KiddySerienSpecial! – Teil 3: Cartoon All-Stars to the Rescue

Hierbei handelt es sich nicht um eine Serie, sondern einen Film, aber aufgrund der großen Verbreitung dieses Machwerks und den darin enthaltenen Referenzen auf unzählige Cartoonfiguren möchte ich ihn hier dennoch vorstellen. Zudem ist der Film wirklich so großartig, dass ihn jeder sehen sollte.

Und das war Ironie.

Bei Cartoon All-Stars to the Rescue (deutsch Comic-Stars gegen Drogen) handelt es sich um einen PropagandaAufklärungs-Film aus dem Jahre 1990, mit dem Kinder vor den Gefahren des Drogenkonsums gewarnt werden sollten. In Auftrag gegeben wurde er von der Ronald-McDonald-Kinderhilfe (rofl) und autorisiert von der damaligen amerikanischen First Lady Barbara Bush.

Handlung: Michael kifft!!!einself Deutlich wird, wie sehr er im Drogensumpf steckt, als seine kleine Schwester Connie merkt, dass er ihr Sparschwein geklaut hat. Daraufhin erwachen sämtliche Plüschtiere, Lampen, Bilder etc. von Connie (die mehr Merchandising besitzt als Sheldon, Howard, Leonard und Raj zusammen) zum Leben und beschließen besorgt, Michael die negativen Folgen seiner Sucht nahe zu bringen. Gleichzeitig wird dieser von einer diabolischen Figur, die sich aus seinem Kiffrauch gebildet hat, ständig dazu ermuntert, noch mehr Drogen auszuprobieren, weil das ja so cool ist. Die Cartoon All-Stars (darunter Alf (ja, von dem gabs auch mal eine Zeichentrickserie), Alvin und die Chipmunks, Slimer von Ghostbusters, die Looney Toons, die Muppet Babys, die Schlümpfe, Winnie Puh, Tick, Trick und Track etc.) nehmen den Kampf auf!

Ich war fünf Jahre alt, als dieser Film im Fernsehen ausgestrahlt wurde (fast zeitgleich auf fast allen Sendern, damit auch nur ja jedes Kind ihn sehen kann). Ich freute mich drauf, weil Michelangelo von den Turtles auch mitspielte. Meine Eltern unterstützten dies und so saß ich eines Sonntags nach der Kirche vor dem Fernseher und sah mir diesen Film an. Danach war ich natürlich der Ansicht, dass Drogen etwas ganz furchtbar schlimmes sind.
Es hat fast 20 Jahre gedauert, bis ich den Film wieder zu Gesicht bekam, denn Jim Davis, der Erfinder von Garfield, war überhaupt nicht amused darüber, dass man seine Figur verwendet hat, ohne überhaupt zu fragen, weshalb der Film danach nicht mehr gezeigt werden durfte.

Was für ein Arschloch, könnte man jetzt denken. Ist doch für eine gute Sache, sowas boykottiert man doch nicht!

Das sprichwörtliche Teufelchen auf der Schulter und ein potentielles Drogenopfer.

Das sprichwörtliche Teufelchen auf der Schulter und ein potentielles Drogenopfer.

Tja, ich finde, der Mann hat Recht. Dieser Film ist der größte Haufen Scheiße, der je animiert worden ist. Ich halte überhaupt nichts davon, Drogen auf diese Weise zu dämonisieren und die absolute Lächerlichkeit, so zu tun, als würden Dealer und falsche Freunde, die es gar nicht erwarten können, einem eine Spritze in den Arm zu rammen, wenn man mal gerade nicht hinsieht, an jeder Ecke lauern, womit tatsächlich schon Sechsjährige von diesem Übel bedroht sind, muss ich wohl kaum betonen. Leider ist genau dies das forcierte Zielpublikum gewesen: Kinder zwischen 3 und 13, Menschen halt, die Cartoonhelden lieben und auf sie hören.
Das passiert, wenn man kifft!!!einself

Das passiert, wenn man kifft!!!einself


Der Bildungsauftrag geht dann wirklich so dermaßen voll in die Fresse, die Schwarz-Weiß-Malerei ist kaum zu übertreffen: Jeder Zug an einem Tütchen wird früher oder später unweigerlich zum frühen Drogentod führen und das Leben davor ist höllenartiger als alles, was sich Kinder in diesem Alter überhaupt vorstellen können. Alles klar!

Tatsächlich ist Michael maximal fünfzehn Jahre alt (ich schätze sogar eher dreizehn) und seine Schwester, die fast auch noch zum Kiffen verleitet wird, maximal acht Jahre. Eher aber fünf oder sechs. Kinder in diesem Alter nehmen keine Drogen und ältere Minderjährige werden sich von so einem Film nicht beeindrucken lassen. Ein Film, in dem der einzige genannte Grund, Drogen zu nehmen, sogenannte falsche Freunde sind. Mit keiner Silbe werden die Eltern zur Verantwortung gezogen oder vielleicht mal gemutmaßt, dass Jugendliche, die schon sehr früh (<14) zu Drogen greifen, das vielleicht tun, weil sie vernachlässigt werden und ein wirklich beschissenes Leben haben. Aber das wäre ja auch viiiel zu differenziert und kompliziert. Lieber konstruieren wir ein glasklares Feindbild, sprich, „böse“ Teenager, die so verrückte Sachen machen wie Lederjacken tragen (!!!) oder sowas und die kein anderes Ziel haben, als andere, brave Kinder in ihren Sumpf mit hinein zu ziehen.
Drogenprävention ist wichtig, aber nicht zu erreichen mit dämlichen Sprüchen wie „Nimmst du Drogen, wirst du betrogen“ oder die altbekannte Anklage „Wenn alle anderen von einer Klippe springen, springst du dann auch?!“, selbst wenn diese von Bugs Bunny kommt (sic). Jugendliche sind nämlich nicht blöd und merken, wenn jemand, der mit ihnen über Drogen redet, 1. keine Ahnung hat bzw. 2. nur den Teufel an die Wand malen will – gerade in Zeiten wie heute, in denen jeder durch einfaches googlen die ganzen Lügen entlarven kann und es sogar offene Drogenforen mit Erfahrungsberichten zu jeder möglichen Substanz gibt.

Der Film ist daher auf gar keinen Fall für Kinder geeignet und nur als äußerst hirnverbrannter Bad-Taste-Nostalgie-Movie nutzbar. Als solcher lege ich ihn euch gerne ans Herz, denn er ist so dämlich, dass er schon wieder lustig ist. Wie gesagt darf er nicht mehr ausgestrahlt werden und hat es auch nie als Video in den deutschen Handel geschafft, aber youtube bietet natürlich wieder mal alles. Kuckt ihn euch an! Er dauert auch nur knapp ne halbe Stunde – und es wird sogar gesungen. Ui!

15 Gedanken zu “KiddySerienSpecial! – Teil 3: Cartoon All-Stars to the Rescue

  1. Nooooiiiiin, dieser Film muss ja absolut großartig (also im negativen Sinne) sein und ich kenn ihn nicht :O Das muss ich dringend nachholen! Es kann ja auch nicht schaden, im Erwachsenenalter noch mal zu hören, was einem mit Drogen so passieren kann und dieser Film scheint es ja gut differenziert zu erklären ;D

    • Ja, auf jeden Fall musst du dir den ankucken (JETZT :mrgreen:)!

      Beachte bitte, was „Kiffer“ Michael alles in seinem Drogenkästchen hat, wenn es am Ende auf den Boden fliegt…

      • Ich habe nie einen aufschlussreicheren Film gesehen. Er war solide recherchiert, für Kinder gut aufbereitet und hat mir das Gefühl gegeben, selbst heute noch etwas zu lernen. Nicht.
        Alter Schwede ist das ein Scheiß. Die Idee zu so einem Film ist ja okay aber die Umsetzung… Da wird man doch renitent und fängt erst recht an. Und der Micha hatte Spritzen in seinem Köfferchen, weil er Diabetiker ist. xD

      • Jetzt hatte ich ganz kurz Angst:mrgreen:

        Meine Lieblingsszenen waren: „Au ja – CRACK! Cool!“ und „Michael, das MUSST du probieren!“

        Nee, das ist doch reine Panikmache, so früh mit der Drogenprävention anzufangen. Und später kann man es dann etwas differenzierter erklären. Darauf freue ich mich schon. Die Kinder hatten sicher noch nie eine Lehrerin, die tatsächlich mal ein Drogenrehazentrum von innen gesehen und echte Junkies kennengelernt hat (als Praktikantin!!!).

      • Ja, das stimmt, es ist auf jeden Fall zu früh dafür. Zumal ich denke, das Kinder im Alter von 6 noch andere Probleme als Drogen haben. Aber so schieben so von klein auf Paranoia.
        Und mein Liebling war: „Wenn ich 10$ hätte, könnte ich uns Crack besorgen.“ Und: „Wenn ich das Gleiche wie Michael mache, können wir wieder Freunde sein.“ Und wenn ich dann das Ronald McDonald Kinderhilfe-Logo sehe und mir diesen gruseligen Clown vorstelle, wie er Hand und Hand mit einem Kind über die Straße geht, bekomm ich auch keine Schutzgedanken…im Gegenteil. Ronald ist gruselig ><

        Irgendwie ist das alles ganz schön halbseiden und einen wirklich pädagogischen Inhalt kann man da wohl generell nicht erwarten.

        Und jaa, das ist viel cooler, als wenn Bugs Bunny dir singt, du sollst nein sagen😀

      • Dieses Lied ist eh am geilsten. „Es ist vielleicht taktlos, einfach so nein zu sagen, also hier ein paar Ausreden…“

        Also ich möchte ja mein Kind später so erziehen, dass es bei sowas ganz unhöflich nein sagt und nicht irgendwelche Entschuldigungen sucht. Und wenn seine Freunde das nicht akzeptieren, soll es merken, dass sowas dann Scheißfreunde sind und sich neue suchen.

        Bin ich vielleicht ganz besonders radikal?

  2. Da drängen sich aber mächtig viele Dinge auf, die ich gerne loswerden würde, nachdem ich dieses lehrreiche (*hust*) Video angeschaut habe:
    – Woher weiß der Chipmunk, wie Marihuana riecht?
    – Wenn ich abends in einer Großstadt sprechende Comichasen sehen würde, sollte ich mir vielleicht mal Gedanken machen …
    – Wenn dann ein übergewichtiger Pelzbär einen auf moralisch macht und auch reden kann, dann kann ich mir das Geld für Drogen doch eigentlich sparen – einen besseren Trip verschafft einem LSD doch auch nicht, oder?
    – Die Ankündigung einer Sau und eines Frosches, dass sie Sex haben werden („fährt Kermit mit mir in den Liebestunnel“), würde nicht gerade dazu beitragen, clean werden zu wollen!
    – Singende Enten, deren Stimmen auch so klingen, als hätten sie die eine oder andere verbotene Substanz inhaliert …
    – Wieso spielen sich eigentlich Katzen fressende Außerirdische als moralische Instanz in Sachen Drogenkonsum auf?
    – Natürlich enden ALLE Drogenkarrieren mit dem Spruch: „Komm, Schwesterchen, wir sagen es Mami und Papi“ – weil ja alle Drogenkonsumenten eine heile Familie mit Mami und Papi und blondem Schwesterli haben …

    Mann, und ich hab mal große Stücke auf Annemarie Renger gehalten …

    • Ach Mann, das heißt wohl, du wirst den Film nicht deinen Schülern zeigen und mich mit diesem pädagogischen Tipp lobend erwähnen😦 *schnüff*

      „- Woher weiß der Chipmunk, wie Marihuana riecht?“

      Das ist Simon, der weiß alles. Hast du nicht seine Brille gesehen?! *schnauf*

      „- Wenn dann ein übergewichtiger Pelzbär einen auf moralisch macht und auch reden kann, dann kann ich mir das Geld für Drogen doch eigentlich sparen – einen besseren Trip verschafft einem LSD doch auch nicht, oder?“

      Als bekannter Honigjunkie sollte er sich eh zurück halten!

      „- Natürlich enden ALLE Drogenkarrieren mit dem Spruch: “Komm, Schwesterchen, wir sagen es Mami und Papi” – weil ja alle Drogenkonsumenten eine heile Familie mit Mami und Papi und blondem Schwesterli haben …“

      Ja, ne? Ich hab mir immer vorgestellt: „Mann, jetzt kriegt der Bub mal so richtig den Arsch aufgerissen!“
      Diese ganze Familie wird also so ekelhaft supermega intakt dargestellt, da fragt man sich fast, ob Michael nicht mit kiffen anfangen musste, um dieser Harmoniesucht zu entgehen o.O

      • Ah so, Simon ist eine Art Chipnerd?

        Übrigens begebe ich mich morgen mitsamt einer Horde pubertierender Achtklässler auf Drogenpräventionsfahrt. Vielleicht sollte ich das mit dem lehrreichen Filmchen doch in Erwägung ziehen.
        Hat sicher eine Riesenwirkung, so pädadingsisch. Die Monster sehen das und werden daraufhin NIEMALSNIENICHT zu Drogen greifen, weil sie einfach überzeugt und fürchterlich ergriffen sind von Brüderli, Schwesterli, Mamili und Papili. Hm …

      • Jap, Simon war voll der Nerd!

        Da bin ich mal gespannt, wie so eine Drogenpräventionsfahrt aussieht. Wird hoffentlich davon berichtet.
        In der Drogenklinik, in der ich Praktikum hatte, konnten auch Schulklassen anreisen, sich alles ansehen und hatten dann Gelegenheit, mit einem Klienten zu reden und ihm Fragen zu stellen. Ich finde, das ist am effektivsten.

  3. Als Mutter kann ich das natürlich nicht ganz so lustig finden. Ist schon eine großer Teil in einer Mutter der versucht, KInder auch gleich so zu erziehen, dass Drogen kein Thema für die Kinder sind. Leider hat da noch niemand ein Rezept gefunden. Ich hoffe mal, dass ich es bei meinen Kindern nicht ganz verkehrt mache. LG

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