Awareness. Und jetzt?

Dies ist ein Nachtrag zu Eure Awareness kotzt mich an! Als solcher ist er aber eigentlich viel, viel wichtiger als der Ursprungsartikel. Ich freue mich über Feedback.

Leute: WOW. Noch nie ist ein Artikel von mir in nur zwei Tagen so oft geteilt und damit auch (hoffentlich, trotz der Länge) so oft gelesen worden wie “Eure Awareness kotzt mich an!” Und noch nie habe ich so viel ausschließlich positives Feedback bekommen (auch, weil die, an die er gerichtet war, ihn beharrlich ignorieren – aber das ist ne andere Geschichte).

Ich freue mich total über das Interesse. Es zeigt mir aber auch, dass ich einen Nerv getroffen habe. Ich frage mich, wie viele von uns es da draußen gibt, die von blinden Aktivismus genervt sind und sich nicht vertreten fühlen. Die viel wichtigere Probleme haben – wie dieses, trotz fehlender Hilfe von Seiten unseres Gesundheitssystems einfach den nächsten Tag zu überleben.

Es hat gut getan, mich auszukotzen, aber das reicht mir nicht. Was wirklich nötig ist, fernab von Awareness, die nicht über ein banales #notjustsad hinaus geht, wäre eine wirkliche Diskussion: darüber, wie man es ändern kann. Und dann auch tatsächlich einen Weg einzuschlagen, DER es ändert. Das habe ich bisher leider nicht wahrgenommen, aber DAS lässt sich ja ebenfalls ändern.

Mir ist es völlig egal, ob eine solche Diskussion über mich oder meinen Blog geschieht, solange sie nur bitte, bitte geschieht. Ich fasse im folgenden trotzdem meine spärlichen Ideen zusammen. Und dann hoffe ich, dass sich ein paar Leute darüber Gedanken machen, die klüger sind als ich – damit sich was bewegt.


Fehlende Kassensitze

Jemand meinte gestern auf Twitter als Kommentar zu meinem Artikel, dass Therapeuten fehlen. Das stimmt so allerdings nicht (und habe ich auch nicht behauptet). Was fehlt, sind Therapeuten, die einen Kassensitz haben und ihre Behandlung daher über die Krankenkassen abrechnen. Diese Kassensitze sind nun aber, wie erschöpfend dargelegt, viel zu knapp bemessen – UND DAS WISSEN DIE KRANKENKASSEN. Sonst würden die ja nicht an ihre Therapeuten appellieren, keine Bescheinigungen auszustellen, die genau das bestätigen. Sie wissen es und sie tun NICHTS. DAS ist der eigentliche Skandal, DAS ist eines Shitstorms gewaltigen Ausmaßes würdig, DAS gehört auf eine politische Agenda!

Wo sind also die Politiker, die sich dafür einsetzen, die wirklich Druck machen können? Jeder Mensch in Deutschland ist gesetzlich gezwungen, krankenversichert zu sein – aber dann sollte man die Kassen auch zwingen, Leistungen in dem Maße zu erbringen, wie sie nachgefragt werden!

Natürlich gibt es auch noch die privaten Therapeuten, die ohne Kassensitz praktizieren, aber selbst solche, die bereit sind, für weniger Begütete günstiger zu arbeiten, verlangen Minimum 50 Euro pro Sitzung, was demnach bei einer Therapie, die idealerweise einmal die Woche stattfindet, schon mal locker 200 Euro im Monat ausmacht. Kein Mensch in der Ausbildung kann das bezahlen, kein Student, kein Arbeiter mit Familie. 200 Euro sind verdammt viel Geld. So ausgelutscht es ist: Gesundheit sollte keine Frage des Geldbeutels sein.

Wirtschaftlichkeit

Ich hasse es, bei einem solchen Thema utilitaristisch zu argumentieren. Aber natürlich ist unser Gesundheitssystem trotz aller Menschenfreundlichkeit wirtschaftlichen Überlegungen unterworfen. Doch das ist kein Argument GEGEN mehr Kassensitze. Es ist eines DAFÜR.

Ein depressiver Mensch, der keine Therapie beginnt, kostet natürlich kurzfristig erstmal gar nix, aber langfristig ist jede unbehandelte psychische Erkrankung eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem und den Staat an sich. Irgendwann häufen sich unweigerlich die Krankentage. Notfallhilfe, die gar nicht nötig gewesen wäre, hätte man sofort interveniert, ist auch nicht billig. Ein einziger Tag in einem Krankenhaus oder einer Psychiatrie, der vielleicht wegen eines Unfalls durch SVV (Selbstverletzendes Verhalten) oder gar eines Selbstmordversuchs nötig ist, ist so teuer, dass man davon locker mehrere Sitzungen bei einem Therapeuten bezahlen kann.

Ach ja – Selbstmord? Todesursache Nummer Eins bei jungen Menschen, die den Staat bis dahin Kindergeld, Geld für Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule, vielleicht sogar Studium und Ausbildung gekostet haben, ohne dass sie davon mittels ihrer Arbeitskraft auch nur einen Cent zurück geben können – weil sie nämlich TOT SIND.
Ja, das klingt ekelhaft, wenn man es so sagt, aber es muss gesagt werden, um diesen idiotischen Tunnelblick sogenannter “wirtschaftlicher Überlegungen” als das zu demaskieren, was er ist: Bullshit, den selbst ein Kleinkind durchschauen könnte.

Und dann ist da ja noch diese kleine Sicherheitsfrage. Ja, ich rede hier von Andreas Lubitz, der fast 150 Menschen mit in den Tod riss. Auch wenn ich stark bezweifle, dass der NUR an Depressionen gelitten hat – Depressive wollen sich in der Regel, wenn überhaupt, nur selbst schaden – sind wir uns doch hoffentlich alle eilig, dass dieser Mensch psychische Probleme hatte, die mit der richtigen Behandlung vielleicht hätten geheilt werden können, bevor es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Natürlich haben wir hier ein Extrembeispiel, aber ich will nicht wissen, wie viele Menschen (vor allem Kinder) indirekt unter unbehandelten Erkrankungen Dritter leiden, ebenfalls krank werden, wieder Geld kosten. Psychische Erkrankungen sollten KEIN Stigma sein – aber das heißt noch lange nicht, dass wir alle harmlose Engelchen sind, die niemanden absichtlich oder unabsichtlich verletzen können. Das schreibe ich als Kind einer Mutter, die ebenfalls depressiv ist.

Betroffenen zeitnah Therapien zur Verfügung zu stellen ist demnach billiger, als es nicht zu tun – auch DAS wissen die Krankenkassen. Und auch hier tun sie NICHTS. Vielleicht stecken dahinter ja irgendwelche Schreibtischtäter, die nur bis zur nächsten Quartalsabrechnung denken. Vielleicht ist es auch einfach bequemer, ein beschissenes System beizubehalten als die Mühe auf sich zu nehmen und ein besseres zu entwerfen. Ich weiß es nicht. Aber ändern muss es sich.

Mangelnde Qualität

Der Punkt ist vielleicht ein bisschen gemein. Ich glaube nämlich, dass die meisten Therapeuten diesen Weg (der bedeutet, nach einem abgeschlossenen Studium noch eine zeit- und kostenintensive Ausbildung zu absolvieren) gewählt haben, weil sie wirklich den Drang haben, Menschen zu helfen. Trotzdem haben die zwei Totalausfälle, von denen ich berichtet habe, mich mehr zurück geworfen als alles andere (über Therapeut Nr. 2 hätte ich mich sogar gerne beschwert… wenn ich denn gewusst hätte wo).
Eine liebe Bloggerkollegin, selbst Therapeutin, schilderte vor kurzem treffend, dass die Qualität der Behandelnden und damit auch die Behandlung an sich steigen müsste, wäre sie den Gesetzen des freien Marktes unterworfen. Momentan scheinen sich dagegen einige Therapeuten auf ihrem Kassensitz auszuruhen, der ihnen Dank der schon angesprochenen Unterversorgung fortwährend und ohne die geringste Mühe Nachschub an neuen Patienten verschafft.
Wie wäre es, wenn Therapeuten wirklich um Patienten kämpfen müssten, Erfolge vorweisen müssten? Das findet momentan schlicht nicht statt. Dazu diese unsägliche Praxis, Kassensitze zu VERKAUFEN – womit ein solcher nicht von Qualität, sondern nur von einem dicken Geldbeutel zeugt.
So wirklich habe ich auch keine Ahnung, wie man es besser machen könnte. Kassensitze nur für die Therapeuten mit Spitzenabschlussnoten? Ein zusätzlicher Test? Kassensitze zeitlich begrenzt auf Probe mit anschließender Evaluation? Ich weiß nicht, was hier die beste Methode wäre, um die wirklich fachlich und menschlich besten Kandidaten auszuwählen. Ich weiß nur: Geld ist es mit Sicherheit nicht.

Betreuung

Das ist ein für mich schwieriger Punkt. Es ist mir peinlich, mir selbst und anderen eingestehen zu müssen, dass ich nicht mal in der Lage bin, ein paar Telefonate zu führen. Und doch ist das der Punkt, der nicht nur bei mir am meisten hakt.

Viele waren sehr schockiert über diese Zahl: neun Jahre. Neun gottverdammte Jahre, fast mein gesamtes Erwachsenenleben. So lange suche ich schon nach einem ambulanten Therapieplatz. Aber selbst mit unserem trägen Gesundheitssystem ohne genügend Kassensitze könnte ich schon längst austherapiert sein – wäre ich am Anfang nur am Ball geblieben.

Es ist nicht nur die Antriebslosigkeit, die mich hier hindert. Es ist schlicht und ergreifend die psychische Belastung, die mit dieser Suche einher geht. Vielleicht habt ihr ja schon mal wegen einer Grippe bei eurem Arzt angerufen und euch während genau diesen zwei Minuten Gespräch mit der Sprechstundenhilfe elender gefühlt als sonst im gesamten Krankheitsverlauf. Tja, so geht es mir auch. Vergessen wir die leichte (fast überwundene) Soziale Phobie, die ich ebenfalls mein Eigen nennen darf und die Telefonate allgemein recht unangenehm macht, vergessen wir auch den Stress und die Übermüdung, die mit dem Jonglieren Dutzender verschiedener Sprechzeiten einher geht: Muss ich bei einem Therapeuten anrufen, ist der Tag gelaufen. Oft kamen mir schon die Tränen, bevor überhaupt jemand abhob, und wenn man mich dann auch noch aufforderte, “kurz zu erzählen”, was mein verdammtes Problem ist, ging die Sirene erst richtig los.

Es schlaucht. Es triggert. Es macht mich fertig. Und für was? Wie man sieht: für nichts.

Damit stehe ich nun wirklich nicht alleine. Ja, es ist peinlich, sich eingestehen zu müssen, dass man in diesem einen speziellen Fall tatsächlich jemanden braucht, der einen ans Händchen nimmt, weil man sonst immer wieder aufgibt. Aber genau so jemanden sollte es geben. Was mir vorschwebt, ist eine Art Betreuer, der vielleicht sogar selbst Therapeut sein könnte, aber ein Sacharbeiter (mit entsprechender Fortbildung) würde ja auch schon reichen. Dieser Person schildert man im persönlichen Gespräch EINMAL seine Situation, statt sie zehnmal wiederholen zu müssen und SIE erledigt dann die Therapeutensuche. Ist genügend Vorwissen vorhanden, kann dabei ja auch schon mal eine kleine Vorauswahl getroffen werden (es bringt wohl wenig, einen fünfzigjährigen Alkoholiker zu einem Therapeuten zu schicken, der sonst vor allem Essstörungen bei Jugendlichen behandelt. Aber woher soll man sowas als Betroffener wissen? Die wenigsten Therapeuten haben Internetauftritte.). Auch eine vorläufige Diagnose wäre hierbei schon möglich, wenn auch nur im sehr, sehr beschränkten Rahmen.
(Auch wäre ein System denkbar, das ähnlich wie die Programme funktioniert, die an Unis zur Anmeldung für Veranstaltungen verwendet werden. Damit wäre für den verantwortlichen Betreuer beispielsweise ersichtlich, welcher Therapeut noch freie Kapazitäten hat, am besten zum Profil des Patienten passt o.ä. Hier würde sich allerdings die Frage nach einem adäquaten Datenschutz stellen.)

Wie schwer kann es sein, solche Betreuer zur Verfügung zu stellen? Und falls es sowas schon gibt: Warum weiß ich nichts davon?

Veränderung – aber wie?

Hier kommen wir zum Hauptpunkt und hier bin ich leider ratlos. Ich besitze keinen Einfluss, habe kein politisches Amt und kenne keinen Weg, irgendetwas zum Besseren zu wenden außer, mich fortwährend lautstark zu beschweren.

Genau das scheint allerdings bei dieser Thematik momentan ein riesiges Problem zu sein. Die so hochgejubelte Awareness, die ich kritisiert habe, ist beiläufig, oberflächlich und geht an den wirklichen Problemen vorbei. Sie fokussiert sich einzig auf den Abbau der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen mit dem ach so hehren Ziel, die dann irgendwann gesellschaftlich völlig akzeptierten, nun viel selbstbewussteren Betroffenen auf diese Weise zu motivieren, sich Hilfe zu suchen – und übersieht dabei völlig, dass es keine Hilfe gibt. Das ist entweder, wie schon gesagt, einfach nur heuchlerische Selbstprofilierung – oder pure Unwissenheit.

Gegen Heuchelei kann man als Außenstehender nun leider nicht viel tun. Gegen Unwissenheit aber schon. Ja, nennt mich bekloppt, aber ich plädiere hiermit für Awareness! Keine Awareness hinsichtlich der traurigen Tatsache, dass selbst im 21. Jahrhundert viele erwachsene, gebildete Menschen “psychisch krank” immer noch mit “unzurechnungsfähig” gleichsetzen oder glauben, Depressive wären einfach nur weinerliche Jammerlappen. Klar tut das weh. Trotzdem: Vergesst diese Idioten. Ich rede von Awareness dahingehend, wie schwer es uns selbst völlig ohne Stigmatisierung gemacht wird, gesund zu werden. Darüber wurde noch viel zu wenig geredet, darüber ist viel zu wenig bekannt. Aber genau das muss sich ändern.

Ich kenne keinen Weg, etwas zu ändern, außer mich zu beschweren. Das habe ich hiermit getan. Aber wir Betroffenen sind viel zu leise… weil wir alle krank sind. Weil wir häufig schon froh sind, morgens aus dem Bett zu kommen. Deshalb müssen sich viel, viel mehr Leute beschweren und nach gangbaren Lösungen suchen – Leute mit Energie, Grips und Macht.

Gründe dafür habe ich nun wirklich genug genannt. Konkrete Hindernisse, die es aus dem Weg zu räumen gilt, auch wenn ich nicht so richtig weiß, wie das gehen soll. Aber ich hoffe auf eine echte Debatte über das Thema “Versorgung psychisch Kranker” – hinausgehend über die mitleidige Feststellung, was wir doch alles für arme, kleine Hascherl sind.

Es ist ein unmenschliches, ineffektives und darüber hinaus auch noch wahnwitzig kostenintensives System, das eine grundlegende Reform benötigt. Wenn das geschafft ist, kommt das Ende des Stigmas übrigens ganz allein. Nichts würde mich glücklicher machen, als in zehn Jahren auf irgendeinen saublöden Spruch über Depressionen zu antworten: “Weißt du was? Ich war auch mal depressiv und kuck, wie gut es mir heute Dank der richtigen Therapie geht!”

Bis dahin gibt es noch zu viel zu tun, um uns an Kleinigkeiten aufzuhängen. Ich hoffe, ihr seid dabei.

Eure Awareness kotzt mich an!

Ich bin Robin, ich leide an Depressionen und möchte mich bei jedem bedanken, der mir in den vergangenen schlimmen Wochen und Monaten seine ehrliche Anteilnahme schenkte, mir wirklich helfen wollte und besorgt war.
Ihr seid lieb. Aber: Es werden keine Lieder mehr für Helden geschrieben. Darum fühlt euch nicht angesprochen von dem, was folgt. Es ist nicht für euch.

Dieser Tag beginnt, wie der letzte endete: mit Tränen.

Viel weinen oder gar nicht, viel fressen oder wenig, viel schlafen oder sich rumwälzen.

Manchmal schlafe ich 10 Stunden am Tag. Eine kleine Flucht, die mir bleibt. Ich träume meist intensiv, oft totalen Schwachsinn, aber wenigstens ist es nicht langweilig. Ich schlafe so viel, dass mir der Rücken weh tut. Oft lege ich mich ins Bett, weil ich nicht mehr sitzen kann. Und stehe ich morgens, das heißt mittags, aus dem Bett auf, geht’s nach einem Abstecher ins Bad erst mal auf die Couch – zum Ausruhen. Ausruhen vom Aufstehen. Das ist kein Witz.

Schlimm, hm? Plastisch. #Notjustsad, indeed. Diese armen Depressiven, unterstützen muss man die. Das fave ich doch mal, und noch einen Retweet als Kirsche oben drauf. Ah, jetzt geht’s mir besser. Ich bin ein guter Mensch. Ich bin aware.

Und jetzt?

Sagt mir nicht “Bitte such dir Hilfe!” Es gibt keine Hilfe. Ich möchte, dass ihr das kapiert: Es gibt keine Hilfe. Eine Depression ist nicht wie ein fauler Zahn, der einem sofort einen Notfalltermin beim Zahnarzt verschafft. Nee, hier fault nur die Seele, das ist was anderes.

Anrufen, Therapeutentermine vereinbaren. Irgendwo kommt ein Stückchen Elan her und ich greife zum Hörer. Die Therapeuten habe ich mir vorher aus einer Liste ausgesucht.
Dabei die Frage: Kann ich da überhaupt Ansprüche stellen? Wenn man so lange warten muss, nimmt man dann nicht das, was man kriegen kann? Auch wenn man persönlich von einem rein psychoanalytischen Ansatz überhaupt nicht überzeugt ist? Brauche ich einen abgehobenen Freudianer, der mir erzählt, dass all meine Probleme im Endeffekt darauf zurück zu führen sind, dass meine Mutter mich nicht stillen konnte? Ach ja, und irgendwas mit Penis?

Es gibt Therapieplätze und davon viel zu wenige. Wenn ich morgen irgendwo da anrufe, habe ich mit Glück einen Termin in einem halben Jahr.
Nicht, dass ich morgen einfach irgendwo anrufen könnte. “Einfach irgendwo anrufen” ist nämlich nicht. Depressionen gehen mit Antriebsschwäche einher. Das Internet sagt dazu “Prokrastinieren”. Dieses Scheiß-Internet. Antriebsschwäche fühlt sich eher so an wie in einem Eisblock eingeschlossen zu sein. Ein Eisblock auf meiner Couch, den starren Blick auf einen Stapel Dreckwäsche gerichtet, die dringend gewaschen werden muss, weil ich nichts mehr zum Anziehen habe und es anfängt zu müffeln und mit jedem Tag wächst der Berg trotzdem weiter, aber ich sitze einfach nur da und starre. Manchmal werde ich nachts wach, denke an überfällige Bücher oder was auch immer gerade ansteht und bekomme Herzrasen. DANN könnte ich es sofort machen, aber dann ist ja Nacht, da ist die Bibliothek zu. Und am nächsten Morgen hat sich das Eis wieder um mich geschlossen.

Ich habe die Liste vor mir, die mir mein Hausarzt gab mit den besten Wünschen. Ich habe die Therapeuten markiert, die meine favorisierte Methode anbieten. Zehn Therapeuten. Zwölf verschiedene Sprechstundenzeiten.
Mir laufen wieder die Tränen. Ich lausche den Ansagen vom Band, notiere mir die Sprechstundenzeiten, darunter so Perlen wie “Montags zwischen viertel vor 9 und 9″. Ich habe einen Schritt gemacht und er war umsonst ohne den nächsten.
Der nächste Schritt. Der nächste Schritt. Zwei bis achtzig Wochen später, Montagmorgen. So lange habe ich gebraucht, bis ich rechtzeitig aufstehen konnte. 8 Uhr fünfundvierzig. Es klingelt. Niemand geht ran. Ich probiere es noch drei Mal. Nichts.

Keine Chance, unter sechs Monaten Wartezeit irgendwo unter zu kommen – außer Psychiatrie, die MÜSSEN einen ja nehmen, aber für Menschen mit Depressionen ist das nichts anderes als eine Verwahranstalt. Aggressive Leute, Schizophrene mit Wahnvorstellungen, drogeninduziere Psychosen vor allem. Krankenhäuser, die Psychiatrien angeschlossen haben, schicken dort am Wochenende gerne Komasäufer hin. Die sind nämlich laut und kotzen, das nervt, also raus aus dem Krankenbett, ab zu den Psychos, und diese zwar zu hart feiernden, aber ansonsten völlig gesunden Menschen müssen am nächsten Tag Fragen zu ihrer nicht vorhandenen Suchtproblematik beantworten, weil die in der Ambulanz behauptet haben, die hätten eine Suchtproblematik, weil sie die ja sonst nicht in die Psychiatrie hätten abschieben können.

Nein, da will ich nicht hin.

Ich komme durch, bekomme einen Termin. Endlich. Therapeutin: Ein Megafail. Ich soll erzählen, also erzähle ich und mittendrin unterbricht sie mich und verbietet mir, weitere Taschentücher zu nehmen, weil sie später noch Gruppentherapie hat und das ihre letzte Packung Kleenex ist. Wir verabreden einen zweiten Termin. Sie sagt ihn ab, indem sie einen Brief an meine Heimatadresse schreibt, den meine Mutter erreicht.

#NotJustSad. Depressive sind nicht einfach nur traurig. Wow. Haltet die Druckerpressen an, wir haben hier die banalste Schlagzeile der Welt.
Ihr habt studiert? Könnt Wikipedia bedienen? Warum wisst ihr das dann nicht? Und der Rest, die ganzen Arschlöcher, die einen für unzurechnungsfähig erklären oder für kleine Mimosen… denkt ihr, die lassen sich von einem Hashtag beeindrucken oder ein paar Artikeln?
Aber man liest es ja doch und fühlt sich voll aware, haut ein paar Internetadressen raus (“Hilfsangebote”) und weiter zum nächsten Skandälchen. Vielleicht hat ja jemand offizielles irgendwo “Schwule” gesagt und “Homosexuelle” gemeint, sowas geht doch nicht, Shitstorm on.

Zweiter Therapeut. Schlaffer Händedruck, ausdrucksloses Gesicht. Er sieht mich während der gesamten Sitzung nicht an und gibt mir am Ende eine Liste mit Therapeuten. Ich frage, warum er mir nur Frauen empfiehlt, mir ist das egal, ich habe keine Missbrauchserfahrung oder sonstiges, was es mir unmöglich macht, zu einem männlichen Therapeeuten zu gehen. Er nennt die Frage sinnlos. Ich deute an, dass ich aufgetaucht bin, weil ich ja bei IHM Therapie machen wollte. Er schnarrt: “Abgelehnt!” Ich bin fassungslos, springe auf, stammle irgendwas. “Unglaublich… in diesem Land…!”
Ich bin schon an der Tür. Er antwortet stoisch: “Dann wandern Sie doch aus.”

Ich weine auf dem Weg nach Hause, denke, dass diese Ignoranz mich hätte umbringen können, wäre ich gerade suizidal. Ein Teil von mir wünscht, ich wäre es.

Nur sehr wenige Behandlungsmethoden werden von der Krankenkasse anerkannt und übernommen. Eine neue Behandlungsmethode zur kassenärztlichen Legitimation zu verhelfen – ein jahrelanger Prozess, selbst wenn der Erfolg nicht wegzudiskutieren ist. Als würde man jemanden mit Schmerzen Aspirin verabreichen, weil irgendwie noch nicht abschließend geklärt ist, ob dieses ominöse Morphium auch tatsächlich wirkt.
Die Lösung besteht darin, sich einen Therapeut zu suchen, der beides kann: Die Behandlung, die von der Kasse bezahlt wird und die Behandlung, die tatsächlich am besten für einen ist. Der Therapeut therapiert dann nach der einen Methode, schreibt aber für die Kasse die andere auf die Abrechnung. So fickt man das System. Das System wollte es doch so.

Termin 3. Therapeutin, sympathisch, perfekt. Leider für mich nix frei. Aber sie empfiehlt mir Therapeuten und streicht sie für mich an.
Anruf. “Wir KÖNNEN Sie auf die Warteliste setzen, aber das dauert ein halbes Jahr!”
“Ist okay. Bitte setzen Sie mich drauf.”
“Wir haben SEHR viele Anfragen und viele kriegen zwischenzeitlich anderswo einen Therapieplatz, ohne sich bei uns abzumelden. Das ist sehr aufwendig und ärgerlich für uns. Bitte rufen Sie deshalb in drei Monaten wieder an, um zu bestätigen, dass Sie immer noch warten.”

Haha. In drei Monaten nochmal anrufen. Klar. Easy. Was spricht dagegen. “Einfach so”.

Ich bedanke mich, lege auf und notiere diese Frist in dem Wissen, dass ich sie niemals einhalten werde.

Nein, eigentlich will das System nur eines: mich tot sehen. Mich und andere wie mich. Wir kosten zuviel. Natürlich koste ich momentan überhaupt nichts, so ohne Therapieplatz, und so soll das auch bleiben. Die Nachfrage bestimmt das Angebot – nicht bei unseren Krankenkassen. Künstliche Verknappung.
Wer als Therapeut Patienten auf Rechnung der Krankenkassen behandeln will, braucht einen Kassensitz. Ein Kassensitz muss er sich aber erst kaufen gegen viele, viele tausend Euro. Und selbst wenn er so viel Geld mal einfach so aus dem Ärmel schütteln kann, kriegt er wahrscheinlich keinen, weil es ja nicht zu viele Therapeuten mit Kassensitz geben soll, denn so viel Bedarf besteht ja nicht. Also wird die Anzahl der Kassensitze klein gehalten, obwohl ein Bedarf nach Therapeuten mit Kassensitz eindeutig da ist. Angebot und Nachfrage – sonst gäbe es ja keine Wartezeiten von einem halben Jahr. Es sei denn, man ist reich und bezahlt die Behandlung selber.

Wusstet ihr nicht, ne?

Anderer Therapeut. “Die Wartezeiten für Einzeltherapie sind gerade sehr lang. In der Gruppentherapie sind aber noch Plätze frei!”
Ich mag keine Gruppentherapie. Ich hasse es, vor Fremden zu weinen. Und es interessiert mich nicht, ob Peter seit dem Tod seiner Frau keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht oder Paula in der Schule immer gemobbt worden ist. Ich fühle mich herzlos, wenn ich das denke, aber es ist so. Ich habe keine Kraft für andere. Ich habe keine Kraft für eine kaputte Gruppe.

Ich komme auf die Warteliste. Ich soll das in einem halben Jahr nochmal bestätigen. Haha.

Wenn ein Therapeut mit Kassensitz nichts mehr frei hat, kann der einen genau das bescheinigen. Sammelt man genug dieser Absagen, kann man damit zur Krankenkasse gehen. Dort knallt man denen das als Beweis auf den Tisch, dass sie mit der Berechnung des Bedarfs an Kassensitzen Scheiße gebaut haben. Die Krankenkasse bezahlt dem Patienten dann einen Therapeuten ohne Kassensitz. So bluten sie dann doch für ihre selbst erzeugte Knappheit.

Vor ein paar Jahren ging von den Krankenkassen eine Anweisung an ihre Therapeuten, solche Bescheinigungen nicht mehr auszustellen. Man wollte den Leuten keinen Therapeuten ohne Kassensitz bezahlen, auch wenn alle anderen Therapeuten schon ausgelastet waren. Dagegen haben sich die Therapeuten dann aber gewehrt. Unethisch sei das. Recht hatten sie.

Wusstet ihr nicht, ne?

Therapieambulanz. Wurde mir bereits ein Dutzend mal empfohlen. Geht schneller, ist für harte Fälle besser. Ich bin skeptisch: eine Ambulanz? Was für Ansätze verfolgen die? Können die überhaupt was?
Jahre später. Therapieambulanz, jetzt endlich. Tägliche Sprechstundenzeiten. Keiner geht ran. Aber wenigstens gibt es eine Emailadresse. Protokoll, Ausschnitt:
“Wir senden Ihnen die Unterlagen zu. Die Wartezeit beträgt sechs Monate.”
“Mir wurde gesagt, bei euch geht es schneller. War das eine Fehlinformation?”
“Ja, das war leider eine Fehlinformation.”

#NotJustSad, ja, lest das und denkt, wie schlimm das doch alles ist. “Du bist ein toller Mensch! Such dir bitte Hilfe!”
Alles klar, Leute. Wie wär’s mit einem Hashtag #NotSoEasy. Not so easy at all.

Und jetzt stellt euch vor, man würde einem Querschnittsgelähmten die Reha verweigern und was für ein Skandal das wäre. Aber ihr sagt, das wäre dasselbe. “Ableismus”. Von “to be able” – “fähig sein”. Die Diskriminierung von behinderten Menschen, die gewisse Dinge nicht so können wie gesunde Menschen. So wie ein blinder Mensch nicht sehen kann. So wie ein gelähmter Mensch nicht gehen kann.

So wie ein depressiver Mensch nicht… was? Was, zur Hölle?

Es war selbstverständlich absolut ableistisch von mir, als selbst Betroffene anzumerken, dass ich mich gegen diesen Begriff verwehre. Nicht als behindert gelten zu wollen kann ja nur bedeuten, dass ich was gegen Behinderte habe, ableistisch bin – unaware. Definitionsmacht? Nur, wenn es ins politsche Programm passt.

Ich habe selbstverständlich absolut nichts gegen Behinderte. Die meisten Behinderten möchten ihre Behinderung nicht als tatsächlichen Makel verstehen. Recht haben sie. Und jede offene, freie Gesellschaft MUSS in der Lage sein, Behinderten und ihren Besonderheiten einen Platz bereit zu halten, eine Möglichkeit, ein zufriedenes Leben zu führen, auch ohne Sehvermögen oder funktionierenden Beinen.

Dagegen meine Depression. Oh, dafür sollte man dich nicht verurteilen und dieser Typ in diesem Flugzeug, also, dass die einfach behaupten, der sei depressiv gewesen, das KANN ja gar nicht sein! Shitstorm! Sieh nur, ich akzeptiere deine Besonderheit! Ich bin aware!

Oh mein Gott, ihr Arschlöcher, hier für euch eine Durchsage: Ich hasse meine Depression. Ich hasse sie, weil sie mein Leben zerstört, mein Leben bedroht und das letzte was ich will ist, dass ihr sie “akzeptiert”. Ich will, dass ihr sie genauso hasst wie ich und wie hoffentlich kein Behinderter seine Behinderung hasst!!!

“Aber nein, das verstehst du falsch. Ableismus, okay, damit wird meist auf Behinderungen rekurriert, aber, naja, “able” heißt “fähig” und umfasst alles, was damit irgendwie zu tun hat.”

Okay, ich bin also nicht fähig, morgens auf dem Bett aufzustehen, mich an Dingen zu erfreuen, glücklich zu sein. Ich bin außerdem nicht fähig, japanisch zu sprechen oder mit Computern umzugehen und einmal habe ich in einem Anfall selbstzerstörerischer Leichtsinnigkeit eine Glasscheibe eingeschlagen, musste ein paar Tage einen Verband tragen und war nicht fähig, meine Hand zu benutzen. Ableismus, Diskriminierung aufgrund fehlender Befähigung? Meine Güte, Wikipedia hat angerufen: Sie hätten gerne eine Definition, die nicht auf alles passt.

Einmal hat mir jemand, sicher in bester Absicht, mitfühlend geschrieben, wie schwer das sicher alles ist, so als Depressive. Allein, wie man auf der Arbeit diskriminiert wird. Und ich musste stumm kichern. Depression, das ist keine Behinderung, denn Depressionen kann man verstecken, jedenfalls bis es zu spät ist. Und kein depressiver Mensch geht damit in seinem echten Leben bei fremden Menschen hausieren.

Millionen Menschen leiden an Depressionen, hundert- und tausendmal mehr Betroffene als bei anderen “Besonderheiten”, für die ihr schicke neue Namen für Diskriminierungsformen erfindet, aber psychische Erkrankungen sortiert ihr bei Ableismus unter “ferner liefen”. Danke für diese Bestätigung meiner heimlichen Überzeugung, unwert zu sein. Danke für nichts.

Mich über Unwichtigkeiten ereifern, jetzt tue ich es schon selber. Nennt das, was man uns antut, halt “Ableismus”, ignoriert Stimmen von Betroffenen.
Natürlich ist es DAS, was mich eigentlich stört – nicht ein dämliches Wort. Betroffene werden nur gehört, wenn das, was sie zu sagen haben, zur Agenda passt. Und die Agenda heißt: Shitstorm. Moralische Empörung. Political correctness.

“Hab den Mathetest verhauen. Bin voll depri.” Oh, das hat die Tussi jetzt NICHT gesagt, so ne Ignoranz, einfach medizinische Fachbegriffe zweckentfremden, wissen die Leute denn nicht, wie sich Betroffene bei sowas fühlen, Shitstorm, auf sie! Wir sind AWARE!!!

Ich lese “depri” und fühle nichts. Weil es so unbedeutend ist. Umgangssprache. “ABER WORTE SCHAFFEN REALITÄT UND SPRACHE KANN BELIEBIG GEWANDELT WERDEN!” – Ja, und deswegen heißt “depri” hier “down” und “Ich leide an Depressionen” heißt “Ich leide an Depressionen”. So wie “Wenn ihr wirklich helfen wolltet, hättet ihr besseres zu tun als euch über so eine unwichtige Scheiße aufzuregen, ihr Idioten!!” meint… nun, genau das. (Nur darf man “Idiot” ja auch nicht mehr sagen. Das beleidigt Idioten. Aber möglicherweise ist es ja doch beleidigender, bei “Idiotie” an geistige Behinderungen zu denken statt an Idioten.)

Währenddessen setzt irgendeine von euch eine Triggerwarnung über eine sexistische Werbung oder nennt eine prekäre Lebensituation “traumatisch” und nein, das deckt sich ja so überhaupt nicht mit der medizinisch-psychiatrischen Definition, aber keine Sau interessiert’s, wer genug Fans hat, hat die Definitionsmacht, Scheiß auf Betroffene, außer die trinken mit dir einen Club Mate nach der Vorlesung und teilen deine Artikel auf Twitter. Nein, ich kritisiere keine Begrifflichkeiten, ich kritisiere diese unerträgliche Bigotterie und öde Irrelevanz eurer Awareness in Angesicht einer Krankheit, die unbehandelt zum Tod führt.

Man hat mir einen Anamnesebogen geschickt. Ich habe ihn vor mir, sechzig Seiten mit vielen intimen, distanzlosen, triggernden, ja wirklich triggernden Fragen und ich heule wieder. Fragen, steril formuliert, schwarze Tinte auf weißem Papier, ohne persönlichen Kontakt, niemand, der meine unmittelbare Reaktion sieht und mich auffangen könnte. Ich bin überfordert, denn ich weiß nicht, wie der Scheiß genau ausgewertet wird. Wenn meine Verfassung aber zu schlecht scheint, nehmen sie mich nicht. Gehen Sie in die Psychiatrie, da haben die all die tollen Drogen und ein schönes Zimmer, das Sie mit einem Komasäufer teilen können, der die ganze Nacht kotzt und sich einscheißt und morgen wieder weg ist.

Und wenn Sie nicht gehen und auch den Fragebogen nicht zurück schicken können, weil das schon wieder ein zu großer Schritt ist, weil wir Ihnen nicht helfen, weil Ihnen in diesem großen reichen Land niemand hilft, am allerwenigsten die, die es am lautesten behaupten, denn diese hysterischen Heuchler ohne auch nur das geringste Verständnis dafür, was es heißt, wirklich NICHT NUR TRAURIG und damit ALLEIN GELASSEN zu sein kreisen nur um sich selbst in ihrer billigen Imitation eines Menschen, dem andere nicht scheißegal sind – wenn Sie also letztendlich zusammenbrechen, dann tun Sie uns wenigstens den Gefallen und sterben leise.

Ich bin Robin, ich suche seit neun Jahren einen Therapieplatz und eure selbstgefällige Awareness kotzt mich so dermaßen an.


Wegen der großen Resonanz habe ich noch einige Ergänzungen nieder geschrieben. Darüber, was falsch ist, darüber, was sich ändern muss. Eure Ideen? Bitte lest hier: Awareness. Und jetzt?

Innenwirkung – Außenwirkung

Ich: “In letzter Zeit fällt mir irgendwie bei jedem Blick in den Spiegel auf, was ich da eigentlich für einen riesigen Zinken habe.”

Mitbewohner David: “Hm.”

Ich: “Gefällt mir wirklich gar nicht. Das verunsichert mich total.”

Mitbewohner David: “Hm.”

Ich: “Aber dann denk ich mir: Du bist in deinem Leben schon so oft beleidigt worden, aber noch nie hat jemand was wegen deiner Nase gesagt. Also kann’s ja nicht so schlimm sein.

Mitbewohner David (plötzlich munter): “Wow, das ist ein richtig gutes Kriterium! Das macht richtig Sinn, wenn man sich das so überlegt!”

Ich: “Finde ich auch!”

Fazit: Ich mache mir keine Gedanken mehr über meine Nase – jedenfalls, bis ich mir eine OP leisten kann.

Goooooo to the USAAA! Part 3: Pläne

So eine Reise will ja natürlich geplant sein. Ich tue also mal kurz so, als hätte mich des Kiezneurotikers düstere Prophezeiung nicht in nackte Panik versetzt und plane!

Wobei, Mitbewohner David wand schon vor unserer Buchung ein, dass wir ja vermutlich eh nicht einreisen dürfen. “Warum nicht?” fragte ich. Dazu fiel ihm dann nichts konkretes ein – außer, dass er bei einer Reise nach Asien mal in einem arabischen Land zwischengelandet ist und deshalb einen entsprechenden Stempel im Pass hat. Was nun echt kein ausreichender Grund ist, würde ich meinen.

Bei dem ESTA-Verfahren, das jeder Einreisewillige über sich ergehen lassen muss, kann einem aber schon ganz anders werden. Es handelt sich dabei um einen Online-Fragebogen, den man vor dem Reiseantritt ausfüllen muss. Da finden sich neben normalen Angaben (Name, Geburtsdatum, Wohnort und so weiter) auch Dinge, die ich zumindest als leicht übergriffig empfinde – beispielsweise die Frage nach meinen Eltern oder dem Arbeitgeber.
Das ist allerdings noch zu verschmerzen, wohingegen die Frage, ob ich an einer ominösen Sache wie dem “weichen Schanker” leide, noch für leichtes Gekicher gesorgt hat. Das war dann allerdings vorbei, als ich zur nächsten Frage kam. “Haben Sie geplant, sich an terroristischen Aktivitäten oder Völkermord zu beteiligen bzw. haben Sie sich jemals daran beteiligt?”

Ähm… was?

Hier stellt sich natürlich die Frage, wieso man Fragen stellt, auf die ein Terrorist sowieso nicht ehrlich antworten würde. Stattdessen gibt es dann ganz harmlose, unbedarfte Leute, die diese Fragen irgendwie falschrum verstehen und dann überall “Ja” ankreuzen statt “Nein”. Und das führt dann wozu? Richtig: Einem lebenslangen Einreiseverbot in die USA!
Hm, wenn ich jetzt so drüber nachdenke… vielleicht ist das auch einfach nur ein sehr verschlankter Intelligenztest, der gar nicht auf Terroristen abzielt, sondern einfach nur solche Leute aussortieren soll.

Aber es sollte ja um unsere Pläne gehen. Davon haben wir einen ganzen Katalog erstellt.
Grob einteilen lässt sich unsere Reise in zwei Phasen: Phase “New York” und Phase “Alles andere”. Denn wir haben vor, nach einigen Tagen in New York ein Auto zu mieten und ein bisschen rumzukurven. Aber eins nach dem anderen:

Grundsätzliches
Was wir beide wollen, ist vor allem essen. Viel, viel essen. Darunter folgendes:
– Chili-Hotdog
– Cupcakes
– Spareribs
– einen echten amerikanischen Burger in einem Diner
– etwas aus dem Red Lobster, weil ich noch nie Hummer gegessen habe
– und vieles, vieles mehr!

(Mein Cousin, der vor ein paar Jahren mal in den USA war, kommentierte das trocken mit: “Man kann in zwei Wochen in Amerika definitiv 10 Kilo zunehmen!”)

Zweitens: SHOPPING. Nachdem ich mich ein bisschen informiert habe, werde ich praktisch mit leerem Koffer reisen. Ich wusste ja schon vorher, dass meine geliebten Chucks in den USA billiger sind, aber SO viel billiger! In einschlägigen Amerika-Foren kursieren Preise um die 15-20 Dollar pro Paar. FÜNFZEHN. BIS ZWANZIG. DOLLAR! Das ist, je nach Farbe, gerade ein Drittel des deutschen Preises. Pro Paar spare ich 40 Euro!

(Mitbewohner Dave, der immer ein bisschen spitzfindig ist, kommentierte das mit: “An sich würde ich ja sagen: ‘Wenn du etwas für 20 Euro kaufst, was eigentlich 60 kostet, dann hast du nicht 40 Euro gespart, sondern 20 Euro ausgegeben’, aber in diesem Fall…!”)

Ich habe daher vor, so viele Chucks wie möglich mitzunehmen. Am liebsten gleich 10 Paare auf einmal. Klar, das ist erst mal trotzdem viel Geld, aber langfristig hätte ich damit 400 Euro gespart, denn Chucks kaufe ich ja so oder so.
Problem ist hier der Zoll. An sich ist das recht easy: Man darf Waren bis zu einen Wert von 450 Dollar mit zurück nach Deutschland nehmen – solange es sich um Eigenbedarf handelt. Nur, welcher Zollbeamte würde mir das denn abkaufen? Trotzdem alle Schuhe dieselbe Größe haben?
Also muss ich wohl reduzieren. Fünf Paar werden es aber auf jeden Fall. Zur Sicherheit werde ich meine Sammlung fotographieren, vielleicht hilft es ja als Beweis.

Und Jeans! Mustang und Levi’s, für die man hier 100 Euro pro Hose latzen muss, kosten in amerikanischen Outlets 30 Dollar. Dafür kriegt man hier nicht mal ne H&M-Jeans! Da müssen auch einige mit.

Und dann habe ich nur aus Scheiß vor einigen Tagen eine sehr hübsche echte Lederjacke im örtlichen Mustang-Shop anprobiert, die schlappe 280 Euro gekostet hätte. Wenn ich da was schönes finden sollte und es ähnlich viel günstiger ist wie Jeans, werde ich mir das definitiv leisten.

New York
Wir werden abends um 18 Uhr ankommen, was vermutlich bedeutet, dass wir so um 22 Uhr in unserem Hostel sein werden.
Wie gesagt: Einen Tag früher buchen wäre in Sachen “Geburtstag feiern” doch wesentlich schlauer gewesen. So werde ich eigentlich meinen gesamten Geburtstag im Flugzeug verbringen (aber vielleicht hilft es ja bei der Einreise – so ne Art Mitleidsbonus für das Geburtstagskind). Ich werde also nur im Duty-Free-Shop eine Flasche Whisky für uns kaufen und ansonsten wäre ich mit einem echten New-Yorker-Hotdog abends total zufrieden. Da wir inzwischen herausgefunden haben, dass Essen in unserem megabilligen Flug tatsächlich mit inbegriffen ist, müsste das ja reichen.

Wir wissen noch nicht genau, wie lange wir bleiben wollen. Aber auf jeden Fall sehen wollen wir folgendes:
– Ground Zero und das neue World Trade Center
– den Time Square
– Chinatown
– die Freiheitsstatue
– den Central Park

Dazu einige Dinge, auf die wir uns noch einigen müssen. Ich will zum Beispiel unbedingt zur MAD-Redaktion. Was ja im Prinzip nur ein Gebäude ist, das man sich von außen ansehen kann. Aber das hat historische Gründe.
Dann wollen wir zum Broadway – auch nur zum Kucken. Ich hätte ja megamäßig Bock, mir “The Book of Mormon” anzusehen, aber das ist geradezu irrwitzig teuer. Aber wenn wir mal da sind und ich David überredet kriege… wer weiß!
Dafür will David in verschiedene Museen. Er steht auf moderne Kunst. Ich überhaupt nicht. Mein erster und einziger Besuch in einem Museum für moderne Kunst stattete ich dem Guggenheim-Museum in Bilbao ab und das war zwar schon irgendwie interessant, aber auch total verrückt. Ich kann damit nichts anfangen, bin aber gerne bereit, diesen Kompromiss einzugehen, wenn er mit mir dafür in “Ripley’s Believe it or not!” geht. Das ist AUCH ein Museum, allerdings eher sowas wie ein Kuriositätenkabinett. An sich müsste ich da nicht hin, weil ich schon in der Filiale in London gewesen bin und das das größte Ripley’s der Welt ist, aber da ich mutmaße, dass jedes Ripley’s andere Exponate hat und es außerdem zu zweit viel mehr Spaß macht, möchte ich da unbedingt nochmal hin!
Und dann möchte ich unbedingt in einen echten New-Yorker-Comicshop… aus Gründen!

Alles andere
New York ist natürlich ein Erlebnis, aber umso schwieriger war es, uns darauf zu einigen, was wir danach machen wollen. Zumal David einige seltsame Vorstellungen hat.
“Das sind nur 7 Stunden Fahrt!” teilte ich ihm zum Beispiel eines Tages freudig mit, nachdem ich den Routenplaner bemüht hatte (ich weiß nicht mal mehr wozu). “7 Stunden?!” war seine entsetzte Antwort, “da müssen wir ja mal mindestens 20 Stunden einplanen!”

Äh – what!? Das ist eine Logik, die ich nicht nachvollziehen kann. Klar, wir wollen ja auch was sehen und gemütlich fahren, aber dann kann man mal 10 Stunden veranschlagen und nicht DAS DOPPELTE. Ich fürchte leider, das wird im Chaos enden!

Ganz kurz hatten wir die verrückte Idee, quer durch das ganze Land nach Las Vegas zu fahren. Da wäre die reine Fahrzeit allerdings schon fast vier Tage. In Davids Augen also ungefähr sechs Wochen. Zeit, die wir ja leider nicht haben.

Er war sehr niedergeschlagen, als wir diesen Plan begraben mussten, weil er unglaublich gerne mal in Las Vegas die Bank gesprengt hätte. Aber glücklicherweise hatte ich die rettende Idee: ATLANTIC CITY!!!
Dieses Mini-Vegas ist nur einen Katzensprung von New York entfernt und wird von uns nun einen Tag lang besucht. Danach sind wir entweder noch ärmer als ohnehin schon oder so stinkreich, dass der Urlaub verlängert wird. Ist ja nicht so, dass ich keine leichte Affinität zu Glücksspiel hätte, also muss ich da gewaltig aufpassen!

Als großer Stephen-King-Fan würde ich danach ja gerne durch Neuengland fahren, aber da er daran überhaupt kein Interesse hat und das Wetter momentan auch nicht so geil ist, ist dieser Plan eher unrealistisch. Zumal es mich dann doch gleichermaßen in den Süden zieht. In Florida herrschen locker 25 Grad, was mir für den März völlig unglaublich vorkommt.

Und dann stürzte ich eines Tages komplett eskaliert ins Wohnzimmer und schrie David an: “SPRING BREAK!!!”
Ich schwöre, er bekam kurz Tränen in die Augen. Das war tatsächlich etwas, das wir nicht einkalkuliert hatten, aber wenn wir schon mal da sind, wird dieses amerikanische Studentenereignis natürlich besucht.

David will die Gelegenheit nutzen, ein paar Collegehäschen aufzureißen. Ich dagegen will einfach nur ein paar Collegebübchen unter den Tisch saufen. Prioritäten, Leute.

Was noch? Wir wollen irgendwo in einem Motel im Nirgendwo übernachten, ohne dass wir einen besonderen Grund dazu hätten. Und am Ende der Reise muss natürlich das Weiße Haus fotographiert werden, auch wenn ich Washington nicht sonderlich spannend finde. Soweit jedenfalls die Pläne – aber ob das alles so kommen wird? Wir werden sehen.

Und damit verabschiede ich mich, denn die Reise startet – HEUTE!! USA, wir kommen!

Funfact zum Schluss:
Durch die Zeitverschiebung werde ich an diesem meinem 30. Geburtstag 30 Stunden Geburtstag haben. Ist das irre, oder was?

Sonntags-Mini-Blitzgewinnspiel – die Auflösung!

Mein Gewinnspiel ist beendet – hier die Auflösung!

Erstmal war es ziemlich lustig zu sehen, wie weit die Vorstellungen hier auseinander gingen. Über 400 Euro Unterschied zwischen dem niedrigsten Gebot und den höchsten ist ja doch einiges! Mein eigener Tipp lag übrigens bei ca. 280 Euro, ein Ergebnis, auf das ich kam, als ich das Gewicht meines Kleingeldhaufens durch das Gewicht einer 20-Cent-Münze teilte.

Umso froher bin ich, verkünden zu können… aber ach, seht halt selbst:

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Damit ist 0x0d der glückliche Gewinner! Er hat mit 482,37 Euro den höchsten Tipp abgegeben und war deutlich am nächsten dran!

Damit bleibt mir nur zu sagen: Herzlichen Glückwunsch – an dich und an mich! An dich wegen des Gutscheins und an mich, weil, naja… ich habe 464 Euro für die Urlaubskasse :D

Der Rest von euch hat nun hoffentlich Bock gekriegt, die jeweiligen Münzschätze zur Bank zu tragen ;)

Goooooo to the USAAA! – Part 2: Capitalism, bitch.

Wir haben also einen Hin- und Rückflug in die USA für 280 Euro bekommen. Als hinterfragend-kritischer Mensch fragt man sich da natürlich kritisch, wie das überhaupt geht.

Noch bevor wir endgültig buchten, habe ich dahingehend recherchiert. Dadurch fand ich ziemlich als erstes heraus, dass die Urlaubspiraten taffe Leute sind, die sich auf Angebotsfehler der Airlines stürzen wie die Geier. Sprich: Hat irgendein armer Mensch, der dafür vermutlich im Nachhinein den Arsch grandios aufgerissen bekommt, beim Eintippen der neusten Flugangebote irgendwo eine Null vergessen oder gar gleich ganz, einen Preis anzugeben, dann finden die Urlaubspiraten das und hauen es sofort in den Äther raus. Hat man dann Glück und sieht diesen Hinweis, bevor die Airlines es tun, kann es passieren, dass man für völlig umsonst fliegt.

Bei uns war es aber kein Fehler, sondern schlicht ein sogenannter Gabelflug. Das bedeutet, dass wir nicht vom selben Flughafen zurück fliegen, an dem wir angekommen sind. In unserem Fall kommen wir in New York an (okay, eigentlich ist es New Jersey – aber psst), unser Rückflug geht aber ab Washington D.C..
Was uns jetzt wirklich nicht groß stört. Wir wollen nach ein paar Tagen in New York eh nen Roadtrip machen. Und selbst wenn das nicht so wäre: Von NY nach Washington fahren unfassbar günstige Busse.

Trotzdem ist das ja schon irgendwie komisch, nech? Aber es geht noch geiler. Als ich unsere Tickets anhimmelte, fiel mir unvorstellbarerweise auf, dass unser Rückflug doch tatsächlich in New York zwischenlandet. Man ziehe sich das bitte mal rein: Der Flug von Amerika nach Deutschland ist gerade deshalb so günstig, weil wir nicht von New York aus fliegen, aber letztendlich sind wir zwischenzeitlich doch in New York.
Unglaublich, dachte ich, und probierte aus, wie viel es wohl gekostet hätte, wenn wir den selben Flug nehmen, aber erst in New York zusteigen würden.

Ergebnis: Der Flug wäre 200 Euro t-e-u-r-e-r.

Da kann man sich doch nur an den Kopf fassen. Jeder normale Mensch würde vermuten, dass ein kürzerer Flug billiger sein müsste. Immerhin könnte die Airline dann die Plätze von Washington nach New York an andere Menschen verkaufen und mehr Geld machen. Aber nee. DAS ist Kapitalismus, Leute. Kapiert keine Sau.

Und offensichtlich ist das irgendwie normal, wie ich dann herausfinden sollte, als ich einer Freundin davon erzählte. Die reagierte darauf völlig stoisch, denn sie wusste folgende unbegreifliche Begebenheit zu erzählen:

Sie war in Frankreich in Urlaub und suchte nach Flügen zurück nach Deutschland. Sie fand einen Flug in eine Großstadt nahe der Heimat, allerdings war der sehr teuer. Sie suchte also weiter und fand einen Flug, der in eine Großstadt ging gut eine Stunde Fahrzeit entfernt von der nahen Großstadt, aber 100 Euro billiger war. Nach kurzem Ringen siegte der schmale Geldbeutel und sie buchte Flug 2.
Als sie sich nun einen Tag vor dem Flug ihr Ticket ansah, bemerkte sie, dass sie mitnichten einen Flug bis in Großstadt 2 gebucht hatte. Nein, der Flug endete in Großstadt 1 und der Rest der Strecke wurde per ICE zurück gelegt. Sie saß in EXAKT dem selben Flugzeug, das sie auch bei Flug 1 bestiegen hätte, nur dass der Flug MIT einer einstündigen Fahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug 100 Euro BILLIGER WAR ALS OHNE.

Logischerweise ist sie dann nicht in diesen blöden Zug Richtung weiter entfernte Großstadt gestiegen, sondern ist directamente vom Flughafen nach Hause gefahren. Und den ganzen Flug über musste sie sich schwer zusammen reißen, nicht jeden Fluggast zu fragen, ob er die teurere Variante gebucht hatte oder die billigere.

Da fällt man doch wirklich vom Glauben ab!

Darüber kann man sich nun entweder tierisch aufregen oder es schweigend genießen (oder, naja… einen Blogbeitrag drüber schreiben). Allerdings gibt es offensichtlich kein Angebot, das gut genug wäre, um nicht doch noch drüber zu meckern. So war vor ein paar Tagen für wenige Stunden ein Hin- und Rückflug in die USA über die Urlaubspiraten verfügbar, der sogar noch weniger als 200 Euro kostete.
Und da gibt es dann Kommentatoren, denen nichts besseres einfällt, als sich darunter darüber auszulassen, dass die Reisedauer bei solchen Flügen etwas höher ist. “Dann lieber einen Direktflug zum regulären Preis” – holy shit. Wie viel ist der reguläre Preis, ca. 600 Euro mehr? Und das nur, um drei, vier Stündchen zu sparen? Wenn man so pingelig ist, warum treibt man sich überhaupt auf solchen Seiten rum?

Aber zurück zu normalen Leuten – also mir. Jedenfalls freute ich mich trotz allem über das Schnäppchen, bis Mitbewohner Dave die Bühne betrat. Der wäre im Leben nicht mitgeflogen, also haben wir ihn auch nicht gefragt. Das schien ihn jedoch zu nerven. Beleidigt wies er uns darauf hin, dass so ein billiger Flug ja eine mehr als beschissene Ökobilanz hätte. Etwas, an das ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht so wirklich gedacht hatte. Und außerdem sei es ja irgendwie nicht in Ordnung, von Fehlern der Airlines zu profitieren und überhaupt.

Nun, ich sehe das nicht so. In unserem Fall ist es ja kein Fehler, sondern saudummer Kapitalismus. Was natürlich im übertragenen Sinne schon ein Fehler ist. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man ein fehlerhaftes System nur dadurch zum Einsturz bringen kann, wenn man denen, die es gemacht haben, immer wieder seine Fehlerhaftigkeit in die Fresse haut. Wenn das System einen fickt, muss man zurück ficken.

Ist ja auch nicht so, als würde irgendein Managertyp, der achtzigmal im Jahr in die USA und zurück jettet, sich um seine Ökobilanz scheren.

Sonntags-Mini-Blitzgewinnspiel!

Ich weiß, ich jammere immer darüber, dass ich nix habe. Tatsächlich habe ich aber doch was. Und zwar das:

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Wie die meisten Leute habe ich zuhause ein Behältnis, in das ich mein Kleingeld schmeiße, damit meine Hosentasche nicht platzt (denn Geldbeutel sind ja viel zu Mainstream). Seit Jahren leere ich diese fast täglich aus, wodurch sich inzwischen wieder einiges angesammelt hat. Mein Notgroschen – genau das richtige für die Urlaubskasse!

Ich bin also mit dem Geld auf die Bank gelatscht und habe es in einen dieser Zählautomaten geschmissen, die ich schon als Kind so geil fand. Und nachdem ich dieses wundervoll nostalgische Gefühl wieder aufleben ließ, kommt ihr zum Zug! Einfach nur, weil ich mal gerne was Kleines verschenken will, nutze ich diese Gelegenheit für ein lustiges Gewinnspiel.

Der Gewinn? Einen niedlichen Amazon-Gutschein über 10 Euro. Tja, reich werdet ihr mit mir also nicht, aber für ein nettes Taschenbuch reicht das doch allemal. Dafür ist das Rätsel, das ich euch stelle, umso kniffeliger:

Wie viel ist mein Haufen Kleingeld wert?

Und, äh, das war’s auch schon! Schätzt, ratet, kalkuliert und überschlagt und kommt zu einem wissenschaftlich fundierten Ergebnis. Dieses teilt ihr mir in einem Kommentar unter diesem Beitrag mit. Wessen Schätzung am nächsten dran ist, der (oder die) gewinnt den Gutschein!

Damit das nicht völlig ins Blaue geht, hier noch ein paar Infos zu meinem Notgroschen:
Der Haufen wiegt laut Badezimmerwaage ca. 6,8 Kilo (Funfact: Das ist ziemlich genau das, was in eine leere Glenfiddich-Dose reinpasst!). Er enthält alle Münzen unter 2 Euro, also von 1 Cent bis 1 Euro. 2-Euro-Stücke dürften auch ein paar drin sein, aber die kamen nur rein, wenn ich davon zuviel in der Tasche hatte.

Okay, das sind recht spärliche Anhaltspunkte, aber umso gespannter bin ich, auf welche Ergebnisse ihr so tippt!

Hier nochmal alles im Überblick:

1. Schätzt den Wert der Münzen
2. Kommentiert euer Ergebnis unter diesem Beitrag
3. Es gewinnt, wer am nächsten dran ist (egal ob er unter- oder überboten hat!)

Mitmachen darf jeder (außer natürlich Leute, die ich gesperrt habe – logisch). Um dem Gewinner den Gutscheincode zu übermitteln, brauche ich lediglich eine gültige Mailadresse, die ihr im entsprechenden Kommentarfeld hinterlassen könnt (wird nicht veröffentlicht!).

Was ein Spaß, aber eilt euch – das Gewinnspiel läuft nur bis Mitternacht! Viel Glück!