Früher waren wenigstens noch die Kinder froh, wenn es geschneit hat

"Hinweg du unangenehme... Jahreszeit!"

„Hinweg, du unangenehme… Jahreszeit!“

Diese Woche war es dann endlich auch bei uns soweit: Schnee!

Nicht, dass Schnee was ungewöhnliches wäre für mich, aber in meiner unfreiwilligen Wahlheimat ist man damit völlig überfordert. Hier bricht sofort der komplette Verkehr zusammen, sobald ein Schneeflöckchen auf den Rathausplatz fällt. Bereits vor Wochen, als es zeitweise höchstens ein bisschen graupelte, kippten diese Idioten Tonnen von Salz auf die Straßen, was selbstverständlich unglaublich umweltschonend ist. Auch auf den Gehwegen setzen die Anwohner bei den gigantischen Schneemengen (ich habe nachgemessen: Vorgestern waren es brandgefährliche drei Zentimeter!!1!) lieber auf Salz denn auf Muskelkraft. Diese Genies!

Sowas gäbe es bei uns nicht, obwohl in meiner Heimat bedeutend mehr Schnee fällt.

Ich habe Schnee immer sehr gerne gemocht. Ohne angeben zu wollen: Ich war eine unangefochtene Schlittenkönigin. In Kindergarten und Grundschule konnte es niemand mit mir aufnehmen. Ich war immer die Schnellste und Wagemutigste und darum wurde auch immer ICH ausgewählt, wenn der obligatorische winterliche Kampf „Kufenschlitten vs. Bob“ entbrannte.
Diese blöden Bobfahrer behaupteten nämlich immer, wir würden unsere Bahn mit den Kufen kaputt machen, dabei sind sie es, die die Bahn mit ihren arschlangweiligen, lahmen Bobs aufrauen und damit zerstören.
Jeden Winter kam es deshalb zum Streit, den wir vor der drohenden Eskalation immer mit einem alles entscheidenden Rennen klärten. Es fuhr der beste Schlittenfahrer (aka MOI) gegen den besten Bobfahrer. Und ich habe IMMER gewonnen! Auch wenn in den späteren Jahren immer wieder Sabotageakte verübt wurden. Aber damit konnten sie mir nichts anhaben, weil ich einfach zu gut war :mrgreen: Einem in meine Bahn gestoßenen Bob habe ich einfach halsbrecherisch umrundet und fuhr befriedigt durchs Ziel, während ich hörte, wie mein Gegner in das eigentlich mir geltende Hindernis krachte.

Hach, Success! Wenigstens einmal im Leben.

Schnee ist echt toll. Es macht Spaß, sich in ihm rumzuwälzen, gleichzeitig macht es mit Schnee vor der Tür aber auch mehr Spaß, drin zu bleiben. Während es schneit, ist die gesamte Welt super schallisoliert und wenn er dann liegen bleibt, sieht die gleiche Welt direkt viel weniger scheiße aus.

Aber es gibt da eine Sache, über die ich einfach nicht hinweg komme, ein Problem, das Frau Weh unlängst geschildert hat.

Schneeballschlachtverbot auf Schulhöfen. Jetzt mal ganz ehrlich: Gibt es was blöderes?

Ich kenne das noch aus meiner eigenen Schulzeit und fand es damals auch schon bescheuert. Man darf auf dem Schulhof keine Schneebälle werfen, weil irgendwelche Arschlochkinder Steine in die Bälle einarbeiten könnten, so wurde mir das damals erklärt.
Tja, wenn diese Kinder das tun, sollten sie den Arsch voll kriegen (bildlich gesprochen). Ich denke, es dürfte doch kein unüberwindbares Hindernis darstellen, Schneeballschlachten zu erlauben, aber ein paar Verhaltensregeln aufzustellen. Zum Beispiel: Keine Steine in die Bälle. Oder nicht alle auf einen. Das klappt bei allen anderen Spielen ja auch!

schnee

Aber NEE, es ist ja zu GEFÄHRLICH. Ach Gottchen, mir kommen die Tränen.
Ich würde jetzt mal ganz dreist behaupten, dass 100% aller Deutschen schon mal bei einer Schneeballschlacht mitgemacht haben (denn das „Problem“ ist ja nicht weg, nur weil man es in der Schule verbietet). Aber wie viele Menschen kennt ihr, die durch sowas schon ein Auge verloren haben?
Na also: keinen. Das ist eine ganz einfache Bielefeld-Rechnung. Ergo: Schneeballschlachten sind nicht gefährlich! Jedenfalls ist der Sportunterricht weitaus gefährlicher.
Warum also den Kindern den Spaß versauen?

Auch darauf ist die Antwort eindeutig: Weil es halt verboten ist.

Ich finde es immer wieder lustig, wie Menschen sich sklavisch an Gesetze halten, nur weil es Gesetze sind, ohne auch nur mal eine Minute darüber nachzudenken, ob diese Gesetze sinnvoll sind oder nicht. Das hat man sogar mal getestet, indem man einen völlig einwandfreien Bürgersteigabschnitt mit Schildern absperrte. Alle Leute sind brav dran vorbei gelatscht, obwohl jeder sehen konnte, dass der Straße an der Stelle nichts fehlte.
Aber-aber-aber da war ein SCHILD!!! Also muss man seiner Bürgerpflicht nachkommen und sich gefälligst daran halten, auch wenn man einen Umweg latschen muss! Das Milgram-Experiment für den täglichen Gebrauch!

Ich bin ja selber nicht davor gefeit, aber ich versuche wenigstens, mein Hirn genug auf Trab zu halten, um solchen Fallen zu entgehen. Dazu hatte ich dann während meines Schulpraktikums tatsächlich mal ein schönes Erlebnis:

Ich überquerte den Schulhof Richtung Sporthalle (nur hinter derselben, in eine Ecke gekauert, durfte ich rauchen), als ein Bub mit Skateboard an mir vorbei fuhr. Ich hatte schon den Mund halb offen, um dem Kerl zu sagen, dass Skateboards auf dem Schulgelände verboten sind, aber gerade noch rechtzeitig kam mir die Erleuchtung.
Interessiert mich das überhaupt? Das Verbot ist dämlich, totstürzen kann der sich auch überall sonst! – dachte ich, und ließ ihn weiter fahren.

Ich hätte es ja kaum für möglich gehalten, aber sogar deutsche Gerichte scheinen in letzter Zeit ein wenig an der Quelle des gesunden Menschenverstandes genippt zu haben. Es gab nämlich vor kurzem tatsächlich einen Lehrer, der bei einer Schneeballschlacht auf dem Schulgelände mitgemischt und dabei was aufs Auge bekommen hat (es gibt sie also doch, diese Fälle. Aber das ist vermutlich statistisches Rauschen.). Die Kosten für die medizinische Versorgung wollte die Schule nicht übernehmen, weil er ja selbst Schuld ist, wenn er bei etwas mitmacht, was VERBOTEN!! ist. Das Gericht sah das anders und eroberte sich damit einen besonderen Platz in meinem Herzen.

Schon klar, diese Sache zu erlauben, ist vermutlich ein versicherungstechnisches Problem. Eltern würden wohl jeder Schule aufs Dach steigen, wenn ihr geliebter Linus-Sebastian oder ihre Elisabeth-Annegret ein böses Steinchen ins Auge kriegt.
Tja, dann sollen die Eltern das eben einfach nicht dürfen. Wenn das Schätzchen sich beim Spiel im heimatlichen Schrebergarten verletzt, kann man ja auch niemanden verantwortlich machen. Das will ja keiner. Und das ist die Definition des Wortes „Unfall“. Von denen übrigens immer noch die meisten im Haushalt passieren.
Warum sollte also die Schule für etwas verantwortlich sein, das ganz klar höherer Gewalt unterliegt? Und was soll überhaupt diese ganze Übervorsicht? Ich bin auch ohne Netz und doppelten Boden durch meine Kindheit gekommen. Dabei hab ich einen Zahl verloren und musste einmal genäht werden, aber meine Güte! Lieber fällt sich das Kind ein paar Mal die Knie blutig, als dass man Bewegungslegastheniker heran züchtet, die umfallen, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben auf einem Bein stehen müssen.

Die Schule sollte einfach sagen: Schneeballschlachten ab jetzt erlaubt. Gleichzeitig sollte man den Heimunterricht in Deutschland zulassen. Wer nämlich dann als Elternteil bei dieser Ankündigung ein Bild seines Kindes mit zermatschten Augäpfeln vor sich hat, kann sein Kind einfach selbst zuhause vererziehen und es dabei in eine riesige Plastikbubble sperren.

Dann sind alle glücklich und ich kann meine Kinder in eine Welt setzen, in der sie Schneebälle werfen dürfen, wo es ihnen passt.

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17 Gedanken zu “Früher waren wenigstens noch die Kinder froh, wenn es geschneit hat

  1. Mit Salz dürfen die hier gar nicht streuen.. find ich schon krass, dass die das bei euch machen 😮 Einerseits wegen der Umwelt und andererseits wegen den Tieren draußen und irgendwie solls ja auch irgendwas angreifen.. ich hab keine Ahnung mehr.

    Das mit den Schneeballschlachten.. ja.. ich mag keinen Schnee und Schneeballschlachten find ich auch zum Kotzen.. 😄 Ich glaube, dass der Text zwar schon richtig in meinen Augen ist, aber da es ja verboten wurde von den Schulen wars für mich immer ganz gut, da ich dann verschont blieb. Ich wollte lieber meine Ruhe als mir den ganzen Schnee aus dem Gesicht zu schmieren und eventuell noch irgendwas hinten in der Jacke drin zu haben und mich darüber dermaßen aufzuregen. 🙂

    Liebe Grüße und ein wundervolles Wochenende!
    Sarah

    • Salz ist extrem schlecht für die Autos, das greift sowohl die Reifen an als auch die Karosserie. Und für Schuhe ist es auch nicht gerade super!

      Es müsste eben die Auflage geben, dass nur diejenigen in die Schneeballschlacht mit einbezogen werden, die auch wirklich mitmachen wollen…

      Dir einen wunderschönen Wochenstart 😉

  2. Du hast eine Zahl verloren?^^ [/krümelkack]
    Mir qualmt es immer ein bisschen aus den Ohren, wenn ich entweder doofe Verbote („Es könnte ja was passieren“) oder bescheuerte Gesetzesentwürfe („Da muss man doch was tun!“) mitkriege. Und in vielen Schadensersatzfällen ist die Klage zum Teil auch eine Verarbeitungsmöglichkeit – das hätte nie passieren dürfen, irgendwer muss doch schuld sein, etc. Psychologisch verständlich, aber es erzeugt eben im Zweifel noch mehr übertriebene Vorsicht.
    Wir hatten in der Schule übrigens immer super Schneeballschlachten, udn ich bin überzeugt, die hatten eine nicht zu unterschätzende soziale Ventilfunktion: man konnte alte Rechnungen begleichen (ohne Stein, versteht sich), seinen Schwarm auf sich aufmerksam machen, überschüssige Energien loswerden…

    • Immer nur krieg ich es drauf, wenn ich mich vertippe 😦 Schnüff…

      Wir hatten auch gute Schlachten. Man kann es verbieten, aber verhindern ja eh nicht. Wenn ich dann aber bei Frau Weh lese, dass die Kinder daraufhin sogar einen Aufsatz über ihre Untat schreiben mussten und dafür dann auch noch eine reguläre Schulstunde draufgeht…!

  3. Schneebälle und Schneeballschlachten sind großartig!!
    Leider dann aber nicht mehr so sehr, wenn man einen Schüler wie W. hat, der es letzten Februar geschafft hat, einen Schneeball ins Gesicht zu bekommen, an dem Glassplitter einer zuvor bei einer Rangelei zu Bruch gegangenen Flasche hingen…
    Im Zweifelsfall macht man halt Schneeengel. Auch ganz primatoll.
    (Und wir Lehrer haben da so unsere Ecken, wo niemand sieht, wenn wir uns mit Schneebällen bewerfen *hüstel*)

    • Der W., das ist auch so einer von diesen Bewegungslegasthenikern, ne? Und der auch immer noch Pech dazu hat…

      Hm, Schneeengel. Da könnte doch Wasser unter den Pullover kommen. Erkältungsgefahr!!1!

  4. *nuschel*Ich hätt so ein Verbot gut gefunden. Ja, ich seh ein, warum das Verbot widersinnig ist, aber wenn man als Mobbingopfer der ersten stunde über den Hof schreitet, macht es im Winter einfach noch weniger Spaß. Wenngleich ich auch bezweifel, dass so ein Verbot die geschundenen Nerds beschützt, wird halt ein Apfel geschmissen. Aber ich hab Schneeballschlachten aufm Schulhof aufs tiefste verachtet. Wenngleich ich Winter als Kind toll fand. Jetzt kotzt michs an. Weil bei uns auch immer gleich 50 cm fallen und der alltag knietief im schnee keinen spaß macht.

      • Nee, war nicht verboten. Aber Regeln gab es dafür auch nicht. Unseren Lehrern war ohnehin alles egal. Also warum sollte es schlimmer sein, wenn Eisklumpen fliegen, wenn ohnehin im Klassenzimmer Leute mit Äpfeln bombardiert werden, nimmt sich jetzt ja nix. Die idiotischen Lehrer wurden erst fuchsig, wenn man ihnen widersprochen hat. So war ich also eher der Arsch, als meine mich mobbenden Mitschüler. Gerechtigkeit ist eben Luxus. <<

  5. „Tja, dann sollen die Eltern das eben einfach nicht dürfen“

    Es wäre eine hübsche Ausnahme im Gesetz, etwas in der Art von „Die Aufsichtspflicht umfasst nicht die Verhinderung üblicher Schneeballschlachten unter Schülern, das dort eintretende Risiko ist als sozialadäquat hinzunehmen“.

  6. Wie frauhilde schon sagt, es kann auch ganz unabsichtlich etwas gefährliches mit zum Schneeball „verarbeitet“ werden. Das kann ein Stein(chen) sein oder ein Eisklumpen, und in meiner Klasse gab es einige Spezialisten, die die Schneebälle so fest zusammenpressten, dass sie selbst nahezu zu Eis geworden sind.

    Und auch wenn es früher noch nicht so extrem war wie heute, aber auch damals gab es schon Eltern, die wutschnaubend im Büro des Direktors standen, wenn ihr armer klein-Kalle mit einer kleinen Schramme unter dem Auge aus der Schule heimkam. Weil, das ist ja in der Schule passiert, und beinahe wäre das Auge…, und überhaupt, und die Aufsichtspflicht, und wenn das Schulamt…

    Und die Sache mit dem Schneeräumen kenne ich ähnlich. In meiner Heimat wird geschippt; da wo ich arbeite werden mit einem Streusalzopfer die Götter beschworen, dass der Schnee doch dahin verschwinden möge, wo er hergekommen ist. Was bei den eher symbolisch erscheinenden Menge gerade mal zum Matschigwerden der obersten Lage führt…

    • Hier ist man mit Salz wirklich sehr ungeizig. Da werden selbst auf völlig freie Straßen tonnenweise Salz gekippt. Und mit Schneeschippen hält man sich wirklich nicht auf – warum auch, wenn ein Sack Salz auf drei Meter Bordstein alles völlig wegschmelzen…

  7. Ich glaube wenn Schneeballschlachten erlaubt wären, würden auch mehr Mädchen das Werfen lernen. Ich habe schon erwachsene Frauen mit ihrem Hund spielen sehen… Die waren so grobmotorisch wie Kleinkinder.

    @nerdbarbie: Yeah Obstschlacht! Mit Äpfeln, Kartoffeln und Kohlrabis!

  8. Ich gebe dir Recht, dass man nicht alles verbieten sollte bzw. auch selbst mal darüber nachdenken muss, was sinnvoll ist und was nicht. Aber die Schneeballschlachten in der Schule sind verboten, da die Lehrer sich eben nicht dafür verantworten wollen, wenn einem Kind was passiert und die Eltern dann wutentbrannt im Büro stehen. Und meiner Meinung nach ist dieses Verbot richtig.
    Es geht wie ja bereits geschrieben wurde nicht darum, dass bösartige Kinder etwas miteinarbeiten, sondern dasse s versehentlich passieren kann bzw. aus Schnee gefährlich hartes Eis wird.
    Und ich kenne eine Person, die genau durch eine solche Aktion auf einem Auge blind ist – ist ziemlich scheiße und ich würde als Mutter auch wollen, dass in der Schule darauf geachtet wird, dass so etwas nicht passiert.

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