Verschnaufpause!

Es ist vollbracht – Klausuren geschafft!

Letztendlich war es doch relativ einfach, auch wenn ich vor der ersten Klausur mehrere Heulattacken durchstehen musste und schließlich nach vier erquickenden Stunden Schlaf im Prüfungsraum saß. Dementsprechend fit fühlte ich mich. Ich rannte sicher achtmal aufs Klo, um mir kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen, erfuhr aber leider erst in der zweiten Klausur, dass jeder Klogang genauestens protokolliert wird. Da ich jedoch noch nicht wegen eines Betrugsversuchs angeschrieben worden bin, gehe ich davon aus, dass die Prüfer mich einfach nur für die Frau mit der kleinsten Blase der Welt hielten und damit komme ich klar!

Die zweite und dritte Prüfung konnte ich schließlich antreten, ohne mehrmals in den Nächten davor voller Panik hochzuschrecken und letztendlich um fünf Uhr früh hellwach zu sein (die Prüfungen waren um 9). Der Freund hat mich nämlich jedes Mal zuverlässig zu wecken versucht, was den kleinen Komplex beruhigte, den mir meine Mutter eingeredet hat. Ich sag nur „VERSCHLAF BLOSS NICHT OH MEIN GOTT WENN DU VERSCHLÄFST WERDEN WIR ALLE STERBEN DU WIRST SICHER VERSCHLAFEN AAAHHH!“ Das hat seit meiner Kindheit dazu geführt, dass ich tatsächlich kaum verschlief – weil ich nämlich gar nicht mehr schlafen konnte.
Aber, oh Wunder: Sobald ich wusste, dass man mich wecken würde, war das Problem erledigt.

Ich hoffte also, dass die zweite Prüfung nicht so stressig sein würde. Sie war es aber doch. Und diese Erkenntnis lief in drei Phasen ab:

1. Kurz vor Erhalt der Prüfung: Nervosität angesichts der unvorhergesehenen Prüfünungsfragen.
2. Lesen der Prüfungsfragen. Der Gedanke: „Joah, das kriege ich hin“. Kurzzeitige Erleichterung.
3. Der Gedanke, für die Beantwortung fünf – F-Ü-N-F – Stunden aufbringen zu müssen. Anschließender innerer Kollaps!

Im ernst, Leute: Die schöne Gewissheit, die Prüfungsfragen beantworten zu können, war überhaupt nichts mehr wert, wenn mir klar wurde, wie UNFASSBAR MÜHSAM es sein würde, so lange Zeit am Stück daran arbeiten zu müssen! Das ist doch unmenschlich! Und wofür?! Für 5% von der Endnote!!!

So lange habe ich seit dem Abi nicht mehr schreiben müssen und ich hoffe inständig, dass es nun das allerletzte Mal war für immer!

Die nächsten Prüfungen sind dann mündlich, aber das beste ist, dass sie erst im Dezember sind! Also kann ich mich jetzt erstmal entspannen. Es ist ekelhaft, aber ich FREUE mich richtig darauf, im Oktober richtig viel arbeiten zu gehen! Besoffene Gäste, besoffener Chef, besoffenes Ich – alles besser als diese Tortur.

Aber weil leider nicht nur die Klausuren geschafft sind, sondern auch ich, steht jetzt erstmal Urlaub an. 5 Tage Spanien mit dem Freund bei hoffentlich immer noch sonnigen Wetter, denn es geht an den Strand und ich habe absolut kein schlechtes Gewissen dabei, dort nichts, aber auch gar nichts zu tun! Und dann geht es endlich auch hier weiter.

Ich habe dutzende Beiträge auf Halde, die darauf warten, geschrieben oder fertiggestellt zu werden, zuviele, um mich entscheiden zu können, was als erstes raus soll. Weil ich leider zu blöd bin, eine Umfrage einzubinden, muss ich es deshalb so fragen:
Was würdet ihr gerne als nächstes von mir lesen? Hier ein paar größere Themengebiete:

1. WG-Zeig (neue Nachbarn, alte Mitbewohner)
2. Urlaubsscheiß (USA, Trampen)
3. Comiczeug
4. Was ganz anderes, und zwar…

Kommentiert wild, auch wenn ich das erst am Freitag lesen werde, denn dieses Mal bleibt der Laptop zuhause!

Mathe

Ich betrachte etwas entsetzt die Uhrzeit, die als Zeitpunkt der Abgabe an die Tafel im Prüfungsraum geschrieben worden ist.

Ich: „Äh – die Prüfung dauert SECHS STUNDEN?!“

Sekretärin: „Nein, fünf.“

Ich: „Oh, ups, stimmt. Naja… ich schreibe ja nicht in Mathe, haha.“

Sekretärin: „Nein, die schreiben ja noch kürzer.“

 

Jap. Genau das wollte ich damit sagen -.-

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PS: Prüfung lief gut!!! Nächste Woche wird härter…

 

 

Lernpause

Ich: „Weißte was? Ich mache heute mal Lernpause!“

Freund: „Ok.“

Ich: „Wie, ‚Ok‘? Willst du mich nicht zwingen? Du musst mich doch motivieren!“

Freund: „Ach, ich bin nicht wie unser Ex-Mitbewohner, der verlangen würde noch weiter zu schuften, damit aus einer 1,2 eine 1,0 wird…“

Ich: „Oh… du meinst, ich habe die Chance auf eine 1,2?“

Freund: „Nein.“

Ich: „Oh.“

Freund: „…“

Ich: „…“

Freund: „…“

Ich: „Die Note gibt’s ja auch gar nicht.“

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Leute… ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr die Uni gerade saugt!

Da fängt man als unbedarftes, pausbäckiges Mädel mit Sternen in den Augen und Hoffnung im Herzen an zu studieren – und kaum 10 Jahre später knallt einem die Realität brutal in die Fresse und man hat Abschlussprüfungen. Einfach so!!! Urplötzlich!!!

Twitter klage ich bereits täglich mein Leid. Jetzt also auch hier: Ja, es geht wirklich dem universitären Ende entgegen. Ja, ich habe Abschlussprüfungen. Und zwar schon ab nächster Woche -.-

Und ja, ich bin ein nervliches Wrack.

Heute habe ich beschlossen, mal eine Lernpause einzulegen (weil wegen Sonne. Und weil es nach drei Tagen intensiven Lernens ja auch mal höchste Zeit wird.). Nur deshalb schreibe ich überhaupt.

Dabei möchte ich so gerne schreiben. Pausenlos. An einer Handvoll toller Geschichten, Massen an Artikeln und mindestens drei Dutzend verschiedenen Blogbeiträgen. Wie immer, wenn ich EINFACH KEINE ZEIT HABE.

Ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Aber in dieser krassen Form kenne ich das von niemanden. Zumal dieser Drang, kreativ zu sein und tausend Projekte anzufangen und meine Festplatte zu sortieren und Sport zu machen und ein Drehbuch zu schreiben und nach Hollywood zu gehen und Bürgerinitiativen zu gründen und all das und überhaupt… am Ende ja doch wieder verschwunden ist. Denn:

Leider ist das nämlich kein Witz. Ich habe wirklich so einen Wisch bekommen. Und den habe ich immer noch nicht gelesen. Ich weiß nicht mal, wo ich ihn hingepfeffert habe. Was soll man dazu noch sagen?

Die Therapie hilft dabei auch nur bedingt, womit die Frage bleibt, ob ich den Rest meines Lebens dazu verdammt bin, wichtige Sachen (Hausarbeiten schreiben, Lernen für Prüfungen) so kurz vor knapp zu erledigen, dass die täglichen überforderten Heulkrämpfe praktisch vorprogrammiert sind, oder die schönen Sachen, die ich machen WILL, gar nicht zu erledigen.

Das betrifft nicht nur, aber auch den Blog. Ich möchte Karos Blogstöckchen beantworten. Ich möchte meine Stephen-King-Liste vervollständigen. Ich möchte von meiner USA-Reise schreiben, die ja erst eineinhalb Jahre her ist. Ich möchte ekelhaft romantische Dinge von mir und dem Freund teilen. Ich möchte Musik und Essen und Party. Ich möchte mich auch aufregen über unwichtigen Blödsinn. Ja, und bevor schon wieder jemand fragt, ich möchte sogar meine Liste mit Filmen, die ich liebe, obwohl sie jeder hasst endlich teilen und mir die Haue dafür abholen.

Warum kann ich das einfach nicht? Warum ist das ausgerechnet für mich nicht so einfach?

Die Hoffnung jedenfalls ist noch nicht ganz tot. Darauf, dass ich diese ganze Scheiße bis Oktober, wenn die letzte Klausur vorbei ist, und Januar, wenn die letzte mündliche Prüfung stattfindet, irgendwie überstehe und dann endgültig und tatsächlich durchstarten kann. Wie das aussieht weiß ich zwar noch nicht, aber das Thema „Uni“ ist dann jedenfalls abgeschlossen und „Lernen“ damit hoffentlich auch (zumindest in dieser Form – man lernt ja sein ganzes Leben und so).

Bis dahin freue ich mich über so aufregende Dinge wie den Keller aufräumen – morgen ist nämlich Sperrmüll. Was eine genauso gute Ausrede für eine Lernpause wie alles andere ist.

 

 

 

 

Den/dem Stress weglaufen

„Was sollen wir eigentlich machen nach diesen ganzen Stress, Robin?“
„Dasselbe wie jedes Mal, Robin – wir rennen nach Spanien!“

Ich habe ja öfter Durststrecken auf dem Blog, aber das war die bisher längste. Mit Grund: Die stinkfaule Langzeitstudentin mit Depressionshintergrund hat sich jetzt endlich für die Abschlussprüfungen angemeldet. War auch höchste Zeit, denn wenn ich noch ein Semester gewartet hätte, hätte ich meine Examensarbeit nochmal schreiben müssen, weil dazwischen kein so großer Abstand liegen darf.

Aber was soll das heißen, noch ein Semester warten? Das ist nicht drin, Leute. Obwohl sie niemand leiden kann, übernehmen die Bachlor/Master endgültig den Laden… und wir Altstudierenden werden zunehmend energischer rausgekehrt. Nach diesem Semester hätte ich mich für die Abschlussprüfungen nur mit Härtefallantrag anmelden dürfen – entgegen ganz anders lautender Aussagen in der Vergangenheit. Aber in der Uni-Bürokratie ist es wie in jeder Bürokratie: Da weiß eine Hand nicht, was die andere macht und auf Nachfragen kommt immer nur noch mehr Geschwurbel.

Also anmelden. Dafür musste ich aber erstmal alle Scheine haben. Wofür ich erstmal alle noch fälligen Hausarbeiten schreiben musste. Vier Stück in ca. zwei Monaten, trotz Arbeit, trotz zwischenzeitlicher Grippe des Todes, trotz psychosomatisch bedingter Rückenschmerzen, wegen denen ich insgesamt zweimal zum Hausarzt, einmal zum Röntgen und siebenmal zur Physiotherapie rennen musste.

Und dann die Anmeldung an sich! Es gab Tage, an denen ich fünf Stunden an der Uni war und nur von einem Sekretariat zum nächsten rannte. Dazu korrespondierte ich noch mit einem alten Prof, der die Uni verlassen hat und daher nicht mehr verfügbar war, um zwei alte, nicht mehr auffindbare Scheine neu auszustellen, und schlug mich mit meiner alten Praktikumsstelle rum, von der ich nie eine Bescheinigung bekommen habe, die aber leider keinerlei Unterlagen mehr von mir hatte, die bewiesen, dass ich überhaupt da gewesen war. Das Problem ließ sich nur lösen, weil mein alter Klassenlehrer sich noch an mich und mein Praktikum erinnerte, aber bevor er bereit war, den Beleg auszustellen, zierte er sich gar sehr.

Long story short: Ich habe nun keine Angst mehr vor den Prüfungen, denn die können unmöglich stressiger sein als diese ganze Scheiße!

Ich muss allerdings erst in ein paar Wochen anfangen, mich darauf vorzubereiten. Was liegt da näher, als eben genau das zu machen, was bei mir gegen Stress so gut hilft wie nichts anderes?

Okay, einige mögen einwenden, dass 40km am Tag mit einem fast 10kg schweren Rucksack auf dem Rücken nicht so wirklich in die gängige Vorstellung von „Entspannung“ passt. Aber bei mir ist das so. Nirgendwo kann ich so gut loslassen wie in Spanien. Das Land, die Sonne, das Essen, die Leute, nichts weiter tun müssen als gehen, gehen, gehen… ein Träumchen. Zumindest für mich.

Zehn Tage bin ich weg und danach hoffentlich wieder voll da. Für euch, für meinen zuckersüßen Freund, für mich. Ohne Stress. Weil ich es kann!

Bloggen werde ich darüber nicht, aber ein paar Bilder gibt es auf Twitter zu sehen auf meinem Account oder unter dem Hashtag #robincamino. Viel Spaß!🙂

Lyrik

Vor fünf Jahren schrieb ich dieses Akrostichon. Ich weiß, es ist krass pathetisch, aber es gefällt mir trotzdem.

 

Siechend geht die Welt zugrunde
Unwahrheit der Großen Wort
Plötzlich ganz so schlägt die Stunde
Einsam leer ein jeder Ort
Reißt alles mit sich fort.
Grausam klingt die schlimme Kunde
Allumfassend diese Wunde
Und die Welt stöhnt „Mord“.

Ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen

Sie reicht mir begeistert eine Stellenanzeige für eine Konditorei.

„Wie findest du das? Darauf will ich mich bewerben!“

„Hm. Klingt ja irgendwie cool, aber dafür hast du doch nicht die Voraussetzungen?“

„Wieso?“

„Naja, hier steht, man braucht Erfahrung mit Lebensmitteln und die hast du ja nicht.“

„Bitte?! Ich habe dreißig Jahre lang einen Haushalt geführt!“

Meine Mami. Manchmal feiere ich sie🙂

Männertränen to the Max und (fehlende) Vorbilder

Gestern hat „Mad Max: Fury Road“ bei den Oscars richtig abgesahnt. Der Freund war indes leicht verstimmt, weil ich den Streifen auf Twitter als „den bescheuertsten Film aller Zeiten“ bezeichnet habe.
Aber das ist er nun mal. Er ist bekloppt, total krank, maßlos übertrieben, irrsinnig, abgedreht, sprich: einfach bescheuert to the Max und das macht so verdammt viel Spaß, wie ein Film nur Spaß machen kann. Ob das oscarwürdig ist? Keine Ahnung. Beziehungsweise, naja, offensichtlich schon. Aber egal – für mich ist nur wichtig, dass ich den Film sicher nicht zum letzten Mal gesehen habe.

Tittenlastig

Die Oscarverleihung erinnerte mich jedoch gleichzeitig wieder an einen Text, über den ich vor Monaten gestolpert bin und der aus dem Reigen der übeschwänglichen Kritiken ausbricht. Wobei, eine Kritik kann man das wirklich nicht nennen… der Autor hat nämlich nur 10 Minuten durchgehalten, nimmt das jedoch zum Anlass, „dem neuen Filmstandard“ einen Rundschlag zu verpassen.

Neue Filme haben nämlich für ihn genau eine Schwachstelle. Etwas, was man der Welt eigentlich wirklich nicht zumuten kann. Neue Filme haben nämlich – so die weinerliche Heultriade – einfach VIEL ZU VIELE STARKE FRAUEN!!!

Ich weiß, was ihr jetzt denkt: E-kel-haft. Frauen als Hauptakteure? Frauen als leading roles? Mehr Frauen als Männer auf der Leinwand? Widerlich – da fault einem ja schon beim Gedanken daran der Schwanz ab!

Jedenfalls das kümmerliche Exemplar, den man sein Eigen nennen muss, wenn man so eine unfassbare Scheiße verzapft.

Oh, tears so manly

Okay, das habe ich jetzt nur geschrieben, damit die antifeministische Meute wieder was zu geifern hat. Überhaupt ist so ziemlich der einzige Punkt, den selbst seriöse Männerrechtler, die mich leiden können und beim bösen Wort „Feminismus“ nicht direkt Schnappatmung kriegen,  an mir kritisieren, meine konsequente Verwendung des Begriffes „male tears“. Aber wie soll man ein solches Mimimi anders nennen? Der Autor ist gar nicht persönlich betroffen, niemand zwingt ihn, sich diese Filme anzusehen. Und dennoch fühlt er sich IRGENDWIE benachteiligt, nur weil sich EINIGE Filmemacher an die offensichtliche Tatsache erinnert haben, dass die Hälfte der Menschheit aus Frauen besteht und man das deshalb auch in Filmen so zeigen kann.

Nun halte ich den Bechdel-Test, der zeigen soll, wie es um weibliche Repräsentation in Filmen bestellt ist, für ein absolut lächerliches Konstrukt. Mir sind zwei Frauen, die inhaltsschwer über den männlichen Hauptprotagonisten reden wesentlich lieber, als zwei Frauen, die sich über Lipgloss und Nagellack unterhalten (letzeres würde den Test bestehen, ersteres nicht). Und ein interessanter männlicher Charakter spricht mich bedeutend mehr an als ein weiblicher Charakter, den man nur eingeführt hat weil „weibliche Repräsentation und so“. Aber man müsste wirklich schon blind und dämlich sein, um nicht trotzdem zu merken, dass die meisten (Haupt)Rollen in Film und Fernsehen immer noch mit Männern besetzt werden.

Sich nun darüber zu echauffieren, dass es tatsächlich auch Ausnahmen gibt – wie soll man das anders nennen als „peinliche Jammerei“ auf einem Niveau, wie man es halt nur in der Manosphere findet, weshalb der Begriff „male tears“ nun mal zutreffender kaum sein kann?

Der Mittelpunkt des Universums

Wobei, natürlich trifft das nicht nur Filme und Serien. In die selbe Kerbe schlägt ein viel älterer Artikel, in dem sich ein männlicher Abiturient unter anderem darüber ereifert, in seiner Deutschprüfung „Frauenthemen“ behandeln zu müssen. Er musste nämlich wählen aus drei Themen: Eine Gedichtinterpretation zur „Loreley“ und „eine Textinterpretation über zwei Damen die an Liebeskummer leiden“. Das dritte Thema wird nicht erwähnt – vermutlich war das ein „Männerthema“.

Meine Fresse, ey. Wisst ihr, was meine Themen in der Oberstufe waren? Nathan der Weise, Minna von Barnhelm, Faust, Die Räuber, moderne Liebeslyrik und Die Blechtrommel. Also haargenau ein Werk, in dem tatsächlich eine Frau eine größere Rolle spielt – wobei es in „Minna von Barnhelm“ eigentlich ausschließlich um männliche Befindlichkeiten geht. Und da regt sich dieses angebliche Bübchen darüber auf, die „Loreley“ interpretieren zu müssen? Ist ja nur eines der bedeutendsten Gedichte der deutschen Romantik (das man übrigens auch antifeministisch deuten könnte, wenn man wollte). Und warum sich mit dem Liebeskummer zweier Frauen auseinander setzen, wenn man sich doch viel besser mit Oskar Matzeraths oder Karl von Moors Eskapaden befassen kann (zum Beispiel dem Vergewaltigen von Nonnen – was für ein tragischer Held)?

Dass dabei die MÄDCHEN in der Klasse auf der Strecke bleiben… hach, das juckt die Herren der Schöpfung natürlich nicht. Sie wollen, nein, MÜSSEN der Mittelpunkt des Universums sein – weniger ist inakzeptabel. Deshalb geht eine Deutschprüfung mit zwei Dritteln angeblicher „Frauenthemen“ gar nicht, obwohl die „männerfreundliche“ Alternative hieße,  zwei Drittel „Männerthemen“ zu behandeln. Oder drei Drittel. Was dann natürlich wieder überhaupt kein Problem wäre.

Ich halte diesen Brief eines Abiturienten ja für einen äußerst peinlichen Fake. Ernsthaft, allein dieser Satz: „Entschuldigt meine saloppe Ausdrucksweise aber ich hab genug von diesem erbärmlichen Quatsch mit Soße“? Also BITTE. Die Achtziger haben angerufen: Sie wollen ihre knorken Beleidigungen zurück! Zumal hier, wenn ich mich nicht ganz stark irre, bei Veröffentlichung noch „Quatsch mit Sosse“ stand, ein Fehler, der einem älteren Autor, der die Schule schon vor längerer Zeit abgeschlossen und daher von der letzten Rechtschreibreform nicht viel mehr mitgekriegt hat, als dass das ß irgendwie abgeschafft worden ist, in Nachahmung eines, äh… „jugendlichen“ Schreibstils (rofl) leicht unterlaufen kann, einem aktuellen Schüler allerdings eher weniger.

Abgesehen davon ist aber auch das einfach wieder Jammerei auf Höchstniveau – entweder von einem Mann oder einem Jungen, der dabei vergisst, dass er Dinge beweint, die für Frauen (und Mädchen) so alltäglich sind, dass sie den meisten nicht mal auffallen. Ich wäre als Schülerin nicht mal auf die IDEE gekommen, mich über die Überrepräsentanz männlicher Protagonisten in unserer Literaturauswahl zu beschweren, weil es so NORMAL war!

Die wenigen Vorbilder

Zurück zu den Medien und gleich mal zur Frage, warum ich das Thema JETZT auspacke, obwohl über Mad Max tatsächlich schon viel gesagt worden ist (auch zu diesem Thema). Ganz einfach: Erstens habe ich den Film erst kürzlich sehen können (und bin seitdem sehr betrübt darüber, um das Kinoerlebnis gebracht worden zu sein). Und zweitens hängt das stark mit einem weiteren Thema zusammen, über das ich zufällig ebenfalls gestern wieder nachdachte.

Eigentlich wollte ich nach der Serie „Versailles“ suchen (grauenhaft übrigens, genau das, was rauskommt, wenn man HBOs „Blut und Titten“-Erfolgsrezept kopiert, aber dabei interessante Charaktere, intelligenten Spannungsaufbau und tolle Story weglässt. Der Freund und ich schalteten nach einer halben Folge weg), stolperte dabei aber über eine Kindheitserinnerung: Lady Oscar.

Lady Oscar ist ein schon etwas älterer Anime, der in der Zeit der französischen Revolution spielt. Die titelgebende Hauptprotagonistin ist dabei die sechste Tochter eines hochrangigen Generals, der, da er sich einen Sohn gewünscht hat, Oscar einen Männernamen gibt und sie wie einen Jungen erzieht.

So wenig ich Animes auch mag und so albern Textzeilen wie „wie ein Mann kann sie fighten, sie kann fechten und reiten“ heute auch sind – als Kind habe ich diese Serie sehr gemocht. Sie bediente nämlich eine Sehnsucht, die ich jahrelang nicht benennen konnte.

In einem anderen Artikel schrieb ich mal:

Rollenklischees haben mir meine Kindheit zur Hölle gemacht. Mir ist täglich unter die Nase gerieben worden, wie schrecklich ich sei, nur weil ich nicht den Erwartungen eines “typischen Mädchens” entsprochen habe. Ich durfte nicht toben und Fußball spielen, bekam nie die Spielsachen, die ich gerne wollte und wurde in Klamotten gezwängt, die ich hasste. Außerdem wurde ich früh darauf vorbereitet, was mich in meinem späteren Leben unweigerlich erwarten wird: Hausfrau sein, Männer bedienen, lächeln, brav sein, die Fresse halten. Mein Umfeld hat mir eine so passive Art Weiblichkeit vermittelt, dass ich einen regelrechten Hass darauf entwickelte. Das machte die Anfänge meiner Pubertät extrem problematisch (“oh mein Gott, ich werde tatsächlich zur Frau – wie scheiße!”) und zog sich durch bis ins frühe Erwachsenenalter.

Als solches „untypisches Mädchen“ fühlte ich mich immer fehl am Platze, falsch, regelrecht wie ein Alien – und deshalb saugte ich sämtliche Beweise für die Existenz ANDERER Frauen, die so waren wie ich oder wie ich gerne sein wollte, gierig auf, ohne das überhaupt selbst zu merken. Natürlich gibt es in den Medien massenweise Frauen – aber welche Rollen nehmen die ein? Köchin, gute Mutter, schmuckes Beiwerk oder dumme Tussi, die ständig gerettet werden muss, wenn sie nicht gerade darüber jammert, dass ihr ein Fingernagel abgebrochen ist.
Tomboys dagegen, die man seltsamerweise in vielen Serien als Nebencharaktere findet, waren meine Heldinnen. Burschikose Mädels, die über den Schönheitswahn ihrer Schwestern die Augen rollten, kreativ waren, stur, belesen, nerdig. Das sprach mich an.
Und dann natürlich die echten, unrealistischen Heldinnen. Lady Oscar wurde ja schon genannt. Dann Wonder Woman – natürlich. Obwohl die eigentlich als Charakter sehr wenig Tiefe besitzt, jedenfalls weitaus langweiliger ist als Batman. Aber damals war mir das egal, Hauptsache ENDLICH mal eine Frau, die was interessantes macht, kämpft und stark ist, statt ein Mann. Immer und immer nur ein Mann.

Ich könnte noch Dutzende Beispiele nennen. Aber die Essenz ist: Was ich als Kind und Jugendliche suchte und sehr selten fand, waren weibliche Vorbilder. Und dabei gab ich mich schon mit sooo wenig zufrieden. Mit welcher Berechtigung können sich nun erwachsene Kerle darüber auslassen, dass es nun tatsächlich mal im filmischen Kontext EIN PAAR solcher Frauenfiguren gibt, die man tough und cool statt nervig und hilflos finden kann – wenn es denn überhaupt weibliche Charaktere gibt?

Ich bin es als Frau gewöhnt, mich auch relativ problemlos mit männlichen Charakteren identifizieren zu können, weil ich einfach sehr lange nie eine andere Wahl hatte. Wenn nun Männer sich zuhauf beschweren, weil in „Mad Max“ ausnahmsweise mal mehr Frauen zu Wort kommen als Männer, zeugt das nicht nur von einer intellektuellen Behäbigkeit, sondern nun mal auch von hochgradig peinlichen Rollenklischees. Und das, obwohl auch Antifeministen den Wert starker Vorbilder bewusst ist – verlinkt doch MANNdat gleich neben ihrem Abitur-Heulpost eine Jungenleseliste.

Solange die Mehrzahl der Hollywood-Blockbuster und Serien immer noch männlich dominiert sind, solange ist das Jaulen nach mehr männlicher Repräsentation nichts weiter als Ausdruck einer nach außen hin arroganten, aber innerlich hoch verunsicherten Männlichkeit, die vermutlich erst dann zufrieden gestellt ist, wenn alle Heldenrollen wieder 100% weiberfrei sind.

Da fragt man sich, wie es sich mit dem eigenen Bild von Männlichkeit verträgt, sich buchstäblich wie die Prinzessin auf der Erbse aufzuführen?

So, und jetzt warte ich auf den einen Kommentar von zehn, der nicht nur aus „Aber-aber-aber Feministinnen jammern doch auch!!!einself“ besteht. Den werde ich dann freischalten, alle anderen nicht. Warum? Weil ich Lust drauf habe. Heult doch.