Bücher-ABC 2013: A wie Stephen Kings „Alpträume“

Stephen King – Alpträume
Nightmares and Dreamscapes, 1993

Hierbei handelt es sich um eine Kurzgeschichtensammlung mit insgesamt 12 Geschichten unterschiedlicher Länge. Ganz schön viel, daher werde ich mich beim Inhalt extrem kurz halten.

alpträumeDolans Cadillac handelt von einem Typen, dessen Ehefrau von der Unterweltgröße Dolan getötet worden ist, weshalb er sich einen teuflischen Racheplan ausdenkt, bei dem Dolans geliebter Cadillac eine wichtige Rolle spielt.
Das Ende des ganzen Schlamassels spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Welt aufgrund von Kriegen und Terroranschlägen am Abgrund steht und ein geniales Wunderkind eine Möglichkeit findet, die menschlichen Aggressionen auf ein Minimum zu reduzieren.
In Kinderschreck erblickt eine ältliche Lehrerin hinter der Fassade ihrer Schüler das Grauen.
Der Nachtflieger ist eine Vampirstory, in der ein Journalist sich an die Fersen eines mysteriösen Piloten heftet, den er als Schuldigen einer Mordserie vermutet, ohne zu wissen, mit welchem Wesen er sich hier anlegt.
In Popsy muss ein Kidnapper erkennen, dass er von manchen Kindern besser die Finger lässt.
Es wächst einem über den Kopf wirft einen Blick zurück nach Castle Rock nach den Ereignissen im Roman Needful Things.
In Klapperzähne entpuppt sich ein Kinderspielzeug, mechanische Riesenzähne mit Füßen, als Retter in der Not.
Zueignung ist die Geschichte eines schwarzen Zimmermädchens, dass auf mysteriöse Weise die Essenz eines weißen, erfolgreichen Autors in sich aufnimmt.
Der rasende Finger beschäftigt sich mit folgender hochwichtigen Frage: Wie würdest DU reagieren, wenn du eines Tages in den Bad gehen würdest und sehen müsstest, dass aus dem Abfluss ein lebendiger Finger ragt?
In Turnschuhe treibt ein Toter in der Toilette eines Bürogebäudes immer noch sein Unwesen.
In Verdammt gute Band haben die hier verschlägt es ein Pärchen in das abgelegene Städtchen „Rock ’n Roll Heaven“. Dort merkt es bald, dass der Name hier tatsächlich Programm ist!
Und bei der letzten Story Hausentbindung handelt es sich um eine klassische Zombiegeschichte, in die eine hochschwangere Frau unvermittelt gerät.

 

Bei dieser Sammlung handelt es sich um die allererste Kurzgeschichtensammlung überhaupt, die ich von Stephen King gelesen habe. Damals war ich wohl noch zu jung, um alle Geschichten zu verstehen, aber seither habe ich sie noch viele Male gelesen🙂

Wie bei allen Kurzgeschichtensammlungen von King gibt es gute und schlechte Geschichten. Am wenigsten gefallen mir Kinderschreck, Es wächst einem über den Kopf , Zueignung, Turnschuhe und Hausgeburt. Kinderschreck ist mir einfach zu trivial, genauso wie Turnschuhe und Hausentbindung; alle drei Geschichten bedienen sich bekannter Stereotypen (Kinder als reale Monster, plötzlich auftauchende Tote/Geister und Zombies), aber schaffen es nicht, sich dabei von anderen Storys gleichen Inhaltes abzuheben. Mir erscheinen sie eher wie eine Fingerübung denn als echte Kurzgeschichten.
Zueignung dagegen ist einfach nur sehr unappetitlich, zudem verstehe ich dieses schwarz-weiß-Thema nicht so wirklich. Hier offenbart sich außerdem Kings Schwäche, aus der Sicht von Frauen zu schreiben. Letztendlich plätschert die Story etwas lahm vor sich hin, ohne dass tatsächlich was passiert. Sie ist auch einfach viel zu lang!
Es wächst einem über den Kopf ist definitiv die Story mit dem größten „Hä?“-Faktor. Eigentlich gibt es hier überhaupt keine Handlung. Man trifft einige Bekannte aus „Needful Things“ wieder (womit man die Story getrost überblättern kann, wenn man diesen Roman nicht gelesen hat) und wird mit der pessimistischen Grundstimmung dieser sterbenden Stadt konfrontiert. Das ist deprimierend und macht schlicht und ergreifend keinen Spaß!

Dolans Cadillac, Nachtflieger, Popsy und Verdammt gute Band haben die hier sind so mittel. Sie sind nett zu lesen, hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck. Bei Dolans Cadillac kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier viel zu viel Aufwand betrieben wird für zu wenig Ergebnis. Die Geschichte ist genauso aufgebläht wie Nachtflieger. Ich bin ja der Meinung, dass Stephen King einfach die Finger von Vampiren lassen sollte, denn irgendwie kriegt er das nie so wirklich zu meiner Zufriedenheit hin! Das ist dann auch die Schwäche von Popsy.
Die Story von Verdammt gute Band haben die hier ist durchaus der Hammer – hier trifft das Pärchen auf sämtliche Rockstars, die zu früh gestorben sind. Das Problem, was ich damit habe, ist ein ganz persönliches, welches ich nicht Stephen King anlasten will, dennoch hat es mir den Spaß ziemlich vermiest: Ich kenne die meisten der Rockstars (größtenteils Stars aus den 60er Jahren) einfach nicht. Janis Joplin, Elvis etc. sind klar, aber dazu kommen noch sooo viele andere Personen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Und jedes Mal ärgere ich mich, dass Stephen King diese Story schrieb, bevor Kurt Cobain sich auf seine Reise in den Rock ’n Roll Heaven gemacht hat…

Damit zu den wirklich guten Storys. Das Ende des ganzen Schlamassels ist die einzige Geschichte, die in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Der Bruder des besagten Wunderkindes schildert darin rückblickend in einem Bericht die Ereignisse, wobei er sich interessanterweise durch Einnahme eines langsam wirkenden Gifts selbst eine Deadline (höhö) gesetzt hat. Das Ganze ist unheimlich spannend, zudem regt die Handlung zum Nachdenken über die Natur des Menschen und seine Intelligenz an.

klapperzähne

Klapperzähne!

Klapperzähne ist besonders interessant, weil man irgendwie damit rechnet, dass dieses Gebiss mit Füßen, welches der Hauptcharakter zufällig in einem Tankstellenshop aufstöbert, das Böse in der Story ist. Isses aber nicht, im Gegenteil. Das ist lustig und vor allem super geschrieben. Man wünscht sich sofort auch so ein Teil!

Meine Lieblingsgeschichte ist aber mit Abstand Der rasende Finger. Allein die Idee ist so dermaßen schräg, offenbart aber wieder mal Stephen Kings skurriles Verständnis von Horror. Es muss nicht immer ein Zombie, Vampir oder Geist sein – man würde genauso ausrasten, wenn so etwas alltägliches wie ein (körperloser?) Finger sich plötzlich an Stellen zeigt, wo er nicht hingehört!
Zudem nutzt King hier wirklich das komplette Potential, was sich aus diesen Vorgaben bietet. So bescheuert es auch ist, man fiebert wirklich mit, vor allem, da hier innerhalb von wenigen Seiten einige wirklich lebensnahe, glaubhafte Charaktere gezeichnet werden. Kings große Stärke!

Zusammengefasst ist Alpträume, auch wenn die Bewertung ein wenig harsch aussieht, eine wirklich schöne Kurzgeschichtensammlung mit vielen unterschiedlichen Storys. Für jeden sollte was dabei sein… und für Kingfans ist es das sowieso!

Als letztes sollte erwähnt werden, dass die Sammlung nur die Hälfte der Geschichten aus „Nightmares and Dreamscapes“ enthält, zumindest ist das in der Ausgabe so, die ich vor vielen Jahren gekauft habe. Die andere Hälfte wurde im Band Abgrund veröffentlicht, der sich damit ja auch gut für das aktuelle Bücher-ABC anbieten würde – wenn ich ihn denn gelesen hätte😦

Aber was glaubt ihr, was ich mir GERADE JETZT bestellt habe?:mrgreen:

5 Gedanken zu “Bücher-ABC 2013: A wie Stephen Kings „Alpträume“

  1. Falls du es bei Amazon bestellt hast: du hättest warten sollen; nun könntest du wohl bald einen Gutschein einlösen!😉
    Es hat sich ausgezahlt, soviele Lose in den Lostopf einzubringen; herzlichen Glückwunsch – du hast gewonnen!

    PS: der Flitzefinger hat mir beim Lesen echte Angst gemacht und „Verdammt gute Band“ hätte ich gerne so als richtig dicken Schmöker gelesen. Ich kannte allerdings doch die meisten Künstler, was allerdings daran liegen kann, dass mein Papa mir früher mal immer soooviel von seinen in der Jugendzeit besuchten Konzerten und sowieso erzählt hat, dass ich überzeugt bin, dass mein Dad ein ziemlicher Hippie war und zudem immer noch überlege, ob mein Papa nicht auch vielleicht sowas wie ein männliches Groupie gewesen ist…😀

    • Yaaaay, geilo:mrgreen:
      DAS kann ich wirklich gebrauchen – nicht, dass ich nicht stark damit gerechnet hab ^^ Fifty-fifty-Chance!

      Jetzt könnte ich mir den „AAAAnschlag“ bestellen… aber ich warte wohl lieber noch aufs Taschenbuch😉

      Dann schreibe ich gleich die E-mail!

      Verdammt gute Band haben die hier… ist jetzt auch schon wieder etwas länger her, seitdem ich die Story gelesen habe. Kann gut sein, dass ich inzwischen doch viel mehr Rockstars kenne (allerdings dann auch nur vom Namen und das ist dann auch doof)! Ich habe nun mal SEHR früh angefangen mit Stephen King, Alpträume dürfte ich so mit 13 gelesen haben… seitdem noch viele Male, aber beim ersten Mal habe ich halt noch nicht so viel gecheckt, auch wenn ich es toll fand ^^

      • Du solltest nun gleich auch eine Amazon-Gutschein-Mail erhalten, die ich grad direkt via Amazon losgeschickt habe!🙂

        Ha, den „Anschlag“ hat sich mein werter Gatte damals als gebundenes Buch bestellt: das ist ja auch mehr eine Hantel als ein Buch; deswegen wurds dann doch als ebook gelesen. *lol*

        Aber Punti hat auch ein ausgeprägtes Faible für Stephen King: da müssen einfach alle gedruckten Werke her. In Frühling/Sommer wird umgezogen; er hat schon ein spezielles extra King-Bücherregal in der neuen Wohnung eingeplant.🙂

        *hihi*, ich habe auch mit 13 mit Stephen King angefangen, per Zufall: ich hab schon immer soviel gelesen und damals lag ich etwas länger im Krankenhaus (wegen viiiiel zu schlechten Werten nach ner harmlosen Blinddarm-OP). Jedenfalls kam mein Papa dann mit diversen King-Schinken zu mir ins Krankenhaus; er war wohl vorher wirklich in der Buchhandlung gewesen und hatte einfach „die dicksten Romane, die sie hätten“, verlangt (damit ich nicht gleich alles ausgelesen hätte) und das Argument, dass King doch etwas sehr gruslig sein könnte, hat er damit abgetan, dass ich ja im Krankenhaus wäre: da würde man schon auf mich aufpassen und wenn ich mich zu sehr aufregte, die hätten ja Beruhigungsmittel da.😀 [Ich habs aber auch so prima weggesteckt. *lol*]

      • Cool, dann wird der Gutschein mal gebunkert, bis das Taschenbuch da ist im Juni… aber vermutlich geht er schon vorher wegen irgendwas drauf:mrgreen:

        Also, eigentlich habe ich sogar schon mit 11 angefangen! „Friedhof der Kuscheltiere“ war mein erstes. Ich bin mir heute selbst nicht mehr so ganz sicher, ob ich das gut finden soll😉 Aber meine Eltern hat das nie interessiert.
        Mit den Jahren hat sich dann auch ein ganzes King-Regal angesammelt (leider ist das zuhause in meinem Kinderzimmer…). Es ist schon beeindruckend, wie produktiv der Mensch ist! Jedenfalls gibt es wohl wirklich kaum eine bessere Krankenhauslektüre!

        Gutschein angekommen🙂

  2. Pingback: [Halloween-Special] Der King (und seine fünf besten Kurzgeschichten) | robins urban life stories

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