Ein Fitnessstudio wäre so schön, wenn nur der ganze Sport und die Leute nicht wären. – Teil 1: Absolute Beginners

I did it! Ich habe mich tatsächlich in diesem neuen Fitnessstudio angemeldet, über das ich schon berichtet habe.

Das ist zwar jetzt schon etwas länger her, aber das hält mich dennoch nicht ab, davon zu schreiben (warum auch?).

Anfang Januar stiefelte ich also mit Tim, dem Typen, bei dem ich immer wasche, Richtung Fitnessstudio. Wie vorher am Telefon abgeklärt lief die Anmeldung absolut problemlos – und auch sehr witzig.

An dieser Stelle möchte ich mal eines ganz scharf betonen: Den Tim halte ich mir nicht nur deswegen warm, weil ich bei ihm waschen kann. Tim hat sich zu einem meiner allerbesten Kumpels gemausert. Ich liebe diesen Wuschelkopp! – und zwar auch (aber nicht nur) deswegen, weil er in Sachen „Peinlichkeit“ absolut schmerzbefreit ist.

Okay, das ist nicht immer angenehm. Sitzen wir zusammen im Kino und er macht mit lauter Stimme Bemerkungen über die doofe Werbung, und zwar ABSICHTLICH so, dass es jeder hört, dann krieche ich gerne in den Sitz und mache mich unsichtbar. Andere Aktionen dagegen machen das wieder wett. Wenn er mit ausdruckslosem Gesicht auf dem Kinosessel Platz nimmt, seinem perplexen Nebenmann die Hand reicht und stoisch sagt: „Hallo, ich bin Tim und ich bin Ihr Sitznachbar für die heutige Vorstellung“ – sorry, aber wie höllencool ist das denn bitte?

Aus diesem Grund war ich auch froh, dass er sich entschlossen hatte, mich beim Trainieren zu begleiten. Direkt bei der Anmeldung lockerte er die Stimmung bis zum Anschlag auf. Die beiden jungen Angestellten im Fitnessstudio (wohl studentische Aushilfen) waren erst verwirrt, dann amüsiert, schließlich entzückt!
Wir mussten einen Fragebogen ausfüllen, auf dessen Basis man für uns einen Trainingsplan erstellen würde (was schon direkt tausendmal mehr ist, als das andere Fitnessstudio, die ominöse Kette, bei der ich gewesen bin, jemals für seine Mitglieder geleistet hat). Neben logischen Fragen nach Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht wurden auch chronische Erkrankungen (nope) oder Medikamente (da kam mein Schilddrüsenzeug hin) abgefragt. Schließlich wurde man nach seinem Ziel befragt (ich schrieb großspurige 15 Kilo Gewichtsverlust hin).

Bei dieser Frage angekommen wandte sich Tim wieder an die Angestellten hinter dem Tresen: „Kann ich „die Weltherrschaft erlangen“ als Trainingsziel hinschreiben?“
Die Angestellten quietschten vor Vergnügen und ich zollte Tim ob dieses Witzes einen anerkennenden stolzen Seitenblick.

Schließlich überreichten wir unsere ausgefüllten Fragebögen. „Ich weiß nicht, ob das wichtig ist, aber ich habe einfach mal dazu geschrieben, dass ich Epileptiker bin,“ meinte Tim noch.

Darauf der Tresentyp vergnügt: „Haha – ja, genau!“

Zwei verwirrte Augenpaare starrten den Kerl an. „Äh – er hat wirklich Epilepsie,“ wandte ich vorsichtig ein, als mir klar wurde, dass der Typ das für einen Spruch (wäre es einer gewesen, dann allerdings ein selten dämlicher) gehalten hatte. Woraufhin dessen gut gelaunte Miene in sich zusammen stürzte. Was dann wiederum ziemlich witzig war.

Naja – mit diesem kleinen Intermezzo hatten wir immerhin schon direkt mal unseren Bekanntheitsgrad gesteigert. Danach war es Zeit, erstmals ins Training hinein zu schnuppern.

Nachdem wir uns umgezogen hatten, trafen wir uns vor dem Schwarzen Brett, studierten die Angebote und trugen uns auch gleich für das betreute Einführungstraining durch den Chef persönlich ein. Und als wir da noch gerade so unschlüssig herum standen, lernten wir auch gleich die Cheftrainerin kennen, die im Raum nebenan ein paar Fitnesswütige durch den Raum jagte.
„Ey, wie siehts aus?! Kommt ihr gleich zum Bauchwegkurs?! Alles klar, supi!!!“ Sprachs, und war schon wieder verschwunden.

Tim und ich wechselten bestürzte Blicke. Die hyperaktive Dame (kaum größer als ich, aber nur ein Drittel so breit) erweckte in mir sofort einen Fluchtreflex, aber sie ließ uns nicht entkommen. Kaum war der laufende Kurs beendet, scheuchte sie uns in den Kursraum, wo wir gleich erste Erfahrung mit ihren Trainingsmethoden machten.

Ich kann nur sagen: Au. Das einzig positive am Bauchwegkurs ist, dass es eigentlich kein richtiger Kurs ist, sondern nur ein fünfzehnminütiges Power-Workout für den (noch imaginären) Sixpack.
Noch nie dauerte eine Viertelstunde länger. Wirklich wahr. In diesen höllischen 15 Minuten nutzte ich meine verkümmerten Bauchmuskeln mehr als sonst in einem ganzen Monat. Situps, Ganzkörperstütze, Kerze etc.pp. – am Ende lag ich flach auf der Trainingsmatte und konnte kaum noch röcheln!

Eigentlich hatte ich ja geglaubt, ich wäre trotz ein paar Kilo mehr auf der Waage, meiner Raucherei und dem gelegentlich ausschweifenden Alkoholkonsum noch relativ fit für mein Alter – aber MEINE Fresse! Ich bin nicht nur nicht fit, ich habe auch nicht halb so viel Kraft, wie ich gedacht habe!
Einziges Trostpflaster, so traurig sich das anhört: Tim erging es noch schlechter, auch wenn er tapfer durch- und den Mund verschlossen hielt. Dafür jammerte ich für uns beide.

Nach dieser Viertelstunde in der Hölle wurden wir dann auch noch genötigt, beim folgenden Stepaerobic-Kurs mitzumachen. Eigentlich hatte ich mich darauf sogar sehr gefreut. Ich glaubte, das wäre besonders effektiv für einen knackigen Hintern und die Oberschenkel (leider meine größte Problemzone), während man gleichzeitig Kalorien verbrennt wie blöd und mit vielen anderen Menschen mit gleichen Problemen einen Haufen Spaß hat.

Naja. Ich mache es kurz: Effektiv ist es bestimmt. Aber dafür muss man erst mal die Bewegungen hinkriegen!!
Es begann ganz leicht. Wir arbeiteten mit Steppern und so fing es auch ziemlich lasch mit „linkes Bein – rechtes Bein“ an. Also einmal hoch, wieder runter, anderes Bein hoch, wieder runter. Easy, ne.
Aber schon nach zehn Minuten konnte ich nur noch rumstehen und hilflos glotzen. Und wenn ich mich so umsah, war ich nicht die Einzige! „Linkes Bein Drehung Step Sidestep Drehung Kick rechtes Bein Drehung Kick Step Kick Step Step und ARME HOCH!“ – AAAAHHHH!!! Was tut diese Frau da!?

Während ich und, wie gesagt, ein paar andere Neuzugänge erstarrt waren und ich mir wie die absolute Bewegungsspastikerin vorkam, wirbelten vor meinen Augen die Leute durch den Raum und schmissen dabei ihre Beine schneller in die Luft als das menschliche Auge wahrnehmen kann. Krasser Scheiß!! Und das soll SPORT sein?!
Ab und zu erwischte ich einen leichten Teil der Choreo, aber mehr als drei Takte schaffte ich nie, mitzuhalten, bevor wieder irgendeine total abgespacte Drehung kam und ich es gerade noch so verhindern könnte, als japsendes Bündel mit gebrochenen Beinen auf den Boden zu sinken.
Und was tat Tim neben mir?! Der wirkte auch recht verzweifelt – tanzte aber den Großteil der Choreographie beherzt mit!!

„Warum KANNST du das?!“ zischte ich irgendwann verdattert.
„Naja, ich hab mal Jazztanz gemacht,“ gestand er mir leicht verschämt. Boah, wenn ich nicht schon gewusst hätte, dass er bi ist…!!

Das Tempo steigerte sich allerdings noch weiter und irgendwann war der Ofen aus, auch für Tim. Step Aerobic – no way!! Der menschliche Geist ist für solche Belastungen nicht geschaffen – jedenfalls nicht meiner!

„Ach, ihr wollt gehen? Naja, am Anfang ist es schon ziemlich schwer, wenn man das noch nie gemacht hat,“ tröstete uns die Trainerin. Und erzählte uns dann mal eben so nebenbei, dass dieser Kurs sich an Menschen in der Grauzone zwischen „Fortgeschrittene“ und „Profi“ richtete! Insgesamt gibt es nämlich VIER Stepaerobic-Kurse – und das war der dritte!

Ich: „Gaaaaaah!!!“

Damit war beschlossen, zu einem anderen Zeitpunkt wieder zu kehren, wenn sich das Training eher an die Menschen richtet, die nicht vorhaben, bei den nächsten Olympischen Spielen in Step-Aerobic anzutreten!

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11 Gedanken zu “Ein Fitnessstudio wäre so schön, wenn nur der ganze Sport und die Leute nicht wären. – Teil 1: Absolute Beginners

  1. Hahahahhaa 😀 Step-Aerobic! Das ist mega.. ja, also ich krieg das auch nicht so hin, wie ich es mir oft wünsche. Vor allem stolper ich manchmal über dieses Teil da.. weil ich mich dann mit meinen Beinen verhedder und dann ein einziges Wirr-Warr ergebe 😀 Mach dir nichts draus.. ich geh eventuell bald auch wieder ins Fitnessstudio.. es ist nämlich nie zu spät dort zu sein 😀

    • DAS ist auch noch so ne Sache: Ich halte die Dinger wirklich nicht für sicher genug, um darauf Piouretten zu drehen! Ich bin jetzt auch schon mehrmals darüber gestolpert oder es ist unter mir weggerutscht, glücklicherweise konnte ich mich jedes Mal noch fangen. Aber ein bisschen Schiss macht mir das schon :/

      Zu spät ist es hoffentlich für mich noch nicht, aber diese Leiden einer alten Dame seien dir Jungspund eine Lehre 😉 Je früher man anfängt, desto weniger Trainingsrückstand hat man aufzuholen!

      • Ich finds ja immerwieder richtig krass, was man auf dem Ding alles machen soll XD Irgendwie ist das schon ne Herausforderung, doch mir da irgendwann was zu brechen, was eventuell völlig übertrieben ist aber man weiß ja nie, ist irgendwie nicht gerade toll. Das wird schon! Irgendwann wirst du sicher gut einschätzen können, wo das Teil sich gerade befindet 🙂 Ich danke dir für deine Tipps ♥ 😀

  2. Also ich muss eins sagen und das meine ich vollkommen ernst…ich bin ein wenig neidisch. Ich will auuuuch Sport machen. Mit jemandem, den ich mag. Und jammern. Und schwitzen. Und jammern. Aber so lang ich nicht weiß, wo es mich im nächsten halben Jahr hintreibt, werd ich mir was anderes als ein Fitnessstudio suchen müssen. Mal schauen, wie kreativ äääh…motiviert ich dabei bin 😉
    Auf jeden Fall klingt es gut, was du da machst. Bis auf den Step-Aerobic-Kurs. Das ist ja echt hart. Ich glaub, ich würde mich schon im Anfängerkurs blöd anstellen, aber erst mal ohne das Wissen in einem Olypionikentraining zu stehen, ist hart 😀
    Aber weiter so! Ich bin stolz auf dich und überschütte dich mit ehrlicher Ehrfurcht!

    • Hui, zu viel der Ehre *rotwerd*

      Ich bin in solchen Sachen ja ein ausgemachter Schisser. Ich hatte tatsächlich vor, mich allein in dem Fitnessstudio anzumelden, aber mir sind mehrere Gebirgszüge vom Herzen gekullert, als Tim sich mir anschloss! Alleine würde ich mich kaum trauen, dort aufzukreuzen. Ich denke dann immer, alle würden mich anstarren 😦

      Gibts an deiner Uni kein Sportangebot? Ich finde das wirklich toll, man verpflichtet sich zu nix (oder muss nur kleine Beiträge bezahlen, wurde mir gesagt), hat immer Trainingspartner und kann aus Dutzenden Kursen wählen! Schnupper doch da mal rein!

  3. Haha, find ich sehr sympathisch.
    Ich habe mich bereits im letzten Juni im Fitti angemeldet, mache auch brav meine Gewichts- und Radelrunden. Und vor drei Wochen kam ich in meinem postjugendlichen Übermut auf die Idee, am Flexi-Bar-Kurs teilzunehmen.
    Als ich nach vier Tagen endlich wieder halbwegs kriechen konnte, ohne dass ich das Gefühl hatte, mir fällt wahlweise ein Arm oder ein Bein ab, habe ich dann beschlossen, dass dieser Wahnsinn nur was für die elfengleichen Wesen ist, die am späten Nachmittag ein wenig Schönheit ins Studio bringen …

    • Regelmäßig seit einem halben Jahr? Respekt!! Schon deine persönlichen Trainingsziele erreicht?

      Aber du scheinst ja eh aktiver zu sein als ich kleine Nerdtussi 😦 Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren… ich hab nicht mal mehr ein Fahrrad. Mochte ich ohnehin nie gerne.

      Flexi-Bar musste ich jetzt erstmal googeln, nur um dann zu sehen, dass meine Mutter so ein Teil hat. Hab ich einmal ausprobiert. NIE WIEDER!! *ächz*

      • Nee, für die Trainingsziele fehlen mir noch ein paar Kilo. Oder anders gesagt, dafür sind noch ein paar zu viel da …

        Und mit dem Fahrrad fahr ich nur deshalb zur Schule, weil ich 1) kein Auto habe und 2) die Vorstellung, NOCH früher aufstehen zu müssen, um zu latschen, grauenhaft finde.

        Flexi-Bar wurde früher bestimmt als Folterinstrument verwendet. Anders kann ich mir seine Existenz nicht erklären.

  4. Ich versuche zweimal die Woche Sportkurse zu machen. Ich habe einen Hohlrundrücken und denke deshalb immer etwas für meinen Rücken tun zu müssen (bevor er sich meldet). Ich mag auch Yoga, BodyArt und DeepWork. Das hilft mir auch mental wenn es im Job anstrengend ist. Vor den Sportkursen darf ich halt nichts schweres essen. Und in der dunklen Jahreszeit nochmal aus dem Haus zu gehen erfordert auch Disziplin. Aber von mal zu mal krieg ich das besser hin. Wohl auch weil ich die Kurse immer fitter überstehe.

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