KiddySerienSpecial! – Teil 5: Mila Superstar

Animes mit Sportthemen haben ebenfalls Tradition. Meist verfolgt man dabei den Weg eines Underdogs mit großen Talent an die Spitze des sportlichen Erfolges. Beispielhaft für diese Serien soll Mila Superstar stehen.

Die gute Mila lief damals ab ’93 immer mittags auf RTL2 beim Vampy (wer kennt ihn noch? :mrgreen:).

Ich war ein großer Fan und habe vermutlich fast alle Folgen gesehen. Natürlich habe ich nur dadurch angefangen, Volleyball zu spielen (oder das, was ich dafür hielt), ein Sport, der mir davor noch völlig unbekannt gewesen war.

Mila ist aus meiner Kindheit fast nicht wegzudenken. Daher hat mich fast der Schlag getroffen, als ich mir vor ein paar Jahren nach langer, langer Pause mal wieder eine Folge ansah.

Mir ist früher nie aufgefallen, wie… wie krass diese Serie ist! Dazu fällt mir nur ein Wort ein: menschenverachtend! Die Trainingsmethoden sind die reinste Folter und auch Mila selbst… das Mädchen hat so dermaßen einen an der Waffel!

„Mila kann lachen wie die Sonne überm Fujiyama“ heißt es im Intro. Das ist schonmal Unsinn: Die Frau hat so gut wie nie gelacht, dafür aber wahnsinnig viel gejammert. Ihr gesamtes Leben besteht nur aus Sport und Disziplin – und dafür opfert sie praktisch ALLES.
Ungefähr in der Mitte der Serie hat ihr Freund einen Autounfall, während sie gerade mitten in einem Spiel ist. Sie bekommt eine Nachricht und soll ins Krankenhaus, um ihn noch einmal zu sehen, bevor es zu spät ist. Aber was macht man da als gute Leistungssportlerin? Man spielt erst das beschissene Match zuende! War ja auch wichtig, es ging um die Meisterschaft! Und letztendlich stirbt ihr Freund dann auch, ohne dass sie sich von ihm verabschieden konnte.

„Äääh, OKAY!?“ kann man jetzt denken, aber es wird noch schlimmer. Weil sie sich bemüht, das Spiel schnell zuende zu bringen (immerhin…), gleichzeitig aber etwas abwesend ist, schafft sie etwas unglaubliches: Ihr Schmetterball verschwindet einfach, so dass die Gegnerinnen ihn nicht sehen und damit natürlich auch nicht annehmen können. Damit ist das Spiel gewonnen und sie kann ins Krankenhaus, aber halt zu spät.
Der unsichtbare Ball, so wird später erklärt, resultierte aus einer physischen Besonderheit: Jeder Mensch hat einen blinden Fleck im Auge und wenn der Ball (äh, also, das Bild vom Ball) da reinfliegt, verschwindet er. Den blinden Fleck gibts zwar wirklich, aber es ist natürlich absoluter Schwachsinn, dass sich der Ball für JEDEN, also jede Gegnerin, jeden Zuschauer und sogar für Mila selbst einfach scheinbar in Luft auflöst, weil natürlich jeder einen anderen Blickwinkel hat.
Naja, trotzdem, lassen wir das mal so stehen: Man kann Bälle zum Verschwinden bringen, wenn man diesen Punkt trifft. Nach dem Spiel muss das natürlich nochmal ausprobiert werden, weil das ja voll der Specialtrick ist, aber was glaubt ihr, wie das gemacht wird? Ganz einfach: Der Trainer verlangt von den Mädchen, sich genauso zu stellen wie in dem Spiel und sich wieder gedanklich-emotional exakt in die Situation dieses Spiels hinein zu denken.
Das muss man sich mal reinziehen: Mila dachte zu diesem Zeitpunkt an ihren sterbenden Freund und dieses Arschloch verlangt von ihr, die Situation nochmal nachzuspielen?!

Eine Folge später sagt ihre beste Freundin (!!) ihr dann noch, sie solle endlich (!!) aufhören wegen des Todes ihres Freundes zu jammern. Ähm, ja, sehr empathisch!

Die Trainingsmethoden waren auch immer allerliebst: Da wurde gejoggt, bis die Mädchen zusammenbrechen, die Handgelenke mit Ketten umwickelt, damit jede Annahme auch nur ja noch ein bisschen mehr weh tut als ohnehin schon und wenn mal wieder jemand nicht spurt oder einfach völlig erschöpft zu Boden sinkt, gibts noch einen Ball voll in die Fresse. Klasse!

Das wäre alles noch okay, wenn die Bewertung dieser Methoden nicht so fragwürdig wäre. Aber leider ist es so, dass die Serie immer nur den Eindruck vermittelt, sowas wäre zwar hart, aber zielführend, und wer da nicht mithalten kann, hat einfach nicht genug Ehrgeiz!

Das ist ein Leistungsstreben, das im asiatischen Raum und in der japanischen Mentalität ja sehr verbreitet zu sein scheint, aber ich finde das einfach nur krank. Leider erreicht Mila dann auch noch tatsächlich ihr Endziel, nämlich bei der Weltmeisterschaft zur besten Angriffsspielerin der Welt gewählt zu werden. Dafür musste sie ja auch nur ihre Freizeit, ihre schulische Laufbahn, ihre Liebe und ihr gesamtes Leben opfern. Was für ein Vorbild!

Daher bin ich wirklich unschlüssig, ob man so eine Serie Kindern überhaupt zumuten kann. Ich finde sowas jedenfalls wesentlich bedenklicher als ein paar grüne Schildkrötenninjas. Geschadet hat es mir zwar nicht, aber man kann ja nie wissen.

Für mich persönlich ist die Serie daher in der rückblickenden Bewertung einfach nur ein Megafail, egal wie gerne ich sie damals gekuckt habe.

14 Gedanken zu “KiddySerienSpecial! – Teil 5: Mila Superstar

  1. Ich habe die Serie früher auch total gerne geguckt. Aber hart war es schon. Aber als Kind denkt man ja nicht drüber nach.

  2. Naja, ich find man muss zum einen beachten, aus welchem Jahr die Serie stammt.

    Zum anderen geht es vielleicht auch darum, egal wie hart das Training ist, es durchzustehen.
    Naja, ich will nicht sagen dass das etwas für jeden ist, nur man sollte sich bewusst sein: wenn man „Erfolg“ haben will, muss man voll und ganz dahinter stehen. So’n bisschen Erfolg geht nicht. Und vielleicht soll das mit den Ketten am Handgelenk vielleicht soweit „abhärten“ (erm…naja… abstumpfen), dass man im Spiel, wenn es drauf ankommt, dann sehr viel robuster ist und nicht gleich vor Schmerzen umfällt.

    Das soll nicht heißen dass ich diese Methoden für generell gutheißen würde, aber es ist bekannt dass man an den stärksten Hürden leider immernoch am meisten wachsen kann.

    Ich könnte mir auch vorstellen dass die Serie denen Mut machen kann, die vielleicht in anderen schwierigen Situationen stecken (also nicht unbedingt Sportlich, sondern andere emotional oder körperlich schmerzende Situationen), aus denen sie nicht herauskommen.

    Bei sehr vielen Animes gehts ja auch darum, nicht den Kopf in den Sand zu stecken sondern Schwierigkeiten als Gegebenheiten anzunehmen, als Chance über den eigenen Schatten zu springen.
    Es kann immer im Leben zu Situationen kommen, in denen man Durchhaltekraft braucht, die muss man aber auch trainieren.
    Ich glaube heutzutage lernen nicht wenige, dass man Probleme am besten ignoriert, passiv aushält, mit Geld bekämpft, oder „sowieso nicht ändern kann“ (also resigniert). Animes werden das sicher nicht ändern, vor allem weil man da genau so plump und verblendet glauben kann „wird eh alles schon werden“ und passiv erträgt mit der Hoffnung, dass irgendwann der „Heilsbringer“ kommt und einen erlöst.

    (Okay, eine etwas blöde Überleitung zu „abendländischem Glauben“😉 )

    Das heißt: Ich denke nicht dass die meisten Kinder/Jugendlichen das genau so sehen, die reflektieren das nicht auf diesen Ebenen. Diejenigen mit der Serie ganz alleine zu lassen wird sicher nicht helfen.
    Da braucht es immernoch Eltern die das Ganze vielleicht auch hinterfragen, statt dass man die Kinder damit berieseln lässt.

    Naja….was sagen Eltern zu Mila Superstar…😀
    Meine Mutter hat das damals immer nur gehört, aber nicht gesehen, und fand das ganze Gestöne einfach nur schrecklich.😀

    • Sorry, aber Ketten um die Handgelenke und damit Bälle annehmen härtet nicht ab, sondern führt höchstens dazu, dass man sie sich bricht. Ich hatte später dann auch in der Schule Volleyball gehabt und noch etwas später an der Uni Volleyball gespielt und allein von dem „normalen“ Spielen hatte ich oft richtig dick geschwollene Handgelenke.

      Ich finds gut, sich durchzubeißen und nicht direkt aufzugeben und ja, um richtig mega erfolgreich zu sein sind Entbehrungen und Ehrgeiz nötig, aber sowas geht einfach gar nicht… Vor allem gings ja immer noch nur um Sport und nicht darum, ein Heilmittel für Krebs zu finden. Und ein liebes Wort ab und an kann bei einer Jugendmannschaft auch nicht schaden.

  3. Mila hab ich damals auch unheimlich gerne geguckt! Und mit Volleyball anfangen wollte ich auch, das ging nur nicht, weil der nächste Sportverein, der Volleyball angeboten hat, gute 40km von meinem Heimatdorf entfernt war. Als wir dann in der 7. Klasse im Sportunterricht Volleyball spielen mussten, hab ich es aus tiefstem Herzen gehasst … war überhaupt nicht meins.

    Mir geht’s da aber auch wie dir, als ich die Serie vor zwei, drei Jahren noch mal geschaut hab, war ich überrascht, dass meine Mutter mir erlaubt hat, Mila zu gucken. Ich find’s ja auch krass, dass die Mädels manche Konflikte einfach mal damit lösen, Ohrfeigen zu verteilen … wtf?!
    Im Nachhinein hätte meine Mutter mir besser mal erlaubt, Sailor Moon zu gucken (war verboten, weil unrealistisch) anstatt Mila …

    (Zum Intro von Mila: Jahrelang hab ich bei der Stelle „jetzt ist sie ein Volley-Ass und ein kleines Wunder“ Wohnwerk anstatt Wunder verstanden *hust* XD)

    • Ich war später in der Schule eine der Besten in Volleyball, aber an der Uni hab ich dann gesehen, dass ich nicht mal mittelmäßig bin -.-

      Besonders realistisch war Mila ja auch nie😉 Allein diese ganzen Saltos, die die immer geschlagen hat… oder die Bälle, die ungefähr ne Stunde auf sie zuflogen ^^

      Sailor Moon mochte ich nie besonders, aber da werden schon etwas nettere Werte vermittelt… mutig sein, stark sein, auch mal albern sein dürfen… naja, bis ich Kinder habe, läuft das alles vermutlich eh nicht mehr😦

      • Wer weiß😀
        Die planen gerade eine Neuauflage vom Sailormoon-Anime in Japan.

        (ähm…naja…und wenn der eine Anime geht, kommt der nächste… es gibt immernoch Goldstücke darunter, aber das meiste wiederholt sich einfach immer wieder.)

        Wobei da auch die Frage wäre, ob die Reallife-Serie, die vor ein paar Jahren von Mila gedreht wurde, genau so „brutal“ ist, wie der Anime. Oder ob das ganze etwas „zeitgemäßer“ gestaltet wurde.

      • Oh mein Gott, nochmal Sailormoon… naja, da bin ich mal gespannt o.O Der ist tatsächlich auch schon älter, als man so gemeinhin denkt…

        Ich hab auch gelesen, dass eine Mila-Realfilmserie gibt. Das würde mich mal SEHR interessieren. Solche Sportserien sind in echt ja viel schwieriger als als Zeichentrick – man braucht ja Schauspielerinnen, die tatsächlich Volleyball spielen können.

        Solange es nicht so aussieht:mrgreen: : http://www.youtube.com/watch?v=Q8iesYz5oo4

      • Gibt/gab es überhaupt realistische Sport-Animes? Mir fallen grad nur noch die Kickers ein, und auch da gab es Saltoangriffe und was nicht noch alles. Mal abgesehen davon, dass man immer das Gefühl hatte, ein Fußballfeld sei mehrere Kilometer lang😉

        Eine Serie, bei der ich es schade finde, dass meine Kinder sie wohl nie sehen werden, ist „Es war einmal das Leben“. Fand ich als Dreikäsehoch schon super, und in der 12. Klasse hat mir die erste Folge sogar beim Lernen für ne Bioklausur geholfen … das waren noch Zeiten. (Jetzt fühl ich mich unendlich alt.)

      • Jap, wie in jeder Sportserie gab es da auch drei Leute, die einen berühmten „Dreier-Angriff“ gemacht haben… bei dem dann nie jemand wusste, wo sie hinschießen werden… totaaal realistisch! Trotzdem spannend😉

        Es war einmal das Leben fand ich auch toll, aber noch besser hat mir Es war einmal der Mensch gefallen. Da geht es um Weltgeschichte – allerdings muss ich im Rückblick als Geschichtsstudentin sagen, dass da vieles schlicht und ergreifend Unsinn ist und die Zusammenhänge auch nicht besonders gut dargestellt worden sind. Ob das beim menschlichen Körper auch so war, kann ich nicht beurteilen…

  4. was die Realserie angeht: der Link von dir ist auch nicht schlecht😀

    Aber ich glaube das hier ist das Intro der Realserie:

    Ich finde leider auf die schnelle keine Folge, hätte gedacht dass man bei youtube mehr davon findet.

    naja, habe noch ein bild dazu gefunden:

  5. Pingback: Themenwoche: Kinderserien meiner, äh, Kindheit! | robins urban life stories

  6. Ich hab mir die Serie nach ner gefühlten Ewigkeit auch mal wieder reingezogen und dieselbe Feststellung gemacht. Als Kind/Jugendlicher hat man vermutlich diese Gedankentiefr noch nicht um das ganze so analytisch zu betrachten aber jetzt viele Jahre später denke ich mir auch Scheisse wie krank ist das denn? Ehrgeiz schön und gut aber es gibt für alles seine Grenzen und die sind meiner Meinung nach überschritten wenn die Menschlichkeit dabei auf der Strecke bleibt. Ganz stark kamem die Auswirkungen dieses systematischen Drills ja zum Vorschein als sie die ersten internationalen Spiele hatten und iwie alle lockerer drauf waren als die Japan Truppe. Die konnten das gar nicnt verstehen das man noch gut drauf sein konnte wenn man grade verloren hat. Alles in allen, zwar durchaus unterhaltsam für Sportfans aber auch ein abschreckendes Beispiel krankhaften Ehrgeizes.

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