too old to die young…

… bin ich ja jetzt offiziell seit diesem Monat. Das frisst mehr an mir, als ich mit Worten beschreiben und zugeben will und als Außenstehende mir glauben würden!

Aber ich habe auch gute Tage, da erinnere ich mich daran, dass man nur so alt ist, wie man sich fühlt. Sehr gut! Ich fühle mich oft wie zwölf. Das ist ganz angenehm. Außerdem hilft es, sich im Alter mit der Jugend zu umgeben und auch das passt: Die meisten meiner Freunde sind jünger als ich!

Eine dieser Freundinnen, eine der neusten (und jüngsten) ist meine Kollegin Johanna. Sie ist cool, quirlig und scheint mich ein bisschen zu bewundern. Jedenfalls lacht sie über jeden noch so lahmen Spruch von mir.
Okay, ich habe kürzlich festgestellt, dass sie tatsächlich meistens nicht über das lacht, WAS ich sage, sondern darüber, WIE ich es sage, sprich: über meinen Dialekt. Aber wer will schon anspruchsvoll sein, Hauptsache ich mache sie glücklich!

Jedenfalls war sie wie so häufig Gast in unserer Kneipe, während ich arbeitete. Als ich meine Schicht dann beendete und das Zepter an Peggy weitergab, setzte ich mich zu ihr und ihren Freunden und trank mit ihnen mit. Es war der reinste Jungbrunnen: Lauter glatte, frische Gesichter! Die meisten waren um die 21.

Als diese muntere Truppe zu Johanna nach Hause ziehen wollte, zog ich bereitwillig mit. Es war zwar schon vier Uhr und ich entsprechend müde, aber ich wollte mir keine Blöße geben.
Wir ließen uns in ihrer WG in der Küche nieder, Bier kam auf den Tisch und der Laptop mit Musik wurde gestartet.

Und hier fing es an, richtig schlimm zu werden. Nein, das hatte nichts mit der Musik zu tun. Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass Elektro offensichtlich in jeder Subkultur salonfähig geworden ist, statt dass man dieses Genre mit der Verachtung straft, die ihm gebührt. Sei es drum. Ich kann mich an vieles gewöhnen. Aber nichts bereitete mich auf den Schock vor, den ich schließlich in dieser Nacht noch erleiden sollte.

Ich hatte einen guten Blick auf die iTunes-Liste, als ein neuer Song begann, und zwar von einer Band namens „Captain Planet“. Ich las den Namen mit freudiger Überraschung. „Haha, geil, Captain Planet! Die Serie hab ich geliebt!“

Johanna sah mich mit unschuldig-runden Augen an. „Serie?“

„Na… Captain Planet!“

Inzwischen war auch der Rest der Bagage auf mich aufmerksam geworden. In jedem Gesicht spiegelte sich das gleiche Unverständnis, dass auch Johanna an den Tag legte.

Und als mir klar wurde, was das bedeute, fiel mir MEIN Gesicht runter. „Ihr… ihr kennt Captain Planet nicht?“

Allgemeines Kopfschütteln. Das ist doch unfasslich! Nein, das kann ich nicht glauben!

„Ihr müsst doch Captain Planet kennen! Mit den Zauberringen?! Erde, Feuer, Wind, Wasser, Liebe?! Captain Planet, Held der Erde – kämpft, damit die Umwelt sauber werde?!“

Diese verdammten Kinder schienen immer irritierter. Das darf doch nicht wahr sein!!

„Kampf den miesen Umweltsündern – diesen Schurken, die die Erde plündern?!?!?!?!“

Verhaltenes Kichern wurde laut. Grmpf. Okay, das Outro IST albern, aber niemand lacht über Captain Planet! Die Serie lehrte mich erstmals, dass es sowas wie Umweltverschmutzung überhaupt gibt! Nur wegen Captain Planet löschte ich schon als Sechsjährige immer das Licht, wenn ich einen Raum verließ! Und mein ganzes Taschengeld steckte ich in Kaugummiautomaten, nur damit ich vielleicht einen Ring kriege, der so ähnlich aussieht wie einer von denen vom Planetenteam! Das sind Werte, Mann!!

Keiner von denen kannte Captain Planet. Das ist die Wahrheit. Die traurige, herzzerfressende, unglaubliche Wahrheit. Und ich schrumpelte auf meinem Stuhl zusammen.
„Captain Planet… der hatte die gleiche deutsche Synchrostimme wie Clark in Die Abenteuer von Lois und Clark… das war auch so ne tolle Serie…“ murmelte ich ermattet.

Ein Kumpel von Johanna musterte mich von oben bis unten. „Die Abenteuer von WAS?“

!!!

Es half nichts. Ich täuschte Müdigkeit vor, verabschiedete mich und ging. Nein, das war nicht übertrieben. Überhaupt nicht. Es gibt Dinge, die sind nicht diskutabel.

Ach, übrigens: Das Original:

Die schlimme, schlimme Fälschung (von der ich niemals zugeben würde, dass sie irgendwie ganz cool ist):

Übrigens hat Johanna noch niemals Zurück in die Zukunft gesehen. Ist das zu fassen?! Als ich das hörte, bekam ich einen Schock, der mich vermutlich ein Jahr meines Lebens gekostet hat.

Das geht wirklich gar nicht. Deshalb hab ich angeleiert, dass wir uns demnächst mit ein paar Kumpels die komplette Trilogie ansehen und dabei vielleicht noch Sandwichs essen werden. Also… Sandwichs. How I met your mother-Style.

Und jetzt melde sich doch bitte einer meiner etwas älteren Leser und sage mir, dass er diese Anspielung nicht verstanden hat. Dann würde ich mich wirklich besser fühlen!

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