Bücher-ABC 2013: B wie Stephen Kings „Brennen muss Salem“

Hä, Bücher-ABC?

Stephen King – Brennen muss Salem
‚Salem’s Lot, 1975 (deutsch 1979)

brennenmusssalemBen Mears, ein erfolgreicher Autor, kehrt nach langen Jahren in seine Heimatstadt Jerusalem’s Lot zurück. Einst hatte er dort im örtlichen Spukhaus ein Erlebnis, das ihn selbst als Erwachsener nicht los gelassen hat. Um den Geistern der Vergangenheit ins Gesicht zu blicken, beschließt er, sich seinen Kindheitsängsten zu stellen und seine Erlebnisse um das sogenannte „Marsten-Haus“ vor Ort literarisch zu verarbeiten.

Kaum angekommen muss er feststellen, dass genau dieses Haus, obschon von der gesamten Stadt gemieden, da es als „verflucht“ gilt, inzwischen nicht mehr unbewohnt ist: Kurt Barlow und sein Geschäftspartner haben es bezogen und wollen angeblich einen Antiquitätenhandel in ‚Salem’s Lot eröffnen.
Schon bald nach Barlows Ankunft häufen sich allerdings die seltsamen Ereignisse: Menschen verschwinden oder werden tot aufgefunden, andere verlassen nur noch in der Nacht ihre Häuser und tragen sichtbare Bissspuren an ihren Hälsen. Ben Mears sowie die wenigen skeptischen Bürger der Stadt, die er um sich schart, sind bald davon überzeugt: Bei Barlow muss es sich um einen blutrünstigen Vampir handeln…

Brennen muss Salem war eines der ersten Bücher, die ich von Stephen King gelesen habe – und das erste, das mir nicht gefallen hat.

Ich kann nicht mehr sagen, wann es anfing, aber seit ich mich erinnern kann, fasziniert mich der Vampirmythos. Ich schreibe absichtlich „der Mythos“, denn viele Darstellungen von Vampiren in Film und Literatur haben mit der ursprünglichen archetypischen Vampirfigur recht wenig zu tun, weshalb ich genau dieses Thema paradoxerweise eher meide, um nicht von falschen Interpretationen genervt zu werden!

Stephen Kings Vampire in Brennen muss Salem waren die misslungensten, die ich bis dato kennen gelernt hatte – aber das war ja auch lange vor „Twilight“.

Besonders nervte mich im Roman die  (leider weit verbreitete) Prämisse, der Biss eines Vampirs würde jeden Menschen automatisch ebenfalls zum Vampir machen, als wäre Vampirismus nur irgendein Virus, der durch einen Biss übertragen wird, dabei muss ein Vampir einen Menschen erst beißen, ihn dabei fast völlig aussaugen und dann von seinem eigenen Vampirblut zu trinken geben. Wesentlich komplizierter, aber so ist es nun mal! Dass man dieser Verwandlung entgehen kann, indem man den 23. Psalm aufsagt und sich ne Tetanusspritze setzt, ist Stephen Kings exklusive Erfindung und dabei dann wirklich noch das Tüpfelchen auf dem i (aber immerhin hat mich das als 12jährige dazu gebracht, eben diesen Psalm auswendig zu lernen – nur so zur Sicherheit. Das schindet Eindruck!).

Das klingt vermutlich kleinlich und ist es wohl auch. Aber leider ist das nicht der einzige Kritikpunkt, der das Buch für mich recht schlecht macht.

Hierbei handelt es sich erst um Stephen Kings zweiten Roman (nach Carrie), was in meinen Augen unübersehbar ist. Zu diesem Zeitpunkt fehlte ihm wohl noch einiges an der Routine, die ihm später zugute kommen sollte. Bis dahin findet sich leider hier (wie auch in anderen seiner Frühwerke) so manche sprachliche und dramaturgische Behäbigkeit und eine Charakterzeichnung, die weit unter dem Niveau verbleibt, für das ich ihn später noch feiern werde. Besonders möchte ich hier Mark Petrie hervor heben, einen zwölfjährigen Jungen, dessen Bekanntschaft mit einem Vampir noch mal glimpflich abläuft, bevor er mit Ben Mears den Kampf aufnimmt, und dessen Motivation ich nicht so wirklich verstehe… aber auch viele der anderen Stadtbewohner, mit denen Stephen King ‚Salem’s Lot bevölkert, sind nicht mal ansatzweise so gut ausgeführt wie die Bürger der späteren Städtchen, in denen er seine Geschichten spielen lässt, womit ‚Salem’s Lot als Schauplatz leider ziemlich blutleer wirkt (chrchr!!!).

Die irgendwie recht konfus wirkende Story tut dann noch sein übrigens. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass das erwähnte Kindheitstrauma von Ben Mears, welches in Barlows neuem Domizil geschehen ist, so wirklich gar nichts mit dem Rest der Geschichte zu tun hat (außer vielleicht insofern, dass sich creepy Leute nun mal zu creepy Plätzen hingezogen fühlen). Es drängt sich der Eindruck auf, dass Stephen King einfach halt irgendwas mit Vampiren machen wollte!

Viel mehr kann ich über dieses Buch leider nicht mehr sagen, da es um die 15 Jahre her ist, dass ich es gelesen habe (!).

Ich teile Stephen-King-Bücher lediglich in zwei Kategorien: „Immer wieder lesenswert“ und „Einweg-Bücher“. Brennen muss Salem war das erste Buch, das auf den letzten Stapel gehörte. Ich habe es einmal gelesen und finde es schlichtweg zu langweilig, um mich noch einmal durchzuquälen. Daher kann ich den Roman leider nur denjenigen empfehlen, die sich an den Dunklen Turm wagen wollen, denn der Pfarrer des Städtchens, Father Callahan (immerhin als alkoholkranker Geistlicher am Rande der Apostasie die interessanteste Figur im gesamten Roman), wird in eben diesem Epos noch eine gar-nicht-mal-so-kleine Rolle spielen. Wer also nicht nur auf die kurze Zusammenfassung angewiesen sein will, die der Dunkle Turm zu seiner Person und den Ereignissen in Brennen muss Salem liefert, dem sei das Buch ans Herz gelegt.

Allen anderen kann ich nur sagen, dass Stephen King durchaus noch einige schlechtere, aber auch viele wesentlich bessere Romane geschrieben hat und man daher lieber bei denen zugreifen sollte, wenn man sich dem Werk des Meisters erstmals widmen will.

5 Gedanken zu “Bücher-ABC 2013: B wie Stephen Kings „Brennen muss Salem“

  1. „Brennen muss Salem“ habe ich zwar nicht gelesen (nur die ziemlich schlechte Verfilmung gesehen, in der Marlowe aussieht wie eine grün angemalte Version von Graf Orlok), mich würde allerdings interessieren, was du mit „der Mythos“ und der archetypischen Darstellung meinst. Meinst du damit „gemäß den alten Volksmythen“? In diesen entsprechen die Vampire nämlich kaum unserer heutigen Vorstellung und sind eher blutdurstige Zombies. Und es gibt die lustigsten Arten, wie man zum Vampir wird. Eine schwarze Katze rennt übers Grab? Willkommen bei den Untoten.
    Oder meinst du den von den Vorreitern der Vampirliteratur wie Polidori, LeFanu und natürlich Stoker erschaffenen Archetypen (v.a. des Vampirs als adeliges verführerisches Monster), der den meisten in den Sinn kommt, wenn sie an den klassischen Vampir denken?
    Dabei ist auch die Vampirerschaffung so eine Sache, denn die meisten der frühen Autoren setzen sich mit dieser Thematik weniger genau auseinander und es bleiben eher vage; Stoker deutet den beiderseitigen Blutaustausch so an, aber wirklich eindeutig macht er es nicht. Die von dir beschriebene Erschaffungsart (ist auch meine Liebste, weil nun einmal die logischste), stammt in erster Linie aus Anne Rices „Interview mit einem Vampir“ (von 1976 und damit noch nicht so alt) – was letztendlich aber auch damit zusammenhängen dürfte, dass der Vampir als Protagonist vor „Interview“ ziemlich selten war und es deshalb wenig Einblicke in die Funktionsweise gab.

    • Also mir gefällt ja am besten die „Siebter Sohn eines siebten Sohnes“-Methode, um zum Blutsauger zu werden:mrgreen: (ich hatte sogar mal die Idee, daraus etwas HP-fanfictionmäßiges zu machen – weil, den Weasleys fehlt ja nur noch einer und bei Arthurs Brüdern kann man ja ein bisschen was dazu erfinden… aber das ging nie über die erste grobe Szene hinaus).

      Dein Einwand ist schon berechtigt: Ich habe mich zwar wirklich viel mit dem Mythos beschäftigt, aber mit den Jahren hat sich eine Vorstellung des idealen Vampirs bei mir entwickelt, die eigentlich weder mit dem Wurzeln des Mythos, noch mit der heute gängigsten Form des Vampirs viel zu tun hat. Irgendwie hab ich alles zusammen geschwurbelt und am Ende kam dann die Version raus, die ich am stimmigsten finde (womit man Stephen King wohl wirklich keinen großen Vorwurf machen kann, denn der kann ja keine Gedanken lesen, nur um es mir recht zu machen… allerdings, Stephenie Meyer…!). Am ehesten gefällt mir aber noch der „Gothic-Vampir“, wie er von Stoker etc. geschaffen worden ist, wobei ich die Leerstellen, die diese Werke ließen, eigenständig füllte. Das entspricht dann noch am ehesten dem Archetypus.

      An der „Verwandlung durch Bluttausch“-Methode gefällt mir am besten, dass hier eine wirkliche Absicht dahinter steckt. Die Virus-Version dagegen ist zu beliebig und stört die Logik. Irgendwie will man doch glauben, dass Vampire tatsächlich existieren – doch wenn jeder, der mal kurz von einem Vampir angepiekt worden ist, direkt selbst zu einem wird, wäre das wohl kaum geheim zu halten. Wir hätten eine Epidemie!

      Es gibt einige Inhalte des Mythos, die ich nicht gut finde. Ich meine, ein Fischernetz in den Sarg legen, damit der Vampir beschäftigt ist? Überhaupt, was soll man sich unter „Zählzwang“ vorstellen (lustigerweise ist die einzige Vampirversion, die ich kenne, die das aufgreift, „Graf Zahl“ aus der Sesamstraße! Aber das kann auch ein dem (englischen) Wortspiel geschuldeter Zufall sein („Count“ –> Graf, „to count“ –> zählen))?
      Würde man alles berücksichtigen, was der Mythos her gibt, wären Romane mit dieser Thematik praktisch unlesbar, da zu lang und zu erklärend. Deshalb kann ich es „Buffy“ auch verzeihen, dass sie Vampire mit Pflöcken pfählt, die sie aus abgebrochenen Stuhlbeinen o.ä. zweckentfremdet hat, weil solche Pflöcke eigentlich nur wirksam sind, wenn sie aus Weißdorn gefertigt sind. Wo soll sie sowas jedes Mal auf die Schnelle herkriegen? Ich betrachte das als notwendiges und verschmerzbares Opfer an die Dramaturgie der Serie.
      Aber es geht natürlich gar nicht klar, wenn man wie in „Twilight“ einfach ALLES ignoriert! Vor allem hasse ich es, wenn der christliche Aspekt völlig ausgelassen wird (war das in „Blade“ nicht auch so?).

      Mit Anne Rice konnte ich auch nie was anfangen. Ich begann das „Interview“ mal zu lesen, musste aber nach wenigen Seiten aufhören. Ich fand ihren Stil einfach schrecklich (und habe irgendwie auch ein Problem mit amerikanischen Vampiren).

      Übrigens hat Stephen King im Grunde tatsächlich einen guten Spagat zwischen „Mythos-Vampir“ und „Gothic-Vampir“ hingelegt, indem er seine Sicht im „Dunklen Turm“ (Band 5) nochmal präzisiert hat. Laut ihm gibt es mehrere Klassen von Vampiren, wobei der Vampir in „Brennen muss Salem“ als „Gothic-Vampir“ zur höchsten Klasse gehört. Die Vampire, die Barlow allerdings mit der Zeit erschafft, sind tatsächlich nicht viel mehr als hirnlose Blutsauger-Zombies und damit dem „Mythos-Vampir“ sehr nahe (und gehören zu Typ 2).
      Aber die Tetanusspritze kann ich ihm trotzdem nicht verzeihen…

      • Ja, als ich das mit dem siebten Sohn eines siebten Sohnes als Kind gelesen habe, habe ich mich ziemlich geärgert, dass weder mein Vater noch ich sechs ältere Geschwister vorzuweisen haben.:mrgreen:
        Wenn ich deine Ausführungen so lese, denke ich, dass du dich wirklich mal mit „Vampire: The Masquerade“ beschäftigen solltest, bei dieser Einstellung könnte das genau das Richtige sein. Dort werden sowohl die mythischen Vorlagen (Volkssagen etc.) als auch die lange Literaturgeschichte und die Filme. Durch die Einteilung der Vampire in Clans (wahrscheinlich gar nicht so unähnlich wie bei King, wobei ich zugeben muss, dass es mir mit dem ersten Band von „Der dunkle Turm“ so ähnlich ging wie dir mit „Interview mit einem Vampir“) hat da nicht jeder Vampir jede Schwäche und Stärke, aber irgendwo sind sie doch fast alle vorhanden. Und das hat auch den Vorteil, das man die verschiedenen Stereotypen alle unterbringen und so ziemlich jede vorstellbare Vampirgeschichte vor einem gemeinsamen Hintergrund erzählen kann. Auch die christlichen Apsekte spielen mit rein, es funktioniert allerdings nur mit wahrem Glauben. Das Bluttauschsystem ist hier auch der Weg zur Vampirwerdung UND selbstverständlich wird nicht geglitzert.
        http://dunklervater.wordpress.com/2012/10/21/wie-vampire-wirklich-sind/
        Aber bei Twilight sind wir uns auf jeden Fall einig. Laut eigener Aussage hat Meyer ja keinerlei Recherche betrieben (für mich ist das in etwa so, als wolle man einen Roman über das 18. Jahrhundert schreiben, ohne wenigstens mal in ein Geschichtsbuch zu schauen). Wobei ich das vielleicht sogar noch verzeihen könnte, wenn die Serie irgendwelche anderen herrausragenden positiven Eigenschaften hätte, aber Meyer versagt ja eindeutig auf jeder denkbaren Ebene.

      • Habe deine Erklärung gerade gelesen. Was spricht gegen Knoblauch?:mrgreen: Ich fände es zwar auch nicht cool, wenn ein Vampir durch Knoblauch direkt sterben würde, aber die Abneigung dagegen hat ja den realen Hintergrund, dass Knoblauch blutdrucksenkend ist. Ich finde es schon okay, wenn Vampire zumindest eine Abneigung und leichte Übelkeit/Schwächung gegen Knoblauch verspüren täten😉

        Das Rollenspiel klingt ja schon interessant. Aber ganz ehrlich: Mein Ex war ein totaler Rollenspielnerd und seit unserer unschönen Trennung meide ich so etwas wie der Teufel das Weihwasser. Es erinnert mich immer an ihn und seine ganzen blöden Freunde, die sich über nichts anderes unterhalten haben und einem immer gerne das Gefühl gaben, man wäre ein Depp, nur weil man sich nicht auskannte.

        Vielleicht kann ich das irgendwann überwinden (ich hab ja sogar noch ein paar ANDERE Freunde, die ebenfalls Rollenspieler sind und finde das ganze Konzept ja auch EIGENTLICH interessant), aber bis dahin muss ich mich einfach fernhalten.

        Verstehe ich das richtig, dass du „Den dunklen Turm“ nicht mochtest und deshalb nicht weitergelesen hast? Dann habe ich vielleicht bald einen Tipp für dich, wenn ich es bis D wie „Drei“ (Band 2) geschafft habe😉

        Und bei Meyer bin ich natürlich absolut deiner Meinung. Die Bücher auf jeder denkbaren Ebene ein Desaster.

  2. Pingback: [Halloween-Special] Der King (und seine fünf besten Kurzgeschichten) | robins urban life stories

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