Desinformationspolitik. Level: Katholische Kirche

„Ich ficke keine Kinder. Die sind doch viel zu klein!“
– Fear and Loathing in Las Vegas

Ich müsste es ja langsam besser wissen, aber schon wieder habe ich mein halbes Wochenende damit verplempert, mich mit Idioten im Internet zu streiten.

Manche Dinge sind aber auch so hirnerweichend blöd und bösartig, dass man gar nicht anders kann, als sich entweder am Schreibtisch ein Schädelhirntrauma zuzuziehen oder stattdessen in die Tasten zu hauen. Jedenfalls kann ICH nicht anders.

Naja. Darüber werde ich irgendwann mal mit einem Therapeuten reden müssen. Bis dahin rege ich mich gerne weiter über sowas auf:

Der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche dürfte ja jedem ein Begriff sein und die erbärmlichen Versuche der Institution, jegliche Schuld an den Vorkommnissen von sich zu weisen ebenfalls, aber welche Qualität diese perfide Desinformationspolitik stellenweise annimmt, war mir jedenfalls neu.

Na gut, dass ja irgendwie nur Schwule Messdiener und so missbrauchen, habe ich tatsächlich schon öfter gehört, doch hielt ich das für die exklusive Meinung von verwirrten Zeitgenossen, die keinerlei Wissen über den großen Themenkomplex Missbrauch & Pädophilie ihr eigen nennen können.

Stattdessen scheint so ein homophober Bullshit tatsächlich sowas wie Lehrmeinung der Kirche zu sein. Und um das zu verteidigen, ziehen sogar in hohen Würden stehende Psychiater mit.

Zenit.org ist eine nichtkommerzielle Nachrichtenagentur, die sich der katholischen Kirche verschrieben hat. Als solche veröffentlichte sie vor fast drei Jahren den Artikel Pädophilie, Ephebophilie und Homosexualität: Eine Klärung, der mir just an diesem Wochenende unter die Finger gekommen ist.

Die Lektüre lohnt sich wirklich. Anlass des Artikels waren die Äußerungen von Kardinal Bertone, einem Typen, von dem die meisten wohl noch nie etwas gehört haben, außer vielleicht eben in Bezug auf genau diese von ihm ausgelöste Debatte vor knapp 3 Jahren, der aber innerhalb der Kirche in der Hierarchie nur nen schlappen Handbreit unter dem Papst steht. Dieser Mann hatte behauptet, die meisten Missbrauchsfälle gingen nicht auf das Konto von Pädophilen, sondern von Homosexuellen, die sich perfiderweise unter die, äh, „normalen“ Priester gemischt hätten.

Weil so eine… These heutzutage natürlich nicht lange unkommentiert bleibt und viele Leute das irgendwie nicht so gut fanden, sah sich zenit.org dazu verpflichtet, mit einem Artikel Klarheit zu schaffen.

Ich spiele mal den Spoiler: Der Artikel ist Rotz.

Kardinal Bertone habe sich mit Sicherheit auf die Ephebophilie bezogen, so Cantelmi, das heißt auf das sexuelle Interesse für Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren. „Und der Großteil der sexuellen Missbräuche durch Kleriker betrifft vor allem nachpubertäre Minderjährige, wobei die Täter homosexuell sind”, so Cantelmi.

Hier direkt der erste Fehler. Nur weil ein Psychiater behauptet, bei diesen Fällen von Pädophilie würde es sich in Wahrheit um Ephebophilie (was Wort!) handeln, stimmt das nämlich leider noch lange nicht. Die Altersangaben sind schlicht falsch. Allgemein wird nämlich als Zielalter für Ephebophilie ein Alter zwischen 17 und 20 angenommen.

Das muss man aber nicht mal wissen, um den offensichtlichen Unsinn zu erkennen. Wer sich an seine Zeit in der 5. Klasse zurückerinnert, wird vielleicht noch wissen, dass die Jungs damals noch allesamt wie glattwangige Chorknaben mit glockenhellen Stimmchen daher kamen. Natürlich gab es auch in jeder Klasse immer diesen einen Typen, der schon jeden Lehrer überragte und nach der Schule die Gilette-Klingen im DM-Markt nicht mit sehnsüchtiger Skepsis, sondern grimmigen Fatalismus betrachtete, weil er wusste,  dass es spätestens zum nächsten Weihnachten so weit sein würde, aber das ist ja egal. Solche Jungs sind die Ausnahme – denn bei den wenigsten setzt die Pubertät so früh schon ein.

Das weiß auch der DSM-IV, ein international anerkanntes Klassifikationssystem zu psychischen Störungen. Aus diesem Grund gilt im DSM-IV ein Mensch als Pädophiler, der ein sexuelles Interesse an Kindern im Alter von 13 Jahren oder jünger hat.

Um das nochmals zu betonen: Laut dem „Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen“ erzählt Professor Cantelmi Scheiße, wenn er die untere Altersgrenze zur Ephebophilie so niedrig ansetzt. Da fragt man sich doch, ob der gute Prof während seines Studiums mal in Kontakt mit dem DSM-IV gekommen ist?

Natürlich hat der DSM-IV seine Kritiker. Auch muss man sich fragen, ob es einen Pädophilen, der sich im Schwimmbad sofort in den süßen kleinen Kevin und seine glatten Achselhöhlen verliebt, großartig interessiert, dass der ein bedauerlicher Spätzünder und schon vierzehneinhalb Jahre ist. Aber in diesem Bereich kommt man nun mal ohne Kategorisierungen nicht aus, vor allem, wenn es juristisch wird, und dann muss man sich eben auf Mittelwerte stützen, die leider nur ungenügend abbilden, dass der Mensch und seine Entwicklung individuell ist, aber nun mal alternativlos sind.

Definitiv festhalten kann man dennoch, dass der DSM-IV mit seiner Altersgrenze der Wahrheit wohl wesentlich näher kommt als Professor Cantelmi, der hartnäckig darauf besteht, gerade rechtzeitig zu dieser Debatte eine ganz eigene Einteilung treffen zu dürfen.

Was bleibt, ist der meiner Meinung nach leicht durchschaubare, dabei tendenziöse Versuch, Ephebophilie (und damit AUCH Homosexualität) eben doch in Richtung Pädophilie zu drängen, da von „nachpubertären Minderjährigen“ die Rede ist, mit der Altersangabe aber bei den meisten Lesern Assoziationen von halbwüchsigen Jungs geweckt werden.

Da hilft es wenig, wenn er das

Der Psychiater hält fest, dass Pädophilie nichts mit Homosexualität zutun hat. „Die Pädophilie ist eine Krankheit, eine schwere Perversion, die nicht an die sexuelle Ausrichtung gebunden ist.“

nur kurz darauf wieder abstreitet.

Nachtrag (5. März): Es ist mir fast peinlich, das zuzugeben, aber ein gewaltiges Problem bei dieser Argumentation habe ich doch glatt übersehen. Klar gibt es Jungs, die schon mit 11 in die Pubertät kommen, wie der Typ, der diesen Artikel an anderer Stelle lieferte, mir so abfällig bescheinigte, als hätte er eine Idiotin vor sich, aber wie viele sind in dem Alter wohl schon nachpubertär und damit interessant für Ephebophile?
Genau: keine!!

Cantelmi betonte, dass die Ursache für Pädophilie nicht der Zölibat sei. Der pädophiles Verhalten auslösende Faktor bestehe in einer Störung der Persönlichkeit. Diese sei im Allgemeinen narzisistischer und bösartiger Natur und stehe in Verbindung mit extrem manipulierenden Menschen, bei denen ein antisoziales und sadistisches Profil zu erkennen sei.

Kompletter Nonsens, allerdings werden hier schöne Klischees bedient (und das wollen die Leser ja, ne): Der Pädophile als Monster.
Pädophile sind keine Monster per se. Vielen Pädophilen ist vorrangig der Wunsch einer engen, zärtlichen Beziehung zu Kindern gegeben, in der viele übrigens sexuelle Erfüllung finden können, ohne überhaupt sexuelle Handlungen vor oder an dem Kind ausführen zu müssen (Michael Jackson scheint mir ein solcher gewesen zu sein). Den meisten ist sehr am Wohlergehen des Kindes gelegen und das ist wohl das Gegenteil von Bösartigkeit. Wen das genauer interessiert: klick

Nichtsdestotrotz ist pädophiles Verhalten natürlich in keinster Weise akzeptabel, auch wenn mein ganzes Mitgefühl den Pädophilen gilt, die gegen diesen ihnen angeborenen Drang verzweifelt ankämpfen. Wer ihm nachgibt, hat mein Mitgefühl selbstverständlich verspielt.

Man mag davon ausgehen, dass gerade die Menschen, die ihre Pädophilie ausleben (in Gegensatz zu denen, die es nicht tun)
1. einen stärkeren Trieb haben und/oder
2. weniger Empathie mit dem missbrauchten Kind verspüren und daher erfolgreicher darin sind, ihr schlechtes Gewissen zu unterdrücken. Aber geringe Empathie hat weder etwas mit Narzissmus, noch mit antisozialen/psychopathischen Persönlichkeitsstörungen oder Sadismus zu tun. Umgekehrt schon – Narzissten, Psychopathen und Sadisten geht Empathie völlig ab. Aber es ist ein Fehlschluss, von geringer Empathie auf die genannten Störfelder zu schließen. Oder ist etwa jedes kleine Arschlochkind, das seine Mitschüler in der Schule mobbt,ein Psychopath?

Psychopathen und Sadisten gibt es in jeder sexuellen Orientierung und einige sind sicher auch pädophil, aber jeden Pädophilen als Psychopathen zu bezeichnen, ist grob falsch und ekelhaft polemisch, um das verzerrte Bild der jubelnden Massen vom sinisteren Pädophilen zu bedienen.

Wer sich fragt, warum ich so gegen diese pauschale Verurteilung von Pädophilen bin, obwohl die doch so viele Gründe liefern, sie zu hassen: Ich finde, ein solches Bild in der Öffentlichkeit erschwert die Therapiearbeit und führt letztendlich zu mehr Übergriffen auf Kinder durch untherapierte Pädophile.

Prof. Cantelmi betonte des weiteren, dass die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft zu einem Punkt eine einheitliche Meinung vertrete: „Es gibt keinen Beweis, aufgrund dessen gesagt werden könnte, dass der Zölibat die Basis der Pädophilie ist. Der Zölibat hat damit nichts zu tun.”

Da hat er sogar Recht: Das Zölibat macht Männer nicht pädophil. Allerdings sind die meisten Täter sexuellen Missbrauchs ja auch nicht pädophil, sondern bedienen sich den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen als sogenanntes Ersatzobjekt. Und da spielt das Zölibat schon eine Rolle.

Es wird somit deutlich dass das Phänomen des sexuellen Interesses an Kindern und Jugendlichen (Pädophilie und Ephebophilie/Parthenophilie) zweifellos von homosexuellen Neigungen und homosexueller Praxis zu unterscheiden ist.

Ich glaube, das ist mein liebster Absatz (und das nicht nur wegen des fehlenden Kommas vor dem „dass“)!

Der Meinung zu sein, Männer, die sich an Elfjährige ranmachen, seien nicht pädophil oder auch nur, äh, ersatzhandelnd, sondern schwul – geschenkt. Die Meinung KANN man in einem solchen Artikel vertreten, wenn man keine Ahnung hat. Aber es ist was GANZ anderes, sich innerhalb einer Argumentationskette selbst zu widersprechen – und genau das tut der Artikel hier.

Hat der werte Prof. Cantelmi nicht just etwas weiter oben so zufriedenstellend herausgearbeitet, dass Ephebophilie eine homosexuelle Spielart ist? Und jetzt wieder doch nicht? Äh-häm.

90% aller Pädophilen sind heterosexuell, verheiratet und von gehobener Kultur.

…wow.

Echte Pädophile sind nicht heterosexuell, sondern – tada! – pädophil. Und innerhalb der pädophilen Störung fühlen sich fast genauso viele männliche Pädophile zu Mädchen wie zu Jungs hingezogen (in geringerem Umfang auch zu beiden Geschlechtern im gleichen Maße). Es gibt also annähernd genauso viele heterosexuelle Pädos wie homosexuelle, dazu kommen die bisexuellen.

Vielleicht denkt der gute Cantelmi an eine durchaus interessante Diskussion innerhalb der Fachwelt darüber, ob man weiterhin „Pädophilie“ oder „Pädosexualität“ sagen soll. Da „-philie“ irgendwie etwas zu niedlich und verharmlosend klingt, hätten viele Opfer es lieber, wenn man stattdessen „-sexualität“ nimmt, während andere Opfer auch dagegen sind, da sie (und, traurigerweise, auch viele Täter, die sind dann aber dafür) dies als Schritt zur „Normalisierung“ dieser Störung auffassen. Sprich, Pädophilie wird mit der Form „Pädosexualität“ in eine Reihe gestellt mit den normalen, nichtgewalttätigen Formen der Sexualität (Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität).

Die Verteidiger dieser Umbenennung argumentieren, dass hiermit die Definition präzisiert wird: Laut ihnen wären Pädosexuelle dann Menschen, deren Präferenz sich ausschließlich auf Kinder bezieht, Pädophile allerdings Menschen, die eine andere Sexualität haben, aber Kinder halt irgendwie auch ganz geil finden (Beispiel: Ich bin heterosexuell, aber leicht homophil, da ich gewisse nackte Frauenkörper recht erotisch finde, auch wenn ich niemals mit einer Frau schlafen wollte).

Sollte Prof. Cantelmi diese Unterscheidung, die sich allerdings weder in normalen Sprachgebrauch, noch in der Fachliteratur endgültig durchgesetzt hat, im Kopf gehabt haben, als er diesen Satz sagte, könnte man mit viel guten Willen die Behauptung, Pädophile seinen heterosexuell, noch durchgehen lassen, wobei ich die Zahl 90% dennoch für unbelegten Schwachsinn halte. Da der gesamte Artikel vorher aber immer nur von Pädophilen redete und damit eigentlich Pädosexuelle meinte, wäre das trotzdem im besten Falle unpräzise, im schlechtesten Fall schlichter Bullshit.

Und natürlich sind Menschen, die pädosexuell sind, aber heterosexuell leben, weil sie das nicht ausleben wollen, trotzdem pädosexuell (im weiteren Text werde ich wieder zum gebräuchlicheren „pädophil“ wechseln). Jahrhundertelang haben Homosexuelle geheiratet und Kinder bekommen, weil sie ihre Sexualität nicht ausleben durften und es sicherer war, sich mit einer „normalen“ Beziehung zu tarnen, das machte sie aber innerlich trotzdem nicht heterosexuell.

Bei dem Rest kann ich nur den Kopf schütteln. Pädophile sind grundsätzlich höher gebildet? Soll das jetzt Akademikerbashing sein oder was? Wie passt das denn mit der zuvor bescheinigten antisozialen Persönlichkeitsstörung zusammen? Oder bezieht er sich hier auf die Irren, die in der jüngeren Vergangenheit Pädophilie als normale Spielart der menschlichen Sexualität anerkannt sehen wollten? Wobei sich die Frage stellt, ob das alles Kernpädophile waren (eher nicht)? Sehr mysteriös!

Gleichzeitig ist der unabhängigen statistischen Studie des „John Jay College of Criminal Justice” der „City University of New York” aus dem Jahr 2004 zu entnehmen, dass 81 Prozent der Kleriker, die zwischen 1950 und 2002 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt wurden, homosexuelle Neigungen hatten.

So, und hier wären wir also bei der dreckigsten Lüge im gesamten Pamphlet angekommen!

Wollt ihr wissen, wie diese 81% zustande kommen? Ganz einfach: Die Studie fand heraus, dass 81% der Missbrauchsopfer männlich waren. Und daraus macht diese ekelhafte Propagandaseite dann eben mal Opfer homosexuellen Missbrauchs, obwohl der größte Teil (60%!!!) der Opfer (männlich und weiblich, hier wird leider nicht nach Geschlecht aufgeschlüsselt, aber in Bezug auf Pädophilie ist das ja auch egal) 13 Jahre oder jünger waren.

Edward Norton war schon 27, als er im Film "Zwielicht" missbraucht worden ist. Der übrigens viel besser ist als "Twilight".

Edward Norton war schon 27, als er im Film „Zwielicht“ missbraucht worden ist. Der übrigens viel besser ist als „Twilight“.

Das passt weder zur gängigen Definition von Pädophilie (13 Jahre oder jünger), noch zu Cantelmis exklusiver Definition von Ephebophilie (ab 11, über 20% der Opfer waren 10 Jahre oder jünger!)!! Nicht mal, wenn man annimmt, dass alle Opfer unter 11 Jahren nur Mädchen waren, was natürlich völliger Blödsinn ist!

Es ist mir persönlich völlig unbegreiflich, wie man es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, eine ziemlich einfache Statistik so dermaßen falsch wieder zu geben!

Der Rest des Textes ergeht sich in homophoben, dabei paradoxen Gewäsch, welches darin besteht, Homosexuelle einerseits für untauglich zum Priesteramt zu erklären (“immerhin ficken die unsere jungen Messdiener!!!!einself”), andererseits aber in ach so einfühlsamer Weise die Diskriminierung von Homosexuellen ablehnt, weil die Schätzchen dafür ja nichts können (das MÜSSEN sie schreiben: Sie können ja nicht behaupten, Pädophile wären so schon geboren, um abstreiten zu können, dass das Zölibat daran schuld ist, dann aber behaupten, Homosexualität wäre eine „Entscheidung“). Am Ende steht dann noch ein Rundumschlag gegen Sexualität an sich:
Der Aufruf zur Keuschheit stellt somit keinen „Sonderfall für Homosexuelle” dar, sondern betrifft den gesamten Umgang der menschlichen Sexualität, die sich allein in der Ausrichtung auf die wahre Freiheit verwirklicht.

Damit wäre ich am Ende (sprichwörtlich, so viel abartige Lügen machen mich müde). Ich möchte betonen, dass sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen keinesfalls nur ein Problem innerhalb der katholischen Kirche ist, aber mit solchen Artikeln gewinnen die Ereignisse nachträglich noch eine ganz neue Qualität!

Lustigerweise kam der John Jay Report, der so großspurig herangezogen worden ist, um die Thesen zu untermauern, zu nachfolgenden Fazit:

The John Jay report identified the following factors contributing to the sexual abuse problem:
– Failure by the hierarchy to grasp the seriousness of the problem.
– Overemphasis on the need to avoid a scandal.
– Use of unqualified treatment centers.
– Misguided willingness to forgive.
– Insufficient accountability.

An wie viel Realitätsverweigerung muss man leiden, um solche Studien zu zitieren und für sich positiv auszulegen?

Der bedauernswert kirchenhörige Typ, der mir diesen Artikel lieferte, fragte höhnisch nach meiner Expertise, als ich ihm sagte, dass ich ihn scheiße finde.
Ich denke, man kann festhalten, dass meine Expertise darin besteht, auch andere Texte als solche, die von der Kirche abgesegnet sind, lesen zu können!

13 Gedanken zu “Desinformationspolitik. Level: Katholische Kirche

  1. Hey,

    danke für den schönen Artikel hier. Ich finde es sehr gut, dass die Entlarvung des Nonsens, nicht in dem Misthaufen dieser Diskussion verschüttet wird.

    Es ist von Anfang an ziemlich klar gewesen, dass die Kirche diese Diskussionslinie über Paraphilien und Homosexualität nur fährt, um im Rahmen der Feindbildpflege, von den eigenen Machenschaften abzulenken. Schade, dass so viele Menschen das begierig aufnehmen.

    Mir persönlich stößt auch die Aussage auf, dass Pädophilie in der „eine Krankheit, eine schwere Perversion” bezeichnet wird. Gerade ein Psychiater sollte sich eines solchen wertenden Vokabulars nicht bedienen. Hier spielt Moralvorstellungen hinein, was nicht Gegenstand einer psychiatrischen Expertise sein sollte.

    Zudem darf man nicht vergessen, dass die Kirche auch bis heute die Homosexualität für eine Krankheit bzw. sexuelle Perversion hält. Wenn aus kirchenahen Kreisen Pädophilie von Homosexualität wegen dem Status als Krankheit abgregrenzt wird, ist das reine Heuchelei.

    Ich fand übrigens den Umgang mit dir in der Diskussion schlicht böswillig und das gleich auf mehreren Ebenen. Die Interventionen von anderen, die sich dann selbst als Mediatoren aufspielten, aber dir dann einseitig und belegefrei Dummheit und Irrationalität unterstellten, grenzt für mich schon an Gewalt. Ich weiß nicht, ob die das bewusst machten, aber das ist eine Masche um Menschen psychisch zu brechen. Man pathologisiert kollektiv völlig normales und nachvollziehbares Verhalten, behauptet kollektiv schlicht Falsches und man reduziert alles was gesagt wird, auf psychische Defekte (Dummheit, Depression, Wahnvorstellungen, etc pp). Ich persönlich finde so einen Umgang schlicht mies.

    Grüße

    • Hi Kinch,

      ja, der gesamte verlinkte Artikel ist nichts weiter als Propaganda, von vorne bis hinten. Ich kann ja noch irgendwie verstehen, wenn Gläubige das nicht sehen wollen, aber wie sich Menschen, die sich selbst als religionskritisch bezeichnen, dem verschließen können, ist mir immer noch unbegreiflich!

      Übrigens stimmt es überhaupt nicht, dass die Kirche Priester aussortiert, die schwul sind (das habe ich im Artikel allerdings nicht geschrieben, weil ich es nicht beweisen kann), wie der Artikel behauptet. Ich kenne einen (ungeouteten) Typen, der nur, weil er damit nicht klar kommt, ins Priesterseminar geht. Seine Tutoren wissen das, denn die Jungs werden recht engmaschig betreut, doch es ist ihnen egal. Immer weniger Menschen streben so ein Amt an, da darf man nicht wählerisch sein!
      Ich habe selbstverständlich nichts dagegen, wenn Schwule Priester sind, nur sollte die Kirche sich an seine eigenen Grundsätze halten und einfach zu ihrer Homophobie stehen. Dieses schwurbelige „Irgendwie finden wir Homosexualität immer noch nicht so gut, aber irgendwie können die ja auch nichts dafür“ führt nur dazu, dass Menschen, die gläubig sein wollen, aber nicht homophob, sich einreden können, die Kirche hätte ihre Meinung dazu überdacht und deshalb ist es okay, sie weiterhin zu unterstützen.

      „Mir persönlich stößt auch die Aussage auf, dass Pädophilie in der „eine Krankheit, eine schwere Perversion” bezeichnet wird. Gerade ein Psychiater sollte sich eines solchen wertenden Vokabulars nicht bedienen. Hier spielt Moralvorstellungen hinein, was nicht Gegenstand einer psychiatrischen Expertise sein sollte.“

      Ich glaube, „pervers“ wird eigentlich gar nicht mehr benutzt, oder? Dazu ist der Begriff zu vorbelastet.
      Mir ist das auch aufgestoßen. Es ist eine Sache, wenn man das als Laie in einem lockeren Gespräch so nennt, aber ein angeblich so renommierter Professor (ich fand es ja eine Frechheit, mir eine italienische Seite mit Lebenslauf zu verlinken, aber ich habe zu dem Menschen auf Deutsch und auf Englisch was gesucht und nichts gefunden, also scheint seine größte Leistung doch darin zu bestehen, bei einem katholischen Verein an der Spitze zu stehen. Seine Buchtitel, soweit ich sie verstehe, finde ich jedenfalls köstlich) sollte es doch besser wissen.

      „Ich fand übrigens den Umgang mit dir in der Diskussion schlicht böswillig und das gleich auf mehreren Ebenen. Die Interventionen von anderen, die sich dann selbst als Mediatoren aufspielten, aber dir dann einseitig und belegefrei Dummheit und Irrationalität unterstellten, grenzt für mich schon an Gewalt. Ich weiß nicht, ob die das bewusst machten, aber das ist eine Masche um Menschen psychisch zu brechen. Man pathologisiert kollektiv völlig normales und nachvollziehbares Verhalten, behauptet kollektiv schlicht Falsches und man reduziert alles was gesagt wird, auf psychische Defekte (Dummheit, Depression, Wahnvorstellungen, etc pp). Ich persönlich finde so einen Umgang schlicht mies.“

      Ach, um mich zu brechen, fehlt aber noch einiges… aber ja, so ein Umgang ist scheiße. Danke, dass wenigstens du versucht hast, zu intervenieren (aber dafür hast du es ja auch ordentlich drauf gekriegt).
      Ich bin die Letzte, die bestreitet, dass ich oft sehr emotional oder schlicht unsachlich und beleidigend werde, aber ich gebe es wenigstens zu – auch, dass ich das mit voller Absicht mache. Andere sind schlimmer als ich, aber sind weiterhin der Meinung, dass es völlig okay wäre, so mit anderen Menschen zu reden, weil die ja „dumm“ sind.
      Lustigerweise tun sie damit ja das selbe wie ich! Ich wäre nicht sauer geworden, wenn die Diskussion nicht von Anfang an am Inhalt vorbei unsachlich gewesen wäre. Hier wird Ursache und Wirkung vertauscht. Und ja, das kann man „pathologisieren“ nennen.
      Man kann mir vieles vorwerfen (u.a. meine Depression, auch wenn das armselig ist), aber ich bin nicht dämlich, auch wenn ich keinen IQ über 150 hab.

      • Hi Robin,

        „wie sich Menschen, die sich selbst als religionskritisch bezeichnen, dem verschließen können, ist mir immer noch unbegreiflich!”

        Ich bin da auch nicht näher darauf eingegangen, aber das hat mich auch beschäftigt. Einige haben sich ja als pure Kirchenfeinde bezeichnet, die durch die Diskussion dazu gezwungen werden den Advocatus Diaboli zu spielen. Ich glaube fast, dass ihnen das Thema in Wahrheit herzlich egal gewesen war und es ihnen darum ging, Animositäten zu befriedigen.

        Diese „Wir denken und verhalten uns homophob, aber wir sind nicht Homophob”-Einstellung ist eigentlich Standard kirchlicher Einrichtungen und es erschreckt mich auch, wieviele Menschen darauf hereinfallen. Letztens gab es erst den Fall, indem die Heilsarmee eine homosexuelle Frau gefeuert hat und gleich noch die „Wir feuern zwar Homosexuelle, aber wir diskriminieren sie nicht”-Verteidung hinterher geschickt hat. Selbst ein Schwulen-Magazin(!), ist darauf reingefallen und hat behauptet, die arme Heilsarmee könne halt nicht anders, das müsse man akzeptieren.

        Dabei gibt sich die Kirche nichtmal besonders Mühe ihre Homophobie zu verschleiern. Auch relativ frisch ist dieser Flyer:

        Der Bund katholischer Ärzte ist sowieso eine Nummer für sich. Sie behaupten ernsthaft, dass sie Homosexualität nicht für eine Krankheit halten, sind aber für eine Wiederaufnahme von Homosexualiät in den ICD-10…

        Sorry, dass ich den Kommentar damit so vollkotze, aber ich kann Heuchelei nicht ausstehen.

        Genau: „Pervers” ist eigentlich kein medizinisches Vokabular mehr und es war eine reine Wertung durch den Psychiater. „Pervers“ wurde ersetzt durch „Paraphilie”; aber imho sollte Pädophilie auch aus der Liste der Paraphilien gestrichten werden. Bei dem ICD-10/DSM-IV müsste so einiges geändert werden. Die nächste größere Revision steht ja gerade an und ich hoffe, dass sich da einiges bessert. Mich ärgert da insbesondere David und Co. mit ihrer Autoritätshörigkeit. Dabei zeigt die Geschichte des DSM-IV, dass da immer wieder eine große Portion Moralvorstellungen mit reinspielen und Fehler begangen werden.

        Es ärgert mich, dass ein Psychiater, auch wenn er unseriös ist, sich zu sowas einer Äußerung hinreißen lässt. Du hast es ja schon angesprochen, dass so eine plumpe Dämonsieriung eigentlich nur jene Pädophile betrifft, die eben ein Leben lang damit klar kommen müssen ohne staffällig werden zu wollen. Es gab da mal vor einigen Jahren ein Fall, bei dem ein Pädophiler eben zu einem Psychiater gegangen ist um therapeutische Hilfe zu bekommen. Der Psychiater hatte dann auch nichts besseres zu tun, als Polizei zu verständigen (wohlgemerkt, der Mann war nicht straffällig). Es ist klar, dass es keine therapeutische Hilfe mehr gab und die soziale Ausgrenzung tat ihr Übriges.

        Wenn ausgerechnet Ärzte sich so verhalten, dann ist das ein klares Signal, an die Betroffenen, dass sie keine Hilfe und Unterstützung durch die Gesellschaft bekommen werden. Und ich denke, das hat katastrophale Folgen.

        Ich wollte auch keineswegs sagen, dass ich denke, dass sie dich brechen würden. Also, wenn wir schon beim Thema sind: Ich hoffe, ich kam nicht paternalistisch rüber. Ich fühle mich immer ziemlich unwohl, wenn ich im weitesten Sinne für andere spreche und ich will da auch nicht den Eindruck vermitteln, dass ich der Meinung wäre, du hättest ein Sprachrohr oder Hilfe nötig.

        „aber dafür hast du es ja auch ordentlich drauf gekriegt”

        Ach, mich tangiert sowas eigentlich gar nicht. Ich führe keine Diskussion, wenn ich merke, dass ich mich dabei nur aufrege. Streitgespräche führe ich daher eigentlich nur, wenn ich Lust darauf habe. Mich stört nur sehr, wenn sich da eine Meute zusammenrottet und versucht einen Einzelnen zu mobben. Ha, vielleicht bin ich ja doch paternalistisch^^.

        Die Behauptung, du wärst zu ungebildet oder sonstwas, war für mich auch völlig aus den Fingern gesaugt, um sich nicht inhaltlich befassen zu müssen.

        Sorry, wurd etwas länger. Ich prokrastiniere glaube ich gerade ein wenig^^.

        Viele Grüße

      • OMG, der Flyer ist Gold. Keine „Krankheit“ im negativen Sinn? Gibts auch positive Krankheiten?
        Und darunter ist direkt von einer „psychischen Störung“ die Rede… im Umkehrschluss kann das ja fast nur heißen, dass die netten katholischen Ärzte psychischen Störungen den Status als Krankheit aberkennen wollen. Harter Tobak!!

        Das, hm, dumme an Pädophilie ist ja, dass es sich hierbei ja auch nur um etwas handelt, was angeboren ist. Die Leute können da ja nichts dafür, genauso wenig wie ich etwas dafür kann, heterosexuell zu sein. Nur existiert eben keine legale Form, diese Neigung auszuleben (Gott sei Dank). Sophinette Becker nannte das in dem Vortrag, den ich verlinkt habe, die „Tragik“ der Pädophilen. Das muss wirklich mehr als furchtbar für Betroffene sein.
        Eben deswegen muss man solchen Leuten Therapiemöglichkeiten en masse bieten. Leider kann man diese Neigung genauso wenig „heilen“ wie Homosexualität, auch wenn das natürlich oft versucht wurde/wird, aber durch den weitaus größeren Leidensdruck (es existieren genug Menschen, die sich ebenfalls nach einer homosexuellen Beziehung sehnen, warum sich also selbst „umpolen“? Aber es gibt nun mal kein einziges Kind auf dieser Welt, das mit einem Erwachsenen intim werden will) schaffen es einige vielleicht doch, ein halbwegs glückliches Leben zu führen – ohne Sexualität.
        Vor einiger Zeit habe ich einen Blogbeitrag gelesen, den ich leider nicht mehr finde, wo es darum ging, für Pädophile wenigstens Kinderpornos zu legalisieren, damit sie auf dem Weg wenigstens Dampf ablassen können. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass die gezeigten Kinder wohl wenig Freude daran empfinden dürften, ihr Trauma auf diese Weise instrumentalisieren zu lassen, halte ich das für völlig inakzeptabel!!

        Ich fand dich nicht paternalistisch. Ich bin ja froh, wenn ich merke, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der so denkt😉 Ich hasse es nur, wenn mir Leute erzählen wollen, wie ich „ticke“. Aber das ist ein völlig anderer Schuh.

      • Hi Robin,

        ja, der Flyer ist reines Comedy Gold, wenn er nicht so ernst wäre. Der Bund katholischer Ärzte zeigt aber auch sehr schön, dass Leute vom Fach totalen Quatsch schreiben können.

        Gerade wird übrigens wieder ein katholischer Kardinel Missbrauch vorgeworfen: http://www.guardian.co.uk/world/2013/feb/23/cardinal-keith-o-brien-accused-inappropriate

        Nicht nur das der Typ selbst alle Klischees bedient — er ist ein Homophober wie er im Buche steht —, sondern es wird auch auf das strukturelle Probleme beim Missbrauch innerhalt der Kirche hingewiesen:

        „Those involved believe the cardinal abused his position. „You have to understand,“ explains the ex-priest, „the relationship between a bishop and a priest. At your ordination, you take a vow to be obedient to him.

        „He’s more than your boss, more than the CEO of your company. He has immense power over you. He can move you, freeze you out, bring you into the fold … he controls every aspect of your life. You can’t just kick him in the balls.“”

        Diese absolute Machtpositionen in der Kirche laden gerade zu zum Missbrauch ein, meiner Meinung nach.

        Deinen Überlegungen zur Pädophilie stimme ich völlig zu. Die Texte von Sophinette Becker waren auch für mich damals die Motivation mich etwas mehr mit der Thematik zu befassen und die Tragik dahinter zu verstehen. Wenn ich mir überlege, als heterosexueller Mensch keine Möglichkeit zu haben Liebesbeziehungen jemals in meinem Leben zu führen, wäre das schon ein furchtbares Schicksal.

        Bei Kinderpornographie stimme ich dir auch im weitgehends zu. Eine Legalisierung ist nicht akzeptabel. Allerdings muss man auch sehen, dass nicht alles was in Deutschland unter Kinderpornographie fällt, auch durch Missbrauch von Kindern entstanden ist. Völlig fiktionale Werke fallen auch unter Kinderpornographie. Für mich ist das eine völlig abwegige Gesetzeslage. Ich bin froh, dass „Lolita” von Nabokov nicht mehr als Pornographie gilt, sonst wäre der Besitz des Buches strafbar…

        Noch einen schönen Sonntag dir.

        Grüße

  2. Hi Robin,
    interessanter Artikel.

    Fand ich sehr schade, dass der ursprüngliche Text so wenig sachlich diskutiert wurde.
    Ich würde empfehlen B.E. zukünftig zu ignorieren. Was die anderen angeht, irrt sich Kinch m.E., da gab es meiner Einschätzung nach keine böse Absicht Dir gegenüber, das war einfach mangelnde Diskussionsanalyse und Empathie.

    Es gibt hier m.E. einen wahrnehmungspsychologischen Fehler, in den einzelne Leute Dir gegenüber manchmal in solchen Situationen verfallen. In der Regel hat es nachvollziehbare Gründe, wenn Du in Diskussionen wütend wirst. Das ist für manche beim eher oberflächlichen Lesen oder Überfliegen der Diskussionen aber offenbar nicht immer auf Anhieb klar zu erkennen. Provokationen, Kommunikationsblockaden, Abwertungen und Scheinargumente, die von anderen kommen, werden von manchen Diskussionsteilnehmern oft nicht ausreichend wahrgenommen, wenn sie in eher subtile und weniger scharfe Formulierungen verpackt sind. Sie werden dann z.T. eher überlesen, nicht tiefergehend erfasst und analysiert und im Gesamtzusammenhang der Diskussion nicht als zentrale Störfaktorten verstanden.

    Wenn Du auf solche Taktiken dann – oft berechtigt –wütend reagierst, ist das hingegen manchmal mit scharfen Formulierungen verbunden und deutlicher wahrnehmbar. Deine wütenden Reaktionen auf Unsachlichkeiten und Provokationen, welche oft subtiler formuliert sind, stechen daher, oberflächlich betrachtet, eher hervor.
    Dieser Wahrnehmungsfehler begünstigt dann manchmal einseitige oder falsche Schuldzuweisungen an Dich. So jedenfalls mein Eindruck. Ich tendiere dazu, dies bei Gelegenheit C. gegenüber mal anzusprechen.

    R. ist kein Idiot, ich kenne seine Weltsicht, die recht komplex ist, inzwischen etwas. Er ist zu einer kritischen Haltung bei solchen Themen durchaus fähig, aber es mag sein, dass man hier eine etwas bessere Kommunikationsbeziehung zu ihm haben muss, damit zu diesem Thema ein konstruktives Gespräch in Gang kommt.

    Da ich bezüglich des Themas noch keine ausreichenden Kenntnisse besitze und gerade auch nicht genug Zeit habe, sie mir auf die Schnelle anzueignen, habe ich mich an der Diskussion nicht beteiligt. Dass es hier etwas ungünstig war, dass ich in diesem Strang zu dieser Zeit noch das andere Diskussionsthema (Griechenland) eingebracht habe, habe ich leider erst zu spät bemerkt (als die Trollerei von B.E. immer extremer wurde und ich mir die ganze Diskussion dann später aufmerksam durchgelesen habe).

    Deine Intelligenz ist natürlich ausgezeichnet, u.a. deshalb – außerdem aufgrund bestimmter Kompetenzen in der moralischen Urteilsfähigkeit – bin ich an Deinen Meinungen stets interessiert.

    • Hi Leszek,

      deine Beobachtungen sind sicher zum Teil richtig. Ist jetzt auch nicht so, dass mir sowas zum ersten Mal passiert (auch nicht nur im Internet).

      Subtil und durch die Blume beleidigen ist eben auch eine Kunst, die ich nicht beherrsche. Ich empfinde das als unehrlich. Trotzdem stellt sich mir die Frage, warum manche es dann auch auf konkrete Hinweise hin nicht schaffen, genauer nachzulesen, wenn sie es schon beim ersten Mal nicht gesehen haben, oder warum sie mir Unsachlichkeit vorwerfen, ihre eigene jedoch nicht registrieren. Ich weiß immer, wann ich unsachlich werde.

      Im Grunde werden auf diesem Blog dauernd doppelte Standards angelegt und double binding betrieben. Gerade als Frau und Feministin kann ich ja nichts richtiges schreiben. Selbst, wenn es zu einem männerrechtlichen Anliegen ist. Kindesmissbrauch an sich ist natürlich kein männerrechtliches Anliegen, aber wenn in solchen Institutionen halt mehr Jungs in Kontakt zu Tätern kommen und daher häufiger missbraucht werden als Mädchen, frage ich mich schon, wo hier das Argument ist, das aus Männersicht gegen eine Anprangerung dieser Institution spricht?

      Dazu kommen dann halt noch die Trolle, die leider nicht gesehen werden und mit denen jede Diskussion von vorne herein zum Scheitern verurteilt ist.
      In einem Punkt möchte ich dir klar widersprechen: R. ist und bleibt für mich ein Idiot. Kein Idiot im Sinne von blöd und dumm, sondern ein Idiot im Sinne von Arschloch. Ein frauenfeindliches, ständig die gleiche langweilige Weltuntergangsprognose abspulendes noch dazu. Kanns sein, dass du das vielleicht auch nicht immer siehst, weil er halt geschickt darin ist, dies in gewählte Worte zu packen?

      „Deine Intelligenz ist natürlich ausgezeichnet, u.a. deshalb – außerdem aufgrund bestimmter Kompetenzen in der moralischen Urteilsfähigkeit – bin an Deinen Meinungen stets interessiert.“

      Oh danke ♥

      Übrigens Hut ab dafür, wie du es geschafft hast, diesen Kommentar zu schreiben, ohne auch nur einmal explizit zu schreiben, dass ich ein Schandmaul bin:mrgreen:

  3. Kompletter Nonsens, allerdings werden hier schöne Klischees bedient (und das wollen die Leser ja, ne): Der Pädophile als Monster.
    Pädophile sind keine Monster per se. Vielen Pädophilen ist vorrangig der Wunsch einer engen, zärtlichen Beziehung zu Kindern gegeben, in der viele übrigens sexuelle Erfüllung finden können, ohne überhaupt sexuelle Handlungen vor oder an dem Kind ausführen zu müssen (Michael Jackson scheint mir ein solcher gewesen zu sein). Den meisten ist sehr am Wohlergehen des Kindes gelegen und das ist wohl das Gegenteil von Bösartigkeit.

    Das finde ich sehr naiv. Es ist ja gerade das Problem, daß den Tätern nicht bewußt ist, was sie anrichten, da sie selbst als Kinder mißbraucht wurden. Sie halten sich den Schmerz der Mißhandlung vom Leib, indem sie als Erwachsene selbst Kinder mißbrauchen.

    Da spielt es auch wenig eine Rolle, ob es nun explizit sexuell wird oder nicht. Ich finde es schlimm, daß in unserer Gesellschaft nach wie vor die Ursache der Pädophilie geleugnet wird.

    Und man stattdessen euphemistisch und reichlich absurd von einer „sexuellen Orientierung“ spricht, die nur nicht ausgelebt werden darf.

    Ich halte im übrigen auch die meisten mißbrauchenden Priester für homosexuell.

    • Ich spreche eben NICHT von einer sexuellen Orientierung, gerade WEIL ich das euphemistisch finde. Das ändert nur leider nichts daran, dass es im Grunde eine ist.

      „Ich halte im übrigen auch die meisten mißbrauchenden Priester für homosexuell.“

      Deine Homophobie ist inzwischen bekannt und reichlich langweilig. Genauso wie deine exklusive Meinung über die „Ursache der Pädophilie“.

    • Hallo Robin,

      so exklusiv ist meine Meinung zu den Ursachen der Pädophilie nicht. Jeder sexuell mißbrauchende Mensch wurde selbst als Kind sexuell mißbraucht. Kannst du auch gut an Klaus Kinski sehen, der selbst äußerte, er habe mit seiner Mutter geschlafen. Es ist für mich daher kein Wunder, daß er seine Töchter mißbrauchte.

      Ich würde mich freuen, wenn du einmal folgenden sehr lesenswerten Artikel liest: Perversion und Gesellschaft

      Das ist der zweite Teil eines Artikels, in dem der Autor ausführlich auf Pädophilie und ihre Ursachen zu sprechen kommt. Der erste Teil ist natürlich auch lesenswert.

  4. „Im Grunde werden auf diesem Blog dauernd doppelte Standards angelegt und double binding betrieben.“

    Definitiv.

    „Kindesmissbrauch an sich ist natürlich kein männerrechtliches Anliegen, aber wenn in solchen Institutionen halt mehr Jungs in Kontakt zu Tätern kommen und daher häufiger missbraucht werden als Mädchen, frage ich mich schon, wo hier das Argument ist, das aus Männersicht gegen eine Anprangerung dieser Institution spricht?“

    Weil hier nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter männlich sind, und blöderweise nicht auf weibliche Täter abgelenkt werden kann? Die gleichen Leute, die hier die Fakten ignorieren, sind nämlich die gleichen, die ganz schnell mit Empörung dabei sind, wenn Kinder Opfer von Frauen werden.

    • Ja, das kann natürlich sein. Ich erinnere mich auch noch daran, wie der Fall dieses Schulmädchens, das seinen Lehrer angezeigt hat, weil er sich an es rangemacht und mit ihm geschlafen hat, obwohl sie beim ersten Mal erst 13 war, diskutiert worden ist… da war mehr als einmal von einer „Lolita“ die Rede. Ekelhaft. Aber Frauen und Mädchen denken sich ja eh alles immer nur aus und in Wahrheit sind es wohl auch in 90% der Fälle Frauen, die Kinder missbrauchen… jaja, die Dunkelziffer…

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