Wir sind fünf Kellnerinnen. Und David.

Ich: „David, ohne Scheiß, du bist echt mein Lieblingskollege!“

David: „Oooooohhhhh… ♥“

Ich: „Ja, aber ne… dir ist schon klar, dass du mein einziger Kollege bist? Kähähähä.“

David: „Oh! :(“

Ich danke meinen Eltern, Jesus und dem generischen Maskulinum, ohne das dieser fantastisch fiese Witz nicht möglich gewesen wäre!

Advertisements

Best Blog Award – cool cool cool.

Irgendwie weiß ich nicht, wohin die letzte Woche verschwunden ist. Coole Mitbewohner sind irgendwie doch fordernder und zeitraubender als zwei Typen, mit denen man nichts gemein hat außer, dass wir alle in der selben Wohnung leben.
Es stehen noch Antworten aus und weitere Berichte (u.a. über obiges). Aber momentan schaffe ich das einfach nicht. Dennoch als kleines Intermezzo diese freudige Nachricht, die auch schon etwas älter ist:

bestblogaward
Die immercoole Nerdbarbie hat mich mit einem Award bedacht! Das war zwar schon vor drei Wochen, aber bisher kam mir immer was anderes dazwischen. Darum also jetzt!

Natürlich bedanke ich mich ganz herzlich für diese Ehre *verneig* aber aus großen Ruhm folgt große Verpflichtung! Und die besteht dieses Mal darin, elf schockierende Details nach Vorgaben über mich preiszugeben! Macht euch bereit *trommelwirbel*

1. Lieber deftiges Gericht oder Nachtisch?
Wenn ich Lust auf Süßes hab, ist das ziemlich unaushaltbar. Aber in 9 von 10 Fällen würde ich lieber noch eine Portion Pizza oder Lasagne nehmen als Nachtisch!

2. Persönlichkeit oder Erscheinungsbild?
Kann man nicht trennen, finde ich. Viele kleiden und schmücken sich, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht, als Ausdruck von Interessen, Hobbys etc. pp. Sorry, ich weiß, ich bin ein furchtbarer, klischeebehafteter Mensch, aber wer als obercooler Pimp daher kommt, den kann ich einfach nicht ernst nehmen, auch wenn ich noch kein Wort mit ihm gesprochen habe…

3. Seit wann betreibe ich den Blog?
Diesen hier seit ca. vier Monaten. Mein erstes Blog schon seit über einem Jahr.

4. Wer hat Dich inspiriert etwas neues anzufangen?
Ähm. In welchen Zusammenhang? Beim Bloggen oder was? (Nerdbarbie hat die Frage auch nicht verstanden…)
Oft inspirieren mich so richtig dumme Menschen. Ich lese etwas und denke: „Wie kann man nur so scheiße sein. Das ist doch ein schöner Bash-Artikel wert!“ Aber meistens inspiriere ich mich selbst?

5. Lieblingsfilm?
Ach Gott, so viele! Herr der Ringe, Kick-Ass, Watchmen, Zurück in die Zukunft, Robin Hood – König der Diebe etc.pp. Jetzt hab ich vermutlich tausend vergessen, aber so einen richtigen Lieblingsfilm habe ich einfach nicht, es ist immer situationsbedingt, wenn ich mal wieder Lust auf einen tollen Film kriege, auch wenn ich den schon hundertmal gesehen habe!

6. Lieblingsessen?
Italienisch in allen Variationen, Sushi, Chicken Wings, spanische Tapas, etc. pp.
Grundsätzlich: KÄSE.

7. Was ist bei einer Freundschaft am wichtigsten?
Einen ähnlich bescheuerten Humor zu haben, Vertrauen, zusammen lachen und zusammen weinen zu können. Auch hier kann ich unmöglich alles aufzählen!

8. Welches Kleidungsstück liebst Du und hast es schon ewig?
Was Kleidung angeht bin ich ein Messie: Solange es nicht komplett auseinander fällt, behalte ich es. Daher habe ich vieles schon ewig und liebe eigentlich alles.
Jacke: Mein Bundeswehr-Jacket mit vielen Buttons und Aufnähern.
Schuhe: Alle meine Chucks!
T-Shirt: Davon hab ich so viele, dass sie kaum aufzuzählen sind – und ich liebe jedes einzelne!
Pulli: Ein grüner Strickpulli, von dem ich zufällig genau weiß, wie alt er schon ist, nämlich 16 (!!!) Jahre. Ich habe ihn gekauft (bzw. meine Mutter hat ihn gekauft), als ich in der 6. Klasse war. Lustigerweise passt er mir noch und nur an den Hemdsärmeln ist er ein bisschen ausgefranst, also bleibt er auch in use!

9. Welches Buch lese ich gerade?
Keine Ahnung, welches Buch DU gerade liest (chrchr… sorry). Aber ich lese gerade zum dritten Mal „Ich und die anderen“ von Matt Ruff.
Matt Ruff ist ein so großartiger Autor, dass ich ihm und seinem Werk wirklich mal einen Beitrag widmen muss.

10. Selber kochen, oder bekochen lassen?
Ich gehe gerne in Restaurants, aber wenn ich zuhause bin koche ich lieber selbst – vermutlich, weil ich es von allen Menschen, die ich persönlich kenne und die keine professionellen Köche sind, einfach am besten kann. Und es ist keine Arroganz, wenn es stimmt *irre lach*

11. Verfolgst Du viele Blogs?
Hm, dürften schon so 20-30 sein. Ist das viel? Keine Ahnung. Irgendwann werde ich es auch mal sicher schaffen, endlich ein Blogroll anzulegen. Dass ich keinen habe, ist auch eigentlich grob unhöflich.

Das wars dann auch schon mit den Enthüllungen!
Jetzt liegt es an mir, diese Ehre weiter zu reichen. Fünf Blogs sollen diese erhalten, doch finde ich genau wie Nerdbarbie, dass diese Vorgaben irgendwie immer etwas ätzend sind. Ich beschränke mich daher auf drei.

Die Freaks und ich ist ein wunderbar lustiges Blog, den ich erst kürzlich entdeckt habe, auf dem die reizend bekloppte Autorin lustige Alltagsgeschichten und mehr direkt aus der Hauptstadt liefert. Mag ich, empfehle ich!

Um den Alltag als Misanthropin wider Willen geht es auch bei Juliane, die trotz besten Absichten (und manchmal mithilfe der buckligen Verwandtschaft) immer wieder in Situationen gerät, die sie mit spitzer Feder für die geneigte Leserschaft aufbereitet und dabei einfach nur saulustig ist! Sie darf sich einer besonderen Ehre rühmen: Ihr Blog ist das einzige, das ich wirklich komplett von vorne bis hinten gelesen habe (und danach war ich nicht etwa gesättigt, sondern traurig, dass es nicht noch viel mehr Beiträge gibt). Wem DAS nicht als Empfehlung reicht!

Auch die liebe Nessy schreibt über Alltag und so (ihr seht, diese Verleihung folgt einem krassen Schema!). Auch dieses Blog kenne ich noch nicht lange, aber die irgendwie herzerwärmenden Geschichten… erwärmen mein Herz!

Ihr wisst, was ihr zu tun habt: Abchecken, freuen, followen! Und MIR ewig dankbar sein für diese heißen Tipps :mrgreen:

Knutschverbot – eine absolut logische, durchführbare und überhaupt nicht beschissene Idee. Hust.

„Hey ihr Schwucheln, habt ihr kein Zuhause?“
– Die Simpsons

Leider ist es so, dass bei aller in den letzten Jahren gestiegenen Toleranz für Homosexuelle diese immer noch Probleme haben, ihre Homosexualität in der Öffentlichkeit mit einer anderen Person auszuleben, wie es für Heteros selbstverständlich ist. Das variiert natürlich von Ort zu Ort – im bayrischen Dorf wird sowas auf mehr Ablehnung stoßen als in Köln – aber es ist stark anzunehmen, dass jeder Homosexuelle, egal ob männlich oder weiblich, schon mal starrende, unhöfliche Blicke, dumme Kommentare oder in manchen Fällen sogar Gewalt erfahren hat. Und das nur, weil er oder sie offen mit einer anderen Person, die er oder sie liebt, die gleichen Zärtlichkeiten ausgetauscht hat, die man bei heterosexuellen Pärchen dauernd beobachten kann.

Es muss scheiße sein für einen Homosexuellen, sowas zu erfahren. Und das schürt natürlich auch Neid: Neid auf diejenigen, die ihren Partner jederzeit im Café oder in der Disco knutschen können, wenn sie Bock drauf haben, ohne dass diejenigen mit einer Sanktion egal welcher Art rechnen müssen. Denn für Verliebte ist es ja normal und mit keinerlei Nachteilen verbunden, ihre Verliebtheit zu demonstrieren – sofern sie denn hetero sind.

Als heterosexueller Mensch kann man also ruhig mal inne halten und sich klar machen, dass man ständig irgendetwas tut, was anderen verwehrt bleibt. Privilegien hinterfragen nennt man das.

So weit, so cool.

knutschverbot

Irgendwie so.

Nur haben wie immer ein paar Leute die wohl zwingende Tendenz, alles völlig zu übertreiben, daher wurde etwas ausgeheckt, was sie selbst nicht „Knutschverbot“ nennen, was ich aber dennoch so nenne, weil der Begriff den Kern der Sache ziemlich gut trifft und ich sie außerdem ein bisschen ärgern will.
Das Knutschverbot besagt folgendes: Heteros sind privilegiert, weil sie als Mitglied einer mächtigen Mehrheit und der „Norm“ in der Öffentlichkeit mit ihrem Partner durch diverse zärtliche Kleinigkeiten zeigen können, dass sie eben in einer Partnerschaft stecken, während Schwule und Lesben das nicht können. Daher ist es nur fair und solidarisch, sich als Hetero in der Öffentlichkeit jedwede Zärtlichkeit zu verkneifen, weil dadurch die Norm, die sie mit ihrer Rumknutscherei produzieren, etwas weniger mächtig wird.

Jo, ne. Das hab ich jetzt schon mehrmals gehört und gelesen – und natürlich ist auch die Mädchenmannschaft ganz vorne mit dabei, wenn es um noch mehr Political Correctness geht.

Ich will nicht schon wieder fragen, ob die verantwortlichen Damen den Arsch offen haben. Aber naja, es drängt sich mir halt schon die Frage auf, ob solche Leute den Arsch offen haben, ne?

Man soll sich also als reflektierter, solidarischer Hetero-Mensch jegliche Zärtlichkeit mit einem geliebten Menschen in der Öffentlichkeit verkneifen und das rettet dann irgendwie die Welt oder zumindest die Homosexuellen. Also so:

Schritt 1: Critical Hetness (sic…)
Schritt 2: ?
Schritt 3: Profit!

Da fasse ich mir doch ganz langsam und matt an den Kopf und sinke kraftlos zu Boden. Nein, wie ist das so blöd! Und für dieses Urteil gibt es mehr als einen Grund.

Es trifft genau die Falschen
Logischerweise würden sich nur Menschen dem freiwilligen Knutschverbot unterwerfen, die davon wissen und ihre Situation als Hetero reflektiert haben. Man kann, nein, muss also davon ausgehen, dass diese Leute allesamt Homosexuelle respektieren und an ihrer Seite stehen.
So. Warum sollen also Menschen, die nicht homophob sind und damit nicht Teil des Problems, unter so etwas leiden? Offensichtlich wird es ja als quälend empfunden, keine Zärtlichkeiten demonstrieren zu dürfen. Warum diese Qual auf genau die falschen Leute übertragen, die, die für das Recht einstehen, als Homosexueller genauso behandelt zu werden wie als Hetero? Wer will denn sowas?

Es scheint nicht immer die Sonne im Hetenland
Ein Mann schreibt eine Oper über eine Frau? Oh Sir, Wie köstlich absurd!“
– Futurama
Es stimmt ja schon: Bis auf einige sehr, sehr kleine Ausnahmen ist Heterosexualität in der gesamten Menschheitsgeschichte immer das gewesen, was als einzig normale Neigung angesehen worden ist. Entsprechend schlecht war es meistens um die Rechte von Homosexuellen bestellt. Wissen wir ja alle! Dennoch empfinde ich die Sichtweise, dass Heteros es IMMER leicht haben und Homos IMMER schwer, in dieser Form zu einfach, wenn damit begründet wird, warum ein freiwilliges Knutschverbot für jeden, der hetero ist und Homosexuelle unterstützen will, obligatorisch sein muss, sonst würde man sich ja nur selbst was vorheucheln.
Unglaublich, aber wahr, aber es gibt tatsächlich heterosexuelle Menschen, für die die Erfahrung, mit ihrem Partner Zärtlichkeiten auszutauschen, auch in der Öffentlichkeit, einfach unglaublich wichtig ist. Als erstes würden mir da ABs einfallen. ABs, das steht für Absolute Beginners und mit diesem Begriff werden Menschen bezeichnet, die schon erwachsen sind, aber trotzdem noch keine Beziehungserfahrung (inklusive Sexualität) haben. (Bevor die Frage aufkommt: Ja, ich bin eine Ex-AB. Etwas, über das ich irgendwann mal ausführlicher schreiben werde.) Es wäre unendlich scheiße für diese Menschen, wenn sie dann endlich, endlich eine Beziehung gefunden haben, sofort unter Menschen sämtliche Berührungen und Liebesbekundungen unterdrücken zu müssen.
Oder stellt euch ein Missbrauchsopfer vor, das nach langer Therapiearbeit endlich wieder so weit ist, Nähe zuzulassen. Soll so jemand tatsächlich gezwungen sein, sich nach der ganzen Arbeit, die das Gegenteil zum Ziel hatte, selbst zu regulieren, nur um keine Norm zu reproduzieren?
Das mögen konstruierte Beispiele sein, es sind aber nichtsdestotrotz Fälle, die so oder ähnlich vorkommen können. Solchen Leuten kann man sowas nicht zumuten – finde ich zumindest. Natürlich wurde im entsprechenden Artikel der MM auch betont, dass ja keine wirklichen Verhaltensregeln aufgestellt werden können, weil ihnen dazu die Macht fehlt, und deshalb der Begriff „Knutschverbot“ ja so falsch wäre, aber der Druck, der zumindest in entsprechenden Szenen herrschen wird oder tatsächlich schon herrscht, sagt doch was ganz anderes: Wer nicht mitmacht, kann ja nicht für Homo-Rechte sein. Was im Grunde heißt, dass derjenige homophob ist. Und wir wollen doch nicht homophob sein, oder?!?!
Tut mir leid, aber bei dieser Aufspielerei als moralische Höchstinstanz kotze ich ihm Strahl.

Minus mal Minus ergibt nicht Plus
Kein Homo wird mehr kuscheln können, wenn Heteros weniger kuscheln. Sich als Hetero das Knutschen zu versagen bedeutet nicht, dass Homos mehr knutschen. Es wird sich NICHTS ändern dadurch. Nur eines ist sicher: Dadurch gibt es weniger (sichtbare) Liebe. Und das ist scheiße, denn: Liebe ist doch genau das, was jeder will und das einzige, das dereinst die Welt retten wird.
Also kann ein Liebesentzug, und sei es auch nur in der Öffentlichkeit, doch wohl nicht das Ziel sein?

fehlende Signalwirkung
Ich weiß nicht, ob die Mädels von der MM an einer interessanten Art der Realitätsverweigerung leiden oder es einfach bisher nicht gemerkt haben. Aber Tatsache ist: Der Feminismus ist kein Mainstream. Genauso wenig wie Gay Pride oder Queer-Sachen. Es gibt nur eine ganz kleine Gruppe in diesem Land, die sich mit sowas beschäftigt und von dieser kleinen Gruppe werden sich wohl einige bezüglich des Knutschverbots genauso an den Kopf fassen wie ich.

Das ist so großartig, das musste ich einfach ergänzen!

Das ist so großartig, das musste ich einfach ergänzen!

Wenn man was erreichen will, muss man Akzente setzen. Man braucht Signale, um gesehen zu werden, denn ohne sichtbares Signal wird sich kein Mensch für das Anliegen, für das man kämpft interessieren, da es schlicht und ergreifend niemand bemerkt.
Was ist wohl die Signalwirkung von „Ich unterlasse es ab jetzt, meinen Freund öffentlich zu küssen und mit ihm Händchen zu halten“? Genau: Nichts. Weil das nämlich längst nicht jeder macht. Oder habt ihr euch bei einem Paar schon mal nach kürzester Zeit gefragt: „Oh mein Gott, dieser Typ und diese Tussi sitzen jetzt schon seit zehn Minuten an unseren Nebentisch und haben sich noch kein einziges Mal geküsst!! Da stimmt doch was nicht!! Wenn… wenn ich darüber nachdenke, bringt das mein gesamtes heteronormatives Weltbild ins Wanken!!einself“
Nicht so wirklich, ne? So eine Maßnahme bringt nur was und ist nur dann überhaupt sichtbar, wenn man sie auch ständig verbalisiert. Damit erreicht man irgendwelche Leute auf der Straße schon mal nicht, außer man labert sie halt im Vorbeigehen an. „Verzeihung, wir kennen uns nicht und sind uns nie begegnet, aber dieser Mann an meiner Seite ist MEIN Mann. Wie Sie jedoch sehen, verzichten wir aufs Händchenhalten aus Solidarität zu Homosexuellen, die das nicht so einfach können!“ – Nicht ernsthaft, ne?
Und selbst wenn man sich bei sowas auf seinen Familien- und Freundeskreis beschränkt, wird man innerhalb kürzester Zeit einfach nur zu einer gewaltigen Nervensäge, ähnlich Vegetariern, die bei jedem Essen betonen müssen, dass sie kein Fleisch essen, statt einfach das Maul zu halten und sich ihrem Salat zu widmen. Niemand mag Nervensägen!
Sobald eine Zahl von Leuten, die mitmachen, erreicht wäre, deren Befolgung des Knutschverbots tatsächlich in der Gesellschaft spürbar wäre, wäre das Verbot nicht mehr nötig, weil es dann keine Homophobie mehr gäbe – oder zu einer Randerscheinung geworden wäre.

Ich bin keine Ellen-Jamesianerin
Besonders bemerkenswert ist bei der MM, und zwar nicht nur bei diesem Artikel, die ganz außergewöhnliche Leidensfähigkeit der Betroffenen. Sätze, die ich besonders köstlich fand, waren zum Beispiel:
Wenn ich mir bewusst bin, dass ich andere damit verletzen kann, habe ich doch gleich viel weniger Freude daran in der Öffentlichkeit zu knutschen.
Und zu einer kritischen Stimme:
lass es halt und schönes unbeschwertes Leben noch.
Hui, harte Bandagen. „Du bist glücklich. SCHÄM DICH!!!“
Es tut mir ja ganz furchtbar leid, aber ich bin tragischerweise nicht masochistisch veranlagt. Ich brauche nicht dieses Gefühl, mich permanent selbst zu kasteien, um in meiner kleinen radikalen Seifenblase als härteste PClerin den meisten Fame abzugrasen. Und vor allem möchte ich mich nicht wegen Dingen schämen, auf die ich keinen Einfluss habe. Ich bin heterosexuell nicht aus Entscheidung, sondern so geboren. Warum werde ich deswegen angefeindet?

So. So viel zu meiner doch ausführlicher ausgefallenen Kritik an diesem dämlichen Knutschverbot. Jetzt lässt es sich natürlich leicht meckern, wenn man keinen Gegenvorschlag hat. Doch dazu ist mir heute eine Idee gekommen:

Statt sich als Hetero jegliche Zärtlichkeit selbst zu unterbinden – wie wäre es, wenn sich nicht einfach jeder einen gleichgeschlechtlichen Freund oder eine Freundin schnappt und mit DER ein bisschen auf schwul oder lesbisch macht? Und zwar so richtig in der Öffentlichkeit?

Das Problem ist doch, dass homosexuelle Zärtlichkeiten als abweichend von der Norm angesehen werden. Also könnte doch eine Herangehensweise sein, die Menschen dahingehend ein wenig zu desensibilisieren. Einem bayrischen Landei wird nach seinem Umzug nach Köln mit Sicherheit nach einiger Zeit nicht mehr alles aus dem Gesicht fallen, wenn es zwei küssende Männer sieht. Desensibilisierung! Und, nicht vergessen, nerven. „Ich bin nicht schwul, aber ich wäre es gerne, nur um Leute zu nerven, die was gegen Schwule haben“ sprach einst der unvergleichliche Kurt Cobain (der sicher viele Männer sehr, sehr glücklich gemacht hätte, wäre er denn wirklich schwul gewesen). Das ist auch ein Grund, weshalb er manchmal Frauenkleider angezogen hat: zum Ärgern.

Einen schönen Mann kann nichts entstellen.

Einen schönen Mann kann nichts entstellen.

Und das ist doch cool. Also, einen Homophobiker ärgern. Dem würde doch schier der Kopf platzen, wenn sich die Zahl derer, die er hasst, sich vor seinen Augen plötzlich verzehnfacht. Er wird zwar irgendwann mitkriegen, dass die meisten davon ihre Homosexualität nur faken, aber nützt ihm das was? Nee. Er kann entweder alle dumm anlabern und sich damit lächerlich machen, weil er ja weiß, dass er die falschen anspricht, oder es einfach sein lassen. Der alte „Wir malen einfach an alle Türen ein X“-Trick, den kennen wir doch schon aus Märchen. Verwirrungsstrategie! Der totale Hirnfick!

Ich glaube, sowas könnte ein sehr großer Spaß werden. Hier fänden sich auch mit Sicherheit mehr Teilnehmer als beim Knutschverbot. Und es würde eindeutig mehr Aufmerksamkeit erregen!

Man muss es ja nicht ständig durchziehen, aber man kann es nach Belieben immer mal wieder einbauen. Shoppen mit der besten Freundin? Geht doch einfach mal Hand in Hand und gebt euch Wangenbussis. Saufen mit eurem Bro? Nennt ihn „Schatz“ und streichelt sein Knie. Auch als Aktivität für Pärchenabende geeignet! Tauscht halt im Restaurant einfach die Partner!

Es versteht sich von selbst, dass sämtliche Zärtlichkeiten, die man normalerweise nur mit dem Partner teilt, den man liebt und sexuell begehrt, vorher mit eurem gleichgeschlechtlichen Kumpel oder der Kumpeline, mit der ihr dieses Spiel durchführen wollt, genau abgeklärt werden, denn natürlich findet sowas nicht jeder angenehm. Manche Hardcores finden vielleicht nicht mal etwas dabei, Zungenküsse auszutauschen, während andere schon durch einem Schmatz auf die Wange oder einem Arm um die Schulter ein bisschen überfordert sind.
Aber das ist okay! Partnerschaftlichkeit äußert sich in vielen Kleinigkeiten. Wer nicht aus einem gerechtfertigten Grund ein Problem mit Nähe hat, muss doch vor einem kurzen Händchenhalten mit einem Freund nicht zurück schrecken. Natürlich ist ein „Wäääh, eklig, das find ich schwul!“ nicht gerade ein bestechendes Gegenargument! Alle anderen werden mit Sicherheit einen Weg finden, sich ein bisschen homo zu geben!

Stellt euch lauter entgeisterte Gesichter vor, wenn an einem schönen Sonntagnachmittag plötzlich das halbe Café voll ist mit vermeidlich schwulen und lesbischen, süß turtelnden Pärchen! Ich fände das gigantisch! Und es wäre tausendmal effektiver, dabei aber doch noch gleichzeitig lustiger und einfach lebensbejahender als ein saublödes Knutschverbot!

Problem ist natürlich, dass so eine Idee von den zitierten Kräften sicher sofort demontiert werden würde und zwar mit lauter schicken Fremdwörtern, die ich allesamt nicht kenne.
Tja, das ist mir aber egal. Ich bin lieber leicht anmaßend als völlig ineffektiv!

Mein Patenonkel ist heute morgen gestorben…

Er hatte Krebs und diesen eigentlich schon besiegt, bis er dann zurück kam und explosionsartig Metastasen bildete. Obwohl er regelmäßig zur Untersuchung ging, war plötzlich sein gesamter Körper voll davon.

Trotzdem war das jetzt sehr unerwartet… Ich wusste, dass es ihm nicht allzu gut geht, aber eigentlich sollte er heute nach der Chemo wieder nach Hause. Und jetzt Boom, tot.

Und wieder hab ich es nicht geschafft, mich richtig zu verabschieden, wie auch schon bei meinem Opa, obwohl das zumindest absolut aus dem Nichts kam und er vorher überhaupt nicht krank gewesen war.

Patenschaft wird auf dem Land oder zumindest dort, wo ich herkomme, noch wesentlich ernster genommen, als das wohl sonst so gemeinhin der Fall ist. Daher war er mir sehr wichtig. Trotzdem war ich halt einfach zu scheiße, mich mal bei ihm zu melden, selbst jetzt, wo es ihm so schlecht ging.

Ich könnte mir selbst aufs Maul hauen. Ich bin so scheiße in solchen Dingen. Und jetzt ist es wieder mal zu spät.

Er wollte schon vor Jahren mit mir mal essen gehen, ein richtig gutes Steak sollte es sein. Ich sagte immer „Klar, machen wir mal“, wie man das halt so tut. Aber es ist nie zustande gekommen, weil ich mich nie gemeldet habe.
Dann ist er krank geworden und plötzlich dachte ich wieder daran. Ich fragte ihn also, ob wir jetzt mal Steak essen gehen sollen, aber mit Chemo isst es sich sehr schlecht, daher vertagten wir das auf die Zeit nach seiner Genesung. Diese kam, die scheißblöde Robin meldete sich wieder nicht, immer antriebslos, immer mit anderen Sachen beschäftigt, die allesamt unendlich unwichtig sind. Und jetzt ist es für immer zu spät.

Er mochte Steak, Whiskey und Metallica. Warum hatten wir nicht mehr Kontakt, als ich älter wurde? Wir hatten doch einiges gemeinsam. Ich glaube, er wusste gar nicht, dass ich gerne Whiskey trinke. Ich hatte mir vorgenommen, ihn das Steak bezahlen zu lassen, weil er mich ja einladen wollte, aber dann praktisch zum Nachtisch einen richtig guten Whiskey auszugeben. Das hätte ihm gefallen.

Es ist zum Kotzen.

Er hinterlässt zwei Kinder und war nur halb so alt wie diese blöde Kuh Margaret Thatcher, die ihr verdammtes Leben gelebt hat und mit deren extrem unspektakulären Tod ich heute schon den ganzen Tag genervt werde. Kann mir mal jemand verraten, warum immer mehr junge Menschen Krebs kriegen?

Er hatte Krebs, meine Großeltern hatten beide Krebs, haben das aber überlebt und sowohl meine Mutter als auch meine Tante hatten beide schon mehrmals gutartige Tumore in der Brust. Tolle Familienkrankheitsgeschichte, und das alles nur mütterlicherseits. Ich werde so dermaßen sicher auch Krebs kriegen.

Alles Scheiße. Irgendwann die Woche ist vermutlich noch Beerdigung. Ich glaube nicht, dass seine Eltern das wegstecken können. Und die Mädels… die eine ist gerade erst zur Kommunion gegangen…
Die Seite der Familie mochte ich immer viel lieber als den Teil, mit dem ich immer rumhängen musste. Die waren wenigstens normal und gut drauf. Das ist einfach nicht fair.

Werde jetzt versuchen, mich abzulenken. Wundert euch nicht, wenn das Ergebnis ein semilustiger Beitrag ist, wie ich ihn für heute geplant hatte. Ich will über ihn sonst keinen Beitrag schreiben. Das ist mir zu persönlich. Wenn ich schon sonst nichts kann, dann kann ich wenigstens gut verdrängen. Oder vielleicht bin ich einfach kaltherzig.

Tschüss, P. Du hattest mehr verdient.

Edit + Update: Eben erfuhr ich, dass eine Großtante von mir gestern Abend auch noch gestorben ist. Die war zwar sehr alt und wollte sterben, weil sie kürzlich ihr zweites Kind verloren hat, aber trotzdem… auch die hätte ich gerne noch einmal gesehen. Die fand ich echt stark.
Und der Vater meines Patenonkels, ein total lieber Kerl, ist im Krankenhaus… das Herz. Ich glaube nicht, dass er das überlebt. Ich will nicht, dass er auch noch stirbt. Aber er wird ganz bestimmt sterben.
Der 8. 4. war der Todestag meines Patenonkels und meiner Großtante. Die Vier gilt in Japan als Zahl des Todes und zwei mal vier ist acht.
Nur mal so. Ich bin total wirr im Kopf…

Ein neues Nest für Robin – Teil 2

Okay, das „Morgen“ tendiert schon mehr in Richtung „nächste Woche“… *hust*

An meiner Wohnung angekommen sprang Dave aus dem Transporter, riss die Seitentür auf und wartete ungeduldig darauf, dass ich ebenfalls ausstieg und die Haustür aufsperrte.

Ich staunte. Warum so hektisch? Ich dachte, wir rauchen erst mal eine…

Aber nein, Dave war voll im Stressmodus, also jumpte er, kaum hatte ich die Tür aufgesperrt, die Treppe hoch, überblickte, im Wohnzimmer angekommen, sofort die Situation und krallte sich vier vollbepackte Plastiktüten mit Zeug. Dann war er schon wieder auf dem Weg nach unten.
Ich war widerwillig beeindruckt (starker Kerl… arbeitet aber auch neben der Uni aufm Bau), aber auch völlig aus dem Konzept. Warum legt der denn so ein Tempo vor?
Ich folgte ihm, etwas weniger bepackt. Zurück am Transporter merkte ich vorsichtig an, dass es vielleicht schlauer wäre, zuerst meine Matratze einzuladen.
„Ach, Unsinn,“ meinte Dave lapidar und war schon wieder halb oben.

Hm, okaaaay? Ich lud mein Zeug ab und ging wieder nach oben, wo ich gerade noch rechtzeitig kam um zu sehen, wie Dave eine Matratze im Wohnzimmer mit Gewalt hochhievte.
„Stop!“ schrie ich. „Die nicht!“
Tatsächlich handelte es sich bei dieser kleinen Matratze um die WG-Couch, weil der letzte Mitbewohner die reguläre Couch mitgenommen hatte, als er ausgezogen ist. Meine viel größere und coolere Matratze befand sich noch in meinem Zimmer!
Dave schmiss die Couch-Matratze wieder hin und gemeinsam schleppten wir meine Matratze nach unten (wobei es ihn, glaube ich, ziemlich angepisst hat, dass er sie nicht allein tragen konnte…).

Dann war auch Mitbewohner Mattes zur Stelle. Tags zuvor hatte ich angefragt, ob er samstags zu Hause sein würde. „Warum, hast du mich zum Schleppen eingeteilt?“ fragte er leicht bissig, was ich ziemlich beschissen fand, denn als er eingezogen war, habe ICH ihm immerhin auch geholfen *grmpf*
Eigentlich ging es ja auch nur um das Zeug, das für mich zu schwer war. Beide begannen, meinen monströsen Röhren-Fernseher (80 Zentimeter Bilddiagonale, 60 Kilo) runter zu hieven, während ich von Dave die Anweisung bekam, meinen restlichen Kram links liegen zu lassen und endlich meinen Schrank fertig auseinander zu bauen.

Ich hatte gerade erst die Schubladen entfernt und war dabei, die Schrauben an der Rückwand zu lösen, als Dave schon wieder herbei gesprungen kam. Inzwischen war auch Aerobicpartner Tim zur Hilfe geeilt, der Süße ♥ der auch mit anpackte.
Hier fing mir die Hektik von Dave an, doch ein bisschen auf den Sack zu gehen. Dreißig Schräubchen zu entfernen – das dauert halt ein paar Minuten. Nichtsdestotrotz schnappte er sich einen weiteren Schraubenzieher und versuchte schon, die Decke und die erste Seitenwand abzukriegen.
Leider mit Erfolg, was der Statik doch nicht so ganz zuträglich war. Plötzlich kippte das ganze Teil zur Seite… bis auf die Rückwand. Die stand wie eine Eins, bis es knirschte und sämtliche noch verbleibende Schrauben gleichzeitig raus gerissen wurden, dann kippte sie auch, bis ich sie auffangen konnte.

Ich starrte fassungslos auf die ausgefransten, nun völlig nutzlosen Schraublöcher der Rückwand. „Oh nein!“
Die Jungs upsten und ließen sich ansonsten nicht in ihrer guten Laune stören. In mir dagegen brach eine Welt zusammen. Mein Schrank! Das erste große Möbel, das ich mir selbst gekauft, selbst in die Wohnung geschafft und selbst komplett zusammen gebaut habe!! Und nebenbei momentan auch noch das einzige Möbel, das ich nicht geschenkt bekam, vom Sperrmüll rettete, gebastelt oder mir sonstwie herbei gezaubert habe!!
„Mann, die ganzen Löcher sind kaputt! Das hält doch später niemals,“ jammerte ich mit bebender Unterlippe. Ohne festmontierte Rückwand ist so ein Schrank nämlich eine recht instabile Angelegenheit!
„Ach, wir haben zuhause Gaffa Tape,“ meinte Dave und grinste leichtfertig.

GAFfA TAPE?? Ich soll meinen Schrank mit GAFFA zusammen kleben?? Wie sieht denn das aus!!

Ich verzichtete allerdings auf weitere Zickereien, zumal die Jungs angefangen hatten, Witze über meinen wunderschönen, unschuldigen, gar-nicht-mal-so-billigen Schrank zu reißen. Als wär der nur ein Haufen Schrott!! *schnüff*
Hätte ich nur morgens nicht verschlafen! Dann hätte ich ihn allein auseinander gebaut, wie ich ihn ja auch allein zusammen gebaut hatte. Manche Dinge sollte man einfach selbst machen, vor allem, wenn man diese Dinge einem Menschen in die Hände legt, der Philosophie studiert und für den jeder materielle Besitz unnötiger Ballast auf dem Weg zur geistigen Vollkommenheit darstellt. Und ja, damit meine ich meinen neuen Mitbewohner!!

Naja, damit war meine schlimmste Seelenpein allerdings überstanden. Der Rest ging recht fix. Lediglich die Couch musste noch irgendwie runter (Tim beim Versuch, sie durch meine Tür zu quetschen: „Wie zur Hölle habt ihr die damals hier hoch und hier rein gekriegt?“ Ich: „Mit Gewalt.“), dann waren wir tatsächlich schon fertig. Ein prüfender Blick auf die Uhr zeigte: Gerade mal eine Dreiviertelstunde! Das hatte ich mir wesentlich langwieriger vorgestellt.

Ich bedankte und verabschiedete mich von Mattes (obwohl ich nur einen Tag später wieder auf der Matte stand, um das Zimmer noch zu putzen. Und, naja… um The Biggest Loser zu kucken.), dann war wieder Transporter-Time. Tim und Dave quetschen sich zu mir nach vorne.

Inzwischen wars ja geil, das Ding zu fahren. Allerdings zeigte es jetzt in die falsche Richtung.

„Ich kann nicht wenden,“ stellte ich knapp fest.
„Warum?“
„Ich kann nicht rückwärts fahren.“

Ich wartete, bis die Jungs fertig gelacht hatten, dann fuhr ich trotzig einfach die nächste Straße rechts, um eine Schleife zu fahren, wobei sich die Straße als wesentlich schmaler entpuppte als gedacht.
„Aaaaaah…“ machte Tim, als ich mich zentimeterweise zwischen einem geparkten Auto und einer Hauswand hindurch quetschte. Gegen jede Wahrscheinlichkeit kamen wir trotzdem ohne einen Kratzer an der neuen Wohnung an.
Und dort begegnete ich auch erstmals meinem baldigen Nachbarn, der mir David schon in den buntesten Farben geschildert hatte: Alki, der so heißen soll, weil er einer ist, und was ich schreiben darf, weil er das selbst von sich sagt(!) und offensichtlich trotzdem ganz gut zurecht kommt. Er ist um die sechzig und wohnt in der Wohnung über uns.

„Ah, da kommt das neue Mädel! Na, wie heißt du? Robin? Oje, das kann ich mir nicht merken! Ich nenne alle Mädchen „Petra“, nicht böse sein!“
Ich war nicht böse. Der Typ schien voll okay, da hatte ich mir was GANZ anderes vorgestellt. Er packte auch direkt mit an und half, Zeug hoch zu tragen – und bei dem Zeug, das er nicht tragen konnte, weil er halt schon etwas älter ist, dirigierte er die Jungs routiniert.

Dadurch ging das Entladen sogar noch wesentlich schneller als das Beladen. Ein Problem gab es allerdings…

„Hat der Drogi eigentlich jetzt schon was gemacht?“
‚Drogi‘ ist der Typ, von dem ich das Zimmer übernehme (ich nenne ihn so mit allem Respekt vor Menschen, die drogensüchtig sind). Mein Umzug fand ja am 30. statt, das Zimmer räumen musste er also erst einen Tag später – und er hatte auch versichert, dass er das schaffen würde.
„Keine Ahnung,“ antwortete Dave, „er war eben nicht da, als ich gegangen bin.“

Unser erster Gang führte uns also in sein Zimmer, das bald meins sein sollte.
Dort stand EIN Karton. Der Rest des Zimmers war völlig unverändert.

„Wow…“ konstatierte ich hilflos. Es wurde noch schöner, als wir das Wohnzimmer enterten, denn dort lag eine Notiz von ihm.
Hallo Robyn! Willkommen zuhause. Stell dein Zeug erst mal in Davids Zimmer. Ich räume Sonntag alles aus, brauche aber noch ein paar Kartons. Kannst du mir ein paar von deinen hinstellen? Gruß, Drogi

Ähm. Nein?
1. Die Kartons sind nur geliehen. Ich muss die wieder zurück bringen. Es sind zwar nur Kartons, aber wie man sieht, ist man ohne ziemlich aufgeschmissen!
2. Wie soll ich Kartons ausräumen, damit man sie wieder nutzbar machen kann, wenn ich nichts habe, wo ich das Zeug hinräumen kann? o.O

Dave stellte Bier auf den Tisch. All mein Zeug war behelfsmäßig verstaut, der Umzug war eigentlich über die Bühne. Aber die Sache Drogi versprach, noch interessant zu werden.

Und das wurde sie dann auch. Aber davon morgen… oder nächstes Jahr :mrgreen:

Ein neues Nest für Robin

(Diese Artikelüberschrift ist nur halbwegs lustig, wenn man Englisch kann!)

Mein Umzug ist beendet und während ich dies schreibe, lehne ich mich an meine Matratze.

Ähm, an die Matratze lehnen? Wie geht denn das, wenn man sitzt?

Ganz einfach: Ich bin zwar aus meiner alten Wohnung AUSgezogen, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich in die neue gänzlich EINgezogen bin. Doch vielleicht sollte ich gaaaanz von vorne anfangen…

Zu meiner großartigen Freude hatte ich es gegen alle Wahrscheinlichkeit doch noch geschafft, einen Umzugswagen zu organisieren. Diesen sollte ich am Samstag zur Verfügung haben, weshalb ich Dave als Hilfe für eben diesen Tag bestellte.
David, mein lieber Kollege, konnte leider nicht helfen. Der tourt nämlich gerade mit seiner Freundin in Asien rum. Hat er sich mal schön aus der Affäre gezogen, der Schlingel!

Jedenfalls, das hieß, spätestens Freitag mal so langsam meine Sachen zusammen zu suchen. Ich hatte mir Kartons besorgt und war gerade schon fast mit der Küche fertig, als mein zu diesem Zeitpunkt Noch-Mitbewohner Moritz auftauchte.
Der konnte mir übrigens auch dieses Mal nicht helfen. Ich weiß nicht, ob das nur meine exklusive Meinung ist, aber irgendwie dachte ich immer, wenn man einen neuen Mitbewohner kriegt, hilft man beim Einzug und auch wieder beim Auszug. Moritz findet wohl nicht. Als ich damals mit meinem Stiefvater und einem Auto voll Sachen ankam, saß er in der Küche und frühstückte (es war nach Mittag). Nachdem er sich hatte dazu breitschlagen lassen, bei meiner Couch mit anzupacken und er mich daraufhin angesehen hatte, als hätte ich von ihm seinen erstgeborenen Sohn verlangt, verschwand er in seinem Zimmer und ward nicht mehr gesehen. Tja. Später ist mir dann klar geworden, dass in solchen Fällen „Mann“ nicht automatisch „stärker“ heißt und ich trotz meines Geschlechts vermutlich etwas mehr Beef im Bizeps habe als ein kleiner magerer Hipster, der selbst in voller Montur und tropfnass noch 10 Kilo weniger wiegt als ich.

Jedenfalls erwartete ich auch dieses Mal keine Hilfe und bekam auch keine. Er war samstags nämlich gar nicht da. Dafür aber halt Freitagabends – und schnüffelte in den Schränken rum.
„Hast du ALLE Töpfe mitgenommen?! Das sind aber nicht ALLES deine Töpfe?!“
Mein Stressbarometer sprang direkt an. Dieser Tonfall! „Doch, das sind meine Töpfe, aber es sind ja noch welche da.“
Er kuckte grummelig und schwieg. Dabei sind das WIRKLICH alles meine Töpfe. Und es sind auch nicht ALLE, sondern nur zwei: Einen mittelgroßen und einen ganz kleinen, perfekt für eine einzelne Packung Maggisuppe oder ein Becher Kakao. Dazu ein kleines Pfännchen. Jetzt nicht so arg viel, oder?
Tatsächlich war nicht mehr viel da, als ich die Küche abgegrast hatte. Offensichtlich gehören 90% der Gläser mir und die Hälfte der Becher. Aber tja, ich hab auch mal ziemlich lang allein gewohnt, da braucht man halt Zeug, ne? Ich kann ja nichts dafür, dass die Jungs sich bisher all ihren Hausrat geteilt und deshalb selbst nicht so viel haben.

Aber es musste weiter gehen und tatsächlich schaffte ich es an diesem Abend noch, all meinen Krimskrams zu verpacken. Weil sich die Kartons als nicht sehr stabil erwiesen und es ohnehin praktischer für Bücher ist, dachte ich irgendwann: „Die Dame von Welt zieht mit Plastiktüten um!“ – und so war es dann auch.

Ich stapelte alles im Wohnzimmer. In meinem Zimmer befand sich nur noch das Zeug, das ich nicht alleine schleppen konnte, sowie mein Schrank. Mattes, Noch-Mitbewohner Nr. 2, hatte ganz erstaunt gefragt, wie ich den denn aus meinem Zimmer raus bekommen will.
Die Lösung ist denkbar einfach: Auseinander bauen. So hab ich ihn ja schließlich auch rein bekommen: in Einzelteilen. Als könnte man so einen Schrank in einem Stück rausschleppen, ohne dass er auseinander bricht *ankopffass*

Aber Moritz schlief schon und das Auseinanderbauen hätte Krach gemacht, also beschloss ich, das Auseinanderbauen auf den nächsten Morgen zu vertagen und stellte mir den Wecker.

Ich verschlief.

Gerade noch rechtzeitig wurde ich wach, um mich anzuziehen und den bestellten Wagen abholen zu gehen. Dafür musste ich ins tiefste Industriegebiet fahren und durfte letztendlich noch eine halbe Stunde zu Fuß gehen, weil der blöde Busfahrer mir eine falsche Haltestelle genannt hat.

Zu spät und voll im Stress nahm ich den Schlüssel für den Transporter entgegen. Dann saß ich völlig erstarrt in dem Ding drin.

Fuck, ist das groß! All meine jahrelange von meiner Familie geschürte „FAHR BLOSS DAS AUTO NICHT KAPUTT ICH KANN MIR KEIN NEUES MEHR LEISTEN UND FAHR NICHT SO SCHNELL UND NEIN DEIN COUSIN DARF DAS AUTO FAHREN ABER DU NICHT ES BEDEUTET GAR NICHTS DASS DU NOCH NIE EINEN UNFALL HATTEST“-Panik stürzte mit einem Mal auf mich ein. Hatte ich da in dem Vertrag wirklich etwas von 1000 Euro Selbstbeteiligung im Schadensfall gelesen? Und warum hat das Ding keinen Rückspiegel!?!? (kurz darauf: Ach ja, is ja ein Transporter. Natürlich hat der keinen Rückspiegel. Würde man ja sowieso nix sehen. Haha… grmpf.)

Es nützte nichts, irgendjemand musste das Ding fahren und außer mir war keiner da. Also startete ich den Motor, ruckelte vom Parkplatz und schlängelte mich durch den höllischen Stadtverkehr, den ich in dieser Ecke der Stadt vorher noch nicht mal mit einem normalen Auto zu Gesicht bekommen habe, weil ich ja leider keins habe.
Trotzdem kam ich tatsächlich unbeschadet vor meiner neuen Wohnung an, wo Dave reinsprang. Inzwischen hatte ich mich entspannt und fühlte hinter dem Lenkrad langsam tatsächlich so was wie ein Machtgefühl in mir aufwallen. Verdammt riesige Karre – und heute ist es MEINE!!!

Wir waren bei meiner alten Wohnung angekommen. Doch wie es dort weiter ging, wie der eigentliche Umzug ablief – das erzähle ich euch morgen *kähä*