Heroes and Bastards

Ich glaube, wenn es eines gibt, was sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben zieht, dann ist es meine völlige Faszination für Helden. Mein nerdiges Superhelden-Fantum ist da ja nur die Spitze des Eisberges. Seit jeher bewundere ich Menschen, die für andere ihr Leben riskiert haben, für eine gute Sache einstanden, selbst gegen den Strom, oder ganz einfach für Gerechtigkeit kämpfen.

Aus diesem Grund wäre ich wahnsinnig gern Polizistin geworden. Also so richtig Mordkommission oder ähnliches, jedenfalls nicht Streife. Ich glaube, das hätte ich gut gekonnt. Ich habe reichlich Phantasie, ein super Gedächtnis und kann logisch genug denken, um auch noch den abwegigsten Tathergang rekonstruieren zu können.

Drei Dinge haben mich davon abgehalten:

– meine Depression (obwohl ich das sogar eher positiv auslegen würde… ich weiß, wann ich die Reißleine ziehen muss, daher kann mir eines der größten Probleme von Polizisten – Burnout – nicht passieren. Viele andere Leute, die noch nie psychische Probleme hatten, wissen das nicht.)
– meine Heimatverbundenheit (in meinen Dorf ist in 30 Jahren EIN Mord passiert… und im Umland sieht es ähnlich aus. Wenn ich was „interessantes“ hätte machen wollen, wäre ein Umzug unumgänglich gewesen – in eine furchtbare, riesige Großstadt. Kann ich nicht, will ich nicht.)
– meine Unsportlichkeit (ich hätte im Leben nicht die Sportprüfung bestanden. Tja.)

Und jetzt ist es zu spät, ich bin zu alt. Das ist schade. Ich war immer der Meinung, Polizist wird man aus Überzeugung, um zu dienen und zu schützen. Das ist ein amerikanisches Motto, aber ich glaubte, im Prinzip würde das auf alle Polizisten zutreffen. Und genau deshalb könnte ich einfach nur aufplatzen, wenn ich eine Story wie diese lese.

Da wird eine Frau auf übelste Weise von kranken Perversen bedroht und beleidigt und tut genau das, was man in diesem Fall tun sollte, was sich aber nur wenige trauen: Anzeige erstatten.
An zuständiger Stelle wird sie erstmal mit geballter Inkompetenz belästigt. Ich meine, ich bin längst nicht so internetaffin, wie ich es gerne wäre und halte es für keine Schande, nicht zu wissen, was ein Blog oder Twitter ist… ABER DOCH NICHT ALS FACHFRAU. Wie kann so jemand in der Abteilung „Internetkriminalität“ sitzen?!
So weit, so unbefriedigend, aber noch im Rahmen. Gestern nun wird die selbe Frau unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Präsidium geladen, was sie freut, denn sie glaubt, es gäbe was neues wegen ihrer Anzeige. Stattdessen wird sie dort damit konfrontiert, dass SIE jetzt diejenige ist, gegen die ermittelt wird, wegen „Verbreitung von Pornographie“. Wohlgemerkt, das ist ein Straftatbestand, der, sofern er durch ein Gericht bestätigt wird, das weitere Leben in empfindlicher Weise versauen kann! Und das wegen EINES Bildes, auf dem ganz verschwommen Fellatio zu sehen war.
Der Rest ist einfach nur unfassbar. Ohne Belehrung ihrer Rechte, ohne Anwalt muss Aurelie Fingerabdrücke abgeben, wird fast noch zu einer DNA-Probe verdonnert und schlicht und ergreifend behandelt wie eine Schwerverbrecherin.

Nun bin ich ja leider keine Polizistin geworden, aber wenn sich der Sachverhalt so abgespielt hat, wie sie das schildert, klingen bei mir alle Alarmglocken. Das kann SO auf gar keinen Fall richtig und RECHT sein! Ich bin kein großer Fan von Pornographie, vor allem nicht in Reichweite von Minderjährigen, aber es ist doch absolut lächerlich, gegen eine harmlose Blogbetreiberin wegen EINES

verschwommenen Fotos auf diese Weise vorzugehen, während man gleichzeitig auf diversen Seiten wie youporn etc. völlig freien Zugriff auf die allerexplizitesten, abartigsten Sexpraktiken in Videoform hat – Dinge, die selbst mich als Erwachsene verstören!! Und ein Irrer, der ihr Bilder von verstümmelten FRAUENLEICHEN schickt, ist angeblich nicht ermittelbar! Sorry, aber WAS ist wohl gefährlicher für die Allgemeinheit!?

Die ganze Story könnt ihr in Aurelies Blog lesen und sofern ihr es nicht schon getan habt, teilt ihren Beitrag auf Twitter oder Facebook oder macht sonst, was in eurer Macht steht, um diese Absurdität weiter publik zu machen.

Ich bin im Allgemeinen etwas vorsichtig mit sowas. Ich kenne Aurelie nicht persönlich (bisschen gestritten haben wir aber schon ^^), wie wohl die wenigsten. Sie könnte im Grunde sonstwas erzählen, überprüfen können wir das nicht. Aber WENN das stimmt, bin ich einfach nur so richtig, richtig angepisst und stinksauer!
Polizisten sind meine Helden. acab2Vielleicht nur ganz kleine, aber jedenfalls solche,
die den Schutz von Schwachen und Rechtlosen zu ihrem Lebensunterhalt
gemacht haben. Genau deshalb enttäuscht mich sowas einfach unglaublich. Ich hatte eine ziemliche Punkphase als Teenager, aber, so wenig das auch passen mag, vor der Polizei hatte ich immer Respekt. All Cops Are Bastards? Nee, der Meinung war ich nie.

Aber sowas erschüttert meinen Glauben an die Gerechtigkeit gewaltig. Und wenn ich sowas lese, erinnere ich mich plötzlich wieder an diesen einen Typen, den ich während eines Praktikums kennen gelernt habe, den einzigen Menschen, dem ich je begegnet bin, den ich für einen waschechten Soziopathen halte. Und dieser Typ wollte – Polizist werden.
Ich weiß nicht, was er heute macht, aber unserem Land zuliebe hoffe ich, dass er seinen Berufswunsch niemals in die Tat umgesetzt hat. Und der Menschheit zuliebe hoffe ich, dass er einen schlimmen Unfall hatte und verreckt ist. Denn er war böse. Die Welt ist besser ohne ihn dran.

Ich hoffe weiter, dass die meisten Leute, die Uniform tragen, gute, anständige Menschen sind, die mit einem zufriedenen Gefühl ins Bett gehen, wenn sie jemanden geholfen haben, und die nicht schlafen können, wenn es eine Ungerechtigkeit gab, gegen die sie machtlos waren.

Für den Rest sind wir da. Das Volk, die vierte Gewalt im Staat. Also teilt Aurelies Geschichte, aber teilt sie nicht nur, weil die Reaktion völlig überzogen und in Anbetracht der vorherigen Vorkommnisse absolut unfair war, sondern teilt sie, um bürokratiehörigen Schreibtischtätern mit Allmachtsphantasien mal so richtig auf den Tisch zu kacken und ihnen zu zeigen: So nicht!!