus Gründen der Erziehung oder Sozialisation, denn im deutschen Bildungssystem spielt Klassismus immer noch in eklatanter Weise eine Rolle.

Das macht die alten Verletzungen natürlich nicht besser. Trotzdem: Nur die wenigsten Menschen sind in allem gut. Jeder hat zumindest ein Gebiet, bei dem er völlig versagt. Aber wenn wir alle Fächer in der Schule streichen, die für einige Schüler aufgrund mangelnder Begabung einfach nur frustrierend sind und keinen Mehrwert bieten, können wir das System “Schule” gleich ganz abschaffen.

Warum der Schulsport trotzdem eine Reform braucht

Eigentlich braucht ja unser ganzes dämliches Bildungssystem eine Reform, aber beschränken wir uns mal wirklich nur auf den Sport. Hier gibt durchaus es einige Baustellen, denn ich kritisiere nicht den Sportunterricht an sich, wohl aber die dabei verwendeten Methoden.

Möglicherweise werde ich hier von meiner eigenen Abneigung gelenkt, aber mir ist beispielsweise total schleierhaft, wofür Turnen gut sein soll. Natürlich, nur indem man die Kinder turnen lässt, findet man die zukünftigen Olympiastars dieser Disziplinen, aber, äh… sonst?
Diese Form der “Leibesertüchtigung” geht auf die Kaiserzeit zurück, die sich doch nun wirklich niemand zurück wünscht. Und tragischerweise werden vor allem die Kleinsten mit diesem überhaupt nicht lustigen Müll traktiert. Wir jedenfalls haben in der Grundschule neben ein bisschen Leichtathletik NUR geturnt.
Warum nicht lieber etwas, das Spaß macht? Koordinationsvermögen lernt man genauso gut (oder eher sogar noch besser) beim Kicken, Gummitwist oder anderen Spielen. Bewegungslust im Sinne der Erlebnispädagogik sollte zumindest in der Grundschule überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, spielerisch vermittelt werden und sich nicht an starren Regeln aus grauer Vorzeit orientieren. Noten kann man trotzdem vergeben.
Und dazu doch mal direkt ein Filmtipp!

Historisch ist das nicht wirklich korrekt und besonders tiefsinnig auch nicht, aber trotzdem ist das ein ganz unterhaltsamer Film (komplett komfortablerweise komplett bei Youtube zu finden!) :)

Desweiteren ist absolut nicht einzusehen, warum man die Schüler selbst ihre Mannschaften wählen lässt. Dies ist IMMER ein reiner Beliebtheitswettbewerb und gehört für viele zu den demütigendsten Erinnerungen ihrer Schullaufbahn. Dabei macht dieses System schlicht keinen Sinn. Der einzige, der in der Lage ist, gut durchmischte, leistungsähnliche Mannschaften zu bilden, ist der anwesende Sportlehrer. Also sollte der auch verdammt noch mal seinen Job machen und die Mannschaften selbst zusammen stellen, allem Gemurre zum Trotz.

Auch scheint mir das alltägliche Mobbing im Sportunterricht unterdurchschnittlich oft sanktioniert zu werden. Als ich kein Rad schlagen konnte und deswegen gehänselt wurde, griff der Lehrer erst ein, als ich anfing zu heulen, aber die ganzen dummen Sprüche und das Gelächter meiner Mitschüler hat er stumm hingenommen.
Das ist absolut inakzeptabel. Jeder Schüler, der einen anderen auslacht, weil er beim Vorlesen herumstottert, wird im Deutschunterricht von der diensthabenden Lehrperson mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zurecht gewiesen. Warum nicht dasselbe im Sport? Gerade der Mannschaftssport bietet viele Ansatzpunkte zur Vermittlung sozialer Kompetenzen. Diese Chance sollte genutzt und der Solidaritätsgedanke sowie die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in den Vordergrund gestellt werden.

Und letztendlich – um nochmal den Bogen zum Aufhänger zu schlagen – ist Sport als Wettbewerb an Schulen und auch schulübergreifend bei Großereignissen wie den Bundesjugendspielen zu überrepräsentiert. Warum gibt es Schulsportfeste, aber keine Schreibwettbewerbe? Warum Fußballturniere zwischen Parallelklassen, aber kein Naturwissenschaftsquiz? Das erzeugt den Eindruck, dass sportliche Begabung wesentlich wichtiger sei als alles andere – was nun mal bei all den Chancen, die der Sportunterricht bietet, auch nicht stimmt.

Misserfolg und (De)Motivation

Schulsport muss beibehalten werden, Schulsport gehört benotet wie jedes andere Fach auch – aber was nun, wenn ein todunglückliches Kind von den Bundesjugendspielen heimschleicht, eine Teilnehmerurkunde in der Hand?

“Multiple Intelligenzen” hin oder her: Es kann kaum das Ziel sein, dieses Kind damit zu trösten, dass es halt einfach nicht gut im Sport ist, dafür aber andere Sachen ganz toll kann. Wie man an mir sehen kann, stimmt das einfach nicht – ICH hatte auch immer nur Teilnehmerurkunden und war später trotzdem ein Ass im Sportunterricht.

Hier muss man das richtige Maß finden zwischen Trost und Ermunterung. Denn die (Fehl)Vorstellung des Kindes, sowieso nie gute Leistungen erbringen zu können, wird mit hundertprozentiger Sicherheit dazu führen, es gar nicht mehr zu versuchen. Mit einer Selbsterfüllenden Prophezeiung dieser Art fördert man das Kind nicht etwa, indem man es dazu bringt, sich auf seine schon sichtbaren Talente zu konzentrieren, sondern nimmt ihm die Chance, sich zu entwickeln und zu verbessern. Andererseits ist es natürlich genauso belastend für das Kind, wenn es seinen Misserfolg allein auf persönliches Versagen zurück führt statt auf (zu diesem Zeitpunkt noch) fehlendes Talent.

Das ist ein Problem, das allerdings in der Kindererziehung bei jedem erdenklichen Misserfolg des Kindes immer wieder auftritt. Um diesen Balanceakt zu meistern kann man wohl keine konkreten Handlungsanweisungen geben, da jedes Kind anders ist. Sicher ist nur, dass noch mehr Demütigung keinen motiviert und man ein Kind gar nicht oft genug in den Arm nehmen kann. Dann sieht auch eine Teilnehmerurkunde nicht mehr ganz so schlimm aus :)

Ein kleiner Disclaimer zum Schluss, damit nicht (schon wieder) unbeabsichtigt der Eindruck entsteht, ich wolle hiermit jemanden angreifen: Die Idee zu diesem Beitrag trug ich schon lange mit mir herum, aber auch, wenn ich dem Großteil der Argumentation von “Mama arbeitet” in ihrer Petition nicht folge, finde ich es trotzdem zum Kotzen, dass sie für ihren Standpunkt offensichtlich teils massiv attackiert wird.
Ich meine, Hallo!?!? Wir haben hier eine Mutter, der das Herz blutet, weil ihr Sohn traurig ist, und die sich Gedanken um eine Lösung macht – wie völlig durch muss man sein, um darauf mit Beleidigungen zu reagieren?!
Mein Beitrag, vor allem aber der erste Punkt, der sich mit schädlichen Erziehungsfehlern befasst, ist allgemein gehalten. In keinster Weise ist dies als Angriff an sie gedacht, denn auch wenn sie auf mich wie eine liebende, besorgte Mutter wirkt, weiß ich trotzdem nicht, wie sie erzieht und daher maße ich mir da auch kein Urteil an.
Und auch wenn ich nicht ihrer Meinung bin hoffe ich natürlich trotzdem, dass ihr Kleiner die Enttäuschung gut wegsteckt :)

Edit: Schoppe, immerhin schon ganz richtiger Lehrer, hat den Artikel in seinem Blog kommentiert: Wozu braucht man in der Schule eigentlich einen Körper?

Der Endgegner im Badezimmer, Bonus: Das geilste Rezept der Welt! (Blogparade?)

Zum Abschluss meiner Themenwoche möchte ich euch an diesem Bonustag was ganz besonders präsentieren. Aber dazu muss ich kurz ausholen:

Ich bin ein sehr großer Fan von Warren Ellis. Jetzt denkt ihr “Who the hell is Warren Ellis?” – zurecht, den kennt hierzulande kaum ein Schwein. Dabei hat seine sehr erfolgreiche Comicserie “Transmetropolitan” meine Jugend sehr geprägt, weshalb er für immer einen Platz in meinem Herzen haben wird.
Jedenfalls schreibt dieser Mensch auch Romane. Einen davon, “God bless America”, habe ich gelesen. Hier soll es aber nicht um den Inhalt gehen, sondern um den Anhang, denn dort präsentiert Herr Ellis zusammenhangslos, ironiefrei und hochgradig selbstbewusst sein Rezept für das Beste, was er in der Küche zustande bringen kann.

Es handelt sich dabei um Rührei. Ich hab’s nicht ausprobiert. Aber die Idee war mir sehr sympathisch. Womit mein Entschluss gefasst war, irgendwann was ähnliches zu machen – und damit sind wir hier!

Jeder Mensch muss essen, um zu überleben, und dafür muss fast jeder Mensch kochen. Nun gibt es natürlich unglaublich viele Foodblogger, deren Erzeugnisse mir Tränen in die Augen treiben, einfach nur deshalb, weil die Zutaten so exotisch sind, die Zubereitung so anspruchsvoll und die Fotos des Ergebnisses so unfassbar gut aussehen. Damit kann ich nicht mithalten, ebenso wenig wie mit einem Herrn Jamie Oliver, den ich wirklich mag, dessen Rezeptbücher ich aber jedes Mal wieder zurück ins Regal gestellt habe, wenn mir beim Durchblättern klar wurde, dass ich für die Zutaten in drei verschiedene Läden rennen müsste und dann hätte ich auch erst nur die Gewürze zusammen.

Und dennoch kann ich ganz gut kochen. Nur halt nicht übelst ausgefallen. Aber Warren Ellis hat mir gezeigt, dass ich das nicht muss, um drüber zu schreiben. Denn jeder hat EIN persönliches Rezept, das herausragt, das im bescheidenen Maße awesome ist, an das man als erstes denkt, wenn man Freunde erwartet.

Darum präsentiere ich euch hier

MEIN GEILSTES REZEPT DER WELT!!!

yumm
Es ist nicht fancy, es ist nicht exotisch und das Ergebnis sieht auch nicht aus, als hätte ich einen professionellen Fotografen angeheuert, um es beim Knipsen richtig auszuleuchten. Und es ist trotzdem einfach geil. Zudem will ich euch zum Abschluss meiner Themenwoche rund um’s Abnehmen zeigen, dass ich mit Sicherheit nie die Lust am Essen verlieren werde, denn das Gericht ist so ziemlich alles, nur nicht diättauglich :D

Freuen würde ich mich, wenn hieraus eine kleine Blogparade würde, an der sich auch bzw. vor allem Leute beteiligen, die sonst nie über Essen bloggen. Haut einfach raus, was ihr am besten könnt – selbst wenn es nur Rührei ist!

Damit ohne weitere Überleitung zu MEINEM GEILSTEN REZEPT DER WELT: Tortellini alla Panna!

Zutaten für 1 Person
250gr Tortellini mit Fleischfüllung (die frischen aus der Kühltheke)
100gr Kochschinken
1 Becher Sahne
50 gr Schmelzkäse
20 gr Emmentaler Streukäse
1 Esslöffel Öl
bisschen Mehl
Salz
Pfeffer
Muskat
Geheimzutaten (siehe Text!)

Zubereitung (weil das ja ein ganz besonders Rezept ist aus der Ich-Perspektive):

Die frischen Tortellini brauchen nicht lange, darum kümmere ich mich zuerst um die Soße. Ich schnippel den Schinken in kleine Würfel und brate ihn in einer kleinen Pfanne mit Sonnenblumenöl an. Wenn das Fleisch anfängt, aus der Pfanne zu springen, weiß ich, dass es braun genug ist. Als Grundlage für die Soße und um die Verwendung von Soßenbinder zu vermeiden, gebe ich ein bisschen Mehl in die Pfanne und verrühre das Ganze zu einer ziemlich trockenen Mehlschwitze.

Als nächstes kippe ich die Sahne dabei. Zuerst nur ein bisschen unter Rühren, damit es keine Klümpchen gibt, dann alles. Ja, den ganzen Becher. Das muss so!

Während die Soße auf kleiner Flamme ein bisschen einkocht, stelle ich schon Wasser auf für die Tortellini. Früher hab ich immer die trockenen Tortellini genommen, aber die frischen sind einfach viel geiler.

Bis das Wasser kocht, geht’s weiter mit der Soße. Als nächstes rühre ich ein paar dicke Löffel Schmelzkäse rein. Das sorgt für Bindung und verdickt die Soße. Ich weiß, dass ich ein bisschen warten muss, bis die Soße wieder aufgekocht ist, um zu sehen, ob der Schmelzkäse genug war, aber oft bin ich zu hastig, mache zuviel Schmelzkäse rein und dann wird’s zu dickflüssig. Sollte das bei euch der Fall sein: bisschen Wasser hilft.

Zeit für die Gewürze. Ich esse sehr salzig, also kommt ein bisschen körnige Gemüsebrühe rein (die für “klare Suppe” – die mit diesen kleinen Karottenstückchen passt null), dazu eine Prise Muskat und Pfeffer. Am besten ist weißer Pfeffer, weil das besser zu weißer Soße passt, aber schwarzer geht auch.

Und dann ist es Zeit für meine Geheimzutaten, die das Gericht von schnöden Nudeln mit Sahnesoße in den Olymp lukullischer Genüsse hebt! Die erste Geheimzutat ist ein ganz klein bisschen Senf, aber niemals so viel, dass man ihn wirklich rausschmeckt. Und bei der zweiten Geheimzutat handelt es sich um ein bisschen Paprikapulver! Warum das da so gut kommt, weiß ich auch nicht, aber ich nehme an, dass es irgendwie wie ein Geschmacksverstärker wirkt. Ist ja auch egal. Jedenfalls dürft ihr NIE so viel Paprika reintun, dass man es an der Farbe erkennen kann oder gar rausschmeckt. Wenn eure Gäste sagen “Geil! Ist da Paprika drin?” habt ihr was falsch gemacht!

Zum Schluss noch ein bisschen Käse rein – am besten ein vergleichsweise kräftiger wie Emmentaler! Hier bin ich meist sehr sparsam, denn tatsächlich kann es auch ein Zuviel an Käse geben! Die Soße wird sonst eine klebrige Pampe.

In der Zwischenzeit sollte das Wasser kochen, also kippe ich die Tortellini rein (ohne Salz, denn damit gleiche ich aus, dass die Soße möglicherweise zu salzig geworden ist!). Normalerweise lasse ich sie maximal zwei Minuten kochen, damit sie nicht zu labberig werden. Dann schütte ich sie in ein Sieb ab und kippe sie direkt danach in die Soße! Wenn die Tortellini noch nicht richtig abgetropft sind, ist das nicht schlimm, denn die Soße kann vermutlich noch etwas Flüssigkeit gebrauchen.

Das Ganze umrühren und noch ca. eine Minute köcheln lassen – fertig sind die geilsten Tortellini alla Panna der Welt!
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Aus den Zutaten erhaltet ihr einen großen Teller, der wirklich sehr satt macht und schnuckelige 1650 Kalorien hat!

“Das ist es wert, ganz ehrlich! Das ist es WERT, dass man davon zunimmt!”
– Sex and the City

…aber wenn ihr meine Themenwoche gelesen habt wisst ihr nun, dass ihr davon gar nicht zunehmen müsst!

JamieOliver

Damit beende ich meine Themenwoche und gebe ab an andere Alltagsköche! Was ist euer GEILSTES REZEPT DER WELT?

PS: Und meine Lasagne ist auch der absolute Hammer :D

Themenwoche:
Teil 1: Der ewige Kampf
Teil 2: Fatshaming, Fatacceptance
Teil 3: Buchtipp: “Fettlogik überwinden”
Teil 4: The War is won!
Teil 5: Meine Diät!
Teil 6: Rezepttipp: Oopsie – der Teig ohne Mehl!
Teil 7: Geheimtipp: Shirataki – die Nudel ohne Kalorien!

Der Endgegner im Badezimmer 7: Geheimtipp: Shirataki

Es geht weiter mit den Schlägen, die mich bei meiner Suche nach kalorienarmen Leckereien getroffen haben.

Chronologisch ist das allerdings nicht – der Schock, den ich euch heute vorstelle, traf mich VOR dem Oopsie. Aber da es im heutigen Beitrag um ein regelrechtes Diätwunder geht, noch viel, viel beeindruckender als Oopsie, habe ich mich aus Gründen der Dramaturgie zu dieser Reihenfolge entschlossen!

Damit genug der spannungserzeugenden Vorrede. Worum geht es eigentlich?

Buchstabiert es mit mir zusammen: Shirataki die Nudel ohne Kalorien.

Was ist Shirataki?

Auf dieses Produkt bin ich, wie könnte es anders sein, auch in “Fettlogik überwinden” gestolpert, allerdings nur über den Namen ohne Erklärung. Verwirrt habe ich selbst danach gegoogelt. Und das war dann der Moment, als ich wirklich glaubte, mich hätte ein Güterzug überrollt, denn damit wurde ein jahrelanger Traum plötzlich wahr.

Was ich heraus fand:
Shirataki sind in der asiatischen Küche zuhause und enthalten ca. 5 kcal pro 100 Gramm. Ja, das ist doch mehr als nichts, aber irgendwo hab ich den Spruch gelesen, dass man vermutlich allein beim Aussprechen des Wortes “Shirataki” mehr Kalorien verbrennt, als dieses Zeug enthält und, naja, ich denke, das kann man gelten lassen!

Shirataki wird aus Konjakmehl hergestellt, das wiederum aus der Konjakwurzel gewonnen wird. Dieses Mehl besteht fast gänzlich aus Ballaststoffen, die der menschliche Körper nicht verwerten kann, und wird, gemischt mit Wasser und ein bisschen Kalk (was offensichtlich nicht schlimm ist – hat mich auch überrascht), in die bekannte Nudelform gebracht. Darüber hinaus gibt es das Ganze auch in Form von Reis, der aus den gleichen Komponenten besteht.

Im asiatischen Raum werden die Nudeln hauptsächlich als Suppeneinlage verwendet, aber man kann sie auch wie normale Nudeln zubereiten. Dabei ist zu beachten, dass Shirataki aufgrund des hohen Wassergehalts nicht wie normale Nudeln trocken gekauft werden (können), sondern in Lake. In dieser Form sind sie allerdings sehr lange haltbar.

Konjakmehl und Shirataki sind glutenfrei, vegan und für Diabetiker geeignet. Mir ist sowas ja scheißegal, aber euch ja vielleicht nicht. Und als nahezu kalorienfreie Alternative für Nudeln sind sie eigentlich genau das, worauf ich mein ganzes Leben lang gewartet habe!

“Ja, aber Wundernudeln ohne Kalorien machen doch bestimmt nicht satt, ne?” – Lustigerweise doch. Sie machen sogar noch MEHR satt als herkömmliche Nudeln, da Konjakprodukte im Magen eine unglaubliche Quellwirkung entfalten. Allerdings sollte man darauf achten, dabei ausreichend zu trinken, da Konjak Wasser bindet.

Damit werden Konjakmehl und seine Produkte tatsächlich lebensmitteltechnisch als völlig unbedenklich eingestuft, sofern man die Dosierungsanweisung nicht ignoriert (maximal 3gr pures Konjakmehl täglich), denn dann kann es zu Verdauungsproblemen und Verstopfung kommen. Untersuchungen, die die Behauptung untermauern, es sei darüber hinaus sogar sehr gesund, gibt es leider noch keine, weshalb man hier ein Fragezeichen setzen muss. Eindeutig aber, dass dieses Zeug NICHT SCHÄDLICH ist.

Damit war für mich klar: DAS Zeug gehört ausprobiert!!!

Warum ist das ein Geheimtipp?

Ganz einfach: Weil ich davon noch nie irgendwo gelesen oder gehört habe. Eine Googlesuche bringt massig Seiten und Rezepte hervor, die sich mit Shirataki beschäftigen, aber betrachtet man den Nutzen, ist es dennoch auffällig, dass ich sowas noch nie als neues Diät-Wundermittel angepriesen fett auf dem Cover der “Bild der Frau” etc. gesehen habe.

Dabei ist das doch eine Sensation: Nudeln, die keine Kalorien haben! Kucken wir uns das nochmal genauer an:

Eine Packung vom Asialaden hat 180gr (Abtropfgewicht) und damit 9kcal. Die gleiche Menge gekochter Nudeln hat laut fddp-Rechner 264kcal. Bämm! Und dazu kommt der Umstand, dass sie nicht so satt machen wie Shirataki. Für mich ist eine Portion ungekochte Nudeln, von der ich auch satt werde, gut 100gr – und die haben gar 362kcal!

Ich würde behaupten: DAS ist ne Marke!! Und trotzdem gibt’s dazu nur Schweigen im Walde. Warum das wohl so ist?

Ich hatte im Bereich Diät, aber auch Gesundheit allgemein, schon öfter das unangenehme Gefühl, dass Dinge oder Maßnahmen, die WIRKLICH helfen, gerne unter den Teppich gekehrt werden (das ist übrigens auch der einzige für mich vorstellbare Grund, weshalb “Fettlogik überwinden” NICHT zum Bestseller werden könnte). Ich weiß, das klingt wie ne dumme Verschwörungstheorie, aber nur, weil Impfgegner ihr Ultimate Evil in der Pharmalobby gefunden haben und das absolut lächerlich ist, heißt das ja noch lange nicht, dass die Pharmalobby nur aus lauter Mutter Theresas besteht, die ganz uneigennützig gegen lediglich einen kleinen Unkostenaufwand der Menschheit helfen wollen. Und die sogenannte Diätindustrie ebenfalls nicht!

Es gibt massig Sättigungspillen auf dem Markt, die Unsummen an Geld kosten. Dabei ist Konjakmehl, das man z.B. über Amazon beziehen kann,
nicht nur deutlich günstiger, sondern hat auch von allen Naturprodukten die höchste Wasserbindungskapazität (nämlich das 50fache seines Eigengewichts), sprich die beste Quellwirkung: Schluckt man Konjakmehl (entweder in Wasser oder Joghurt gelöst oder als Pulver in Gelatinekapseln), dehnt es sich im Magen aus und vernichtet damit jegliches Hungergefühl.

Natürlich birgt sowas auch Missbrauchspotential und ich bin mir sicher, dass spätestens an dieser Stelle einige Diätgegner nun auf die Barrikaden gehen werden (Donotlink nicht vergessen, Mädels!) – aber dieses Risiko besteht bei herkömmlichen Sättigungspillen ja auch! Und diese enthalten dann möglicherweise auch noch chemische Bestandteile, die wesentlich ungesunder sind.

Um hier mal einen Disclaimer zu setzen: Ich bin weder Ernährungsexpertin, noch Biochemikerin. Ich übernehme keine Verantwortung, wenn jetzt jemand hingehen will und denkt, ein paar Gramm Konjakmehl am Tag könnten jede vernünftige Mahlzeit ersetzen. Sowas ist völlig Banane und ich komm mir schon blöd vor, das überhaupt erwähnen zu müssen.
Ich gebe nur meine Beobachtungen wider – und die sagen mir, dass es merkwürdig ist, dass ein Stoff, der als Lebensmittelzusatz zugelassen ist und im Rahmen einer vernünftigen Diät und bei ordnungsgemäßer Anwendung einige eindeutige Vorteile bietet, mir so völlig unbekannt war. Deshalb halte ich Shirataki für einen Geheimtipp!

Wo kriegt man das Zeug her und wie bereitet man es zu?

Das Internet wusste zu berichten, dass man Shirataki-Produkte in Asialäden findet und genauso war es auch. Darüber hinaus führen manche Bioläden diese Nudeln, wobei der Preis dort meistens um ein Vielfaches höher liegt.

Tatsächlich sind die Nudeln, die als Portionspackungen daher kommen, mit 1,70€ (in meinem Asiamarkt) deutlich teurer als eine Packung herkömmliche Nudeln, aus denen man ja darüber hinaus auch mehrere Mahlzeiten bereiten kann, aber in Anbetracht der kalorientechnischen Vorteile nehme ich das gerne in Kauf.

Wahre Horrormeldungen fand ich dann von einigen Erstnutzern über eine Eigenart der Shirataki: Die Lake, in der sie angeboten werden, hat nach dem Öffnen einen eigentümlichen Fischgeruch (OBWOHL vegan), was viele Menschen abschreckt. Ich durfte feststellen, dass dieser Geruch längst nicht so schlimm ist wie behauptet, aber wie das auf Leute wirken mag, die generell keinen Fisch mögen, kann ich natürlich nicht beurteilen.
Trotzdem: Nachdem man die Nudeln, so wie es sein soll, gewaschen und kurz (1-2 Minuten!) gekocht hat, war davon nichts mehr übrig!

Und wenn ich “nichts” sage, MEINE ich nichts: Shirataki haben so gut wie keinen Eigengeschmack, weshalb man sie ordentlich mit der Soße vermischen und ein wenig ziehen lassen sollte.

Aber was kann man damit nun zaubern? Zum Beispiel das:

Rezept

Bei meinem erstem Versuch (dem inzwischen einige gefolgt sind) wollte ich mich nicht allzu weit von den Wurzeln entfernen und Shirataki asiatisch zubereiten. Unglücklicherweise mag ich die asiatische Küche bis auf wenige (vermutlich für den Westen weichgespülte) Ausnahmen nicht allzu sehr und kenne mich deshalb auch nicht so wirklich gut aus. Dennoch möchte ich euch mein Ergebnis präsentieren und wenn ihr beim Thema asiatisches Essen besser Bescheid wisst, könnt ihr das ja gerne noch mit mehr Gemüse etc. ergänzen :)

Ihr braucht:
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1 Packung Shirataki
225gr King Prawns/Scampi (TK)
1 rote Paprika (ca. 200gr)
3-4 Frühlingszwiebeln (ca. 115gr)
1 große Karotte (ca. 140gr)
1 Esslöffel Sonnenblumenöl (ca. 15gr)
30gr Sojasoße
100gr Soße süßsauer
1 Chilischote (optional)

ca. 650 kcal

Das Gemüse schneiden: Die Paprika in dünne Streifen, die Frühlingszwiebeln in Ringe. Für die Karotte empfehle ich einen Julienne-Schneider, den es für 2-4 Euro in jeder Küchenabteilung gibt und mit dem man auch ganz easy Gemüsespaghetti machen kann, aber ihr könnt sie natürlich auch in kleine Würfel oder so schneiden!

20150518_182116Das Gemüse in einer gut beschichteten Pfanne (oder Wok) mit einem Esslöffel Öl vorsichtig anbraten.

In der Zwischenzeit die Shirataki waschen, ca. 1-2 Minuten kochen und abgießen.

Die abgetropften Shirataki zu dem Gemüse geben und gut vermischen. Die aufgetauten Scampi dazu.

Sojasoße dazu und kurz einkochen lassen. Die süßsaure Soße dazu und gut vermischen. Das Ganze noch ein paar Minuten köcheln oder ziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Voilá!

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Fazit

So, halten die Wundernudeln nun, was sie versprechen? Im Klartext: Sind Shirataki-Nudeln so lecker wie normale Pasta?

Nein, ganz eindeutig nicht. Ihre Konsistenz erinnert an Glasnudeln und ist leicht gummiartig, womit sie geschmacklich mit normalen Nudeln absolut nicht mithalten können. Trotzdem mag ich meine Shirataki-Kreation sehr gerne, wobei ich mich, trotz der Beteuerung von Shirataki-Fans, die Nudeln würden auch zu allen anderen herkömmlichen Pastasoßen passen, bisher noch an kein anderes Rezept getraut habe, weil ich mir Shirataki in Käsesoße einfach nicht vorstellen kann!

Dennoch: Sie sind im Rahmen einer Diät eine fast kalorienfreie Alternative für herkömmliche Sättigungsbeilagen und für jeden mit dem Wunsch abzunehmen zumindest einen Versuch wert. Vielleicht findet ihr ja Gefallen daran!

Themenwoche:
Teil 1: Der ewige Kampf
Teil 2: Fatshaming, Fatacceptance
Teil 3: Buchtipp: “Fettlogik überwinden”
Teil 4: The War is won!
Teil 5: Meine Diät!
Teil 6: Rezepttipp: Oopsie – der Teig ohne Mehl!

Der Endgegner im Badezimmer 6: Rezepttipp: Oopsie!

Auf der Suche nach leckeren und sättigenden Gerichten, die in meine kalorienreduzierte Diät passen, erwartete ich eigentlich keine neuen Sensationen. Umso härter traf mich daher der Schlag: Oopsie!

Und das ist in der Tat nicht das, was ich reflexartig von mir gebe, wenn mich wieder mal der Schlag trifft (der Vollständigkeit halber: Das wäre “Ah, Fuck!!”), sondern der Name des Corpus Delicti.

“Oopsie” ist eine Art Teig und in der LowCarb-Küche zuhause. Das Zeug enthält nämlich kein Mehl. Nicht ein Krümel! Der Grundteig besteht nur aus Eigelb, Eischnee und Frischkäse (nebst einigen Variationen und natürlich Gewürzen).

Ich bin zufällig bei Frau Yu drüber gestolpert und zog erstmal die Nase kraus, als ich das Rezept sah. Ein Teig aus Eiern und Frischkäse? Die erste Frage, die ich mir selbst stellte, war dann interessanterweise nicht “Schmeckt das?”, sondern “Und das soll weniger Kalorien haben als normaler Teig?”

Womit wir wieder mal bei dem Beweis angekommen wären, dass Kalorienzählen der Eckpfeiler jeder bewussten Ernährung sein sollte und man sich dahingehend auf sein Gefühl null verlassen kann. Denn so ging es weiter:

Ich war sofort elektrisiert und machte mich umgehend an einen Vergleich. Wie viele Kalorien hat normaler Pizzateig?

Da ich selbst Hefeteig nie nach Rezept, sondern nach Gefühl mache und deshalb nicht weiß, wie viel von allem in meine Version genau reinkommt, nahm ich einfach das erste Rezept, das mir Chefkoch für “Pizzateig Blech” präsentierte. Dieses enthält an relevanten, da kalorienhaltigen Substanzen 300gr Mehl und 2 Esslöffel Öl (Hefe, Gewürze und natürlich Wasser kann man hier meiner Meinung nach vernachlässigen). Und diese beiden Komponenten allein enthalten nun laut FDDB-Rechner 1300 Kalorien.
Tausend. Fucking. Dreihundert!!

Ich war relativ entsetzt und das änderte sich auch wenig, als ich auch noch gekauften Pizzateig überprüfte, auf den ich aus Faulheitsgründen oft zurück greife, statt selbst zu kneten. Der “frische Pizzateig mit feinem Olivenöl” von Rewe hat dann auch tatsächlich “nur” ca. 970 Kalorien.

Damit war klar, dass mich mein inneres Kalorienlexikon wieder mal verarscht hat und Oopsie-Teig plötzlich recht interessant aussah. Ich schmiss also meinen Ernährungsplan für diesen Tag über Bord, sah mir noch ein paar Rezepte an und ging einkaufen.

Da es hierbei dutzende Variationen zu geben scheint, entschied ich, mich mengenmäßig an Frau Yus Rezept zu orientieren, aber da ich von ihrem Ernährungsprogramm LCHF (das steht für “low carb, high fat”) leider nicht wirklich überzeugt bin, ersetzte ich den Frischkäse “Sahnestufe” mit Buko Kräuterkäse, der nur 16,5% Fett enthält. Andere Rezepte sprachen hier sogar von Magerquark, also hielt ich das für einen ganz guten Kompromiss.

Und dann konnte es auch schon losgehen!

Oopsie-Flammkuchenteig

4 Eier (ca. 220gr)
100gr Kräuterfrischkäse (Buko)
bisschen Hefe
Salz, Pfeffer
(ca. 500 kcal)

Die Eier trennen und das Eiklar zu festen Eischnee schlagen. Das Eigelb mit dem Frischkäse, der Hefe und den Gewürzen zu einer glatten Masse schlagen. Den Eischnee unterheben.

Das Ergebnis ist kein knetbarer Teig, sondern eine recht flüssige Masse. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech kippen und mit einem Löffel glattstreichen bzw. verteilen.

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An dieser Stelle stellte ich fest, dass mir die Masse zuviel war, denn Flammkuchen sollte meiner Meinung nach sehr dünn sein, also habe ich etwa ein Fünftel der Masse zurück behalten (zur späteren Verwendung – ich kippe nicht gern Essen weg). Der Teig auf dem Blech hatte demnach ziemlich genau 400 Kalorien.

Den Teig bei ca. 210 Grad für etwa 10 Minuten im Ofen vorbacken und dann rausnehmen. Nun kann er belegt werden!

(In einem Youtube-Video, das ich mir dazu angesehen habe, wurde behauptet, dass man den Teig nun umdrehen sollte, da die Oberseite nicht so glatt wäre wie die Unterseite und darum die Pizza matschig werden könnte, weil die Soße einsickert. Da meine Oberseite aber SEHR glatt war, die Unterseite dagegen logischerweise wie bei allem was man backt porös, habe ich darauf verzichtet.)

Gerne hätte ich ausprobiert, wie eine Pizza mit Oopsie-Teig schmeckt, aber da ich ja immer noch auf Diät bin, habe ich mich für die käse- und salamifreie und damit kalorienärmere Flammkuchen-Variante entschieden. Der Belag bestand darum aus

80gr Créme Fraiche
1 mittelgroßen Zwiebel (ca. 85gr)
75gr Schinkenwürfel light
(ca. 350 kcal)

Alles schön verteilen, darüber kamen dann noch ein paar Kräuter der Provence. Ab in den Ofen für ca. 15 Minuten – und schon hatte ich dieses Ergebnis:

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Insgesamt hatte dieses Gericht ca. 750 Kalorien, was ganz gut in meinen Ernährungsplan passt.

Satt bin ich davon geworden. Aber ganz so unwichtig ist der Geschmack ja nun doch nicht. Also: Wie lecker war nun mein Oopsie-Flammkuchen?

Ich muss sagen, dass der Teig mich ziemlich überrascht hat. Er war entgegen meiner Erwartung null matschig, sondern sogar sehr kross. Nicht auf eine Hefeteigart, sondern eher krümelig, wie man das von einem zu lange gebackenen Rührei erwartet. Denn ja, selbstverständlich schmeckte der Teig sehr eierlastig, während der Frischkäse eigentlich überhaupt nicht identifizierbar war – was aber auch an meiner falschen Dosierung lag. Offensichtlich habe ich mir nämlich zu viele Rezepte angesehen, war dann verwirrt und habe vier Eier genommen statt den von Frau Yu veranschlagten zwei. Argh. Damit wäre wohl auch das Problem der überflüssigen Masse gelöst und der Frischkäse dominanter gewesen.
Trotz dieses Fails muss ich sagen, dass dieser dünne Teig doch überraschend flammkuchenartig geworden ist. Das Gesamtergebnis war durchaus etwas trocken – aber das ist normaler Flammkuchen ja auch. Dennoch würde ich beim nächsten Mal ein bisschen mehr Créme Fraiche nehmen.

Fazit:
Ist Oopsie-Teig ein gleichwertiger Ersatz für Hefeteig? Hier muss ich sagen: nein. Geschmacklich kann Oopsie da leider nicht mithalten, auch wenn ich demnächst eine richtige Oopsie-Pizza ausprobieren will und darauf schon sehr gespannt bin.
Dennoch ist Oopsie nicht nur in dieser Form (denn man kann daraus auch noch Burgerbrötchen machen und vieles mehr – einfach mal wild googlen oder bei Frau Yu stöbern!) im Rahmen einer Diät eine gute Alternative, denn wie man sieht, enthält der Teig nur ein Bruchteil der Menge an Kalorien von normalen Hefeteig. Zudem ist er, sofern man ein Rührgerät sein Eigen nennen darf, furchtbar einfach und schnell herzustellen. Und das ist definitiv Grund genug, um dem Oopsie mal eine Chance zu geben – so dämlich sein Name auch ist!

Zum Schluss noch ein paar Nährwertangaben:

oopsie

Der Vollständigkeit halber möchte ich hier nochmal erwähnen, dass eine normale Tiefkühlpizza, in diesem Fall mein Favorit, “Die Ofenfrische Pepperoni-Salami”, ganze 900 Kalorien hat – und das MIT krass fettigem Belag. Da für mich jedoch eine Tiefkühlpizza, eine selbstgemachte Pizza, eine Lieferdienst-Pizza und eine Restaurant-Pizza vier völlig unterschiedliche Gerichte sind (und ja, mir wurde schon oft gesagt, wie bescheuert das ist), möchte ich hier nicht einfach die Tiefkühl-Variante empfehlen, auch wenn das eigentlich geschmacklich und kalorientechnisch am sinnigsten wäre – sofern man nicht wie ich auf die Tiefkühlpizza noch mehr Käse und anderes Zeug draufschmeißt!

Themenwoche:
Teil 1: Der ewige Kampf
Teil 2: Fatshaming, Fatacceptance
Teil 3: Buchtipp: “Fettlogik überwinden”
Teil 4: The War is won!
Teil 5: Meine Diät!

Der Endgegner im Badezimmer 5: Meine Diät!

“Gott ist mein Zeuge: Ich werde mich NIE WIEDER SATT ESSEN!”
– Homer Simpson

So, die schlimmsten Vorurteile alle bestätigt? Alle wieder wach? Na dann kann’s ja mit Verspätung weiter gehen :D

Nachdem ich euch in Teil 4 erzählt habe, welche Erkenntnisse das Buch für mich bereit hielt, möchte ich heute vorstellen, wie meine Diät genau aussieht!

Wie schon gesagt, das Buch ist kein Diätratgeber, aber am Ende fasst Nadja trotzdem in einer Tabelle ein paar Tipps zusammen und stellt die Vor- und Nachteile gängiger Gewichtsreduktionsmethoden dar, aus denen man sich dann bedienen kann.
Denn natürlich wirken Weight Watchers, Atkins etc. – aber halt nicht für alle. Sogar doofe, an sich sinnlose Regeln wie „nach 18 Uhr nichts mehr essen“ können funktionieren, beispielsweise bei jemanden, der abends vor dem Fernseher gerne noch viel nascht, ohne wirklich zu merken, was er da isst und wie viel und überhaupt. Lässt so jemand das weg, nimmt er zwangsläufig ab.

Was ich euch also vorstelle, ist keinesfalls als Aufforderung zu verstehen, es genauso zu machen. Ich zeige euch nur, was für MEINEN Lebensstil am besten passt und womit ich am besten klar komme. Wenn ihr das versuchen wollt und damit Erfolg habt, freut es mich, aber an sich müsst ihr selber kucken, wo ihr bei euch ansetzen könnt.

Hier also die Bausteine meiner Diät!

Vitamine

Ok, das ist kein Diättipp im eigentlichen Sinne, sondern doch für jeden etwas.
Mehr am Rande erwähnte Nadja im Buch, dass sie, um einige Mängel auszugleichen, zum Start ihrer Diät anfing, Vitamintabletten zu nehmen. Ohne allzu sehr drüber nachzudenken oder mir etwas davon zu versprechen latschte ich also am Anfang auch einfach mal in den DM und kaufte mir eine Packung Multivitamintabletten. Ich nahm ab da eine Tablette täglich und erwartete im Prinzip gar nichts davon.

Boom: Schon drei Tage später konnte ich eine spürbare Verbesserung feststellen. ÜBERALL. Und das ist jetzt immer noch so: Ich bin fitter, konzentrierter, besser drauf und habe eine gesündere Gesichtsfarbe. Meine Haare, die mir in den vergangenen Monaten viel Kummer bereitet haben, sind weniger trocken und glänzen wieder (statt auszufallen – trotz Diät! Man stelle es sich vor! Ein Wunder!). Und als ich meine Tage bekam, stellte ich völlig verdattert fest, dass ich fast keinerlei Menstruationsbeschwerden hatte. Warum das so ist, weiß ich nicht (bei Twitter wurde Zink, Eisen etc. vermutet), aber zum ersten Mal seit Jahren musste ich während meiner Periode keine Schmerztabletten nehmen.

Das ist alles echt unglaublich, vor allem, da ich bisher der Vorstellung aufgesessen war, dass der Körper Vitamine in Tablettenform sowieso nicht wirklich verwerten kann, und das, obschon ich vom Wandern aus eigener Erfahrung weiß, dass Magnesiumtabletten SEHR WOHL helfen. Ich glaube immer noch nicht, dass der Körper ALLES verwertet, aber selbst ein bisschen ist besser als nichts, oder?

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich bin kein Fan von Tabletten und fände es besser, wenn ich diese Vitamine durch die Nahrung aufnehmen würde. Aber sehen wir doch der Tatsache ins Auge: Das werde ich nie schaffen. Ich werde nie zu den Menschen gehören, die täglich Obst und Gemüse essen und das auch noch in Mengen, die vitamintechnisch interessant sind. Und da bin ich doch wohl wirklich nicht die Einzige.
Deshalb empfehle ich Vitamine für jeden, ob er abnehmen will oder nicht. Der Unterschied ist enorm.

Intermittierendes Fasten

Wat’n Wort, hm? Dahinter verbirgt sich aber an sich nix kompliziertes.
Intermittierendes Fasten bedeutet, nur einmal am Tag zu essen. Das klingt auf den ersten Blick ungesund, ist es aber nicht. Ich war jahrelang der Ansicht, man müsse mindestens dreimal am Tag essen (eine Zeitlang hieß es sogar fünfmal am Tag, aber davon scheint man wieder abgekommen zu sein) , um den Stoffwechsel im Gang zu halten. Wie wir jetzt wissen, ist das Bullshit: Mein Stoffwechsel arbeitet, ob ich heute was esse oder nicht.

Im Gegenteil sind zu viele Mahlzeiten am Tag gar nicht mal so gut. Der Körper verlernt nämlich auf diese Weise, Insulin richtig zu regulieren, da er sich drauf einstellt, nach wenigen Stunden schon wieder neue Nahrung zu kriegen. Fällt nun aber mal eine Mahlzeit aus, reagiert er mit brüllenden Hunger. Glücklicherweise kann er sich auch wieder umgewöhnen (und das ist bei mir nun längst passiert).

Das war für mich eine wundervolle Erkenntnis. Ich gehöre nämlich zu den Leuten, die morgens einfach keinen Hunger haben. Ich koche mir nach dem Aufstehen grünen Tee mit Pfefferminz und das ist über Stunden das einzige, was ich zu mir nehme – zu mir nehmen WILL.
Jahrelang suchte mich tagtäglich morgens der Gedanke heim, wie schlimm das doch sei. Meine persönliche Empfindung, einfach noch nichts essen zu wollen, wurde von mir selbst permanent verteufelt. Kein Wunder, dass du nicht abnimmst, wenn du morgens deinen Stoffwechsel nicht in Gang bringst, dachte ich. Und so kam es, dass ich bei meinen vielen erfolglosen Versuchen, meine Ernährung umzustellen, mir häufig morgens etwas reinquälte, obwohl ich gar keinen Hunger hatte. Psychologisch ist das unklug: Natürlich ist ein Körnerbrötchen mit Putenbrust sehr geil, aber wenn ich keine Lust drauf habe, „zählt“ das für mein Unterbewusstsein gar nicht wirklich. Wenn ich so etwas morgens esse, obwohl ich gar nicht will, habe ich schon ca. 300 kcal verschwendet, ohne das Gefühl zu haben, tatsächlich was gegessen zu haben! Auf diese Weise kommt man dann auch leicht über seinen Tagesbedarf an Kalorien: Was man sich reingezwängt hat, kommt einem im Kopf schlicht nicht wie Essen vor.

Das Gleiche abends. Regeln wie die oben genannte („Nach 18 Uhr nichts mehr essen“) ärgern mich wirklich unglaublich. Wann immer in solchen Glaubenssätzen eine Uhrzeit auftaucht, schalte ich auf Durchzug, weil das völlig außer Acht lässt, dass nicht jeder Mensch den gleichen Tagesrhythmus hat. Ich arbeite häufig nachts und bis in die frühen Morgenstunden – warum sollten für mich die gleichen Uhrzeiten gelten wie für jemanden, der fünf oder sechs Stunden früher ins Bett geht und demnach auch fünf oder sechs Stunden früher aufsteht als ich? Das macht doch gar keinen Sinn!

Ich habe am Anfang meiner Diät mich selbst beobachtet und festgestellt, wie meine „Appetitkurve“ verläuft: Nach dem Aufstehen (bei mir normalerweise so um 11, 12 Uhr) dauert es gut 4, 5 Stunden, bis ich ersten (leichten) Hunger kriege. Esse ich dann etwas, kriege ich vor dem Schlafengehen nochmal Hunger. Warte ich dagegen noch ein bisschen, ist der Hunger vorm Schlafengehen lediglich ein leichter Appetit – und lustigerweise nach meiner Schlafphase wieder völlig weg.

Das war für mich Grund genug, das intermittierende Fasten einmal auszuprobieren – und es läuft super. Ich esse nun einmal am Tag irgendwann zwischen 18 und 21 Uhr meine große Mahlzeit und komme damit wunderbar aus. Am Anfang war das natürlich ein paar Tage lang ne Umstellung, aber Kreislaufprobleme, die man als Außenstehender da vielleicht erwartet, sind ausgeblieben. Es ist einfach eine Methode, die meinem Lebensstil und meiner persönlichen Neigung sehr entgegen kommt und darum sind sowohl ich als auch mein Körper völlig ok damit!

Das hat außerdem den Vorteil, dass ich all meine erlaubten Kalorien für den Tag in eine einzige Mahlzeit investieren kann. Da ein Tag ohne eine große Hauptmahlzeit für mich wirklich eine Qual ist, ich aber auf Zwischenmahlzeiten leicht verzichten kann, kommt mir das sehr entgegen.

(Der Vollständigkeit halber: Es gibt noch eine andere Methode intermittierenden Fastens, bei der man NUR ALLE ZWEI TAGE ISST – dann aber wohl mehr als einmal. Das wollte ich noch erwähnen, auch wenn das für mich gar nicht in Frage kommt.)

Kalorienzählen

Das ist ein Punkt, den ich tatsächlich für ziemlich essentiell halte, obwohl das „intuitive“ Abnehmen, bei dem man einfach auf etwas bestimmtes verzichtet, ohne sich groß mit Zahlen zu beschäftigen, natürlich auch funktionieren kann. Aber ich denke trotzdem, dass man, vor allem bei einem großen Abnehmziel, ohne Zählen nicht wirklich auskommt. Warum, habe ich ja schon im letzten Beitrag ein bisschen ausgeführt, aber im Folgenden noch ein wenig mehr dazu.

Ich benutze den von Nadja empfohlenen fddb-Rechner, den es auch als App gibt. Seitdem trage ich wirklich so gut wie alles ein, was ich zu mir nehme. Da waren dann teils unangenehme Überraschungen dabei. Ich meine, jeder Mensch weiß, dass Öl viele Kalorien hat, aber wie viele tatsächlich, hatte ich einfach nicht auf den Schirm. Ein Esslöffel mit 15ml sind bereits ca. 130kcal. Ich habe bis vor kurzem gut doppelt und dreifach so viel zum Braten, für Salatsoße o. ä. verwendet.

Brauche ich das? Ich habe festgestellt: nein. Es geht auch mit weniger. Und ich habe schlicht keinen Bock, ein Gutteil meiner täglichen Kalorienmenge nur in Öl zu investieren.

Gleichzeitig durfte ich auch ebenso überrascht feststellen, dass einige Mahlzeiten, von denen ich dachte, dass sie eine kalorientechnische Katastrophe darstellen, gar nicht so schlimm sind. Beispiel Pizza: Meine favorisierte Tiefkühlpizza hat selbst mit dem Extra-Käse und anderen Sachen, die ich da zusätzlich noch draufschmeiße (z.B. Oliven) nur ca. 1300 kcal (und ohne den ganzen Scheiß sogar nur 900!). Das ist nicht grade wenig für eine Mahlzeit, aber immer noch weit unter meinem Tagesbedarf. Momentan verzichte ich darauf weitgehend, aber der Gedanke, so etwas später wieder völlig ohne Konsequenzen auf der Waage essen zu können, ist nicht nur motivierend, sondern tötet auch jegliches schlechte Gewissen, dass ich dabei immer hatte. Und ohne schlechtes Gewissen mehr Genuss bei dieser käsigen Köstlichkeit! Das gefällt mir SEHR.

Kalorienzählen hat außerdem den schon erwähnten Vorteil, dass die Gewichtsabnahme berechenbar wird. Eine Zunahme oder Stagnation auf der Waage aufgrund von Wassereinlagerungen kann ich ganz gelassen sehen, wenn ich weiß, dass ich in Anbetracht meiner Kalorienmenge unmöglich an Fett zugenommen haben kann.

Gewohnheiten hinterfragen

Dieser Punkt hängt stark mit dem letzten zusammen. Hier geht es darum, sich selbst zu beobachten und zu sehen, wo Kalorienfallen lauern – und sich zu fragen, ob man da tatsächlich reintappen muss.
Das nächste wird nun ein bisschen peinlich, aber es macht einfach nur wunderbar deutlich, was ich meine:

Nachdem ich im Buch wieder die Rechnung 7000kcal = 1 Kilo Fett gelesen habe, hab ich mich mal hingesetzt und ein bisschen rumkalkuliert. Speziell ging es mir dabei darum, wie viele Kalorien ich durch Cola ich mich schütte.
Zuhause trinke ich eigentlich nur ungesüßten Tee und Wasser, aber durch meine Arbeit in einer Kneipe und meine angeborene Partymentalität (sowie meinem Hang zur Eskalation) komme ich häufiger als andere in die Verlegenheit, Alkohol zu trinken. Mein liebstes Getränk ist Jack Daniel’s mit Cola, aber auch andere Longdrinks mit Limo. NATÜRLICH wusste ich, dass sowas nicht grade wenig Kalorien hat – aber wird schon nicht so schlimm sein, oder?

Falsch: Ich habe allein im letzten halben Jahr mit der Cola nur aus meinen Longdrinks ELFTAUSEND Kalorien in mich reingeschüttet. Elf! Tausend! Kalorien! Das sind mehr als eineinhalb Kilo ALLEIN IM LETZTEN HALBEN JAHR, die ich NUR DURCH COLA zugenommen habe. Bämm!

Diese Zahl zu lesen war ein Schock. Und dabei war das, wenn ich ehrlich bin, sogar recht konservativ geschätzt -.-

Seit dieser Erkenntnis trinke ich Cola Zero und Cola Light in meinen Longdrinks. Mag ich pur beides nicht so, aber als Mischgetränk ist es völlig in Ordnung. Ich habe früher die Leute ausgelacht, die sowas bei mir bestellt haben und werde jetzt auch von meinen Kolleginnen ausgelacht. Tja, Karma’s a bitch – aber wenn ich ihnen dann vorrechne, warum ich das mache, hören sie auf zu lachen und sind einfach nur fassungslos.

Das ist eine kleine Änderung mit großer Wirkung, durch die ich mich nicht im Mindesten eingeschränkt fühle. Vielleicht habt ihr ja auch solche Baustellen.

Kalorienreduktion

Überraschung: Wenn man abnehmen will, muss man weniger Kalorien essen! Soweit ja jetzt klar. Aber trotzdem will ich in diesem Punkt darlegen, wie viel genau ich reduziert habe und wie das aussieht.

Nadja hat den sehr extremen, aber in Anbetracht ihres starken Übergewichts und ihrer verletzungsbedingten Immobilität zu Beginn verständlichen Weg gewählt, ihre Kalorienzufuhr auf 500 kcal am Tag zu beschränken. Bedenkt man ihren hohen Tagesumsatz zu dieser Zeit, hat sie auf diese Weise 2,5 Kilo die Woche verloren. So hohe Ziele wären für mich und meinen Tagesumsatz nur durch massiven Sport zu erreichen. Auch wollte ich wenigstens bei allem Verzicht trotzdem noch was leckeres auf dem Teller haben und satt werden.

Ich stellte fest, dass das mit 500 kcal und ohne Eiweißzusätze, auf die Nadja zurück gegriffen hat, sehr schwer möglich ist, mit 600-800 kcal aber schon. Ich wollte ca. 7000 kcal die Woche sparen, um 1 Kilo die Woche zu verlieren, was mit solchen Mahlzeiten problemlos möglich war. Da ich an vielen Tagen sogar mehr als 1000 kcal am Tag sparte, war es mir damit sogar erlaubt, ab und zu über die Grenze von 950 kcal zu kommen (was 1000 kcal Ersparnis pro Tag bei mir entspricht), sei es, weil ich feiern gehen wollte (Alkohol *hust) oder doch mal was „richtiges“ essen, um die Motivation nicht zu verlieren.

Viele werden bei einer so geringen Kalorienmenge am Tag die Hände über den Kopf zusammen schlagen und finden, dass sowas unmöglich gesund sein kann. Aber dem ist nicht so. Die scheinbar in Stein gemeißelte Untergrenze von 1000 kcal am Tag, die man niemals unterschreiten sollte, ist idiotisch. Den Hungermodus, in den man darunter unweigerlich fällt, gibt es schließlich nicht. Und es ist ebenso unlogisch anzunehmen, dass ich mehr Vitamine, Mineralstoffe etc. zu mir nehme, nur weil ich mehr Kalorien esse. Sind Nudeln mit Sahnesoße etwa besser als eine riesige Schüssel Salat mit Paprika, Tomaten und Hähnchenbrust, nur weil sie doppelt so viele Kalorien haben? Wohl nicht, ne. Wer die Entscheidung zu einer solchen niedrigkalorischen Ernährung mit kritischer Häme überschüttet (was leider bei Twitter passiert ist), da das ja ach so ungesund sei, gleichzeitig aber die Fresse halten würde (Fatshaming!!!einself), wenn man hinter die 500 noch ne Null dranhängen täte, hat doch einfach den Schuss nicht gehört!

Fett ist nicht völlig sinnlos, da der Körper es benötigt, um lipophile Vitamine zu verwerten, aber kein Mensch braucht davon so viel, wie ich mit meiner „normalen“ Ernährung zu mir genommen habe. Kohlenhydrate sind furchtbar lecker, aber auch die braucht der Körper eigentlich nicht in dieser Masse. Das einzige, was wir wirklich in größeren Mengen zu uns nehmen sollten, sind Eiweiße. Diese sind für die Muskeln essentiell, für die Zellstruktur, für alles. Und komfortabler Weise haben sie von allen drei Ernährungsbestandteilen die wenigsten Kalorien!
Ich habe mich also hingesetzt und Mahlzeiten zusammen gestellt, die in meine selbstgesteckte Grenze 600-800 kcal rein passen. Ich koche gerne, weshalb es sogar Spaß gemacht hat, hier neues auszuprobieren und zu entdecken. Ich durfte sogar feststellen, dass einige Gerichte, die ich auch vorher gerne gegessen habe, super in meinen Diätplan passen, wenn ich sie leicht modifiziere.

Hier eine kleine Auswahl meiner Diätgerichte:

Salat mit Hähnchenbrust, Tomaten, Paprika und Mozzarella

Salat mit Hähnchenbrust, Tomaten, Paprika und Mozzarella

Fischstäbchen mit Spinat - isn Kinderessen, aber ich steh total drauf

Fischstäbchen mit Spinat – isn Kinderessen, aber ich steh total drauf

Nochmal Salat, diesmal mit Thunfisch

Nochmal Salat, diesmal mit Thunfisch

Hähnchenbrust vom Grill mit Senf

Hähnchenbrust vom Grill mit Senf

Zucchini-Karotten-Spaghetti mit tomatiger Lachs-Käsesoße - ultralecker!!

Zucchini-Karotten-Spaghetti mit tomatiger Lachs-Käsesoße – ultralecker!!

Omlett mit Champignons und Speck

Omlett mit Champignons und Speck

Im Prinzip entspricht diese Ernährung einer Low-Carb-Diät bei gleichzeitiger Reduktion der Fettmenge. Einiges davon dürfte viele nicht ansprechen (gerade das Hähnchen vom Grill mit nichts als Senf dürfte wohl die meisten wenig befriedigen, obwohl ich es fast am liebsten esse – und das nicht nur, weil es von allen Gerichten die wenigsten Kalorien hat), aber mir schmeckt das meiste so gut, dass ich es wohl auch nach meiner Gewichtsreduktion weiterhin ab und zu essen werde.

Wer jetzt nachgerechnet hat wird feststellen, dass ich in den 5 Wochen meiner Diät nicht die angepeilten 5 Kilo abgenommen habe, sondern sogar 7. Das kann man durch zweierlei erklären: 1. ist bei diesen 7 Kilo mit Sicherheit auch einiges an Wasser dabei und 2. ist es durchaus möglich, dass ich an vielen Tagen einen höheren Tagesbedarf hatte als angenommen, vor allen bei sehr stressigen (=laufintensiven) Schichten in der Kneipe.

Ziele setzen

Ich will euch die Seite Kil-o-Meter ans Herz legen. Dort kann man wie auch beim fddb-Rechner seinen Fortschritt eintragen und die Seite rechnet dann für einen aus, wie lange man noch bis zu seinem Ziel braucht, wenn man genauso weiter macht. Bei mir sieht das momentan so aus:

kil-o-meter

kil-o-meter2

Mein Ziel ist 52kg – das Gewicht, mit dem ich vor 14 Jahren einfach nicht zufrieden sein konnte. Aber heute bin ich älter, habe ein besseres Körpergefühl und mehr Selbstvertrauen. 52kg klingt furchtbar wenig, entspricht bei mir aber einem BMI von 20,8, ist also vollkommen im Rahmen.

Ich bezweifle eigentlich, dass ich das so schnell schaffen werde. Grade am Anfang nimmt man immer sehr schnell ab. Außerdem wird sich mein Tagesbedarf mit sinkenden Gewicht auch reduzieren (hat er auch schon, nämlich von 1950 kcal täglich auf 1877). Dann kann es logischerweise bei gleicher Kalorienmenge nicht mehr so schnell gehen.
Trotzdem. Bei uns steigt Anfang August ein großes Familienfest und bis dahin werde ich meine Familie mich nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ich hoffe, dann zumindest in der Nähe meines Zielgewichts zu sein. Bei meinem letzten Heimatbesuch wog ich dann ca. 20kg mehr.

Ich sehe schon ihre Gesichter vor mir. Ihre absolute Fassungslosigkeit, die sich dann in Freude verwandeln wird. Sie werden mir gratulieren zu meinem Idealgewicht. Und DANN werde ich ihnen an den Kopf knallen, dass sie mich, als ich GENAU DASSELBE GEWICHT HATTE, immer fett genannt haben und sie mir damit mein Selbstvertrauen so vollständig zerbröselten wie nur möglich und mir meine Jugend zur Hölle gemacht haben. Und DAS wird ihnen hoffentlich ihr beschissenes Grinsen aus der Fresse wischen. IN YOUR FACE; BITCHES!!!

Ja, ich weiß, das ist schlecht für’s Karma, aber darauf freu ich mich trotzdem schon wie ein Schnitzel.

Sport

Den Punkt möchte ich erwähnen, obwohl ich aus Zeitmangel und Unlust bisher während meiner Diät üüüberhaupt keinen Sport gemacht habe. Das soll sich bald ändern, aber ob das alles dann weiterhin so gut funktionieren wird, darf bezweifelt werden. Auch Nadja hat ihre Kalorienzufuhr erhöht, als sie anfangen konnte, Sport zu machen, also werde ich das vermutlich auch tun. Und dann stellt sich natürlich die Frage, wie mein Körper auf Sport reagiert, wenn ich weiterhin nur einmal am Tag esse. Das werde ich beobachten und gegebenenfalls ändern müssen. Ich rechne hier mit Kreislaufproblemen. Andererseits bin ich die letzten Tage auf dem Jakobsweg immer ca. 13 km gegangen, bevor ich frühstückte und das war überhaupt kein Ding, aber das ist halt auch „nur“ Wandern. Mal sehen. Ich wollte diesen Beitrag jedenfalls nicht abschließen, ohne auf diese Gefahr hinzuweisen. Wenn ich merke, dass es mit einer Mahlzeit nicht klappt, esse ich halt an Sporttagen mehr.

Talking ’bout Wandern…

Momentan bin ich wieder auf dem Jakobsweg (aka „Urlaub“) und da ich hier abnehmen werde, egal was ich veranstalte, und außerdem die Energie brauche, esse ich ca. 2-3 Mahlzeiten am Tag. Allerdings hat mir das Buch auch bei diesem Thema neue Impulse gegeben. Ich verzichte bei diesem Camino weitgehend auf Süßkram, esse nicht so viel Baguette (das hier eh recht Scheiße ist) und ernähre mich wesentlich eiweißlastiger – denn ein Sportler (und genau das bin ich die nächsten 10 Tage noch) braucht das für die Muskeln. Möglicherweise ist das ja der Grund für meinen bisher völlig ausgebliebenen Muskelkater, wer weiß. Sowieso klappt es dieses Mal richtig gut, was VIELLEICHT ja auch damit zusammen hängt, dass ich mit insgesamt 10kg weniger Gewicht an den Start gegangen bin als letztes Jahr.

Allgemein halte ich momentan zwar nicht wirklich Diät, aber ich versuche, mich nicht so dermaßen vollzustopfen wie die letzten Male. Der Camino ist zwar für mich eine Leidenschaft, der ich ganz sicher nicht wegen dem Gewichtsverlust nachgehe, aber dieser ist natürlich ein netter Nebeneffekt, der sich ganz automatisch zeigen wird. Nur werden es auf diese Weise vielleicht 3kg statt 2. Wird sich zeigen :)

Fazit: Meine Diät ist wesentlich ausgewogener als meine normale Ernährung und fällt mir geradezu lächerlich leicht, da ich nun einfach WEISS, dass die Maßnahmen funktionieren. Ich kaufe bewusster ein und werfe auf diese Weise auch weniger weg, wodurch ich Geld spare. Ich trinke weniger Alkohol, bin besser drauf und mag mich langsam wieder. Und meine ab und zu stattfindenden „normalen“ Mahlzeiten weiß ich nun wesentlich mehr zu schätzen.

Eine Ernährungsumstellung ist das dennoch nicht, wie behauptet worden ist. Es ist und bleibt eine Diät, die ich nicht ewig weiterführen werde, sondern beende, wenn ich mein Ziel erreicht habe. Danach werde ich mir wieder alles gönnen, was ich vorher gerne mochte, aber darauf achten, im Schnitt nicht über meinen Tagesbedarf zu kommen. Da ich diese niedrigkalorische Diät nun schon fünf Wochen durchgehalten habe, sehe ich nicht, warum DAS dann ein Problem werden soll :)

Das Negativste, was man hierzu sagen kann: Schöne Scheiße, dass ich mir bei meinem USA-Trip vor zwei Monaten einen halben Kleiderschrank voll geiler Jeans gekauft habe, die mir alle bald nicht mehr passen werden.

Aber ich denke, ich werde darüber hinweg kommen :D

Themenwoche:
Teil 1: Der ewige Kampf
Teil 2: Fatshaming, Fatacceptance
Teil 3: Buchtipp: “Fettlogik überwinden”
Teil 4: The War is won!