Die Selbstdemontage des Feminismus, erklärt am Beispiel von ein bisschen Schuhwichse

Im einführenden Post zu meinem Verständnis von Feminismus hatte ich ja schon angesprochen, wie wenig ich mich von der derzeit wohl führenden Strömung des Feminismus vertreten fühle. Dazu möchte ich euch hier nun eine Story darlegen, wie sie beispielhafter nicht sein könnte.

Wenn man sich ein bisschen mit Netzfeminismus beschäftigt, kommt man an der Mädchenmannschaft nicht vorbei, also habe auch ich dort ab und zu gelesen, seitdem ich blogge. Besonders angeturnt hat mich die Seite aber nie sehr: Von Anfang an konnte ich über den Wust an undurchsichtigen Fachwörtern nur die Stirn runzeln (was ich von gegenderter Sprache halte, habe ich ja auch schon dargelegt), die viele Texte für mich unverständlich gemacht haben, auch kann ich mit verlinkten englischen Texten nicht viel anfangen (ja, mein Englisch ist scheiße! Verklagt mich doch!).

Aber naja, die Mädchenmannschaft scheint eine Institution zu sein, daher war es nicht verkehrt, ab und zu zu spicken. Und es wurde sogar mal so richtig mysteriös, als die Mädchenmannschaft anlässlich ihres fünften Geburtstages zur Feier lud – und es danach schien, als wäre die Party zum absoluten Massaker eskaliert.

Was war passiert? Nun, die Veranstalterinnen hatten den verhängnisvollen Fehler begangen, einige Organisatorinnen des Berliner Slutwalks einzuladen.
Slutwalk? Dahinter steckt die Idee, als Frau jederzeit so rumlaufen zu dürfen, wie es einem beliebt, ohne angepöbelt, angepackt oder vergewaltigt zu werden. Keiner hat das Recht dazu, auch wenn man mit Netzstrumpfhosen, XS-Rock ohne Höschen und bauchfrei wie eine „Schlampe“ daher kommt. Dafür gehen die Slutwalkerinnen (mit oder ohne entsprechendem Outfit) auf die Straße und demonstrieren für sexuelle Selbstbestimmung.
Soweit cool und richtig, aber dass Frauen sich selbst als Schlampe bezeichnen, darf man als Frau und Feministin natürlich scheiße finden. Ich fand es anfänglich auch etwas befremdlich, kann die Denke dahinter aber nachvollziehen (bezeichne ich mich doch auch selbst als Thekenschlampe).

Darum ging es bei der Diskussion vordergründig aber gar nicht, man höre und staune. Was aber das eigentliche Thema war, was gesagt und getan wurde, was denn jetzt so schlimm war, darüber gibt auch der entsprechende Artikel bei der Mädchenmannschaft nicht viel Auskunft. Die Slutwalkerinnen waren jedenfalls die Schuldigen (wobei natürlich alle anwesenden weißen Menschen irgendwie schuldig waren – also, weil die ja weiß sind). Es wurden jedenfalls „rassistische Reproduktionen“ geliefert, „weiße Überlegenheitsgesten“ zur Schau gestellt und „Umkehrungsrhetoriken“ waren schließlich auch noch dabei.

Klingt ja erstmal… spannend. Das macht doch neugierig. Wenn eine Freundin in Tränen aufgelöst zu mir kommt und schluchzt, dass ihr Freund sie beleidigt hätte, will ich ja auch als allererstes wissen, was der Arsch gesagt hat.
Aber eine Erklärung? Fehlanzeige. Auch auf anderen Blogs, welche diese unsäglichen Entgleisungen zum Thema hatten, fand ich keinen Hinweis auf die genauen Vorkommnisse. Ich bin also auf meine eigene Fantasie angewiesen, die mich in diesem Fall aber leider im Stich lässt.

Ich meine, „rassistische Reproduktionen“… ich weiß nicht mal, was das ist! Wie muss man sich das vorstellen? Hatten Beate Zschäpe und Anders Breivik auf der Bühne ungeschützten Sex?

Der ganze Mist spielte sich bereits im September ab, aber ich weiß immer noch nicht, was da genau gelaufen ist, genauso wie alle anderen, die nicht dabei waren (also ungefähr 80 Millionen Deutsche minus 100). Offensichtlich waren die Ereignisse so dermaßen traumatisch, dass man sie unmöglich öffentlich wiedergeben kann. Einig waren sich aber wohl alle darin, dass sowas NIE-NIE-NIE wieder passieren dürfe!

Ebenso waren alle der Meinung, dass die Slutwalkerinnen am scheißesten waren, weil die rassistisch sind. Das ist ja erstmal ein harter Vorwurf. Wie kommen die darauf?
Ganz einfach: Auf dem letzten Slutwalk sind ein paar Demonstrantinnen auf die Idee gekommen, sich mit Schuhcreme (ich gebe zu, ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, das Wort „Wichse“ in eine Artikelüberschrift einzubauen!) oder sonstwas Burkas auf ihre teilweise nackten Körper zu malen, zu sehen hier: klick

Und ab da war die Kacke am Dampfen.

Irgendjemand fing an, dies als „Blackfacing“ zu verurteilen und alle anderen übernahmen das völlig unreflektiert, vielleicht, weil der Begriff anders als so viele andere Termini des Netzfeminismus so leicht verständlich und durchschaubar ist.

Blackfacing im Klu-Klux-Klan-Epos "Birth of a Nation"

Blackfacing im Klu-Klux-Klan-Epos „Birth of a Nation“

Blackfacing bezeichnet im Übrigen die ehemals weit verbreitete (und teilweise immer noch vorhandene) Praxis im Theater, Film etc., weiße Schauspieler oder Schausteller auf schwarz zu schminken. Damit wurden in Varietees gerne schwarze Menschen bloßgestellt und veralbert, zudem konnte man den für Rassisten natürlich unzumutbaren Zustand umgehen, mit Original-schwarzen Schauspielern arbeiten zu müssen. Auf Theaterebene dürfte das bekannteste Beispiel für eine geblackfacte Rolle wahrscheinlich „Othello“ sein.

blackface2

Geht auch umgekehrt.

Blackfacing ist also an sich ziemlich scheiße. Doch hier kommen wir direkt zum Ausgangsproblem dieser ganzen saublöden Diskussion, das darum auch das Schlimmste ist: Was die Slutwalkerinnen gemacht haben, IST KEIN BLACKFACING.

Ich hatte vor Wochen das zweifelhafte Vergnügen, mit einer Feministin im echten Leben darüber zu diskutieren. Die Bereitschaft, einfach mal einzusehen, dass hier jemand voreilig ein falsches Etikett draufgeklatscht hat, ging völlig gegen Null. Und selbst WENN es kein Blackfacing wäre, so ihre Argumentation, ist es ja immer noch rassistisch, dass hier mutmaßlich deutsche Frauen gegen Burkas demonstrieren, da sie damit in unangemessener, kolonialistisch anmutender Weise für die besagten Burkaträgerinnen sprechen, obwohl sie selbst nicht betroffen sind. Dies scheint im Übrigen nicht ihre exklusive Meinung zu sein, sondern ist u.a. bei der Mädchenmannschaft und Feministinnen ähnlicher Couleur wohl inzwischen anerkannter Konsens.

So. Und da muss ich ganz ehrlich fragen: Habt ihr alle den Arsch offen?!

Es kann doch wohl nicht sein, dass Frauen, die es scheiße finden, dass andere Frauen gezwungen werden, sich zu verschleiern, als Rassistinnen bezeichnet werden!! Ich glaub es hackt!
Das Verschleierungsgebot im Islam ist sexistisch und zum Kotzen und das muss man doch wohl auch sagen dürfen! Was das mit Rassismus zu tun hat, erschließt sich mir übrigens immer noch nicht. Ehrlich gesagt finde ich es weitaus rassistischer, die Kritik an einer Religionsgemeinschaft als Rassismus zu bezeichnen, weil dies impliziert, Anhänger dieser Religion würden alle miteinander zu einer anderen Rasse gehören. Das hatten wir in Deutschland doch schon, das ist langweilig!
Moslems gibt es überall auf der Welt! Es gibt schwarze Moslems, arabische Moslems, moslemische Latinos, asiatische Moslems und nicht zuletzt weiße Moslems. Schwarze und arabische sind wohl global in der Überzahl, aber dennoch: Wie kann eine Kritik gegen des Islam bzw. eine dort verbreitete sexistische Praxis rassistisch sein? Islamophobisch – okay! Aber rassistisch, nein, das geht nicht klar!

Viele Frauen werden sich wohl erstmals mit feministischen Ideen auseinander setzen, wenn sie als Mädchen bemerken, dass andere Mädchen vieles nicht dürfen, was in Deutschland selbstverständlich ist. Dass Mädchen in anderen Ländern oft nicht lesen und schreiben lernen dürfen, zum Beispiel. Oder eben, dass sie sich verschleiern müssen, während gleichaltrige Mädchen hier die Qual der Wahl zwischen einem „Hello Kitty!“-Shirt und einem „Emily the Strange“-Tanktop haben. Das ist ein super Nährboden für weitere feministische Anliegen, denn diese Mädchen werden irgendwann den Blick zurück nach Hause richten und merken, dass hier ebenfalls noch viele, viele Dinge sehr, sehr falsch laufen.

Damit könnte eine neue Feministin geboren sein. Super! Nur leider passiert das nicht. Was glaubt ihr, wie sich ein solches Mädchen vorkommen würde, wenn sie mit der Vorstellung, dass Burkas sexistisch sind, auf erfahrenere Feministinnen trifft und dann angeklagt wird, eine Rassistin zu sein? Das ist ja mal so ein richtiger Schlag in die Fresse für einen Newbie! Und ein erfolgreicher noch dazu, denn dieses Mädchen wird sich auf dem Absatz umdrehen und wegrennen!
Und da wären wir bei der Selbstdemontage. Solche Inhalte und vor allem solche Anfeindungen gegen interessierte Menschen, die sich völlig logisch gegen sexistische Bekleidungsvorschriften aussprechen, können ja nur abschreckend sein! Was glaubt ihr denn, warum man ausgelacht wird, wenn man sagt, man sei eine Feministin? Cool ist der Feminismus im öffentlichen Bewusstsein jedenfalls nicht – genau wegen so einer Scheiße!! Und das führt folgerichtig zu einer stetig sinkenden Zahl an Frauen, die sich unter dieses Label begeben wollen, was ja wohl niemand in der Szene toll finden kann!

Die geballte Verachtung der etablierten Radikalen bekamen jedenfalls die Slutwalkerinnen zu spüren. Und das nur, weil sie fresh und frech sein wollten und Bodypainting betrieben haben.
Das ist dieses angebliche Blackfacing nämlich eigentlich: Bodypainting. Niemand hat sich schwarz angemalt und sich als eine andere Ethnie ausgegeben. Es waren aufgemalte Burkas, die nun mal schwarz sind! Wie schwer kann es sein, diesen Unterschied zu kapieren?!

Und der angebliche Rassismus, der darin besteht, für Frauen in Burkas zu sprechen – meine Fresse!

Wer eine Frau zwingt, sich ganz zu verschleiern, ist scheiße. Und eine Religion, die dies verordnet, ist demzufolge auch scheiße! Damit sage ich weder, dass der gesamte Islam beschissen ist (zumal die Verschleierung eigentlich gar keine religiöse Pflicht darstellt – anders als z.B. im Christentum!) oder alle Moslems, sondern nur, dass ein Moslem, der seiner Frau oder seiner Tochter eine Burka verpasst und das mit seiner Religion begründet, ein sexistisches Arschloch ist! Viel mehr wollten die Slutwalkerinnen wohl auch nicht sagen!
Wenn das rassistisch und islamophobisch ist, mein Gott, dann bin ich es halt! Genauso, wie ich christenfeindlich bin, weil ich die Haltung der Kirche zur Homosexualität zum Kotzen finde oder antisemitisch, weil ich absolut gegen Beschneidung bin! Wenn man Zeit sparen will, kann man das ja gleich „antiabrahamitisch“ nennen und falls es das Wort nicht gibt, erfinde ich es hiermit! Also los, verurteilt mich!

Blackfacing, Rassismus und die blöden Slutwalkerinnen also. Als ich mich durch den ellenlangen „Sorry“-Artikel bei der Mädchenmannschaft quälte und darauf noch in ein paar Blogs stöberte, kam ich mir vor, als wäre ich die einzige vernünftige Person auf der Welt. Nirgendwo las ich auch nur das geringste bisschen Widerstand gegen die von irgendjemanden in die Welt gesetzte glatte Lüge, die Slutwalkerinnen würden blackfacen, und leider haben selbst die Slutwalkerinnen, wohl erschreckt von so viel shitstormigen Hass, eher eine entschuldigende Demutshaltung eingenommen statt einer „Äh, gehts noch?!“-Mentalität. Es ist nun mal schwer, sich gegen so laut gröhlende Platzhirsche zu verteidigen und an sowas wie Vernunft zu appellieren.

Dennoch hat es jetzt endlich jemand getan und das ist auch der Grund für diesen Artikel. In der aktuellen „Emma“ werden die Ereignisse rund um die Eskalationen bei der Geburtstagsfeier der Mädchenmannschaft aufgeführt und ENDLICH kritisch beleuchtet, was natürlich sofort Gegenreaktionen hervorrief. Khaos.Kind findet den Artikel gar so scheiße, dass sie sich nie wieder eine „Emma“ kaufen will.
Tja, ich dagegen nahm dies als Anlass, mir heute morgen die erste „Emma“ meines Lebens kaufen zu gehen. Stockbesoffen suchte ich am Bahnhofskiosk nach einer Ausgabe (letztendlich musste ich einen Mitarbeiter bitten, mir zu helfen. Die „Emma“ lag im Regal unter dem Ressort „Autos und Technik“, wo ich sie nicht so wirklich vermutet hätte. Nur so als lustige Anekdote nebenbei.) und habe den betreffenden Artikel, der auch zumindest teilweise online verfügbar ist, gerade gelesen.

Ich kann nur sagen: YES, tausendmal YES!!! Klartext, endlich!! All das, was ich vorher so oft gedacht habe, was aber nie auf Seiten der Mädchenmannschaft erschien, was ich auch gar nicht versuchte dorthin zu kommentieren, weil es eh nicht freigeschaltet worden wäre, endlich gebündelt in einem fantastischen Artikel! Und sogar Alice Schwarzer selbst hat direkt zu Anfang auch ein paar Worte über die Vorkommnisse geschrieben. Und da muss ich sagen: Ich habe in der Vergangenheit nie einen Hehl darum gemacht, Alice Schwarzer nicht zu mögen, aber hier schreibt sie sich in mein Herz! Ich unterschreibe jeden Satz!

Zudem bietet der Artikel noch viele weitere Infos rund um den Skandal, die man angesichts der gleichgeschalteten Mädchenmannschafts-Informationspolitik auf der Seite vergeblich gesucht hat. Interessant, wie es da neuen Bewegungen erschwert wird, sich in der feministischen Szene zu etablieren,  nur weil man beleidigt ist, weil man da nicht die Chefin ist!

Das größte Problem ist für mich diese gewollte Verquickung von Feminismus und Antirassismus, die bei der Mädchenmannschaft vorherrscht. Ehrlich gesagt habe ich am Anfang schlicht und ergreifend überhaupt nicht gecheckt, warum dort alles so durcheinander geworfen wird. Auch Khaos.Kind schreibt: Es geht nicht das eine ohne das andere.

Da frage ich mich wieso? Für mich sind das zwei völlig unterschiedliche Baustellen. Beide Anliegen treten für die Freiheit des Einzelnen ein und gegen Pauschalisierungen aufgrund von Äußerlichkeiten, aber das wars doch auch schon.
Ich habe lange überlegt, wie ich das unverfänglich formulieren könnte, aber da das wohl nicht möglich ist, schreibe ich einfach so, wie ich es auch denke: Ich bin zwar gegen jede Form des Rassismus, aber Antirassismus interessiert mich einfach nicht. Ich bin doch schon antirassistisch eingestellt, warum soll ich mich dann auch noch plakativ als Antirassistin bezeichnen, nur weil ich gleichzeitig Feministin bin? Ich finde, dieses Label sollte denen vorbehalten werden, die sich wirklich in dieser Szene engagieren, was ich weder tue, noch vorhabe. Feminismus ist mein Thema, Antirassismus nicht. Schon gar nicht, wenn mich dieser völlig überzogene Anspruch an den Antirassismus schon allein deswegen zur Rassistin stempelt, weil ich zufällig weiß bin.

Lustigerweise bin ich laut den Regeln dieser Menschen nicht mal wirklich weiß. Mein Vater ist Südamerikaner, was mich zu einer Latina und damit zur Woman of Color macht. Meinte jedenfalls die oben erwähnte Feministin. Es war sehr komisch mit anzusehen, wie die sich wand, als ich ihr diese Info lieferte, denn ganz ehrlich, sehen tut man das wirklich nur im Sommer und auch nur, wenn man es weiß. Damit dürfte ich mich ihr zufolge zwar Woman of Color nennen, wenn ich das MÖCHTE, aber ich hätte ja trotzdem weiße Privilegien, da ich als weiß „gelesen“ werde. Damit bin ich also irgend so ein Zwischending… und ihr Ton wurde direkt ein bisschen vorsichtiger.

Ach, das ist doch alles Schwachsinn. Mein Vater ist wirklich Südamerikaner, aber ich bin weiß, basta. Dennoch verbitte ich mir die Beleidigung, eine Rassistin zu sein, die von den Rassistinnen der Mädchenmannschaft kommt.
Rassistinnen der Mädchenmannschaft? Aber klar! Wer allen weißen Menschen und damit auch mir sagt, wir seien allein aufgrund unserer Hautfarbe rassistisch, ist es wohl selber ganz eindeutig. Na, wem da wohl die Ironie gerade in den Arsch beißt!

Es ist einfach verdammt schade, dass diese Form des Feminismus zumindest im Netz momentan wohl die Tonangebende ist. Aber nur weil man am lautesten brüllt, hat man sicher nicht automatisch Recht. Die Slutwalkerinnen, die von der Mädchenmannschaft auf diese Weise angefeindet worden sind, hätten nicht so zu Kreuze kriechen müssen. Eher wäre doch ein gepflegt-saftiges „Fick dich“ in Richtung der Mädchenmannschaft angebracht gewesen. Denn die gesamte Aktion war toll und unterstützenswert, was durch diesen kleinlichen Krieg der antirassistischen Gender-Studies-Akademikerinnen-Elite nun komplett untergegangen ist.

Tja, und so demontiert sich der Feminismus also weiter von selbst, nur weil ein paar Frauen meinen, dass sie die Alleinherrschaft über die political correctness haben und dem Rest der feministischen Gemeinde diktieren dürfen, was die zu denken und zu sagen hat. Und natürlich, WIE sie es zu sagen hat.

Naja – mit mir jedenfalls nicht!

Edit: Miriam hat mir in den Kommentaren ein paar Links zu Artikeln geliefert, die sich schon vor der „Emma“ kritisch mit den Vorkommnissen auseinander gesetzt haben (sie selbst hat das übrigens auch). Weil das so eine schöne Ergänzung und wirklich lesenswert ist:

Taz: Mädchenmannschaft ausgewechselt

Jungle World: Eine ganz eigene Diktion

55 Gedanken zu “Die Selbstdemontage des Feminismus, erklärt am Beispiel von ein bisschen Schuhwichse

  1. Beeindruckender Artikel.

    Obwohl Du nicht so auf englische Texte stehst, hoffe ich, hast Du nichts dagegen, wenn ich mal den New York Times-Artikel verlinke, in dem die von mir geschätzte bekannte französische poststrukturalistische Frauenrechtlerin Julia Kristeva der von Dir kritisierten Form des Feminismus ebenfalls eine deutliche Absage erteilt. Inhaltlich passt das ganz gut:

    http://www.nytimes.com/2001/07/14/arts/correcting-her-idea-of-politically-correct.html?pagewanted=all&src=pm

    Julia Kristeva war lange Zeit eine Ikone der Gender Studies-Ideologen – bis sie denen auf einmal erklärte, dass sie deren Art zu denken total bescheuert findet und nichts mit ihnen zu tun haben will.

    Vom Emma-Feminismus halte ich persönlich zwar nichts. Aber die von mir geschätzte französische Feministin Elisabeth Badinter vertritt zu den Themen Verschleierungszwang und Burka ebenfalls sehr kritische Ansichten.

    • Danke😉

      Ich habe eigentlich nicht viel gegen englische Texte. Ich ärgere mich nur, wenn die mit einer Selbstverständlichkeit, die wahrlich ihresgleichen sucht, verlinkt werden, als müsste jeder Mensch Englisch können. Auch ärgere ich mich, wenn ich das Thema eines verlinkten Artikels lese und sich das total spannend anhört, nur um am Ende zu lesen, dass der nur auf Englisch ist.
      Es ist ja nicht so, als könnte ich gar kein Englisch. Die meisten Texte verstehe ich durchaus, wenn ich mir etwas Zeit lasse und nebenbei leo laufen lasse. Aber trotzdem. Ich bin da faul.
      Den von dir verlinkten Artikel habe ich jetzt leider beim ersten Lesen nicht so wirklich verstanden. Wenn zu viel englische Fachsprache dazu kommt, muss ich leider kapitulieren. Auch kenne ich die Frau und das, was sie gemacht hat nicht, daher würde ich ihn vermutlich auf Deutsch auch nicht verstehen ^^

      Zu deinen Ausführungen zu Depressionen schreib ich morgen was, ich muss jetzt endlich ins Bett!

  2. Diese ganzen Ismen regen mich auch auf – vor allem, weil man sich damit meiner bescheidenen Meinung nach vom Grundsatz, Menschen ordentlich zu behandeln, weil sie eben Menschen sind, immer weiter entfernt. Stattdessen wird über Ismen und Ings diskutiert, als gäb´s kein Morgen. Ich bewundere die Verve, mit der du dich auf dieses Thema stürzt!
    Meine Bibelkenntnis ist ein bisschen eigerostet, wo steht denn da was von Verschleierung? Ich weiß nur noch, dass ich mich fürchterlich über die Paulusbriefe aufgeregt hab, als ich sie mal unter dem Gesichtspunkt gelesen habe, inwiefern denn die Frau dem Manne untertan sein sollte. Aber das ist fast schon ein anderes Thema…

    • Genau bei den Paulusbriefen isses. Dort wird die Verschleierung beim Gebet zur Pflicht erklärt, andernfalls solle die Frau sich den Schädel scheren. An einer anderen Stelle schreibt Paulus, man solle ununterbrochen beten, weshalb man dies so auslegte, dass Frauen auch ununterbrochen die Haare bedecken müssen. Auch in Europa war das ja Ewigkeiten absolut üblich!
      Das lustige an Paulus ist, dass nur ein Teil der kanonischen Paulusbriefe authentisch sind. Die Timotheus-Briefe, in denen so schöne Sachen stehen wie „Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre“ stammen überhaupt nicht von Paulus. Der hatte selbst ein viel besseres Frauenbild, gerade in der Frühkirche waren unter seiner Aufsicht auch einige Frauen in höheren Positionen tätig! Da hatte einer schlicht seinen Frauenhass von der Seele geschrieben und sich dabei als Paulus ausgegeben, um gehört zu werden!

      • hi robin,

        „…Dort wird die Verschleierung beim Gebet zur Pflicht erklärt, andernfalls solle die Frau sich den Schädel scheren…..“

        genaugenommen sagt paulus in 1Kor 11,1-16 das genaue gegenteil von dem was du schreibst. es ist absolut im bereich des möglichen das er quasi ein ‚burka’/verschleierrungs verbot hier postuliert.
        in den versen 4-9 wiederholt paulus die haltung korinth’s
        dagegen sind die verse 11+12 paulus lehrmeinung.
        vers 11 +12 ‚Doch in dem Herrn ist weder die Frau etwas ohne den Mann noch der Mann etwas ohne die Frau; denn wie die Frau von dem Mann, so kommt auch der Mann durch die Frau; aber alles von Gott. ‚

        ich gehe nicht weiter auf die methodischen auslegungsfehler ein, weil das hier den post sprengen würde und nicht zu deinem topic passt.
        wenn du willst kann ich das aber an anderer stelle nachholen.

      • Seine Lehrmeinung steht ja nicht im Gegensatz zu dem, was ich geschrieben habe und was im Korinther geschrieben steht. Ich sehe auch nicht, wo da vermerkt ist, dass er hier nur die Haltung Korinths wiederholt. Kannst du das näher ausführen?

      • Au Backe, deine Bibelauslegung ist aber nicht sehr viel besser als die Fatwas mancher Hinterhof-Muftis…

  3. Ich habe das damals nicht so sehr verfolgt, aber fand das schon wunderbar ironisch, dass sowas gerade bei der MM passiert. Sonst empoeren sie sich immer furchtbar wenn einer irgendwie sexistische oder rassistische Aeusserungen taetigt und tun so, als waeren das die letzten Idioten und ueberhaupt wie kann man nur so bloed sein! Und dann passiert ihnen das selber…

    Ich kann das immer schlecht benennen was mich an manchen Feministinnen im Internet stoert, aber dein Artikel gibt da schon ein paar gute Hinweise. Bei der MM kommentiere auch nur wenn sich das nicht vermeiden laesst. Einmal wollten sie zu einem Thema schreiben wo ich mich rein zufaellig doch ganz gut auskenne und deren Text war dann wieder der gleiche Kaese den sie erst kritisiert hatten. Auf die Kritik kam dann von Seite der Autorin natuerlich auch keine Reaktion. Von der Diskussionskultur dort scheint mir eher, als wollten sie jeden, der Gefahr laeuft marginal andere Meinungen zu vertreten von vornherein entmutigen dort zu kommentieren.

    Ansonsten nur ganz kurz, da du das anschneidest (haha); Beschneidung ist nicht per se schlecht nur meine ich jeder sollte das selbst entscheiden koennen ob und wieviel weg kommt. Hatte das selbst im Erwachsenenalter wegen medizinischer Gruende und mir scheint die Diskussion darueber immer etwas einseitig zu sein.

    Mit dem Englischen vergisst man glaube ich manchmal, dass das nicht alle so selbstverstaendlich finden. Ich glaube ich lese mittlerweile mehr auf englisch als auf deutsch und Filme/Serien zB gehen sowieso nur auf englisch (wenn man mal die Original-Stimmen gehoert hat will man nicht mehr zurueck… insb. bei Serien; Filme sind oft besser synchronisiert). Oft gibt’s halt Artikel einfach nur auf Englisch weil das ja eigentlich eh jeder kann. Besonders in wissenschaftlichen/technischen Bereichen..

    • Sie, also die Mädchenmannschafts-Mädels, waren ja in meinen Augen überhaupt nicht rassistisch, auch wenn die genauen Umstände immer noch sehr nebulös sind.
      Aber eigentlich nur logisch, dass sowas passiert: Wer immer höhere Ansprüche stellt, wird irgendwann zwangsläufig an den Punkt kommen, an dem er diese selbst nicht mehr erfüllen kann!

      Ein schönes Beispiel ist so ein Amishtyp, Jakob Ammann. Der war praktisch Patriarch seiner Gemeinde und legte immer härtere Regeln fest. Wer sich nicht daran hielt, wurde aus der Gemeinde verstoßen.
      Letztendlich merkte er, dass er selbst gegen irgendeine Regel verstoßen hatte und verstieß sich konsequenterweise selbst!

      Beschneidung lehne ich natürlich nicht ab, wenn diese medizinisch notwendig ist, wobei diese ganze Debatte dankenswerter Weise dazu geführt hat, dass viele Ärzte jetzt genau überlegen, wann das nötig ist und wann nicht. Aber ich bin absolut gegen die Beschneidung aus religiösen, ästhetischen oder sexualerzieherischen Gründen an nicht-entscheidungsfähigen Kindern.
      Wer das als Mann allerdings im Erwachsenenalter machen lassen will, kann das von mir aus gerne tun.

  4. Ach ist das schön. Noch eine „Alltagsfeministin“ die nicht gleich alles in guter und böser Feminismus einteilt. Bitte mehr der klaren Worte.😉 Gucke doch auch mal in meinem Blog vorbei. Ich verlinke zwar auch viele englische Texte, mache mir aber öfter den „Spaß“ die teilweise zu übersetzen.

  5. Ich bin nicht besonders gut drin, mich in so Sachen auszudrücken. Ich versuch’s mal trotzdem.
    Zum Thema „blackfacing“-Vorwurf: Das finde ich per se schon so absurd, dass es mich wundert, wie man auf so etwas kommen und das dann noch entsprechend breittreten kann. Gibt es da nicht so was wie den gesunden Menschenverstand, der einem sagt, Moment, die malen sich nicht schwarz an, weil sie Schwarze verarschen wollen, sondern weil sie mit den auf die Haut gemalten Burkas gegen die Zwangsverschleierung protestieren?
    Was diese Selbstverständlichkeit angeht, mit der englische Links angegeben werden: Teilweise kann ich es nachvollziehen; wenn weiterführende Informationen nur auf Englisch vorhanden sind, warum dann nicht entsprechend verlinken? Was mich an der ganzen Sache stört und weshalb ich mich in Sachen Netzfeminismus komplett rausnehme ist die Arroganz, mit der das Ganze geschieht. Feminismus also als Spielerei der AkademikerINNEN? Schön. Nur grenzt das einen Gutteil der Frauen aus. Diejenigen, die vielleicht auch an der Sache interessiert, aber weder des Englischen noch der komplexen Fachsprache mächtig sind. Wenn Feminismus zum Golfspiel der Akademikerinnen wird, dann frage ich mich, ob es wirklich noch um Inhalte geht.
    Hm. Ja. Sorry, besser kann ich das nicht ausdrücken.

    • Also das mit dem Englisch sollte ich wohl etwas präzisieren:
      Blogger können das natürlich so halten, wie sie wollen. Das Blog wird auch nicht schlecht dadurch, aber für MICH wird es halt etwas unattraktiver, weil ich einfach lieber Deutsch lese, da mein Englisch nicht astrein ist. Das war nur eine Erklärung, warum die Seite nicht zu meinen Favoriten gehört.

      Die übertriebene Fachsprache ist da wieder ein ganz anderer Schuh. Wenn Texte wirklich fast unlesbar werden, weil sämtliche Personenbezeichnungen doppelt, mit gender gap o.ä. aufgeführt werden, oder wenn hinter jeder ein Sternchen gesetzt wird – könnte ja sein, dass ich, DIE Robin, sich heute mehr wie ein Mann fühlt! – dann schreit die Germanistin in mir auf. Und die vielen Fachtermini setzen dem Ganzen noch die Krone auf!

      Es ist schon lustig: Einerseits dürfen wir als weiße privilegierte Frauen nicht für Frauen in Burkas sprechen, weil das irgendwie als Arroganz der weißen Herrenrasse verstanden wird (eine der Frauen, die man da halbnackig auf dem Bild sieht, hat es in der „Emma“ schön ausgedrückt: „Unsinn – Gerade WEIL ich privilegiert bin, muss ich doch was tun!“), andererseits errichten sich die selbst ernannten Rassismuswächterinnen einen terminologischen Schutzwall um ihren Spielplatz, der es Frauen aus gewissen Schichten fast unmöglich macht, sich mit der Materie vertraut zu machen.

      Mir wurde auf der Seite mal „Klassismus“ vorgeworfen, als ich in einer Diskussion konstatierte, dass es bildungsferne Schichten gibt. Dir als Lehrerin erzähl ich da wohl nichts neues, aber für die war eine totale Katastrophe, dabei habe ich mit keiner Silbe verlauten lassen, dass diese Menschen in irgendeiner Weise selbst Schuld an ihrer Situation sind, im Gegenteil! Gleichzeitig zelebrieren sie selbst täglich Klassismus, weil man viele Texte kaum versteht, wenn man nicht Gender Studies studiert hat – oder vielleicht gar nichts studiert!
      Und WENN man sich dann mal richtig eingearbeitet hat und die Begriffe kennt, dann kommen ständig wieder kleine Seitenhiebe. Erst vor ein paar Tagen maßregelte eine Bloggerin eine Kommentatorin, weil die ein Verhalten als „pubertär“ bezeichnet hat. Das wär ja nicht cool, das stellt die völlig normale Phase der Pubertät ja negativ dar, ein Unding!

      Da frage ich mich doch, in welchen Spähren manche Leute schweben?

      Wegen dem Blackfacing: Wer das nicht versteht, ist entweder ideologisch verblendet, interpretiert das absichtlich falsch (neue junge Feministinnen, die wir nicht unter der Fuchtel haben? Neeee, wollen wir nicht!) oder ist einfach blöd.

      • “Unsinn – Gerade WEIL ich privilegiert bin, muss ich doch was tun!”

        Geht die Emma denn auf die konkreten Theorien ein?
        Denn es ist ja gerade ein wesentliches Element der Privilegientheorien, dass die Deutungshoheit etc bei der nichtprivilegierten Gruppe liegt und ein Sprechen für diese höchst problematisch ist.

        Das Interessante am Intersektionalismus ist, dass dadurch der Feminismus selbst die zerstörerische Kraft der Privilegientheorie in Verbindung mit Deutungshoheit am eigenen Leibe.
        Daraus folgt nämlich recht schnell ein absolutes Rechthaben und unangreifbar machen der eigenen Position verbunden um einen Wettlauf um das korrektere Verhalten. In „Professing Feminisim“ wird das unter „IDPOL“ ganz passend beschrieben,

        Schwarzer kommt eben aus einer anderen Ecke. Sie steht der zweiten Welle und insbesondere Beauvoir nahe, die noch auf klassischen Unterdrückungsszenarien durch das Patriarchat abstellt. Das läßt sie etwas undifferenzierter als die intersektionale Privilegientheorie werden.

        Meiner Meinung nach sind beide Richtungen überholt. Einseitige Schildzuweisungen erlauben zwar ein nettes Feindbild, aber letztendlich reagieren die Geschlechter aufeinander und beide Geschlechter beeinflussen sich gegenseitig, sowohl evolutionär als auch gesellschaftlich.

        Eine Theorie, die nicht die Verantwortung oder Ursächlichkeit beider Geschlechter in einem Wechselspiel untersucht scheint mir wenig geeignet.

      • Nein, die Emma ist nicht auf die Privilegientheorie eingegangen… warum auch? Wie lang wäre der Artikel sonst geworden? Er (der Artikel) geht wohl davon aus, dass seine Leser diesen Satz der Slutwalkerin einordnen können, ohne ein kompliziertes theoretisches Konstrukt dahinter.
        Man muss doch jedes idiotische Detail in einem Magazinartikel ausführen.

      • „Man muss doch jedes idiotische Detail in einem Magazinartikel ausführen.“

        Nein, natürlich nicht. Ich persönlich finde es bei solchen Meinungsverschiedenheiten immer interessant zu fragen, wie sie entstehen und warum der andere das denkt und sich dann mit den jeweiligen Argumenten für diesen Standpunkt auseinander zu setzen.

        Sonst besteht die Gefahr, dass beide Seiten aneinander vorbeireden, weil sie nur die verschiedenen Ergebnisse sehen, sich aber über das grundlegende Warum nicht unterhalten.

        Hier verlangt eben der theoretische Unterbau des „intersektionalen Privilegienfeminismus“, dass man auf bestimmte Weise reagiert. Rassismus auszublenden macht einen in dieser Sichtweise zu einem Täter, der nicht besser als ein Sexist ist.
        Die andere Seite hingegen stellt darauf ab, dass Sexismus in jeder Ausprägung zu bekämpfen ist und es da keine Einschränkungen geben darf.
        Ein „Ihr seid ja doof, ihr lasst Rassismus zu“ gegenüber einem „Ihr seid doof, ihr lasst Sexismus zu“ bleibt insoweit an der Oberfläche.

        Meiner Meinung nach liegt die Lösung eher darin zu sagen, dass Rassismus natürlich falsch ist, aber man die Deutungshoheit über kulturelle Praktiken in Abgrenzung zu Sexismus dennoch nicht ausschließlich den möglicherweise durch Rassismus betroffenen zuweist. Dann kann man diskutieren, warum man das nicht macht, etwa weil man kulturelle Praktiken nicht als Rechtfertigung ansieht und das Argument, dass alle Praktiken konstruiert sind und daher keine besser ist nicht gelten läßt.

        So würde man zum Kern der Probleme vordringen.

      • Ich nehme an, das wurde bereits zur Genüge diskutiert und muss nicht in jedem Artikel nochmal neu aufgerollt werden. Alice Schwarzer bringt es aber selbst noch mal auf den Punkt: „Vermeintlicher Rassismus sticht Sexismus?“ Ich sage nein. Die Emma wohl auch. Denn das ist genau die Haltung, die z.B. dazu führt, dass einem Mann, der einen „Ehrenmord“ an seiner Schwester begangen hat, seine Abstammung aus einer fremden Kultur als Strafminderungsgrund ausgelegt wird.

        Das kanns ja wohl nicht sein.

        Der Kern des Problems liegt, denke ich, für die meisten offen, aber man will seine Meinung einfach nicht ändern. Man muss auch wissen, wann eine Diskussion nichts mehr bringt. Wenn sich dann zwei Standpunkte nebeneinander etablieren, naja, dann ist das eben einfach so.
        Es sollen nur nicht die Vertreter des einen Standpunktes den Vertretern des anderen versuchen, ihre Regeln aufzudrücken, wie es die Mädchenmannschaft mit den Slutwalkerinnen getan hat.

      • Ich glaube ja, dass der Umstand, dass im Feminismus meist nur über Ergebnisse, aber selten über die Theorieunterschiede diskutiert wird, weil man diese jeweils als absolut setzt eines der Hauptprobleme ist, warum Regeln aufgedrückt werden.

        Eine offene Diskussion über Grundlagen führt zu einem Abbau von ideologischen Betrachtungen

      • Ich kann das natürlich nicht genau wissen, es war wie gesagt meine erste Emma, aber ich glaube kaum, dass diese Diskussionen noch nie geführt worden sind. Wie oft soll man denn dann noch diskutieren? Irgendwann muss man halt akzeptieren, dass man nicht mehr zusammen kommt.

      • „aber ich glaube kaum, dass diese Diskussionen noch nie geführt worden sind“

        Leider werden sie nicht geführt. Jedenfalls nach meiner Erfahrung. Grundlagen muss man dort üblicherweise akzeptieren, nicht diskutieren.

        Interessant dazu beispielsweise der „Feminism vor Dudes“ Text: „Akzeptiere“ ist eines der Lieblingswörter dort. Man findet auch viel „Erklärbär sein“ oder „ich habe keine Lust dir das darzulegen“ statt „hier sind meine Argumente, wie sind deine?“

      • Du kannst jetzt natürlich behaupten, dass diese Diskussion niemals geführt worden ist, ich kann dir nicht das Gegenteil beweisen. Aber glauben tu ich es dir nicht, sorry.

        Der „Feminism for Dudes“-Text, muss man den kennen? Ich kenne ihn nicht.

        Ich habe aber tatsächlich nicht immer Lust, mit Blinden über Farben zu diskutieren. Dein vorletzter Beitrag war mal wieder allerunterste Schublade. Wenn du in deinem biologistischen Weltbild der Meinung bist, dass es immer okay ist, eine Frau auf plumpste Art und Weise auf ihre äußerlichen Merkmale anzusprechen, weil die ja vermutlich eh ein eindeutiges Signal gesendet hat, welche Argumente könnte ich dir da auch liefern, die dich umstimmen? Es gibt keine. Also spare ich mir das doch für Leute auf, die nicht so festgefahren sind.
        Darum ja, ich habe tatsächlich keine Lust, dir oder deinen Fans das darzulegen. Großes Sorry!

  6. „Hatten Beate Zschäpe und Anders Breivik auf der Bühne ungeschützten Sex?“

    jetzt hab ich den ganzen bildschirm vollgeprustet😀

  7. Danke für diesen wunderbaren Text! Das kann ich so gänzlich unterschreiben.
    Neben dem, dass Weiße per se rassistisch sind, gibt es auch die Einstellung, dass es Rassismus gegen Weiße gar nicht geben würde, da Weiße ja generell mehr Macht hätten! Hallo? Gehts noch?!
    Wenn jemand wegen seiner Hautfarbe bzw. Herkunft beleidigt oder diskriminiert wird, dann ist das Rassismus und nichts anderes, egal welche Hautfarbe das jetzt ist!
    Dazu gab es bei der MM auch mal einen Artikel, weiß aber gerade nicht, wie der hieß.

    Das mit den englischen Texten sehe ich ähnlich. Gerade, wenn die ihre Linkliste schreiben, ist es echt hilfreich, wenn dann in Klammern dahinter Englisch steht, so dass ich den link gar nicht erst anklicken muss. Leider ist das nicht immer der Fall und ich klicke auf eine Thema, was sich vielleicht interessant anhört, nur um dann festzustellen, dass ich den Text kaum verstehe…

    • Danke, sehe ich eben ganz genauso!

      Mit „Weiße = IMMER Täter“ und „Schwarze = IMMER Opfer“ macht man es sich zu einfach, aber bei manchen Menschen funktioniert es wohl nur so.

      • Faszinierend wieviel mühe ihr euch gebt strohmänner zu verprügeln und eure Ideen des bösen Feminismus als Tatsache darzustellen weil das ist ja so.
        Und Muslimas werden alle unterdrückt, Männer sind böse und überhaupt-das wäre perfekt.zu übernehmen nachdem ihr critical whiteness ja schon so korrekt verstanden habt..

        Srs, ich seh hier keinerlei Argumente ausser „endlich hat man es diesen arroganten besserwisserischen anti/böse feministinnen mal richtig gegeben und wir können uns. wieder gut fühlen und zitterten.
        Inhalte? Ts. Wir folgen lieber jemandem der sich fürs hetzblatt nr 1 mit den geilen Girls auf Seite 3 ‚prostituiert‘ und anstatt differenziert über Probleme zu reden,(was weiß Gott nötig wäre) nur jedem zeigt dass síe weiß was 1. richtiger erlaubter Sex ist, wie dessen Bedingungen sein müssen, 2 dass der Islam böse ist(wobei man den Begriff Islamismus als feigenblatt vorhängt und stets Opfer zur Sprache kommen lässt und sich so in einseitigkeit ergeht(eh nix neues für die Emma…) mit Rechten kuschelt(ja, wir das größere Übel)allem entweder als weiße Person FÜR tatsächlich betroffene spricht und die, die es angeht aus
        schließt und silenced damit Emma wieder die jenigen token präsentieren darf,die. S. Meinung vertritt.-Oder zuerst so tut als würden sie er. Ğ!?y

  8. Ich habe selten etwas zum angeblichen „neuen Feminismus“ gelesen, das mir so sehr aus der Seele spricht wie Dein Text. Danke für Deine klaren Worte und für Deine wunderbaren, humorvollen Ideen!

  9. Pingback: Blogs als Antwort auf die Krise der Institutionen | Christoph Kappes

  10. Interessanter Post, dem ich gerne noch ein paar Sachen hinzufügen möchte.
    Die Mädchenmannschaft repräsentiert mitnichten ‘den’ Netzfeminismus. Es gibt ganz wunderbare Projekte weit abseits dieser sektiererischen Strömung. Als Beispiel fallen mir spontan featurette.de, netzfeminismus.org und kleinerdrei.org ein. Weshalb die Mädchenmannschaft (leider) nach wie vor so sichtbar ist im Netz liegt wahrscheinlich an ihrer Geschichte. All die Preise und Nominierungen hat sie bekommen, als noch vernünftige Frauen dort geschrieben haben. Diese wurden aber leider von Sektiererinnen rausgeekelt, anders kann man es wohl nicht nennen.
    Vor der Emma haben sich schon die taz (http://www.taz.de/!104073/) und die Jungle World (http://jungle-world.com/artikel/2012/42/46413.html) mit den absurden Vorgängen rund um diesen ominösen Rassismus-Vorfall befasst.
    Außerdem hab ich in meinem Blog mal versucht, es auf etwas theoretischerer Ebene aufzudröseln, warum ich die Mädchenmannschaft mittlerweile für eine freiheitsfeindliche sektenähnliche Gruppierung halte: http://drehumdiebolzeningenieur.wordpress.com/2012/10/09/dann-reden-wir-doch-mal-tacheles/
    “[…] kam ich mir vor, als wäre ich die einzige vernünftige Person auf der Welt.”
    Ich habe den Eindruck, die kritische Stimmen zu diesem Thema kommen von Leuten, die aus fundamentalen Gründen was gegen ‘Gleichschaltung’ haben, und deshalb einfach viel verstreuter im Netz zu finden sind. Aber es gibt sie. Und ich ärgere mich jeden Tag, dass es Projekte wie die jetzige Mädchenmannschaft schaffen, den gesamten Feminismus derart zu diskreditieren. Wenn ich Texte wie diesen http://elitemedium.wordpress.com/2012/10/05/die-feministische-bloggerin/ lese, dann werde ich echt sauer, weil ich der Meinung bin, dass da von einer extrem radikalen Minderheit geschrieben wird, es aber so rüberkommt, als sei das eine Mehrheit.

    • Hi Miriam,

      natürlich ist die Mädchenmannschaft nicht DER Netzfeminismus, aber aufgrund der langen Laufdauer, den von dir angesprochenen vielen Preisen und der großen Reichweite (kaum eine Seite, die sich als feministisch versteht, die nicht die MM im Blogroll hat) erscheint sie zumindest den von außen Kommenden als Zugpferd des Netzfeminismus. So ging es zumindest mir! Dass es noch viele andere tolle Projekte gibt, versteht sich von selbst. Die von dir aufgeführten Seiten werde ich mir jedenfalls mal genauer ansehen, wobei ich dort schon das ein oder andere Mal gelandet bin.

      Danke auch für deine Links! Siehste, sowas geht halt leicht an einem vorbei, wenn man nicht wirklich in der Szene drin ist. Ich habe leider im Real Life niemanden, mit dem ich über solche Themen reden könnte (irgendwie bin ich immer die einzige, die sich in meinem Umfeld für ein bestimmtes Thema interessiert, seinen es nun Comics, eine Fernsehserie oder halt den Feminismus). Schon länger überlege ich, ob ich mal bei den Feministinnen an meiner Uni vorbei schauen soll, aber ehrlich gesagt habe ich schlicht Angst, dass die genauso sind wie MM und Co.!

      Du schreibst ja selbst in deinem Blogbeitrag, dass man nicht von jedem erwarten kann, bei dieser Geschichte voll durchzusteigen, selbst wenn alles öffentlich im Netz steht. Daher habe ich auch so eine ellenlange Einführung geschrieben. Ich hätte auch direkt mit „Habt ihr alle den Arsch offen?!“ beginnen können😉 Aber dann hätten halt einige Leser nicht gecheckt, von was ich rede. Natürlich habe ich die Einführung aber auch für mich selbst geschrieben!

      Ich werde mal deine Links noch am Ende ergänzen, weil ich sie wirklich lesenswert fand (außer das Elitemedium natürlich). Nochmal Danke!

      • Hihi, durch einen Tweet vom elitemedium bin ich überhaupt erst hier auf der Seite gelandet. Bei dem oder der bin ich mir echt nicht sicher, auf welcher Seite er oder sie steht…

      • Oh, danke für die Info. Ich hab gesehen, dass ich getwittert wurde (hach, zum ersten Mal!), aber ich wusste nicht von wem. Ich bin auch nicht bei Twitter… noch nicht!
        Es ist immer die Frage der Positionierung bei solchen Beiträgen. Wer sich selbst mit einer Szene identifiziert, kann durchaus mal ein paar harte Worte zu gewissen Vorgängen finden, aber wenn sowas von der anderen Seite kommt, sieht das schon wieder ganz anders aus. Von daher weiß ich leider auch nicht, wie ich den Beitrag von Elitemedium einordnen soll. Ist das berechtige Kritik an EINIGEN feministischen Bloggerinnen oder einfach nur eine Variation des altbekannten „Feministinnen sind hässliche, fette, untervögelte Spaßbremsen“-Märchens?

      • Ach, was mir noch zu den Feministinnen an deiner Uni einfällt: Du bist aus Berlin, oder? Die Chancen, dort tatsächlich auf Vertreterinnen der MM in Person zu treffen sind nicht gering. Dieser postmoderne Müll, den die verbreiten geht ja ganz extrem von den Unis aus. Ich würde es da echt eher bei den netzfeministinnen probieren (die veranstalten in unregelmäßigen Abständen das netzfeministische Bier Berlin, kündigen das auch über twitter und den Blog an). Oder irgendwie im Dunstkreis von „kleiner drei“, die machen auch einen anständigen Eindruck.

      • Nee, ich studiere nicht in Berlin… um Gottes Willen!!:mrgreen:

        Ich muss es mir wohl einfach mal ansehen. Bisher sind die Frauen dort mir weder positiv, noch negativ aufgefallen. Im Grunde sehe ich nix von denen. Also ist mal eine Inspektion fällig!

    • Kleinerdrei ist tatsächlich sehr gut, das was ich gelesen hab fand ich hervorragend.

      Zum Thema Nadine Lantzsch: Dass ich sie nun nicht unbedingt leiden kann, weiß man ja. Bei einem Artikel von Malte Welding ( http://www.malte-welding.com/2011/10/29/im-herzen-die-weiseste-von-allen/ ) hat er in Bezug auf NL das wunderbare Wort „Konvertitenfuror“ gebraucht. Und genau das ist es auch, NL ist im Großteil ihres Lebens offenbar niemals mit Feminismus oder den Gründen für diesen konfrontiert worden, dann ist sie wohl in entsprechende Kreise gerutscht und stilisiert sich nun zur Vortänzerin.

      Ich würde um nen Kasten Bier wetten, dass man von NL in 2 Jahren nix mehr hört, weil sie dann älter geworden ist, ruhiger auch, und weil die Probleme die sie anprangert eigentlich nicht ihre sind, weil sie selbst so priviligiert ist, nie selbst mit Sexismus, Homophobie oder Rassismus konfrontiert zu werden, schon gar nicht den Kreisen, wo sie sich aufhält (sag ich jetzt mal so, ansonsten hätte sie sich viel eher mal engagiert.). Nimm sie aus ihrer Gruppe raus, gib ihr was zu tun und sie hat bald ihre Meinung vergessen.
      Zudem muss man bei NL und Konsorten auch das Wort „Engagement“ eigentlich permanent in Anführungszeichen schreiben, weil, seien wir mal ehrlich, Texte schreiben und sich dafür von seiner Bubble bejubeln lassen und sich evtl. ab und an mal bei irgendwelchen Workshops oder Podiumsdiskussionen (welche nie das Licht der bürgerlichen Mitte erreichen werden, was evtl. auch gar nicht gewünscht ist, weil die sind ja eh alles doofe Rassisten/Sexisten/Untermenschen) blicken zu lassen kann man nicht wirklich als Engagement sehen.

  11. Volle Zustimmung! Ich finde die Art des Feminismus, wie die Mädchenmannschaft ihn vertritt, auch seeehr fragwürdig. Leider ist er auf englischsprachigen Blogs/Tumblrn auch sehr verbreitet, da geht es dann soweit, zu sagen, dass wenn man Feministin ist, sich aber nicht besonders für Intersektionalität interessiert, keine richtige Feministin ist. Doppelmoral, anyone?
    „Schluss gemacht“ hab ich mit der Mädchenmannschaft, als sie diesen unsäglichen Artikel „Warum Deutschenfeindlichkeit richtig ist“ veröffentlicht hat, auch da: Arsch offen? Feindlichkeit, egal gegenüber welcher Nationalität ist scheiße, aber ich glaube, mit der Einstellung stößt man bei der MM auf taube Ohren oder wird gleich als Rassist abgestempelt.

    • „Feindlichkeit, egal gegenüber welcher Nationalität ist scheiße, aber ich glaube, mit der Einstellung stößt man bei der MM auf taube Ohren oder wird gleich als Rassist abgestempelt.“

      Wie ironieresistent müssen Menschen eigentlich sein, um wirklich so eine Meinung zu haben?

      Es ist ein Unterschied, ob man sich mal im Eifer des Gefechts, weil man gerade sehr wütend oder sehr verletzt ist, im Ton vergreift und alles und alle über einen Kamm schert, aber so eine Haltung tatsächlich zu vertreten und zu verteidigen… das ist schon krass!

  12. Pingback: Blogkultur als Antwort auf die Komplexität der Gesellschaft und der Krise ihrer Institutionen — Carta

  13. Schöner Blogpost🙂, wo kann ich unterschreiben?😉

    Ich würde mich jetzt nicht als Feministin bezeichnen, aber ich halte den Feminismus auch immer noch für wichtig und notwendig, denn auch hierzulande sind wir immer noch ein gutes Stück von wirklicher Gleichberechtigung entfernt.

    Aber mit radikalfeministischen Einstellung wie sie inzwischen bei der Mädchenmannschaft wohl üblich sind habe ich auch meine Probleme… und denke, daß die reichlich kontraproduktiv sind.

    Wenn jemand ohne böse Absicht aus Sicht der Betroffenen etwas falsch macht, dann sollte man ihn darauf hinweisen, im das Problem erklären… aber nicht ihn verurteilen und beschimpfen.

    Und natürlich muss es auch als nicht selbst Betroffene möglich sein, sich zu einem Thema zu äußern ohne gleich des Rassismus, Sexismus oder sonstwas beschuldigt zu werden!

    P.S:
    Ich mag mich auch nicht oder nur ungern durch englische Texte quälen…, da haben wir (noch) was gemeinsam.😉

    • Man muss sich schon fragen, ob diese Frauen eigentlich irgendwas mit ihren Aktionen erreichen wollen, nämlich in Menschen was bewegen, ein Umdenken erzeugen oder auch neue Interessierte für die Inhalte des Feminismus begeistern, oder ob es ihnen wirklich nur drum geht, sich selbst zu profilieren.

      Kontraproduktiv, in der Tat! Leider unterstützen noch viel zu viele Menschen diesen Schwachsinn.

  14. Pingback: Einseitige Schuldzuweisungen an ein Geschlecht geben keine stimmige Theorie « Alles Evolution

  15. hi robin,

    ich stelle überrascht fest das ich einigen argumenten von dir durchaus zustimmen kann. wie dem hier…
    „…Es kann doch wohl nicht sein, dass Frauen, die es scheiße finden, dass andere Frauen gezwungen werden, sich zu verschleiern, als Rassistinnen bezeichnet werden!!…“

    kannst du mir erklären was du damit meinst. entweder kritik ist ok oder nicht. der begriff ‚Islamophobisch‘ wird immer benutzt wenn der kritiker in ein negatives bild gestellt werden soll.
    „…Wie kann eine Kritik gegen des Islam bzw. eine dort verbreitete sexistische Praxis rassistisch sein? Islamophobisch – okay! Aber rassistisch, nein, das geht nicht klar!…“
    haste ein bsp für ‚Islamophobisch‘ und was die parallele für kritik am christentum?

  16. Ich finde es echt daneben, wie Du hier so eine rassistische Scheiße verbreitest. Unser geheiligter Prophet zeigt uns, wie wir die Würde der Gesellschaft wieder herstellen. Frauen müssen bestraft werden, wenn sie gegen unsere heiligen Gesetze verstossen. Friede und Erleuchtung seien mit Dir!

  17. …selbst den Schleier kann man nicht als pauschal sexistisch bezeichnen.

    Die muslimischen Tuareg sind da ein Beispiel: Da verschleiern sich traditionell beide Geschlechter, wobei sich Männer traditionell stärker verschleiern (der Mund gilt bei den Tuareg als unrein, daher tragen die Männer ein Tuch davor).

    In Frankreich fällt also die traditionelle Kleidung der männlichen Tuareg unter das Verschleierungsverbot („Burkaverbot“), die der weiblichen Tuareg dagegen nicht.

    Darum bin ich da gegen – auch gutgemeinte – Verallgemeinerungen. Leider werfen auch viele Leute alles in einen Topf. Traditionelle Kleiderformen sind nicht automatisch sexistisch, finde ich.

    Das Frauen ein Dirndl und Männer eine Lederhosn tragen ist nämlich erstmal nicht sexistisch, sondern erst dann, wenn die Frauen ihr Dirndl tragen _müssen_ und es für sie mit weiteren persönlichen Nachteilen verbunden ist. Oder? Genauso ist es mit dem Kopftuch, dass von verschiedenen Menschen gerne mit Vollverschleierungsformen pauschal in einen Topf geworfen wird.

    Das war glaube ich ursprünglich der Ansatzpunkt der MM. Zu was sich das Blog mittlerweile entwickelt hat, haben wir alle gesehen. Leider. Ich fand das Projekt früher richtig gut…

    Ich finde Deinen Blogbeitrag übrigens richtig gut. Bin über Dein Posting im EMMA-Forum hierher gekommen – dort hats auch einige ganz besondere Persönlichkeiten…😦

    Und EMMA sollte man mit Vorsicht genießen. Die Qualität der Artikel, besonders der Recherchearbeit, ist oft unter jeder Sau. Vor etwas über einem Jahr gabs da z.B. mal einen reisserischen Artikel über die Piraten, den ich inhaltlich ziemlich vollständig analysiert (bzw. auseinander genommen) habe:

    http://cymaphore.net/journal/59-EMMA-berichtet-uber-das-Thema-Frauen-in-der-Piratenpartei

    Falls Dich das interessiert.

    Hier übrigens meine Position zum #Aufschrei:
    http://cymaphore.net/journal/68–Aufschrei-in-Schwarz-Weiss

    Was denkst Du dazu?

    Ciao,
    Martin

    • Ich bin ja explizit nur auf die Verschleierung aus Zwang gegen Frauen eingegangen. Dass auch Männer in manchen Kulturen davon betroffen sind, habe ich nicht bestritten, das ändert allerdings an meinem Standpunkt wenig…

      Verbot ja oder nein, das ist dann wieder ein GANZ anderes Thema. Meine Meinung dazu ist ambivalent. Einerseits möchte ich Frauen, die sich freiwillig dafür entscheiden, nicht die Freiheit nehmen, diese Kleidung wählen zu können. Andererseits würde ich meine Kinder niemals von einer solchen Frau in einer solchen Aufmachung unterrichten lassen. Sie demonstriert damit nämlich, dass sie die Frau bzw. den weiblichen Körper an sich für minderwertiger oder sündhafter hält (obwohl sie selbst eine ist bzw. einen hat). Das beleidigt mich. Der Anblick von burkatragenden Frauen auf der Straße beleidigt mich.
      Daher würde ich eher für als gegen ein Verbot votieren.

      Keine Angst, ich werde die Emma mit Vorsicht genießen. Ich bin nur von meiner Meinung abgerückt, dass dort alles per se schlecht ist. Genauso, wie es immer noch ab und zu interessante Beiträge bei der MM gibt. Ich nehme mir die Freiheit, Menschen aus meinem Lager zu kritisieren, wenn ich das für nötig halte, aber auch gute Beiträge von Menschen aus dem anderen Lager zu loben, wenn sie denn Lob verdient haben. Manch einer würde das Netzbeschmutzung oder Fraternisierung nennen, aber das ist mir glücklicherweise egal😉

      Was deinen Beitrag zum #aufschrei angeht: Sorry, aber ich kann dieses „Aber Männer sind doch auch betroffen…“ nicht mehr hören. Bei #aufschrei geht es jetzt mal ausnahmsweise um uns. Wenn ihr euch belästigt fühlt: Startet doch was eigenes. Würde mich ja auch interessieren. Aber glaubst du ernsthaft, der Alltagssexismus gegen Männer oder die sexualisierten Übergriffe sind bei Männern auch nur halb so umfangreich?
      Und was die aufgetakelten Tussen angeht: Wer z.B. einer Frau allein aufgrund ihrer Körbchengröße, die sie großzügig zur Schau stellt, einen Job gibt, für den habe ich ehrlich gesagt kein Mitleid übrig. Denn hätte sie sich nicht herausgeputzt, hätte sie ja aus gewissen Kreisen ja auch nur Häme bekommen. Bittere Realität: Frauen können es der Gesellschaft schwer recht machen. Mal zu sexy, mal zu bieder. Sprüche provoziert beides!

  18. Martin schrieb:

    „Die muslimischen Tuareg sind da ein Beispiel: Da verschleiern sich traditionell beide Geschlechter, wobei sich Männer traditionell stärker verschleiern (der Mund gilt bei den Tuareg als unrein, daher tragen die Männer ein Tuch davor).“

    Das bedeutet nicht, dass Verschleierungssozialisation und Verschleierungszwang nicht sexistisch wären, sondern lediglich, dass in diesem speziellen Fall die frauenrechtliche Kritik an Verschleierungssozialisation und Verschleierungszwang um eine männerrechtliche Perspektive ergänzt werden sollte.

    Wenn nur ein Geschlecht einen Schleier tragen muss, ist dies sexistisch – egal um welches Geschlecht es sich handelt.
    Müssen sich beide Geschlechter verschleiern, wäre dies bi-sexistisch, wobei in dem genannten Fall – wenn diese Informationen so stimmen – Männer stärker von dieser, beide Geschlechter betreffenden, sexistischen Praxis betroffen wären.

    Bezugspunkt einer antisexistischen Kritik sollten Verschleierungssozialisation und Verschleierungszwang aber dennoch sein – unabhängig davon, welches Geschlecht betroffen ist.

    • Ich präzisiere mal kurz:

      In einer Gesellschaft, in der beide Geschlechter einen Schleier tragen müssen – und zwar in genau der gleichen Weise ohne geschlechtsbezogene Unterschiede und ohne unterschiedliche geschlechtsbezogene Begründungen – könnte man dies nicht als sexistisch oder bisexistisch bezeichnen. Hier wäre eine allgemeine anti-traditionalistische humanistische Kritik nötig.

      Müssen sich aber beide Geschlechter verschleiern und es gibt Unterschiede in den Verschleierungsformen (und damit auch Unterschiede in den geschlechtsbezogenen Begründungen für die Verschleierung) – wie hier über die Tuareg behauptet, dann wäre dies ein Beispiel für Bisexismus – beide Geschlechter haben spezifische Nachteile durch die ihnen aufgezwungenen traditionellen Geschlechterrollen.

  19. Pingback: Knutschverbot – eine absolut logische, durchführbare und überhaupt nicht beschissene Idee. Hust. | robins urban life stories

  20. „Damit bin ich also irgend so ein Zwischending… und ihr Ton wurde direkt ein bisschen vorsichtiger.“

    Habe mich glaube ich nur einmal wirklich privilegiert gefühlt und das war wohl wegen einer Person die so ähnlich war wie von dir beschrieben. Habe damals glaube ich nur gemeint, dass ich auch wegen meiner Herkunft Ausländerfeindliche Sprüche abbekommen habe und sofort schien es als ob man sie mich nicht mehr so hart angehen könnte. Es war auf der einen Seite belustigend und gleichzeitig erschreckend, weil klar wurde, dass Argumente für solche Leute weniger bedeutend sind als woher man kommt.

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