Man ist nur ein Opfer, wenn man in der Ecke sitzt und weint.

depression

Da hatten sie mich also wieder. Ein saudämlicher Satz, beiläufig eingeflochten, trivial, gedankenlos, böse.

Ich gehe an die Decke. Und genau das ist das Problem: Ich darf das nämlich nicht. Ausnahmsweise dieses Mal nicht, weil ich eine Frau bin und damit per se unfähig zu komplexen Gedankengängen, sondern wegen meiner Krankheit.

Mir wurde vor ziemlich genau sieben Jahren Depressionen diagnostiziert – doch nach all dem, was ich seitdem (und auch schon davor) gelesen und erfahren habe, dürfte ich schon wesentlich länger daran leiden. Nämlich, seit ich 13, 14 bin. Damit bin ich mein halbes Leben lang depressiv.

Das ist Scheiße, aber wie man sieht, lebe ich noch und bin durchaus in der Lage, meine Situation zu schildern. Und vor allem kann es mich so richtig ankotzen, wenn irgendwelche Pseudowissenschaftler, deren Spielplatz ich hier absichtlich nicht verlinken werde, über Depressionen plaudern, als ginge es ums Wetter, und dabei mehr als deutlich durchblicken lassen, dass sie bei dem Thema so ungebildet sind wie Scheiße.

Menno, jetzt hab ich schon wieder geflucht. Überhaupt bin ich ja schon wieder voll aggro. Denn das ist mein Schreibstil: Oft aggressiv, zeitweise polemisch, unsachlich, wenn es das Thema erfordert und ich keinen Bock auf überkorrektes Herumeiern habe, und manchmal auch einfach nur völlig überdreht.
Mein Schreibstil ist so, weil ich so bin. Denn: Ich bin nicht meine Depression. Eine Depression ist wie ein dunkler Schleier, der sich über einen legt, vieles dämpft – und manches erstickt.

Ich war ein fröhliches Kind. Ständig am herumrennen, neugierig, aktiv, laut, nervig, qietschfidel, extrovertiert, nicht im geringsten schüchtern. Das bin ich jetzt leider nicht mehr… was aber nicht heißt, dass mein Charakter sich geändert hat. Er liegt vielleicht unter der Leiche meiner Selbstachtung begraben, aber er ist noch da und zeigt Präsenz, so wie auch getönte Gläser das Licht der Sonne zwar verdunkeln, aber nicht aussperren können.

Worauf will ich mit diesem Schlingern am pathetischen Abgrund eigentlich hinaus?

Depressive sind nicht gleich. Jeder Depressive ist die Summe aus seinen Erfahrungen und dem, was ihm von Geburt an mitgegeben worden ist. Logischerweise unterscheiden sich Depressive daher, genauso wie andere Menschen (wir Depris nennen euch „Normalos“ – sorry) sich auch voneinander unterscheiden.

Natürlich gibt es Schnittstellen, sonst wäre die Bezeichnung „Depressiver“ ja hinfällig. Wir teilen uns offensichtlich genug Eigenschaften, um zu einer bestimmten Kategorie zugeordnet zu werden. Darüber hinaus sind wir aber jeder für sich ein Individuum.

depression2Eben diese Individualität wurde mir abgesprochen. Im Laufe der Zeit habe ich hunderte Depressive kennen gelernt und weiß: JEDER von ihnen hätte einen Satz wie „Depressive sollten sich ein positiveres Weltbild zulegen“ zum Kotzen gefunden. Das ist nämlich genau der Bullshit, der daran Schuld ist, dass Depressive ihre Krankheit immer noch lieber geheim halten; eine Verschiebung der Schuld auf höchsten Niveau, die leider vom Großteil der Bevölkerung immer noch betrieben wird, weil viele Menschen einfach ein Gefühlsleben wie ein Stück Brot haben und keine Sekunde in der Lage sind, sich mal in einen anderen Menschenhinein zu versetzen. Und saublöd ist er außerdem – das ist ungefähr so, als würde man einem verhungernden Kind empfehlen, doch einfach weniger Hunger zu haben. „Du würdest weniger heulen, wenn du einfach mehr lächeln würdest“ – aaaalles klar!

Was an natürlicher Empathie fehlt, kann man ja vielleicht wenigstens durch Bildung halbwegs wieder wett machen, oder? Tze, nee. Klappt auch nur bei denen, die Bock drauf haben. Und eben dieser Lackaffe, der mir bescheinigte, ich HÄTTE ja gar keine Depression, wenn ich es doch noch schaffe, so böse und heftig auf ein harmloses Sätzchen zu reagieren und die lieben Maskulistenbübchen so gemein anzugehen, hatte nun mal keinen Bock drauf (aber naja… das war eigentlich nicht überraschend).

Viele Depressive, die ich kenne, hätten tatsächlich nichts gesagt, weil ihnen krankheitsbedingt schlicht und ergreifend die Kraft gefehlt hätte. Und nur wenige der restlichen Betroffenen hätten es geschafft, so viel Wut zu mobilisieren und auf den Monitor zu bringen wie ich. So bin ich aber eben halt, da sprach nicht meine Krankheit aus mir, sondern, naja, ICH halt.
Mir einfach vor den Latz zu knallen, das wäre der Beweis, dass ich keine Depression hätte (und damit ja im Grunde auch gesagt wird, dass ich lüge), zeugt natürlich von besonderer Raffinesse. Denn damit bleiben ja nur zwei Möglichkeiten:
1. Ich halte meine Fresse und darf in den Augen dieser Wichser depressiv bleiben, damit bliebe ihr Müll aber unkommentiert, oder
2. Ich reiße mein Maul auf und bin eine Lügnerin.

Wisst ihr was? Interessiert mich nicht. Ich habe mein ganzes Leben versucht, so ehrlich wie möglich zu sein, aber wenn es mich zur Lügnerin macht, gegen gehirnerweichenden Bullshit anzuschreiben, dann bin ich halt eine.

Nur wenige Gegenstimmen erhoben sich außer mir. Und eine war besonders interessant: Es ging zwar ein vorsichtiger indirekter Tadel an die Vollidioten, die sich auf meine Kommentare gestürzt hatten, aber auch der eindeutige Hinweis an mich, über meine „Leiden“ doch da besser nicht zu schreiben.

„Meine Leiden“… buh, man vermeidet das böse D-Wort. Ich soll also nicht von meinem „Leiden“ schreiben, damit ich keine Angriffsfläche biete…
Woran erinnert mich das? Aja: „Geh nicht durch die dunkle Gasse, dann wirst du auch nicht vergewaltigt“.

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Ich schäme mich meiner Diagnose nicht. Kein Mensch mit Depressionen ist Schuld an seiner Krankheit. Im Real Life würde ich mir durchaus überlegen, wem ich mich offenbare, eben WEIL es so viele Idioten gibt, aber hier bin ich anonym und daher interessiert es mich einen Scheißdreck, wenn eine Bande Unbekannter mich für verwirrt oder verrückt hält.

Aber es ist schon interessant, wie man mundtot gemacht wird, nur weil man sich nicht so verhält, wie manche Leute es aus ihrer Kinderbeilage von „Psychologie Heute“ kennen. Die selben Menschen (naja, nein, DIE bestimmt nicht, aber Menschen vom gleichen Schlag) hätten vielleicht sogar wenigstens ein bisschen Mitleid mit mir, wenn ich still in meinem Kämmerlein vor mich hin leiden würde, statt unter schwachsinnigen Blogbeiträgen auf den Putz zu hauen.

Wozu mir ein ziemlich übles Beispiel einfällt.

Ich hatte ein Praktikum in einer Schule und kam dabei besonders mit einer sechsten Klasse in Kontakt. Diese Klasse, wie mir die Klassenlehrerin erzählte, war momentan schwierig: Zum neuen Schuljahr war eine neue Schülerin dazu gekommen. Sie war ein Jahr älter als ihre Klassenkameraden und bei einer Pflegefamilie untergebracht, weil sie in ihrer echten Familie missbraucht worden ist.

Verdammte Scheiße, dachte ich. Mir tat die Kleine unendlich leid. Aber wenn ich in diesem Moment auch nur annähernd geahnt hätte, wie der gesamte Lehrkörper zu diesem armen Mädchen steht, hätte ich vermutlich meine Jacke genommen und mir ein anderes Praktikum gesucht.
Denn alle hassten das Mädchen. Wirklich wahr. Sie machte kaum Hausaufgaben, fehlte oft, lungerte mit älteren Freunden vor der Schule herum und trank dort manchmal sogar Alkohol. Das war alles zuviel für die ganzen braven Landkinder der Klasse, die in geordneten Verhältnissen groß geworden sind. Sie reagierten mit Unruhe. Und Schuld war das Mädchen.
Es ist unglaublich, wie viel Abneigung alle Lehrer diesem Mädchen entgegen brachten, sobald sich die Tür des Lehrerzimmers hinter uns schloss. Am liebsten sollte sie einfach weg, wohin, wusste niemand, war aber auch egal, Hauptsache weg. Die Klassenlehrerin erzählte mir wutschnaubend, während die restlichen Lehrer um uns herum standen und beifällig nickten, dass die Klasse vor dem Auftauchen des Mädchens vorbildlich gewesen wäre.
Da fragt man sich: Wie vorbildlich und brav können zwölfjährige Schüler sein, die eine Mitschülerin, die verdammt noch mal sexuell missbraucht worden ist, anrufen und sie am Handy „Schlampe“ nennen?

Wäre sie doch nur ein besseres Opfer gewesen. Wenn sie doch nur schüchtern den Kopf über ihre Bank gesenkt und vielleicht ab und zu ein paar Tränchen verdrückt hätte, statt im trotziges Schweigen gehüllt den Schimpftiraden ihrer Lehrer zu lauschen, nur um an nächsten Tag wieder auf dem Parkplatz rumzugammeln und mit Sechszehnjährigen Bier zu saufen!

Wie immer nach der Todesstrafe für Kinderschänder geschrieen wird, wenn mal wieder ein Fall publik wird. Und dann hat man ein reales Opfer eines Kinderschänders vor sich und stellt plötzlich fest, dass dieses Kind schwierig ist. Sowas aber auch. Dann hat man natürlich jedes Recht, dieses Kind scheiße zu finden!

 

Wie wärs, ihr Vollidioten da draußen, wenn ihr uns allen einfach die Peinlichkeit erspart, euch zusehen zu müssen, wie ihr das Benehmen von auf welche Weise auch immer geschädigten Leuten mit der kaffeefleckigen Verhaltensschablone vergleicht, die ihr euch irgendwann vor Jahren nach Vorlage eines Spiegelartikels zum Thema oder des RTL-Samstagskinos gebastelt und danach nur noch in die Hand genommen habt, um eure unqualifizierte Meinung in die Welt zu scheißen?

Dann hätten wir normalen Betroffenen endlich Ruhe vor euch, auch ohne uns schön opfermäßig in eine kalte Ecke zu kauern.

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37 Gedanken zu “Man ist nur ein Opfer, wenn man in der Ecke sitzt und weint.

  1. Wie Recht du hast. Mir wurde auch gesagt, dass ich leichte Depressionen habe und eine ganz große Sozialangst. Naja, ich verstehs einfach nicht wie so viele denken, dass man mit Depressionen WIRKLICH immer in der Ecke liegt. Klar gibt es diese, die einfach noch nicht aufstehen können, weil sie keine Kraft haben. Ich glaube ernsthaft, dass die einfach sich viel zu wenig dafür interessieren, um das wirklich zu kapieren. Ich könnte mich darüber auch stundenlang aufregen. Früher war ich ein fröhliches Kind und wenn ich auf den Boden fiel und mir die Knie aufgeschlagen hatte, stand ich wieder auf und spielte weiter. Was soll der Scheiß also? Nur weil man etwas erlebt hat im Leben, was einen runtergezogen hat und man dadurch innerliche Zerstörungen durchgemacht hat, heißts nicht, dass wir alle gleich sind. Jeder geht doch damit anders um und das versteh ich nicht wie engstirnig manch ein Vollidiot sein kann. Außerdem liebe ich deinen Schreibstil, weil er verdammt nochmal verdammt „dreckig“ ehrlich ist. Solche Menschen wie dich bräuchte man viel viel öfter im Leben und auf der Welt. Ich träume gerne über Dinge, die ich noch nicht habe, aber dennoch weiß ich, dass die Welt nicht immer toll ist und das zieht mich aber trotzdem keine 500 Jahre runter. Ich weiß, dass ich Depressionen hab, die immer mal wiederkommen, aber ich weiß wie man damit umgeht, da ich sie schon seit 2 Jahren besitze und ich bin verdammt stolz auf mich. Wenn mein bester Freund mit mir unterwegs ist, dann bin ich wohl diejenige, die am lautesten lacht.
    So jetzt hab ich mich genug aufgeregt, glaube ich..
    Danke für deinen Text, Robin!

    Liebe Grüße,
    Sarah

    • Siehste, du schreibst ja auch mehrheitlich fröhlich und hast vermutlich trotzdem Tage, an denen es dir nicht so gut geht. Bah, wie ich dieses Schubladendenken hasse!

      Wenn wir alle (also die Depressiven) uns einfach mal im RL outen würden, wäre das Bild von uns vermutlich anders. Aber wer macht da den Anfang? Keiner hat Lust, stigmatisiert und verlacht zu werden. Oder tatsächlich für irre gehalten zu werden. Man ist ja angeblich nicht mehr fähig zur Objektivität, sobald man depressiv ist!

      Leidest du immer noch an Sozialer Phobie? Das habe ich lange Zeit auch. Das ist wirklich mies, aber das Gute daran ist, dass man es sich auch ohne therapeutische Hilfe relativ leicht selbst abtrainieren kann. Das macht am Anfang überhaupt keinen Spaß, aber die Erfolge sind wirklich schnell bemerkbar!
      Noch heute stottere ich allerdings vor fremden Menschen gerne… oder meine Stimme bricht weg :/

      • Ja das stimmt, ich liebe die Momente in denen ich glücklich sein kann. Glückliche Momente haben nicht viele Menschen und wenn ich sie habe, dann bin ich ganz stolz drauf.
        Es ist meist so, dass ichs zugebe, weil ich manche über mein Wesen aufklären muss. Wer anfängt mit mir Kontakt zu haben, wird merken, dass ich total stark rüberkomme, aber es ist so, dass ich das nicht immer bin. Eigentlich bin ich ein „zartes“ Wesen, hört sich voll komisch an, aber es ist ja nunmal so. Ich gebe meine Ängste zu und einmal hab ich letztens vor 15 Leuten, die ich kaum kenne mit denen ich jetzt neu in der Klasse bin, gesagt, dass ich eine soziale Phobie habe und dann fragten gleich alle was das ist. Das Gefühl ist komisch, aber man ist froh, wenn man andere darüber informieren kann.
        Dadurch, dass ich schon über 2 Jahre zu meiner Psychologin gehe, ist das weniger geworden. Eigentlich wars ja eher wegen dem Gymnasium, weswegen ich die Sozialphobie bekam.
        Ich finde es nicht schlimm, wenn jemand stottert. Mein Onkel stottert und eine gute Freundin, die stottert richtig krass. Alles wird gut ♥

  2. Zwei Dinge wollte ich da noch ergänzen.
    1. Schön sind auch die folgenden Sprüche: „Reiß dich halt ein bisschen zusammen“ (idealerweise kombiniert mit „Dem/der XY geht’s auch nicht gut, aber der/die macht nicht so ein Gesicht“) und „Morgen sieht’s schon ganz anders/viel besser aus“.
    2. Ich erlebe auch oft, dass Schüler abgewertet werden, wenn sie sich nicht ihrer Krankheit/ihrem Problem „entsprechend“ verhalten; Missbrauchsopfer haben dann z.B. zart, still und leise in der Ecke zu leiden und haben elfenhafte, blasse Hascherl zu sein. Laute, aggressive oder womöglich noch übergewichtige Mädchen sollen sich lieber nicht so anstellen und kein Wunder, dass… usw.

    Ging es in deiner Reaktion eigentlich um die Teamsitzung?

  3. So – und nun:
    Liebe Robin („Rotkehlchen“ heißt das übersetzt…),

    vor einiger Zeit hatte ich Dir – glaube ich jedenfalls – einmal geschrieben (im Barblog), daß ich vor ca. zwei Jahren meinen Job als Rechtsanwalt nach 16 Jahren (plus ca. sieben Jahren Studium) hingeschmissen hatte.
    Weshalb ? „Burn out“ oder etwas fachkundiger: Mittelgradige Depression, seit Jahren vorher garniert mit Bruxismus, Übersäuertem Magen/ Magengeschwüre, Blutdruck von 190/110 (April 2011) und all that. Ich war damals fast auf allen Vieren unterwegs. Habe überlegt, wie ich mich am besten/ sichersten vor die S-Bahn werfen sollte. Direkt am Bahnsteigsanfang/ Ende des Tunnels, dann sieht mich der S-Bahnfahrer zu spät, um noch bremsen zu können.
    Einkauf im Supermarkt um die Ecke war monatelang ein echtes Tagesprojekt. Ein Mal pro Woche Einkauf, damit ich möglichst nicht raus mußte. Einbunkern – tagelanges Starren ins Leere. Etc.
    Seit Ende 2011 läuft Therapie und es wird wohl werden (auch wenn es Tiefphasen gab und gibt), mit meinen Ärzten etc. habe ich wohl richtig Glück gehabt.
    Ich glaube, daß jemand, der depressiv ist oder in diese Richtung tendiert, noch etwas merkt in diesen Zeiten. Diese Welt ist zum Teil einfach nur krank, viele Zeitgenossen auch. Wir „wollen“ noch etwas (Gutes – ich jedenfalls) und leiden an all diesen Idioten und Karrieristen mit Krawatte und Laptop etc.
    Soweit erst einmal.
    Dir alles Gute und meinen Dank für Deinen Mut, das zu schreiben und zu bekennen. Es gibt so viel mehr von uns, als Du wahrscheinlich glauben magst.
    ich habe es auch offen gehandhabt und mich heftig gewundert, wer das alles auch schon erlebt hat oder gerade drinsteckt.
    Das beste: Alle meine Freunde sind noch da. Es sind nicht soo viele, aber sie sind gut, wirklich gut.
    Eventuell schreibe ich noch mehr dazu – das hier sollte erst einmal zu Dir/ Euch.

    • Jap, ich bin ein Rotkehlchen 😉

      Ich weiß ja durchaus, dass es sehr viele von „uns“ gibt, ich kenne auch wirklich eine ganze Menge. Das Problem ist, dass die Normalos das nicht wissen. Würden sie einfach mal sehen, dass sowas wirklich jeden treffen kann, vom mickrigsten Hilfsarbeiter bis zum erfolgreichen Rechtsanwalt, wäre wohl vielen geholfen.
      Aber dahin ist es noch ein weiter Schritt. Es existieren so viele dümmliche Klischees über Depressionen und die davon Betroffenen… Das lässt sich nicht einfach von Heute auf Morgen ändern. Wenn man bedenkt, dass bis vor wenigen Jahrzehnten Depressive in den USA noch lobotomiert worden sind… Das Bewusstsein für die Krankheit ist ja gerade erst erstanden.
      Dennoch ist so ein saublöder Spruch wie der mit der „positiven Weltsicht“ einfach ein riesiger Schritt zurück.

  4. Meine Überzeugung ist, dass jeder Mensch eine Besonderheit hat (vielleicht auch mehrere), weswegen man ihn nicht „normal“ nennen könnte. Also mal sehr frei die Bibel zitiert: Wer frei ist von allem, der Stelle sich als erster in die Mitte des Raums.

    • Das ist ein interessanter Punkt. Die größte Diskussion in der modernen Psychologie scheint auch der Streit über die Definition dessen, was „normal“ eigentlich ist, zu sein…
      Man muss nur mal mit offenen Augen durch die Straßen gehen. 90% aller Menschen haben ein Rad ab. Und gerade die Leute, die mit sich selbst im Reinen und völlig zufrieden sind, schaden manchmal am meisten anderen Menschen.
      Da würde mir spontan Dieter Bohlen einfallen…

  5. Hier noch ein Nachtrag – soo passend herrlich ! (aus: „Per Anhalter durch die Galaxis“ ):

    Marvin…
    „Menschen – oh je… Schon wieder Menschen.
    Warum sabbel ich ich mich mit denen noch ab ? Es hat doch sowieso alles keinen Zweck. Es ist so sinnlos…“
    Miss Robin: Es gibt auch „gute“ Menschen.
    Die machen nur keine Werbung für sich.

  6. @ Robin

    „Denn das ist mein Schreibstil: Oft aggressiv, zeitweise polemisch, unsachlich, wenn es das Thema erfordert und ich keinen Bock auf überkorrektes Herumeiern habe, und manchmal auch einfach nur völlig überdreht.“

    Damit habe ich keine Probleme.
    Meine ständigen Aufforderungen an Feministinnen und Maskulisten zu besseren Umgangsformen beziehen sich auf den Verzicht von persönlichen Beleidigungen in Diskussionen, von „Hate-Speech“ und von Sexismus gegenüber dem anderen Geschlecht.

    Diesbezüglich führe ich schon seit längerem einen einsamen Kampf zur Verbesserung der Diskussionskultur zu Geschlechterthemen im Netz. 🙂

    Scharfe Formulierungen und Polemik verwende ich selber darüber hinaus aber auch – wo ich das sachlich für angemessen halte.

    „Nur wenige Gegenstimmen erhoben sich außer mir. Und eine war besonders interessant: Es ging zwar ein vorsichtiger indirekter Tadel an die Vollidioten, die sich auf meine Kommentare gestürzt hatten, aber auch der eindeutige Hinweis an mich, über meine “Leiden” doch da besser nicht zu schreiben.“

    Na ja, das war zwar diesmal nicht ich, aber das sage ich gewöhnlich auch. Im Allgemeinen rate ich Männern auf feministischen Blogs besser nicht über persönliche Probleme zu sprechen und Frauen auf maskulistischen Blogs besser nicht über persönliche Probleme zu sprechen – erfahrungsgemäß sind in solchen Kontexten meistens Diskussionsteilnehmer vorhanden, deren Empathie für Probleme/Leiden/Opfererfahrungen des jeweils anderen Geschlechts zu gering ist. Ich finde ich es dann stets ärgerlich, wenn es zu den üblichen unqualifizierten Bemerkungen, Unterstellungen etc. kommt.

    Mir ist natürlich bewusst, dass es Deiner Persönlichkeit widerspricht zu irgendwelchen Themen, die Dich interessieren, nicht rückhaltlos authentisch Deine Meinung zu sagen und ich kenne auch andere Personen beiderlei Geschlechts, bei denen das so ist.
    Dass sich auf ideologisch einseitig ausgerichteten Blogs in der Regel Leute finden, die damit nicht angemessen umgehen können/wollen ist aber leider Fakt und ich fände es daher falsch, zu versuchen diesbezüglich etwas zu verschleiern.

    Bezüglich meiner Recherchen zum Thema „Depression“ wollte ich ja noch ein paar Sachen mitteilen, das kommt morgen oder übermorgen. Bin noch nicht ganz durch.

    Beste Grüße

    • Ja, von dir kam der Satz nicht, und ehrlich gesagt habe ich auch keine Sekunde geglaubt, dass die Person, von der er kam, dies so gemeint hat, wie ich es dargestellt habe. Da wollte ich einfach nur mal ein bisschen gemein sein. Obwohl ich sachlich immer noch dazu stehe. Und trotzdem weiß, dass ihr irgendwo Recht habt. Es ist vergebliche Liebesmüh.

      Einerseits tun mir solche unendlich bösen Reaktionen auf eine solche „Enthüllung“ schon irgendwo weh, aber andererseits denke ich: „Ja, labert nur weiter, damit jeder sieht, was man von euch zu halten hat.“
      Glücklicherweise habe ich mir zumindest bei dieser Thematik inzwischen ein dickes Fell zugelegt.

      Bin gespannt, was deine Recherchen ergeben.

      • Hi Robin,
        sorry, dass ich immer noch nichts dazu gepostet habe.

        Das liegt daran, dass mir die letzten Tage extrem viel Arbeit dazwischen kam, aber ich habe Dich nicht vergessen, einiges zu dem Thema gelesen und mit einem Bekannten gesprochen, der sich mit dem Thema gut auskennt.

        Bevor ich das Risiko eingehe, vorschnell irgendwas dazu zu sagen, was unfundiert ist, nehme ich mir lieber ausreichend Zeit.

        Es wird vermutlich noch bis Sonntag dauern, aber dann habe ich endlich ausreichend Zeit, was dazu zu schreiben.

  7. Mir hat das ungefilterte,nicht politisch korrekte Schreiben immer geholfen,mich oft auf neue Gedanken gebracht.
    Wer weint ist niemals Opfer.Es ist eine Ressource,die das Hirn mal so richtig durchkärchert.Mir hat es immer genützt,ich kann anschließend wieder atmen,wieder denken und handeln.
    Ich hab mal irgendwo gelesen,daß,wenn Dich jemand ärgert/trifft/mobbt,was auch immer,er Dich auch besitzt.D.h.,Du beschäftigst Dich mit dem Aggressor,und nicht mit Dir selbst und der Frage,wie verdammt noch mal,komm ich aus der Nummer raus,ohne Schaden zu nehmen?!
    Lass nicht zu,dass Dich jemand leiden lässt!
    Halt durch!

    • Du hast schon Recht, weinen ist eine völlig natürliche Reaktion. Es darf nur nicht ausarten wie bei mir :/
      Ich glaube auch, für Männer, die damit aufgewachsen sind, dass sie nicht weinen DÜRFEN, kann weinen weitaus befreiender sein als für Frauen.

  8. Was die Wirkung von Weinen angeht, sehe ich das auch so. Der Druck ist hinterher weg, jedenfalls war es bei mir sehr oft so. Das ist auch kein Grund, sich zu genieren (bei Männern ist es wohl oft ein Problem). Auch Helden haben schon geweint und wenn Männer es können, dann ist es auch für irgendetwas gut. Wie oft habe ich nachts vor meinem Laptop gessen, mir traurige Country-, Blues- oder sonstwas für Balladen angehört, immer und immer wieder und hier Taschentücher zu Matsch gemacht.
    Und was das „Festhalten“ an oder dem dauerhaften Widerstand gegen Gegner angeht, so halte ich das auch für zutreffend, was Du geschrieben hast. Genau darum, weil einige der damaligen Bürokollegen sich so elend dummstumpf und mobbig verhalten haben, habe ich mich irgendwann gefragt, weshalb ich mir das noch weiter antun soll. Sie hauen einfach nicht aus meinem Leben ab (trotz zunehmend deutlich geäußertem Wunsch), also habe ich das dann gemacht.
    Die arbeiten noch immer zusammen und gehen sich auf die Nerven.
    Als Verlierer sehe ich mich nach zwei Jahren nicht (mehr). Im Gegenteil.
    Sie werden irgendwann untergehen.

  9. Pseudowissenschaftler? Ich habe eine vage Ahnung, wo das gewesen sein könnte^^. Das mit dem positiveren Weltbild lässt allerdings darauf schließen, dass da wohl jemand wollte, dass du dir SEIN positives Weltbild zulegst. Solche Leute kann man wohl wirklich bloß ignorieren, Brot kann wenigstens noch schimmeln oder vorher gegessen werden.

      • Ich fand deine Kritik an meinem Abschlusssatz ja für einen Einstieg unnötig aggressiv.

        Zumal ich klar gestellt hatte, worum es mir bei der Formulierung ging.

        Du tust ja gerade zu so als hätte man dir persönlich da etwas böses gewollt.

        Was jedenfalls von meiner Seite her keineswegs der Fall war.

      • Och, das wäre noch weitaus aggressiver gegangen. Und wenn ich mir deine Reaktion darauf ansehe, finde ich sie ganz und gar nicht unnötig.

        Persönlich hast du MIR sicher nichts böses gewollt, das ändert aber nichts daran, dass mich dieser Satz beleidigt hat. Nicht mich als Person, sondern mich als Depressive.

        Das ist das, was du immer noch nicht checkst.

        Manche Themen sollte man einfach sein lassen, wenn man sich nicht die Mühe machen will, sich richtig reinzuarbeiten. Allein die Lächerlichkeit, Symptome einer Depression zu GOOGLEN und dann zu denken, man wüsste alles, was man dazu wissen müsste!

        Tagtäglich bringen sich Menschen wegen dieser Krankheit um und du hast nichts besseres zu tun, als denen zu empfehlen, doch einfach positiver zu denken, nur weil es deine Argumentation stützt.

      • „Och, das wäre noch weitaus aggressiver gegangen.“

        Sicher, aber was genau bringt dir das? ich versuche für meinen Teil nach Möglichkeit immer sachlich zu bleiben, weil das für eine Diskussion aus meiner Sicht der bessere Weg ist.

        „Manche Themen sollte man einfach sein lassen, wenn man sich nicht die Mühe machen will, sich richtig reinzuarbeiten. Allein die Lächerlichkeit, Symptome einer Depression zu GOOGLEN und dann zu denken, man wüsste alles, was man dazu wissen müsste!“

        Ich habe nicht behauptet, dass ich alles wüsste. Ich habe lediglich versucht, dritte Quellen als Fakten einzubringen. Deine Einwände gegen den Artikel beschränkten sich ja im wesentlichen auf den letzten Satz. Ansonsten hast du inhaltlich bisher meine ich nichts vorgebracht.

        „Tagtäglich bringen sich Menschen wegen dieser Krankheit um und du hast nichts besseres zu tun, als denen zu empfehlen, doch einfach positiver zu denken, nur weil es deine Argumentation stützt.“

        Ich habe ihnen nicht empfohlen, „einfach positiver zu denken“. Sondern sich eine positivere Weltsicht als den radikalen auf IDPOL basierenden Feminismus zuzulegen. Insoweit stimme ich der von mir zitierten Feministin zu: „We are eggs. Feminism can make you greatly depressed and anxious“
        Auch Depressive müssen nicht radikale Feministinnen sein oder? Man kann sich auch selbst im Bereich des Feminismus mit positiveren Richtungen beschäftigen als einem, in dem jeder Sünder im Rahmen seiner Privilegien ist und alle von allen unterdrückt werden und gleichzeitig irgendwie unterdrücken.

      • „Sicher, aber was genau bringt dir das? ich versuche für meinen Teil nach Möglichkeit immer sachlich zu bleiben, weil das für eine Diskussion aus meiner Sicht der bessere Weg ist.“

        Eine Diskussion mit dir ist sinnlos, da du deine Meinung sowieso nie änderst. Da rede ich so mit dir, wie ich will.

        „Ich habe nicht behauptet, dass ich alles wüsste. Ich habe lediglich versucht, dritte Quellen als Fakten einzubringen. Deine Einwände gegen den Artikel beschränkten sich ja im wesentlichen auf den letzten Satz. Ansonsten hast du inhaltlich bisher meine ich nichts vorgebracht.“

        Habe ich eigentlich doch. Aber egal: Der Artikel ist von vorne bis hinten Müll.

        „Ich habe ihnen nicht empfohlen, “einfach positiver zu denken”. “

        „Sich eine positivere Weltsicht zuzulegen“ ist dasselbe.

        „Sondern sich eine positivere Weltsicht als den radikalen auf IDPOL basierenden Feminismus zuzulegen. Insoweit stimme ich der von mir zitierten Feministin zu: “We are eggs. Feminism can make you greatly depressed and anxious”
        Auch Depressive müssen nicht radikale Feministinnen sein oder? Man kann sich auch selbst im Bereich des Feminismus mit positiveren Richtungen beschäftigen als einem, in dem jeder Sünder im Rahmen seiner Privilegien ist und alle von allen unterdrückt werden und gleichzeitig irgendwie unterdrücken.“

        Ich glaube kaum, dass viele Depressive es sich aussuchen können, woran sie glauben, genauso wenig wie andere auch, eigentlich.

        Ich habe wirklich nicht mehr die geringste Lust, mit dir darüber zu diskutieren. Was du gerade eben wieder auf deinem Blog geschrieben hast über den „harmlosen“ Satz, über den sich die dumme, verrückte Maren so aufgeregt hat… da würde ich dir am liebsten genau vor die Füße kotzen.
        Du bist nicht kritikfähig, du bist unfähig, dich für Fehler zu entschuldigen und du hast nicht die geringsten Hemmungen, andere für deine Fehler dumm da stehen zu lassen. Solange das so ist, werde ich mir nicht die Mühe machen, dir etwas zum hundertsten Mal zu erklären, was du eigentlich schon beim ersten Mal hättest kapieren müssen.

  10. Mäh robin magst du bitte den Trackback rausnehmen? Ich kann das aus der Ferne nicht.
    Ich hab den Artikel gelöscht und so kommt das doch etwas blöde. Danke dir 🙂

  11. Hallo Robin,
    hier endlich mein Beitrag zum Thema „Depression“. Ich splitte das jetzt in zwei Teile, der eine kommt jetzt, der andere im Laufe der Nacht.
    Falls Du den Eindruck hast, das hier zu persönliche Dinge angesprochen werden, brauchst Du die Kommentare nicht freizuschalten, geht ja niemanden etwas an. Falls Du sie nicht freischalten möchtest, gibt mir am besten trotzdem bei Gelegenheit einen Hinweis, dass Du sie gelesen hast, damit ich weiß, dass sie angekommen sind.

    Der Text enthält keine persönlichen Fragen von mir an Dich, es besteht keine Aufforderung irgendwas Persönliches zu erzählen.

    Ich erzähle einfach mal alles in meinen Augen Wichtige, was bei meinen bisherigen Recherchen zum Thema „Psychotherapie bei Depression“ bisher herausgekommen ist.
    Manches davon ist Dir vielleicht bereits bekannt, manches vielleicht aus anderen Gründen für Dich nicht so relevant. Das kann ich nicht wissen, ich erwähne also alles, was mir sinnvoll erscheint.

    Zur Diagnose: Da es verschiedene Formen von depressiven Erkrankungen gibt, wäre hier für Dich eventuell sinnvoll genauer zu wissen, um welche Form es sich handelt. Entsprechend müsste dann ja auch eine potentiell angemessene Psychotherapie darauf abgestimmt werden.
    Neben einer Depression als Hauptdiagnose ist es übrigens auch möglich, dass bei einem Menschen eine Depression als Komorbidität

    http://www.vistano-portal.com/wissenlexikon/psychologie_wissen/k/komorbititat.html

    zu einem anderen seelischen Problem auftritt. D.h., es gibt auch Personen, bei denen die Depression vor allem als Begleiterscheinung zu einem anderen seelischen Problem, welche die eigentliche Hauptdiagnose darstellt, auftritt bzw. von diesem ausgelöst wird.

    Solche Aspekte – um welche Art von depressiver Erkrankung es sich genau handelt und ob sie als Hauptdiagnose oder als komorbid anzusehen ist, müsste also psychodiagnostisch geklärt werden.

    Bezüglich der Wahl einer Psychotherapie sei als erstes wiederholt, was ich kürzlich bereits andeutete: Neben den wenigen psychotherapeutischen Verfahren, die von der Krankenkasse bezahlt werden, ist es grundsätzlich in der Regel möglich, auch wenn man wenig Geld hat, fast jede andere Gesprächspsychotherapie zu machen, die nicht von der Krankenkasse bezahlt wird, wenn man folgende Strategie anwendet: Will man eine bestimmte Psychotherapie machen, von der man weiß, dass die Krankenkasse sie nicht bezahlt und die selbst zu bezahlen, man sich finanziell nicht leisten kann, dann empfiehlt es sich einen Psychotherapeuten zu suchen, der mindestens zwei psychotherapeutische Ausbildungen hat – eine Psychotherapieausbildung in einer Therapie, die von der Krankenkasse bezahlt wird und eine andere in der spezifischen Therapie, die man selbst gerne machen möchte, obwohl sie nicht von der Krankenkasse bezahlt wird.

    Beispiel: Eine Freundin von mir wollte eine Personenzentrierte/Klientenzentrierte Psychotherapie nach Carl Rogers machen. Personenzentrierte Psychotherapie wird zur Zeit leider nicht von der Krankenkasse bezahlt. Also hat sie sich einen Psychotherapeuten gesucht, der eine Ausbildung in Verhaltenstherapie hatte (wird von der Krankenkasse bezahlt) und gleichzeitig in Personenzentrierte Psychotherapie (was sie gerne machen wollte, aber nicht von der Krankenkasse bezahlt wird und sie selbst nicht finanzieren konnte). Angemeldet wurde eine Verhaltenstherapie, gemacht wurde überwiegend eine Personenzentrierte Psychotherapie. Es versteht sich von selbst, dass man das der Krankenkasse nicht auf die Nase binden darf.

    Als nächstes komme ich zur Erörterung der Frage, welche psychotherapeutischen Verfahren bei Depression als geeignet gelten und in der Psychotherapieforschung gute Ergebnisse erzielten. Das folgt im zweiten Teil, der etwas später kommt, da ich gerade kurz noch mal weg muss.

    Bis gleich. 🙂

  12. Teil 2 – So, weiter geht´s.

    Ausgehend von dem, was Du bisher erzählt hast, deutet es für mich eher auf eine unipolare anstatt auf eine bipolare depressive Erkrankung hin. (Bei einer unipolaren Depression gibt es keine manischen Phasen.) Natürlich ist das aber nur eine Vermutung, eine konkrete Diagnose wäre Sache einer aufzusuchenden Fachperson. Falls eine Diagnose bereits vorliegt, bist Du diesbezüglich ja vielleicht schon informiert.

    Die folgenden Ausführungen zur Psychotherapie bei Depression gelten daher für unipolare depressive Erkrankungen – bzgl. bipolarer depressiver Erkrankungen habe ich nicht nachrecherchiert.

    Eine der bekanntesten und umfassendsten Meta-Analysen der Psychotherapieforschung wurde von Klaus Grawe 1994 veröffentlicht:

    http://www.amazon.de/Psychotherapie-Wandel-Von-Konfession-Profession/dp/3801704815/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1358717194&sr=1-3

    Sie blieb zwar nicht ohne methodische Kritik, ist aber dennoch meines Wissens immer noch ziemlich anerkannt und wird häufig zitiert. Bezüglich der Wirksamkeit psychotherapeutischer Verfahren bei Depressionen hatten folgende drei Verfahren die besten Ergebnisse:

    – Kognitive Therapie nach Beck. Die kognitive Therapie der Depression nach Beck wurde integriert in die Verhaltenstherapie. Kognitive Verhaltenstherapie wird von den Krankenkassen bezahlt.

    – Depressionstherapie nach Lewinsohn. Diese fällt ebenfalls in den Bereich der Verhaltenstherapie und wird daher von den Krankenkassen übernommen.

    – Interpersonale (Interpersonelle) Depressionstherapie nach Klerman. Wird meines Wissens leider bislang nicht von den Krankenkassen übernommen. (Hier müsste man also wahrscheinlich die oben genannte Strategie anwenden, wenn man diese Therapie machen möchte.)

    Recherchen in aktuelleren Büchern zur Klinischen Psychologie bestätigten den guten Ruf dieser drei genannten Verfahren (auch mit Bezugnahmen auf andere Quellen zur Psychotherapieforschung als die Meta-Analyse von Grawe).

    Zusätzlich zu den genannten Verfahren hatte David ja noch ein paar psychotherapeutische Verfahren genannt, die bei Depressionen Anwendung finden. Ein Teil davon war mir bekannt, einige andere waren mir neu. Auch hierzu habe ich in klinisch-psychologischen Büchern (und wenn ich dort nichts fand im Internet) etwas nachrecherchiert, ob Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Z.T. ist das der Fall. Bezüglich einiger neuerer Verfahren habe ich jedoch nichts gefunden. Vielleicht gibt es hierzu noch keine oder nur wenig Forschung, vielleicht gibt es sie auch, aber sie ist nur in speziellen Fachzeitschriften einsehbar und hat noch wenig Eingang in Lehrbücher gefunden. Ich gehe mal kurz alles durch, was David noch genannt hat:

    – Rational-emotive Verhaltenstherapie nach Ellis. Wird von den Krankenkassen übernommen. Hatte in der Meta-Analyse von Grawe gute Ergebnisse bei einer ganzen Reihe von Störungen, auch bei neurotischen Depressionen. Bei den drei oben genannten psychotherapeutischen Verfahren lagen bezüglich Depressionen allerdings mehr Untersuchungen vor, so dass hier die Wirksamkeit besser belegt war. Ich fand in anderen Büchern zur Klinischen Psychologie bisher keinen Hinweis darauf, dass bei Ellis Methode die Wirksamkeit bei Depressionen inzwischen gesichert als ähnlich hoch eingeschätzt wird, wie bei den drei oben genannten Verfahren.

    – Schematherapie nach Young. Fällt auch unter die Kognitive Verhaltenstherapie, wird daher von den Krankenkassen übernommen. Befunde der Psychotherapieforschung hierzu habe ich leider keine gefunden.

    – Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) nach McCullough. Hierbei handelt es sich um ein Verfahren, das speziell für Menschen mit chronischen Depressionen entwickelt wurde. David zufolge wird auch dieses Verfahren von Verhaltenstherapeuten praktiziert und würde daher von der Krankenkasse bezahlt werden. Laut dem Wikipedia-Eintrag gab es hierzu eine Studie, welche hinsichtlich der Wirksamkeit zu einem positiven Ergebnis bei der Hälfte der Behandlungsteilnehmer kam. (David merkte zu Schematherapie und CBASP an, dass diese „in Deutschland derzeit noch ausgiebig in multizentrischen Studien evaluiert werden.“)

    – Selbstmanagement-Therapie. Ist ebenfalls ein verhaltenstherapeutisches Verfahren und wird daher von den Krankenkassen bezahlt. Der Wikipedia-Eintrag zu dieser Psychotherapie verweist darauf, dass dieses Verfahren in der Meta-Analyse von Grawe den „Problemlösungstherapien“ zugeordnet wurde. Diese haben gute Ergebnisse hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei einem breiten Spektrum von seelischen Problemen gehabt, zu denen auch Depressionen gehörten.

    – Funktionale Familientherapie (FFT). Ein psychotherapeutisches Verfahren, dass kognitive, behaviorale und systemische Perspektiven einbezieht. Wirksamkeitsstudien zur Behandlung depressiver Erkrankungen sind mir nicht bekannt. Laut David kein typisches Verfahren, dass von Verhaltenstherapeuten praktiziert wird, wird daher wohl nicht von den Krankenkassen übernommen.

    – Focusing. Ein psychotherapeutisches Verfahren, dass sich aus der Klientenzentrierten Psychotherapie von Carl Rogers entwickelt hat und nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Wirksamkeitsnachweise zu Depressionen sind mir keine bekannt.

    – Prozessorientierte Psychologie nach Mindell (POP). Ein tiefenpsychologisches Verfahren mit spirituellen Anteilen. Wird nicht von den Krankenkassen bezahlt. Wirksamkeitsnachweise bezüglich der Behandlung von Depressionen sind mir nicht bekannt.

    – Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (engl. Mindfulness Based Cognitive Therapy, MBCT). Hierbei handelt es sich um ein Verfahren zur Rückfallprävention bei Depressionen. Laut Wikipedia-Eintrag gibt es hier Studien, die eine Wirksamkeit belegen. Müsste unter die kognitive Verhaltenstherapie fallen und wird daher wahrscheinlich von den Krankenkassen übernommen. Es scheint sich um ein relativ neues Verfahren zu handeln.

    So, damit sind wir durch. Nach allen mir bisher vorliegenden Informationen zu Ergebnissen der Psychotherapieforschung bei der Behandlung von Depressionen sind also Verfahren aus dem Spektrum der Kognitiven Verhaltenstherapie sowie die Interpersonale Psychotherapie hier offenbar die psychotherapeutischen Methoden der Wahl. Psychoanalytische Verfahren haben bei Depressionen dagegen bislang deutlich schlechter abgeschnitten.
    Kognitive Verhaltenstherapie und Interpersonale Therapie wären demnach die psychotherapeutischen Verfahren, die Personen mit depressiven Erkrankungen, die eine Psychotherapie machen möchten, vorrangig zu empfehlen wären.

    (Gerne lasse ich meine Ausführungen von David oder erzaehlmirnix korrigieren oder ergänzen, falls diese der Ansicht sein sollten, dass dies sinnvoll wäre.)

    • Hi Leszek,

      erst einmal sorry, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe (dachtest sicher, ich hätte es vergessen?), aber erst hatte ich keine Zeit und dann ging es noch anderweitig drunter und drüber. Mea culpa!

      Erst einmal zur Diagnose: Ich kann, denke ich, ruhig zugeben, dass mir damals eine mittelschwere Depression nebst einer Anpassungsstörung diagnostiziert worden ist (leider hat mir nie jemand gesagt, worauf sich diese Anpassungsstörung bezieht – es gibt mehrere Möglichkeiten). Zudem litt ich damals an einer sogenannten Adoleszentenkrise, ausgelöst durch meine Perspektivlosigkeit nach dem Abi. Und natürlich ist das alles nicht bipolar – das ist weitaus seltener 😉
      Außerdem ist meine Depression exogen, d.h. es gab und gibt konkrete Auslöser, während bei einer endogenen Depression einfach nur die Hirnchemie aus den Fugen ist. Das ist auch der Grund, weshalb ich für ich Medikamente ablehne!

      Wie das alles zustande kam… da gibt es wohl viele Faktoren. Psychoanalytiker hätten eine helle Freude an meiner Familiengeschichte, aber auch für andere Schulen ist da viel dabei. Ohne darauf jetzt näher einzugehen.

      Die Psychoanalyse halte ich persönlich ja für extrem ineffizient, gerade bei Depressionen. Ich kannte mal einen Depressiven, der mir immer lang und breit erzählt hat, was bei seiner wöchentlichen Sitzung heraus gekommen ist, aber nichts davon war irgendwie von Substanz.
      Psychoanalyse vergleiche ich immer gerne mit Gedichtinterpretationen. Solange alles irgendwie stimmig ist, kann man in einen Text so ziemlich alles hinein interpretieren. Dafür braucht man keine großartige Ausbildung, sondern nur Fantasie (ein breit gefächertes Allgemeinwissen ist aber auch hilfreich).
      Auch fehlen hier richtige Lösungsansätze. Ein Problem erklären zu können, beseitigt es leider noch lange nicht.

      Eine reine Verhaltenstherapie sehe ich auch kritisch. Für mich ist dieser Ansatz ähnlich wie Medikamente: Die Symptome werden gemildert, aber das ursprüngliche Problem wird nicht angegangen. Das hat was von „Machen wir die Tussi wieder lebensfähig, damit sie niemanden auf der Tasche liegt“.
      Was mir empfohlen worden ist und was sich für mich auch am besten anhörte, war eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Welche Ansätze die mir empfohlenen Therapeuten allerdings verfolgen, weiß ich allerdings nicht, weil ich nie so weit gekommen bin.

      Und leider ist mir vor kurzem (tatsächlich erst vor wenigen Wochen) klar geworden, dass eine Therapie für mich handfeste Nachteile in meinem späteren Beruf mit sich bringen würde. Würde ich mich jetzt in Therapie begeben, werde ich nicht verbeamtet werden, mitsamt den finanziellen Konsequenzen. Das empfinde ich als ungerecht und noch habe ich mich nicht entschieden, ob ich es darauf ankommen lassen soll oder nicht!

      Ist leider nicht alles so leicht, wie man sich das immer vorstellt…

      • Hi Robin,

        „erst einmal sorry, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe (dachtest sicher, ich hätte es vergessen?), aber erst hatte ich keine Zeit und dann ging es noch anderweitig drunter und drüber. Mea culpa!“

        So geht´s mir auch häufiger. 🙂

        „Die Psychoanalyse halte ich persönlich ja für extrem ineffizient, gerade bei Depressionen. Ich kannte mal einen Depressiven, der mir immer lang und breit erzählt hat, was bei seiner wöchentlichen Sitzung heraus gekommen ist, aber nichts davon war irgendwie von Substanz.
        Psychoanalyse vergleiche ich immer gerne mit Gedichtinterpretationen. Solange alles irgendwie stimmig ist, kann man in einen Text so ziemlich alles hinein interpretieren. Dafür braucht man keine großartige Ausbildung, sondern nur Fantasie (ein breit gefächertes Allgemeinwissen ist aber auch hilfreich).
        Auch fehlen hier richtige Lösungsansätze. Ein Problem erklären zu können, beseitigt es leider noch lange nicht. Eine reine Verhaltenstherapie sehe ich auch kritisch. Für mich ist dieser Ansatz ähnlich wie Medikamente: Die Symptome werden gemildert, aber das ursprüngliche Problem wird nicht angegangen. Das hat was von “Machen wir die Tussi wieder lebensfähig, damit sie niemanden auf der Tasche liegt”.
        Was mir empfohlen worden ist und was sich für mich auch am besten anhörte, war eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Welche Ansätze die mir empfohlenen Therapeuten allerdings verfolgen, weiß ich allerdings nicht, weil ich nie so weit gekommen bin.“

        Ob Du eine Psychotherapie machen möchtest oder nicht und wenn ja, was für eine, ist selbstverständlich allein Deine Sache.

        Ich habe hierzu allerdings eine andere Sichtweise.

        Erstmal: die „Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie“ IST eine Form der Psychoanalyse. Es handelt sich hierbei um diejenige Form von psychoanalytischer Therapie, die heutzutage am meisten verbreitet ist – eben eine Kurzzeit-Psychoanalyse anstatt der klassischen Langzeit-Psychoanalyse.

        In den Büchern, in denen ich zur Wirksamkeit von Psychotherapien bei Depressionen recherchierte, hatte die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie durchweg weniger gute Ergebnisse als Verhaltenstherapie, Kognitive Therapie und Interpersonelle Therapie. (Zur Psychotherapieforschung und unterschiedlichen Sichtweisen innerhalb dieser weiter unten noch etwas mehr.)

        Dass eine reine Verhaltenstherapie nur dazu in der Lage wäre Symptome zu mildern, aber dass dadurch das ursprüngliche Problem nicht wirklich angegangen würde, ist ein Argument, dass man nicht selten von intelligenten und nicht-oberflächlichen Personen hört, die erwägen eine Psychotherapie zu machen.

        Ich sehe bei dieser Argumentation allerdings mehrere Schwierigkeiten:

        Erstens ist vielen scheinbar nicht bewusst, dass diese Behauptung von Psychoanalytikern in die Welt gesetzt wurde, um dadurch ein griffiges und scheinbar plausibles Argument zur Hand zu haben, welches – unabhängig vom tatsächlichen Stand der empirischen Psychotherapieforschung – die Überlegenheit tiefenpsychologischer/psychoanalytischer gegenüber kognitiven und verhaltenstherapeutischen Ansätzen postuliert.

        Dass Interessante bei dieser Diskursstrategie von psychoanalytischer Seite ist dabei, dass hier der weniger informierten Öffentlichkeit ganz subtil einfach eine bestimmte Sichtweise, wie psychische Genesungsprozesse angeblich funktionieren, untergejubelt wird, nämlich dass das Problem irgendwie tiefenpsychologisch-biographisch „direkt“ angegangen werden müsse und es bei anderen Vorgehensweisen (wie den verhaltenstherapeutischen) angeblich nur zu „oberflächlichen Symptomverbesserungen“ käme. Die Wahrheit ist aber: Niemand weiß GENAU, wie psychische Heilungsprozesse funktionieren und welche Wirkfaktoren hierfür die entscheidenden sind.

        Was, wenn die psychoanalytische Auffassung, dass es für Heilungsprozesse die beste Strategie sei, ein seelisches Problem tiefenpsychologisch-biographisch anzugehen, schlicht falsch wäre? Oder was wäre, wenn es z.B. mehrere Möglichkeiten gäbe seelische Heilungsprozesse zu fördern und nicht nur diese eine von psychoanalytischer Seite postulierte Möglichkeit? Was, wenn die menschliche Psyche anders oder komplexer in Bezug auf seelische Heilungsprozesse funktionieren würde als in der psychoanalytischen Perspektive vorgesehen? Dass die Sichtweise, man müsse persönliche Probleme tiefenpsychologisch-biographisch angehen, um substanzielle Besserungen zu erreichen oberflächlich schnell plausibel erscheint, bedeutet noch längst nicht, dass sie auch wahr ist.

        Die Ergebnisse der Psychotherapieforschung – so wie sie mir bisher bekannt sind – unterstützen diese m.E. einseitige tiefenpsychologisch-psychoanalytische Perspektive zur Funktionsweise von psychischen Heilungsprozessen nicht.

        Mir sind zwei grundlegende „Paradigmen“ in der Psychotherapieforschung bekannt – und beide kommen nicht zum Ergebnis, dass die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie der Verhaltenstherapie tatsächlich überlegen wäre.

        Die eine Richtung kommt bei der Sichtung der vorhandenen Studien zur Wirksamkeit verschiedener Psychotherapien regelmäßig zu dem Ergebnis, dass es Unterschiede in der Wirksamkeit der verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren gibt und dass die Kognitive Verhaltenstherapie im Allgemeinen für viele psychische Probleme das relativ wirksamste Verfahren sei (z.B. die Meta-Analyse von Klaus Grawe).

        Die andere Richtung kommt regelmäßig zu dem Ergebnis, dass sich die verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren in ihrer Wirksamkeit überhaupt nicht unterscheiden. Ihre spezifischen Methoden seien daher alle gleich irrelevant und unspezifische Wirkfaktoren, die überall vorhanden seien (z.B. die therapeutische Beziehung), seien die eigentlich wesentlichen Wirkfaktoren.

        Welche Sichtweise nun stimmt oder nicht, weiß kein Mensch genau.

        Berücksichtigt man diese Befundlage, dann ergibt sich daraus m.E. folgende Schlussfolgerung: Falls die erste Richtung recht hätte und die Kognitive Verhaltenstherapie wäre wirksamer als die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, dann wäre der Kognitiven Verhaltenstherapie hier der Vorzug zu geben. Falls die zweite Richtung recht hätte, dann wäre es sowieso egal, welche Psychotherapie man wählt. Da wir nun nicht genau wissen können, welche dieser beiden in der Psychotherapieforschung verbreiteten Sichtweisen recht hat, ist der logische Schluss, dass es besser ist die Kognitive Verhaltenstherapie zu wählen – denn dann liegt man offenbar bei dieser Lage der Dinge im Allgemeinen nicht grundlegend falsch.

        Für den Fall, dass die Kognitive Verhaltenstherapie tatsächlicher wirksamer ist, läge man mit dieser Wahl richtig und für den Fall, dass beide gleich wirksam wären, läge man ebenfalls nicht falsch. Daher spricht hier m.E. nicht viel für die Tiefenpsychologisch fundierte Therapie.

        Ich persönlich tendiere eher dazu die Kognitive Verhaltenstherapie für wirksamer zu halten als die Tiefenpsychologisch fundierte Therapie. Die Tiefenpsychologisch fundierte Therapie hielte ich persönlich für geeignet, wenn es lediglich um mehr Selbsterkenntnis ginge – bezüglich der Förderung tatsächlicher Heilungsprozesse halte ich persönlich aber die Kognitive Verhaltenstherapie für überlegen.

        Die Interpersonelle Therapie, die ebenfalls neben Kognitiver Therapie und Verhaltenstherapie gute Ergebnisse bei der Behandlung von Depressionen nachweisen konnte, beinhaltet übrigens sowohl tiefenpsychologische als auch kognitiv-verhaltenstherapeutische Elemente.

        Ich verlinke hier mal, für den Fall, dass es Dich interessiert, zwei interessante Artikel zum Thema „Wirkfaktoren in der Psychotherapie“, die sich auf den bekannten Psychotherapieforscher Klaus Grawe beziehen:

        http://www.chemie.uni-hamburg.de/igtw/Gesundheit/studium/material/KommPsychSS09/B_Grawe94.pdf

        http://psychiatrietogo.wordpress.com/2012/02/04/die-5-wirkfaktoren-der-psychotherapie-nach-klaus-grawe/

        „Und leider ist mir vor kurzem (tatsächlich erst vor wenigen Wochen) klar geworden, dass eine Therapie für mich handfeste Nachteile in meinem späteren Beruf mit sich bringen würde. Würde ich mich jetzt in Therapie begeben, werde ich nicht verbeamtet werden, mitsamt den finanziellen Konsequenzen. Das empfinde ich als ungerecht und noch habe ich mich nicht entschieden, ob ich es darauf ankommen lassen soll oder nicht! Ist leider nicht alles so leicht, wie man sich das immer vorstellt…“

        Ah, dieses Problem war mir auch noch gar nicht bewusst. Ich habe hier einen Artikel dazu gefunden, (speziell Seite 3 wäre hier relevant):

        http://www.zeit.de/2012/28/Psychotherapie-Berufsunfaehigkeit/seite-1

        Ein Restrisiko kann hier offenbar leider tatsächlich nicht ausgeschlossen werden. Die beste Strategie scheint es hier zu sein – wenn man trotzdem eine Psychotherapie machen will – mit dem Psychotherapeuten vorher auszuhandeln, dass dieser eine möglichst leichte Diagnose bei der Krankenkasse angibt (der Psychotherapeut kann ja potentiell etwas anderes als Diagnose angeben, als was dann tatsächlich behandelt wird oder die Diagnose stark abschwächen). Ich vermute, die meisten Psychotherapeuten werden sich darauf einlassen. Auf jeden Fall erscheint es hier wichtig, diese Problematik anzusprechen und mit dem potentiellen Psychotherapeuten gemeinsam eine gute Lösung zu finden. Einen Psychotherapeuten, der diesbezüglich nicht kooperationsbereit wäre, sollte man wohl nicht in Anspruch nehmen.

        Darüber hinaus, wäre es hier sinnvoll, zu versuchen, sich über das bestehende potentielle Risiko bei fundierten Quellen genauer zu informieren. Ich habe da leider keine Ahnung von und kann das Risiko nicht einschätzen.

    • Hm, da hätte ich ehrlich gesagt Bedenken. Bei Suchterkrankungen vielleicht weniger, aber mir erscheint es schwierig, mit einem Therapeuten zu arbeiten, der selbst depressiv war.
      Therapeuten müssen halt außergewöhnlich empathiebegabt sein. Etwas, was zwei Therapeuten, die ich zum Erstgespräch traf, völlig abging.

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  15. Verdammt nochmal, du hast sowas von recht mit dem was du schreibst… das würde ich am liebsten 1000 mal ausdrucken und an meiner alten Schule alle 30cm an die Wand nageln.

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