Die Zugänglichkeit der deutschen Universitäten für das unterprivilegierte Proletariat

Eigentlich wollte ich heute über was ganz anderes schreiben, aber nachdem ich gerade eine Kolumne auf Spiegel Online von Jan „Der schwarzer Kanal“ Fleischhauer gelesen habe und mir dabei fast ein Ei geplatzt ist, muss dieses Thema jetzt endlich auf den Tisch!

Mir ist es wirklich unbegreiflich, wie solche Leute mit ihrer wirren, polemischen Krakelei eine Plattform auf einer der größten deutschen Nachrichtenseiten bekommen können! Was ist jetzt bitte genau sein Problem? Ist er nun für oder gegen Studiengebühren? Ist er dagegen, aber es kotzt ihn an zu wissen, dass die verteufelte SPD von Anfang an keine Studiengebühren einführen wollte? Oder ist er dafür, weil: die Lidl-Verkäuferinnen?! Was ist denn das bitte für eine Argumentationskette?! Nochmal: Wie kann einem solchen Typen die Möglichkeit geboten werden, seine geistigen Abwegigkeiten der breiten Masse zu präsentieren?!

Es kann einem natürlich Angst und Bange werden bei dem Gedanken, die Universität mit solchen Pöbel wie mir teilen zu müssen. Mir dummen Arbeiterkind!

Ich kam im universitären Umfeld mit Klassismus in Berührung, lange bevor ich das Wort überhaupt kannte. Ach, eigentlich fing es ja schon vorher an! Die Arzttochter wurde nach der Grundschule – natürlich! – aufs Gymnasium geschickt, doch ich, Tochter einer Sachbearbeiterin und eines Schreiners, kam selbstverständlich auf eine Realschule. Es half leider nichts, dass ich dort einige Jahre in Folge die Beste in der Klasse war und mich tödlich langweilte – niemand dachte darüber nach, daran nachträglich etwas zu ändern!

Und auch wenn mir immer wieder von einigen Familienmitgliedern nahe gelegt wurde, doch einfach eine Lehre zu machen und Geld zu verdienen, zog ich nach der mittleren Reife den Wechsel zu einer anderen Schule durch und erreichte dort mein Abitur.

Dann ging es darum: Wo studieren? Die nächsten Unis fielen direkt weg, wegen Studiengebühren! Also bewarb ich mich in andere Bundesländer und wurde dort glücklicherweise an einer Uni angenommen.

Und hier fingen die Probleme erst RICHTIG an. Kein Mensch konnte, nein, wollte mir helfen, meinen Stundenplan zusammen zu stellen oder überhaupt mal bei der Studienordnung durchzublicken. Wie sollten sie auch, ich war die erste in meiner Familie, die studiert!
Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte, und als das für meine Eltern offensichtlich wurde, fuhr mich mein ziemlich angepisster Stiefvater zu meiner künftigen Uni und warf mich dort aus dem Auto mit dem Befehl, erst wieder zu kommen, wenn ich die Studienberatung wegen meinen Problemen aufgesucht hätte.

Tja, da irrte ich also auf dem Campus rum, ohne zu wissen, wo ich mich hinwenden sollte. Schließlich, als die Verzweiflung groß genug wurde, ging ich einfach mal in eines der vielen Gebäude rein und fragte dort den erstbesten Studenten, wo die Studienberatung ist. Und er, sicher in bester Absicht, schickte mich leider zum falschen Büro.

Mir wird immer noch ganz heiß bei dem Gedanken, was ich dort erlebte. Stotternd und verschüchtert schilderte ich der Sekretärin meine Probleme, was diese mit einem süffisanten Grinsen bedachte.

„Was, Sie wollen zur Studienberatung für Soziologie? Da sind Sie hier aber falsch, hier ist Jura. Ich würde sagen, da geht das kleine Mädchen noch mal heim und kuckt sich die Öffnungszeiten der Studienberatung im Internet an! Das müsste der Herr Müller sein, im Raum 0815. Der ist aber erst nächste Woche wieder da.“ Ihr Grinsen wurde breiter und noch eine Spur selbstzufriedener. Einen Seitenhieb hatte sie nämlich noch für mich! „Bis dahin können Sie ja noch ein bisschen Hochdeutsch üben!“

Wenn ich diese Geschichte erzähle, ernte ich meist ungläubige Blicke, aber ich schwöre, es hat sich genau so abgespielt! Und oh mein Gott, wie gerne würde ich wieder zu diesem Tag zurück gehen. Heute würde ich dieser blöden Kuh den Arsch aufreißen!!! Aber damals war ich einfach nur erstarrt. Die einzige Aufsässigkeit, die ich mir leistete, war ein sarkastisches „Viel Spaß“ an die anderen Studenten, die noch vor der Tür warteten, als ich davon schlich.

Ich ging zurück zu meinem Stiefvater, setzte mich ins Auto und brach in Tränen aus. Selten habe ich mich so gedemütigt gefühlt. Zum ersten Mal wurde mir klar, dass meine Herkunft, die sich in so vielen Kleinigkeiten äußerte – meinem Auftreten, meiner Wortwahl, meiner allgemeinen Unsicherheit in diesem Umfeld, meinem Dialekt – in gewissen Kreisen ein Grund war, mich von vorne herein zu disqualifizieren und verächtlich zu machen. Aber das war auch die Geburt eines Gefühls, das ich gerne „Arbeiterhass“ nennen würde. Arbeiterhass, geboren aus Arbeiterstolz!
Ich habe mit meinem Stiefvater nie mehr darüber gesprochen, aber als er mich in Tränen aufgelöst so vor sich sah und sich meine stockende Schilderung anhörte, stieg in ihm wohl ein ähnliches Empfinden auf. Er war jedenfalls kurz davor, auszusteigen und zu der Tussi zu gehen, um ihr seine Meinung zu sagen. Leider habe ich ihn damals davon abgehalten.

Und das war nur der Beginn meiner Odyssee, die noch nicht beendet ist und die sich trotzdem immer noch so anfühlt, als wäre ich eine Fremde in einem fremden Land, bewohnt von Leuten, die genauso aussehen wie ich, aber besser gekleidet sind und mit mir nicht mehr gemeinsam haben als Aliens.

Da war zum Beispiel die junge Studentin in meinem Philosophieseminar über Kant, die dem Dozenten aus welchen Gründen auch immer erzählte, dass sie eine wunderschöne Ausgabe der „Kritik der reinen Vernunft“ damals von ihrem Großvater zum Abitur geschenkt bekommen hat.
Ich saß neben ihr und spürte wieder diese Wut. MEIN Opa war Bergmann gewesen und hat in seiner Freizeit Hühner gezüchtet. Ich bin mir fast sicher, dass er in seinem ganzen Leben nie was von Kant gehört hat (fragen kann ich ihn aber leider nicht mehr), geschweige denn jemals auf die Idee gekommen ist, mir ein Buch von ihm zu schenken.
Überhaupt – Bücher. Die Romane, die wir zuhause haben, hatte ich schon mit 12 Jahren durch. Und Sachbücher, Bücher, mit denen man sein Wissen mehren konnte? Ein medizinisches Nachschlagewerk aus den Fünfzigern, in dem Onanie noch als (rein männliche) Krankheit aufgeführt wird und eine sechsbändige Enzyklopädie, die verkündet, die Amerikaner hätten für die nächsten Jahre eine bemannte Mission zum Mond geplant. Tolle Voraussetzungen!

Geld war natürlich auch immer ein Thema. Der obligatorische Bafögantrag wurde gestellt und abgewiesen. Meine alleinerziehende Mutter verdient angeblich zu viel. Und ja, von einem Gehalt von ca. 1.700 Euro können junge Sacharbeiter, die anders als meine Mutter, die seit den boomenden Siebzigern im selben Betrieb angestellt ist, heute nur träumen. Auch wurde uns negativ ausgelegt, dass meine Mutter ein Haus besitzt. Aber ein Haus ist nicht automatisch Luxus, vor allem nicht, wenn noch über 100.000 Euro Schulden drauf sind! Ich komme vom Land, da hat so ziemlich JEDER ein Haus, Wohnungen gibt es auf dem Land praktisch nicht! Was hätte sie tun sollen – es verkaufen?! Das Haus, das größtenteils mit ihrem Geld und der Hände Arbeit ihres Partners und Vaters gebaut worden ist, nur damit ihre Tochter studieren kann?! Und dann? Sich eine Wohnung suchen, die mietmäßig im Endeffekt auch nicht billiger kommt als die Raten für unser Haus?!

1.700 Euro, und davon sollte sie mir eine Wohnung, Essen und Taschengeld bezahlen. Hätte sie nicht geschafft, wenn sie sich nicht ihre eigenen Lebenserhaltungskosten mit meinem Stiefvater geteilt hätte – und damit war es vorbei, als sie sich trennten und sie ihm seinen Anteil am Haus ausbezahlte.
Und das war der Moment, als mir schmerzlich klar wurde, dass mein 400 Euro Job ebenfalls nicht reicht, um zu leben und ich es nicht weiter verantworten kann, meiner Mutter so viel Geld abzuverlangen. Ein paar Wochen erwog ich ernsthaft, mein Studium abzubrechen und eine Lehre zu beginnen und hätte ich gewusst, dass ich tatsächlich eine Lehrstelle bekommen würde, hätte ich es wohl gemacht. Aber ich wusste es eben nicht, also entwickelte ich einen Plan B und richtete einen Studienkredit ein. Gäbe es diese Möglichkeit nicht, wäre ein Studienabbruch keine Frage des Sollens, sondern des Müssens gewesen!

Man muss dazu sagen, dass ich noch Altstudierende bin, nach allem, was ich beobachtet habe, die BA/MA-Studenten der neuen Studiengänge aber überhaupt nicht arbeiten gehen können! Das Studium ist nun so straff und so arbeitsintensiv (dabei aber nicht im Geringsten besser), dass dafür schlicht und ergreifend keine Zeit mehr bleibt! Für diese Menschen gibt es gar keine andere Möglichkeit als einen Studienkredit, wenn Mami und Papi das Studium nicht bezahlen können! Und selbst damit wird es schwer – der Kredit bei der KfW, den ich habe, ist auf 650 Euro im Monat limitiert! Versucht mal davon zu leben, wenn ihr davon von Miete über Essen über Bücher über Klamotten über Semesterbeitrag ALLES bezahlen müsst!

Und dann stellt euch vor, ihr müsstet davon noch Studiengebühren abdrücken. 1000 Euro im Jahr – dafür muss ich zweieinhalb Monate arbeiten gehen!
Ich hab mal eine Äußerung eines CDU-Politikers gehört, als es darum ging, in einem bestimmten Bundesland Studiengebühren einzuführen. Ich weiß nicht mehr, um welches Bundesland es ging, auch den Namen des Politikers weiß ich nicht mehr, aber seine Meinung war folgende: „500 Euro Studiengebühren bei 10 Semestern, das sind 10.000 Euro… das ist ja nicht sooo viel. Das ist ungefähr der Wert eines Autos.“

Wem ist die mathematische Glanzleistung in diesem Beispiel aufgefallen!? Die stammt nicht von mir! Der Mensch war tatsächlich der Meinung, dass 10 * 500 = 10.000 Euro ist! Da ist die Frage dann nicht mehr, ob der Typ selbst studiert hat oder nicht, sondern ob er überhaupt die 5. Klasse geschafft hat!
Muss ich überhaupt noch erwähnen, dass es ein kleiner Unterschied ist, ein Auto von diesem Geld zu kaufen und dieses dann auch zu HABEN, oder sich von 10.000 Euro einfach auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden?! Das sollte klar sein, selbst wenn es sich korrekterweise nur um 5.000 Euro handelt! Das ist eine Summe, die man halt auch erst mal verdienen muss – für einen Bankmanager natürlich ein weitaus leichteres Unterfangen als für eine Lidl-Verkäuferin!!

Eigentlich sollte man meinen, die Erkenntnis, dass manche Leute zwar durchaus gut leben können, wie meine Familie es immer tat (wir sind eben NICHT arm!), aber es halt für diese eine kaum zu stemmende Belastung ist, ein Kind auf eine Universität zu schicken – oder, Gott bewahre, zwei oder drei! – wäre einfach. Aber nein – für gewisse Mitstudenten, aus genannten Gründen eher aus einem besserverdienenden Akademikerhaushalt stammend denn aus meinem Milieu, ist das eine nicht zu leistende Einsicht.

Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon dafür rechtfertigen musste, dieses oder jenes nicht zu tun, weil es mir zu teuer ist. „Tja, warum kaufst du dir nicht was ordentliches? Kein Wunder, dass es nicht funktioniert,“ war das Urteil meiner Mitbewohner zu meinem unter-300-Euro-Netbook, das ich vor ein paar Monaten gekauft und direkt verflucht habe, weil es schlicht und ergreifend scheiße ist (mein erstes Netbook hat aber vor vier Jahren auch nicht mehr gekostet und läuft nun gezwungenermaßen immer noch).

Begreift ihr nicht, meine lieben privilegierten Mitstudenten, dass ich mir mehr nicht leisten kann?! Meine Fresse, wenn ich das Geld hätte, würde ich mir natürlich auch ein supergeiles oberpowermäßiges Macbook für tausend Euro irgendwas kaufen, aber ich kann es nun mal nicht!! Leute, ich habe zu diesem Zeitpunkt fast dreißigtausend Euro Schulden!!! Und JA, anders als Bafög muss ich die irgendwann KOMPLETT zurück zahlen!!

Ich freue mich ja für euch, dass alles von euren Eltern bezahlt wird und ihr nicht mal arbeiten gehen müsst, aber kommt mal aus eurer Reiches-Kind-Seifenblase raus und macht verdammt noch mal die Augen auf!

Interessant war auch die Ansicht dieses einen Typen, den ich 2010 auf dem Jakobsweg in Spanien traf, ein Trip, den ich mir vom Mund abgespart hatte! – auf mein Geständnis hin, gerne richtig gut Spanisch sprechen zu können. Obwohl ich mehrmals darauf hinwies, nicht viel Geld zu haben, penetrierte er mich mit Vorschlägen wie diesem: „Ein einmonatiger Sprachkurs in Madrid kostet gerade mal tausend Euro!“
Was, nur tausend Euro?! Ein Schnäppchen! Ich Dummerchen, sowas nicht vorher in Betracht gezogen zu haben!

Fremdsprachen sind definitiv nicht meine Stärke. Aber ist es ein Wunder, dass ich schlechter Englisch spreche und verstehe als Leute, die schon in der Schule ein Auslandsjahr in den USA spendiert bekamen, zwischen Schulabschluss und Uni „einfach mal chillten“ und eine Backpackungtour durch Australien unternahmen und jetzt in den nächsten Semesterferien zwei Monate in Irland zelten wollen?! Und das ich aus diesem Grund jedes Mal ein kleines bisschen eskalieren könnte, wenn man mir herablassend bescheinigt, dass meine Lieblingsserie im O-Ton ja viiiel besser sei?

Klassismus ist nichts, über das ich aus meinem universitären Elfenbeinturm heraus abgehoben fasele, sondern meine Lebensrealität! Daher möchte ich gerne jedes Mal Amok laufen, wenn ich eine elitäre Radikalfeministin lese, die in einer Arroganz, die wahrlich ihresgleichen sucht, mit Fremdwörtern und feministischen Fachtermini um sich wirft, so dass ihr Text für alle, die nicht schon mindestens einen Bachelor haben, völlig unverständlich wird, gleichzeitig aber in einem Akt der totalen puritanischen Selbstbeweihräucherung ob ihrer Hingabe für diskriminierte Minderheiten hinter gebräuchlichen Phrasen ein „RW“ für „Redewendung“ einfügt, „als Hilfe für Nicht-Muttersprachler_innen“.

Was für eine groteske Lächerlichkeit! Und die gleichen Menschen, die sich für den moralischen Eichstrich der gesamten Welt halten, werfen mir Klassismus vor, wenn ich konstatiere, dass es Frauen gibt, die ein niedrigeres Bildungsniveau haben. Können die Frauen was dafür, meinte ich, dass diese Frauen blöd sind?! Nein, aber sie stecken dennoch da drin, wie auch  ich bis zu einem gewissen Grad drin steckte und immer noch stecke!

Und aus dieser meiner Position heraus sage ich am Ende dieses viel zu langen, völlig abschweifigen Posts, um noch mal einen Bogen zu meinem Aufhänger zu schlagen, in aller gebotener proletarischer Deftigkeit: Herr Fleischhauer, ich finde Sie scheiße!

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50 Gedanken zu “Die Zugänglichkeit der deutschen Universitäten für das unterprivilegierte Proletariat

      • Ah, ich hatte nicht ganz verstanden, was dich an dem Satz gestört oder irritiert hatte.

        Nein, das war nicht ironisch, sondern klassensolidarisch in Bezug auf dich gemeint – bei gleichzeitiger Ablehnung der Instrumentalisierung des „Klassismus“-Konzeptes durch den im Netz vorherrschenden Gender/Queer-Feminismus, der m.E. nämlich zu nichts anderem taugt als zur Spaltung der Arbeiterklasse beizutragen. Der Gender/Queer-Feminismus mit seinem Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ betreibt meiner Ansicht nach aktiv die Spaltung der Klassensolidarität und spielt der herrschenden Kapitalistenklasse in die Hände, vom akademischen Narzissmus in diesen Kreisen mal ganz abgesehen. Daher finde ich es in der Regel lächerlich, wenn diese Leute sich über Klassenfragen auslassen.

        Deinen Text finde ich hingegen gut.

      • „Klassensolidarität“ find ich gut 😉

        Ich wollte dir aber mal sagen, weil mir das schon mehrmals aufgefallen ist: Ich finde es ja wirklich lieb, dass du dich offensichtlich sehr bemühst, vor allem Kritik besonders behutsam zu äußern, aber ich bin nicht so ein zartes Pflänzchen, dass ich das nicht aushalten würde 😉 Es kommt halt immer drauf an, von wem es kommt. Deshalb, auch wenn ich einen Satz mal falsch verstehe, musst du den nicht im Endeffekt löschen (bzw. löschen lassen von mir), über sowas kann man ja reden und dann isses gut. Ich mag ungern in den Kommentaren rumpfuschen, außer, du willst es wegen dir, aber wegen MIR brauchst du nachträglich nichts auszubessern… gelesen hab ichs ja so oder so 😉

  1. Danke für deine sehr plastische Beschreibung!
    Ich könnte jetzt einen mindestens genauso abschweifigen und langen Kommentar schreiben 😉 Bei vielem, was du schreibst, kommen Erinnerungen an meine eigene Geschichte hoch. Teilweise hab ich ähnliches erlebt, teilweise scheine ich echt Glück gehabt zu haben. Und worüber ich gerne mal schreiben würde, mich aber nicht traue: Den Entfremdungsprozess vom familären Umfeld durch die Uni.

    Was Jan Fleischauer angeht: Ich les mittlerweile schon nichtmal mehr den Abstract seiner „Artikel“ bei SpOn, weil das schon zum Hochgehen der Hutschnur führt.

    • Entfremdungsprozess, ein gutes Stichwort! Zu dem Thema hab ich auch noch einen angefangenen Post rumliegen, Arbeitstitel „Im Limbus“. Irgendwie fühlt man sich völlig zerrissen zwischen diesen zwei komplett unterschiedlichen Lebenswelten! Das merke ich fast jeden Tag.

      Aber warum traust du dich nicht, darüber zu schreiben?

      Jan Fleischhauer… ich lese den normalerweise nie. Aber beim Überfliegen der Startseite von SpOn fiel mir der Titel ins Auge. „Hä, Studiengebühr und Lidl-Kassiererinnen? Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?“

      Jetzt, wo ich den kompletten Artikel gelesen habe, weiß ich: gar nichts. *kotz*

      • Den Entfremdungsprozess kenne ich auch. Der geht bereits vor der Uni los. Es ist einerseits ein Generationsunterschied, der in der heutigen Zeit einfach extrem radikal durchschlagen wird. Aber ohne euch hätte ich das nicht bennen können.

  2. Krass. Ich bin wirklich froh, solche Erfahrungen nicht gemacht haben zu müssen (wobei ich mir auch echt gut vorstellen kann dass ich sowas nicht bemerkt habe weil ich es oft nicht mitkriege wenn Leute scheiße sind…). Ich als Arbeiterkind (Vater Werkzeugmacher, Mutter Einzelhandelskauffrau) habe zuerst mit Jura angefangen und habe dort sofort sehr netten anschluss bei Akademikerkindern gefunden, die genau so verloren waren wie ich.
    Nach einem Monat über Losverfahren dann zu Psychologie, wo ich zwar zuerst keine Freunde gefunden habe, aber echt extremst hilfsbereite Kommilitonen hatte, die mir ihre Mitschriebe und Unterlagen förmlich nachgeschmissen hatten. Auch seitens der Dozenten und der sonstigen Mitarbeiter kann ich nicht klagen.

    Dennoch ist es grade der Punkt der sprache, bei dem ich starke Unterschiede bemerke. Während es bei Akademikerkindern einfach flüssig klingt wenn sie Fremdworte und fachbegriffe verwenden bringe ich sowas nicht ohne Stocken über die Lippen und es kommt mir extrem aufgesetzt vor. Nicht weil ich die Begrife nicht kennen, aber ich habe eine riesige Hürde in mir, sie zu verwenden. Radikalfeministische Texte (die ich teils wirklich nur unter Mühen verstehe, und das wo die Studienfächer nicht sooo unterschiedlich waren) sind für mich aber der Inbegriff von Klassismus.

    • Diese Tussi bei den Juristen war sicher nur eine extrem miese Ausnahmeerscheinung… solche Menschen gibt es wohl überall. Trotzdem… es sind so viele Kleinigkeiten, die anderen wohl wirklich nicht auffallen, die mir immer wieder bewusst machen, dass mein Leben komplett anders hätte verlaufen können, wenn ich in eine Familie hineingeboren worden wäre, die etwas mehr Wert auf höhere Bildung gelegt hätte.
      Andererseits bin ich wirklich froh drum, nicht mit einem goldenen Löffel im Arsch geboren worden zu sein. Wenn ich sehe, wie mein Mitbewohner auf Rost in den Wasserrohren reagiert (gerade heute passiert, er war entsetzt!), frage ich mich wirklich, ob in seiner Familie extra ein Lakai dafür zuständig war, Billy-Regale aufzubauen und ähnlich niedere Arbeiten zu verrichten…

      Die Sprache ist wirklich ein großes Problem. Bis ich anfing zu studieren, bin ich praktisch nie von Zuhause weg gewesen. Hochdeutsch kannte ich nur aus dem Fernsehen und aus Büchern. Hochdeutsch ist für mich immer noch ein Stück weit mit Fremdheit und auch Arroganz assoziiert. Und jetzt, wo ich einen etwas größeren Wortschatz habe, merke ich manchmal, wie ich mich zuhause absichtlich einfacher ausdrücke als ich könnte, nur um nicht abgehoben zu klingen.

      Besonders klassistisch sind Radikalfeministinnen, wenn sie z.B. anderen verbieten wollen, Wörter wie „pubertär“ für unangemessenes Verhalten zu benutzen oder sowas. Ist ja diskriminierend Pubertierenden gegenüber. Äh-häm. Alles klar.

      • Hochdeutsch und Arroganz… japp. Meine Mutter meinte es gut und bestand darauf, dass das Kind reinstes Hochhdeutsch beigebracht kriegt (auf dem Land, wo alle starken Dialekt reden). Als ich dann öfter zu meiner Oma ins Nachbardorf zur Betreuung musste war das doppelt schlimm (Konkurrenz zwischen den beiden Dörfern UND die redet auch noch so scheiße). Ich denke, daher kommt auch u.a. diese Scheu davor, zu gebildet/arroganz zu klingen.
        Bei den Radikalfeministinnen wird die Sprache aus meiner sicht bewusst zur ausgrenzung genutzt. So ziemlich jeder Neue hat so gar keine Chance Kritik anzubringen, da er sofort für seine „Sprachfehler“ abgestraft wird und ihm die sachliche Ebene verweigert wird. Die meisten Kritiker haben nicht die Energie, sich durch Bücherweise theorien zu wälzen um mitreden zu können.

      • Es ist auch mein Eindruck, dass die das tourenweise mit purer Absicht machen. Genau darum kann ich über die an anderen Stellen ach-so-großen Bemühungen, ach-so-antiklassistisch zu sein, einfach nur den Kopf schütteln.
        Und wenn ich sowas bemerke, drängt sich in mir dann leider auch der Verdacht auf, dass sie zu anderen Themen, bei denen ich mich nicht auskenne, vermutlich ebenso viel Unsinn labern… ich merk es nur nicht, weil ich davon keine Ahnung habe :/

  3. Was wären denn deine Vorschläge zum Abfangen des Klassismus?

    Wäre ja im ganzen schwierig, denn natürlich bringen schlauere und gebildetere und auch wohlhabendere Eltern Vorteile. Das ist nicht zu vermeiden, denn die potentiell elterliche Förderung kommt ja immer dazu (und Intelligenz hat natürlich auch einen erblichen Faktor)..

    Es folgt ja auch nicht alles zwangsläufig. ich bin an meinen ersten Tagen durch die Uni geirrt, es hat mir insofern nichts gebracht, dass mein Vater auch studiert hatte, was sollte er mir zu diesem Zeitpunkt über Prozeduren an der Uni sagen? Es war ja bei ihm viel zu lange her.

    Es gibt natürlich auch Akademikerhaushalte, in denen die Eltern sich nicht um Kinder kümmern, sie nicht fördern und nicht gern selbst lesen.. Genauso gibt es Nichtakademikerhaushalte, in denen sehr viel gelesen wird und Kinder entsprechend gefördert werden. Die wenigsten Kinder werden eine schöne Kantausgabe geschenkt bekommen, der Inhalt ist aber auch in der 8 € Version gleich.Ich war in meiner Kindheit, auch wenn wir recht viel Bücher im Haushalt haben, sehr viel in der Bücherei, wobei meine Eltern das natürlich unterstützt haben. Man bekommt da eigentlich aus allen Bereichen etwas.

    Das Lehrer einen wegen schlechter Noten keine Empfehlung für das Gymnasium geben wäre natürlich eine Schweinerei. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es ein Problem des ländlichen Raums ist.

    Soweit ich weiß spricht die Schule auch nur eine Empfehlung aus., über die sich Eltern hinwegsetzen können.

    Natürlich muss es ein vernünftiges Bafög-System geben. Das sehe ich genauso. Meines Wissens nach werden dabei aber Schulden der Eltern auch berücksichtigt oder?

    Zu feministischen Internettexten: Ich finde sie ehrlich gesagt gar nicht so kompliziert. Die 20 Zusatzfremdwörter dort sind durchaus überschaubar. Das man es nicht versteht mag teilweise eher daran liegen, dass es nicht logisch ist 😉 Kannst du mal ein Beispiel für einen solchen unverständlichen Text aus dem Bereich bringen?

    Ich finde rein gruppenbezogene Erklärungen immer sehr einfach. Es fallen dabei so viele Einzelfaktoren unter den Tisch und lässt es so schnell als ein unabwendbares Schicksal erscheinen.

    • „Was wären denn deine Vorschläge zum Abfangen des Klassismus?“

      Eine Reformierung des gesamten Bildungssektors. Für den Anfang wäre es aber schon schön, wenn Klassenschranken abgebaut werden und rein finanziell jeder studieren kann, der will und auch die Qualifikation dazu hat.

      „(und Intelligenz hat natürlich auch einen erblichen Faktor)..“

      Sicher. Aber es wäre absolut realitätsfremd anzunehmen, dass ein Land, dass vor hundert Jahren noch von einem Kaiser und dem Adel beherrscht worden ist und erst im Zuge der gerade mal 55 Jahre zurückliegenden 68er-Revolution viele Klassenschranken erstmals angeprangert hat, sich innerhalb dieser wenigen Generationen von dieser Denke völlig gelöst hat. Jahrhundertelang gab es auch für sehr intelligente Menschen nicht die geringsten Aufstiegschancen, wenn sie in der falschen Krippe geboren worden sind. Daher: Nur weil die Eltern recht geistlose Tätigkeiten ausführen, weil die Familie nie was anderes gemacht hat und auch nie die Möglichkeit zu was anderem hatte, lässt das noch lange keinen Rückschluss auf die Intelligenz zu – weder auf die der Eltern und noch weniger auf die der Kinder.
      Mir ist der Gedanke unerträglich, dass ständig intelligente Jugendliche mit Ach und Krach die Hauptschule schaffen, weil sie nie gefördert worden sind. Gleichzeitig möchte ich mein Kind später nicht zwingen zu studieren, falls ihm dazu die Neigung fehlt, weil für mich ein Handwerk, das gut ausgeführt wird, ebenfalls ein ehrbarer Beruf darstellt, in dem auch Akademikerkinder aufgehen können, wenn sie denn nicht die Erwartungen ihrer Eltern erfüllen müssten.
      Intelligenz ist erblich, aber nicht komplett von den elterlichen Genen abhängig… und Ausreißer nach unten oder oben können immer mal passieren. Eine verantwortungsvolle Gesellschaft lässt dieses Potential nicht ungenutzt, nur weil der Vater des Kindes Schlosser ist.

      „Das Lehrer einen wegen schlechter Noten keine Empfehlung für das Gymnasium geben wäre natürlich eine Schweinerei. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es ein Problem des ländlichen Raums ist.“

      War das jetzt ein Verschreiber oder Sarkasmus? Ich würde mich nicht beschweren, nicht auf ein Gymnasium geschickt worden zu sein, wenn ich schlechte Noten gehabt hätte. Ich hatte vielleicht nicht ganz so gute wie die Arzttochter (der Vorteil von Kindern mit Müttern, die Hausfrauen sein können ist auch, dass diese gerne mal mehr bei den Hausaufgaben „helfen“ als erlaubt… meine beste Freundin hat z.B. keines ihrer Bilder, das für Bildende Kunst benotet worden ist, selbst gemalt), aber bessere als die von anderen, die trotzdem auf ein Gymnasium kamen.
      In Mathe war ich jedenfalls Klassenbeste. Nicht nur der Mädchen, sondern von allen.

      „Soweit ich weiß spricht die Schule auch nur eine Empfehlung aus., über die sich Eltern hinwegsetzen können.“

      Meine Mutter wollte mich nicht auf ein Gymnasium schicken, obwohl mein Grundschullehrer ihr dazu riet (aber dennoch keine Empfehlung dafür aussprach – war wohl nicht der einzige, der da was mitzureden hatte).

      „Natürlich muss es ein vernünftiges Bafög-System geben. Das sehe ich genauso. Meines Wissens nach werden dabei aber Schulden der Eltern auch berücksichtigt oder?“

      War bei mir jedenfalls nicht so.

      „Kannst du mal ein Beispiel für einen solchen unverständlichen Text aus dem Bereich bringen?“

      Ich verstehe die meisten Texte ja durchaus mit ein bisschen Mühe. Ich HABE ja bereits einen Bachelor (bzw. das bessere Äquivalent dazu).

      „Ich finde rein gruppenbezogene Erklärungen immer sehr einfach. Es fallen dabei so viele Einzelfaktoren unter den Tisch und lässt es so schnell als ein unabwendbares Schicksal erscheinen.“

      Lässt sich als Nichtbetroffener ja immer leicht sagen.

  4. Ich find es schön zu sehen das es anderen genauso geht wenn sie den Fleischhauer Artikel lesen 😛 Einiges in deinem Post erinnert mich auch an eigene Erlebnisse. Ich hatte das Glück Bafög zu bekommen, und das in NRW die Rückzahlung gedeckelt ist, so dass ich nur 10000 Euro Schulden hatte als ich fertig war, aber die Erwartung das es noch mehr werden könnte hätte mich sicherlich vom Studium abgehalten. Besonders da meine Eltern eher dafür waren das ich „was richtiges“ mache, und ich mir mein ganzes Studium über anhören konnte das ich nicht immer erzählen soll wie viel ich für mein Studium arbeite weil sich die Verwandschaft schon lustig macht. War nicht gerade unterstützend. (ich bin der erste in meiner kompletten Familie der Studiert hat, meine Schwester ist die zweite). Respekt dafür, das du dir das ohne Bafög verdienst, das ist hart. Find immer das die, die gerade kein Bafög bekommen und trotzdem sofort selbst das Geld aufbringen müssen weil ihre Eltern es nicht haben am meisten in den Arsch gekniffen sind. Der Anteil an Kindern bei denen nicht mindestens ein Elternteil Akademiker ist, war in meinem Semester auch eher gering, und die die viel Arbeiteten brauchten auch ein wenig länger.

    zum Thema Klassismus:
    positiv: nachdem ich als Arbeiterkind erst mal auf der Realschule gelandet war setzte sich meine Mathelehrerin dafür ein das ich die Schule wechsel (was ich nach 1,5 Jahren auch tat) da ich dort unterfordert war. Sie hat sich damit keine Freunde gemacht, da nicht gewollt war das gute Schüler die Schule verlassen.

    negativ: Auf dem Gymnasium in der Oberstufe in meinem Englisch GK habe ich ca 1/3 der mündlichen Mitarbeit geschmissen (bei knapp über 20 Schülern) und war deutlich besser als der Rest (hätte auch LK genommen, aber ich hatte schon 2). Ich sah das als meine einzige Chance mal 15 punkte zu bekommen. Diese bekam ich nicht mit der Begründung meine Aussprache wäre nicht perfekt, was ich aber nach Ansicht der Lehrerin nur durch einen Aufenthalt in England oder den USA hätte ändern können. Den ich finanziell meinen Eltern nicht zumuten wollte. Argh!

    • „Ich hatte das Glück Bafög zu bekommen, und das in NRW die Rückzahlung gedeckelt ist, so dass ich nur 10000 Euro Schulden hatte als ich fertig war, aber die Erwartung das es noch mehr werden könnte hätte mich sicherlich vom Studium abgehalten. “

      Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie krass das ist zu wissen, in jungen Jahren schon so viele Schulden auf dem Buckel zu haben 😦

      „positiv: nachdem ich als Arbeiterkind erst mal auf der Realschule gelandet war setzte sich meine Mathelehrerin dafür ein das ich die Schule wechsel (was ich nach 1,5 Jahren auch tat) da ich dort unterfordert war. Sie hat sich damit keine Freunde gemacht, da nicht gewollt war das gute Schüler die Schule verlassen.“

      Meine Lehrer haben definitiv gemerkt, dass ich unterfordert war. Ich kann mich noch dran erinnern, wie meine Deutschlehrerin, als wir eine halbe Schulstunde damit verplemperten, den Stoff der letzten Stunde zu wiederholen, obwohl ich alles schon beim ersten Mal kapiert hatte und sichtlich gelangweilt war, mir einen entschuldigenden Blick zuwarf… aber Schulwechsel wurde niemals angesprochen. Und ich bin selbst leider nicht drauf gekommen. Es hatte ja auch oft genug angenehme Seiten, nie für Arbeiten lernen zu müssen.

      „negativ: Auf dem Gymnasium in der Oberstufe in meinem Englisch GK habe ich ca 1/3 der mündlichen Mitarbeit geschmissen (bei knapp über 20 Schülern) und war deutlich besser als der Rest (hätte auch LK genommen, aber ich hatte schon 2). Ich sah das als meine einzige Chance mal 15 punkte zu bekommen. Diese bekam ich nicht mit der Begründung meine Aussprache wäre nicht perfekt, was ich aber nach Ansicht der Lehrerin nur durch einen Aufenthalt in England oder den USA hätte ändern können. Den ich finanziell meinen Eltern nicht zumuten wollte. Argh!“

      Hach ja… die Willkür :/

  5. Hallo –

    ich mag Deine Schreiben und Deine Ausdrucksweise.
    Sie ist klar, differenziert, also „eloquent“, mit sehr elaboriertem Sprachcode und pointiertem Klartext. Lebensnah und plastisch vermittelt. So.
    Deine Biografie erinnert mich an meine und mich haben im Jurastudium (achtziger Jahre) diese dort recht häufig vorkommenden „Edeltypen“ geschlechtsunabhängig einfach auch nur genervt.
    Es ist ja heute noch so. Krawatten und Anzug oder schwarze Ballerinas mit Schleifchen oder Spange lösen bei mir noch immer schwere Gedankentourette-Anfälle aus…
    Und es ist eine Klassengesellschaft, die nur keine sein soll. Es wird eine Menge Änderungsbedarf schon über Jahrzehnte ignoriert oder restlos vermurkst.

    • Jop… und wenn die Damen und Herren am Schalthebel dann mit der Nase draufgestoßen werden (z.B. durch sowas wie die Pisa-Studie) führen sie daraufhin Änderungen ein, die alles nur noch schlimmer machen. Und bei denen ich mich irgendwie immer noch frage, wie ein gesunder Mensch nach Ansicht der Studie auf sowas kommen kann…

  6. Dein Artikel streift irgendwie so viele Themen, dass ich gar nicht auf alles eingehen kann, worauf ich gerne eingehen würde. Als ich auf die Uni kam, hatte ich anfangs ein ähnlich verwirrtes Gefühl – es war irgendwie keiner mehr da, der einem sagte, wie das alles funktioniert… Wobei mir das bei vielen anderen Studenten auch so schien (egal ob Arbeiterkind oder nicht).

    Mit den Leuten an der Uni habe ich glücklicher weise obwohl Arbeiterkind (Mutter 400 Euro Job und Vater Werkzeugmacher) kein Problem aufgrund irgendwelcher finanziellen Dinge. Allerdings habe ich immer neben dem Studium arbeiten müssen, wodurch ein Ingenieursstudium sich natürlich in die Länge zieht und nicht in drei Jahren abschließen lässt. Anfangs habe ich Bafög bekommen, aber von den 200 Euro im Monat kann auch kein Mensch leben und meine Eltern unterstützen mich zwar indem ich bei ihnen wohne, aber mehr eben auch nicht. Schon alleine, um zur Uni zu kommen benötige ich beispielsweise mein Auto.
    Mittlerweile bekomme ich kein Bafög mehr, da ich über die Regelstudienzeit hinaus bin (tja, man müsste also von den 200 Euro leben können und dann ganz schnell fertig studieren) .

    Was mich an der Uni ankotzt sind die Kinder irgendwelcher reicher Eltern, die sich auf spielen und in meinem Namen reden wollen. Solche findet man bei uns gesammelt im AStA. Wir haben damals vorgeschlagen, die Referentenpauschalen des AStA zu senken, aber da waren diese geldgeilen Kerle mit dem goldenen Löffel im Arsch, die der Meinung sind, man müsse von der Pauschale leben können (und das wo sie sowieso mehr Kohle als genug haben und es sich eigentlich um eine Ehrenamt handelt!) .
    Sorry für meinen langen Kommentar und meine Wortwahl im letzten Absatz, aber bei mir kommt da durch deinen Artikel auch ein wenig Wut auf eben jene Menschen hoch.

    Liebe Grüße,
    Miria

    • Sicher ist jeder erstmal total erschlagen, wenn er erstmals eine Uni besucht… aber es ist schon ein Unterschied, ob wenigstens ein Elternteil genug Fremdwörter beherrscht und mit der verwendeten Sprache vertraut ist, um wenigstens die Studienordnung erklären zu können…

      Ist doch immer so: Wer viel Geld hat, will immer mehr. Und Bafög: Eine Freundin von mir hat 36 Euro bekommen. Sechs-und-dreißig-Euro…

  7. Danke für diesen Artikel zum Thema Klassismus!

    Den Fleischhauer-Text habe ich nicht zu Ende gelesen; ich wollte meine Lebenszeit nicht damit vergeuden, mich über einen besserverdienenden Elitemenschen zu ärgern.

    Den Klassismus habe ich an der Uni selbst nur zum Teil, danach aber umso heftiger zu spüren bekommen; da meine (alleinerziehende) Mutter nicht viel beisteuern konnte, hab ich mir mein Studium eben um meine Jobs herum gelegt und entsprechend lange studiert (und musste dann auch Langzeitstudiengebühr zahlen).
    Im Referendariat war ich dann die Älteste und konnte mir unzählige Male verständnislose Kommentare dazu anhören, wie man denn SO lange studieren kann. Und wieso mir denn nicht meine Eltern mein Studium finanziert hätten.
    Die Kommentare kamen sowohl von der Seminarleitung als auch von anderen Refs („Also, mein Papa, der ist ja Schulleiter in Arschderwelthausen“ … „Ich hab zum Examen einen A3 bekommen“ … „Meine Eltern zahlen mir die Vierzimmerwohnung. Ich brauch die aber auch, immerhin kann ich ja nicht Arbeits-, Wohn- und Schlafzimmer in einem haben!“ … Liste ließe sich beliebig fortsetzen).
    An der Uni ging’s eigentlich, da die Besserverdienenden-Töchterchen und -Söhnchen ja Jura, Medizin und BWL studiert haben und nicht zu der komischen Sorte von Geisteswissenschaftlern gehörten.

    • „Den Fleischhauer-Text habe ich nicht zu Ende gelesen; ich wollte meine Lebenszeit nicht damit vergeuden, mich über einen besserverdienenden Elitemenschen zu ärgern.“

      Och – laut seiner eigenen Auskunft im Artikel verdient ein Journalist ja soooo wenig…

      „An der Uni ging’s eigentlich, da die Besserverdienenden-Töchterchen und -Söhnchen ja Jura, Medizin und BWL studiert haben und nicht zu der komischen Sorte von Geisteswissenschaftlern gehörten.“

      Hehe… jap, das ist auch mein Eindruck.

      Auf solche Sprüche reagiere ich inzwischen ja wirklich extrem heftig, weil es mich einfach unglaublich ärgert, auch wenn die Leute ja eigentlich nichts dafür können, weil sie einfach in einer ganz anderen Welt aufgewachsen sind. Aber trotzdem: Gerade wenn man studiert, sollte man in der Lage sein, sich in andere Lebenswelten hineindenken zu können. Da fragt man sich doch, ob die Eltern dem Nachwuchs neben Geld auch sowas wie Sozialkompetenz und soziale Verantwortung übertragen haben!

  8. Interessanter Text.
    Meine Eltern haben auch nicht studiert. Ich selbst habe dann Physik studiert. Bei mir im Studium warn auch sehr viele, deren Eltern nicht studiert haben. Am Anfang des Studiums hatten wir einen ziemlich klar strukturierten Stundenplan, so ,dass man auch, wenn man keine Ahnung vom Unileben hat gut klar kommt. Zudem gab es am Anfang Studenten aus höheren Semesters, die als Tutoren fungiert haben und die Erstsemester die ersten drei Tage so ein bisschen „an die Hand genommen“ haben. Ich weiß nicht, ob es so etwas auch bei den Geisteswissenschaften gibt? Ich lasse mich nämlich schnell einschüchtern und mir haben diese ersten Tage enorm geholfen.

    Auf jeden Fall waren in meinen Semester viele Mitstudenten aus Nichtakademikerhaushalten. Ich habe darüber mal mit Kommilitonen geredet und wir sind auf eine Quote von etwa 40% gekommen.
    Allerdings heißt NIchtakademiker kann nicht automatisch weniger reich. Nur so als Beispiel: Die Eltern eines MItstudenten waren Bürokaufleute, hatten aber selbst eine Kette von Geschäften und besaßen zwei Häuser direkt am Starnberger See. (Es war aber nicht so, dass er damit angegeben hat, sondern er hat es mal erzählt, weil er beim Renovieren geholfen hat und sich dabei sichtbar verletzt hatte.)
    Kommilitonen mit Eltern, die echt arm waren waren sehr selten. 😦

    • Es gab natürlich Einführungstage zu den einzelnen Fächern, die sicher einige Fragen geklärt hätten, wäre ich denn hingegangen. Ich bekam nämlich meinen Zulassungsbescheid erst einen Tag NACH den Einführungstagen :/
      Deshalb bin ich in der ersten Woche von Fachstudienberatung zu Fachstudienberatung gerannt und die konnten mir schon helfen. Allerdings nur bedingt. Der eine präsentierte mir den Musterverlaufsplan meines einen Faches und daran hielt ich mich, weil ich keine Ahnung hatte, dass ich davon auch abweichen kann. Daher hab ich in meinem ersten Semester weitaus weniger Veranstaltungen besucht, als möglich gewesen wäre.

      Der Begriff „Akademikerkind“ ist wirklich unpräzise. Es gibt reiche Leute, die nie studiert haben, und Akademiker, die nicht reich und arbeitslos sind. Ich verwende den Begriff aber für beides, denn: Kinder von reichen Leuten werden, auch wenn ihre Eltern nicht das Wissen haben, sie zu unterstützen, auf andere Weise Hilfestellung geleistet – und sei es nur, dass die Eltern es sich leisten können, ein ganzes Rudel Nachhilfelehrer einzustellen. Akademiker, die nicht viel Geld haben, können ihren Kindern dafür anders helfen… allein schon dadurch, dass sie vermutlich mehr Wert auf Förderung legen und etwas mehr Literatur zuhause zur Auswahl haben, als das bei mir der Fall war… Und das ist gut, auch wenn es natürlich spätestens, wenn es Richtung Uni geht, nichts mehr nützt. Akademiker ohne Geld können ihre Kinder finanziell genauso wenig unterstützen wie Arbeiter ohne Geld.

  9. „Daher möchte ich gerne jedes Mal Amok laufen, wenn ich eine elitäre Radikalfeministin lese, die in einer Arroganz, die wahrlich ihresgleichen sucht, mit Fremdwörtern und feministischen Fachtermini um sich wirft, so dass ihr Text für alle, die nicht schon mindestens einen Bachelor haben, völlig unverständlich wird”

    Das ist auch etwas, was mich persönlich ziemlich nervt an der ganzen Klassismus-Debatte im Feminismus. Ich habe noch keine politische Strömung erlebt, die es so unerhört und verachtenswürdig findet, Bildungslücken aufzuweisen, wie das im Feminismus der Fall ist.

    Als ich eine Feministin, die jetzt auch ganz groß beim Anti-Klassismus dabei ist, mal fragte, was für eine Semantik denn das Sternchen (bsp. Frau*) hatte, gab sie die spöttelnde Antworte, dass sie es toll fände, wenn ich Eigenitiative zeigen würde und das selbst ergoogle. Ich musste sie erst von den Schwierigkeiten überzeugen, die entstehen, wenn man nach Sonderzeichnen googeln will, bevor sie sich dazu herabließ mir eine Erklärung zukommen zu lassen.

    Die „Wenn du etwas nicht weißt, bist du faul, dumm und böswillig”-Haltung, war und ist im Feminismus stark präsent und es nervt mich daher auch ein wenig, dass teilweise die gleichen Menschen jetzt einen auf Anti-Klassismus machen, freilich ohne diese Haltung aufzugeben.

    • Einige Male hab ich das auch schon erlebt. Ich erinnere mich an eine Feministin, die in allem furchtbar korrekt sein will, dann aber einer Interessierten nach der unbedarften Frage nach Einstiegsliteratur arrogant Google empfahl. Ich kann gar nicht sagen, wie wütend mich das macht!

      Ich hoffe allerdings, sowas wird mir im echten Leben mal unterkommen. Dieser Artikel hat meine Wut irgendwie nur noch größer gemacht. Jede Feministin, die mir so kommt, werde ich komplett auseinander nehmen.

    • Ich kann mir vorstellen, dass es auch damit zusammenhängt, dass der Extremfeminismus ziemlich viele „Logiklücken“ aufweist und die Theorie an sich nicht leicht auf Verstehen und Zustimmung bei „Außenstehenden“ stößt.
      Wenn man sich durch sprachliche „Fehler“ oder Unwissenheit als Aussenstehender outet wird dies wohl sehr schnell mit Kritik und Ablehnung assoziiert. Andere Theorien sind da viel Einsteigerfreudlicher und Neulinge werden erstmal umfassend betüddelt und aufgeklärt.

  10. Schöner Artikel, kenne Vieles davon aus eigener leidiger Erfahrung.
    Viele der hier geäußerten Einstellungen kann ich aber überhaupt nicht teilen.
    Fleischauer etwa hat mit Vielem was er in dem Artikel sagt Recht. Sein Punkt ist weder, dass Journalisten wenig verdienten, das ist Ironie, noch, dass Arbeiterkinder auf der Uni nichts zu suchen hätten, sondern ,dass wir es, solange Arbeiterkinder de facto kaum auf Universitäten vertreten sind, Arbeiter aber Steuern zahlen müssen, für den Fall dass das Studium gänzlich steuerfinanziert ist, mit einer Umverteilung von Unten nach Oben zu tun haben. (natürlich zahlen Arbeiter weniger Steuern als etwa erfolgreiche Journalisten und natürlich gibt es Arbeiterkinder an der Uni, die Tendenz bleibt aber).
    Natürlich können Studiengebühren dazu führen, das Leute aus ärmeren Elternhäusern nicht studieren können, aber die Forderung, dass es keine Studiengebühren geben soll, auch nicht für Kinder aus Besserverdienerhaushalten, ist schlicht Klassenkampf von Oben.
    Auch die Kritik am Bachelor-/Master-system ist, meines Erachtens, so nicht gerechtfertigt der verschulte Bachelor kommt dem Lernverhalten von Leuten aus bildungsfernen Elternhäusern sehr entgegen(die Fähigkeit zu selbstorganiserter v.A. intelektueller Arbeit, wie auch die Fähigkeit momentane Befriedigung(nicht lernen) zu Gunsten späterer Befriedigung (gute Noten) aufzugeben ist sozial sehr ungleich verteilt).
    Multiple Choice Klausuren sind sozial viel weniger selektiv, da in ihnen eben kein bestimmter sprächlicher Habitus zum Ausdruck kommt.
    Auch verringert eine verkürzte Ausbildungszeit die (Opportunitäts-)Kosten des Studiums wovon v.a. Arbeiterkinder profitieren.

    • Ich glaube nicht, dass Fleischhauer gerade an der Stelle sein Gehalt betreffend ironisch ist. Ich glaube, der Typ ist so humorvoll wie ein Backstein! Zumal das auch einfach keinen Sinn ergeben würde. Ich meine, was wäre dann sein Punkt? Dass ER es sich wunderbar leisten kann, seinen Sohn zur Uni zu schicken? Ähm, okay

      Er tut gerade so, als hätten wir seit Jahrzehnten Studiengebühren und würden jetzt erst darüber reden, die abzuschaffen. Dabei war es jahrzehntelang genau andersrum. Daher ist es unsinnig, „endlich“ von einer „Umverteilung von unten nach oben“ zu reden! Fast alle Bundesländer haben das Projekt wieder eingestellt, nur die dümmsten Konservativen halten noch daran fest.

      Er stellt das einfach geradezu skandalös vereinfacht dar. Nur ein Bruchteil unseres BIPs wird für Bildung ausgegeben. Ein Viertel der Bildungsausgaben pro Jahr kommt aus privater Quelle. Der Bund erhält 42,5% der Steuereinnahmen aus der Einkommenssteuer, zahlt aber nur 8% zur Bildung hinzu! 51% wird von den Ländern getragen!

      Nein, Herr Fleischhauer macht es sich definitiv zu einfach!

      Bachelor/Master: Ich habe selbst an meiner Uni miterlebt, wie dieser Standard eingeführt worden ist. Kein Mensch mag dieses System. Jeder einzelne Professor, der sich dazu geäußert hat, war einfach nur angewidert. Was nützt es einem bitte, wenn man theoretisch schneller fertig ist (stimmt bzgl. Lehramt nicht mal, weiß nicht wie das bei anderen Fächern ist), man am Schluss aber eine minderwertige Ausbildung erhalten hat? Die zudem so straff organisiert und unnötig arbeitsintensiv ist, dass man nicht nebenbei arbeiten gehen kann? Das schreckt wesentlich mehr Neustudenten ab als die längere Studienzeit!
      Zumal viele Unis auf BA/MA gar nicht vorbereitet waren. Warum kam es wohl zum Bildungsstreik? Plötzlich ist der Stundenplan voll, aber die Ressourcen sind schlicht und ergreifend nicht da. Nein, dieses System ist von vorne bis hinten scheiße!

      • „Ich glaube nicht, dass Fleischhauer gerade an der Stelle sein Gehalt betreffend ironisch ist. Ich glaube, der Typ ist so humorvoll wie ein Backstein!“
        Ich kenne mich tatsächlich nicht so gut aus mit dem, was er sonst so schreibt, kann deinem Argument ad hominem insofern nicht so gut folgen, aber ich habe den Artikel gelesen und bin sicher, dass es ironisch gemeint ist.
        „Zumal das auch einfach keinen Sinn ergeben würde. Ich meine, was wäre dann sein Punkt? Dass ER es sich wunderbar leisten kann, seinen Sohn zur Uni zu schicken? Ähm, okay…“
        Genau, wie die meisten Eltern von Kindern die es bis zur Uni geschafft haben und trotzdem muss er es nicht.

        „Er tut gerade so, als hätten wir seit Jahrzehnten Studiengebühren und würden jetzt erst darüber reden, die abzuschaffen. Dabei war es jahrzehntelang genau andersrum. Daher ist es unsinnig, “endlich” von einer “Umverteilung von unten nach oben” zu reden! Fast alle Bundesländer haben das Projekt wieder eingestellt, nur die dümmsten Konservativen halten noch daran fest. “
        Nein, Studiengebühren sind (in D) eine relativ neue Sache, das hängt, denke ich, ein bisschen damit zusammen, dass irgendwelche Humboldschen Vorstellungen von Bildung als Selbstzweck oder als Mittel zur Emanzipation, die Jahrzehnet lang dafür her halten mussten kostenlose Hochschulbildung(und damit vor der Bildungsexpansion eine noch viel stärkere Umverteilung von Unten nach Oben) zu rechtfertigen. Im Zuge der Bildungsexpansion die dazu führte, dass auch nicht-wohlhabende an die Uni kamen wirken solche Vorstellungen ( die natürlich immer nur Leuten verständlich waren, die keinerlei materielle Sorgen kannten) zunehmend unglaubwürdig. Bildung wird immer mehr als das betrachtet, was sie nun mal (leider) ist: Ein Mittel um die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Vor diesem Hintergrund entstand dann halt auch die Idee Studiengebühren einzuführen.

        „Er stellt das einfach geradezu skandalös vereinfacht dar.“
        Naja, also zunächst einmal ist es eben eine Polemik, aber sie kann es lohnend erscheinen lassen über die angerissenen Punkte nachzudenken.

        „Nur ein Bruchteil unseres BIPs wird für Bildung ausgegeben.“
        Und das ist sicherlich nicht gut so, aber wäre es nicht sinnvoller vor allem dort zu investieren wo alle unabhängig ihrer sozialen Lage oder besonders die materiell schlechter gestellten profitieren(frühkindliche Förderung(besonders von Benachteiligten), Grundschulen, dritter Bildungsweg, …)
        Anstatt gerade dort zu investieren, nämlich an der Uni, wo hauptsächlich bessergestellte profitieren, wo wir hauptsächlich Leute antreffen die keinerlei Probleme damit hätten ihr Studium durch ihre Eltern (teil-)finanzieren zu lassen?
        „Ein Viertel der Bildungsausgaben pro Jahr kommt aus privater Quelle.“
        Finde solche Zahlen immer ein bisschen schwierig ohne Erläuterung, wie werden Bildungsausgaben denn operationalisiert? Sind das auch die Sprachreisen die reiche Kinder machen, deren Nachhilfestunden, für 15eur/h? Oder genauer, von welchen Schichten wird dieses Viertel aufgebracht? So bringt das nicht so viel.
        „Der Bund erhält 42,5% der Steuereinnahmen aus der Einkommenssteuer, zahlt aber nur 8% zur Bildung hinzu! 51% wird von den Ländern getragen!“
        Naja, aber die Lidl-Verkäuferin aus dem Beispiel zahlt ja auch Mehrwertsteuer, u.U. Grundsteuer, … davon gehen sicherlich Teile an die Länder, eventuell entlastet der Bundeshaushalt ja auch die Länderhaushalte dadurch, dass er andere Ausgaben übernimmt. Verstehe nicht so ganz wie die Aufteilung der Steuern zwischen Bund und Ländern für irgendeine Seite eines derartigen Diskurses fruchtbar gemacht werden sollte.

        „Bachelor/Master: Ich habe selbst an meiner Uni miterlebt, wie dieser Standard eingeführt worden ist. Kein Mensch mag dieses System.“
        Die ersten Jahrgänge waren sicherlich fürchterlich, das hängt v.a. damit zusammen, dass kein Professor irgendeinen Teil seiner Lehre gestrichen sehen wollte und es somit am Anfang einfach nur einer Regelstudienzeitverkürzung der Altstudiengänge gleich kam.
        Mittlerweile ist das an allen Unisdie ich kenne, jedenfalls in den Fachbereichen die ich kenne, anders.

        „Jeder einzelne Professor, der sich dazu geäußert hat, war einfach nur angewidert.“
        Natürlich er muss ein Teil seiner eigenen Lehrtätigkeit streichen, sollte er noch nicht verbeamtet sein stellt das eine Bedrohung für seinen Job dar.
        Außerdem steht das BA/MA System der Selbstrekrutierung der Unis im Weg, bei diesem System kommen weniger wirklich talentierte Leute für den Forschungsbetrieb heraus. Das ist aber auch gar nicht das Ziel, das liegt darin Leuten besser Möglichkeiten auf dem freien Arbeitamarkt zu verschaffen.

        “ Was nützt es einem bitte, wenn man theoretisch schneller fertig ist (stimmt bzgl. Lehramt nicht mal, weiß nicht wie das bei anderen Fächern ist), man am Schluss aber eine minderwertige Ausbildung erhalten hat?“
        Minderwertig ist sie meines Erachtens, und Absolventenstudien legen das nahe, nur bezüglich der Anforderungen des Forschungsbetriebes, nicht bezüglich der Anforderungen des freien Arbeitsmarktes.
        „Die zudem so straff organisiert und unnötig arbeitsintensiv ist, dass man nicht nebenbei arbeiten gehen kann? Das schreckt wesentlich mehr Neustudenten ab als die längere Studienzeit!“
        Also, meiner Erfahrung nach kann man durchaus nebenbei(so 400 eur) arbeiten gehen (das kommt sicherlich auch ein bisschen auf Uni und Studienfach an). Was man sicherlich nicht kann ist sich voll zu finanzieren, dann liegt das Problem aber nicht beim BA sondern daran, dass nicht alle Leute die es bräuchten BAföG bekommen.

        „Zumal viele Unis auf BA/MA gar nicht vorbereitet waren.“
        Das stimmt, es wurde schlecht durchgeführt.

      • *Und das ist sicherlich nicht gut so, aber wäre es nicht sinnvoller vor allem dort zu investieren wo alle unabhängig ihrer sozialen Lage oder besonders die materiell schlechter gestellten profitieren(frühkindliche Förderung(besonders von Benachteiligten), Grundschulen, dritter Bildungsweg, …)
        Anstatt gerade dort zu investieren, nämlich an der Uni, wo hauptsächlich bessergestellte profitieren, wo wir hauptsächlich Leute antreffen die keinerlei Probleme damit hätten ihr Studium durch ihre Eltern (teil-)finanzieren zu lassen?*

        Aber warum denn entweder oder? Bildung ist nunmal ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste, Fundament für das spätere Einkommen des Staates. Dort die Mittel zu beschneiden führt doch zu nichts.

  11. Erstmal danke für den Text! Danke für die Offenheit und Ehrlichkeit.
    Nur eine Frage zu deinem letzten Absatz.
    Ich bin eine Akademiker*innentochter, der daher bisher so ziemlich alles „zugefallen“ ist: Gymnasium, Auslandsjahr, Bücher, Allgemeinbildung, Informationen etc. (Geld leider weniger, da beide Eltern arbeitslos waren, aber das Wissen, wie mensch wo Geld, Förderungen und Stipendien bekommt und für Letztere wieder alle „Vorraussetzungen“).
    Mir fallen Redewendung und Fachbegriffe, wie auch Fremdwörter extrem selten auf. Ich versuche seit einiger Zeit sie bewusst zu bemerken, mir also deutlich zu machen, wo ich selber Wörter, Begriffe, Dinge, Sachverhalte, Namen etc. als selbstverständlich vorraussetze, nicht erkläre und damit mich als Norm setze und Menschen ausschließe; sei es wegen ihrer sozialen Herkunft, ihren Möglichkeiten, ihrer Muttersprache… In dem Zusammenhang habe ich angefangen, nachdem ich das im Netz gesehen und mir habe erklären lassen, RW hinter Dinge zu schreiben. Ich gehe aber einfach mal schwer davon aus, dass ich trotz Überprüfung viele RWs vergessen werde oder zwar RW schreibe, aber andere Begriffe vorraussetze.
    Du schreibst, dass dich genau das wütend macht. Ist es besser, wenn ich RW in Zukunft (wieder) auch weg lasse und dann eben im Ganzen ein Text in meinem – evtl akademisch, in jedem Fall deutsch-muttersprachlich geprägten – Tonfall rauskommt? Ich frage mich gerade, ob ich den Text jemander/m zum Lesen geben kann, die*der Deutsch nicht als Muttersprache hat und/oder evtl auch andere Sprachhindernisse (wie Begriffe etc) hat. Meine Angst ist, dass ich damit aber auch verletzen kann, wenn ich darum bitte. Das ich gar nicht mehr verletze halte ich leider nicht so schnell für möglich, weil ich klassistisch geprägt bin, aber ich möchte es so weit ich kann minimieren. Ich merke, dass es mir bisher schwer fällt, alle Privilegien zu bemerken und beim Aufdecken gerne „Hilfe“ hätte.

    • @Ravna: Ich bin ehrlich gesagt auch kein Fan davon RW zu schreiben. Es bringt doch nichts, denke ich. Jemand der den sonstigen Text versteht merkt auch, dass das eine Redewendung ist, selbst, wenn er nicht weiß, was sie bedeutet. Wenn jetzt noch der Hinweis da ist, dass es sich um eine Redewendung handelt, dann bring ihm das erst einmal… gar nichts.
      Wäre es nicht besser stattdessen zu überlegen, wie man das ganze anders ausdrücken kann, eben ohne die Redewendung zu verwenden?
      Einen Text so zu formulieren, dass ihn die meisten verstehen ist, meiner Meinung nach, viel schwieriger und anspruchsvoller als einen Text mit vielen Fachworten, Fremdworten und Schachtelsätzen zu schreiben, die nur eine handvoll Fachleute nach fünfmaligem Lesen verstehen.

    • Hi Ravna,

      ich bin froh, dass du fragst, dann kann ich das etwas deutlicher machen.

      Erstmal glaube ich dir, dass du dieses RW wirklich als hilfreich betrachtet hast und damit niemanden verletzen wolltest. Mein Eindruck bisher war jedoch, dass einige so etwas nur verwenden, um noch politisch korrekter als andere zu sein. Hiermit wird Druck aufgebaut auf alle anderen, die sich in diesen Kreisen zu ähnlichen Themen äußern wollen, entweder mitzuziehen oder als jemand dazustehen, dem die Belange diskriminierter Gruppen am Arsch vorbei geht. Dies kann und werde ich nicht hinnehmen.

      Ist sowas sinnvoll? Überleg mal: Es leben 7 Millarden Menschen auf der Welt, doch nur knapp 200 mio. davon sprechen Deutsch, nur knapp die Hälfte als Muttersprache. Mehr als 97% der Weltbevölkerung ist damit nicht fähig, deine Texte zu lesen, und nur ca. 1,5% aller Menschen teilt sich mit dir deine Muttersprache.
      Und selbst die haben nicht die gleichen Voraussetzungen wie du. Niemand auf dieser Welt hat exakt die gleichen Bücher gelesen, die gleichen Filme gesehen, mit den gleichen Leuten gelebt und geredet wie du. Mit jedem Wort, auch mit den einfachsten, verbindest du Dinge, Ereignisse und Erinnerungen, die niemand auf der ganzen Welt mit dir teilt. Das schreibe ich jetzt als angehende Germanistin. Die sogenannte lexikalische Semantik, also die Bedeutung des „Zeichens“, hier „Wortes“, ist zwar in ihrer groben Bedeutung in der Sprache vereinheitlicht (sonst könnte auch niemand miteinander reden), doch das Bild, was du vor Augen hast, wenn du beispielsweise von einem Tisch redest, ist ein anderes als das, was ich sehe, wenn ich „Tisch“ höre. Wir beide wissen, dass es sich hierbei um eine Platte mit normalerweise vier Füßen drunter handelt, auf der man arbeiten oder Sachen ablegen kann, deshalb verstehe ich, was du meinst, wenn du „Tisch“ sagst, aber trotzdem meine ich nicht exakt dasselbe.

      Das war jetzt vermutlich ein blödes Beispiel. Ich will damit sagen, dass du es niemals allen recht machen kannst. Du kannst vielleicht hinter Redewendungen weiter RW schreiben, aber damit ist nur ein Bruchteil dessen erfasst, was als Phrase mehr Bedeutung hat, als die Wörter an sich. Wenn ich schreibe: „Ich bin Arbeiterkind und das ist auch gut so!“ ist das keine Phrase im eigentlichen Sinn, aber die viele Deutsche werden die Anspielung auf den berühmten Ausspruch von Klaus Wowereit bemerken und verstehen. Jemand, der sehr gut deutsch gelernt hat, aber nicht längere Zeit in Deutschland gelebt hat, wird diese Bedeutungsebene nicht erfassen.

      Es bleiben die durchschaubaren, „normalen“ Redewendungen… „Das Gelbe vom Ei“, „nicht die Butter vom Brot nehmen lassen“, „ich versteh nur Bahnhof“ etc.pp. Über sowas kann ein Nicht-Muttersprachler schon mal stolpern. Aber ob ihm ein RW dahinter hilft? Er muss es ja doch nachschlagen, sofern er es nicht aus dem Kontext versteht. Ich glaube ganz einfach nicht, dass es Menschen gibt, die genug Deutsch verstehen, um einen Text von dir lesen und verstehen zu können, aber dann völlig hilflos sind, wenn sie auf eine Redewendung treffen. Ja, ich denke, dies ist bei vielen weniger Hilfe für Nicht-Muttersprachler_innen, sondern einfach nur ein Stück weit Selbstbeweihräucherung, ein „Ich denke sogar an Leute, die nicht gut deutsch können!“. Ohne dir damit was unterstellen zu wollen. Zumal das eben meist einhergeht mit teils hochwissenschaftlichen Inhalten, die weder die meisten Deutsche und noch weniger Nicht-Muttersprachler verstehen.

      Pumpgun schlägt unten vor, eher ganz auf Redewendungen zu verzichten. Dem stimme ich nicht zu. Wie gesagt, allein durch die Tatsache, dass du auf Deutsch schreibst schließt du über 97% aller Menschen aus. Es ist unsinnig, dich nun selbst so zu quälen und dich in deiner Ausdrucksweise zu beschränken, nur damit vielleicht 0,0000001% mehr Leute deinen Text verstehen. Dadurch wird dein Text nämlich nicht besser. Wir haben Fremdwörter nicht nur in unsere Sprache aufgenommen, weil wir hip (!) sein wollen, sondern weil sie mitunter Bedeutungslücken schließen und die Sprache damit reicher machen. Ein gleichgeschalteter Schreibstil mit beschränkten Wortschatz und knappen Sätzen, ein Neusprech im Stil von Orwells „1984“, darf nicht das Ziel sein. Das wäre der Tod jedes auch noch so kleinen literarischen Anspruchs, den viele Blogbeiträge haben. Es ist dein Blog, also schreib, wie du willst!

      Was du machen kannst ist: Auf Nachfragen von Leuten, die etwas nicht verstehen, freundlich und hilfsbereit reagieren. Damit tust du mehr als viele andere, die RW setzen und sich dabei ganz toll vorkommen.
      Auch musst du dich nicht irgendwie schämen, weil du selbst von Klassismus nicht betroffen bist. Auf keinen Fall wollte ich den Eindruck erwecken, Menschen wie du müsstet das. Es reicht mir völlig, wenn du deine Stellung reflektierst – was du ja schon gemacht hast – und halt ein bisschen darauf achtest. Halt nicht wie dieser Typ in meinem Beitrag, der einfach nicht verstehen konnte, warum ein Sprachkurs, der 1000 Euro kostet, für mich nicht in Frage kommt, obwohl der doch so günstig ist. Aber schämen brauchst du dich für gar nix.

  12. Hallo,
    ich habe mich gestern ausgehend von clara-rosa durch die Klassismus-Erfahrungsberichte geklickt, die plötzlich wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.
    Mit deinem konnte ich mich teilweise sehr gut identifizieren. Solche Situationen, wie du sie mit der Sekretärin der Studienberatung für Jura erlebt hast, kenne ich zur Genüge. Früher habe ich geglaubt, dass etwas mit mir falsch sei, weil manche Leute auf mich so reagieren. Inzwischen sage ich mir, dass es an denen liegt und wenn mir demnächst wieder einer dumm kommen sollte, werde ich mich wehren.

  13. erstmal vorraus, ich bin akademiker kind und meine eltern sind durchaus wohlhabend.
    trotzdem kenne ich viele der hier beschrieben probleme. mittlerweile lebe ich in präkären verhältnissen. ich hab ein kind, studiere immer noch und mein man hat einen echt schlecht bezahlten job.

    danke das das jetzt endlich mal angesprochen wird das es eben nicht selbstverständlich ist das man sich zu semsterbeginn mehrere kilo fachbücher kaufen kann (von gummistiefeln, kitteln und sonstigem gedöns ganz zu schweigen) und das zeit eine resource ist die nicht endlos ist.

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  17. Ich kann schon verstehen, dass es dieses Problem tatsächlich gibt (im Gegensatz zu vielen Problem der „feministischen“ Ecke, die ich in meinen bald 30 Jahren als Frau auf dieser Erde einfach nicht erlebt habe und für übertriebenen Mumpitz halte).

    Aber Klassizismus gibt es mitnichten ausschließlich bei Akademikern! Jede Klasse grenzt sich von anderen Klassen ab, ob bewusst oder unbewusst. Ich bekam das zB jedes mal zu spüren, wenn ich in den Ferien in einer Fabrik mein Taschengeld aufbesserte. Hätte ich rein finanziell als Akademikerkind in xter Generation nicht gemusst, aber da meine Eltern weise waren, zwangen sie mich sehr früh mit der Arbeitswelt in Kontakt zu treten. Meinst du die Arbeiterfrauen am Fließband haben mich mit offenen Armen empfangen? Da wird einem pauschal unterstellt sich „für etwas besseres“ zu halten, arroganz zu sein, hinterlistig, unkameradschaftlich usw. usf. SEHR stark verwurzelte Vorurteile, die sich nur sehr langsam abbauen ließen. Was meinst du, warum deine Mutter dich nicht aufs Gymnasium schickte? Vielleicht, weil sie es dir nicht zutraute, aber oftmals geschieht soetwas auch, weil die Eltern nicht wollen, dass das Kind sich von ihnen entfremdet. Sie fürchten, dass es zu „denen da“ wird und nicht mehr „ihr“ Kind. Das ist das Grundproblem, diese Menschen richten sich in ihrer Klasse ein und schotten sich ab. Anstatt zu akzeptieren, dass sie zwar Arbeiter sind ihre Kinder aber nach höherem streben zu lassen, deckeln sie diese und halte sie künstlich klein. „Du musst nicht studieren, ich habe auch nicht studiert blablabla“ Da fehlt einfach die Erkenntnis, dass mehr Bildung IMMER besser ist.

    • Da sprichst du was wichtiges an. Das sehe ich ganz genauso. Und ganz ehrlich: Den schlimmsten Klassismus habe ich innerhalb meiner eigenen Klasse erlebt. Gegen „die da oben“.

      Darüber werde ich irgendwann auch noch einen Beitrag schreiben. Ich will nicht, dass hier dasselbe passiert wie bei anderen Formen der Diskriminierung: der Glaube, dass diese nur in eine Richtung funktioniert.

  18. „Mir ist es wirklich unbegreiflich, wie solche Leute mit ihrer wirren, polemischen Krakelei eine Plattform auf einer der größten deutschen Nachrichtenseiten bekommen können! “

    Und mir ist es unbegreiflich was jemanden daran hindert einzusehen, dass „eine der größten deutschen Nachrichtenseiten “ ein rein quantitavie Aussage ist….

    • Und mir ist es unbegreiflich, was jemanden daran hindert einzusehen, dass ein Blatt oder eine Plattform mit großer Verbreitung auch 1. eine Verantwortung hat und 2. Meinungsmache im großen Stil betreibt…

      • Heisst das, sie haben öfters Probleme die real existierenden Welt zu verstehen?

      • Muss ich Kommentatoren, die mich unsäglich arrogant von der Seite anlabern, es dann aber schaffen, in einen einzigen Satz drei Fehler einzubauen, ernsthaft antworten und damit meine Zeit verschwenden?

  19. > Fremdsprachen sind definitiv nicht meine Stärke. Aber ist es ein Wunder, dass ich schlechter Englisch spreche und verstehe als Leute, die schon in der Schule ein Auslandsjahr in den USA spendiert bekamen, zwischen Schulabschluss und Uni “einfach mal chillten” und eine Backpackungtour durch Australien unternahmen und jetzt in den nächsten Semesterferien zwei Monate in Irland zelten wollen?! Und das ich aus diesem Grund jedes Mal ein kleines bisschen eskalieren könnte, wenn man mir herablassend bescheinigt, dass meine Lieblingsserie im O-Ton ja viiiel besser sei?

    Ging mir ähnlich, da hilft es sich Serien (in denen man das Englisch halbwegs versteht) auf Englisch anzuschauen, bzw Computerspiele auf Englisch zu spielen (lohnt sich bei Beidem) und man lernt dabei die Sprache.
    Untertitel sind gerade am Anfang hilfreich bei Computerspielen schalte ich die meistens ein und hab zudem ein Wörterbuch neben dem Computer stehen.

  20. Pingback: Abtreibung und Beratung. Teil 2: Ein Zwang, der eigentlich nur eine Pflicht ist und manchmal eine Chance sein kann | robins urban life stories

  21. Danke, dass du den Artikel nochmal verlinkt hast. Eine Solidaritätsumarmung von mir gibt’s auch. Bin nämlich in einer ähnlichen Situation. Fühle mich in meinem Studium wie die Quoten-Working-Class. Da es sich um einen Studiengang mit Studiengebühren handelt, überlebe ich gerade mit Studienkredit und bin grob geschätzt eine von zwei Personen, die das ganze nicht automatisch von den Eltern gesponsered bekommt. Und ich bin die einzige mit DDR-Background. Und ätzend ist auch teilweise der Altersunterschied. Nicht so krass, wie bei meinem einen Bruder, der erst mit Mitte 20 angefangen hat zu studieren, aber diese frischgewordenen 18-jährigen, die außer Schule nichts im Leben erlebt haben, sind schon bedingt erträglich.

    • Ich habe bei dir gelesen, dass du auch einen Studienkredit hast. Da lief mir direkt ein Schauder über den Rücken. Ich würde das heute NIE wieder machen, aber damals war es die einzige Möglichkeit. Es vergeht aber kein Tag, an dem ich nicht an diesen riesigen Schuldenberg denke. Hätte ich damals schon die Jobs gehabt wie heute, dann hätte ich es auch so geschafft 😦
      Ich hoffe, bei dir wächst dieser Berg nicht so hoch und du bist überhaupt zufrieden mit dem Studium. Ich habe es nicht geschafft, etwas dazu zu schreiben, aber allein deine Zimmerdeko zeigt einfach nur einen total übersprudelnden, kreativen Charakter mit unendlicher Energie. Finde ich toll. Bitte bleib so!!

      Was die Erstis angeht, hast du völlig Recht. Ich durfte dieses Jahr zum Semesterbeginn wieder ein paar bedienen und meine Güte, dass sowas überhaupt die vierte Klasse geschafft hat -.- Aber wenn die so doof sind, stichst du wenigstens noch stärker raus, hat auch seinen Vorteil 😀

      • Ach naja, da hilft es ein impulsiver, nicht auf Langzeit fokussierter Mensch zu sein. *lach* Naja, mir war ehrlich gesagt von Anfang an klar, dass ich in der beruflichen Richtung eh sehr von Glück und Wohlwollen der Mitmenschen abhängig bin und die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass ich unter der Brücke landen werde. Bis dahin lach ich mir dann auch noch ne schicke Drogensucht oder so an.

        Bisher ist das Studium ein auf thematische eine interessante Achterbahnfahrt. Manche Wochen sind furchtbar, andere genial. Nur von den anderen Studenten bin ich ein wenig enttäuscht, da ich ein bisschen gehofft habe, endlich mal jemanden zu treffen, der in dem Bereich genauso viel Leidenschaft mitbringt. Oder mit dem man eine fesche künstlerische Allianz eingehen könne. So wie Patti Smith und Robert Mapplethorpe. Oder Noel Fielding und Julian Barrett etc…

        Das freut mich sehr zu hören. Ich versuche mein Bestes, dass das so bleibt.^^

        Oh maaan, ich versuche mich immer von unnötigen Wutanfällen abzulenken und denke einfach nur noch „Drehbuchfutter…alles Drehbuchfutter…einfach hinnehmen und in irgendwas verwursten.“.
        Ich musste einem erklären, wer die Beastie Boys sind. Das hat mich sehr traurig gemacht.

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