Keine Schuhe, sondern eine Lebenseinstellung!

Das Klischee über Frauen, das mich definitiv am meisten nervt, ist „Alle Frauen haben einen Schuhtick“.

Ich hasse es. Ich lache sehr gerne auch über Witze, die unter die Gürtellinie gehen und habe auch mit frauenfeindlichen Witzen kein Problem, wenn ich weiß, dass die Person, von der das kommt, das wirklich nur als Witz meint, aber alles, was mit Schuhen zu tun hat, finde ich einfach nicht lustig. Es ist so dermaßen platt!

Auf irgendeiner Tussi-Seite las ich vor einiger Zeit (als Selbstbeschreibung einer Autorin), dass sie „mehr Bücher hat als andere Frauen Schuhe“.
Wow, dachte ich. Was für ein gigantischer Bullshit. Als sollte nicht ausnahmslos jede Person auf diesem Planeten mehr Bücher besitzen als Schuhe. Allein auf dem mittleren Regalbrett links neben mir stehen gut 25 Bücher. Wenn ich jetzt auf die Straße ginge und ne Befragung durchführen würde, hätte ich sicherlich Probleme, eine Frau zu finden, die so viele Schuhe hat, sofern sie nicht Carrie Bradshaw heißt (und selbst DIE hat vermutlich trotzdem noch mehr Bücher zuhause – man vergisst leicht, dass sie immerhin auch eine erfolgreiche Autorin ist). Mehr Bücher als Schuhe zu besitzen sollte Standard sein und ist absolut nicht als Indikator dafür geeignet, wie belesen eine Person ist.

Zwar trifft das Klischee „Schuhtick“ sicher auf viele Frauen zu (da von klein auf eingeredet), aber ich habe keine einzige Freundin, die „Sex and the City“-mäßig tatsächlich von Schuhen besessen ist. Natürlich freuen sie sich, wenn sie ein schönes Paar ergattert haben, aber auch nicht mehr als über ein cooles Shirt. High Heels trägt auch keine. Und wenn ich ihre Begeisterung für Schuhwerk mit der von meinen männlichen Freunden vergleiche, bemerke ich absolut keinen Unterschied.

Jeder Frau einen angeborenen Schuhtick zu unterstellen, ist damit einfach nur saublöd.

Nichtsdestotrotz HABE ich einen Schuhtick :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Allerdings fokussiert der sich auf ein einziges Modell, nämlich die viel kopierten, doch nie erreichten Converse Chuck Taylor All Stars!

Seit ich 16 bin, also seit über 11 Jahren, trage ich keine anderen Schuhe mehr und besitze auch sonst keine. Einzige Ausnahme: die „süßen“ Riemchendinger (ja, ich weiß nicht mal, wie man die nennt), die ich bei meiner Abifeier trug und meine Springerstiefel, die ich aber nur zu Kostümen oder ganz selten mal im Winter anziehe.

Womit wir auch beim Thema wären: Winter. Haben wir nämlich gerade. Und das, meine lieben Freunde, ist die perfekte Zeit, den Converseschrank zu füllen.
Denn gefüllt werden muss er leider, da ich letztes Jahr feststellen musste, dass ich, obwohl ich 10 Jahre lang UK-Größe 5 (siebenunddreißigeinhalb) trug, nun inzwischen 5,5 (achtunddreißig) brauche. Die Füße verändern sich eben auch im Leben und meine zwar goldig-kleinen, aber breiten Füße sind mit der Zeit noch breiter geworden.
Heißt, dass ich die Schuhe der letzten 10 Jahre leider nicht mehr so komfortabel tragen kann, wie das mal der Fall gewesen war *schnüff*

Aber zurück zum Winter. Kein Mensch trägt im Winter Chucks. Außer eben Freaks wie ich. Und daher kann man in dieser Jahreszeit die größten Schnäppchen ergattern, weil sämtliche Verkäufer den Scheiß auf Ebay für Niedrigstpreise raushauen!

Größte Frage dabei immer: die Farbe. Converse gibt es in allen Regenboggenfarben und genau das macht sie so toll. Man findet immer eine Farbe, die perfekt zum jeweiligen Oberteil passt, und unter einer Jeans sehen Converse immer cool aus.
Mein Traum wäre es ja, irgendwann Converse in allen Farben zu besitzen, die ich mag, aber die Finanzen stehen dem leider entgegen. Daher besitze ich momentan nur zwei Paare (nebst den obligatorischen schwarzen):

Meine Süßen!

Saubere Chucks sind asozial!

Die blauen zu finden war dabei noch am schwersten. Ich mag das Marineblau nicht besonders, das zur Standardfarbe von Converse gehört. Das ist mir zu gedeckt. Aber Blau sollte es beim letzten Mal eben sein. Nur welches?
Letztendlich konnte ich mich nicht wirklich entscheiden und bestellte gleich drei Paare in verschiedenen Blautönen: einmal ein phänomenales, sehr edles marrokkanisch-blau, dann ein supersüßes vivid blue und schließlich das oben zu bewundernde dazzling blue.
Die Entscheidung fiel mir schwer, aber schließlich war die Wahl getroffen. „Dazzling“ musste es sein, weil die Converse mit dieser Farbe als einzige ein klassisches Converse-Logo in rot-blau aufwiesen, statt eines Logos in schwarz.

Das ist alles schön und gut, aber drei Paare reichen doch nun wirklich nicht, um den Sommer zu überstehen! Behaupte ich jetzt einfach mal. Eigentlich ist das Schwachsinn, denn ich bin jahrelang mit nur einem paar Converse pro Jahr ausgekommen. Aber naja… ich WILL jetzt einfach noch ein Paar! Einfach, weil ich es gerade kann und weil Winter ist!

Wichtigste aller Fragen, wie immer: Welche Farbe soll es nur sein? Blau und Grün sind abgehakt, aber wie geht es weiter?

Schwere Entscheidung!

Gelb? War zwar toll beim letzten Mal, aber irgendwie hab ich da gerade keine Lust drauf.

Rot? Diese Farbe haben meine meisten Chucks (die ich aber, wie gesagt, nicht mehr anziehen kann). Passt zu fast allem, aber naja, auch darauf habe ich gerade irgendwie keinen Bock. Irgendwie langweilig!

Braun oder grau? Das ist die eher gedeckte Variante. Ehrlich gesagt liebäugle ich schon seit Jahren mit einem schönen grau. Aber da ist das Problem: Graue Chucks würden unter meiner braunen Lederjacke dumm aussehen! Umgekehrt ist es das gleiche (braune Chucks, meine schwarze Lederjacke).

Violett? Oh, die würde ich sofort nehmen!!! Als ich die das erste Mal sah, schlug mein Herz Purzelbäume. So eine schöne, kräftige Farbe! Wie die so gut mit meinem Batmanshirt in lila aussehen würden!
Nur sind diese Schuhe nirgendwo mehr zu finden! Jedenfalls nicht in billiger. Überall wird einem nur dieses ekelhafte Lavendel nachgeschmissen, das ich nicht mal anziehen würde, wenn ich ansonsten barfuß laufen müsste!
Ich kann nicht mal rausfinden, ob es die noch zum normalen Preis gibt. Wer auch immer die deutsche pseudocoole Converse-Seite erfunden hat, sollte an die Wand gestellt werden. Kuckt sie euch an… es ist ein absolutes Desaster!

Ich denke, ich werde mal neue Wege gehen, und zwar ganz fein mit bordö. Eigentlich ist mir die Farbe nicht strahlend genug, weshalb ich diese Standardfarbe noch nie gewählt habe, aber andererseits wäre das mal was anderes als neues als das normale Rot.

Oder was GANZ anderes? Hach, Probleme über Probleme!

Was sagt ihr dazu? Welche Farbe ist eure Favoritin zur Schmückung meiner phänomenal attraktiven Füßchen?

Ach, übrigens passt dieser Beitrag (den ich allerdings schon länger schreiben wollte, es kam mir nur immer was dazwischen) ganz besonders gut, weil die Testfamilie gerade Schuhgutscheine verlost, aber nur noch heute! Also eilt euch!

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#aufschrei: Ein dummes Lämmlein blökt zurück

Nerdbarbie hat mir unter meinem letzten Blogpost den Artikel Das Schreien der Lämmer von Frau Meike geliefert. Als ich ihr meine ausführliche Meinung dazu posten wollte, merkte ich, dass dies den Rahmen der Kommentarspalte eindeutig sprengt, sowohl hier, als auch bei Frau Meike. Dennoch möchte ich Frau Meike darlegen, warum ich ihren Artikel, O-Ton, „ziemlich schlecht“ fand – gerade weil er in der  momentanen Sexismusdebatte immer wieder als sachliche Gegenstimme zitiert wird, obwohl er in meinen Augen zahlreiche nicht zu übersehende Schwächen hat.

Liebe Meike,

dein Blogpost hat mir leider einige Ansätze geliefert, die ich so auf keinen Fall unterschreiben kann, weshalb ich ihn, wenn auch nicht unbedingt vom Grundgedanken, jedoch von der Ausführung her nicht gut finde. Ich möchte dir erklären wieso.

Beginnen wir mit deinem ersten Kritikpunkt, Die Verquickung von z.B. Sexismus und Kindesmissbrauch, Sexismus und Vergewaltigung, Sexismus und körperlichen Übergriffen. Hier hältst du fest, dass sexuelle Gewalt bagatellisiert würde, wenn man sie mit Sexismus in einem Topf wirft. Kindesmissbrauch und Vergewaltigung seien ja viel schlimmer, ein Verbrechen.

Hier direkt zwei Probleme.
Erstens: „Sexismus ist kein Verbrechen“ – das kann man so nicht sagen. Im Grundgesetz ist der Schutz vor Sexismus verankert. Je nachdem, wer sich wo und wie sexistisch äußert oder handelt, kann ganz empfindliche Strafen erhalten – beispielsweise der Chef, der einen Mann befördert, obwohl eine Frau da wäre, die besser qualifiziert wäre. Die Arbeitsgerichte sehen sowas gar nicht gern!
(Falls du jedoch „Verbrechen“ im juristischen Sinne meinst, dann sei dir gesagt, dass sexueller Missbrauch von Kindern nach §176 StGB auch nur in schweren Fällen ein Verbrechen ist)

Zweitens: Du kritisierst die Vermengung der Begriffe, ohne deinerseits eine ordentliche Definition zu liefern. Nach dem, was du schreibst, kann man aber leider nicht davon ausgehen, dass du weißt, worum es sich bei den genannten Taten im einzelnen genau handelt. Sexuelle Gewalt scheint bei dir irgendwie nur als „Penis in Vagina“ zu existieren.
Alles andere ist bagatellisierend? Tja, sexuelle Gewalt ist aber viel mehr. Auch Kindesmissbrauch ist viel, viel weitgehender, der kann sogar schon anfangen, wenn das Kind nicht mal berührt wird. Bei vielen Missbrauchsfällen kommt es nie zur Penetration… und wenn, ist das schon schwerer Missbrauch. Wissen die meisten nicht, ist aber so.

Ist jeder Vergewaltiger ein Sexist? Spontan würden das wohl viele bejahen, aber wenn man etwas drüber nachdenkt, muss man wohl zum Schluss kommen, dass diese Einschätzung zu einfach ist. Bei manchen mag das sicher zutreffen, aber die meisten Vergewaltiger werden sich über ihre Opfer nicht hermachen, weil sie Frauen sind und Frauen für sie per se weniger wert sind, sondern weil sie sich einfach nicht unter Kontrolle haben. Für viele steckt da wohl kein richtiges Schema dahinter – zumindest keines, dem sie sich bewusst sind.

Ist jeder, der Kinder missbraucht, ein Sexist? Das wohl noch weniger. Echten Pädophilen ist es scheißegal, ob ihr Opfer männlich oder weiblich ist, es zählt allein die Kindlichkeit. Und der große Rest, der Kinder missbraucht, tut dies einfach, weil sie – die Kinder – gerade da sind; sie werden zum „Ersatzobjekt“. Das Geschlecht ist beim Kindesmissbrauch recht nebensächlich, auch wenn immer noch mehr Mädchen als Jungen missbraucht werden.

Damit kommen wir zur sexuellen Belästigung, die deiner Meinung nach überhaupt nichts mit Sexismus zu tun hat. Ich mach es kurz: Du liegst falsch. Wer mich „Fotze“ nennt oder mir ungefragt an die Brüste packt, während er schmierig grinst, macht sich nicht nur juristisch der Beleidigung bzw. der sexuellen Belästigung schuldig, sondern zeigt ausgeprägte sexistische Züge. Ein mir entgegen geschleudertes „Fotze“ dient nicht der sexuellen Befriedigung des Täters, sondern soll mich einfach nur demütigen, mich in meiner Weiblichkeit abwerten, indem ich auf mein primäres Geschlechtsorgan reduziert werde, ich zu einem Loch werde, womit systematisch und gewollt meine Grenzen überschritten werden.

Was ist Sexismus, wenn nicht das?

Was dir irgendwie gar nicht auffällt: Mit der Forderung, doch bitte beim Thema Sexismus zu bleiben und die „Schlagworte nicht zu verquicken“, verbietest du im Grunde den Opfern sexueller Gewalt (für dich also lediglich Vergewaltigungsopfer und als Kind sexuell missbrauchte Menschen), sich bei der #aufschrei-Aktion zu äußern, die nun mal unter dem Titel „Sexismusdebatte“ in die Mediengeschichte eingehen wird, da beides ja in deinen Augen nichts (und wie du siehst, in meinen auch nicht so wirklich) mit Sexismus zu tun hat. Aber wer bist du, Frauen, die jahrelang still gelitten haben, zu sagen, dass sie jetzt bitte nicht im Eifer des Gefechts mit der Teminologie durcheinander kommen sollen? So von wegen Ohrfeige ins Gesicht aller Opfer?

Wenn eine Vergewaltigung und ein Kindesmissbrauch schon nicht sexistisch sind… der ständige Druck auf die Opfer, doch bitte nicht so ein Fass aufzumachen, ist es schon. Pola Kinski kann ein Lied davon singen.

Bei deinem zweiten Punkt, Das Ignorieren unterschiedlicher Wahrnehmungen fragst du dich, was sexistisch ist und was nicht und bringst Beispiele.
Ich finde den Punkt unnötig: Die Frauen, die bei #aufschrei mitmachen, empfanden die geschilderten Aktionen wohl in jedem Fall übergriffig, sonst würden sie ja nicht davon berichten. Es ist doch völlig egal, ob das nicht der Fall gewesen wäre, wenn die übergriffige Person eine andere gewesen wäre.
Ich habe auch einige Vorfälle gelesen, die ich nicht als Übergriff empfunden hätte, wenn sie mir passiert wären. Aber das ändert ja nichts an der Wahrnehmung der Frau, die es erlebte. Für eine Beurteilung vor Gericht wäre dieser Maßstab freilich nicht ausreichend.

Am Ende bleibt aber dennoch: Wenn hier jemand unterschiedliche Wahrnehmungen ignoriert, dann bist das doch leider du.

Dein Punkt drei, Die Weigerung vieler Frauen, Verantwortung zu übernehmen, ist mir auch absolut zu pauschal. Klar soll man lernen, sich zu wehren, aber wenn ich einem Kerl, der mir an den Busen grabscht, eine Ohrfeige verpasse, ändert das nichts daran, dass dieser Busengrabscher passiert ist und sich nicht rückgängig machen lässt. Vielleicht für die nächste Frau, vor deren Linse er gerät, aber mir persönlich bringt es nichts (außer Genugtuung), zumal man sich in unserer verdrehten Gesellschaft dann auch noch vorwerfen lassen muss, man wäre gewalttätig.

Ich mag das Wort „Verantwortung“ in diesem Zusammenhang nicht. Liegt es in meiner Verantwortung, wenn ein Mann mich begrabscht? Nein, das war seine eigene und exklusive Entscheidung. Nicht mal meine Klamotten kann man dafür verantwortlich machen, denn ich kleide mich nicht sehr weiblich.

Von wegen, Frauen sollen bei der Beseitigung des Problems auch mal tätig werden – ähm, das wird doch gerade gemacht!? Aber das ist auch wieder nicht richtig. Es wäre doof, Männern einfach zu sagen, dass sie sich ändern sollen. Aber warum soll ICH mich ändern, damit Männer mich nicht mehr begrabschen? Ich hab doch gar nichts gemacht!
Also: Wehren ja, wehren ist toll! – aber die Verantwortung für einen Übergriff hat niemand sonst als der Übergriffige selbst!

Schön finde ich es auch, dass du diese vielen Tweets liest und einfach so davon ausgehst, dass sich die Betroffenen in keiner Situation gewehrt haben. Steht das dabei? Nee, das erfindest du dazu.
Davon ab: Wie soll man sich in allen Situationen wehren? Manche geschehen so plötzlich, so schnell, so unerwartet, dass man einfach nur zur fassungslosen Salzsäule erstarrt. Wie soll ich mich wehren, wenn mir jemand aus einem vorbeifahrenden Auto „Ey Schlampe, zeig mal deine Titten“ entgegen brüllt? Ich bin nicht schneller als ein Auto!

„Man soll miteinander reden“, schreibst du, da die Männer ja nicht wissen können, ob sie sich noch auf angemessenen Flirtterrain bewegen oder doch schon übergriffig sind. Sorry, aber wie einfach kann man es sich eigentlich machen? Wer mich „Schlampe“ nennt oder mir in die Brust zwickt, dem muss ich doch wohl nicht erst erklären, dass ich sowas nicht als Auftakt zu einem aufregenden Flirt empfinde!

Verantwortung sollen doch bitte die Männer übernehmen, die sowas für normale Umgangsformen halten!

Dein Punkt vier, Die Opferhaltung vieler Frauen, die sich in der Debatte äußern zeigt ein Problem auf, das mich auch immer wieder ankotzt, nämlich die durch und durch negative Konnotation des Wortes „Opfer“. Es klingt immer so, als wären Opfer schwächliche, kleine Mäuschen, die nur ihr Gesicht in den Armen vergraben und gar nichts machen können.

Ich bin kein Mäuschen, aber wenn ich sexuell belästigt werde, bin ich trotzdem ein Opfer, nämlich eines der sexuellen Belästigung. Das ist für mich völlig wertfrei!

Victim Blaming, Opferbeschuldigung, sagt schon viel aus, nur ist es meistens nicht auf das konkrete Ereignis beschränkt, indem man dem Opfer eine Mitschuld zuschiebt und ihm damit Komplizenschaft unterstellt („Na, wenn du SO rumläufst…!“ – „Selbst Schuld, wenn du nachts allein unterwegs bist“ – „Du hast bestimmt falsche Signale gesendet“) sondern man wird schon einfach so beschuldigt, nur weil man Opfer ist. Man ist scheiße, weil ein anderer Mensch sich dazu entschlossen hat, einen anzugreifen. Classic!

Ich bin mit dir einer Meinung, dass Frauen öfter mal auf den Putz hauen und sich wehren sollten. Aber DAS geht in meinen Augen nicht klar. Auch geht es nicht, dass du deine Geringschätzung echten Opfern gegenüber damit begründest, noch nie selbst in solche Situationen gekommen zu sein. Du schreibst das, als wärst du stolz darauf, als wäre das dein eigener Verdienst. Aber das ist es nicht – du hast, falls das stimmt, einfach nur Glück gehabt.

Netzwertig meldet, dass in nur zwei Tagen 25.000 Tweets mit dem Hashtag #aufschrei über den Schirm gelaufen sind. Weißt du wahrscheinlich, denn du wurdest mit deinem „differenzierten Blickwinkel“ verlinkt.

Jetzt überleg mal: 25.000 Tweets, „ohne Spam“! Was das für ne Masse ist!

Natürlich kann man die nicht alle zählen. Ich nehme an, Trolle wurden nicht herausgefiltert, wie sollte das auch gehen? Dafür müsste man jeden Tweet einzeln lesen.
Nehmen wir mal (ganz hoch angesetzt) an, bei drei Fünfteln der Tweets handelt es sich um Trollerei oder um Aphorismen. Dann bleiben immer noch 10.000 Geschichten von Frauen und den sexuellen Übergriffen, die sie erlebt haben. Nach deiner eigenen Schätzung („60% der Schilderungen fand ich erschreckend, der Rest Pillepalle“) sind das immer noch 6000 Tweets, die schockierende Erfahrungen mit sexueller Gewalt zum Thema haben! Und das in zwei Tagen! Kannst du mit dieser Zahl vor Augen immer noch so relativieren, wie du es in deinem Blogpost getan hast?

Dazu möchte ich anmerken: Ich kenne niemanden persönlich, der Twitter benutzt. Keine einzige meiner Freundinnen ist bei Twitter. Twitter ist für mich eine Randerscheinung, ein Special Interest für Leute, die sich ohnehin überwiegend im Netz aufhalten und es mitgestalten. Meine Freundinnen nutzen das Internet, um Nachrichten zu lesen, Youtubevideos zu kucken, Konzertkarten oder Flugtickets zu bestellen, Rezepte zu suchen, auf Facebook rumzugammeln, was bei Wikipedia nachzuschlagen, nach der korrekten Rechtschreibung eines Wortes zu suchen oder Antworten auf Fragen wie „Wie entfernt man Kaugummi aus Haaren?“ oder „Darf man Spülmittel in die Spülmaschine tun?“. Das wars. Und meine Freundinnen sind damit nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die meisten Deutschen, ob Frau oder Mann, nutzen Twitter nicht. ICH habe Twitter nicht genutzt. Konkrete Zahlen sind schwer zu bekommen, aber es ist unübersehbar, dass Twitter im Vergleich zu Facebook und Co. gewaltig abstinkt.

Trotzdem diese vielen Beiträge. In zwei Tagen. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Auch nicht durch die gebetsmühlenartige Wiederholung der Versicherung, dass man SELBST nie sowas erlebt hat.
Ganz ehrlich: Ich glaube dir das nicht. Bist du wirklich noch nie „Schlampe“ oder ähnliches genannt worden? Hat noch nie ein Mensch, den du nicht mal kanntest, eine unangemessene Bemerkung über dein Aussehen oder deine Brüste oder Hintern gemacht?
Wenn es wirklich so ist: Herzlichen Glückwunsch. Ich beneide dich. Nur muss  ich dir leider sagen: Das ist vollkommen egal. Kaltmamsell hat dazu einen wunderbaren Artikel geschrieben, den du dir mal zu Gemüte führen solltest. Sie schreibt ebenfalls, dass sie sowas noch nie erleben musste, aber kommt zu einem komplett anderen Schluss. Ihrer lautet: „Es geht nicht um mich.“

Wenn es tausende Frauen allein auf Twitter, dem Minderheitenmedium, gibt, die von ihren Erlebnissen berichten, dann ist es doch völlig unwichtig, dass du sowas noch nie erlebt hast. Das beweist gar nichts, höchstens, wie gesagt, dass du ein besonderes Glückskind bist. Aber damit hast du nicht den Beweis geliefert, dass sexuelle Gewalt in Deutschland kein Thema ist. Nein, du hast lediglich den Männern in die Hände gespielt, die tausend Tweets mit Leichtigkeit ignorieren können, solange nur eine Frau sich hinstellt und sagt: „Das ist doch gar nicht schlimm.“

Bei Punkt 5, Nicht alles ist Sexismus, stimme ich dir bis zu einem gewissen Grad zu, aber ich glaube, das ist schlicht und ergreifend momentan egal. #aufschrei ist zu einem Selbstläufer geworden, der keinen klaren Richtlinien unterworfen ist, weil die Erfinderinnen niemals auch nur im Traum erwartet hätten, was für eine Lawine sie da lostreten könnten. Das in dieser Debatte, wie in eigentlich jeder Debatte, nicht alles astrein läuft und dass vieles möglicherweise auch übertrieben wird, liegt in der Natur der Sache. Dieser einzigartigen, großartigen Sache, die so viele Frauen dazu gebracht hat, endlich ihr Schweigen zu brechen und damit auf eine Weise tätig zu werden, die du einerseits forderst, andererseits aber verurteilst. Wenn dabei teilweise über das Ziel hinaus geschossen wird – sei es drum! Momentan will sich jede nur Luft machen und das ist auch dringend nötig. Niemand will Männer verletzen, die sich Frauen gegenüber respektvoll verhalten und von den ganzen geschilderten üblen Vorfällen tief betroffen sind (schämen müssen die sich übrigens nicht – warum auch, wenn sie nichts gemacht haben?).

Ich finde #aufschrei einfach gigantomanisch. Vielleicht könntest du dich darauf mehr einlassen, wenn du mal über folgendes nachdenken würdest: Nicht alles ist KEIN Sexismus.

Damit bin ich fast am Ende, habe aber noch eine letzte Frage. Du schreibst direkt zu Anfang:

Dennoch möchte ich sagen, was mich wütend macht und warum.

Du hast mit mehr oder weniger schlüssigen Argumenten dargelegt, was dich an der Debatte gestört hat, aber das Warum hast du nicht beantwortet. Daher noch mal die Frage: Warum macht dich das so wütend? Warum kannst du nächtelang deswegen nicht schlafen? Warum heulst du deswegen? Warum schreibst du sechs Stunden lang an einem Blogpost, der einzig zum Ziel hat, diese Aktion schlecht zu reden? Warum nutzt du die letzten Sätze deines Posts, um deine übertriebene emotionale Betroffenheit herauszustellen?

Was stört dich denn so daran, wenn Frauen endlich gemeinschaftlich von Übergriffen sexueller und sexistischer Art berichten, die nicht okay sind, egal wie oft sie noch relativiert werden?

Ich fürchte, dieser Post wird dir nicht gefallen. Es lag mir fern, dich zu beleidigen, auch wenn ich mich selbst von deinem Post ein wenig beleidigt gefühlt habe. Das Beste daran war leider der Titel.

Sorry.

lg
Robin

Edit: Mehr Contra: 

Haltungsturnen: Derailing und die Lämmerfrage
Frau Elise: Wir sind keine Lämmer
Und allgemein:
Natalie: Aufschrei-Argumente
Journelle: Danke #aufschrei

Mädels, join the #Aufschrei!

aufschrei

„Qualitätsmedien“ wie die BILD schreiben immer wieder: „Nachdem die Ereignisse bekannt wurden, ging ein Aufschrei durch Deutschland!“

Tja, dieses eine Mal stimmts.

Inzwischen dürfte es wohl jeder mitbekommen haben: Rainer Brüderle macht eine Journalistin blöd an und die schreibt darüber einen Artikel, der eine Sexismusdebatte auslöst, die ich in dieser Form niemals erwartet hätte.

Ich möchte überhaupt nicht darüber diskutieren, ob das Vorgehen der Journalistin so ganz astrein war, denn dass die Tatsache, dass dieser Artikel erst ein Jahr nach dem Vorfall erschienen ist und daher ein „Geschmäckle“ hat, ist schon zur Genüge und erschöpfend breit getreten worden. Ich finde, beide Seiten haben gute Argumente, ich bleibe aber trotzdem bei meiner Meinung, dass dieser Artikel gut ist, so wie er ist, auch wenn man ihn schon vor einem Jahr hätte veröffentlichen können.

Ob er trotzdem die gleichen hohen Wellen geschlagen hätte? Wer weiß! Aber DAS er Wellen geschlagen hat, ist unbestreitbar. Von den Blogs, denen ich folge – und das sind nur zum Bruchteil feministische Blogs – beschäftigten sich gut ein Viertel heute oder gestern mit dem Vorfall. Und es werden immer mehr!
Vor allem „Schuld“ an dieser tsunamiartigen Ausweitung der Debatte ist wohl Twitter, da ein paar fixe Leute auf die Idee gekommen sind, daraus eine Aktion zu machen. Unter dem hashtag #aufschrei erzählen seit einigen Tagen Frauen und Mädchen aller Altersklassen von ihren Erlebnissen mit dem alltäglichen Sexismus. Inzwischen ist das so groß, dass sich selbst die Mainstreammedien damit beschäftigen müssen (Onyx hat unter ihrem Beitrag zum Thema mal eine beeindruckende Liste mit Artikeln zusammengestellt… und das ist nur der Anfang!).

Und ich finde das ultrageil! Nie im Leben hätte ich gedacht, dass so etwas in Deutschland möglich ist. Was da zusammenkommt, das ist… shocking!

Es heißt von Feministinnen gerne, wir würden in einer Rape Culture leben, einer Kultur, die Vergewaltigung systematisch zulässt durch Opferbeschuldigung, lasche Strafen, wenn überhaupt bestraft wird etc.pp.
Ich fand den Begriff immer etwas reißerisch. Es passieren viel zu viele Vergewaltigungen, dennoch ist das jetzt nicht ein Problem, dem ich mich tagtäglich aussetze, indem ich nur einen Fuß vor die Tür setze. Auch gibt es viele, viele Menschen, die einfach nur übelste Hassgefühle kriegen, wenn sie hören, dass eine Frau vergewaltigt worden ist. Also nix mit Opferbeschuldigung und so weiter.
Man kann den Begriff durchaus kritisieren. In meinen Augen aber völlig unbestreitbar ist die Tatsache, dass wir in einer Belästigungskultur leben. Sexuelle Übergriffigkeiten sind an der Tagesordnung und wer das nicht glaubt, kann ja in diesen Tagen Twitter einschalten!

Ich habe keinen Twitteraccount, werde mir aber in den nächsten Tagen einen anschaffen. Zu beeindruckt bin ich von der Macht dieser Plattform, die sich mir hier demonstriert.
Das heißt aber nicht, dass ich darauf verzichten muss, bei der #Aufschrei-Aktion mitzumachen. Im Gegenteil, ich brenne darauf, meine Erlebnisse nieder zuschreiben… nur halt eben hier! Und ich fände es einfach nur wundervoll (seltsame Wortwahl in diesem Zusammenhang, aber es ist halt so), wenn wirklich jede Bloggerin da mitmachen würde. Man muss keinen Blog mit feministischen Inhalten betreiben, um seine Erlebnisse mit dem alltäglichen Sexismus mit der Welt zu teilen, denn das ist ein Thema, das jede Frau und jedes Mädchen betrifft, da wir ALLE schon mal Opfer solcher Übergriffe geworden sind… oder bezweifelt das immer noch jemand?

„Männer nehmen den alltäglichen Sexismus gar nicht wahr“ titelt Spiegel Online. Tja, lasst uns doch einfach eine so gigantische Informationsbombe zünden, dass die gar nicht anders können, als es wahrzunehmen!! Viel ist ja schon erreicht, aber da geht  doch noch mehr! Twittert, schreibt auf Facebook, redet mit Freunden drüber, bloggt, tut was euch sonst noch so einfällt, aber bitte tut was und brecht euer Schweigen! Denn irgendwas liegt in der Luft. Es ist vielleicht mal wieder viel zu optimistisch, aber irgendwie glaube ich, dass diese ganze momentane Debatte das Zeug dazu hat, tatsächlich mal langfristig etwas zu verändern.

Und nach dieser langen Vorrede… mein #Aufschrei!

Ich bin ja manchmal etwas schizophren unterwegs. So bin ich ja eigentlich gegen Gewalt, aber ne saftige Klatsche, zumindest im Geiste, da leider in der Realität nicht passiert, möchte ich dennoch an folgende Personen senden.

Da wären die widerlichen Typen, die mir und meinen Freundinnen, als wir gerade aus der Bahn steigen wollten, an den Arsch gepackt und dabei gröhlend gelacht haben. Und wenn ich „gepackt“ schreibe, meine ich gepackt!

Oder der Kumpel, der mir, die ich mich an dem Abend besonders sorgfältig zurecht gemacht hatte und mir in dem edlen Top mit tiefen Ausschnitt besonders hübsch vorkam, nach dem Discobesuch im Subway vor dem vollbesetzten Laden an den Kragen packte und versuchte, mein Top herunter zu ziehen. Ich konnte mich noch eben so retten, so dass lediglich eine Freundin, die mir gegenüber saß, einen Nippel zu sehen bekam. Das wurde mir am nächsten Tag immerhin reuevoll mit einer Rose und einer Packung Merci vergütet. Trotzdem!

Das dumme Arschloch, das meiner besten Freundin, als die in ihm einen Klassenkameraden von der Berufsschule erkannte und lächelnd auf ihn zu trat, blitzschnell in die Hose und damit in den nackten Schritt gegriffen hat, während seine Freunde ihn umringten und der Aktion applaudierten. Das geschah am hellichten Tag mitten in der Stadt und ich stand daneben!

Frauen können auch scheiße sein. Zumindest die unsensible, saublöde Frauenärztin, die ich mit meiner Mutter beim ersten Auftreten von diffusen Bauchschmerzen mit 11 Jahren aufsuchte und die keinen Gedanken daran verschwendete, dass ich es vielleicht unangenehm finden könnte, wenn ich auf den Stuhl und meine Vagina weit öffnen muss, während meine Mutter genau davor sitzt und einen so guten Blick auf UND IN meine Genitalien hat, dass sie praktisch schon ihren ungezeugten Enkeln Hallo sagen konnte!

Da wär noch der ekelhafte Schwanz, der die Freundlichkeit, mit der wir ihn bei Rock am Ring an unser Feuer eingeladen haben, damit vergütete, dass er mir, als ich gerade mit einem Freund neben ihm redete und kurz wegsah, in die linke Titte kniff. Das war nicht nur scheiße, das tat sogar richtig weh!!!

Dann die vielen, vielen Assis, die den fröhlichen Marsch meiner besten Freundin und mir in Richtung Disco jedes verdammte Mal mit einem aus dem heruntergekurbelten Autofenster gerufenen „Fickeeeen!“ beendeten!

Oder der Blogger, der ein Lifestyle-Autor sein will, aber einfach nur ein Arschloch ist, der sich nicht zu blöd ist, Frauen, die seine Meinung nicht teilen, zu unterstellen, sie müssten wohl mal wieder gefickt werden, was von seinem degenerierten Fanclub johlend kommentiert wird, und der außerdem abgrundtief böse genug ist, über Missbrauchsopfer abzulästern und gar Frauen, die sowas nicht erlebt haben und die er nicht leiden kann, sein Bedauern über diesen Umstand auszusprechen.
Diesem Kerl würde ich keine Ohrfeige verpassen. Ich wünsche mir schlicht und ergreifend, dass er Krebs kriegt und stirbt!

Schön war auch der zurückgebliebene Sack, der bei meinem Betriebspraktikum in der 9. Klasse in einer Druckerei auf Nachfrage überrascht ausstieß: „Nein, Frauen können keine Druckermeister werden! Dafür muss man gut sehen können!“

Mit besonderer Liebe  denke ich auch an den stinkigen Bastard zurück, der mich, ein sechszehnjähriges Mädchen, im Park in einen schraubstockartigen Griff nahm und meinen Hals küsste und in mein Ohr stöhnte!

Und last, but not least: Die beschissenen kleinen Arschlochkinder, die mich, ich kann nicht älter als sechs Jahre gewesen sein, im Wald zwangen, mich ganz nackt auszuziehen, damit sie die weibliche Anatomie am lebenden Objekt studieren konnten!

…und das sind nur die Vorfälle, die mir spontan einfallen!

Ich möchte nicht, dass das falsch verstanden wird: Ich glaube nicht, dass mich etwas davon nachhaltig traumatisiert hat (bis auf den letzten Vorfall… dafür spricht, dass ich diesen gut 7, 8 Jahre nicht nur verdrängt, sondern VERGESSEN hatte). Aber SCHÖN war es auch nicht, verdammte Scheiße!!!
Es ist nicht unbedingt die Qualität einer Belästigung, die einem das Leben schwer macht, sondern einfach die pure Masse. Es ist nicht die Art der Waffen, die entscheidend ist, sondern wie man sie einsetzt. Wassertropfen sind harmlos, aber in der chinesischen Wasserfolter werden sie, permanent auf die Stirn eines Folteropfers fallend, dennoch zu einer wirksamen Methode, einen Menschen in den Wahnsinn zu treiben.

Und so ist es auch mit Belästigungen. Sie sind die Wassertropfen, die Hass in dir wecken, die dich vom Schlafen abhalten, dir die Laune versauen, dich dazu bringen, dass du dich in dem süßen Kleid, das du gerade noch so hübsch gefunden hast, nicht mehr wohlfühlst, weil sich wieder mal ein Arschloch dazu genötigt gefühlt hat, eine Bemerkung über deinen Arsch oder deine Titten fallen zu lassen. Immerhin hast du mit dem Fetzen Stoff ja auch ein Signal gesendet, also bist DU schuld, weil du Arsch und Titten hast.

Wir sind nicht Schuld, wenn Männer gegen uns übergriffig sind. Wir sind Frauen. Und Frauen werden tagtäglich von schwanzlosen kleinen Wichsern überall in Deutschland auf der Welt zu Opfern gemacht.
Das traumatisiert uns vielleicht nicht, aber es verdirbt uns zumindest temporär den Spaß am Leben. Und manchmal, viel zu oft, macht es uns auch Angst. Das ist nicht okay! Und es gibt so vieles, was mich ankotzt, was aber so alltäglich ist, dass sich kaum das Aufschreiben lohnt. Der abschätzige Blick von oben bis unten, mit dem ich mal eben abgecheckt werde. Die Hand, die ich, höflich wie ich bin, zur Begrüßung gereicht habe, und die einfach nicht mehr losgelassen wird. Die vielen „Fotze“-, „Schlampe“-, „Titten raus“-Rufe, die ich in meinem Leben schon hören musste. Die Kommentare, die ich kassiere, wenn ich aus dem Haus gehe ohne mich zu stylen, und die Kommentare, die ich kassiere, wenn ich es tue. ES NERVT!!!

Liebe Frauen und Mädchen, die ihr das hier liest. Viele machen schon bei dieser Aktion mit. Bitte tut das auch. Lasst uns die Wassertropfen sammeln, die so harmlos sind, aber unser Leben trotzdem manchmal zur Hölle machen, und gemeinsam erschaffen wir damit eine Flut, die vielleicht einen Damm brechen kann. Und wenn es nur der Damm ist, der die ganzen „Sowas passiert bei UNS doch nicht“-Laberern vor der Realität bewahrt. Die Gelegenheit war nie so gut wie jetzt, also macht es wie Maike, JaySue, Ninia, Mina, Theodoraa, Picki, Ina, Antje, Claudia, Frau Auge, AufZehenspitzen, Merle, Kris, die Femgeeks, Nele, Hopskuller, Nonalicious, Lisa, FlauschHanu, Cloudette, Hermione,
Sachensucherin, Katrin und die vielen anderen Bloggerinnen, die über oder von Übergriffen geschrieben haben und die man wohl unmöglich alle lesen kann (ich musste nicht gerade lange suchen für diese Liste!). Knallt den Männern eure Erlebnisse in die Fresse, auf dass sie endlich kapieren, dass dies ein Problem ist, welches man nicht weglabern kann, indem man die Betroffenen veräppelt!!

Wir sind Frauen und wir sind viele. Zeit, dass die richtigen Leute das merken!

Die Selbstdemontage des Feminismus, erklärt am Beispiel von ein bisschen Schuhwichse

Im einführenden Post zu meinem Verständnis von Feminismus hatte ich ja schon angesprochen, wie wenig ich mich von der derzeit wohl führenden Strömung des Feminismus vertreten fühle. Dazu möchte ich euch hier nun eine Story darlegen, wie sie beispielhafter nicht sein könnte.

Wenn man sich ein bisschen mit Netzfeminismus beschäftigt, kommt man an der Mädchenmannschaft nicht vorbei, also habe auch ich dort ab und zu gelesen, seitdem ich blogge. Besonders angeturnt hat mich die Seite aber nie: Von Anfang an konnte ich über den Wust an undurchsichtigen Fachwörtern nur die Stirn runzeln (was ich von gegenderter Sprache halte, habe ich ja auch schon dargelegt), die viele Texte für mich unverständlich gemacht haben, auch kann ich mit verlinkten englischen Texten nicht viel anfangen (ja, mein Englisch ist scheiße! Verklagt mich doch!).

Aber naja, die Mädchenmannschaft scheint eine Institution zu sein, daher war es nicht verkehrt, ab und zu zu spicken. Und es wurde sogar mal so richtig mysteriös, als die Mädchenmannschaft anlässlich ihres fünften Geburtstages zur Feier lud – und es danach schien, als wäre die Party zum absoluten Massaker eskaliert.

Was war passiert? Nun, die Veranstalterinnen hatten den verhängnisvollen Fehler begangen, einige Organisatorinnen des Berliner Slutwalks einzuladen.
Slutwalk? Dahinter steckt die Idee, als Frau jederzeit so rumlaufen zu dürfen, wie es einem beliebt, ohne angepöbelt, angepackt oder vergewaltigt zu werden. Keiner hat das Recht dazu, auch wenn man mit Netzstrumpfhosen, XS-Rock ohne Höschen und bauchfrei wie eine „Schlampe“ daher kommt. Dafür gehen die Slutwalkerinnen (mit oder ohne entsprechendem Outfit) auf die Straße und demonstrieren für sexuelle Selbstbestimmung.
Soweit cool und richtig, aber dass Frauen sich selbst als Schlampe bezeichnen, darf man als Frau und Feministin natürlich scheiße finden. Ich fand es anfänglich auch etwas befremdlich, kann die Denke dahinter aber nachvollziehen.

Darum ging es bei der Diskussion vordergründig aber gar nicht, man höre und staune. Was aber das eigentliche Thema war, was gesagt und getan wurde, was denn jetzt so schlimm war, darüber gibt auch der entsprechende Artikel bei der Mädchenmannschaft nicht viel Auskunft. Die Slutwalkerinnen waren jedenfalls die Schuldigen (wobei natürlich alle anwesenden weißen Menschen irgendwie schuldig waren – also, weil die ja weiß sind). Es wurden jedenfalls „rassistische Reproduktionen“ geliefert, „weiße Überlegenheitsgesten“ zur Schau gestellt und „Umkehrungsrhetoriken“ waren schließlich auch noch dabei.

Klingt ja erstmal… spannend. Das macht doch neugierig. Wenn eine Freundin in Tränen aufgelöst zu mir kommt und schluchzt, dass ihr Freund sie beleidigt hätte, will ich ja auch als allererstes wissen, was der Arsch gesagt hat.
Aber eine Erklärung? Fehlanzeige. Auch auf anderen Blogs, welche diese unsäglichen Entgleisungen zum Thema hatten, fand ich keinen Hinweis auf die genauen Vorkommnisse. Ich bin also auf meine eigene Fantasie angewiesen, die mich in diesem Fall aber leider im Stich lässt.

Ich meine, „rassistische Reproduktionen“… ich weiß nicht mal, was das ist! Wie muss man sich das vorstellen? Hatten Beate Zschäpe und Anders Breivik auf der Bühne ungeschützten Sex?

Der ganze Mist spielte sich bereits im September ab, aber ich weiß immer noch nicht, was da genau gelaufen ist, genauso wie alle anderen, die nicht dabei waren (also ungefähr 80 Millionen Deutsche minus 100). Offensichtlich waren die Ereignisse so dermaßen traumatisch, dass man sie unmöglich öffentlich wiedergeben kann. Einig waren sich aber wohl alle darin, dass sowas NIE-NIE-NIE wieder passieren dürfe!

Ebenso waren alle der Meinung, dass die Slutwalkerinnen am beschissensten waren, weil die rassistisch sind. Das ist ja erstmal ein harter Vorwurf. Wie kommen die darauf?
Ganz einfach: Auf dem letzten Slutwalk sind ein paar Demonstrantinnen auf die Idee gekommen, sich mit Schuhcreme (ich gebe zu, ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, das Wort „Wichse“ in eine Artikelüberschrift einzubauen!) oder sonstwas Burkas auf ihre teilweise nackten Körper zu malen, zu sehen hier: klick

Und ab da war die Kacke am Dampfen.

Irgendjemand fing an, dies als „Blackfacing“ zu verurteilen und alle anderen übernahmen das völlig unreflektiert, vielleicht, weil der Begriff anders als so viele andere Termini des Netzfeminismus so leicht verständlich und durchschaubar ist.

Blackfacing im Klu-Klux-Klan-Epos "Birth of a Nation"

Blackfacing im Klu-Klux-Klan-Epos „Birth of a Nation“

Blackfacing bezeichnet im Übrigen die ehemals weit verbreitete (und teilweise immer noch vorhandene) Praxis im Theater, Film etc., weiße Schauspieler oder Schausteller auf schwarz zu schminken. Damit wurden in Varietees gerne schwarze Menschen bloßgestellt und veralbert, zudem konnte man den für Rassisten natürlich unzumutbaren Zustand umgehen, mit Original-schwarzen Schauspielern arbeiten zu müssen. Auf Theaterebene dürfte das bekannteste Beispiel für eine geblackfacte Rolle wahrscheinlich „Othello“ sein.

blackface2

Geht auch umgekehrt.

Blackfacing ist also an sich ziemlich scheiße. Doch hier kommen wir direkt zum Ausgangsproblem dieser ganzen saublöden Diskussion, das darum auch das Schlimmste ist: Was die Slutwalkerinnen gemacht haben, IST KEIN BLACKFACING.

Ich hatte vor Wochen das zweifelhafte Vergnügen, mit einer Feministin im echten Leben darüber zu diskutieren. Die Bereitschaft, einfach mal einzusehen, dass hier jemand voreilig ein falsches Etikett draufgeklatscht hat, ging völlig gegen Null. Und selbst WENN es kein Blackfacing wäre, so ihre Argumentation, ist es ja immer noch rassistisch, dass hier mutmaßlich deutsche Frauen gegen Burkas demonstrieren, da sie damit in unangemessener, kolonialistisch anmutender Weise für die besagten Burkaträgerinnen sprechen, obwohl sie selbst nicht betroffen sind. Dies scheint im Übrigen nicht ihre exklusive Meinung zu sein, sondern ist u.a. bei der Mädchenmannschaft und Feministinnen ähnlicher Couleur wohl inzwischen anerkannter Konsens.

So. Und da muss ich ganz ehrlich fragen: Habt ihr alle den Arsch offen?!

Es kann doch wohl nicht sein, dass Frauen, die es scheiße finden, dass andere Frauen gezwungen werden, sich zu verschleiern, als Rassistinnen bezeichnet werden!! Ich glaub es hackt!
Das Verschleierungsgebot im Islam ist sexistisch und zum Kotzen und das sollte doch wohl feministischer Konsens sein! Was das mit Rassismus zu tun hat, erschließt sich mir übrigens immer noch nicht. Ehrlich gesagt finde ich es weitaus rassistischer, die Kritik an einer Religionsgemeinschaft als Rassismus zu bezeichnen, weil dies impliziert, Anhänger dieser Religion würden alle miteinander zu einer anderen Rasse gehören. Das hatten wir in Deutschland doch schon, das ist langweilig!
Moslems gibt es überall auf der Welt! Es gibt schwarze Moslems, arabische Moslems, moslemische Latinos, asiatische Moslems und nicht zuletzt weiße Moslems. Schwarze und arabische sind wohl global in der Überzahl, aber dennoch: Wie kann eine Kritik gegen des Islam bzw. eine dort verbreitete sexistische Praxis rassistisch sein? Islamophobisch – okay! Aber rassistisch, nein, das geht nicht klar!

Viele Frauen werden sich wohl erstmals mit feministischen Ideen auseinander setzen, wenn sie als Mädchen bemerken, dass andere Mädchen vieles nicht dürfen, was in Deutschland selbstverständlich ist. Dass Mädchen in anderen Ländern oft nicht lesen und schreiben lernen dürfen, zum Beispiel. Oder eben, dass sie sich verschleiern müssen, während gleichaltrige Mädchen hier die Qual der Wahl zwischen einem „Hello Kitty!“-Shirt und einem „Emily the Strange“-Tanktop haben. Das ist ein super Nährboden für weitere feministische Anliegen, denn diese Mädchen werden irgendwann den Blick zurück nach Hause richten und merken, dass hier ebenfalls noch viele, viele Dinge sehr, sehr falsch laufen.

Damit könnte eine neue Feministin geboren sein. Super! Nur leider passiert das nicht. Was glaubt ihr, wie sich ein solches Mädchen vorkommen würde, wenn sie mit der Vorstellung, dass Burkas sexistisch sind, auf erfahrenere Feministinnen trifft und dann angeklagt wird, eine Rassistin zu sein? Das ist ja mal so ein richtiger Schlag in die Fresse für einen Newbie! Und ein erfolgreicher noch dazu, denn dieses Mädchen wird sich auf dem Absatz umdrehen und wegrennen!
Und da wären wir bei der Selbstdemontage. Solche Inhalte und vor allem solche Anfeindungen gegen interessierte Menschen, die sich völlig logisch gegen sexistische Bekleidungsvorschriften aussprechen, können ja nur abschreckend sein! Was glaubt ihr denn, warum man ausgelacht wird, wenn man sagt, man sei eine Feministin? Cool ist der Feminismus im öffentlichen Bewusstsein jedenfalls nicht – genau wegen so einer Scheiße!! Und das führt folgerichtig zu einer stetig sinkenden Zahl an Frauen, die sich unter dieses Label begeben wollen, was ja wohl niemand in der Szene toll finden kann!

Die geballte Verachtung der etablierten Radikalen bekamen jedenfalls die Slutwalkerinnen zu spüren. Und das nur, weil sie fresh und frech sein wollten und Bodypainting betrieben haben.
Das ist dieses angebliche Blackfacing nämlich eigentlich: Bodypainting. Niemand hat sich schwarz angemalt und sich als eine andere Ethnie ausgegeben. Es waren aufgemalte Burkas, die nun mal schwarz sind! Wie schwer kann es sein, diesen Unterschied zu kapieren?!

Und der angebliche Rassismus, der darin besteht, für Frauen in Burkas zu sprechen – meine Fresse!

Wer eine Frau zwingt, sich ganz zu verschleiern, ist scheiße. Und eine Religion, die dies verordnet, ist demzufolge auch scheiße! Damit sage ich weder, dass der gesamte Islam beschissen ist (zumal die Verschleierung eigentlich gar keine religiöse Pflicht darstellt – anders als z.B. im Christentum!) oder alle Moslems, sondern nur, dass ein Typ, der seiner Frau oder seiner Tochter eine Burka verpasst und das mit seiner Religion begründet, ein sexistisches Arschloch ist! Viel mehr wollten die Slutwalkerinnen wohl auch nicht sagen!
Wenn das rassistisch und islamophobisch ist, mein Gott, dann bin ich es halt! Genauso, wie ich christenfeindlich bin, weil ich die Haltung der Kirche zur Homosexualität zum Kotzen finde oder antisemitisch, weil ich absolut gegen Beschneidung bin! Wenn man Zeit sparen will, kann man das ja gleich „antiabrahamitisch“ nennen und falls es das Wort nicht gibt, erfinde ich es hiermit! Also los, verurteilt mich!

Blackfacing, Rassismus und die blöden Slutwalkerinnen also. Als ich mich durch den ellenlangen „Sorry“-Artikel bei der Mädchenmannschaft quälte und darauf noch in ein paar Blogs stöberte, kam ich mir vor, als wäre ich die einzige vernünftige Person auf der Welt. Nirgendwo las ich auch nur das geringste bisschen Widerstand gegen die von irgendjemanden in die Welt gesetzte glatte Lüge, die Slutwalkerinnen würden blackfacen, und leider haben selbst die Slutwalkerinnen, wohl erschreckt von so viel shitstormigen Hass, eher eine entschuldigende Demutshaltung eingenommen statt einer „Äh, gehts noch?!“-Mentalität. Es ist nun mal schwer, sich gegen so laut gröhlende Platzhirsche zu verteidigen und an sowas wie Vernunft zu appellieren.

Dennoch hat es jetzt endlich jemand getan und das ist auch der Grund für diesen Artikel. In der aktuellen „Emma“ werden die Ereignisse rund um die Eskalationen bei der Geburtstagsfeier der Mädchenmannschaft aufgeführt und ENDLICH kritisch beleuchtet, was natürlich sofort Gegenreaktionen hervorrief. Khaos.Kind findet den Artikel gar so scheiße, dass sie sich nie wieder eine „Emma“ kaufen will.
Tja, ich dagegen nahm dies als Anlass, mir heute morgen die erste „Emma“ meines Lebens kaufen zu gehen. Stockbesoffen suchte ich am Bahnhofskiosk nach einer Ausgabe (letztendlich musste ich einen Mitarbeiter bitten, mir zu helfen. Die „Emma“ lag im Regal unter dem Ressort „Autos und Technik“, wo ich sie nicht so wirklich vermutet hätte. Nur so als lustige Anekdote nebenbei.) und habe den betreffenden Artikel, der leider nicht mehr online verfügbar ist, gerade gelesen.

Ich kann nur sagen: YES, tausendmal YES!!! Klartext, endlich!! All das, was ich vorher so oft gedacht habe, was aber nie auf Seiten der Mädchenmannschaft erschien, was ich auch gar nicht versuchte dorthin zu kommentieren, weil es eh nicht freigeschaltet worden wäre, endlich gebündelt in einem fantastischen Artikel! Und sogar Alice Schwarzer selbst hat direkt zu Anfang auch ein paar Worte über die Vorkommnisse geschrieben. Und da muss ich sagen: Ich habe in der Vergangenheit nie einen Hehl darum gemacht, Alice Schwarzer nicht zu mögen, aber hier schreibt sie sich in mein Herz! Ich unterschreibe jeden Satz!

Zudem bietet der Artikel noch viele weitere Infos rund um den Skandal, die man angesichts der gleichgeschalteten Mädchenmannschafts-Informationspolitik auf der Seite vergeblich gesucht hat. Interessant, wie es da neuen Bewegungen erschwert wird, sich in der feministischen Szene zu etablieren,  nur weil man beleidigt ist, weil man da nicht die Chefin ist!

Das größte Problem ist für mich diese gewollte Verquickung von Feminismus und Antirassismus, die bei der Mädchenmannschaft vorherrscht. Ehrlich gesagt habe ich am Anfang schlicht und ergreifend überhaupt nicht gecheckt, warum dort alles so durcheinander geworfen wird. Auch Khaos.Kind schreibt: Es geht nicht das eine ohne das andere.

Da frage ich mich wieso? Für mich sind das zwei völlig unterschiedliche Baustellen. Beide Anliegen treten für die Freiheit des Einzelnen ein und gegen Pauschalisierungen aufgrund von Äußerlichkeiten, aber das wars doch auch schon.
Ich habe lange überlegt, wie ich das unverfänglich formulieren könnte, aber da das wohl nicht möglich ist, schreibe ich einfach so, wie ich es auch denke: Ich bin zwar gegen jede Form des Rassismus, aber Antirassismus interessiert mich einfach nicht. Ich bin doch schon antirassistisch eingestellt, warum soll ich mich dann auch noch plakativ als Antirassistin bezeichnen, nur weil ich gleichzeitig Feministin bin? Ich finde, dieses Label sollte denen vorbehalten werden, die sich wirklich in dieser Szene engagieren, was ich weder tue, noch vorhabe. Feminismus ist mein Thema, Antirassismus nicht. Schon gar nicht, wenn mich dieser völlig überzogene Anspruch an den Antirassismus schon allein deswegen zur Rassistin stempelt, weil ich zufällig weiß bin.

Lustigerweise bin ich laut den Regeln dieser Menschen nicht mal wirklich weiß. Mein Vater ist Südamerikaner, was mich zu einer Latina und damit zur Woman of Color macht. Meinte jedenfalls die oben erwähnte Feministin. Es war sehr komisch mit anzusehen, wie die sich wand, als ich ihr diese Info lieferte, denn ganz ehrlich, sehen tut man das wirklich nur im Sommer und auch nur, wenn man es weiß. Damit dürfte ich mich ihr zufolge zwar Woman of Color nennen, wenn ich das MÖCHTE, aber ich hätte ja trotzdem weiße Privilegien, da ich als weiß „gelesen“ werde. Damit bin ich also irgend so ein Zwischending… und ihr Ton wurde direkt ein bisschen vorsichtiger.

Ach, das ist doch alles Schwachsinn. Mein Vater ist wirklich Südamerikaner, aber ich bin weiß, basta. Dennoch verbitte ich mir die Beleidigung, eine Rassistin zu sein, die von den Rassistinnen der Mädchenmannschaft kommt.
Rassistinnen der Mädchenmannschaft? Aber klar! Wer allen weißen Menschen und damit auch mir sagt, wir seien allein aufgrund unserer Hautfarbe rassistisch, ist es wohl selber ganz eindeutig. Na, wem da wohl die Ironie gerade in den Arsch beißt!

Es ist einfach verdammt schade, dass diese Form des Feminismus zumindest im Netz momentan wohl die Tonangebende ist. Aber nur weil man am lautesten brüllt, hat man sicher nicht automatisch Recht. Die Slutwalkerinnen, die von der Mädchenmannschaft auf diese Weise angefeindet worden sind, hätten nicht so zu Kreuze kriechen müssen. Eher wäre doch ein gepflegt-saftiges „Fick dich“ in Richtung der Mädchenmannschaft angebracht gewesen. Denn die gesamte Aktion war toll und unterstützenswert, was durch diesen kleinlichen Krieg der antirassistischen Gender-Studies-Akademikerinnen-Elite nun komplett untergegangen ist.

Tja, und so demontiert sich der Feminismus also weiter von selbst, nur weil ein paar Frauen meinen, dass sie die Alleinherrschaft über die political correctness haben und dem Rest der feministischen Gemeinde diktieren dürfen, was die zu denken und zu sagen hat. Und natürlich, WIE sie es zu sagen hat.

Naja – mit mir jedenfalls nicht!

Edit: Miriam hat mir in den Kommentaren ein paar Links zu Artikeln geliefert, die sich schon vor der „Emma“ kritisch mit den Vorkommnissen auseinander gesetzt haben (sie selbst hat das übrigens auch). Weil das so eine schöne Ergänzung und wirklich lesenswert ist:

Taz: Mädchenmannschaft ausgewechselt

Jungle World: Eine ganz eigene Diktion

Früher waren wenigstens noch die Kinder froh, wenn es geschneit hat

"Hinweg du unangenehme... Jahreszeit!"

„Hinweg, du unangenehme… Jahreszeit!“

Diese Woche war es dann endlich auch bei uns soweit: Schnee!

Nicht, dass Schnee was ungewöhnliches wäre für mich, aber in meiner unfreiwilligen Wahlheimat ist man damit völlig überfordert. Hier bricht sofort der komplette Verkehr zusammen, sobald ein Schneeflöckchen auf den Rathausplatz fällt. Bereits vor Wochen, als es zeitweise höchstens ein bisschen graupelte, kippten diese Idioten Tonnen von Salz auf die Straßen, was selbstverständlich unglaublich umweltschonend ist. Auch auf den Gehwegen setzen die Anwohner bei den gigantischen Schneemengen (ich habe nachgemessen: Vorgestern waren es brandgefährliche drei Zentimeter!!1!) lieber auf Salz denn auf Muskelkraft. Diese Genies!

Sowas gäbe es bei uns nicht, obwohl in meiner Heimat bedeutend mehr Schnee fällt.

Ich habe Schnee immer sehr gerne gemocht. Ohne angeben zu wollen: Ich war eine unangefochtene Schlittenkönigin. In Kindergarten und Grundschule konnte es niemand mit mir aufnehmen. Ich war immer die Schnellste und Wagemutigste und darum wurde auch immer ICH ausgewählt, wenn der obligatorische winterliche Kampf „Kufenschlitten vs. Bob“ entbrannte.
Diese blöden Bobfahrer behaupteten nämlich immer, wir würden unsere Bahn mit den Kufen kaputt machen, dabei sind sie es, die die Bahn mit ihren arschlangweiligen, lahmen Bobs aufrauen und damit zerstören.
Jeden Winter kam es deshalb zum Streit, den wir vor der drohenden Eskalation immer mit einem alles entscheidenden Rennen klärten. Es fuhr der beste Schlittenfahrer (aka MOI) gegen den besten Bobfahrer. Und ich habe IMMER gewonnen! Auch wenn in den späteren Jahren immer wieder Sabotageakte verübt wurden. Aber damit konnten sie mir nichts anhaben, weil ich einfach zu gut war :mrgreen: Einem in meine Bahn gestoßenen Bob habe ich einfach halsbrecherisch umrundet und fuhr befriedigt durchs Ziel, während ich hörte, wie mein Gegner in das eigentlich mir geltende Hindernis krachte.

Hach, Success! Wenigstens einmal im Leben.

Schnee ist echt toll. Es macht Spaß, sich in ihm rumzuwälzen, gleichzeitig macht es mit Schnee vor der Tür aber auch mehr Spaß, drin zu bleiben. Während es schneit, ist die gesamte Welt super schallisoliert und wenn er dann liegen bleibt, sieht die gleiche Welt direkt viel weniger scheiße aus.

Aber es gibt da eine Sache, über die ich einfach nicht hinweg komme, ein Problem, das Frau Weh unlängst geschildert hat.

Schneeballschlachtverbot auf Schulhöfen. Jetzt mal ganz ehrlich: Gibt es was blöderes?

Ich kenne das noch aus meiner eigenen Schulzeit und fand es damals auch schon bescheuert. Man darf auf dem Schulhof keine Schneebälle werfen, weil irgendwelche Arschlochkinder Steine in die Bälle einarbeiten könnten, so wurde mir das damals erklärt.
Tja, wenn diese Kinder das tun, sollten sie den Arsch voll kriegen (bildlich gesprochen). Ich denke, es dürfte doch kein unüberwindbares Hindernis darstellen, Schneeballschlachten zu erlauben, aber ein paar Verhaltensregeln aufzustellen. Zum Beispiel: Keine Steine in die Bälle. Oder nicht alle auf einen. Das klappt bei allen anderen Spielen ja auch!

schnee

Aber NEE, es ist ja zu GEFÄHRLICH. Ach Gottchen, mir kommen die Tränen.
Ich würde jetzt mal ganz dreist behaupten, dass 100% aller Deutschen schon mal bei einer Schneeballschlacht mitgemacht haben (denn das „Problem“ ist ja nicht weg, nur weil man es in der Schule verbietet). Aber wie viele Menschen kennt ihr, die durch sowas schon ein Auge verloren haben?
Na also: keinen. Das ist eine ganz einfache Bielefeld-Rechnung. Ergo: Schneeballschlachten sind nicht gefährlich! Jedenfalls ist der Sportunterricht weitaus gefährlicher.
Warum also den Kindern den Spaß versauen?

Auch darauf ist die Antwort eindeutig: Weil es halt verboten ist.

Ich finde es immer wieder lustig, wie Menschen sich sklavisch an Gesetze halten, nur weil es Gesetze sind, ohne auch nur mal eine Minute darüber nachzudenken, ob diese Gesetze sinnvoll sind oder nicht. Das hat man sogar mal getestet, indem man einen völlig einwandfreien Bürgersteigabschnitt mit Schildern absperrte. Alle Leute sind brav dran vorbei gelatscht, obwohl jeder sehen konnte, dass der Straße an der Stelle nichts fehlte.
Aber-aber-aber da war ein SCHILD!!! Also muss man seiner Bürgerpflicht nachkommen und sich gefälligst daran halten, auch wenn man einen Umweg latschen muss! Das Milgram-Experiment für den täglichen Gebrauch!

Ich bin ja selber nicht davor gefeit, aber ich versuche wenigstens, mein Hirn genug auf Trab zu halten, um solchen Fallen zu entgehen. Dazu hatte ich dann während meines Schulpraktikums tatsächlich mal ein schönes Erlebnis:

Ich überquerte den Schulhof Richtung Sporthalle (nur hinter derselben, in eine Ecke gekauert, durfte ich rauchen), als ein Bub mit Skateboard an mir vorbei fuhr. Ich hatte schon den Mund halb offen, um dem Kerl zu sagen, dass Skateboards auf dem Schulgelände verboten sind, aber gerade noch rechtzeitig kam mir die Erleuchtung.
Interessiert mich das überhaupt? Das Verbot ist dämlich, totstürzen kann der sich auch überall sonst! – dachte ich, und ließ ihn weiter fahren.

Ich hätte es ja kaum für möglich gehalten, aber sogar deutsche Gerichte scheinen in letzter Zeit ein wenig an der Quelle des gesunden Menschenverstandes genippt zu haben. Es gab nämlich vor kurzem tatsächlich einen Lehrer, der bei einer Schneeballschlacht auf dem Schulgelände mitgemischt und dabei was aufs Auge bekommen hat (es gibt sie also doch, diese Fälle. Aber das ist vermutlich statistisches Rauschen.). Die Kosten für die medizinische Versorgung wollte die Schule nicht übernehmen, weil er ja selbst Schuld ist, wenn er bei etwas mitmacht, was VERBOTEN!! ist. Das Gericht sah das anders und eroberte sich damit einen besonderen Platz in meinem Herzen.

Schon klar, diese Sache zu erlauben, ist vermutlich ein versicherungstechnisches Problem. Eltern würden wohl jeder Schule aufs Dach steigen, wenn ihr geliebter Linus-Sebastian oder ihre Elisabeth-Annegret ein böses Steinchen ins Auge kriegt.
Tja, dann sollen die Eltern das eben einfach nicht dürfen. Wenn das Schätzchen sich beim Spiel im heimatlichen Schrebergarten verletzt, kann man ja auch niemanden verantwortlich machen. Das will ja keiner. Und das ist die Definition des Wortes „Unfall“. Von denen übrigens immer noch die meisten im Haushalt passieren.
Warum sollte also die Schule für etwas verantwortlich sein, das ganz klar höherer Gewalt unterliegt? Und was soll überhaupt diese ganze Übervorsicht? Ich bin auch ohne Netz und doppelten Boden durch meine Kindheit gekommen. Dabei hab ich einen Zahl verloren und musste einmal genäht werden, aber meine Güte! Lieber fällt sich das Kind ein paar Mal die Knie blutig, als dass man Bewegungslegastheniker heran züchtet, die umfallen, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben auf einem Bein stehen müssen.

Die Schule sollte einfach sagen: Schneeballschlachten ab jetzt erlaubt. Gleichzeitig sollte man den Heimunterricht in Deutschland zulassen. Wer nämlich dann als Elternteil bei dieser Ankündigung ein Bild seines Kindes mit zermatschten Augäpfeln vor sich hat, kann sein Kind einfach selbst zuhause vererziehen und es dabei in eine riesige Plastikbubble sperren.

Dann sind alle glücklich und ich kann meine Kinder in eine Welt setzen, in der sie Schneebälle werfen dürfen, wo es ihnen passt.

Bücher-ABC 2013: A wie Stephen Kings „Amok“

Stephen King – Amok
Rage, 1977 (deutsch 1988)

amokDer von erheblichen persönlichen Problemen getriebene Schüler Charlie Decker wird eines Tages der Schule verwiesen, weil er einen seiner Lehrer angegriffen hat. Statt jedoch wie angewiesen die Schule zu verlassen, greift er sich die Pistole, die er schon seit einiger Zeit regelmäßig mit zur Schule gebracht hat. Erst erschießt er die Lehrerin, die gerade in seiner Klasse unterrichtet, dann nimmt er seine Mitschüler als Geiseln.
Während draußen die Verantwortlichen der Schule sowie die Polizei in Stellung gehen, entsteht zwischen Charlie und seinen Mitschülern ein eigenartiges Psychospielchen, bei dem die Perspektive mehr und mehr verschwimmt und die Grenzen zwischen Gut und Böse aufgeweicht werden.

 

Man mag es in irgendeiner Weise unangebracht finden, über das durchaus ernste Thema Schulamokläufe ein Buch dieses Inhaltes zu schreiben (Stephen King war wohl selber dieser Meinung, denn sonst hätte er es nicht über zwanzig Jahre nach dem Erscheinen vom amerikanischen Markt nehmen lassen). Doch ist die Verbindung zu realen Fällen höchstens oberflächlich.

Die Hintergründe des Täters werden im Laufe des Romans immer klarer, denn auch wenn Charlie Decker auf andere einen eher schüchternen, zurückgezogenen Eindruck machte, schildert er in Ich-Perspektive Episoden aus seinem Leben, das von der Angst vor seinem gewalttätigen, überdominierenden Vater geprägt war, der Charlies Mutter verachtete und gleichzeitig seinen „verweichlichten“ Sohn mit seinen überzogenen Männlichkeitsvorstellungen drangsalierte.

Ebenfalls spielt Sexualität eine große Rolle (wobei man bedenken muss, dass das Buch schon Ende der Siebziger erschienen ist, weshalb manche Szenen heute etwas merkwürdig anmuten). Während des sich zwischen Charlie und seinen Geiseln entspinnenden Gesprächs manifestiert sich die große Sexualunsicherheit, die einer prüden Gesellschaft wie den USA der Siebziger inhärent war. Während bei Charlie das Thema „sexuelle Versagensangst“ vorherrscht, berichten mehrere Mitschüler von ihren eigenen Erfahrungen, die unter anderem auch durchaus feministische Anklänge haben. So erzählt die Freundin des Klassenschönlings, wie sie in einer schmierigen Bar einen Kerl aufriss, und ein anderes Mädchen berichtet von einem unschuldig-schönen Shopping-Ausflug mit ihrer besten Freundin, der durch die Beleidigung „Fotze“ eines vorbei fahrenden Autofahrers jäh beendet wird. Auch wenn das keine reale Begebenheit ist, muss ich dennoch jedes Mal daran denken, wenn mir etwas ähnliches passiert.

Das Interessante an diesem Roman ist, dass man fast augenblicklich Sympathie für den vermeidlich bösen Amokläufer empfindet und seine Motive immer besser nachvollziehen kann. Fast kafkaesk wirkt dann auch die Reaktion der meisten Geiseln, denn diese sind mehr mäßig interessiert denn verängstigt. Mich hat das als Jugendliche, als ich den Roman zum ersten Mal las, besonders angesprochen, denn dieses „Generation-X“-Gefühl, das ich da herauszulesen glaubte („Na Hauptsache, es passiert mal was…“) war mir durchaus vertraut.

Vollends ins Groteske rutscht die Handlung schließlich, als sich die Stimmung der Klasse immer mehr gegen den Klassenschönling und einzigen „normalen“ Schüler der Klasse richtet, der als letzter dem Sog des Psychospielchens widersteht und seine Mitschüler vehement auffordert, Charlie als das zu sehen, was er offenkundig ist: ein verrückter Mörder. Doch obwohl dieser Junge bisher immer den Ton in der Klasse angegeben hat, wenden sich seine ehemaligen Bewunderer (und auch seine Freundin) letztendlich gegen ihn, was man allegorisch als Aufstand der unterdrückten Massen gegen den spießigen Mainstream lesen kann. Und was mir, ich gebe es zu, beim Lesen irgendwie Genugtuung verschafft hat!

„Amok“ wurde von Stephen King ursprünglich unter seinem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht, dessen Bücher durchaus einige Unterschiede zu King-Werken aufweisen. Den meisten fehlt das fantastische Element, wie auch hier. Unter den Bachman-Büchern bilden für mich „Amok“ zusammen mit „Todesmarsch“ und „Menschenjagd“ eine Einheit (vermutlich nur, weil ich sie damals ziemlich unmittelbar hintereinander gelesen habe). Alle drei sind verstörende Romane, die in pessimistischen Welten voller Abgründe spielen und alle drei haben kein gutes Ende – auch wenn man sich gerade bei „Amok“ fragen muss, ob Charlie nicht dennoch am Ende als moralischer Sieger hervor geht.

Daher sei euch auch dieser King-Roman empfohlen, auch wenn ihr vielleicht zu einem ganz anderen Urteil kommen werdet als ich.

Bücher-ABC 2013: A wie Stephen Kings „Alpträume“

Stephen King – Alpträume
Nightmares and Dreamscapes, 1993

Hierbei handelt es sich um eine Kurzgeschichtensammlung mit insgesamt 12 Geschichten unterschiedlicher Länge. Ganz schön viel, daher werde ich mich beim Inhalt extrem kurz halten.

alpträumeDolans Cadillac handelt von einem Typen, dessen Ehefrau von der Unterweltgröße Dolan getötet worden ist, weshalb er sich einen teuflischen Racheplan ausdenkt, bei dem Dolans geliebter Cadillac eine wichtige Rolle spielt.
Das Ende des ganzen Schlamassels spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Welt aufgrund von Kriegen und Terroranschlägen am Abgrund steht und ein geniales Wunderkind eine Möglichkeit findet, die menschlichen Aggressionen auf ein Minimum zu reduzieren.
In Kinderschreck erblickt eine ältliche Lehrerin hinter der Fassade ihrer Schüler das Grauen.
Der Nachtflieger ist eine Vampirstory, in der ein Journalist sich an die Fersen eines mysteriösen Piloten heftet, den er als Schuldigen einer Mordserie vermutet, ohne zu wissen, mit welchem Wesen er sich hier anlegt.
In Popsy muss ein Kidnapper erkennen, dass er von manchen Kindern besser die Finger lässt.
Es wächst einem über den Kopf wirft einen Blick zurück nach Castle Rock nach den Ereignissen im Roman Needful Things.
In Klapperzähne entpuppt sich ein Kinderspielzeug, mechanische Riesenzähne mit Füßen, als Retter in der Not.
Zueignung ist die Geschichte eines schwarzen Zimmermädchens, dass auf mysteriöse Weise die Essenz eines weißen, erfolgreichen Autors in sich aufnimmt.
Der rasende Finger beschäftigt sich mit folgender hochwichtigen Frage: Wie würdest DU reagieren, wenn du eines Tages in den Bad gehen würdest und sehen müsstest, dass aus dem Abfluss ein lebendiger Finger ragt?
In Turnschuhe treibt ein Toter in der Toilette eines Bürogebäudes immer noch sein Unwesen.
In Verdammt gute Band haben die hier verschlägt es ein Pärchen in das abgelegene Städtchen „Rock ’n Roll Heaven“. Dort merkt es bald, dass der Name hier tatsächlich Programm ist!
Und bei der letzten Story Hausentbindung handelt es sich um eine klassische Zombiegeschichte, in die eine hochschwangere Frau unvermittelt gerät.

 

Bei dieser Sammlung handelt es sich um die allererste Kurzgeschichtensammlung überhaupt, die ich von Stephen King gelesen habe. Damals war ich wohl noch zu jung, um alle Geschichten zu verstehen, aber seither habe ich sie noch viele Male gelesen 🙂

Wie bei allen Kurzgeschichtensammlungen von King gibt es gute und schlechte Geschichten. Am wenigsten gefallen mir Kinderschreck, Es wächst einem über den Kopf , Zueignung, Turnschuhe und Hausgeburt. Kinderschreck ist mir einfach zu trivial, genauso wie Turnschuhe und Hausentbindung; alle drei Geschichten bedienen sich bekannter Stereotypen (Kinder als reale Monster, plötzlich auftauchende Tote/Geister und Zombies), aber schaffen es nicht, sich dabei von anderen Storys gleichen Inhaltes abzuheben. Mir erscheinen sie eher wie eine Fingerübung denn als echte Kurzgeschichten.
Zueignung dagegen ist einfach nur sehr unappetitlich, zudem verstehe ich dieses schwarz-weiß-Thema nicht so wirklich. Hier offenbart sich außerdem Kings Schwäche, aus der Sicht von Frauen zu schreiben. Letztendlich plätschert die Story etwas lahm vor sich hin, ohne dass tatsächlich was passiert. Sie ist auch einfach viel zu lang!
Es wächst einem über den Kopf ist definitiv die Story mit dem größten „Hä?“-Faktor. Eigentlich gibt es hier überhaupt keine Handlung. Man trifft einige Bekannte aus „Needful Things“ wieder (womit man die Story getrost überblättern kann, wenn man diesen Roman nicht gelesen hat) und wird mit der pessimistischen Grundstimmung dieser sterbenden Stadt konfrontiert. Das ist deprimierend und macht schlicht und ergreifend keinen Spaß!

Dolans Cadillac, Nachtflieger, Popsy und Verdammt gute Band haben die hier sind so mittel. Sie sind nett zu lesen, hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck. Bei Dolans Cadillac kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier viel zu viel Aufwand betrieben wird für zu wenig Ergebnis. Die Geschichte ist genauso aufgebläht wie Nachtflieger. Ich bin ja der Meinung, dass Stephen King einfach die Finger von Vampiren lassen sollte, denn irgendwie kriegt er das nie so wirklich zu meiner Zufriedenheit hin! Das ist dann auch die Schwäche von Popsy.
Die Story von Verdammt gute Band haben die hier ist durchaus der Hammer – hier trifft das Pärchen auf sämtliche Rockstars, die zu früh gestorben sind. Das Problem, was ich damit habe, ist ein ganz persönliches, welches ich nicht Stephen King anlasten will, dennoch hat es mir den Spaß ziemlich vermiest: Ich kenne die meisten der Rockstars (größtenteils Stars aus den 60er Jahren) einfach nicht. Janis Joplin, Elvis etc. sind klar, aber dazu kommen noch sooo viele andere Personen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Und jedes Mal ärgere ich mich, dass Stephen King diese Story schrieb, bevor Kurt Cobain sich auf seine Reise in den Rock ’n Roll Heaven gemacht hat…

Damit zu den wirklich guten Storys. Das Ende des ganzen Schlamassels ist die einzige Geschichte, die in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Der Bruder des besagten Wunderkindes schildert darin rückblickend in einem Bericht die Ereignisse, wobei er sich interessanterweise durch Einnahme eines langsam wirkenden Gifts selbst eine Deadline (höhö) gesetzt hat. Das Ganze ist unheimlich spannend, zudem regt die Handlung zum Nachdenken über die Natur des Menschen und seine Intelligenz an.

klapperzähne

Klapperzähne!

Klapperzähne ist besonders interessant, weil man irgendwie damit rechnet, dass dieses Gebiss mit Füßen, welches der Hauptcharakter zufällig in einem Tankstellenshop aufstöbert, das Böse in der Story ist. Isses aber nicht, im Gegenteil. Das ist lustig und vor allem super geschrieben. Man wünscht sich sofort auch so ein Teil!

Meine Lieblingsgeschichte ist aber mit Abstand Der rasende Finger. Allein die Idee ist so dermaßen schräg, offenbart aber wieder mal Stephen Kings skurriles Verständnis von Horror. Es muss nicht immer ein Zombie, Vampir oder Geist sein – man würde genauso ausrasten, wenn so etwas alltägliches wie ein (körperloser?) Finger sich plötzlich an Stellen zeigt, wo er nicht hingehört!
Zudem nutzt King hier wirklich das komplette Potential, was sich aus diesen Vorgaben bietet. So bescheuert es auch ist, man fiebert wirklich mit, vor allem, da hier innerhalb von wenigen Seiten einige wirklich lebensnahe, glaubhafte Charaktere gezeichnet werden. Kings große Stärke!

Zusammengefasst ist Alpträume, auch wenn die Bewertung ein wenig harsch aussieht, eine wirklich schöne Kurzgeschichtensammlung mit vielen unterschiedlichen Storys. Für jeden sollte was dabei sein… und für Kingfans ist es das sowieso!

Als letztes sollte erwähnt werden, dass die Sammlung nur die Hälfte der Geschichten aus „Nightmares and Dreamscapes“ enthält, zumindest ist das in der Ausgabe so, die ich vor vielen Jahren gekauft habe. Die andere Hälfte wurde im Band Abgrund veröffentlicht, der sich damit ja auch gut für das aktuelle Bücher-ABC anbieten würde – wenn ich ihn denn gelesen hätte 😦

Aber was glaubt ihr, was ich mir GERADE JETZT bestellt habe? :mrgreen: