Mein Patenonkel ist heute morgen gestorben…

Er hatte Krebs und diesen eigentlich schon besiegt, bis er dann zurück kam und explosionsartig Metastasen bildete. Obwohl er regelmäßig zur Untersuchung ging, war plötzlich sein gesamter Körper voll davon.

Trotzdem war das jetzt sehr unerwartet… Ich wusste, dass es ihm nicht allzu gut geht, aber eigentlich sollte er heute nach der Chemo wieder nach Hause. Und jetzt Boom, tot.

Und wieder hab ich es nicht geschafft, mich richtig zu verabschieden, wie auch schon bei meinem Opa, obwohl das zumindest absolut aus dem Nichts kam und er vorher überhaupt nicht krank gewesen war.

Patenschaft wird auf dem Land oder zumindest dort, wo ich herkomme, noch wesentlich ernster genommen, als das wohl sonst so gemeinhin der Fall ist. Daher war er mir sehr wichtig. Trotzdem war ich halt einfach zu scheiße, mich mal bei ihm zu melden, selbst jetzt, wo es ihm so schlecht ging.

Ich könnte mir selbst aufs Maul hauen. Ich bin so scheiße in solchen Dingen. Und jetzt ist es wieder mal zu spät.

Er wollte schon vor Jahren mit mir mal essen gehen, ein richtig gutes Steak sollte es sein. Ich sagte immer „Klar, machen wir mal“, wie man das halt so tut. Aber es ist nie zustande gekommen, weil ich mich nie gemeldet habe.
Dann ist er krank geworden und plötzlich dachte ich wieder daran. Ich fragte ihn also, ob wir jetzt mal Steak essen gehen sollen, aber mit Chemo isst es sich sehr schlecht, daher vertagten wir das auf die Zeit nach seiner Genesung. Diese kam, die scheißblöde Robin meldete sich wieder nicht, immer antriebslos, immer mit anderen Sachen beschäftigt, die allesamt unendlich unwichtig sind. Und jetzt ist es für immer zu spät.

Er mochte Steak, Whiskey und Metallica. Warum hatten wir nicht mehr Kontakt, als ich älter wurde? Wir hatten doch einiges gemeinsam. Ich glaube, er wusste gar nicht, dass ich gerne Whiskey trinke. Ich hatte mir vorgenommen, ihn das Steak bezahlen zu lassen, weil er mich ja einladen wollte, aber dann praktisch zum Nachtisch einen richtig guten Whiskey auszugeben. Das hätte ihm gefallen.

Es ist zum Kotzen.

Er hinterlässt zwei Kinder und war nur halb so alt wie diese blöde Kuh Margaret Thatcher, die ihr verdammtes Leben gelebt hat und mit deren extrem unspektakulären Tod ich heute schon den ganzen Tag genervt werde. Kann mir mal jemand verraten, warum immer mehr junge Menschen Krebs kriegen?

Er hatte Krebs, meine Großeltern hatten beide Krebs, haben das aber überlebt und sowohl meine Mutter als auch meine Tante hatten beide schon mehrmals gutartige Tumore in der Brust. Tolle Familienkrankheitsgeschichte, und das alles nur mütterlicherseits. Ich werde so dermaßen sicher auch Krebs kriegen.

Alles Scheiße. Irgendwann die Woche ist vermutlich noch Beerdigung. Ich glaube nicht, dass seine Eltern das wegstecken können. Und die Mädels… die eine ist gerade erst zur Kommunion gegangen…
Die Seite der Familie mochte ich immer viel lieber als den Teil, mit dem ich immer rumhängen musste. Die waren wenigstens normal und gut drauf. Das ist einfach nicht fair.

Werde jetzt versuchen, mich abzulenken. Wundert euch nicht, wenn das Ergebnis ein semilustiger Beitrag ist, wie ich ihn für heute geplant hatte. Ich will über ihn sonst keinen Beitrag schreiben. Das ist mir zu persönlich. Wenn ich schon sonst nichts kann, dann kann ich wenigstens gut verdrängen. Oder vielleicht bin ich einfach kaltherzig.

Tschüss, P. Du hattest mehr verdient.

Edit + Update: Eben erfuhr ich, dass eine Großtante von mir gestern Abend auch noch gestorben ist. Die war zwar sehr alt und wollte sterben, weil sie kürzlich ihr zweites Kind verloren hat, aber trotzdem… auch die hätte ich gerne noch einmal gesehen. Die fand ich echt stark.
Und der Vater meines Patenonkels, ein total lieber Kerl, ist im Krankenhaus… das Herz. Ich glaube nicht, dass er das überlebt. Ich will nicht, dass er auch noch stirbt. Aber er wird ganz bestimmt sterben.
Der 8. 4. war der Todestag meines Patenonkels und meiner Großtante. Die Vier gilt in Japan als Zahl des Todes und zwei mal vier ist acht.
Nur mal so. Ich bin total wirr im Kopf…

10 Gedanken zu “

  1. Oh je, das tut mir leid!

    Wünsche dir viel Kraft … und mach dich jetzt nicht noch selbst fertig, das hilft weder deinem Onkel noch dir …. aber den Gedanken kenne ich zu gut!

    Pass auf dich auf und fühl dich lieb gedrückt!

    Dark

  2. Mein Beileid😦

    Ich kann mich noch gut erinnern, wie fertig ich nach dem Tod meines Opas war, weil ich mich nicht verabschiedet hatte. Ich war 11, meine Großeltern waren einige Wochen vorher bei uns zu Besuch gewesen und wollten morgens wieder fahren, während ich in der schule war. ich durfte natürlich weder länger aufbleiben noch die schule schwänzen, also weigerte ich mich, mich zu verabschieden. Ein paar Wochen danach starb mein Opa unerwartet, er war zwar herzkrank aber es ging ihm nicht schlecht, da hat noch niemand mit gerechnet. Das hat mir lange zu schaffen gemacht.

    • Danke bloona!

      Mann, sowas ist auch scheiße😦 Da macht man sich natürlich Vorwürfe.

      Ich wohnte immer sehr nahe bei meinen Großeltern, einige Jahre sogar im selben Haus, Land halt. Am letzten Tag, bevor mein Opa starb, war ich noch dort und habe alle getroffen: Meine Tanten, meinen Onkel, meine Cousins und Cousinen, meine Oma, alle waren da und ich habe mit jedem zumindest kurz geredet. Abends musste ich dann wieder Richtung Unistadt, daher verzichtete ich drauf, meinem Opa noch Hallo zu sagen. Der war nämlich im Stall, ein Weg von vielleicht 100 Metern. War mir in dem Moment zu stressig😦
      Und am nächsten Tag bekomme ich früh einen Anruf, dass er tot ist, im Schlaf gestorben. Dabei war er wirklich noch sehr fit und auch noch gar nicht so alt, erst Anfang Siebzig. Seitdem denke ich daran, dass ich doch wenigstens kurz mal hätte zu ihm gehen können. Mein Opa war ein so lieber Mensch und hätte sich darüber sehr gefreut, auch wenn wir uns davor auch schon häufig gesehen haben. Es ging ihm nichts über seine Enkel😦

  3. Ach Shit, das Leben ist doch echt nicht fair. Du weißt sicher noch, was ich dir zu deinem Opa gesagt hab. Das selbe gilt jetzt auch.

    (ich hoffe das Bild wird richtig angezeigt)

    Fühl dich gedrückt.

  4. Tut mir Leid fuer dich.

    Der Gedanke, dass manche Menschen 90 Jahre alt werden, dabei geraucht, gesoffen und sonstwas gemacht haben, und wiederum andere gesund, erfuellt und liebenswert leben, dabei aber schon mit der Haelfte unverdient an Krebs sterben, macht sehr fertig.

    Besuch sein Grab so oft wie moeglich! Mir hilft es sehr mit meiner Trauer um einen geliebten Menschen umzugehen. Und es tut gut, mich um das Grab kuemmern zu koennen. So makaber es klingt, aber ich freue mich manchmal richtig auf die Besuche. Es ist schließlich die einzige echte Verbindung die einem zum Verstorbenen bleibt (mal von den quaelenden Erinnerungen abgesehen).

    PS: Und geh ruhig mal richtig einen ueber den Durst trinken, das hilft zwar nicht lange, aber lenkt mal fuer eine Weile ab.

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