Montagsrezension: C wie Stephen Kings “Christine”

Willkommen zum Teil 4 meiner Montagskolumne-am-Dienstag, in der ich mich jeden 4. Montag des Monats einer Stephen-King-Rezension widme.

Stephen King – Christine
Christine, 1983 (Deutsch 1983)

ChristineDer schüchterne Teenager Arnie ist picklig und übergewichtig und in der Schule daher Opfer von Mobbing. Sein einziger Freund ist ausgerechnet Dennis, der Footballstar der Schule, der ihm zur Seite steht, allerdings auch nicht alle Lästerattacken abwehren kann.
Eines Tages entdeckt Arnie einen schrottreifen ’58er Plymouth Fury und kauft das Auto spontan mit der Absicht, es zu reparieren. Verzückt über den Wagen tauft er ihn liebevoll auf den Namen “Christine”. Er beginnt, ihn zu restaurieren, doch scheint er gar nicht viel tun zu müssen, da sich das Auto auf geheimnisvolle Weise selbst zu erneuern scheint. Eine ähnliche Wandlung macht auch Arnie durch: Sein anstrengender Sommerjob in der prallen Sonne lässt seine Pfunde schmelzen und seine Pickel verschwinden. Mit seinem Äußeren und seinem neu gewonnenen Selbstvertrauen findet er schließlich sogar mit Leigh zusammen, seinem heimlichen Schwarm.
Doch schon bald merkt sein Umfeld, dass sich auch sein Charakter ändert und sein Verhältnis zu seinem inzwischen wie nagelneu wirkender Oldtimer seltsam eng ist. Dass Christine jedoch mehr ist als ein normales Auto, zeigt sich, als einige Halbstarke den Wagen demolieren, wovon am nächsten Tag nichts mehr sichtbar ist, doch sämtliche Verantwortliche fallen einer nach dem anderen mysteriösen Unfällen zum Opfer, wofür Arnie jedoch Alibis hat.
Dennis und Leigh beginnen nachzuforschen, um Arnie zu helfen. Als sie sich dabei jedoch näher kommen, zieht das den Zorn von Arnie und Christine auf sich…

Irgendwie tut es mir richtig leid, meine regelmäßigen King-Rezensionen ausgerechnet mit diesem Buch wieder aufleben zu lassen. Ich kann hierzu nämlich exakt gar nichts sagen. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb ich mich damals entschlossen habe, auf’s Alphabet zu scheißen und das Buch “Cujo” vorzuziehen, das korrekterweise erst danach dran gewesen wäre (bösartige Gerüchte, ich könnte nicht richtig buchstabieren, weise ich hiermit mit aller Entschiedenheit von mir!).
Es ist Ewigkeiten her, seitdem ich das Buch gelesen habe, und es ist eines der wenigen, die ich nicht selbst besitze, sondern mir irgendwann mal in der Bücherei geliehen habe. Deshalb konnte ich auch nicht mehr reinkucken, um meine Erinnerungen aufzufrischen. Ich weiß jedoch noch, dass es mir nicht gefallen hat. Die Story ist zu beliebig und reiht sich nahtlos ein in die vielen King-Stories, in denen irgendetwas vom reinen Bösen besessen ist, aber nicht so wirklich erklärt wird warum bzw. die Erklärung völlig hanebüchen wirkt. Natürlich ist JEDE phantastische Geschichte mit einer solchen Prämisse irgendwie hanebüchen, weil es sowas ja halt nicht gibt (oder doch!?!?), aber manchmal hat man bei Stephen King wirklich das Gefühl, dass er sich tatsächlich nicht die geringste Mühe gegeben hat, irgendeine Begründung zu liefern. In solchen Fällen scheint ihm die Frage nach dem “Wie” völlig irrelevant gewesen zu sein – er will halt einfach nur sehen, was passiert, wenn er ein dämonisches Auto in die Handlung wirft.
Das kann verdammt gut sein. In diesem Fall ist es das leider nicht. Ich glaube, am meisten hat mich damals gestört, dass Arnie ja eigentlich ein Opfer ist, das dann jedoch unverschuldet auf die Seite des Bösen wechselt. Kann ein gemobbter, junger Typ zum Mörder werden? Natürlich kann er das. Aber gefallen muss mir das ja noch lange nicht. Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn die Geschichte mehr aus seiner Perspektive erzählt worden wäre oder man wenigstens den Eindruck gehabt hätte, er würde gegen diese dämonische Kraft, die von Christine, dem Auto mit dem dämlichen Namen, ausgeht, irgendwie ankämpfen. Tatsächlich gibt es dafür keinerlei Anhaltspunkte – womit es plötzlich so scheint, als sei Arnie kein Mobbingopfer, das zum Täter wird, sondern schon immer ein Täter, der durch das Mobbing irgendwie in Schach gehalten worden ist. Und das mag ich irgendwie absolut nicht.
Zusammen mit dem noch ziemlich ausbaufähigen Schreibstil seiner frühsten Werke und dem inzwischen fast antik wirkenden 80er-Jahre-Setting war “Christine” kein Buch, das ich öfter lesen wollte, weshalb ich es nie nachgekauft habe. Tatsächlich kann ich mich nicht einmal mehr an das Cover der Ausgabe erinnern, die ich damals ausgeliehen habe (denn falls es euch interessiert: Das ist mein einziges Kriterium zur Auswahl der Cover am Anfang jeder Rezension).
Deshalb kann ich hier leider keine Empfehlung aussprechen und vergebe auf meiner hiermit neu eingeführten Stephen-King-Skala lediglich

3 von 10 roten Plymouths!

Lest auch meine anderen Stephen-King-Rezensionen!

Montagskolumne: Antifeministische Scheiße des Monats

Hallo und Willkommen zu meiner dritten Montagskolumne, die am 3. Montag des Monats für die, treffend betitelt, “Antifeministische Scheiße des Monats” reserviert war. War? Dazu mehr am Schluss.

Antifeministen sind, so tough sie sich auch gerne geben, Witzfiguren. Damit lag für mich der Gedanke nahe, die lächerlichsten Ergüsse dieser Sorte Mensch zu sammeln und mich darüber genüsslich lustig zu machen. Damit hätte diese antifeministische Scheiße wenigstens noch den Sinn, Leute zum Lachen zu bringen, die im Kopf halbwegs normal geblieben sind. Schadenfreude ist was schönes.

So sah mein Plan aus. Doch das heutige Thema ist leider gar nicht komisch. Es ist sogar das unkomischste, was mir seit langer Zeit vor die Linse gekommen ist.

Es war mal wieder einer dieser stinkfaulen Artikel auf dem antifeministischen Evo-Blog “Alles Evolution”, der lediglich aus einem Zitat und ein, zwei hingerotzten Sätzen besteht mit dem Titel “Wie umgehen mit dem Gutwettervater?” Thema ist eine Mutter, die vom Vater ihres Kindes getrennt lebt und ihm ständig hinterher rennen muss, weil der Typ offensichtlich keinen Bock auf seine Vaterschaft hat. Wie soll man als Mutter nun darauf reagieren, sprich: Ist dieser mehr oder weniger erzwungene Kontakt zum Vater für das noch sehr kleine Kind überhaupt förderlich oder wäre ein sauberer Cut besser?

Das ist eine sehr gute Frage. Und wie bei allen guten Fragen gibt es hierauf keine einfache Antwort. Sobald Gefühle im Spiel sind, besonders, wenn sie so fundamentale Dinge berühren wie die Bindung zwischen Eltern und Kind, sind konkrete Aussagen schwierig, vielleicht sogar unmöglich.

Nicht so für unsere antifeministische Gerechtigkeitsfront.

Schon in der Vergangenheit fiel mir immer wieder diese eklatante Blindheit bei Themen auf, die ein wenig differenzierter zu betrachten sind als die Frage, ob nur Männer zum Bund müssen oder Frauen auch gewalttätig sein können. Die Antworten darauf lauten übrigens “Nein” und “Ja”. Schön einfach. Sobald es aber um Väter-, Mütter- oder Kinderrechte geht, wird es unglaublich kompliziert, weil sich hier je nach Thema zwei oder sogar drei gleichwertige Rechte gegenüber stehen. So jedenfalls, wenn man ein bisschen Empathie im Hirn hat und sich nicht, durch sein Feindbild geschützt vor allzu anstrengendem Nachdenken, schon eine Antwort gebastelt hat, bevor die Frage überhaupt gestellt werden konnte.

Damit ist auch hier die Antwort plötzlich sehr einfach.

Alles Evolution 1

Pardon, sagte ich “Antwort”? Das hier ist natürlich überhaupt keine Antwort. Auch nichts von dem, was da noch folgt:

Alles Evolution 2

Wir halten fest: Juristisches Gelaber eignet sich hervorragend, moralische Probleme des täglichen Miteinanders zu erörtern. NICHT. Aber würde man anders an die Sache rangehen, müsste man ja möglicherweise zugeben, dass der Vater sich hier beschissen verhält. Nee, stattdessen ist es natürlich die Mutter, die hier Scheiße baut, weil sie sich einfach nicht genug Mühe gibt. Die Frage, ob das Kindswohl durch die pure Gleichgültigkeit des Vaters schon gefährdet ist, wird weder gestellt, noch beantwortet.

Aber wir sind schon so weit im Kommentarfeld und immer noch nicht vom Thema abgekommen. Das ist doch kein Zustand, also:
Alles Evolution 3

Kein Problem ohne Abweichen vom Thema, neudeutsch “Derailing”. Was natürlich nur ein Schlagwort von Feministinnen ist, um unliebsame Diskussionen abzuwürgen. Es sei denn, wir hätten hier eine Feministin, die eine Diskussion um das Sorgerecht unehelicher Väter dadurch sprengt, zu betonen, dass es auch viele Väter gibt, die überhaupt gar keinen Umgang mit ihren Kindern wollen. DAS wäre dann NATÜRLICH Derailing.

Aber irgendetwas anderes fehlt noch… ach ja, natürlich!
Alles Evolution 4

Classic. Sobald auch nur der Hauch einer Chance besteht, dass die übliche antifeministische Rechnung “Frau = Täterin, Mann = Opfer” nicht aufgeht, muss an den Leser appelliert werden, offen zu bleiben. Immerhin könnten da wichtige Informationen fehlen, welche die ganze Situation in einem komplett anderen Licht erstrahlen lassen. Irgendein Shyamalan’scher Twist wird sich aus so einem kurzen Artikel sicher herbei konstruieren lassen!
Es SEI denn, es wäre ein Artikel, in dem eine Frau schlecht wegkommt. DANN ist es natürlich GENAU SO und NICHT ANDERS passiert!
Selbstverständlich ist dieser Satz komplett unnötig. Hier geht es nicht drum, ein reales Familiendrama zu lösen, sondern um eine moralische Einschätzung eines Sachverhalts und NUR darum. Der Fall mag oder mag nicht so passiert sein – das ist aber gar nicht wichtig. Mutmaßungen über unbekannte Hintergründe sind nichts mehr als das: Mutmaßungen. Und damit eine reine Zeitverschwendung.

Weiter:
Alles Evolution 5

Die Mutter soll aufhören zu nerven, aber immer bereit sein zu springen, wenn der Vater pfeift. Und wenn der sich dann immer noch nicht interessiert… “ist halt so”.
Sehr markig. Und so empathisch wie ein Backstein.

Darauf:
Alles Evolution 6

Hach, den Typen mag ich ja, aber trotzdem, meine Güte… “sein” Problem? Und “ihr wird es nicht zu Herzen gehen, wenn er nicht da ist”? Herrgott, wenn es doch so einfach wäre.

Alles Evolution 7

Ich würde gerne glauben, dass sowas nur ein dummer Witz ist – mit PU-Gelaber kommen, wenn es eigentlich um das Wohlergehen eines Kindes gehen sollte. Aber ich fürchte leider nicht:

Alles Evolution 9

Wir haben es hier offensichtlich mit einem echten Alpha zu tun, der sich nicht rumschubsen lässt. Ein strahlendes Vorbild also, dem man ja verzeihen kann, dass er sich nicht für sein Kind interessiert. Im Gegenteil, die Frau ist schäbig, wenn sie sich auf einen solchen Traummann nicht einzustellen imstande ist. Oder weil sie sich überhaupt auf ihn eingelassen hat. Das wird dann ab jetzt auch meine Standardantwort, wenn ein Mann bei einer Scheidung alles an seine raffgierige Ex verliert. Hätte er ja vorher wissen können, ne.

Alles Evolution 8

Nuff said. Wenn er keine Lust hat, hat er halt keine Lust. Ist ja nicht so, dass ein kleines Kind deshalb traurig sein könnte, nur weil der Herr Alpha sich nicht gängeln lässt, dieser Hengst, dieser. “Ist halt so”.

Oder haben Männer etwa doch Gefühle?!
Alles Evolution 12

Und DAS, liebe Leser, nenne ich “Male Tears”. Dieser herbeiphantasierte Untergang des Abendlandes, nur weil der Kommentator wohl selbst einmal zu häufig abgeblitzt ist, durchzogen von allerschwärzesten Frauenhass, und im Grunde nichts als GEJAMMER, das noch ekelhafter dadurch wird, dass für das eigentlich thematisierte Problem bisher nicht das geringste Verständnis sichtbar war!! Warum genau soll es nochmal sexistisch sein, diese Art der paranoiden Weinerlichkeit ob der angeblich so desaströsen Lage von Männern als RUMGEHEULE zu bezeichnen?!

Alles Evolution 13

Oh, süßes Halbwissen. Eine Mutter kann Unterhalt eben NICHT ablehnen, da es nicht ihr Geld ist. Das Geld gehört dem Kind. Noch so ein Nebenkriegsschauplatz, bei dem es nicht mehr um die Rechte zweier Personen geht, sondern um drei. Aber kapieren die Herren Antifeministen das? Natürlich nicht. Ich habe darauf schon mal hingewiesen. Antwort: “Und trotzdem bekommt sie das Geld und damit ist es ihres.” Man möchte im Strahl kotzen bei so viel Stumpfheit.
Die einzige Möglichkeit wäre, ihn als Vater nicht eintragen zu lassen. Dafür dürfte es nun zu spät sein. Und wenn sie das gemacht hätte, wäre es vermutlich auch wieder bösartig. Immerhin nimmt sie ihm damit ja sein Kind komplett weg. Opfer ist immer der Vater, egal wie desinteressiert oder reich er auch sein mag.

Aber natürlich:
Alles Evolution 15

Deshalb versuchen wir auch gar nicht erst so zu tun, in irgendeiner Weise Mitleid für die Situation der Mutter und des Kindes zu empfinden. Dann könnte man ja den Eindruck bekommen, wir wären menschliche Wesen.

Obwohl, ein Anflug von Mitgefühl ist tatsächlich vorhanden:
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“Das Mindeste” ist allerdings für das arme Kind offensichtlich schon zu viel.

Zum Abschluss noch ein bisschen mehr Rumgeheule, das sich hinter harter Männlichkeit versteckt:
Alles Evolution 16

Noch irgendwelche Fragen?

Eine einzige Feministin hat sich bei dieser, nun, nennen wir es “Diskussion” beteiligt. Eine, die oft unglaubliche Scheiße von sich gibt. Aber hier sagt sie etwas sehr wahres – was dann endlich mal ein paar Emotionen weckt, wenn es sich dabei auch nur um kindische Empörung handelt:
Alles Evolution 10
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Das ist das erste und einzige Mal, dass hier sowas wie eine gefühlsmäßige Beteiligung erkennbar ist, die über dumpfen Frauenhass hinausgeht, aber natürlich nur, wenn der Vater angegriffen wird, das arme, arme Hascherl. Dabei muss man schon sehr paranoid sein, hier einen Aufruf zum Mord hinein lesen zu wollen. Tatsächlich ist es einfach nur die Wahrheit. Leider. Wäre mein Vater tot, hätte ich mir als Kind die Phantasie zurecht basteln können, dass er von oben voll Liebe auf mich herab blickt und furchtbar stolz auf sein Töchterchen ist. Stattdessen lebt er und interessiert sich einen Scheißdreck für mich. Und das ist jetzt genau WESHALB besser?!

Denn ja: ICH kenne das alles zur Genüge – ein Vater, der sich nur meldet, wenn er Bock drauf hat… oder auch gar nicht. Vor ein paar Monaten habe ich das sogar hier lang und breit ausgeführt.
Mir macht es nichts aus, private Dinge dieser Art zu verbloggen, aber wegen solchen Bullshit wie oben hatte ich dennoch Angst, diesen Artikel zu veröffentlichen. Tatsächlich herrschte aber bei den üblichen Verdächtigen Schweigen im Walde – vermutlich, weil es leichter ist, über eine unbekannte Frau in der Lebensberatungsspalte irgendeiner Online-Zeitung herzuziehen, statt das Kind anzugreifen, das unter einer solchen Situation tatsächlich gelitten hat. Nicht, dass es irgendeinen von diesen Wichsern interessieren würde, wenn ein Kind wegen des moralischen Versagens eines Mannes leidet, denn die Essenz dieser Kommentarspalte lässt sich nicht anders als folgendermaßen zusammen fassen:

Vater gleich Opfer.
Mutter gleich Täterin.
Kind… auch ein Opfer. Der blöden Mutter natürlich. Oder, wahlweise… irrelevant.

Diese galoppierende Gefühlskälte, die hier aus fast jedem Kommentar spricht, ist so dermaßen unmenschlich, dass mir wirklich die Worte fehlten. Was, um Gottes Willen, ist so verdammt schwer daran, gegenüber dem einzigen wahren Opfer dieses Dilemmas (denn es IST ein Dilemma, für das es keine Lösung gibt), nämlich das Kind, ein bisschen Mitgefühl zu zeigen? Zumal diese demonstrative Leerstelle auch der eigenen Agenda schadet, die da heißt, dass ein anwesender Vater verdammt noch mal wichtig ist. Aber das gilt natürlich nur, wenn einem Vater gegen seinen Willen der Kontakt zum Kind verwehrt wird – ist er stattdessen einfach nur ein unzuverlässiges Arschloch, das nicht mal für sein eigene Nachkommenschaft genug Energie aufbringen kann, um wenigstens so zu TUN, als wäre ihm ein enges Verhältnis wichtig, ist das plötzlich gar nicht schlimm. Schaden wird’s der Kleinen nicht, sowas traumatisiert nicht, “ist halt so”. Wem da die Logik nicht in den Arsch beißt?! Und das alles nur, weil man nicht zu dem Eingeständnis in der Lage ist, dass Mitglieder des eigenen Geschlechts vielleicht auch manchmal scheiße und nicht nur arme Opferlein sind.

Was, genau das werft ihr immer Feministinnen vor? Dann hätte ich nen Vorschlag: MACHT ES BESSER, IHR IDIOTEN, ODER HALTET DIE FRESSE, SOLANGE NICHTS LOGISCHES RAUSKOMMT!!!

Ich habe all diese Kommentare gelesen. Zuerst wurde ich wütend. Dann klappte ich den Laptop zu und heulte. Ja, darüber könnt ihr lachen. Diese Arschlöcher, die sich hier angesprochen fühlen sollten, werden ganz bestimmt drüber lachen. Da sitzt se, die depressive Feministentussi mit Daddy Issues und heult, haha.

Das Problem ist, dass ich in DIESER Hinsicht völlig gesund und vernünftig bin. IHR seid diejenigen, die krank im Kopf seid. Ihr hasserfüllten, egozentrischen, irrationalen, widerlichen Säcke, die ihr eure posttraumatische Verbitterungsstörung an denen auslasst, die sich nicht wehren können, und dabei so viel Gift produziert, dass es jemand, der genau diese Scheiße ERLEBT hat, zum Heulen bringt. Aber ich heule nicht um meinen Vater, dieses dämliche Arschloch. Ich heule um die Menschheit, die solche verbohrten Soziopathen hervor bringt, die ihre standardisierte Meinung zu einem sehr schwierigen Thema ungefiltert ins Internet kotzen können, ohne sich auch nur ein bisschen zu schämen, weil ihnen jegliche Empathie fehlt. Ich heule, weil Idiotie dieser Art so verbreitet ist und Leute wie ihr nicht öfter ein paar auf die Fresse bekommt.


 

Damit nochmal kurz zu was Organisatorischem. Die Idee, richtig dämliche Äußerungen von Antifeministen zu sammeln, trug ich schon lange mit mir herum. Daraus eine wiederkehrende Kolumne zu machen, beschloss ich dann, nachdem ich diesen Artikel gelesen habe, der die Theorie aufstellt, die Zeitrechnung wäre von den ersten Menschen nur “erfunden” worden, um vorher sagen zu können, wann Frauen menstruieren und es damit auch Zeit ist, sich als Mann zeitweise vom Acker zu machen. Mein Gott. Wäre das Satire… nein, selbst dann wäre es noch ziemlich blöd.
Es dauerte dann noch ein bisschen, bis ich es umsetzen konnte. Nach der Lektüre des oben vorgestellten Artikels wusste ich, worüber ich als erstes bloggen wollte. Aber danach?

Tatsache ist: Der thematisierte Artikel und die dazu gehörigen Kommentare waren der letzte Tropfen auf ein übervolles Fass. Ich bin damit durch. Ich habe keinen Bock mehr, mir Scheiße dieser Art reinzuziehen. Ich halte mich für durchaus leidensfähig, aber mich nur für einen dämlichen Blogbeitrag, für den ich noch nicht mal bezahlt werde, durch diesen Dreck zu wühlen, ist einfach too much. Die einschlägigen Seiten lese ich schon seit längerer Zeit kaum noch und auch auf Twitter greife ich vermehrt durch, wenn das Bullshit-Level zu hoch ist. Nur, weil ich glaube, dass auch Männer wegen ihres Geschlechts leiden können, bin ich nicht die Feministin-für-alle-Fälle, die sich jeden möglichen Müll anhören und erklären muss. Genauso wenig muss ich mich mit Typen rumschlagen, die auf Twitter ihre Borderline-Störung zelebrieren und beleidigt sind, wenn ich ihre männlichen Allmachtsphantasien nicht beklatsche, oder für selbsternannte Humanisten parat stehen, deren größte Leistung darin besteht, mir wegen Nichtigkeiten tierisch auf den Sack zu gehen und dabei von Respekt für alle (besonders aber für Nazis!) jaulen, aber selber jede Form von Respekt missen lassen.

Es gab in der Vergangenheit so viel Scheiße, die ich mitlesen musste. Da wird sich künstlich darüber echauffiert, dass Paris Hilton in einem ihrer Musikvideos vor einem offensichtlich nicht abgeneigten Teenager mit dem Arsch wackelt und gleichzeitig eine 13jährige Schülerin, die von ihrem Lehrer in der Besenkammer gefickt wird, als “Lolita” bezeichnet, von denen es ja offensichtlich in den unteren Klassen nur so wimmelt und die es ja alle nur darauf anlegen, neben Mop und Eimer entjungfert zu werden. Oder der Typ, der sich die Wahnvorstellung gebastelt hatte, die linken Parteien, offensichtlich sein Feindbild, wären am dämlichen Beschneidungsgesetz Schuld, es dann aber in vier oder fünf Versuchen nicht hinbekam, die für jedermann frei verfügbaren Abstimmungsergebnisse korrekt zu zitieren und auch dann noch hartnäckig an seiner dümmlichen Theorie festhielt, als man (= ich) ihm schwarz auf weiß darlegte, dass er falsch liegt und sogar das Gegenteil der Fall ist. Oder die Art, wie sich gewisse Vertreter dieser Bewegung ständig selbst zum hirnlosen Sklaven ihrer Triebe degradieren, indem sie jede mögliche männliche Verhaltensweise erstmal darauf abklopfen, ob die bei den Ladies gut ankäme und wenn das (angeblich!) nicht der Fall wäre ablehnen, selbst wenn das bedeutet, aus Überforderung psychisch krank zu werden, denn DAS ist offensichtlich das männlichste Verhalten von allem.
Der Wichser, der ne zwanglose Umfrage startet, deren Ergebnis ihm nicht gefällt und dann in seinem Fazit das Gegenteil behauptet, worauf ihn niemand hinweist. Die grassierende Homophobie. Diese Rumwichserei auf männlichen Erfolgen, die ja alle biologisch determiniert sind und das gleichzeitige Rumjaulen bei Nachteilen, die dann plötzlich alle sozial konstruiert sein sollen. Diese ständigen Widersprüche. Diese Double Standards. Dieses “Aber der Feminismus macht das doch auch!!!”, als würde die eigene Hirnwichse damit besser. Diese Intoleranz bei gleichzeitiger Panik, als Mitglied der breiten Mehrheit irgendwas zu “verlieren”, nur weil sie ab und an daran erinnert werden, nicht die einzigen verdammten Menschen auf diesem Planeten zu sein.

Es – kotzt – mich – an. Schlimmer: Es beleidigt meine Intelligenz. Viel wird gejammert, wenn Maskulismus in den Medien schlecht dargestellt wird, weil sich Journalisten, branchenüblich, lieber auf den radikalen Rand stürzen statt auf seriöse Vertreter. Aufgewacht: DER RADIKALE RAND IST DIE VERDAMMTE MITTE. Der Rest sägt sich selbst ab, indem er seine Zeit damit verschwendet, das irgendwie schön zu reden, weil es ja so dermaßen unbefriedigend ist, allein auf weiter Flur für echte, gerechte Anliegen zu kämpfen und man das gerne anders hätte. Also kokettiert man mit dem Mob, während man gleichzeitig an die Gegenseite Standards anlegt, die unmöglich zu erfüllen sind. Dann fallen Sätze wie “Ja, Blogger X ist SCHON polemisch und ich stimme ihm ja nicht bei ALLEM zu, aber ab und zu findet man in seinen Artikeln eine Perle…”, was bei gewissen Vertretern, an die ich hier denke, wirklich fast genauso ist, als würde man den Zweiten Weltkrieg verteidigen, weil Hitler ja auch Autobahnen gebaut hat. Frauen wie ich müssen dagegen nur einmal “Scheiße” sagen und schon sind sie unten durch, denn DA ist Sachlichkeit ja plötzlich das 11. Gebot und jemanden “Idiot” zu nennen ist ja so viel schlimmer als “Frauen fehlt aus hormonellen Gründen die Fähigkeit zur Rationalität” – und irgendjemand liest das, nickt bedächtig und starrt nachdenkliche Löcher in die Luft, denn Herrgott, klingt das nicht SCHÖN so ohne Schimpfwörter?! Darüber muss man erst mal meditieren…

Fazit also: Da ich nicht weiß, ob ich die Kategorie “Antifeministische Scheiße des Monats” auch regelmäßig füllen kann, da ich mich lieber mit Personen auseinander setze, die nicht durch und durch unredlich, eristisch oder völlig irrelevant sind, schließe ich diese Kategorie hiermit wieder. Es hätte mir vorher auffallen können, dass ich auf sowas keinen Bock mehr habe, ist es aber nicht. Stattdessen taufe ich die Kolumne um in “Aufreger des Monats” (ich weiß: sehr kreativ!) und packe hier die vielen Kleinigkeiten rein, die mir im Laufe der vergangenen Wochen auf den Sack gegangen sind, aber nicht lange genug, um ihnen deshalb einen eigenständigen Beitrag zu widmen. Oft sind das dämliche Tweets, Artikel, wasauchimmer, über die ich mich meist ganz kurz auf Twitter aufrege, womit sie dann nach kurzer Zeit auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Eigentlich schade, ne? So ne Sammlung ist doch viel lustiger.

Ach, und außerdem habe ich beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen. Wenn man versagt, sollte man das wenigstens zelebrierend tun. Sprich: Nachdem ich die ersten beiden Male meine Montagskolumne auf Dienstag verschieben musste, erscheint sie jetzt immer am Dienstag. Es bleibt aber beim Namen. Damit ist das die erste Montagskolumne, die standardmäßig am Dienstag erscheint. So voll IRONISCH, ne?!

Montagsliste 1: Meine 5 schönsten Gaming-Erinnerungen

Willkommen zum zweiten Teil meiner Montagskolumne, in der nun jeden 2. Montag des Monats eine Liste zu allem möglichen Scheiß erscheint! Und fangen wir doch einfach mal mit etwas an, was die meisten Leute tatsächlich für gigantischen Scheißdreck halten: Videospiele!

Warum aus allen Themen, die sich hier so bieten, ausgerechnet dieses Thema als erstes? Tja… ich habe wirklich keine Ahnung. Irgendwie schien es eine gute Idee zu sein, da ich einige der folgenden Erlebnisse tatsächlich so großartig fand, dass ich ohnehin mal drüber schreiben wollte. Also warum nicht in einer schicken Liste?

Damit ohne weitere Vorrede zu meinen 5 schönsten Gaming-Erinnerungen, geordnet wie Charts von toll bis am tollsten!

Nummer 5: Der Sieg in Super Mario Land 2

System: Gameboy

Welches Kind der Neunziger besaß keinen Gameboy? (Ein bedauernswertes Kind natürlich.)
Da ich nie einen Nintendo hatte, waren das Spiel sowie sein Vorgänger nicht nur meine einzigen Berührungspunkte mit dem sympathischen Klempner, sondern auch mein allererstes Jump’n’Run überhaupt (denn den ersten Teil bekam ich erst später). Davor besaß ich nur Tetris, das natürlich cool war, aber eine Geschichte zu spielen und eine ganze Welt zu retten, das ist schon ne ganz andere Marke!
Nächtelang knabberte ich damals am Ende dieses Spiels. Versteckt unter meiner Bettdecke nur mit einer Taschenlampe bewaffnet wollte ich dieses Spiel unbedingt knacken. Ich hatte unzählige Geheimlevel entdeckt und natürlich alle Münzen gewonnen, aber die Eroberung des Schlosses stand noch aus. Im Rückblick ist der Endkampf mit Wario echt lahm gewesen, aber durch dieses blöde Schloss zu kommen war für mich als Neunjährige gar nicht mal so einfach!
Und natürlich ging es um die Ehre. “Wenn du am Anfang Select drückst, spielst du in leicht,” belehrte mich eine Klassenkameradin damals. Aber ich WOLLTE es nicht im Easy Mode schaffen. Ich wollte es richtig machen!
Und eines Nachts war es dann soweit. Als die Endcredits rollten, fühlte ich mich wie eine absolute Gamerkönigin. Nicht, dass es den Ausdruck “Gamer” damals schon gab oder ich je wirklich einer geworden bin. Aber dieses Erfolgserlebnis legte den Grundstein für künftige Daddelvergnügen und war einfach nur megaawesome, als ich am nächsten Tag damit in der Schule angeben konnte!

Nummer 4: Postal-2-Gemetzel

System: PC

Inzwischen doppelt so alt und gar nicht mehr so unschuldig, hatten sich meine Präferenzen etwas verschoben. Jump’n’Run, ok, das ist nett und Crash Bandicoot 3 wird ewig einen Platz in meinem Herzen haben, aber als desillusionierter Teenager mit Hass gegen die ganze Welt wollte ich TOD, ZERSTÖRUNG, CHAOS!
Was könnte da besser sein als eine Runde Postal 2. Dieses Spiel ist ein einziger großer Gewaltexzess und LACHT auch noch drüber. Egal, ob man auf das Grab seines Vaters pinkeln muss, Büchergegner niedermetzelt oder einfach nur Milch kaufen will: Jede einzelne Quest ist ein Ausflug in das Gehirn eines Wahnsinnigen. Politisch unkorrekter Splatter voll rabenschwarzem Humor, wie er für diese Phase meines Lebens passender nicht hätte sein können und so dermaßen bescheuert, dass ich selbst heute noch über die inzwischen ziemlich in die Jahre gekommene Graphik hinweg sehen und tierisch viel Spaß an diesem Spiel haben kann.
Counterstrike soll für jugendliche Gewaltausbrüche verantwortlich sein? Darüber haben wir damals nur gelacht. CS fand ich persönlich megalahm, der reinste Kindergarten dagegen. Und hat es mir geschadet? Nein. Mit meiner besten Freundin abends vor dem Computer zu hocken und unter lauten “MUHAHA!!!” irgendwelchen Leuten im Spiel, die uns als Postal Dude überhaupt nichts gemacht haben, das Hirn wegzuballern, war einfach nur megafetzig und die reinste Katharsis. Sowieso bin ich ja der Meinung, dass Leute, die sich über gewalttätige Videospiele aufregen, einfach noch nie selbst eins gespielt haben. Dann wüssten die, dass es Spaß macht, ohne dass man es im echten Leben nachstellen will!
Später bekam ich dann noch das Add-On “Apocalypse Weekend” von irgendwo her in einer halb englischen, halb serbischen (?!) Version, was dann nochmal ne Spur krasser war. Und ich liebte jede Sekunde davon! Darum gehört dieses außergewöhnliche Spielerlebnis in seiner Gesamtheit hier definitiv rein!
(So, und hier spare ich mir mal einen Link, weil sich irgendjemand davon hundertpro auf den Schlips getreten fühlen wird – aber auf Youtube gibt es massig Gameplay zu sehen :D )

Nummer 3: Vater-Tochter-Zeit mit Tomb Raider 3

System: Playstation

Es dürfte an meinem 14. Geburtstag gewesen sein, als die Bettelei endlich ein Ende hatte: Ich bekam meine eigene Konsole!! Und als erstes Spiel gab es, damals topaktuell, Tomb Raider 3 oben drauf.
Ehrlich gesagt verstehe ich im Nachhinein wirklich nicht, warum die alten TR-Teile so unglaublich beliebt waren. Irgendwie waren sie ziemlich lahm, hatten keine tolle Graphik und auch keine sonderlich spannende Story. Aber da gab es natürlich Lara Croft mit ihren Riesentitten… das wird’s wohl gewesen sein.
Will sagen: Das Spiel hat die Zeit meiner Meinung nach nicht sonderlich gut überstanden, weshalb es auch eines der letzten Spiele sein dürfte, bei dem ich das Bedürfnis habe, es neu zu zocken. Und trotzdem war es beim ersten Mal echt schön – was daran lag, dass mein Stiefvater, so sehr er sich auch gegen die Konsole gesperrt hatte, eifrig mit dabei war!
Fast täglich wartete ich ungeduldig darauf, dass er von der Arbeit kam, damit wir spielen konnten. Ich glaube, ich habe damals kaum je allein gespielt. Meistens steuerte ich die gute Lara, während er hochkonzentriert daneben saß und beim gemeinsamen Erkunden der Level schlaue Kommentare abgab. Er war von jedem noch so lahmen Schockeffekt begeistert, feierte das Knacken jedes Rätsels und sparte nicht mit Lob, wenn ich eine schwierige Stelle schaffte. Es war das letzte Mal, dass wir uns so richtig gut verstanden, bevor es in der Pubertät krass schwierig wurde, aber ich habe jede Minute unserer Daddy-Tochter-Zeit genossen.
Klingt das kitschig? Und wenn, ist mir das vielleicht egal? Was soll’s – das zeigt nur, dass einige der schönsten Erlebnisse nur dann so richtig toll sind, wenn man sie mit jemanden teilen kann!

Nummer 2: Der Kampf gegen die Omega Weapon (Final Fantasy 8)

System: Playstation

Mit 15 und 16 habe ich hunderte Spielstunden damit verbracht, das absolute Optimum aus diesem unglaublich genialen Spiel rauszuholen. Ich zog geduldig Zauber, schlug mich mit nervigen Morbols rum, lernte dieses dämliche Kartenspiel, obwohl mich die Random-Regel fast in den Wahnsinn trieb, und gewann tatsächlich ALLE möglichen Karten etc.pp. Und, natürlich, ich besiegte auch die Ultima Weapon.
Erst Jahre später erfuhr ich, dass es noch ein weiteres Megamonster gab – dessen Tage von da an gezählt waren!
Eines schönen Abends packte ich mein FF8 und meine Memory Card ein und begab mich zu meinem damals besten Kumpel, der mir davon erzählt hatte. Wir hatten rausgefunden, wo sich die Omega Weapon versteckte und wollten nicht eher ruhen, bis sie besiegt war!
Das war allerdings schon im Vorfeld gar nicht mal so einfach. Man musste in Artemisias Schloss eine Glocke schlagen, dann die Spieler wechseln, dann ein Tor durchqueren und stand dann erst vor der Omega Weapon – wenn sie einen denn angriff. Das wollte sie die ersten zehn Male irgendwie nie. Und griff in der kurzen Zeit, die einem dafür blieb, ein anderes Monster an, musste man das Ganze wieder von vorne versuchen. Unsere Nerven lagen also schon blank, noch bevor es überhaupt tatsächlich zum Kampf kam.
Aber dann war es soweit. Ich stand ihr leibhaftig gegenüber – der Omega Weapon. Womit der epischste Kampf meiner gesamten Gaming-Karriere begann!!
Das Vieh war… ultrakrass! Mein Puls dürfte die ganze Zeit über bei gesunden 200 Schlägen die Minute gelegen haben. Während ich mich voll reinhing, krallte mein BF neben mir die Fingernägel in seine Wangen und schrie Anweisungen, die ich nicht brauchte. “Heilen! Aura! Heldentrank! Heilen! Aura! Heilen! HEILEN!!!”
Aber es war zu spät: Meine gesamte Party war tot. Enttäuscht schmiss ich den Controller hin, nur um die schönsten Worte zu lesen, die jemals auf einen Fernsehschirm erschienen sind: “Flamme des Lebens”! Phoenix war gekommen und rettete mich!!
Weiter ging es mit der nervenzerfetzenden Spannung, insgesamt gut eine halbe Stunde lang. Und letztendlich… polierte ich diesem Scheißvieh die Fresse!! Beim ersten Mal!!!
Ich bekam ein paar Items, die ich zu diesem Zeitpunkt eh nicht mehr brauchte, aber der berauschende Hauch des Sieges war mir Gewinn genug! Der perfekte Abschluss für ein perfektes Spiel, ein Spiel, das hoffentlich irgendwann mit moderner Graphik wieder aufgelegt wird, der absolute Burner!

Dieser Kampf war die Definition von episch! Was könnte besser sein als DAS?! Nun…!

Nummer 1: Chillen mit Skyrim

System: Playstation 3

Ich hatte meine Jugend mit meiner Playstation verschwendet verbracht, aber alle schöne Zeiten müssen wohl enden. Irgendwann kam die Playstation 2, die ich mir nicht leisten konnte. Aus dem Alter, in dem man sich sowas zu Weihnachten wünschen konnte, war ich auch raus. Ohne neue Spiele verstaubte meine Playsi langsam. Das tat weh.
Spiellose Jahre zogen ins Land, bis ich eines Tages endlich meine Berufung fand und neben der Uni mit dem Kellnern anfing. Gleichzeitig zog ich in meine erste WG… ausgestattet mit einer Playstation 3.
Es war eine nicht ganz einfache Zeit. Ich mochte meinen neuen Job und war froh über das Geld, aber die Arbeitszeiten waren ziemlich hart und ungewohnt. Kam ich nachts nach Hause, war ich müde, aber auch gleichzeitig zu überdreht zum Schlafen.
Es waren diese dunklen Stunden, bevor der neue Tag anbrach, in denen ich, ungestört von meinen Mitbewohnern, in den Sessel sank und nach dem Controller griff, der sich noch ganz genauso anfühlte wie damals, aber inzwischen mit einem wesentlich leistungsfähigeren Gerät verbunden war (und das KABELLOS). So startete ich Nacht für Nacht Skyrim und… entspannte mich. Die Quests und die Story waren was für den Tag, aber in der Nacht chillte ich einfach nur. Ich begann das Spiel und ließ alles an unnötigen Ballast in meinem Haus in Weißlauf zurück. Ich behielt nur meine Rüstung, ein paar Heiltränke, ein einhändiges Schwert, meinen Bogen und Pfeile. Leichtes Gepäck. Damit reiste ich an den Rand des bereits erforschten Gebiets, lief los… und jagte. Hirsche, Bären, Säbelzahntiger. Ich hatte heraus gefunden, dass man die Schmiede ganz leicht hochskillen kann, wenn man einfach immer nur Lederhelme herstellt. Dafür braucht man aber Leder und für Leder braucht man Felle. Somit verband ich das Angenehme mit dem Nützlichen. Nebenbei verbesserte ich ganz selbstverständlich meine Bogen- und Schleichskills.
Ich durchstreifte lichte Mischwälder, überquerte Eisfelder, suchte mir meinen Weg durch unwegsames Gebirge. Fand ich ein neues Gebäude, lief ich gerade so nahe hin, bis es auf der Karte erschien, und dann schnell wieder weg. Ich wollte keine Quest, keinen Kampf, keine Menschen oder andere Rassen treffen. Ich mied auch die Siedlungen. Lieber sah ich mir die flimmernden Nordlichter an und spürte nichts außer tiefer Ruhe. Nur ich, die Tiere und diese wunderschöne Graphik, von der das neunjährige Mädchen, das Mario durch verzauberte Schlösser gesteuert hatte, nicht mal zu träumen gewagt hätte. Manchmal killte ich einen Riesen, aber reden wir nicht drüber (eine Katze in Postal 2 als Schalldämpfer zu benutzen ist eine Sache, aber einen Riesen in Skyrim zu töten ist schon etwas bösartig).
So spielte ich oft, eine halbe Stunde, eine ganze, bis ich müde wurde oder vollgepackt war. Dann speicherte ich, ging ins Bett und schlief sofort ein.
Das Ganze verlor leider seinen Reiz, als ich auf diese Weise die Schmiede tatsächlich bis 100 hochskillen konnte. Danach wollte ich nicht mehr jagen gehen. Was sollte ich denn mit den ganzen Fellen machen? Und Tiere einfach so abballern, ohne dass ich irgendwas von ihnen brauchte, wollte ich nicht. Ich bin doch kein Engländer!
Damit war diese Phase dann auch irgendwann vorbei, aber ich denke gerne an diese ruhigen Nachtstunden zurück, die ich nur mit mir selbst und meinem Spiel verbrachte.

Ich kann nur hoffen, dass irgendwann nochmal ein Spiel entwickelt wird, das mich so zu faszinieren imstande ist. Was war euer schönstes Gaming-Erlebnis?

Gaming

Montags-Mixtape 1: Depressive Mix

Willkommen zum ersten Teil meiner Montagskolumne, die fortan jeden 1. Montag im Monat der einem Mixtape gewidmet ist! Und weil Musik so viel Freude in unsere Herzen zaubert, fangen wir doch gleich mal mit etwas an, dass so richtig schön runter zieht!

Aaaber zuerst noch die Formalitäten. Die Idee, Mixtapes zu bloggen, habe ich ja von der lieben Friedl geklaut. (Sie behauptet zwar, sie wäre nicht die Erste mit dieser Idee gewesen, weshalb man das nicht Diebstahl nennen kann, aber ich denke, sie ist nur bescheiden.) Es geht also um Musik! Einzige Regel: Ein Mixtape darf nicht länger sein als 80 Minuten, die übliche Länge für CDs. Das verlangt zwar keiner, aber so habe ich es beschlossen.

Auch wenn ich mich zeitweise wirklich wenig damit beschäftige und der musikalischen Entwicklung in meinen favorisierten Genres gut fünf Jahre hinterher hinke, ist Musik ein essentieller Bestandteil meines Lebens. Ich könnte mir absolut NICHT vorstellen, mit einem Mann zusammen zu sein, der nicht zumindest ähnliche Musik hört wie ich. Einen HipHopper könnte ich niemals lieben und wer tatsächlich nur auf House abgeht, möchte mich ganz sicher nicht in seiner Nähe haben. Ich bin ein Musiknazi (und stolz drauf).

Es muss also krachen. Metal, Rock, Punk, Alternative. Und hier direkt schon mal einen wichtigen Disclaimer: Mir gehen Genrebezeichnungen ziemlich am Arsch vorbei. Es ist absolut unmöglich, in diesem Bereich ohne abgeschlossenes Musikstudium durchzublicken und richtige Einteilungen zu treffen. Und selbst dann tauchen immer wieder Bands auf, die irgendwie ja doch was völlig neues machen. Konstruktionen wie “Extreme Power Orchestral Post Emo Melodic Gore Metal” klingen witzig, sind aber für normale Menschen unbrauchbar. Ich werde also bei künftigen Mixtapes M-E-I-N-E Bezeichnungen gelten lassen, die sich nur einer einigen Maxime unterordnen: Es klingt halt gut zusammen.
Ich habe euch vorgewarnt. Also lasst bitte nicht den Metal-Hammer-Redakteur raushängen, wenn ihr mit meiner Einordnung nicht zufrieden seid :)

Nach dieser langen Vorrede auf zum heutigen Mixtape, das überhaupt nicht gernetechnisch, sondern thematisch geordnet ist. Tja, aber Hauptsache ewig davon gelabert.

Über dieses Mixtape

Die Idee dazu kam mir während einer meiner langen Kneipenschichten, als die Leute mal wieder mehr Sitzfleisch hatten als Geld in ihren Portemonnaies und der Feierabend einfach nicht kommen wollte. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwierig es ist, solche Leute rauszukehren, ohne Gewalt anzuwenden. “Psychologische Kriegsführung” schoss mir schließlich irgendwann durch den Kopf und so ward das Mixtape geboren.
Die Idee war, die Leute durch depressive Musik unterschwellig so zu deprimieren, bis sie nur noch nach Hause ins sichere Bett flüchten und in ihre Kopfkissen weinen wollen. Ein absolut wasserdichter Plan… der nicht geklappt hat. Im Gegenteil: Ich habe noch für keine Mix-CD so viele Komplimente bekommen wie für diese. Offensichtlich ist vielen Menschen ruhigere Musik, ob depressiv oder nicht, doch viel lieber als Power Metal oder Slipknot… muss man nicht verstehen.
Trotzdem mag ich den Mix, denn er hat Stil. Wenn man schon richtig echt depressiv ist und das ganze Leben ein einziges schwarzes Loch finsterer Verzweiflung, dann kann man immer noch behaupten, in seinen schlimmsten Stunden wenigstens noch gute Musik gehört zu haben!
Bei einigen Songs wird der ein oder andere vielleicht nicht so leicht verstehen, was daran jetzt so megadepressiv sein soll. Viele Menschen glauben “traurig = ruhig” und das heißt dann meistens, dass irgendeine Tussi mit triefender Stimme irgendwas von verschmähter Liebe jault. Ich sehe das ein bisschen anders – und für den verweichlichten Charts-Mainstream dürften einige Songs tatsächlich schon zu hart sein. Aber: halt alle hart depressiv.

Hören also auf eigene Gefahr :)

Depressive Mix

1. Staind – For You

And I feel like I am nothing
but you made me, so do something

Welche Band könnte mehr für das Lebensgefühl der Generation stehen, die sich Anfang der 2000er durch die Metaldiscos dieser Welt pogte?
Wir waren seltsam, wir waren unverstanden, wir waren depressiv. Staind lieferte dazu den Soundtrack. Es ist physikalisch unmöglich, dass diese Band irgendwas produzieren könnte, das nicht in einem Tränenmeer endet.
Ein Staind-Album ist praktisch ein einziger Aufruf zum Massenselbstmord.
Jedenfalls, wenn man so eine Scheißjugend mit so einer Scheißfamilie hatte wie wir.

2. End of Green – Tragedy Insane

I gaze, I gaze my open veins
The morphin makes insane…

Möglicherweise die unbekannteste Band, die ich hier aufzählen werde, aber das völlig unberechtigt. Selbst, wenn dies der einzige gute Song von End of Green wäre (was nicht stimmt), ist er so genial, dass man der Band ein Denkmal aus den zerschmetterten Hoffnungen und Träumen ihrer Fans bauen sollte.
Das Lied vibriert sich bis in die allerletzten Gehirnwindungen und bohrt einen Haken aus schwarzer Agonie in meinen Magen, wann immer ich es höre. Deshalb kann ich es mir nicht immer geben, aber was solche Gefühle auslösen kann, muss ja einfach gut sein.
Es existiert auch eine Akustik-Version, aber ich finde obige tausendmal besser. Akustik-Stücke finde ich irgendwie beliebig, sättigen aber wohl den Geschmack der Massen nach dunkler Musik, die ja niemals hart sein kann. Das Original ist dagegen wesentlich treibender.

3. Sum 41 – Noots

One by one, we both fall down
but who’s the first one to hit the ground now?

Sum 41, die machen doch nur so Partyscheiße für den Soundtrack von 90er-Highschool-Comedys? Hahahahaha Nein.
Ich war selbst total überrascht, als ich über diesen Song aus purem Zufall stolperte, aber seitdem hat er sich zu einem meiner absoluten Lieblingsstücken entwickelt, auch wenn er derbe runterzieht – denn hier stimmt einfach alles!

4. 30 Seconds to Mars – The Kill

This is who I really am!

Dieses Lied ey, dieses Lied. Man könnte zu recht argumentieren, dass sie hier mal wieder ganz tief in die Jaul-Kiste greifen, aber dennoch wird dieser Song mir immer im Gedächtnis bleiben als Soundtrack zu einem der seltsamsten Träume, die ich jemals hatte – was ganz besonders bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass ich in meinem Träumen NIE einen Soundtrack habe.
Aber hier war es so. Es war auf dem Jakobsweg, weshalb ich (leider?) viel Zeit hatte, über den Traum nachzudenken. So ganz kapiert habe ich ihn (nach fast 5 Jahren) immer noch nicht und irgendwie ist es mir auch zu peinlich, das hier auszubreiten, weil ich mit Sicherheit nicht rüber bringen kann, was mich daran so tief verstört hat.
Nur soviel: Batman spielte eine Rolle (Sex mit ihm leider nicht). Und der Umstand, dass Jared Leto (der Sänger) bald als Joker über die Kinoleinwand turnen wird, macht dieses surreale Erlebnis im Rückblick nicht unbedingt besser.

5. Green Day – Boulevard of Broken Dreams

I’m walking down the line
That divides me somewhere in my mind

Ok, DAS ist nun ziemlich Mainstream. Jedenfalls war es für Green Day vermutlich ihr letzter großer Hit – was den Song, so ausgelutscht er auch inzwischen ist, trotzdem nicht schlecht macht. Besonders gefällt mir das Video, das inhaltlich nahtlos an das Video zu “Holiday” anschließt, was dann doch +1 auf Kreativität verdient!

6. Amy Lee – Sally’s Song

And will we ever end up together?
No, I think not, it’s never to become
For I am not the one

Tja… wie war das mit dieser gefühlsduseligen Scheiße, in der irgendwelche Tussis mit triefender Stimme was von verlorener Liebe jaulen?
Aber nein, das lasse ich so nicht stehen. Zwar habe ich nie verstanden, weshalb Amy Lee zeitweise in der Szene so groß war – denn diese Frau ist nicht die außergewöhnliche Sängerin, als die sie immer gefeiert wird. Wirklich gar nicht. Live-Aufnahmen von Evanescence sind in meinen Ohren tatsächlich ein einziger Alptraum. Die Wahrheit ist: Sie wird gefeiert, weil sie fast die EINZIGE Sängerin in dieser Sparte ist!
Und trotzdem… ihre Interpretation von Danny Elfmans wundervoller Arbeit für diesen “Nightmare before Christmas”-Song ist grandios. Tatsächlich sogar deutlich besser als das Original, das ich im Film neben nur einen einzigen weiteren Song nicht mochte. Und er war der perfekte Soundtrack für mich in einer Phase, in der ich sehr, sehr unglücklich verliebt war.
Kitschig? Vielleicht. Aber auch so, so bitter.

7. Linkin Park – Breaking the Habit

I’ll never fight again
And this is how it ends

In einer extrem schlimmen Phase, die auch nicht besser wurde dadurch, dass Youtube noch nicht existierte, war ich völlig geflasht von dem Song nebst dem unglaublich genialen Video. In den antiken Prä-Internet-Zeiten bestand nun die einzige Lösung darin, nächtelang zwischen Viva und MTV hin und her zu zappen, um vielleicht! zufälligerweise! mit ganz viel Glück! diesen Song zu erwischen.
Es ist also nicht übertrieben zu sagen, dass ich für dieses Lied wirklich gelitten habe. Aber es war es wert.

8. The Offspring – Lightning Rod

Locked up forever inside
I look to the stars and ask why

KEIN MIXTAPE OHNE THE OFFSPRING!!! (Das ist ein Versprechen, von dem ich jetzt schon weiß, dass ich es nicht halten kann, auch wenn ich mich bemühen werde.)
Ich kenne alles von The Offspring und auch, wenn es sehr falsch ist, dass viele mit dieser Band nur “Pretty Fly (for a white guy)” verbinden, ist DIESES Lied wirklich ziemlich untypisch. Aber WENN sie depressiv werden, dann richtig – daran ändert auch das wilde Rumgekloppe auf den Drums nichts.
Im Gegenteil. Wer die tiefe Traurigkeit in diesem Lied nicht erkennt, nur weil es nicht ruhig ist, ist vermutlich schon tot.

9. Ignite – Sunday bloody Sunday

How long, how long must we sing this song?

Noch eine Einladung zum Pogen, noch eine Coverversion. Nicht, dass ich das U2-Original nicht mag, aber Ignite haben nicht nur die Geschwindigkeit dieses Klassikers praktisch verzehnfacht, sondern ordnungsgemäß für die Metal-Massen aufbereitet.
Thema ist, wie vielleicht schon bekannt, der “Bloody Sunday”, an dem unbewaffnete irische Demonstranten von britischen Soldaten abgeschlachtet wurden, was den Nordirlandkonflikt nochmal befeuerte. Wie könnte ein Song über einen so rundherum unnötigen, da vermeidbaren Konflikt nicht runterziehen?

10. Avenged Sevenfold – Danger Line

Now I found myself in my own blood
the damage done is far beyond repair

Es hat lange gedauert, bis ich kapiert hatte, wie rundherum großartig Avenged Sevenfold eigentlich ist und ich glaube, das fing mit diesem Lied an. Zuerst hatte ich nicht richtig zugehört und ging davon aus, dass es darin um Selbstmord geht, weshalb es mich besonders angesprochen hat. Dann habe ich aber DOCH richtig hingehört und stellte leicht ernüchtert fest, dass es hierbei um einen Soldaten geht, der erschossen wird. Meh.
Und bevor mir jetzt achttausend wütendende Antifems aufs Dach steigen, die niemals selbst in einem Krieg gekämpft haben, aber hier weibliche Privilegien wittern, spare ich mir weitere Kommentare zu dem Thema. Dazu ist der Song zu großartig, egal worum es geht.

11. Jimmy Eat World – Bleed American

I’m not alone cause the TV’s on, yeah
I’m not crazy cause I take the right pills
everyday

Ich glaube, von allen Songs in dieser Playlist kenne ich dieses Lied hier am längsten. Mich hat nie interessiert, was er eigentlich bedeutet – schon die ersten Zeilen geben ja das Thema vor. In wenigen Worten so ein deprimierendes Szenario entwerfen… das ist wirklich grandios.

12. Nirvana – Heart-Shaped Box

She eyes me like a Pisces when I am weak
I’ve been locked inside your heart-shaped box for weeks

Wie könnte man mit meinem musikalischen Hintergrund einen Depressive Mix machen OHNE Nirvana?
Im Prinzip würde hier fast jeder Nirvana-Song passen, aber Heart-Shaped Box ist nicht nur einer meiner Lieblingssongs von ihnen, sondern liefert eines der besten Musikvideos aller Zeiten gleich mit. Das surreale Setting ist toll, aber Kurt Cobain getaucht in diese grellen Farben zu sehen hat mich in meiner Nirvana-Fangirl-Phase unglaublich berührt.
Thema ist angeblich ein krebskrankes Kind, was allerdings bei Nirvana immer etwas schwierig zu sagen ist, weil Kurt bei vielen Songs bewusst keine wirkliche Anhaltspunkte für eine sinnvolle Interpretation hinterlassen hat. Überhaupt waren für ihn Texte gar nicht mal so wichtig (was recht seltsam ist bei einem Songschreiber).
Egal. Ich höre das Lied, sehe Kurts im Video so unglaublich blauen Augen vor mir, die leicht psychopathisch blitzen, und fühle tiefe Melancholie. Was will man mehr.

13. Placebo – Song to say Goodbye

You lying, trying waste of space…

Placebo ist so ein Fall, ganz ähnlich wie Staind. Irgendwie tut diese Musik tief in der Seele weh, auch wenn sie ganz anders ist als das Zeug, das Staind fabriziert. Es ist ruhiger, effektreicher und irgendwie auch künstlerischer, dabei aber nicht besser oder schlechter. Einfach anders – mit dem selben Effekt. Sprich: Auch ein Placebo-Album ist praktisch ein einziger Aufruf zum Massenselbstmord – aber die Methode wäre sicher eher zelebrierend als zerstörerisch.
Macht das irgendeinen Sinn? Egal. Hört euch einfach das Lied an.

14. Five Finger Death Punch – The Bleeding

Well, I’m so ugly
You’re better off without me
and I’m better off without…

Das sind so Lieder, bei denen ich kaum glauben kann, dass es trotzdem nur Liebesgesülze ist. Es klingt wesentlich zu krass dafür und das ist einfach nichts, was ich bei dem Thema richtig nachvollziehen kann.
Trotzdem… diese Musik, so wunderschön dunkel, diese Stimme, so fantastisch gegröhlt.

15. System of A Down – Lonely Day

Such a lonely day
And it’s mine
It’s a day that I am glad I survived.

Ein Lied, bei dem ich die Arme um mich legen und mich, blicklos vor mich hinstarrend, in eine dunkle Ecke setzen will. So voll klischeemäßig. System of A Down sind eigentlich nie verkehrt!

16. Metallica – The Unforgiven

The old man then prepares
To die regretfully
That old man here is me

Mein Patenonkel starb mit Mitte Vierzig an Krebs. Er war ein großer Metallica-Fan – etwas, worüber ich mich nie wirklich mit ihm unterhalten habe. Überhaupt hatten wir, seitdem ich erwachsen bin, viel zu wenig Kontakt. Er wusste nicht, wer ich bin und ich weiß nicht, wer er wirklich war. Das einzige, was ich ihm widmen konnte, war dieses Lied, als er starb – wenigstens wusste ich, dass ihm DAS gefallen hätte.
Für alles andere ist es zu spät. Und das werde ich mir nie verzeihen.

17. Rise Against – Hero of War

We beat him with guns
and batons, not just once
but again and again

Ok… fast schon seicht und ausgelutscht. Ein Lied, das sogar meinem Stiefvater gefällt, der eine komplette Kuschelrock-Kollektion sein eigen nennt und meine gesamte Jugend lang sprichwörtlich nur mit Ohrschützern an meiner Zimmertür vorbei gerannt ist.
Und trotzdem – es ist Rise Against. Etwas sehr unsubtil auf die Tränendrüse gedrückt, aber wenn man sich versucht, im Gedächtnis zu halten, wie dieses Lied beim ersten Mal berühren konnte, geht’s eigentlich.

18. Soul Asylum – Runaway Train

Like the madman laughing at the rain
Little out of touch, little insane…

Definitiv der größte Evergreen in dieser Liste, ein echtes One-Hit-Wonder vor dem Herrn, aber die wenigsten dürften die Story dahinter kennen. Im dazu gehörigen Musikvideo wurden Vermisstenanzeigen von echten Vermissten geschaltet und gerüchteweise sollen nach dem Erfolg dieses Songs und des Videos tatsächlich einige davon wieder aufgetaucht sein.
Was mit dem Rest ist? Das wird man vielleicht nie herausfinden. Wollen wir hoffen, dass die wirklich alle nur weggelaufen sind. Aber ich gehe ehrlich gesagt nicht davon aus. Was unglaublich schrecklich ist, wenn man zu lange drüber nachdenkt.
Ja, es ist Pop, aber so deep, wie Pop nur sein kann.

19. Manic Street Preachers – If you tolerate this

Ne-he-he-he-hext
will be next…

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz, worum es in dem Lied geht. Hört man nur den Refrain, fällt einem alles mögliche dazu ein, aber der Rest ist irgendwie ziemlich undurchsichtig. Anhören tut es sich aber sehr, sehr traurig und mehr verlange ich in dieser Liste ja auch nicht.

20. Michael Andrews – Mad World

The dreams in which I’m dying
are the best I’ve ever had

Uuuund hier haben wir es. Das Finale. Der Depressive Overload!
Jedes Lied in dieser Liste, egal wie sehr es mich anfänglich runter gezogen hat, konnte ich mir mittlerweile irgendwie schönhören. Sprich, ich kann sie ertragen, ohne mich umbringen zu wollen. DAS hier dagegen nicht. Vielleicht werde ich das nie können. Vielleicht ist das auch gar nicht wichtig. Dieser Song ist ein rabenschwarzes Loch, das sämtliche guten Gefühle aufsaugt und nur Agonie hinterlässt. Das macht ihn zum ungekrönten König dieser Liste und zum einzigen Lied, das wirklich das Potential hat, meine Kundschaft zu vergraulen, wenn ich keinen Bock mehr auf sie habe.
Leider habe ich danach auch keinen Bock mehr auf irgendwas. Am allerwenigsten auf das Leben. Wenn ihr also wissen wollt, wie es sich anfühlt, in einer Depression zu stecken… dieses Lied gibt einen ziemlich guten Eindruck davon!


Damit bin ich buchstäblich am Ende! Für alle, die sich noch nicht voll Grauen abgewandt haben, hier nochmal alle Songs in einer Youtube-Playlist, die ihr euch nun in der richtigen Reihenfolge antun könnt, wenn ihr mögt:

Das ging nur, weil tatsächlich jedes Lied bei Youtube auffindbar war, ich kann also nicht versprechen, dass ich das jedes Mal liefern kann. Über Meldungen von Deadlinks wäre ich sehr dankbar!

Welche Songs würdet ihr auf einen Depressive Mix packen?

Glücklich scheitern!

Wenn ich in einem gut bin, dann wohl im Versagen, denn: Hier sollte eigentlich die erste Ausgabe der Montagskolumne mit einem voll übergeilen Mixtape stehen, die ich letzte Woche großspurig angekündigt habe.

Ich gebe hiermit bekannt: Dies wird auf morgen verschoben. Denn: Statt daran arbeiten zu können, verbrachte ich meinen Sonntag damit, das süßeste Baby der Welt zu knuddeln (das Dank dem außergewöhnlich guten Geschmack der besten Tante der Welt demnächst die ersten wackeligen Schrittchen in original Chuck Taylor All Star’s machen wird!!). Und heute? Werde ich wie eine richtige Erwachsene zu nachtschlafender Zeit aufstehen und der sehr erwachsenen Freizeitbeschäftigung eines Besuchs im Phantasialand frönen :D

Ich sag mal so: Ich hatte schon miesere Ausreden – weshalb sich mein schlechtes Gewissen doch in Grenzen hält :D

Betrachtet die eintägige Verspätung bereits bei der allerersten Montagskolumne als besonderes Special. Montagskolumnen haben viele, aber nur bei mir erscheinen sie dienstags :D

This argument is valid III

Die Mitbewohner spielen Computer und sind süß besoffen.

Mitbewohner David: “Robiiin, was machst du noch?”

Ich: “Ich wollte grad Zigaretten holen gehen.”

Mitbewohner David: “Gehst du uns ein Sixpack Bier kaufen?”

Ich: “Nee, ich wollt nur um die Ecke zur Kneipe.”

Mitbewohner David: “Aber… die Tankstelle ist doch genauso weit.”

Ich: “Das stimmt nicht, die ist viel weiter.”

Mitbewohner David: “Aber… Bier und… vielleicht Eis?”

Ich: “Boah, Leute…!”

Mitbewohner David: “Wenn… wenn du bis zur Tankstelle gehst, dann kriegste auch deine Schritte für heute voll.”
(Anmerkung: Ich zähle meine Schritte nicht.)

Ich: “Tze, nee, dafür reicht’s lange nicht!”

Mitbewohner David: “Aber, wenn das ja nicht so weit ist, dann… dann kannst du ja auch einfach hingehen und Bier kaufen.”

Ich: “…”

Mitbewohner David: “…”

Ich: “Boah, das war astrein argumentiert, du Arschloch!”

Mitbewohner David: “Hihihi.”

Ich: “Das war jetzt aber ungeplant, oder?”

Mitbewohner David: “…ja.”

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This argument is valid
This argument is valid II

In eigener Sache: Blogneuerungen

Liebe Leute, dem ein oder anderen wird möglicherweise schon aufgefallen sein, dass hier momentan mal wieder sehr wenig passiert. Dabei mangelt es mir wirklich nicht an Themen. Mein Entwurf-Ordner quillt über (aktueller Stand: 105 Entwürfe!), aber irgendwie komme ich einfach momentan zu nix. Dabei wartet noch mein USA-Bericht auf seine Vollendung und von meiner chaotischen Rückreise aus Spanien vor ein paar Wochen wollte ich auch noch erzählen (nur Twitter-Follower wissen warum – seid gespannt!). Auch ein paar Blogstöckchen liegen mal wieder rum, was echt kein Zustand ist. Liebe Nominatoren: Ich habe sie gesehen und möchte sie auch noch beantworten! Nur dauert es vielleicht noch ein bisschen.

Ich habe diesen Blog ursprünglich gestartet, weil mir mein alter Blog thematisch zu eingeschränkt war. Ich wollte einen Blog, in dem ich einfach alles packen kann, was mich irgendwie interessiert. Dementsprechend war es mir auch immer wichtig, eine gewisse Balance zu wahren.
Diese Balance ist leider ein wenig verloren gegangen. Denn wenn ich mir meine letzten paar Beiträge so ankucke, lautet mein Urteil: Viel zu wenig Quatsch!
Das klingt dämlich und ist es auch. Aber wichtig ist es mir dennoch. Und so stelle ich nun mal fest, dass sich in letzter Zeit die Beiträge häuften, die ich für halbwegs intelligent halte – und dabei der Spaß auf der Strecke geblieben ist!
Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich wieder aufgehört habe, beim Media Monday mitzumachen. Zu dieser Zeit hatte ich ebenfalls sehr wenig Energie zum Bloggen (das scheint wirklich ein regelmäßig wiederkehrendes Phänomen zu sein), so dass die Media-Monday-Beiträge diesen Blog zeitweise dominierten. Und das mochte ich nicht, obwohl der Media Monday cool ist, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass sich meine Antworten mit der Zeit wiederholten (was nur beweist, dass ich wesentlich mehr fernsehen sollte!).

Mir ist bewusst, dass mich dieser Themenmischmasch einige Leser kostet, denn wer abonniert schon einen Blog, wenn ihm nur 10% der Themen gefallen? Mir ist in der Vergangenheit tatsächlich oft aufgefallen, dass ich nach einer Phase mit einem gewissen Themenschwerpunkt einige Leser dazu gewonnen habe, die ich danach zumindest teilweise genauso schnell wieder verlor. Das ist schade, aber die Alternative wäre, zehn unterschiedliche Blogs mit zehn verschiedenen Schwerpunkten zu unterhalten.
Das kann ja wohl nicht die Lösung sein. Deshalb verlasse ich mich einfach drauf, dass meine treuen Leser schon selber wissen, welche Artikel sie sich reinziehen und welche nicht, weil sie das Thema nicht interessiert, ohne gleich den ganzen Blog aufzugeben :)

Wie löse ich das Problem nun, sprich, wie überbrücke ich diese maue Zeiten, in denen ich blogtechnisch nichts auf die Reihe kriege?

Begrüßt mit mir zusammen die neue Montagskolumne – eine Idee, auf die sicher vor mir noch nie jemand gekommen ist! BESTIMMT!!

Ab nächste Woche gibt es nun jeden Montag ein festes Thema, zu dem ich bloggen werde. Ob ich das schaffe? Wer weiß! Aber der Plan sieht folgendermaßen aus:

Am 1. Montag des Monats gibt es fortan ein Mixtape. Das wollte ich schon ewig mal machen, um den Umstand zu feiern, dass ich inzwischen tatsächlich schon mehrmals erfolgreich als DJ arbeiten durfte. Ja, wirklich wahr. Ich habe mich mit meinem läppischen Laptop irgendwo hingestellt, Musik über ein kostenloses DJ-Programm abgespielt und dabei getanzt und für lau gesoffen. Und dafür bekam ich wirklich und wahrhaftig GELD. Bester. Job. Ever.
Mein Repertoire ist nicht groß genug, um diese Kategorie ewig füllen zu können und ich habe auch nicht die Expertise oder auch nur das Fachvokabular, um darüber so elaboriert labern zu können wie einige meiner Lieblingsblogger, aber für eine Weile sollte es reichen! Seid gespannt :)

Am 2. Montag des Monats erscheint die Montagsliste. Das wird thematisch nicht so festgelegt sein und einfach kurze (oder auch lange) Listen von Dingen beinhalten, die ich aus irgendeinem Grund für interessant halte. Dazu habe ich auf jeden Fall genug Ideen und ab dann auch endlich einen Platz, wo ich sie hinpacken kann!

Der 3. Montag des Monats ist nun für eine Kategorie reserviert, die ich ganz prägnant betitle als Antifeministische Scheiße des Monats. DAS kann ich nicht groß vorbereiten, da es ja halbwegs aktuell sein soll, aber ich bin sicher: Ich werde massig Material finden, um diese Kolumne zu füllen! Ich rechne hier mit lustigen, aber auch verstörenden Einblicken in die Gedankenwelt von Menschen, die einfach völlig durch sind. An sich sollte man diesen Leuten ja keine Plattform bieten, aber “Don’t feed the trolls” funktioniert ja auch nicht, also kann man immer noch mit den Fingern darauf zeigen und lachen!

Und der 4. Montag im Monat ist fortan belegt mit etwas, was ich schon begonnen, aber nie zu Ende gebracht habe: für Rezensionen sämtlicher Werke von Stephen King. Und ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt: Euch interessiert das einen Scheiß. Das habe ich schon an dem spärlichen Feedback bei den alten Beiträgen zu dem Thema gemerkt. Aber diese Kategorie soll mich ein bisschen daran erinnern, dass dieser Blog hier immer noch MEIN Hobby ist – und ich auch Sachen schreiben kann, bei denen ich nicht mit krassen Applaus oder auch nur Kritik rechnen darf, wenn sie mich halt interessieren. Und ICH finde eine riesige Bibliothek an Rezensionen zu ALLEN King-Büchern nun mal ziemlich cool, zumal es mich dazu zwingen wird, mir ganz opferbereit die paar Bücher von ihm einzuverleiben, die ich noch nicht gelesen habe.
Damit habe ich auf jeden Fall Stoff für mehrere Jahre. Danke, Steve :)

Natürlich werde ich auch weiterhin über allen möglichen anderen Scheiß schreiben, aber diese Termine stehen. Ab nächster Woche geht’s los!