Knutschverbot – eine absolut logische, durchführbare und überhaupt nicht beschissene Idee. Hust.

„Hey ihr Schwucheln, habt ihr kein Zuhause?“
– Die Simpsons

Leider ist es so, dass bei aller in den letzten Jahren gestiegenen Toleranz für Homosexuelle diese immer noch Probleme haben, ihre Homosexualität in der Öffentlichkeit mit einer anderen Person auszuleben, wie es für Heteros selbstverständlich ist. Das variiert natürlich von Ort zu Ort – im bayrischen Dorf wird sowas auf mehr Ablehnung stoßen als in Köln – aber es ist stark anzunehmen, dass jeder Homosexuelle, egal ob männlich oder weiblich, schon mal starrende, unhöfliche Blicke, dumme Kommentare oder in manchen Fällen sogar Gewalt erfahren hat. Und das nur, weil er oder sie offen mit einer anderen Person, die er oder sie liebt, die gleichen Zärtlichkeiten ausgetauscht hat, die man bei heterosexuellen Pärchen dauernd beobachten kann.

Es muss scheiße sein für einen Homosexuellen, sowas zu erfahren. Und das schürt natürlich auch Neid: Neid auf diejenigen, die ihren Partner jederzeit im Café oder in der Disco knutschen können, wenn sie Bock drauf haben, ohne dass diejenigen mit einer Sanktion egal welcher Art rechnen müssen. Denn für Verliebte ist es ja normal und mit keinerlei Nachteilen verbunden, ihre Verliebtheit zu demonstrieren – sofern sie denn hetero sind.

Als heterosexueller Mensch kann man also ruhig mal inne halten und sich klar machen, dass man ständig irgendetwas tut, was anderen verwehrt bleibt. Privilegien hinterfragen nennt man das.

So weit, so cool.

knutschverbot

Irgendwie so.

Nur haben wie immer ein paar Leute die wohl zwingende Tendenz, alles völlig zu übertreiben, daher wurde etwas ausgeheckt, was sie selbst nicht „Knutschverbot“ nennen, was ich aber dennoch so nenne, weil der Begriff den Kern der Sache ziemlich gut trifft und ich sie außerdem ein bisschen ärgern will.
Das Knutschverbot besagt folgendes: Heteros sind privilegiert, weil sie als Mitglied einer mächtigen Mehrheit und der „Norm“ in der Öffentlichkeit mit ihrem Partner durch diverse zärtliche Kleinigkeiten zeigen können, dass sie eben in einer Partnerschaft stecken, während Schwule und Lesben das nicht können. Daher ist es nur fair und solidarisch, sich als Hetero in der Öffentlichkeit jedwede Zärtlichkeit zu verkneifen, weil dadurch die Norm, die sie mit ihrer Rumknutscherei produzieren, etwas weniger mächtig wird.

Jo, ne. Das hab ich jetzt schon mehrmals gehört und gelesen – und natürlich ist auch die Mädchenmannschaft ganz vorne mit dabei, wenn es um noch mehr Political Correctness geht.

Ich will nicht schon wieder fragen, ob die verantwortlichen Damen den Arsch offen haben. Aber naja, es drängt sich mir halt schon die Frage auf, ob solche Leute den Arsch offen haben, ne?

Man soll sich also als reflektierter, solidarischer Hetero-Mensch jegliche Zärtlichkeit mit einem geliebten Menschen in der Öffentlichkeit verkneifen und das rettet dann irgendwie die Welt oder zumindest die Homosexuellen. Also so:

Schritt 1: Critical Hetness (sic…)
Schritt 2: ?
Schritt 3: Profit!

Da fasse ich mir doch ganz langsam und matt an den Kopf und sinke kraftlos zu Boden. Nein, wie ist das so blöd! Und für dieses Urteil gibt es mehr als einen Grund.

Es trifft genau die Falschen
Logischerweise würden sich nur Menschen dem freiwilligen Knutschverbot unterwerfen, die davon wissen und ihre Situation als Hetero reflektiert haben. Man kann, nein, muss also davon ausgehen, dass diese Leute allesamt Homosexuelle respektieren und an ihrer Seite stehen.
So. Warum sollen also Menschen, die nicht homophob sind und damit nicht Teil des Problems, unter so etwas leiden? Offensichtlich wird es ja als quälend empfunden, keine Zärtlichkeiten demonstrieren zu dürfen. Warum diese Qual auf genau die falschen Leute übertragen, die, die für das Recht einstehen, als Homosexueller genauso behandelt zu werden wie als Hetero? Wer will denn sowas?

Es scheint nicht immer die Sonne im Hetenland
Ein Mann schreibt eine Oper über eine Frau? Oh Sir, Wie köstlich absurd!“
– Futurama
Es stimmt ja schon: Bis auf einige sehr, sehr kleine Ausnahmen ist Heterosexualität in der gesamten Menschheitsgeschichte immer das gewesen, was als einzig normale Neigung angesehen worden ist. Entsprechend schlecht war es meistens um die Rechte von Homosexuellen bestellt. Wissen wir ja alle! Dennoch empfinde ich die Sichtweise, dass Heteros es IMMER leicht haben und Homos IMMER schwer, in dieser Form zu einfach, wenn damit begründet wird, warum ein freiwilliges Knutschverbot für jeden, der hetero ist und Homosexuelle unterstützen will, obligatorisch sein muss, sonst würde man sich ja nur selbst was vorheucheln.
Unglaublich, aber wahr, aber es gibt tatsächlich heterosexuelle Menschen, für die die Erfahrung, mit ihrem Partner Zärtlichkeiten auszutauschen, auch in der Öffentlichkeit, einfach unglaublich wichtig ist. Als erstes würden mir da ABs einfallen. ABs, das steht für Absolute Beginners und mit diesem Begriff werden Menschen bezeichnet, die schon erwachsen sind, aber trotzdem noch keine Beziehungserfahrung (inklusive Sexualität) haben. (Bevor die Frage aufkommt: Ja, ich bin eine Ex-AB. Etwas, über das ich irgendwann mal ausführlicher schreiben werde.) Es wäre unendlich scheiße für diese Menschen, wenn sie dann endlich, endlich eine Beziehung gefunden haben, sofort unter Menschen sämtliche Berührungen und Liebesbekundungen unterdrücken zu müssen.
Oder stellt euch ein Missbrauchsopfer vor, das nach langer Therapiearbeit endlich wieder so weit ist, Nähe zuzulassen. Soll so jemand tatsächlich gezwungen sein, sich nach der ganzen Arbeit, die das Gegenteil zum Ziel hatte, selbst zu regulieren, nur um keine Norm zu reproduzieren?
Das mögen konstruierte Beispiele sein, es sind aber nichtsdestotrotz Fälle, die so oder ähnlich vorkommen können. Solchen Leuten kann man sowas nicht zumuten – finde ich zumindest. Natürlich wurde im entsprechenden Artikel der MM auch betont, dass ja keine wirklichen Verhaltensregeln aufgestellt werden können, weil ihnen dazu die Macht fehlt, und deshalb der Begriff „Knutschverbot“ ja so falsch wäre, aber der Druck, der zumindest in entsprechenden Szenen herrschen wird oder tatsächlich schon herrscht, sagt doch was ganz anderes: Wer nicht mitmacht, kann ja nicht für Homo-Rechte sein. Was im Grunde heißt, dass derjenige homophob ist. Und wir wollen doch nicht homophob sein, oder?!?!
Tut mir leid, aber bei dieser Aufspielerei als moralische Höchstinstanz kotze ich ihm Strahl.

Minus mal Minus ergibt nicht Plus
Kein Homo wird mehr kuscheln können, wenn Heteros weniger kuscheln. Sich als Hetero das Knutschen zu versagen bedeutet nicht, dass Homos mehr knutschen. Es wird sich NICHTS ändern dadurch. Nur eines ist sicher: Dadurch gibt es weniger (sichtbare) Liebe. Und das ist scheiße, denn: Liebe ist doch genau das, was jeder will und das einzige, das dereinst die Welt retten wird.
Also kann ein Liebesentzug, und sei es auch nur in der Öffentlichkeit, doch wohl nicht das Ziel sein?

fehlende Signalwirkung
Ich weiß nicht, ob die Mädels von der MM an einer interessanten Art der Realitätsverweigerung leiden oder es einfach bisher nicht gemerkt haben. Aber Tatsache ist: Der Feminismus ist kein Mainstream. Genauso wenig wie Gay Pride oder Queer-Sachen. Es gibt nur eine ganz kleine Gruppe in diesem Land, die sich mit sowas beschäftigt und von dieser kleinen Gruppe werden sich wohl einige bezüglich des Knutschverbots genauso an den Kopf fassen wie ich.

Das ist so großartig, das musste ich einfach ergänzen!

Das ist so großartig, das musste ich einfach ergänzen!

Wenn man was erreichen will, muss man Akzente setzen. Man braucht Signale, um gesehen zu werden, denn ohne sichtbares Signal wird sich kein Mensch für das Anliegen, für das man kämpft interessieren, da es schlicht und ergreifend niemand bemerkt.
Was ist wohl die Signalwirkung von „Ich unterlasse es ab jetzt, meinen Freund öffentlich zu küssen und mit ihm Händchen zu halten“? Genau: Nichts. Weil das nämlich längst nicht jeder macht. Oder habt ihr euch bei einem Paar schon mal nach kürzester Zeit gefragt: „Oh mein Gott, dieser Typ und diese Tussi sitzen jetzt schon seit zehn Minuten an unseren Nebentisch und haben sich noch kein einziges Mal geküsst!! Da stimmt doch was nicht!! Wenn… wenn ich darüber nachdenke, bringt das mein gesamtes heteronormatives Weltbild ins Wanken!!einself“
Nicht so wirklich, ne? So eine Maßnahme bringt nur was und ist nur dann überhaupt sichtbar, wenn man sie auch ständig verbalisiert. Damit erreicht man irgendwelche Leute auf der Straße schon mal nicht, außer man labert sie halt im Vorbeigehen an. „Verzeihung, wir kennen uns nicht und sind uns nie begegnet, aber dieser Mann an meiner Seite ist MEIN Mann. Wie Sie jedoch sehen, verzichten wir aufs Händchenhalten aus Solidarität zu Homosexuellen, die das nicht so einfach können!“ – Nicht ernsthaft, ne?
Und selbst wenn man sich bei sowas auf seinen Familien- und Freundeskreis beschränkt, wird man innerhalb kürzester Zeit einfach nur zu einer gewaltigen Nervensäge, ähnlich Vegetariern, die bei jedem Essen betonen müssen, dass sie kein Fleisch essen, statt einfach das Maul zu halten und sich ihrem Salat zu widmen. Niemand mag Nervensägen!
Sobald eine Zahl von Leuten, die mitmachen, erreicht wäre, deren Befolgung des Knutschverbots tatsächlich in der Gesellschaft spürbar wäre, wäre das Verbot nicht mehr nötig, weil es dann keine Homophobie mehr gäbe – oder zu einer Randerscheinung geworden wäre.

Ich bin keine Ellen-Jamesianerin
Besonders bemerkenswert ist bei der MM, und zwar nicht nur bei diesem Artikel, die ganz außergewöhnliche Leidensfähigkeit der Betroffenen. Sätze, die ich besonders köstlich fand, waren zum Beispiel:
Wenn ich mir bewusst bin, dass ich andere damit verletzen kann, habe ich doch gleich viel weniger Freude daran in der Öffentlichkeit zu knutschen.
Und zu einer kritischen Stimme:
lass es halt und schönes unbeschwertes Leben noch.
Hui, harte Bandagen. „Du bist glücklich. SCHÄM DICH!!!“
Es tut mir ja ganz furchtbar leid, aber ich bin tragischerweise nicht masochistisch veranlagt. Ich brauche nicht dieses Gefühl, mich permanent selbst zu kasteien, um in meiner kleinen radikalen Seifenblase als härteste PClerin den meisten Fame abzugrasen. Und vor allem möchte ich mich nicht wegen Dingen schämen, auf die ich keinen Einfluss habe. Ich bin heterosexuell nicht aus Entscheidung, sondern so geboren. Warum werde ich deswegen angefeindet?

So. So viel zu meiner doch ausführlicher ausgefallenen Kritik an diesem dämlichen Knutschverbot. Jetzt lässt es sich natürlich leicht meckern, wenn man keinen Gegenvorschlag hat. Doch dazu ist mir heute eine Idee gekommen:

Statt sich als Hetero jegliche Zärtlichkeit selbst zu unterbinden – wie wäre es, wenn sich nicht einfach jeder einen gleichgeschlechtlichen Freund oder eine Freundin schnappt und mit DER ein bisschen auf schwul oder lesbisch macht? Und zwar so richtig in der Öffentlichkeit?

Das Problem ist doch, dass homosexuelle Zärtlichkeiten als abweichend von der Norm angesehen werden. Also könnte doch eine Herangehensweise sein, die Menschen dahingehend ein wenig zu desensibilisieren. Einem bayrischen Landei wird nach seinem Umzug nach Köln mit Sicherheit nach einiger Zeit nicht mehr alles aus dem Gesicht fallen, wenn es zwei küssende Männer sieht. Desensibilisierung! Und, nicht vergessen, nerven. „Ich bin nicht schwul, aber ich wäre es gerne, nur um Leute zu nerven, die was gegen Schwule haben“ sprach einst der unvergleichliche Kurt Cobain (der sicher viele Männer sehr, sehr glücklich gemacht hätte, wäre er denn wirklich schwul gewesen). Das ist auch ein Grund, weshalb er manchmal Frauenkleider angezogen hat: zum Ärgern.

Einen schönen Mann kann nichts entstellen.

Einen schönen Mann kann nichts entstellen.

Und das ist doch cool. Also, einen Homophobiker ärgern. Dem würde doch schier der Kopf platzen, wenn sich die Zahl derer, die er hasst, sich vor seinen Augen plötzlich verzehnfacht. Er wird zwar irgendwann mitkriegen, dass die meisten davon ihre Homosexualität nur faken, aber nützt ihm das was? Nee. Er kann entweder alle dumm anlabern und sich damit lächerlich machen, weil er ja weiß, dass er die falschen anspricht, oder es einfach sein lassen. Der alte „Wir malen einfach an alle Türen ein X“-Trick, den kennen wir doch schon aus Märchen. Verwirrungsstrategie! Der totale Hirnfick!

Ich glaube, sowas könnte ein sehr großer Spaß werden. Hier fänden sich auch mit Sicherheit mehr Teilnehmer als beim Knutschverbot. Und es würde eindeutig mehr Aufmerksamkeit erregen!

Man muss es ja nicht ständig durchziehen, aber man kann es nach Belieben immer mal wieder einbauen. Shoppen mit der besten Freundin? Geht doch einfach mal Hand in Hand und gebt euch Wangenbussis. Saufen mit eurem Bro? Nennt ihn „Schatz“ und streichelt sein Knie. Auch als Aktivität für Pärchenabende geeignet! Tauscht halt im Restaurant einfach die Partner!

Es versteht sich von selbst, dass sämtliche Zärtlichkeiten, die man normalerweise nur mit dem Partner teilt, den man liebt und sexuell begehrt, vorher mit eurem gleichgeschlechtlichen Kumpel oder der Kumpeline, mit der ihr dieses Spiel durchführen wollt, genau abgeklärt werden, denn natürlich findet sowas nicht jeder angenehm. Manche Hardcores finden vielleicht nicht mal etwas dabei, Zungenküsse auszutauschen, während andere schon durch einem Schmatz auf die Wange oder einem Arm um die Schulter ein bisschen überfordert sind.
Aber das ist okay! Partnerschaftlichkeit äußert sich in vielen Kleinigkeiten. Wer nicht aus einem gerechtfertigten Grund ein Problem mit Nähe hat, muss doch vor einem kurzen Händchenhalten mit einem Freund nicht zurück schrecken. Natürlich ist ein „Wäääh, eklig, das find ich schwul!“ nicht gerade ein bestechendes Gegenargument! Alle anderen werden mit Sicherheit einen Weg finden, sich ein bisschen homo zu geben!

Stellt euch lauter entgeisterte Gesichter vor, wenn an einem schönen Sonntagnachmittag plötzlich das halbe Café voll ist mit vermeidlich schwulen und lesbischen, süß turtelnden Pärchen! Ich fände das gigantisch! Und es wäre tausendmal effektiver, dabei aber doch noch gleichzeitig lustiger und einfach lebensbejahender als ein saublödes Knutschverbot!

Problem ist natürlich, dass so eine Idee von den zitierten Kräften sicher sofort demontiert werden würde und zwar mit lauter schicken Fremdwörtern, die ich allesamt nicht kenne.
Tja, das ist mir aber egal. Ich bin lieber leicht anmaßend als völlig ineffektiv!

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48 Gedanken zu “Knutschverbot – eine absolut logische, durchführbare und überhaupt nicht beschissene Idee. Hust.

  1. Danke, das ist schön zusammengefasst. Ich denke im Kern geht es tatsächlich um „Wenn ich mich schlecht fühle, sollen sich die anderen auch schlecht fühlen“.

    Du hast es auch schon geschrieben: Wie — genau — soll durch dieses Verhalten die Akzeptanz von homosexueller Zuneigung gesteigert werden? Passiert das dann, wenn überhaupt keine_r mehr Zärtlichkeiten austauscht auf einmal automatisch?

    Ich setze mich gerne und aktiv gegen Diskriminierung ein. Und ich bin alt genug, als dass öffentliche Zuneigungsbezeugungen ohnehin nur noch seltenst vorkommen.

    Aber diesen Text kann ich nur so verstehen, dass dadurch die eigene Radikalität einer bestimmten Gruppe gegenüber nachgewiesen werden soll.

    • „Danke, das ist schön zusammengefasst. Ich denke im Kern geht es tatsächlich um “Wenn ich mich schlecht fühle, sollen sich die anderen auch schlecht fühlen”.“

      Ich glaube, sowas wird in der Tat eher von heterosexuellen Leuten angeleiert, die sich einfach nur anbiedern wollen. Also ja, hier wird der Nachweis einer radikalen Gesinnung konstruiert.

      In den Kommentaren wird weiter dargelegt, wie die Critical Hetness eigentlich genau helfen soll. Leider leuchtet mir davon absolut nichts ein.

  2. „Ich bin heterosexuell nicht aus Entscheidung, sondern so geboren“

    Da würde dir die Mädchenmannschaft wahrscheinlich schon widersprechen, schließlich ist ja alles soziale Konstruktion. Und dir vorwerfen, deine Privilegien nicht hinreichend zu hinterfragen.

    Würde mich interessieren, ob einer von denen was zu deinem Vorschlag ganz unten schreibt.

    • Das halte ich für ganz gefährlich (und außerdem unzutreffend). Immerhin kann man mit der Einstellung ja auch ganz leicht dafür plädieren, einfach alle Schwulen und Lesben wieder umzuerziehen etc. Gab es jahrzehntelang. Irgendwann sollten wir damit durch sein!

  3. Geiler Vorschlag, ich stelle mir das grad bildlich vor 🙂
    Und ja, so kann sicher mehr erreicht werden als mit einem durch Schwurbel-Correctness verhängtem Knutschverbot. (Wenn ich nur schon den Begriff Critical Hetness lese, wird mir übel – da könnte mann glatt hetero werden vor Schreck…)

    Lieber Gruss
    darki1970

    • Hihi, ich stelle mir dabei meine Familie beim Spaziergang und anschließenden Café-Besuch vor… ohne Scheiß, das wäre für einige meiner geschätzten Familienmitglieder wirklich ein Grund, heimzufahren :mrgreen: Und daher ist es cool!

  4. Manchmal finde ich es einfach nur Schade das nicht mehr so Menschen wie z.B. Du als Feministinnen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden sondern immer nur so total frustrierte die mit ihrem Leben nicht klarkommen und ständig etwas suchen um ein bisschen zu shitstormen und in der Öffentlichkeit zu stehen …. aber wahrscheinlich ist das der Grund.

    Das schlimmste an dem Knutschverbot finde ich das solche komischen Forderungen zu immer mehr Prüderie in der Gesellschaft führt. Dein Vorschlag dagegen ist cool. Der würde wirklich etwas ändern. Und zusätzlich noch dafür sorgen das man sich an Knutschende, egal welchen Geschlechts, gewöhnt anstatt das es dann irgendwann so weit ist das selbst „heteronormatives“ Knutschen in der Öffentlichkeit verpönt ist.

    • Naja, viele, die so sind und in der Öffentlichkeit stehen… da muss man „Öffentlichkeit“ in Gänsefüßchen setzen. Wer, der sich nicht mit der Thematik beschäftigt, kennt schon viele Feministinnen?
      Ich kenne jedenfalls auch einige, die völlig in Ordnung sind, auch wenn ich nicht in allen Details mit ihnen überein stimme.

      Ob es wirklich zu mehr Prüderie führt? In letzter Konsequenz vermutlich schon. Aber wie schon gesagt: Wenn da wirklich so viele Menschen mitmachen würden, dass es spürbar wäre, hätten wir das ganze Problem nicht.

  5. Diese Mentalität stört mich in jeder Bewegung. Das Kasteien der Unterstützenden und dieses Rumtönen von wegen ‚Bist du nicht unserer Meinung bist du Rassist/Sexist/Homophobiker/King-Joffreyist etc. Da möchte ich diese Leute immer nehmen und so lange schütteln, bis Einsicht wächst. Baaah.

    Aber deine Idee find ich gut 😀 Das werde ich meiner besten Freundin heute beim Mittag mal vorschlagen und ich wette, sie ist dabei 😀 Ich bin unendlich dafür!

    • Und, habt ihr schon eine Aktion gestartet? 😉 Fände ich wahnsinnig cool!

      King Joffreyisten muss man allerdings wirklich schützen. Das ist eine beklagenswerte Minderheit ohne Macht, die unsere Unterstützung braucht! Vor allem… ach… nee, ich spoiler nicht :mrgreen:

      • Nee noch nicht, aber uns fiel ein, dass wir sowas schon gemacht haben 😀 Also wird da definitiv mal was kommen 😉

        Ich ahne, worauf du hinaus willst, ich hab mich letztes aus versehen selbst gespoilert xD

  6. Erstmal schonmal ein zwei großes Plus für die Simpson und Futurama Zitate 😉 . Ansonsten aber auch ein guter Post der wirklich schön aufzeigt wo die Probleme bei dem Aufruf sind, gerade in Hinsicht das man mit dieser Passivität bzw. dem Unterlassen kein Signal sendet.

      • Mir ist irgendwie bei deiner Antwort der Gedanke gekommen: Warum GIBT es eigentlich keine Homosexuellen in Futurarma? Bei den Simpsons ist nur eine einzige Hauptfigur schwul (und das nicht mal offen) und eine lesbisch (das war aber ein beschissener Twist und ziemlich out of character), was man mit der ziemlich beschissenen Einstellung der Amis zu Homosexualität erklären lässt.
        Nur, warum dann nicht bei Futurama? Einer Serie, die 1000 Jahre in der Zukunft spielt? Denkt Matt Groening nicht, dass sich die Situation bis dahin etwas geändert hat? Warum nicht das „Is ja nur Sciene Fiction“-Schutzschild dazu benutzen, amerikanische Zuschauer etwas mehr an Schwule und Lesben zu gewöhnen?

      • Warum es nicht mehr Homosexuelle bei Simpsons oder Futarama gibt, kann ich dir leider auch nicht sagen. Ist halt auch etwas schwierig, weil du ja nur eine begrenzte Menge an Hauptcharakteren hast, kannst du nur einen Charakter als Stellvertreter für eine Bevölkerungs-Gruppe einführen. Dann hast du halt nur einen Schwulen, eine Lesbe, einen fanatisch Religiösen, einen Millionär, etc pp.

        Was ist halt vor allem da vermisse, sind homosexuelle Beziehungen, die es bei den Simpsons praktisch nicht gibt (sie existieren höchstens eine Episode lang).

        Vielleicht spielt noch eine Rolle, dass beide Sachen auch Fox laufen; der Sender steht ja auch deutlich auf der homophoben Seite der Macht.

        Zu Futurama ist aber vielleicht noch zu sagen, dass Futurama keine Zukunft-Utopie sein soll, sondern eher die Gegenwart in die Zukunft versetzen möchte. Da existieren dann auch die gleichen Probleme, die es auch in der Gegenwart gibt.

  7. Ich wüsste echt gerne mal, wie viele homosexuelle Menschen sich derart von knutschenden Päärchen gestört fühlen, wie es die MM uns weismachen möchte.
    Ich glaube auch, dass die Idee, offensiv zu zeigen, dass auch gleichgeschlechtliche Partner in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen, viel besser ist und viel mehr für das Ziel tut als sich selbst Knutschen oder Zärtlichkeiten allgmein zu verbieten.

    Erstens sieht das sowieso niemand, dass da jetzt aus Solidarität nicht geknutscht wird und zweitens wird dadurch Liebe und Zärtlichkeit allgmein aus der Öffentlichkeit verbannt, was ich wirklich schade fände.

    • Ich glaube schon, dass sich viele von knutschenden Pärchen gestört fühlen. Wie gesagt, das muss echt richtig scheiße für Betroffene sein. Aber ich glaube, die wenigsten würden so eine Maßnahme gut heißen. Mich stört ja auch vieles, aber ich gehe trotzdem nicht hin und verlange, dass andere das einstellen… okay, kommt drauf an was ^^

  8. Ich finde es lustig wie ähnlich wir manchmal ticken… ich habe genau den selben Vorschlag in den Kommentaren beim Knutschverbotblog von vor x Monaten (ist ja kein neues Thema^^) gemacht. Reaktion… Null^^ Wie zu erwarten. Na ja, immerhin wurde er freigeschaltet, was ja bei meinen Kommentaren auf feministischen Seiten bekanntermaßen die große ausnahme ist^^

    • lol, naja, es hätte mich auch echt überrascht, wenn sonst noch nie jemand auf diese Idee gekommen wäre. Ist für mich relativ offensichtlich.

      Kaum zu fassen, dass sowas freigeschaltet worden ist… und dann auch noch, ohne dich entsprechend zu maßregeln. Ich sag ja auch nicht, dass es für eine solcher Idee nicht auch Contraargumente gibt…

      • Es gibt für alles Contraargumente, und wenn du die Mädchenmannschaft fragen würdest, wäre das vermutlich total irgendwasistisch. Irgendwer wird sich immer auf die Füße getreten fühlen, egal was man macht. Und wenn die Idee nicht von der MM kam ist sie grundsätzlich sowiso scheiße.

        Freigeschaltet wurde der Kommentar damals auf sanczy(?)s blog, wenn ich mich recht erinnere. Die MM hat noch nie was von mir durchgewunken. Ich verstöre sie wohl zu sehr mit (Achtung Triggerwarnung!) anderen Meinungen! :-O

  9. @ Robin
    Ich teile viele deiner Kritikpunkte. Zum Beispiel, dass Verbote, öffentlich Gefühle zu zeigen, Humbug sind und dadurch keine Probleme von Homosexuellen gelöst werden. Dass es viel sinnvoller ist, deutlich Flagge zu zeigen, und wenn es nur zu Provokationszwecken ist.
    Viele Menschen können sich von öffentlichen Zärtlichkeiten gestört oder verletzt fühlen. Das sind nicht nur Homosexuelle. Und natürlich kann man Rücksicht nehmen. Wenn eine befreundete Clique zusammenhockt und darunter befinden sich nur Paare, bis auf eine Person, die vielleicht auch noch unglücklich verliebt ist, muß man nicht demonstrativ den ganzen Abend herumturteln. Aber das kann ja für homosexuelle Paare genauso gelten. Konsequent gedacht müßte man also auch homosexuellen Paaren ans Herz legen, nicht öffentlich herumzuknutschen, weil das unfreiweillige Singles (egal ob homo oder hetero) unnötig verletzen könnte. Aber es soll ja genau das Gegenteil erreicht werden. Wir brauchen nicht weniger Liebe, sondern mehr.
    Wenn jetzt jeder darüber sinniert, wer sich wovon gestört fühlen könnte, bevor er mit einem geliebten Menschen Zärtlichkeiten austauscht, wird es irgendwann keinerlei Zärtlichkeiten mehr im öffentlichen Raum geben. Also auch keine homosexuellen.

    Soweit bin ich also ganz bei dir.

    Der Punkt, den ich nicht verstehe. Wo genau fordert die MM explizit ein Verbot? Das einzige, was ich lese, ist dass gesellschaftliche Privilegien hinterfragt werden (und die haben Heterosexuelle ja mal definitiv) und dass ein freiwilliger Verzicht auf öffentliches Herumgemache solidarisch und rücksichtsvoll sein kann. Das kann man kritisieren, ich sehe auch nicht ein, warum ich mit einem geliebten Partner nicht knutschen darf, nur weil er zufällig ein Mann ist und ich damit die Heteronorm manifestiere. Ich finde es aber jetzt auch nicht wahnsinnig dramatisch. Das hat doch mit einem Verbot nichts zu tun.

    • „Viele Menschen können sich von öffentlichen Zärtlichkeiten gestört oder verletzt fühlen. Das sind nicht nur Homosexuelle.“

      Bestimmt. Allerdings gibt es da natürlich auch Abstufungen, die ich jetzt nicht extra erwähnt habe, weil ich das auch offensichtlich finde.
      Ich meine, es ist ja nicht so, als würde JEDE Zärtlichkeit eines heterosexuellen Paares so gerne gesehen. Ich kenne wirklich niemanden, der sich nicht davon gestört fühlt, wenn ein Paar sich öffentlich komplett abschlabbert oder massiv rumfummelt. Und auch zu viele „Schatzipups“ und „Bärchen“ wirken einfach nur lächerlich und nerven.
      Problem ist, wenn sowas ein homosexuelles Paar macht. Einerseits nervt mich das genauso wie bei einem heterosexuellen Paar, anderseits denke ich, dass die, wenn sie mal irgendwo sind, wo sie ihre Partnerschaftlichkeit ausleben können, halt auch einiges nachzuholen haben.
      Schwer. Aber ich tendiere zu: Was mich nervt, nervt mich halt, egal von wem es kommt (hihi: http://erzaehlmirnix.wordpress.com/2012/05/04/diskriminierung/)

      Was die MM will, ist natürlich kein Verbot, wie gesagt fehlt ihnen dazu ja auch einiges. Aber mit solchen Sätzen wie von Anna-Sarah am 9. 4. in ihrem Kommentar um 18:40 wird unheimlich Druck aufgebaut. PC-Druck. (ich bin mir unsicher, ob ich so viel hier her kopieren darf. Sorry. Ich meine die letzten drei Absätze im entsprechenden Kommentar)
      Sie können natürlich kein echtes Verbot durchsetzen und wollen das bestimmt auch nicht, aber durch den erhobenen Zeigefinger und die Präsentation als moralische Überlegenheit kommt es zumindest in gewissen Kreisen de facto als Verbot an. Wenn man sich dem nicht beugt, muss man halt damit leben, als homophob oder zumindest als gefühlloses Arschloch wahrgenommen zu werden. Was natürlich der Reputation in der Szene nicht gerade zuträglich ist. Und wer das nicht macht, weil er noch nie auf die Idee gekommen ist, also jemand, der sich mit solchen Fragen nicht beschäftigt, ist halt ein blinder Depp, der noch nie seine Privilegien reflektiert hat. Und damit ja auch irgendwie ein Arschloch, selbst wenn er total für die Rechte der Homosexuellen ist.

      • “ aber durch den erhobenen Zeigefinger und die Präsentation als moralische Überlegenheit kommt es zumindest in gewissen Kreisen de facto als Verbot an. Wenn man sich dem nicht beugt, muss man halt damit leben, als homophob oder zumindest als gefühlloses Arschloch wahrgenommen zu werden.“

        Mag sein, dass es bei manchen so ankommt. Aber ich ziehe mir den Schuh einfach definitiv nicht an. Ich kann sehr wohl solidarisch mit Homosexuellen sein, bin es auch, auch ohne mir selbst unsinnige Verbote aufzuerlegen. Das lasse ich mir auch nicht ausreden. Ich bin vorn dabei, wenn es um das Recht zu heiraten oder der Adoption geht, keine Frage. Oder beim Anprangern und Bekämpfen von heterosexistischem Harassment. Aber in mein Privatleben lasse ich mir deswegen sicher nicht reinreden.

        „Und wer das nicht macht, weil er noch nie auf die Idee gekommen ist, also jemand, der sich mit solchen Fragen nicht beschäftigt, ist halt ein blinder Depp, der noch nie seine Privilegien reflektiert hat.“

        Hier gilt das gleiche. Die eigenen Privilegien zu erkennen, erfordert nicht automatisch, sich selbst in diesen Privilegien einzuschränken. Es erfordert eher Unterstützung, damit sich die Situation für Homosexuelle verbessert. Wer mir deswegen Homophobie unterstellt (ist allerdings noch nie passiert), hat noch ganz andere Probleme.

  10. Deinen Vorschlag am Ende des Artikels finde ich gut. Konfrontation ist deutlich sinnvoller als (nicht wirklich sichtbarer) Verzicht. Ausserdem mehr Liebe! \o/

    ABER!
    Nicht alle Menschen sind homo oder heterosexuell! Wenn eine Frau in einer Beziehung mit einem Mann ist, macht sie das nicht zur Hetera. Ebensowenig macht es sie zur Lesbe, wenn sie als Frau mit einer Frau zusammen ist. Sprecht doch bitte von homo/heterosexuellen _Beziehungen_ (statt Menschen). Danke.
    Gilt natürlich für alle, nicht nur für dich.

    Und:
    Weniger Seitenhiebe gegen verschiedene Gruppen hätten dem Artikel echt gut getan. Wenn ich sowas lesen will, geh ich zu Fefe. Dass der wirklich neue Teil erst zum Schluss kommt hilft da nicht unbedingt – ohne den vorherigen Hinweis darauf hätte ich ihn vermutlich nicht zuende gelesen.

    • „Nicht alle Menschen sind homo oder heterosexuell! Wenn eine Frau in einer Beziehung mit einem Mann ist, macht sie das nicht zur Hetera. Ebensowenig macht es sie zur Lesbe, wenn sie als Frau mit einer Frau zusammen ist. Sprecht doch bitte von homo/heterosexuellen _Beziehungen_ (statt Menschen). Danke.
      Gilt natürlich für alle, nicht nur für dich.“

      Ich weiß, dass die Bezeichnung etwas unpräzise ist und es noch andere Formen als Heterosexualität und Homosexualität gibt etc. Nur bediene ich mich in meinen Artikeln meistens der Umgangssprache, weil das so mein Stil ist. Ich denke, die meisten verstehen, was ich meine.

      „Weniger Seitenhiebe gegen verschiedene Gruppen hätten dem Artikel echt gut getan. Wenn ich sowas lesen will, geh ich zu Fefe.“

      Ich weiß leider nicht, was Fefe ist. Und die Seitenhiebe kann ich mir leider nicht verkneifen. Ich würde sie nicht bringen, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass die MM mit ihrer Einstellung dem Feminismus erheblichen Schaden zufügt.
      Ist auch nicht das erste Mal – die Seite ist inzwischen für mich ein rotes Tuch. Da hatte ich ja einen Link im Text gesetzt. Und der Artikel http://drehumdiebolzeningenieur.wordpress.com/2012/10/09/dann-reden-wir-doch-mal-tacheles/ spricht mir auch aus der Seele.

      „Dass der wirklich neue Teil erst zum Schluss kommt hilft da nicht unbedingt – ohne den vorherigen Hinweis darauf hätte ich ihn vermutlich nicht zuende gelesen.“

      Da hast du Recht. Ich habe diesen Artikel begonnen, weil ich etwas über diese Idee schreiben wollte (zu der mir leider bisher kein knackiger Name eingefallen ist) und wollte zu Anfang nur ganz kurz meine generelle Kritik am „Knutschverbot“ formulieren. Das wurde dann allerdings wesentlich länger als geplant. Eigentlich sollte die Idee am Schluss im Mittelpunkt stehen, aber schon rein vom Umfang her ist sie jetzt doch wesentlich kürzer.
      Ich will aber auch nicht an den Anfang ein „Ich weiß, die Kritikpunkte kennt ihr alle schon, aber lest bis zum Schluss, da wird es voll cool!“ setzen 😉

      • „Ich weiß, dass die Bezeichnung etwas unpräzise ist und es noch andere Formen als Heterosexualität und Homosexualität gibt etc. Nur bediene ich mich in meinen Artikeln meistens der Umgangssprache, weil das so mein Stil ist. Ich denke, die meisten verstehen, was ich meine.“

        Das macht halt – mal wieder, wie immer – genau diese Gruppen unsichtbar, was eben auch nicht hilft bei der Akzeptanz. Die von mir vorgeschlagene Alternativformulierung nennt sie zwar auch nicht komplett aber vermeidet zumindest die Binarisierung der Menschen an sich.
        Nicht-monosexuelle Menschen werden immer in Frage gestellt. „Aber eigentlich bist du doch hetero.“ „Du bist also lesbisch?“ „Worauf stehst du denn mehr?“ „Aber wenn du mit mehr Männern zusammen warst, magst du sie wohl lieber.“ …und so weiter. Und genau das zementiert die allgegenwärtige binäre Darstellung.

        „Ich weiß leider nicht, was Fefe ist.“

        Fefe ist ein Blogger, der zu Polemik (inkl. Seitenhieben) tendiert und aufgrund starker Meinungsäusserungen sehr polarisiert. Soweit einigermassen wertungsfrei – bilde dir deine eigene Meinung. (Ich mag ihn nicht, aber er schreibt manchmal recht interessante Dinge zu Datenschutz, Sicherheit und ähnlichen Themen.)

        „Und die Seitenhiebe kann ich mir leider nicht verkneifen. Ich würde sie nicht bringen, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass die MM mit ihrer Einstellung dem Feminismus erheblichen Schaden zufügt.“

        Der Text las sich als Gesamtes schon eher nach Bashing. Das mag ich nicht… Dass sich innerhalb einer aktivistischen Bewegung nicht alle einig sind, was der beste Weg ist, halte ich für normal. Im Zweifelsfall lassen extremere Forderungen einer Gruppe die Forderungen einer anderen Gruppe plötzlich total sinnvoll und moderat aussehen (die einzeln vielleicht immer noch als zu extrem gälten). Ich sehe das als ein Handelspiel. Die einen stellen hohe Forderungen, die anderen weigern sich, und sie treffen sich in der Mitte.

        „Ich will aber auch nicht an den Anfang ein “Ich weiß, die Kritikpunkte kennt ihr alle schon, aber lest bis zum Schluss, da wird es voll cool!” setzen ;)“

        Vorschlag: Ein Teaser am Anfang. Wie bei längeren Zeitungsartikeln oder wissenschaftlichen Artikeln am Anfang (halt so 1-3 Sätze Zusammenfassung je nach Artikellänge), oder einem anderen Titel.
        Knutschverbot ist unsichtbar – warum ich in der Öffentlichkeit lieber mit meiner besten Freundin kuschel statt auf Knutschen mit meinem Freund zu verzichten.
        … oder sowas.

      • „Das macht halt – mal wieder, wie immer – genau diese Gruppen unsichtbar, was eben auch nicht hilft bei der Akzeptanz. Die von mir vorgeschlagene Alternativformulierung nennt sie zwar auch nicht komplett aber vermeidet zumindest die Binarisierung der Menschen an sich.“

        Weißt du, ich halte meine Leser nicht für Idioten. Manche Dinge sind für mich selbstverständlich. Dazu gehört, dass es auch bisexuelle Menschen gibt.
        Und selbst wenn z.B. eine Frau bisexuell ist – wenn sie mit einem Mann knutscht, vollzieht sie damit eine heterosexuelle Handlung. Oder eine homosexuelle, wenn sie eine Frau wählt. Bisexuelle Handlungen gibt es nicht (außer vielleicht, wenn man mit zwei Menschen beiderlei Geschlechts gleichzeitig zugange ist).

        Würde ich meine Begriffe mit deinen vertauschen, würde das zudem ziemlich behäbig werden. „Menschen, die in einer homosexuellen/heterosexuellen Beziehung sind“ statt Homos und Heteros. Was dann ja wiederum auch noch die ausschließt, die gar keine Beziehung haben, sondern nur so rumfummeln wollen. Sorry, aber ich will, dass mein Blog lesbar bleibt. Diese ständige Metadiskussion über Begrifflichkeiten ist mühselig, lebensfern, langweilig und genau das, was ich an Blogs wie der MM schon oft kritisiert habe.

        „Nicht-monosexuelle Menschen werden immer in Frage gestellt. “Aber eigentlich bist du doch hetero.” “Du bist also lesbisch?” “Worauf stehst du denn mehr?” “Aber wenn du mit mehr Männern zusammen warst, magst du sie wohl lieber.” …und so weiter. Und genau das zementiert die allgegenwärtige binäre Darstellung.“

        Ja. Tue ich allerdings nicht. Und die meisten von denen, die hier kommentiert oder den Beitrag gelesen haben, wohl auch nicht.

        „Der Text las sich als Gesamtes schon eher nach Bashing.“

        Auch Bashing kann und möchte ich mir nicht verkneifen ^^

        „Vorschlag: Ein Teaser am Anfang. Wie bei längeren Zeitungsartikeln oder wissenschaftlichen Artikeln am Anfang (halt so 1-3 Sätze Zusammenfassung je nach Artikellänge), oder einem anderen Titel.“

        Das wäre eine Idee.

  11. Danke, danke, danke, danke.

    Danke, danke.

    Danke.

    Genau diese Gedanken (in ihrer Gänze tatsächlich) hatte ich auch beim Lesen des Artikels. Ich habe mich quasi alle 28419410drölfzig viel zu langen Absätze gefragt, wan GENAU wir aufgehört haben, für SICHTBARKEIT und nicht für Verstecken zu kämpfen und was GENAU jetzt ein Zärtlichkeitsverzicht, den sowieso keiner mitbekommt (und der IMHO auch nur dafür da ist, dass man sich als Hetero-Mensch ein wie auch immer geartetes schlechtes Gewissen ausreden kann), bringen soll. Deinen Vorschlag fand ich viel besser 😀

    Ich hab vorgestern auch kommentiert mit einem Hinweis darauf, dass die Sprache, die in dem Artikel (und anderen MM-Artikeln) verwendet wird, massiv ausgrenzend ist, weil niemand sie mehr versteht (mein Schwerpunkt im Bachelor-Studium war Geschlechtersoziologie und im Master ist mein Lieblingsthema „Frauen in den Streitkräften“ und ich schwöre, ich habe MAXIMAL die Hälfte von dem verstanden, was die da in ihrem verschwurbelten Phantasiedeutsch runtergerasselt hat). Der Kommentar ist vermutlich immer noch nicht freigeschaltet 🙂

    • Bitte Bitte Bitte Bitte Bitte;)

      Zur Ausgrenzung durch die Sprache: Ja, die MM ist eine wahre Meisterin, wenn es darum geht, klassistisch ausschließend zu sein. Und was ich fast noch schlimmer finde: Es macht die Artikel massiv langweilig. Ich erwarte in Blogs ehrlich gesagt ein Minimum an literarischen Anspruch und Unterhaltung. Das muss natürlich nicht jeder so sehen.
      Ich bin froh, dass jemand, der von der Materie offensichtlich deutlich mehr Ahnung hat als ich, das trotzdem auch so sieht!

      Ich habe mich in einem Artikel zu Klassismus, den ich erlebt habe, geäußert. Der erschien ein paar Tage VOR der vor ein paar Wochen ablaufenden sogenannten „Klassismus-Debatte“, aber unter dem entsprechenden Beitrag bei der MM ist er natürlich als Kommentar-Link nicht freigeschaltet worden. Vermutlich, weil ich dort genau dieses Akademikergelaber im gewissen Kreisen des Feminismus kritisiert habe (allerdings nur in einem Absatz). Falls es dich interessiert: https://robinsurbanlifestories.wordpress.com/2013/02/28/die-zuganglichkeit-der-deutschen-universitaten-fur-das-unterpriveligierte-proletariat/ (ist im drittletzten Absatz, aber natürlich lohnt sich der gesamte Beitrag :mrgreen:).
      Oder deswegen, weil ich dort eh nicht mehr freigeschaltet werde, egal was ich schreibe. Aber naja, wer kann es ihnen verdenken.

  12. Pingback: Für mehr statt weniger öffentlicher Zärtlichkeit! | drehumdiebolzeningenieur

  13. Hallo Robin,
    sehr guter Artikel, danke dafür.
    Mein Beitrag ist auch unbeabsichtigt etwas länger geworden, als ursprünglich geplant. 🙂

    Man kann den „Critical Hetness“- Schwachsinn aus mehreren Perspektiven kritisieren, ein paar möchte ich noch hinzufügen.

    Einmal ist „Critical Hetness“ natürlich im Kontext der pseudo-linken, regressiven Political Correctness-Ideologie zu verorten. Political Correctness umfasst dabei mehr als irrationale Sprachumerziehungsmaßnahmen, es handelt sich um eine regressive, pseudo-linke Ideologie, die im Wesentlichen auf einer besonders rigiden und einseitigen, ursprünglich an US-amerikanischen Universitäten entwickelten Interpretation des französischen Poststrukturalismus beruht. Political Correctness ist im Wesentlichen eine Form von Vulgär-Poststrukturalismus. Die großen Denker und Denkerinnen des französischen Poststrukturalismus selbst können allerdings wenig dafür, wie ihr Werk hier geplündert und trivialisiert wurde. Die meisten von ihnen leben nicht mehr und können sich nicht mehr dagegen wehren – die bekannte poststrukturalistische Frauenrechtlerin Julia Kristeva hat diesen ganzen PC-Müll ausdrücklich als antidemokratisch, totalitär und mit französischem poststrukturalistischen Denken unvereinbar zurückgewiesen.

    Was von den PC-Ideologen insbesondere in ein irrationales Extrem getrieben wurde, ist die für poststrukturalistisches Denken relativ typische Kritik an der vermeintlichen oder tatsächlichen Ausschlussfunktion bestimmter Normen. Im PC-Vulgär-Poststrukturalismus wurden bestimmte Attribute im Sinne eines irrationalen Schwarz-Weiß-Denkens zu Norm-Feindbildern hochstilisiert – insbesondere betrifft dies die Attribute: „männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich“. Das alles hat sich in den Augen der PC-Ideologen „zur Norm gesetzt“ – je mehr davon zusammenkommt, desto schlimmer – und muss „dekonstruiert“ werden.

    Man kann relativ leicht erkennen, wie sich die einzelnen PC-Diskurse von den genannten „Normbegriffen“ herleiten. Je nachdem, welcher dieser Begriffe von den PC-Fanatikern primär in den Vordergrund gerückt wird, ergeben sich die entsprechenden PC-Diskurse als Reaktionen auf dieses spezifische „Norm-Feindbild“.

    – Wird „männlich“ von den PC-Fanatikern als zu dekonstruierende „Norm“ in den Vordergrund gerückt, ergibt sich daraus ein männerfeindlicher radikaler Feminismus.

    – Wird „weiß“ in den Vordergrund gerückt, ergeben sich daraus solche essentialistischen Formen von Pseudo-Antirassismus wie Critical Whiteness oder kulturrelativistischer Multikulturalismus.

    – Wird „heterosexuell“ und/oder „cissexuell“ in den Vordergrund gerückt, ergeben sich daraus radikaler Queer-Feminismus und „Critical Hetness“.

    – Wird „westlich“ in den Vordergrund gerückt, ergibt sich daraus eine einseitige und undifferenzierte Verdammung der westlichen Zivilisation und in Bezug auf alle nicht-westlichen Kulturen ergibt sich ein unkritischer kulturrelativistischer Multikulturalismus.

    Die einzelnen PC-Ideologien sind also unmittelbare spezifische übertriebene ideologische Reaktionen auf diese zu Feindbildern stilisierten und als Normbegriffe verstandenen Attribute.

    Der herrschenden Kapitalistenklasse sind die radikalen PC-Diskurse sehr willkommen, weil sie gut dazu geeignet sind von strukturell-soziologischer Staats- und Kapitalismuskritik abzulenken, den Klassenkampf zu behindern, Menschengruppen gegeneinander auszuspielen und eine Teile-und-herrsche-Politik zu betreiben.

    Zu den negativen Aspekten des Einflusses der regressiven PC-Ideologie gehört u.a. die Ausblendung von männlichen Diskriminierungen und sozialen Problemlagen, wodurch die Männerrechtsbewegung, deren linken Flügel ich unterstütze, als Korrektiv notwendig wurde. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf Christoph Kucklicks wichtiges Buch zur historischen Entwicklung des männerfeindlichen Diskurses: „Das unmoralische Geschlecht: Zur Geburt der Negativen Andrologie“:

    http://www.amazon.de/Das-unmoralische-Geschlecht-Negativen-Andrologie/dp/3518125389/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1365794840&sr=1-1&keywords=christoph+kucklick

    Des Weiteren gehört zu den negativen Aspekten des Einflusses der PC-Ideologie z.B. die Ausblendung von Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen gegenüber Christen in mehreren nicht-westlichen Ländern. (Ich selbst bin Agnostiker, habe keine besonderen Sympathien für irgendeine Religion und das Thema interessiert mich in menschenrechtlicher Perspektive.)

    Und ein weiterer negativer Aspekt ist die Entstehung eines mit den universalistischen Prinzipien klassischen linken und liberalen Denkens unvereinbaren kulturrelativistischen Multikulturalismus, der die Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen (Menschenrechte, individuelle Freiheitsrechte, Demokratie) tendenziell durch die Idee der Gleichwertigkeit aller Kulturen (samt aller in ihnen enthaltenen Werte und Praktiken) zu ersetzen versucht – was zu einer irrationalen Toleranz gegenüber diskriminierenden und autoritären Wertesystemen und Praktiken in nicht-westlichen kulturellen Kontexten führen kann.
    Als Standardwerke linker Multikulturalismuskritik, (damit meine ich „Multikulturalismuskritik von links“, die mit den konservativen/rechten Behandlungen dieses Themas nichts zu tun hat), verweise ich auf folgende beiden Bücher, die leider noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegen:

    http://www.amazon.de/The-Multicultural-Mystique-Liberal-Diversity/dp/1591025532/ref=sr_1_sc_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1365795656&sr=1-1-spell&keywords=the+multicultural+mytique

    http://www.amazon.de/Democratic-Contradictions-Multiculturalism-Jens-martin-Eriksen/dp/0914386468/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1365795689&sr=1-1&keywords=contradictions+of+multiculturalism

    Der „Critical Hetness“- Schwachsinn muss in ideologischer Hinsicht also im Kontext dieses politisch korrekten Vulgär-Poststrukturalismus verortet werden, welcher sich „Norm-Feindbilder“ konstruiert, die dann im Sinne eines undifferenzierten, unreifen Schwarz-Weiß-Denkens bekämpft werden müssen, um sie zu „dekonstruieren“. Terminologisch knüpft „Critical Hetness“ ja bewusst an die bekloppte „Critical Whiteness“-Ideologie an, (bei der es sich m.E. überhaupt nicht um eine ernsthafte Form von Antirassismus handelt, sondern zumindest in ihrer extremen Variante um eine Form von kulturalistischem Rassismus).

    „Critical Hetness“ enthält das Feindbild „Heterosexuelle“ ja bereits im Titel – und gerade weil die Heterophobie bei diesem Konzept so offenkundig ist, wird von den Propagandisten dieses Konzeptes Wert darauf gelegt zu betonen, Heterophobie könne es ja nicht geben.

    „Critical Hetness“ beinhaltet recht offensichtlich eine heterophobe Umkehrung klassisch homophober Einstellungen und Forderungen und beruht auf ähnlichen psychodynamischen und entwicklungspsychologischen Beschränktheiten wie diese. Fordern homophobe Personen gerne, dass „Homosexuelle ihre Homosexualität nicht zur Schau stellen sollten“ – eine klassische Phrase homophober Dummschwätzer, die darauf abzielt den Ausdruck homosexueller Beziehungen in die Privatsphäre zu verdrängen – so geht es bei „Critical Hetness“ eben in spiegelbildlich äquivalenter Weise darum den Ausdruck heterosexueller Beziehungen in die Privatsphäre zu verdrängen.

    Die gegen sexuelle Freiheit gerichtete Haltung und der Versuch Menschengruppen, deren sexuelle Orientierung man missbilligt, zu diskriminieren, ist dieselbe.

    Dass im radikalen Gender/Queer-Feminismus vereinzelt versucht wird, offensichtlich heterophobe Haltungen und Forderungen als progressiv und emanzipatorisch zu verkaufen, ist nur die übliche Strategie bei extremen PC-Diskursen, die darauf hinausläuft freiheitsfeindliche, reaktionäre und diskriminierende Haltungen als bejahenswert darzustellen, wenn sie sich gegen die PC-Feindbilder „männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich“ richten.

    Eine Kritik der Political Correctness aus klassisch linker, universalistischer Perspektive hat daher u.a. deutlich zu machen: Heterophobie ist in keiner Weise progressiv und emanzipatorisch und ist genauso abzulehnen wie Homophobie. Die Freiheit des natürlichen Selbstausdrucks romantischer und sexueller Beziehungen hat in gleicher Weise für Menschen aller sexueller Orientierungen zu gelten. Von diesem zentralen Wert ist nicht abzurücken – weder in Bezug auf homophobe, noch in Bezug auf heterophobe Einstellungen und Forderungen.
    Klassisches linkes Denken beruht auf einer universalistischen Ethik, misst nicht mit zweierlei Maß und lehnt die primitive soziozentrische Stammesmoral politisch korrekter Identitätspolitik entschieden ab. Die irrationale Spaltung, die Homosexualität und Heterosexualität verschiedene Wertigkeiten zuordnet, wird sowohl hinsichtlich homophober wie heterophober Einstellungen zurückgewiesen – indem beide am gleichen Wert gemessen werden: Das Recht auf den natürlichen Selbstausdruck romantischer und sexueller Beziehungen für alle Menschen, unabhängig von der sexuellen Orientierung! Hält man diesen Wert hoch, dann wird man nicht auf die Idee kommen, in „Critical Hetness“ irgendetwas Progressives und Emanzipatorisches zu sehen – im Gegenteil.

    Würde es sich bei „Critical Hetness“ einfach nur um einen trivialen heterophoben PC-Diskurs handeln, dann sollte dies zwar nicht unkritisiert bleiben, aber es würde sich um eine relativ zweitrangige Sache handeln, denn im Gegensatz zu den oben erwähnten negativen Aspekten der PC-Ideologie (Ausblendung von männlichen Diskriminierungen und sozialen Problemlagen, Ausblendung von Diskriminierungen gegenüber Christen in mehreren nicht-westlichen Ländern, kulturrelativistischer Multikulturalismus, der die universalistische Moral klassischen linken Denkens untergräbt) stellt Heterophobie in unserer Gesellschaft oder anderen Gesellschaften kein großes Problem dar – Homophobie dagegen schon.

    „Critical Hetness“ ist aber nicht dazu geeignet, den wichtigen und berechtigten Kampf gegen Homophobie konstruktiv zu unterstützen, sondern ist – was bei radikalen PC-Diskursen allerdings häufiger der Fall ist – so aufgebaut, dass damit faktisch nur das Gegenteil von dem erreicht werden kann, was eigentlich als Ziel angegeben wird. „Critical Hetness“ ist vor allem deshalb problematisch, weil dieses idiotische Konzept – insofern es überhaupt irgendeine Wirkung zeigen würde – nur zu einer Förderung von Homophobie, nicht zu ihrem Abbau beitragen kann.

    Und das ist offensichtlich! Weshalb man auch leicht zu der Vermutung gelangen könnte, dass es sich bei den Propagandisten und Verteidigern dieses Konzeptes in Wahrheit um homophobe Personen handelt, die unter dem Deckmantel eines radikalen, heterophoben Gender/Queer-Feminismus den berechtigten Anliegen von Homosexuellen schaden wollen.

    Wer noch ein Minimum an Rest-Verstand hat, weiß natürlich, dass es keine – aber auch gar keine – Chance gibt, dass sich „Critical Hetness“ jemals gesellschaftlich ausbreiten oder durchsetzen kann. Der starke natürliche Drang zum Selbstausdruck romantischer und sexueller Beziehungen lässt sich nicht durch irrationale, sexualfeindliche Forderungen dieser Art unterdrücken. Das Konzept würde also höchstens auf winzige Subkulturen beschränkt bleiben, die niemals größere gesellschaftliche Relevanz erlangen könnten. (Das gilt allerdings für viele idiotische Konzepte des radikalen Feminismus.) Gehen wir aber mal rein hypothetisch davon aus – obwohl dies nie der Fall sein wird – es wäre möglich, dass „Critical Hetness“ zu größerem gesellschaftlichen Einfluss gelangt. Was wäre das Resultat? Natürlich wäre dies vor allem Wasser auf die Mühlen eines sexualfeindlichen Konservatismus. „Critical Hetness“ würde dann in einer „unheiligen Allianz“ mit den Bestrebungen konservativer Kräfte einfach zur Etablierung einer erzkonservativen, sexualfeindlichen Gesellschaft beitragen. Die Forderung an Homosexuelle von konservativer Seite würde dann quasi lauten: „Wenn wir Heterosexuellen uns jeglicher romantischer und sexueller Ausdrucksformen in der Öffentlichkeit enthalten, dann habt ihr Homosexuellen euch erst recht zurückzuhalten.“ „Critical Hetness“ würde es sexualfeindlichen und homophoben Konservativen also lediglich erleichtern, zu versuchen ihr Wertesystem durchzusetzen und alle Freiheiten, die uns die (von mir sehr positiv beurteilte) sogenannte 68er-Bewegung in dieser Hinsicht gebracht hat, wieder rückgängig zu machen. Statt „Gleiche sexuelle und romantische Freiheit in der Öffentlichkeit für alle“ wäre das Resultat also eher „Keine romantische und sexuelle Freiheit in der Öffentlichkeit für niemand“.

    Da es allerdings ohnehin nicht möglich ist, dass „Critical Hetness“ jemals einen Einfluss erlangt, der kleine subkulturelle Kontexte überschreitet, sind vor allem die tatsächlich potentiell möglichen negativen Auswirkungen für Homosexuelle in den Vordergrund der Kritik zu rücken. Wenn versucht wird ein Wertesystem zu etablieren, bei dem aus „Rücksicht auf Homosexuelle“ nur noch sexuell konservative Verhaltensformen erlaubt sind, wo immer eine homosexuelle Person anwesend ist oder sein könnte, dann kann dies bei Heterosexuellen eine Haltung begünstigen, dass man homosexuelle Personen möglichst nicht in seiner Nähe haben will. „Critical Hetness“ könnte also potentiell dazu beitragen die Ausgrenzung Homosexueller zu verstärken. Die homosexuelle Person, die sonst auf eine Party eingeladen worden wäre, wird jetzt nicht mehr eingeladen, weil man sonst als heterosexuelle Person befürchtet, sich nicht mehr frei und ungezwungen verhalten zu „dürfen“.

    Neben der Gefahr zur Verstärkung der Ausgrenzung Homosexueller beizutragen, tendiert „Critical Hetness“ außerdem dazu indirekt rechten homophoben Verschwörungstheorien entgegenzukommen.
    Man kann gar nicht laut und deutlich genug betonen, dass „Critical Hetness“ lediglich die Erfindung einer kleinen Handvoll durchgeknallter radikaler Feministinnen darstellt, (die deswegen aber keinesfalls selbst alle homosexuell sein müssen). Die überwältigende Mehrheit aller Schwulen und Lesben hat kein Interesse und Bedürfnis den natürlichen Selbstausdruck heterosexueller romantischer und sexueller Beziehungen in der Öffentlichkeit einzuschränken, sie haben nur das sehr berechtigte Interesse und Bedürfnis selbst in dieser Hinsicht die gleichen Möglichkeiten und Freiheiten wie Heterosexuelle zu besitzen – ein Anliegen, dass jeder human gesinnte Mensch entschieden unterstützen sollte. Die übergroße Mehrheit aller Homosexuellen würde „Critical Hetness“ genauso bekloppt finden, wie dies die meisten Heterosexuellen tun würden, wenn sie davon schon einmal gehört hätten. „Critical Hetness“ ist nur vor dem Hintergrund politisch korrekter, radikalfeministischer Ideologie erklärbar und transportiert Haltungen, die für Homosexuelle mehrheitlich völlig untypisch und unrepräsentativ sind. Dies zu erwähnen ist deshalb wichtig, weil in manchen konservativen/rechten Kreisen homophobe Verschwörungstheorien kursieren, in denen (analog der Strukturlogik antisemitischer Verschwörungstheorien) eine „mächtige Homo-Lobby“ herbeiphantasiert wird, die sich gegen die Interessen Heterosexueller richte. (Die Analyse, Kritik und Dekonstruktion solcher homophober Verschwörungstheorien ist eine wichtige Aufgabe zeitgenössischer linker Theorie.)

    Was der Kampf für die Rechte Homosexueller absolut nicht braucht, sind daher durchgeknallte Radikalfeministinnen, die eine bescheuerte, heterophobe Ideologie propagieren und dadurch den falschen Eindruck erwecken, das Engagement für die Rechte Homosexueller richte sich tatsächlich gegen die Interessen Heterosexueller. Das ist nicht der Fall.

    Ich würde aus den genannten Gründen „Critical Hetness“ als eine Ideologie bezeichnen, die faktisch gleichzeitig heterophob und homophob ist, eine Ideologie, die an der Oberfläche heterophob ist, in ihrer Tiefenstruktur aber darauf angelegt ist, den berechtigten Anliegen Homosexueller zu schaden.

    Mit deinem Artikel stimme ich sehr weitgehend überein, nur an einem Punkt habe ich eine nennenswerte Kritik:

    „Als heterosexueller Mensch kann man also ruhig mal inne halten und sich klar machen, dass man ständig irgendetwas tut, was anderen verwehrt bleibt. Privilegien hinterfragen nennt man das.“

    Diese Passage erinnert mich – auch wenn dies wohl nicht so gemeint ist – zu stark an die ständigen gender/queer-feministischen PC-Forderungen nach “Privilegienreflektionen”.

    Ich interessiere mich sehr für Analysen sozialer Ungleichheit und Ungerechtigkeit, aber “Privilegienreflektionen” verweigere ich grundsätzlich.

    Erstens handelt es sich bei den im radikalen Gender/Queer-Feminismus verbreiteten Forderungen nach “Privilegienreflektionen” um Versuche Herrschaft über andere durch die Internalisierung irrationaler Über-Ich-Funktionen auszuüben. (Michel Foucault hat solche Machttechniken in seiner Pastoralmachttheorie kritisch analysiert, was wieder mal zeigt, wie wenig die radikalen PC-Ideologien in Wirklichkeit mit den ursprünglichen Theorien des französischen Poststrukturalismus vereinbar sind.)

    Zweitens begünstigen die ständigen Forderungen nach “Privilegienreflektionen” psychodynamische und pädagogische Gegenteileffekte, sind also pragmatisch kontraproduktiv. Der Versuch die Internalisierung einer negativen Selbst-Identität bei Angehörigen der von der Political Correctness verpönten Gruppen zu bewirken, begünstigt psychodynamische Abwehrreaktionen zur Wiederherstellung eines ausgeglichenen Identitätsgefühls. Gegenteileffekte sind wahrscheinlich.

    Drittens behindert der Privilegienschnickschnack den Klassenkampf. Eine Schreckens-Vorstellung wäre, dass in Zukunft in allen klassenkämpferischen linken Gruppierungen irgendwelche PC-Fanatiker sitzen und mit ihren Forderungen nach “Privilegienreflektionen” (und ihren sonstigen Verrücktheiten) die Arbeiterinnen und Arbeiter vergraulen. Leider ist so was in manchen Gruppen bereits der Fall.
    Als freiheitlicher Sozialist gilt für mich: Der Kampf gegen Homophobie darf kein “Nebenwiderspruch” sein.
    Als linker Maskulist gilt für mich: Der Kampf für Schwulenrechte ist ein Kampf für Männerrechte. Mit Lesben bin ich selbstverständlich genauso solidarisch wie mit Schwulen.
    Aber “Privilegienreflektionen” gibt´s von mir keine – zu keinem Thema, noch fordere ich dies von anderen.
    Empathie und Gerechtigkeitsgefühl und der Versuch diese anzusprechen, kommen weit besser ohne “Privilegienreflektionen” aus.

    • Gute Analyse! Ich kann mir ja bisweilen die Schadenfreude nicht verkneifen, wenn Feministinnen mit ihren eigenen Geistern konfrontiert werden. Da müssen sie, die ewig Unterdrückten, sich plötzlich für ihre whiteness/cisness/straightness rechtfertigen. Plötzlich sehen sie die bittere Pille vor sich, die zu schlucken sie Männer ständig nötigen.

      Noch drolliger finde ich allerdings die Feministen, die critical whiteness/hetness/cisness für absurd und menschenfeindlich halten, aber keinerlei Probleme mit dem Konzept der hegemonialen Männlichkeit und der Patriarchats-These haben. Das sind leider die meisten. Der Widerspruch wird nicht gesehen.

      • Ich möchte dich dringend bitten, solche Pauschalisierungen dem Feminismus gegenüber zu lassen. Ich habe auf das ständige „Wääääh, Frauen und vor allem Feministinnen unterdrücken die Männer und behandeln uns wie Vergewaltiger“-Gejammer hier keinen Bock.

        @Leszek, du kriegst noch ne Antwort. Hab grad wenig Zeit (Uni, Beerdigung, letztes Umzugszeug…).

      • Entschuldige. Feministen, die sich egalitären und humanistischen Idealen verschrieben haben und diese Prinzipien auch gegenüber Männern angewendet wissen wollen, gilt meine Schadenfreude natürlich nicht. Wir können uns nun natürlich darüber streiten, wie viele Exemplare dieser Sorte es tatsächlich gibt. 😉

        Und für das Protokoll: Natürlich haben auch diskriminierende Feministen keine diskriminierende Behandlung verdient. Aber Schadenfreude ist nun mal kein rationales Gefühl.

        Aber um zur inhaltlichen Ebene zurück zu kehren: Glaubst du, dass Theorien, die auf vermeintliche oder tatsächliche Privilegien einer bestimmten Gruppe (Heterosexuelle, Männer) abstellen und aus diesen absurde Forderungen nach Rekonziliation ableiten, strukturäquivalent sind? Und glaubst du nicht, dass Kritik, die sich an den Grundlagen der einen Theorie abarbeitet, nicht ebenso auf die andere anwendbar ist?

      • „Aber um zur inhaltlichen Ebene zurück zu kehren: Glaubst du, dass Theorien, die auf vermeintliche oder tatsächliche Privilegien einer bestimmten Gruppe (Heterosexuelle, Männer) abstellen und aus diesen absurde Forderungen nach Rekonziliation ableiten, strukturäquivalent sind? Und glaubst du nicht, dass Kritik, die sich an den Grundlagen der einen Theorie abarbeitet, nicht ebenso auf die andere anwendbar ist?“

        Ich bin zu dumm, um diese Frage zu verstehen.

        Es würde ich übrigens freuen, wenn du nicht „Feministen“ schreiben würdest, da du ja ganz offensichtlich Frauen meinst.

    • So, nach langer Zeit doch noch eine Antwort.

      Das hat nicht nur so lange gedauert, weil dein Kommentar so ausführlich war, sondern weil ich auch einfach ein bisschen Probleme hatte, alles zu verstehen (aber ich denke, das meiste ist jetzt angekommen ^^). Du kennst dich einfach in vielen Dingen weitaus besser aus als ich.
      Aber ich schätze deine Kommentare sehr. Was ich aus meiner Alltagssicht heraus kritisiere, kannst du noch mit viel mehr Kritik aus einzelnen philosophischen Strömungen etc. beleuchten. Finde ich toll. Deshalb hör bloß nicht auf damit, sei aber bitte nicht böse, wenn meine Antworten auch in Zukunft auf sich warten lassen oder auch manchmal gar nicht kommen. Es bereichert die Seite dennoch und wer weiß, vielleicht greife ich in ein paar Jahren auf deine Literaturtipps zurück, wenn ich mehr Zeit habe 😉

      So, ich stimme dir in allem grundsätzlich zu, daher nur ein paar kleine Anmerkungen:

      „Der herrschenden Kapitalistenklasse sind die radikalen PC-Diskurse sehr willkommen, weil sie gut dazu geeignet sind von strukturell-soziologischer Staats- und Kapitalismuskritik abzulenken, den Klassenkampf zu behindern, Menschengruppen gegeneinander auszuspielen und eine Teile-und-herrsche-Politik zu betreiben.“

      Warum sowas den Klassenkampf behindert, habe ich zuerst nicht verstanden, aber jetzt stimme ich dir da absolut zu. Es ist halt eine Verlagerung auf Nebenkriegsschauplätze, die eigentlich absolut unwichtig bzw. illusorisch sind und in jeder Bewegung dazu führen, sich durch Streitigkeiten selbst zu zerfleischen.

      „Eine Kritik der Political Correctness aus klassisch linker, universalistischer Perspektive hat daher u.a. deutlich zu machen: Heterophobie ist in keiner Weise progressiv und emanzipatorisch und ist genauso abzulehnen wie Homophobie.“

      Word. Ich kann es ja verstehen, wenn jemand, der aufgrund seiner Gruppenzugehörigkeit diskriminiert wird, nach dem 1000. schlimmen Erlebnis mal kurz ausrastet und beispielsweise ein „Diese Scheiß-Heten!“ von sich gibt, aber sowas als Grundbestandteil einer richtigen Bewegung zu kultivieren und gutzuheißen geht mir dann doch zu weit.

      „Wenn versucht wird ein Wertesystem zu etablieren, bei dem aus „Rücksicht auf Homosexuelle“ nur noch sexuell konservative Verhaltensformen erlaubt sind, wo immer eine homosexuelle Person anwesend ist oder sein könnte, dann kann dies bei Heterosexuellen eine Haltung begünstigen, dass man homosexuelle Personen möglichst nicht in seiner Nähe haben will. „Critical Hetness“ könnte also potentiell dazu beitragen die Ausgrenzung Homosexueller zu verstärken. Die homosexuelle Person, die sonst auf eine Party eingeladen worden wäre, wird jetzt nicht mehr eingeladen, weil man sonst als heterosexuelle Person befürchtet, sich nicht mehr frei und ungezwungen verhalten zu „dürfen“.“

      Der Gedanke war mir noch nicht gekommen, aber da hast du sicherlich Recht.

      „Aber “Privilegienreflektionen” gibt´s von mir keine – zu keinem Thema, noch fordere ich dies von anderen.
      Empathie und Gerechtigkeitsgefühl und der Versuch diese anzusprechen, kommen weit besser ohne “Privilegienreflektionen” aus.“

      Ich hatte dir dazu ja an anderer Stelle schon geantwortet, dennoch auch für andere nochmal hier: Privilegienreflektion war und ist für mich nie eine bewusste Entscheidung gewesen, sondern ein logischer Schluss resultierend aus einer grundlegenden Empathie und Sozialkompentenz heraus, die eigentlich jeder haben sollte (was leider nicht der Fall ist).
      Vielleicht habe ich den Begriff ja falsch benutzt, aber für mich sieht das so aus (wie gesagt, dieses Wissen war ganz natürlich einfach da, ohne dass ich darüber groß nachgedacht habe):
      „Ich bin hetero und darf meinen Freund knutschen, wo ich will. XY ist homo und kann das nicht, weil viele Leute homophob sind. Das ist gemein und macht XY traurig, daher ist Homophobie Scheiße.“
      Bei anderen scheint das allerdings eher so auszusehen:
      „Ich bin hetero und darf meinen Freund knutschen, wo ich will. XY ist homo und kann das nicht, weil viele Leute homophob sind. Das ist gemein und macht XY traurig, daher ist Heteronormativität scheiße und ich auch, weil ich was kann/darf, was andere nicht können/dürfen.“

      Letzteres lehne ich auch ganz entschieden ab. Wenn man drüber nachdenkt, sollte es auch nicht „Privileg“ heißen. Die Tatsache, als Hetero unsanktioniert knutschen zu dürfen als Privileg zu bezeichnen, suggeriert ja im Grunde, dass es NICHT zu dürfen der Normalzustand ist, da ein Privileg ja immer „mehr als normal“, ein „Vor-Recht“ eben, bedeutet.
      Das darf ja wohl nicht sein – der Normalzustand sollte sein, dass jeder wann und wo er will knutschen darf. Homosexuelle sind damit aufgrund der in manchen Gesellschaftsschichten praktizierten Homophobie Ausreißer nach unten. Benachteiligte halt. Wenn man das so rum denkt, ist es sehr viel schwerer, sich aufgrund eines „Privilegs“, das ja eigentlich nur die Norm ist, selbst zu kasteien und sich schlecht zu fühlen.
      Vielleicht hast du das ja auch die ganze Zeit sagen wollen, ich hab es nur nicht kapiert ^^

  14. *“Oh mein Gott, dieser Typ und diese Tussi sitzen jetzt schon seit zehn Minuten an unseren Nebentisch und haben sich noch kein einziges Mal geküsst!! Da stimmt doch was nicht!! Wenn… wenn ich darüber nachdenke, bringt das mein gesamtes heteronormatives Weltbild ins Wanken!!einself”*

    Hihihi.

    Musste bei deinem Vorschlag daran denken, meine Schwester und ich haben, als meine ältere Nichte noch ein Baby war, wenn wir mit Kinderwagen in der Stadt waren immer so getan als wären wir ein lesbisches Paar. Ohne Knutschen oder so, verständlicherweise, aber mit laut durch den Laden gebrüllten Kosenamen etc. Das war ein Spaß! 😀
    Aber „Aktivismus“ darf ja keinen Spaß machen, neinneinnein, das ist bierernstes Privilegienhinterfragen!

    Ich teile übrigens deine Deutung von den „anbiedernden Heteras“ und erhöhe um das erhebende Gefühl, sich als moralisch einwandfrei zu fühlen, weil man ja „was tut“.
    Echt, jeder echte Aktivist müsste doch eigentlich nen Hals kriegen bei diesen Möchtegernaktionen…

    • „Aber “Aktivismus” darf ja keinen Spaß machen“

      NIEMALS!!!

      Was habt ihr denn für Reaktionen geerntet?

      „Ich teile übrigens deine Deutung von den “anbiedernden Heteras” und erhöhe um das erhebende Gefühl, sich als moralisch einwandfrei zu fühlen, weil man ja “was tut”.“

      Exakt mein Eindruck. Ich hab ne Bekannte, die anderen bei Liebeskummer etc. nur geholfen hat, um hinterher sagen zu können, dass sie geholfen hat. So kommt mir das auch hier vor!

  15. Deinen Flashmob-Vorschlag finde ich klasse. Ich mache das bisweilen übrigens tatsächlich. Mit einem Freund, der ebenso hetero ist, wie ich. Meine Erfahrung? Das interessiert keine Sau. Da können wir noch so turteln.

    Fällt so etwas unter Genderisten eigentlich unter aneignendes/normenimperialistisches Verhalten?

    • „Das interessiert keine Sau. Da können wir noch so turteln.“

      Gibt solche Lebensräume sicher auch, wo das egal ist. Dann habt ihr einfach nur Glück gehabt. Ich hab selbst mehr als einmal daneben gestanden, wenn Homosexuelle sich einen blöden Spruch anhören mussten!

  16. Finde deine Idee super! Viel lieber mehr Liebe und Zärtlichkeit in der Öffentlichkeit als weniger! Ich glaube, es gab auch irgendwann mal eine Art Kussflashmob in dieser Sache (an dem sich, soweit ich weiß allerdings kaum heterosexuelle Menschen beteiligten). Find leider gerade keinen Link dazu.

    Habe auch mal meine Meinung zum Thema verbloggt und deine Idee lobend erwähnt 😉

    http://nur-miria.blogspot.de/2013/04/critical-hetness-und-knutschverbot.html

    • Danke 😀 Nur, wie könnte man das jetzt bekannter machen? Selbst ein Verriss bei der MM könnte schon helfen, das wissen die aber wohl und tun es deshalb nicht. Hmhmhm, schwierig!

  17. Ich kann gerade gar nicht ausdrücken, wie sehr ich dich für diesen Artikel anbete. MIr tut der Hals weh vom zustimmenden Nicken.

    Du hast sehr schön auf den Punkt gebracht, was genau mich an der Mädchenmannschaft im Allgemeinen und dieser Idee im Speziellen stört.

    Gerade auch die Tatsache, dass es auch einige (temporär) heterosexuelle Menschen gibt, denen in der Öffentlichkeit ausgetauschte Zärtlichkeiten weh tun und/oder die Berührungen auch und gerade in der Öffentlichkeit brauchen.
    Für mich ist mein Freund eine Art Sicherheitsleine in der Öffentlichkeit. Ich sehe ihn aufgrund Fernbeziehung monatelang nicht und da erinnert jedes Händchen halten und Küssen anderer Leute daran, dass ich eben nicht kann. Möchte ich deswegen, dass sie damit aufhören? Nein, warum sollte ich? Bloß weil ich nicht glücklich sein kann, müssen sie doch nicht auch unglücklich sein.. Ihn zu berühren, in irgendeiner Form, macht mich glücklich. Warum muss ich darauf verzichten, wenn es a) eh keiner sieht und b) es mich dann auch unglücklich macht.

    Jemanden in Gesellschaft anderer lautstark auffressen, am besten noch mitten im Gespräch, okay, das wiederum ist definitiv verbotswürdig.

    • Nicht zu vergessen die Singles oder Frischgetrennten. Verliebten zukucken zu müssen tut so vielen Menschen weh und das ist Scheiße… aber warum sollten ALLE drunter leiden? Vor allem tut das nicht nur weh, wenn es von Heteros kommt. Auch ein homosexuelles Paar kann einen daran erinnern, dass man selbst gerade keinen Partner hat. Konsequenterweise müsste man das dann auch verbieten… oder halt gar nichts!

      Freue mich, wenn dir der Artikel gefallen hat 🙂

  18. ..für mich interessant aber vielleicht etwas off topic ist die kulturelle Seite solcher Knutschnormen/verbote und auch wie sich sowas ändert. Ich bin mir nicht sicher, ob oeffentliches Knutschen z.B. um 1900 OK gewesen wäre. In manchen Badeorten in den USA beispielsweise stehen Schilder rum ’no indecency‘. Hier in Jakarta ist heterosexuelles Händchenhalten OK, aber nur wenn keine Eltern/Geistlichen/Nachbarn in der Nähe sind weil respektlos. Auf dem Land sieht man häufiger Jungs mit Jungs und Mädels mit Mädels Hand in Hand oder Kopf im Schoss etc, weshalb eine deutsche Touristin mal meinte: „Toll das ihr so offen mit Homosexualität umgeht“. Ein Fehlschluss, denn: „Sowas gibts hier nicht, das ist verderbliche westliche Kultur, wir sind einfach nur Freunde“.

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