Blogparade: Das leidige Thema II: Die ersten Wochen

Teil 1

Besser spät als nie: Nerdbarbie hat ihren Beitrag zu unterer Blogparade schon geliefert, ich ziehe nach!
Bei dieser Blogparade geht es um das schlimmste aller Horrorthemen: Ernährung, Diät und unsere Probleme damit! Teil 1 beschäftigte sich mit unserer Leidensgeschichte, dieser Teil soll nun von den ersten Wochen einer radikalen Ernährungsumstellung handeln.
Wer Lust hat, darf natürlich immer noch mitmachen.

Nach meinem letzten Beitrag zu diesem Thema habe ich einiges geschafft, was ich mir vorgenommen habe:
1. Erhöhung meiner täglichen Mahlzeiten von einer, maximal zwei auf vier bis fünf. Angepeilt waren ja fünf, aber je nach Terminkalender schaffte ich das nicht immer. Ist aber nicht so wahnsinnig tragisch.
2. Planung meiner gesamten Ernährung im Wochenrhythmus. Das war zwar manchmal ein bisschen fies, wenn ich sonntags da saß, gerade irgendwie essenstechnisch auf gar nichts Lust hatte und trotzdem überlegen sollte, was ich die gesamte kommende Woche essen will, aber es klappte. Besonderer Vorteil: Ich musste mit der Methode nur noch einmal die Woche einkaufen gehen! Vorher bin ich fast jeden 2. Tag wegen irgendeiner Kleinigkeit ins Geschäft gerannt, nach der Ernährungsumstellung machte ich mir auf Basis meines Essensplans eine Einkaufsliste, ging das alles am Montag besorgen und damit war das für die Woche erledigt. Sparte nicht nur Zeit, sondern vermutlich auch Geld, da ich weniger Lebensmittel wegwerfen musste. Und es verhindert Impulskäufe!

Alles in allem fühlte ich mich schon wenige Tage nach Start der Ernährungsumstellung irgendwie besser und war voll motiviert, aber nicht zum ersten Mal in meinem Leben erhielt diese Motivation einen Dämpfer in Form von dummen Menschen. In diesem Fall handelte es sich um meine beiden geschätzten Mitbewohner.
Ich komme nicht umhin zu sagen: Männer! Männer wissen einen Scheiß von Ernährung. Während fast jede Frau, egal wie schlank sie durchs Leben stöckelt, sich schon mal Diäten beschäftigt hat, weil schlank ja in unserer Gesellschaft nie schlank genug sein kann, ist Männern scheißegal, was sie in sich reinstopfen. Hauptsache es schmeckt halt. Und wenn sie davon ein bisschen muggelig werden, ist das ja nicht schlimm, weil Männerwampen sind ja männlich und so.
Wobei weder Moritz, noch Mattes dick sind, im Gegenteil. Moritz täten ein paar Kilo mehr sogar ziemlich gut. Er ist einer dieser gesegneten Menschen mit hyperschnellen Stoffwechsel und zudem Vegetarier. Und Mattes ist so sportfanatisch, dass er wirklich ALLES essen kann.

Sie hatten es also noch nie nötig, sich mit Ernährung auseinander zu setzen, was sie aber nicht im Geringsten davon abhält, mir ein Ohr zu kauen!

Schlimm war es in meiner ersten Woche. Ich hatte mir vorgenommen, auf Vorrat Aiwar-Suppe zu kochen.
Aiwar-Suppe habe ich als Partysnack kennengelernt. Eine Suppe auf Tomatenbasis mit viel Aiwar (sach bloß), Hackfleisch und Schmelzkäse. Schmeckt hammergeil. Logisch, bei dem Fett. Das gehörte also modifiziert: Statt Unmengen Sahnekäse würzte ich die Suppe lediglich mit ein wenig Frischkäse. Ansonsten bestand sie aus Suppengrün, Paprika, wahnsinnig viel passierten Tomaten und eben Aiwar. Separat briet ich das Hackfleisch an und weil ich eine extrem nette Mitbewohnerin bin, klopfte ich an Moritz‘ Tür, um ihm ein wenig von der Suppe anzubieten, bevor ich das Fleisch reinkippe.

Und da fing das Elend an. Moritz bedankte sich mit den Worten: „Gerne, gib mir was von deiner Fettsuppe.“

Ich stand da wie vom Donner gerührt. „Das ist doch keine Fettsuppe!“ rief ich empört.
„Na, da ist doch Frischkäse drin.“

Man sah mich völlig fassungslos. „Ja, na und? Eine halbe Packung Frischkäse auf drei Liter (!) Suppe machts ja wohl noch nicht zur Fettsuppe!“

„Und das Fleisch?“

„Rinderhack. Überhaupt nicht schlimm!“

Moritz lächelte hintergründig, so nach dem Motto „Ich lass die Alte wohl besser mal labern“. Ich hätte ihm an die Gurgel springen können.
„Übrigens ist es auch gar nicht so gut, Gemüse komplett ohne Fett zu essen!“

Das wischte das Lächeln aus seinem Gesicht. „Hä?“

„Viele Gemüsesorten beinhalten lipophile Vitamine. Das heißt, dass die Vitamine mit ein wenig Fett aufgenommen werden müssen, damit sie überhaupt verarbeitet werden können.“

Moritz war eindeutig fassungslos. „Äh, da hab ich aber schon oft das Gegenteil gehört,“ stammelte er.
Nein, NIEMAND sagt das Gegenteil! Ich habe noch NIE irgendwo gelesen, dass es schlecht sein soll, Gemüse mit Fett zu essen! Das sagte ich ihm auch. Und außerdem: „Natürlich sollte es schon gutes Fett sein.“

Und jetzt war es bei Moritz eindeutig vorbei. So verständnislos habe ich ihn noch nie gesehen. „Was ist denn GUTES Fett?“
Will der mich verarschen? „Na, pflanzliche Öle vor allem. Olivenöl zum Beispiel. Heißt natürlich nicht, dass man davon so viel nehmen kann wie man will, aber trotzdem ist das ein gutes Fett. Gesund halt.“

Ich dachte immer noch an einen Joke, aber irgendwann wurde mir durch seinen entgeisterten Gesichtsausdruck klar, dass Moritz, so unfassbar mir das auch vorkam, tatsächlich noch NIE von sowas gehört hatte.
Das war so dermaßen unglaublich. Ich bin eigentlich fest davon ausgegangen, dass sowas Allgemeinwissen ist. Offensichtlich doch nicht. Was ist nur passiert? Bin ich nach all den quälenden Diätjahren ohne es wirklich zu wollen zur Ernährungsexpertin geworden?

Während dieses kleinen Intermezzos war auch Mattes aufgetaucht, der sich sogleich nachsichtig einmischte. „Na, ne Fettsuppe isses wohl nicht, aber ne Abnehmsuppe wohl auch nicht.“
„ÄH – DOCH!“

„Wirklich? Mit der ganzen Tomatensoße?“

Ich krieg die Krise!!! Seit wann sind Tomaten Kalorienbomben?!

Ich rechnete den beiden minutiös vor, wie viele Kalorien die gesamte Suppe inklusive Fleischeinlage hatte. Das war zwar ein bisschen schwer, weil ich mir Kalorien von Gemüse (sowie Obst) grundsätzlich nie gemerkt habe, da man bis auf ein paar Ausnahmen (Avocado zum Bespiel) Gemüse essen kann, bis man platzt, ohne dass sich dies nennenswert auf das Kalorienkonto niederschlägt und ich es als krankhaft empfinde, selbst da die Kalorien zu zählen, aber sei es drum. Ich kalkulierte absichtlich hoch, damit man mir nicht nachsagen kann, ich würde schummeln – und kam auf etwa 1500 Kalorien. Wohlgemerkt, wie schon erwähnt: Das waren DREI LITER Suppe! Ich habe davon vier Tage gegessen und hatte sogar noch was übrig (das bekam ich aber beim besten Willen nicht mehr runter, so lecker sie auch war!).

Moritz und Mattes schwiegen beide kurz. Ich konnte ihnen ansehen, dass sie damit eigentlich überhaupt nichts anfangen konnten, aber natürlich gaben sie es nicht zu. Meine Fresse nochmal!!

„Naja, Brokkoli wäre vermutlich effektiver,“ gab Mattes schließlich von sich. „Oder Karotten.“

„Eigentlich würde man wohl total viel abnehmen, wenn man nur Karotten isst,“ stimmte Moritz zu. Woraufhin sie in ein Fachgespräch darüber versanken, wie toll es ist, während einer Diät nur Karotten zu essen.

Ich stand da und biss fast in die Arbeitsplatte. KEINE AHNUNG VON NICHTS, ABER DIE FRESSE AUFREISSEN!!!

Im Gegensatz zu den beiden HABE ich schon mal Tage in meinem Leben gehabt, an denen ich nur Karotten aß. Elende Folter ist das. Und Brokkoli? Ich mag keinen Brokkoli.
Es gibt immer etwas, was NOCH kalorienärmer ist, aber dies ist nun mal keine Diät, sondern eine Ernährungsumstellung. Eine Ernährungsumstellung heißt, so zu essen, wie man nötigenfalls sein gesamtes Leben lang essen könnte. Das klappt nicht auf die Quälmethode! Und irgendwie soll es ja auch schmecken.
Klar, ich hätte z.B. den Frischkäse weglassen können. Hätte 300 Kalorien gespart. Aber es hätte auch wesentlich weniger gut geschmeckt. So siehts aus!

Einen letzten Klopper hatte Mattes dann am Schluss noch für mich. „Kohlrabi ist auch gut. Je mehr Kohlrabi man isst, desto mehr nimmt man ab.“

Ich: „Tze… falsch.“

Mattes: „Das stimmt!“

Ich: „Nein, tut es nicht. Erstens verwechselst du das, glaube ich, gerade mit Kohl, und zweitens gibt es keine negativen Kalorien.“

Ente Ente Ente Ente!!!

Ente Ente Ente Ente!!!

Mattes wurde richtig sauer. „Nein, wenn ich Kohlrabi sage, meine ich auch Kohlrabi!“

„Trotzdem gibt es keine negativen Kalorien. Das einzige, was du zu dir nehmen kannst und was mehr Kalorien verbraucht als es dir liefert, ist sehr kaltes Wasser, weil der Körper Energie verbraucht, um es auf Körpertemperatur zu bringen. Aber der Effekt ist so geringfügig, dass dir das auch nichts bringt.“

Obwohl meine präzisen Antworten wohl mehr als hinreichend bewiesen, dass ich irgendwie ein bisschen mehr Ahnung hatte als er selbst, beharrte Mattes auf seinen Standpunkt: Je mehr Kohlrabi, desto mehr nimmt man ab! Immerhin hätte er das ja mal irgendwo gelesen.

Ich hatte die Schnauze voll. Ich googelte „negative Kalorien“ und knallte ihm das eindeutige Ergebnis vor die Nase. Woraufhin er wenigstens ein bisschen kleinlaut wurde.

Und ich endlich in Ruhe meine beschissene Suppe essen durfte.

Naja – dies nur als kleine Impression davon, was man sich als Frau mit Gewichtsoptimierungsvorsatz so anhören darf.

Vier Wochen zog ich mein Programm durch und verlor drei Kilo. Das war toll, aber dann wurde ich einmal schwach und aß abends bei einem Kumpel noch eine Pizza, obwohl ich mittags schon warm gegessen hatte.
Boom, die Waage sagte am Tag darauf: 1,5 Kilo mehr.

Ich hätte fast mein Zimmer auseinander genommen. Das ist einfach verdammt noch mal nicht fair, dachte ich. Ich kann mich nicht mein gesamtes Leben lang sklavisch an meinen Plan halten! Ich hasse diese Scheiße!!! Dann kann ich es ja auch gleich sein lassen!!!

Dabei weiß ich, wie falsch das ist. Die eine Pizza hat es nicht rein gerissen. Ich hätte die 1,5 Kilo direkt wieder unten gehabt, wenn ich nur weiter standhaft geblieben wäre.
Aber meine Motivation war am Boden. Außerdem stand Weihnachten vor der Tür. Gemäßigt essen an Weihnachten? Kann man vergessen. Allein schon der Versuch ist reine Quälerei. Und nach Weihnachten kommt Silvester, was auch nicht gerade niedrigkalorisch ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich beendete das Projekt „Ernährungsumstellung“, knallte den Stempel „Teilerfolg“ drauf (immerhin, 3 Kilo in 4 Wochen, es klappt also… Mattes hat zwar GELACHT, als er das hörte, aber in der Tat ist das gar nicht mal so wenig ohne Sport) und verschob den Reboot auf nächstes Jahr.

Womit wir jetzt in der Gegenwart angekommen wären.

Aber wie das jetzt alles weiter gehen wird, was ich plane und vor allem: Was ich esse – das verschiebe ich auf den nächsten Beitrag.

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