Beschneidungsdebatte, ein Jahr danach. Beschissene Argumente und meine Antworten.

Die Beschneidungsdebatte ist im Prinzip einer der Hauptgründe, warum ich dieses Blog eröffnet habe.

Die Diskussion um die Beschneidung nicht-entscheidungsfähiger Jungs aus anderen Gründen als aus medizinischen war für mich DAS Thema 2012 – und selten hat mich etwas so wütend gemacht. Gleichzeitig war ich auch kaum jemals so sicher, Recht zu haben, obwohl die meisten Medien tatkräftig und gegen die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung die Beschneidungsbefürworter unterstützt haben.

Es juckte mir damals so sehr in den Fingern, meine Meinung dazu zu schreiben, aber ganz ehrlich: In einem Blog, in dem es hauptsächlich um Kneipe, Kellnern und Saufen geht, passt sowas halt einfach absolut nicht. Während die Debatte also auf Hochtouren lief, redete ich mit vielen Leuten darüber, kommentierte, wo ich kommentieren konnte, redete mir den Mund fusselig – aber auf meinem Erstblog findet man dazu nichts.
Dann war ich einige Wochen im Ausland, wo ich weitere Gespräche führte und sich mein Entschluss festigte, ein zweites Blog zu eröffnen, in dem auch solche Themen Platz haben könnten. Zurück in Deutschland dauerte es dann aber nochmal einige Monate, bis ich das in die Tat umsetzte. Und da war die Debatte leider zu einem vorläufigen Ende (markiert durch ein eilig durchgepeitschtes, beschissenes Gesetz) gekommen. Zu diesem Zeitpunkt einen Artikel dieses Inhaltes zu veröffentlichen… naja.

Heute ist der Jahrestag der Entscheidung des Kölner Landgerichts, das in der männlichen Beschneidung eine Körperverletzung sah, die Entscheidung, die diese Debatte anstieß. Heute kann ich endlich auch was dazu schreiben, ohne mir blöd vorzukommen!

Die zahlreichen Diskussionen, die ich über dieses Thema führte (offline und online), haben immer wieder die selben saublöden Argumente hervor gebracht. Diese, sowie meine Antworten, möchte ich hier leidlich geordnet sammeln. Das kann eine längere Angelegenheit werden, aber ich bin froh, endlich mal alles schwarz auf weiß vor mir zu haben. Wenn ihr findet, dass ich ein dummes Argument pro Beschneidung vergessen habe, ergänzt es bitte in den Kommentaren. Und wer denkt: „Meine Güte, das hab ich doch schon da, da und da gelesen!“ – über Links freue ich mich auch.

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Beschneidung: Warum eigentlich?

„Beschnitten ist’s einfach hygienischer!“
Ja… wenn man sich nicht wäscht!
Ich kann mir vorstellen, dass es in einer Wüstenregion, in der das bisschen Wasser, das man hat, getrunken wird, tatsächlich irgendwie hygienischer ist, beschnitten zu sein, aber mein Gott, wir sind hier in Deutschland und haben Duschen! Es sollte wohl möglich sein (und wird wohl von den meisten auch so praktiziert), sich einmal täglich drunter zu stellen. Dabei sollte die Intimzone natürlich nicht ausgespart werden! Es gehört zu den Aufgaben der Eltern, ihren Kindern Hygiene bei zu bringen.

 

„Geschlechtskrankheiten können nicht so leicht verbreitet werden und das Infektionsrisiko sinkt!“
Das ist leider eine Ansicht, die sogar von der WHO verbreitet wird und in ihrer Logik ungefähr genauso sinnig ist wie vorbeugende Blinddarm-OPs für alle.
Tatsache ist: Die Gefahr, sich mit HIV und anderen Geschlechtskrankheiten anzustecken bzw. sie zu übertragen, scheint bei beschnittenen Männern wirklich marginal geringer zu sein als bei unbeschnittenen. Doch das einzige, was bis heute zuverlässig gegen Geschlechtskrankheiten schützt, ist ein Kondom. Alles andere ist Rumschwurbelei und eine Verlagerung auf Nebenkriegsschauplätze!

Dazu kommt… aber dies vielleicht im nächsten Punkt:
„Beschnittene Männer können länger!“
Unglaublicherweise ein Argument, das ich mit am häufigsten gehört habe… auch von Betroffenen!
Ich kenne jemanden, der mit 17 beschnitten wurde, er weiß also, wie es vorher „mit“ war, genauso wie jetzt ohne. Als wir uns bei einem Bier darüber unterhielten, konnte der meine Aufregung über dieses Thema überhaupt nicht verstehen.
„Ich muss sagen… das stimmt schon, das mit dem „Länger können“!“ meinte er und grinste vielsagend.
Ich nippte an meinem Bier. „Kannst du länger oder musst du länger?“
Er wiegelte ab. Nein, es ginge ums KÖNNEN, er wäre ja selbst davon durchaus angetan und seine Freundin sei auch dankbar, zwinkerzwinker.
Es dauerte ziemlich lange, bis ich folgendes aus ihm heraus bekam: Er braucht nun grundsätzlich länger, um zum Ende zu kommen… aber mit Kondom geht es gar nicht mehr.
„Ja… wenn wir dann mal mit Kondom und sie… also, dann denke ich schon oft: ‚War’s das jetzt, kann ich aufhören?’…“ Als er das sagte, schien er zum ersten Mal zu realisieren, was zur Hölle das eigentlich bedeutet!

Ja, nach einer Beschneidung können Männer länger, und das ist so, weil die Eichel, der empfindlichste Teil des Penis, freigelegt und damit desensibilisiert wird. Dazu kommen die zahlreichen Nervenenden, die in der Vorhaut zu finden sind und einfach auf ewig zerstört werden. Aber Leute, das ist nichts Gutes! Und um hier noch mal die Brücke zum vorherigen Punkt zu schlagen: So etwas verhindert nicht diebeschneidung Verbreitung von Geschlechtskrankheiten, sondern begünstigt sie! Wer mit Kondom nicht mehr zum Orgasmus kommt (das sind sicher nicht alle, aber nun mal einige!), wird darauf verzichten! Und damit ist der einzige wirkliche Schutz vor Geschlechtskrankheiten, den unsere überragende menschliche Kultur bisher hervorgebracht hat, einfach weg! Nochmal, für alle zum Mitschreiben: Die Beschneidung fördert die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten!

Davon abgesehen ist das Argument auch ohne diese Tatsache leider ziemlich beschissen. Als würde die Länge des Koitus über seine Qualität entscheiden! Natürlich gibt es schon einige Männer, vor allem in jungen Jahren, die einfach ein bisschen zu aufgeregt sind, um den Sex wirklich genießen zu können, weil es so schnell vorbei ist. Das ist dann durchaus auch für die Partnerin nicht so cool. Aber, meine Damen und Herren: Das kann man trainieren! Und das ist kein Geheimwissen, sondern etwas, was ich in so ziemlich jeder BRAVO, die ich seit meinem 12. Lebensjahr gekauft habe, mindestens einmal lesen durfte! Warum zur Hölle liest das niemand?

Ganz grob zusammen gefasst: Onanieren, bis man fast so weit ist, aufhören, warten, das Ganze noch mal und noch mal. Ist sicher auch besonders nett als Paaraktivität, wenn man offen über dieses Problem redet. Hilfsmittelchen wie Penisringe, die Druck auf die Peniswurzel ausüben, können die Angelegenheit auch beseitigen. Man sieht, es gibt einige Möglichkeiten! Das mag für Betroffene ein wenig peinlich sein, aber ist immer noch wesentlich besser als ein irreversibler Eingriff!

Leider geht dieses Argument oft einher mit folgendem:
„Beschnitten sieht einfach besser aus! Frauen finden beschnittene Penisse einfach schöner!“
Ganz ehrlich: Mutter Natur hatte wohl Migräne, als sie unsere Geschlechtsorgane modelliert hat. Ich kenne keine Frau, die jemals in meiner Anwesenheit sowas gesagt hat wie: „Es war so schön gestern! Der Sex war großartig! Und der Klaus hat voll den Sixpack und einen so hübschen Schwanz!“

Schwänze sind nichts hübsches. Vaginas übrigens auch nicht. Finde ich zumindest. Nicht, dass ich von den Schwänzen meiner bisherigen Sexualpartner nicht durchaus begeistert gewesen wäre, aber ganz objektiv ist es doch ziemlich schwer, so etwas wie Ästhetik darin zu entdecken. Daran ändert auch eine Beschneidung nichts!
Dabei gibt es Frauen, vor allem in den USA, wo der Großteil der Männer beschnitten ist (allerdings geht die Zahl der neuen Beschneidungen von Jahr zu Jahr zurück), die tatsächlich vor einem unbeschnittenen Penis zurück schrecken. Ich erinnere mich an einen entsprechenden Satz in Lauren Weisbergers „Ein Ring von Tiffany“ (grauenhaftes Buch übrigens, „Der Teufel trägt Prada“ war tausendmal besser). Daraus kann man aber keine allgemeingültige Regel ableiten, sondern das ist einfach eine Sache der Gewöhnung. Hierzulande muss sich doch jeder Mann ernsthaft fragen: Was soll ich mit einer Frau, die mich nur will, wenn mir ein Stück meines Körpers fehlt?

Und darauf gibt es eine einfache Antwort: Weg damit, auf zur Nächsten.
Wenn Körpermodifikationen bei Frauen als Muss angesehen werden, ist das Geschrei groß. Zurecht. Nur, warum bei Männern nicht genauso?

„Eine Beschneidung bei Männern senkt das Gebärmutterhalsrisiko bei Frauen!“
Was absurd erscheint (ich wusste bis vor wenigen Jahren auch nicht, dass eine bestimmte Art von Krebs durch eine Infektion entstehen kann), ist augenscheinlich zutreffend. Sogar Alice Schwarzer verteidigt daher die Beschneidung bei Männern und hat damit mal wieder etliche Sympathiepunkte bei mir eingebüßt.

Keine Ahnung, warum das so schwer zu verstehen ist, aber kein Geschlecht darf zugunsten des anderen Geschlechts in Sippenhaft genommen werden! Und eine solche Sippenhaft stellt die Beschneidung dar. Nur aus der hypothetischen Überlegung heraus, dass ein Mann Gebärmutterhalskrebserreger übertragen könnte, darf man nicht für die flächendeckende Beschneidungen von Kleinkindern eintreten!
Mal angenommen, man lässt seinen Sohn beschneiden und dann stellt sich in der Pubertät heraus, dass er schwul oder asexuell ist. Er wird also niemals freiwillig Sex mit einer Frau haben. Haha… ups. Mag mancher ironisch finden, aber mir jagt die Vorstellung, meinen (hypothetischen) Sohn für nichts und wieder nichts in Gefahr gebracht zu haben, kalte Schauer über den Rücken. Zumal ich ihm auch, wenn er hetero wird, einfach beibringen kann, ein verdammtes Kondom zu benutzen. Das ist sowieso effektiver, denn diese bösen Gebärmutterhalskrebserreger lauern ja nicht nur auf oder unter der Vorhaut!

Die Beschneidung im Kleinkindalter macht aber direkt doppelt keinen Sinn: Kleinkinder haben keinen Sex! Selbst wenn dieses Risiko so hoch wäre, spricht wirklich nicht das Geringste dagegen, mit der Beschneidung zu warten, bis der Junge ca. 14 Jahre alt ist. Früher sind die wenigsten sexuell aktiv. Aber warum wird nicht mal dieser Kompromiss eingegangen?

Ganz einfach: Sexismus. Gegen Männer. Die Vorstellung, dass der weibliche Körper irgendwie schützenswerter ist als der männliche. Und DAS kann ja wohl nicht sein! GERADE als Feministin finde ich so eine Einstellung einfach zum Kotzen!

 

„Beschneidung verhindert die schädliche Onanie!“
So, und hier wären wir dann beim pathologischen Sadismus angekommen!
Eigentlich wollte ich dieses Argument überhaupt nicht mit rein nehmen, aber nachdem es jetzt doch mehrfach erwähnt worden ist, sollte ich mich doch dazu äußern.

Manchen mag das unglaublich erscheinen, aber eben dieser Grund ist rein historisch gesehen neben religiösen Gründen der häufigste Anstoß gewesen, seine Söhne beschneiden zu lassen!
Vor allem im ausgehenden 19. Jahrhundert und noch ein paar Jahrzehnte danach gab es zahlreiche Vertreter dieser Ansicht. John Harvey Kellogg, ja, DER Mr. Kellogg, der für die Cornflakes verantwortlich ist, war ein prominenter Verfechter dieser „Weisheit“!

Und in einem haben sie schon Recht: Beschnitten wichst (huch!) es sich schwerer. Die Vorhaut, die man(n) zum Onanieren vor und zurück schieben kann, fehlt halt einfach, daher ist ein wie auch immer geartetes Gleitmittel (Spucke, Wasser, Öl oder halt tatsächlich Gleitgel) vonnöten, um sich selbst zu befriedigen.

So. Muss ich erwähnen, was für ein hirnerweichender, sexualfeindlicher und schlichtweg sadistischer Grund das ist, seinen Sohn beschneiden zu lassen?! Und ja – das wird auch heute noch getan! Wahrscheinlich weniger in Deutschland als in den USA, aber auch schon EIN Junge, der auf diese Weise missbraucht wird, ist schlimm genug!

Es sollte doch mittlerweile bekannt sein, dass Masturbation eine gesunde, sehr natürliche Art ist, sich selbst ein bisschen Freude zu bereiten. Man lernt seinen Körper kennen, erforscht seine erogenen Zonen, merkt, was einem gefällt und was nicht und bereitet somit den Nährboden für ein erfülltes Sexualleben auch zu zweit. Ein Orgasmus ist gut für das Herz-Kreislauf-System, fördert die Durchblutung und kann gegen Schmerzen helfen (Menstruationsbeschwerden ade – stimmt wirklich, das habe ich verifiziert!).
Man wird davon weder blind, noch wachsen einem Haare auf den Händen! Das einzige alte Klischee, das wohl tatsächlich stimmt: Sex oder Masturbation vor einem wichtigen Match ist nicht so gut, weil man danach so tiefenentspannt ist (das gilt allerdings nur für Männer, bei Frauen werden andere Stoffe ausgeschüttet, die die Leistungsfähigkeit sogar erhöhen können – habe ich zumindest mal gelesen). Aber meine Güte. Dann lässt man es halt einfach mal – oder lügt den Coach halt an!

Nein, eigentlich ist das kein Platz für lahme Witze. Denn ganz im Ernst: Wer eine Beschneidung tatsächlich als Mittel zur Sexualerziehung missbraucht (und leider schließt das aktuelle Gesetz solche Beweggründe nicht aus), dem sollte meiner Meinung nach das Sorgerecht entzogen werden. Denn solche Menschen sind nicht in der Lage, ein glückliches Kind großzuziehen, das mit sich und seiner Sexualität im Reinen ist.

Scheinargumente

„Die Beschneidung ist ein risikofreier Eingriff.“
Nein, ist sie nicht. Es ist eine Operation und KEINE OP ist risikofrei!
Zahlen zu langfristigen Folgen oder gar Todesfällen sind jedoch sehr schwer zu bekommen und schwanken teilweise stark (zwischen 0,06 und 55 Prozent!!). Und krasse Fälle, die es bis in die Öffentlichkeit schaffen, wie der Fall David Reimer, sind selten. Allerdings bestreiten auch nur die dümmsten Idioten, dass es Komplikationen überhaupt gibt.

Leider hält das auch viele andere nicht davon ab, auf die Tatsache, dass es Komplikationen bis hin zum Tod (!) geben kann, folgendes zu antworten:
„Ja, aber das passiert ja nicht bei allen.“
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! So was debiles!! Tatsächlich aber: Das meistgehörte Argument!!!
Der Unterschied zwischen einer Beschneidung und, sagen wir, einer Blinddarm-OP ist, dass die Blinddarm-OP in jedem Fall nötig ist. DA kann man sich zur Beruhigung sagen: Komplikationen während der OP, das passiert ja nicht bei allen. Ja, nicht mal bei den meisten! Dennoch ist es wahnsinnig tragisch, wenn einer während einer Blinddarm-OP stirbt, aber das sind Dinge, die man irgendwie verarbeiten muss, weil er ohne die OP ja auch gestorben wäre.

Das trifft auf die Beschneidung NICHT zu! Von den wenigen Fällen abgesehen, in der eine Phimose vorliegt, die nicht konservativ behandelt werden kann, ist eine Beschneidung UNNÖTIG! Und selbst, wenn nur ein Prozent aller Jungs, die beschnitten werden, später an Komplikationen leiden, ist das genau ein Prozent, das vermeidbar gewesen wäre. Vor allem, wenn man bedenkt, dass nach Schätzungen etwa ein Drittel aller Männer beschnitten sind! Da kann man sich ja ausrechnen, wie viele mit Komplikationen zu kämpfen haben!

Ich kenne einen Typen, dessen Eichel so desensibilisiert ist, dass er während seines gesamten Sexuallebens nur ein paar Mal einen Orgasmus hatte, wenn er mit einer Frau zusammen war. Wahnsinnig schöne Vorstellung, oder?! Aber wen interessierts? Das ist ja nicht bei ALLEN so!

 

„Ich wurde auch als Kind beschnitten und habe überhaupt keine Probleme damit!“beschneidung5
Herzlichen Glückwunsch! Aber es geht nicht um Sie, mein Herr! Und woher wollen Sie wissen, dass Ihr Sexleben mit einer Vorhaut nicht noch besser wäre? Vergleichsmöglichkeiten haben Sie ja leider nicht!

Ernsthaft: Ich habe wirklich unheimlich viele Männer, die selbst beschnitten sind, gehört und gelesen, und bei vielen war die Empörung über dieser Debatte groß. Das ist eigentlich verständlich: Es ist nicht sonderlich gut für den Selbstwert, wenn man erkennt, dass einem etwas möglicherweise wichtiges genommen worden ist, was man nie wieder zurück bekommen kann. Selbst wenn man im Hier und Jetzt keine Probleme hat, so hatte man doch keine Wahlmöglichkeit als Kind. Dies zuzugeben bedeutet, seine eigene Machtlosigkeit eingestehen zu müssen. Und das ist scheiße und erschütternd.

Dennoch: Verstehen kann ich eine solche Reaktion, akzeptieren aber nicht. Denn man legitimiert seine eigene Verletzung nicht dadurch, dass man sie bei anderen relativiert.

 

Aus der Reihe „saudämliche Vergleiche“:

„Wer die Beschneidung verbieten will, muss auch Ohrstecker bei kleinen Mädchen verbieten!“
Ich bekam meine ersten Ohrlöcher, als ich vier Jahre alt war. Tatsächlich ist dieses Ereignis eines meiner frühesten Erinnerungen. Ich weiß noch, wie wir den Juwelier betraten, und dann erinnere ich mich einfach nur an einen grauenhaften Schmerz. Ich weinte, und meine Mutter zeigte mir eine Kuckkucksuhr in der Ecke, um mich abzulenken.

Dass es wirklich saumäßig wehtut, wenn man Ohrlöcher geschossen bekommt (Piercen war damals noch nicht so), konnte ich 12 Jahre später verifizieren, als ich mir ein zweites Paar Ohrlöcher machen ließ. Lustigerweise tat die Juwelierin das nur widerwillig und nur unter Vorlage meines Ausweises. Ja, offensichtlich ist es okay, schon als Kleinkind von seinen Eltern für ein paar süße Marienkäferohrringe malträtiert zu werden, aber wenn man sich als Sechszehnjährige selbst seinen Körperschmuck aussuchen will, ist das plötzlich bäh!

Ich hasse dieses Argument. Es ist ja wohl ein erheblicher qualitativer Unterschied, ob man nun ein paar eigentlich nutzlose Hautlappen durchbohren lässt (wobei, mein leiblicher Vater wurde nicht müde zu betonen, dass dadurch Akupunkturpunkte zerstört werden…!) oder ein Stück Haut voller wichtiger Nervenenden am Geschlechtsorgan.
Ist das zu schwer zu differenzieren? Naja, egal. Tun wir es doch einfach. Also, Ohrlöcher für Kleinkinder verbieten, weil es weh tut und unnötig ist. Sagen wir, bis Vierzehn oder Sechszehn. Hab ich kein Problem damit!

 

„Wer ein jüdisches Initiationsritual verbieten will, muss auch die christliche Taufe verbieten!“
Auch hier: Wie dämlich kann man sein?
Es geht nicht drum, Eltern zu verbieten, ihre Kinder in ihre religiöse Gemeinschaft einzuführen und entsprechend zu erziehen. Das halte ich auch für relativ unmöglich. Es geht nur drum, Kindern ein irreversibles, schmerzhaftes und potentiell gefährliches Ritual zu ersparen. Ein solches ist die Taufe nicht. Man wäscht Babys ja auch, also ist ein bisschen Weihwasser auf der Stirn nichts, was einen großen emotionalen Schaden anrichtet.

Und sollte sich das Kind später entscheiden, nicht mehr gläubig sein zu wollen, dann ist dieses Weihwasser im Rückblick auch nur Wasser. Der religiöse Aspekt dieser magischen Flüssigkeit verpufft, wenn man nicht daran glaubt.
Aber eine Vorhaut kann nicht wieder angenäht werden.

 

„Wer die Beschneidung verbieten will, weil ihm das Kindeswohl am Herzen liegt, muss auch gegen Abtreibung sein!“
Äh-hä… nein.
Auch hier ist der Unterschied zwischen beiden Maßnahmen eigentlich ganz klar: Bei einer Schwangerschaft sind nun mal zwei Personen involviert, die Mutter und das ungeborene Kind. Es ist unmöglich, diese beiden Menschen in diesem Prozess voneinander zu trennen. Wenn es gut läuft, ist Kindeswohl = Mutterwohl und umgekehrt.

Aber oft läuft es eben nicht gut. Die werdende Mutter will das Kind nicht, oder, besonders tragisch, will es schon, geht aber erhebliche persönliche, sprich medizinische Risiken ein, wenn sie die Schwangerschaft weiter führt. Gründe für ersteres gibt es viele, die sind aber nicht das Thema.
Was ich damit sagen möchte: Die Mutter muss sich teils erheblich einschränken, damit das Kind in ihr leben und wachsen kann. Bis wir wie auf dem Planeten Krypton eine künstliche Geburtsmatrix erfinden, wird das auch so bleiben. Im Regelfall nimmt die Mutter diese Einschränkungen gerne in Kauf. Wenn sie das Kind aber nicht will, eben nicht. Hier kollidieren also die Bedürfnisse zweier Personen miteinander und, so unschön das ist: Das Recht des erwachsenen, alleine lebensfähigen Menschen geht in diesem Fall vor.

Der Unterschied zur Beschneidung ist klar: Hier geht es um einen einzelnen Menschen, dessen Recht auf körperliche Unversehrtheit mit Füßen getreten wird, wenn er ohne seine Zustimmung beschnitten wird. Es existiert keine andere Person, die in unerträglicher Weise darunter leidet, wenn diese Beschneidung nicht passiert. Es gibt schlicht und ergreifend keinen Verlierer, wenn die Beschneidung ausgesetzt wird.
Und darum ist das Abtreibungsargument einfach nur zynisch und beschissen.

 

„Wer die Beschneidung verbieten will, hat den Blick für RICHTIGE Missstände verloren: die weibliche Genitalverstümmelung!“
Ach, Mann.
Ich muss sagen, dass mich der Feminismus bei diesem Thema extrem enttäuscht hat. Nicht nur, dass dieses Thema von den meisten überhaupt nicht aufgegriffen wurde (bei der Mädchenmannschaft beispielsweise findet man bei der Suche nach „Beschneidung“ keinen einzigen Beitrag nach dem 7. Mai 2012), darüber hinaus haben manche wie z.B. Antje Schrupp die Beschneidung gar verteidigt. Und dann gab es wieder andere, die aus irgendeinem Grund die Beschäftigung mit den Nachteilen der männlichen Beschneidung als unvereinbar mit der generellen Ablehnung der weiblichen Genitalverstümmelung sehen.

Muss ich ausführen, warum das Bullshit ist?

Das Bild von der weiblichen Genitalverstümmelung ist folgendes: Da wird einem kleinen Mädchen mit einer Rasierklinge oder einer Glasscherbe Schamlippen und Klitoris abgeschnitten, besser gesagt: weggekratzt und das zerfleischte Ergebnis dann zusammen genäht. Ich finde keine Worte für diese Barbarei. Davon aber abgesehen gibt es auch harmlosere Methoden der weiblichen Genitalverstümmelung. Wohlgemerkt: „Harmloser“, aber auch gar keinen Fall harmlos oder in irgendeiner Weise gerechtfertigt!!!

Einige Formen sind mit der männlichen Beschneidung, was die Effekte betrifft, durchaus vergleichbar. Dennoch bleibt die weibliche Genitalverstümmelung ein ekelhaftes Verbrechen. Mit welchen berechtigten Grund lässt sich nun aber selbst die am wenigsten destruktive Form der weiblichen Genitalverstümmelung ablehnen, die männliche Beschneidung aber nicht? Die Religion etwa? Zieht wohl nicht, das zeugt nur von einem gewissen Eurozentrismus, Kulturrassismus und einer Überhöhung der abrahamitischen Religionen gegenüber Naturreligionen, die sowas praktizieren (jedoch wird es auch in manchen islamischen Gebieten durchgeführt, obwohl es nicht im Koran steht – die männliche Beschneidung allerdings auch nicht).

Ich gebe zu, dass ich rein gefühlsmäßig die weibliche Genitalverstümmelung wesentlich schlimmer finde als die männliche Beschneidung, was wohl daran liegt, dass ich es mir vorstellen kann, wie jemand meine Klitoris wegkratzt, aber nicht, wie es sich anfühlt, seine Vorhaut zu verlieren, weil ich nämlich keine habe. Und trotzdem gibt es für eine Feministin in meinen Augen absolut keine Möglichkeit, gegen weibliche Genitalverstümmelung zu sein, aber nicht gegen männliche Beschneidung. Die Modifikation von kindlichen Sexualorganen ist vom Standpunkt MEINES Feminismus in jedem Fall abzulehnen, ob es sich nun um ein Mädchen oder einen Jungen handelt. Punkt! Und nur, weil ich eine bestimmte Praktik schrecklich finde und das anprangere, wird eine andere Praktik nicht weniger schrecklich dadurch.

Und wem das nicht reicht, der sollte sich mal wirklich gut überlegen, ob er sich bei seiner Zustimmung der männlichen Beschneidung nicht auf gefährliches Glatteis begibt, was die Akzeptanz der weiblichen Genitalverstümmelung angeht.

 

Beschneidung und Religion

„Die Beschneidung gibt es schon seit Tausenden von Jahren und PLÖTZLICH soll das ein Problem sein?!“

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Grabrelief, Zeichnung. Ägypten, 2300 v. Chr.
Quelle: Wikipedia

Es gibt was, das nennt sich Fortschritt.
Zu unklar? Dann ersetzen wir die Beschneidung in dem Satz doch einfach mal:

„Die Todesstrafe gibt es schon seit Tausenden von Jahren und PLÖTZLICH soll das ein Problem sein?!“
„Die Sklaverei gibt es schon seit Tausenden von Jahren und PLÖTZLICH soll das ein Problem sein?!“
„Die Zwangsheirat von minderjährigen Mädchen gibt es schon seit Tausenden von Jahren und PLÖTZLICH soll das ein Problem sein?!“

…kann beliebig fortgesetzt werden. Wer so einen Satz tatsächlich für ein sinniges Argument hält, sollte direkt mal die Finger von der Tastatur nehmen. Einfach mal die Fresse zu halten, wenn man keine Ahnung hat, ist nämlich auch ein seit Tausenden von Jahren erprobtes Mittel, um die eigene Blödheit weniger offensichtlich erscheinen zu lassen.

 

„Eltern haben die Erziehungsgewalt, daher ist das Verbot der Beschneidung ein unzulässiger Eingriff in die Rechte der Eltern!“
Es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, wie man bei diesem Thema ernsthaft mit dem Recht der Eltern, ihre Kinder so zu verkorksen, wie sie Bock drauf haben, argumentieren kann. Inwiefern ist eine Beschneidung eine erzieherische Maßnahme? Ist damit wirklich nur der religiöse Aspekt gemeint? Oder geht es allen Ernstes um Sexualerziehung, der in meinen Augen schlimmstmögliche Grund, eine Beschneidung durchzuführen, ein Grund, der so unterirdisch ist, dass ich ihn nicht mal als gesondertes Argument aufführen werde?

Zur Info, falls es jemand noch nicht mitgekriegt hat: Man darf Kinder in Deutschland nicht mal schlagen. Warum sollte man sie dann verstümmeln dürfen? Wie kann das eine ein Eingriff in die Erziehungsgewalt sein, das andere jedoch nicht?

 

„Die Beschneidung tut dem Säugling nicht weh!“
oft einhergehend mit
„Der Säugling kann sich eh an nichts erinnern!“
Ich werde nie verstehen, wie man diese beiden Argumente gleichzeitig vertreten kann. Warum wäre es denn wichtig, dass er sich an nichts erinnert, wenn es ihm doch sowieso nicht weh tut?

Aber betrachten wir die Sache mal getrennt. Dass eine Beschneidung bei einem Baby nicht weh tut, ist schlicht und ergreifend eine Lüge. Das muss ich, glaube ich, nicht weiter ausführen! Wer das nicht glaubt, kann ja mal sein achttägiges Kind kneifen und kucken, wie begeistert es davon ist!

Zum „Erinnerungs-Argument“: Ja, Babys in diesem Alter und auch noch ne Weile später können sich tatsächlich an eine solche Prozedur nicht erinnern. Nur, macht es das besser? In dem Moment, wo es passiert, hat das Kind nun mal Schmerzen!

Dazu direkt auch folgendes Argument:
„Besser beschneidet man die Jungs so früh wie möglich, weil es später mehr weh tut!“
Das ist schon mal logischer Bullshit. Wir haben doch gerade erfahren, dass sich ein so kleines Kind an nichts erinnern kann. Woher will also irgendjemand wissen, dass es einem Baby weniger weh tut als einem Erwachsenen? Wenn man eine physiologische Besonderheit von kleinen Jungs beachtet, macht das noch weniger Sinn: Bei 96 % aller neugeborenen Jungs ist die Vorhaut mit der Eichel verklebt (was eine normale Schutzfunktion ist und sich bei den meisten von allein im Laufe der Jahre löst), sie muss also von der Eichel abgerissen werden.

Inwiefern soll DAS weniger weh tun als bei einem Jugendlichen oder Erwachsenen, bei dem dieser Ablösungsprozess schon beendet ist?

Einer der wenigen Artikel, die sich während der Debatte vermeintlich kritisch mit der Beschneidung auseinander setzte, war dieser im Spiegel. Da beschreibt ein Journalist mit türkischen Eltern, denen die Beschneidung nicht so wichtig war, wie er mit acht Jahren beschnitten wurde, nur weil seine Eltern einer sehr traditionellen Verwandten, die zu Besuch war, einen Gefallen tun wollten. Er führt aus, wie schrecklich und schmerzhaft das für ihn war.
Der Artikel fängt höchst vielversprechend an, macht dann aber am Ende einen Twist, bei dem ich meinen Kopf mit Volldampf gegen die nächste Wand donnern möchte. Er kommt nämlich zum Schluss, dass Beschneidung okay ist, „aber bitte nur bei Säuglingen. Nicht bei Achtjährigen.“

So etwas verdrehtes habe ich selten gelesen. Erinnert mich an den Richter, der das „zu harte“ Urteil gegen einen Mann, der ein wenige Wochen altes Baby (!) missbraucht hat, wieder aufhob, weil: Das Kind kann sich ja eh nicht dran erinnern.
Und hier noch mal: Macht es das besser? Kann man mit einem Baby umgehen, wie man will, weil es sich eh an nichts erinnert? Existiert so etwas wie ein Unterbewusstsein nicht?

Ja, ein Kind hat keine Erinnerung an seine ersten Lebensjahre. Überhaupt versteht es sehr wenig von dem, was um es herum passiert.
Und aus diesem Grund ist die Beschneidung im Säuglingsalter nicht besser, sondern sogar schlimmer. Ein älteres Kind oder gar ein Erwachsener versteht, was mit ihm passiert, weiß in den meisten Fällen sogar, warum dieser Schmerz jetzt ertragen werden muss (bezogen auf wirklich nötige Schmerzen – das Entfernen eines Splitters, eine Impfung oder auch eine größere OP beispielsweise.). Ein Baby versteht es nicht.

Und das ist einfach nur grausam. Selbst wenn der erwachsene Mann sich nicht daran erinnern kann.

 

„Wenn man das hier in Deutschland verbietet, gehen sie halt woanders hin, wo dann die medizinische Versorgung nicht so gut ist!“ 
Jaja, das Hinterhofargument!

Nicht nur ist dieses Argument irgendwie, naja, rassistisch, weil es impliziert, dass es nur in Deutschland fähige Ärzte gibt, es ist auch einfach sinnlos, wenn man auch nur eine Sekunde darüber nachdenkt. Es gibt viele Sachen, die in Deutschland verboten sind, in anderen Ländern jedoch nicht. Sollen wir einfach alles erlauben, weil: Dann gehen sie halt woanders hin? Das kann ja wohl kaum Ernst gemeint sein!
Mord ist auch verboten, trotzdem begehen jedes Jahr viele Deutsche einen Mord. Sollen wir auch das erlauben, weil sich die Mörder offensichtlich von einem Verbot nicht abhalten lassen?

 

„Die Jungs freuen sich darauf, also…!“
Waris Dirie hat sich auch auf ihre Beschneidung gefreut, also…!
Hammerhartes Argument, las ich von einer Muslima. Bei Moslems wird die Beschneidung nämlich üblicherweise später durchgeführt als im Judentum, so mit vier oder fünf Jahren, was von einer riesigen Feier begleitet wird. Klar, dass sich die Kinder darauf freuen. Als könnte man nicht Kindern alles einreden, wenn man es nur anständig rüber bringt. „Tut nicht weh? Alle kommen um mich zu feiern? Und GESCHENKE!? Yaaaay!!“

 

„Die Beschneidung zu verbieten ist ein unzulässiger Eingriff in die verfassungsmäßig geschützte Religionsfreiheit! Das Recht auf körperliche Unversehrtheit hat da hinten an zu stehen!“
Religionsfreiheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit – zwei Grundrechte, die absolute Priorität haben. Ein Problem tritt erst auf, wenn sie kollidieren, was hier augenscheinlich der Fall ist.

Nur stimmt das nicht. Religionsfreiheit heißt, dass ICH die Religion wählen kann, die ICH will, und dass mich niemand daran hindern darf. Sie bedeutet NICHT, dass ich anderen Menschen unter meiner Fittiche, sprich, meinen potentiellen Kindern, eine Religion aufzwingen darf! Dies wird, zugegebenermaßen, ständig getan, aber, wie schon erwähnt, lässt sich das wohl auch unmöglich vermeiden. Auch ist der Besuch eines Gottesdienstes, sei er nun in einer Kirche, Synagoge oder Moschee, kein Kindesmissbrauch. Gilt natürlich in noch höheren Maße für religiöse Feste, die Kindern wohl meistens Spaß machen.
Dies ist so lange erlaubt, wie kein anderes deutsches Recht verletzt wird. Wer seine Kinder z.B. aus religiösen Gründen zuhause unterrichten will, verstößt gegen die Schulpflicht. Und da muss man sich fragen: Ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit nicht irgendwie ein bisschen wichtiger als die Einhaltung der Schulpflicht?

 

„Gegen Beschneidung zu sein ist antisemitisch!“
So, damit wären wir bei den Juden angekommen.
Vorbelastet sind wir da natürlich alle, deshalb war eine Debatte in dieser Heftigkeit wohl wirklich nur in Deutschland möglich. Und sie hat wohl nicht eben dazu beigetragen, die Fronten zu erweichen.
Ich habe während der Debatte auch mit einigen Juden diskutiert und wurde meistens augenblicklich in die Nazi-Schublade gesteckt. Und das mir, die ich seit 13 Jahren mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz auf meinem Bundeswehrjacket rumrenne.
Unnötig zu erwähnen, dass mich das ein wenig angepisst hat. Es ist ja nicht so, als könnte ich die Motivation gläubiger Juden nicht verstehen. Die Beschneidung ist ein Symbol für den Bund mit Gott. Ohne Beschneidung ist ein Junge kein Jude, so die gängige Meinung. Und wer nun mal wirklich, wirklich gläubig ist, für den sind alle bisher genannten Gegenargumente obsolet. Selbst die Tatsache, dass schon oft genug Jungen an der Beschneidung gestorben sind. Was ist schon der Tod des irdischen Körpers gegen den Bund mit Gott?
Ich bin in einer katholischen Familie groß geworden. Ich verstehe religiöse Denkweisen. Nur muss ich sie weder gut finden, noch unterstützen… auch nicht, wenn es um das Judentum geht.

Das Gegenteil von Antisemitismus ist nicht, JEDE Äußerung von JEDEN Juden super zu finden. Und er äußert sich auch nicht darin, aus guten Gründen ein veraltetes, gefährliches Ritual abzulehnen, selbst wenn dieses Ritual im Judentum üblich ist.

Doch sorry, aber solange Personen wie dieser eine jüdische Typ, mit dem ich über das Thema stritt bis aufs Blut, nicht mal in Erwägung zu ziehen bereit ist, dass es noch andere Gründe gegen Beschneidung geben kann als Judenhass, muss mich der Vorwurf „Antisemitismus“ nicht tangieren. „Auch lesbische schwarze Behinderte können scheiße sein“, sangen die Toten Hosen mal. Ich möchte ergänzen: Und ein Jude auch.

Wenn es Antisemitismus ist, bei Juden die gleichen Kriterien anzulegen wie bei allen anderen Menschen… tja, dann bin ich wohl antisemitisch. Der gleiche Typ leugnete ja sogar, dass jemals ein Jude in der Geschichte der Menschheit ein Problem mit Beschneidung gehabt haben könnte. Das ist einfach falsch, auch innerhalb des Judentums wächst der Widerstand gegen die Beschneidung. Sind diese Juden auch Antisemiten? Oder einfach nur das Äquivalent zu modernen Christen, die sich beispielsweise dafür einsetzen, das Homosexualität von der Kirche nicht mehr pathologisiert wird?

beschneidung6Religiösen Fanatismus lehne ich in jeder Religion ab. Und fanatisch wird es in meinen Augen, wenn die Menschenrechte nicht gewahrt werden. „Weil Gott es so will“ ist für einen Gläubigen ein Argument, für mich allerdings nicht, da ich mich frage, wie durch ein Gott sein muss, der so etwas verlangt. Und trotz Religionsfreiheit, trotz aller Toleranz: Für den deutschen Staat sollte es auch kein Argument sein.

Das ist kein Antisemitismus, sondern Humanismus.

 

Last, but not least mein absolutes Lieblingsargument:

„Also ohne  Scheiß, ich finde das Thema voll unwichtig.“
Vielen Dank für dein Statement. Und jetzt leg dich wieder hin, bevor du dir weh tust, und halt die Fresse!

 

Mit diesem monströs langen Artikel verabschiede ich mich und mache eine kleine Blogpause, weil ich für eine Prüfung lernen muss. Übernächstes Wochenende bin ich wieder am Start. Bis dahin freue ich mich trotzdem über jeden Kommentar!

Edit: Ich habe die Punkte „Gebärmutterhalskrebs“ und „Onanie“ nachträglich ergänzt.

180 Gedanken zu “Beschneidungsdebatte, ein Jahr danach. Beschissene Argumente und meine Antworten.

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  2. „JEDE Äußerung von JEDEN Juden“
    In diesem Fall Dativ also: „JEDEM Juden“

    Weiter oben Sprichst du von männlicher Beschneidung und weiblicher Genitalverstümmelung.
    Stattdessen wäre es vielleicht besser, von männlicher und weiblicher Beschneidung zu reden, ansonsten unterstützt man die Verharmlosungsfraktion beim Trennen der beiden Dinge, obwohl Beides von der Sache her das Selbe ist.

    • Du musst wirklich nicht meine Tippfehler korrigieren, das wirkt kleinlich.

      Tja, wie soll ich es nun nennen? Der eine plädiert extrem für „Genitalverstümmelung“, der andere findet das zu harsch, dann gibt es wieder Betroffene, die diesen Begriff scharf ablehnen, weil es ein Defizit suggeriert, während andere Betroffene die Praxis gar nicht genug verdammen können und „Beschneidung“ euphemistisch finden… Wie soll ich das jedem Recht machen?
      Fazit: Ich bleibe bei „männlicher Beschneidung“ und „weiblicher Genitalverstümmelung“, so wie es auch gesellschaftlicher Konsens ist. Dann laufe ich auch nicht in Gefahr, entweder hysterisch oder verharmlosend zu wirken. Und wenn es doch jemanden unangenehm auffällt, kann ich wohl leider nichts dran ändern.

      • @ Robin

        „Fazit: Ich bleibe bei “männlicher Beschneidung” und “weiblicher Genitalverstümmelung”, so wie es auch gesellschaftlicher Konsens ist. Dann laufe ich auch nicht in Gefahr, entweder hysterisch oder verharmlosend zu wirken.“

        Mag sein, dass dies im Hinblick auf den Mainstream die angemessene Wahl ist.
        Ich spreche trotzdem manchmal von „männlicher Genitalverstümmelung“ und halte dies für terminologisch gerechtfertigt, da jene Form weiblicher Beschneidung, welche allgemein anerkannt als anatomisch vergleichbar mit der männlichen Zirkumzision gilt, die Klitorisvorhautreduktion, ebenfalls, wenn aus traditionellen/kulturellen/religiösen Gründen durchgeführt, offiziell als Genitalverstümmelung bezeichnet wird.

        Aus dem Wikipedia-Artikel „Klitorisvorhautreduktion“:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Klitorisvorhautreduktion#Tradition_und_kulturelle_Gr.C3.BCnde

        Tradition und kulturelle Gründe
        Die Entfernung der Klitorisvorhaut wird traditionell bei verschiedenen Ethnien, insbesondere im afrikanischen und arabischen Kulturraum durchgeführt. Der Eingriff kann hierbei auf die Klitorisvorhaut beschränkt sein oder im Rahmen einer Exzision weitere Strukturen umfassen. Der Eingriff wird der Beschneidung weiblicher Genitalien zugeordnet, wenn er aus ethnisch-kulturellen Motiven vorgenommen wird, [15][16][17] und wird in diesem Zusammenhang auch als Genitalverstümmelung bezeichnet [18]

        Die Klitorisvorhautreduktion stellt einen Untertyp von Typ I (Typ Ia) der 4 Formen weiblicher Genitalverstümmelung dar:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Weibliche_Genitalverst%C3%BCmmelung#Formen

        Typ I: teilweise oder vollständige Entfernung des äußerlich sichtbaren Teils der Klitoris (Klitoridektomie) und/oder der Klitorisvorhaut (Klitorisvorhautreduktion).
        Typ Ia: Entfernung der Klitorisvorhaut
        Typ Ib: Entfernung der Klitorisvorhaut und der Klitoriseichel

        Dass solche Formen weiblicher und männlicher Beschneidung, die über Zirkumzision und Klitorisvorhautreduktion hinausgehen, als Genitalverstümmelung bezeichnet werden müssen, daran besteht ja aus menschenrechtlicher Perspektive kein ernsthafter Zweifel.

        Was nun Klitorisvorhautreduktion und Zirkumzision betrifft, sollten in den akademischen und medialen Diskursen m.E. im Sinne der Gleichberechtigung gleiche terminologische Standards angewendet werden. Es ist wohl kaum zu rechtfertigen, das eine unter den Begriff Genitalverstümmelung zu subsumieren und das andere nicht.

      • Ich kümmere mich halt echt lieber darum, die Leute zu überzeugen, dass männliche Beschneidung so harmlos nicht ist, als sie damit zu bestürmen, dass es auch wenig destruktive Formen weiblicher Genitalverstümmelung gibt *schulterzuck*

      • Jedem Recht machen kann man es sicherlich nicht. Zur Verharmlosung und Akzeptanz der männlichen Genitalverstümmelung/Beschneidung trägt es aber ganz wesentlich bei, dass eben in besagtem Mainstream-Sprachgebrauch diese sexistische Unterscheidung gemacht wird.

        Selbst wenn man der Meinung ist, dass weibliche Beschneidung ein größeres Unrecht, medizinisch fataler ist als männliche, halte ich es für verheerend, eine so deutliche sprachliche Trennung vorzunehmen, gerade wenn man um das Unrecht männlicher Beschneidung weiß und einem die Sache am Herzen liegt. Denn die gesellschaftliche Tatsache ist, dass sie verharmlost wird und keine zur weiblichen Beschneidung vergleichbare Gegnerlobby hat. Diese Lobby zu vereinigen, so wie terre de femmes das tut, ist das effektivste was man als Beschneidungsgegner, der es ernst meint, tun kann.

        Für mich ist es ok, wenn man in beiden Fällen von Beschneidung redet, oder von Genitalverstümmelung. Manche werden sich am einen oder am anderen Begriff stören, da hast du recht.

        Sehr schade und erstaunlich ist, dass ausgerechnet du als für das Thema sensibilisierte Person es genau der Fraktion recht machst (bewusst oder unbewusst), die diese beiden Praktiken fundamental unterschiedlich bewertet.

        Ansonsten nochmal großes Lob für deinen Artikel!

      • Es existieren auch einige von FGM Betroffene, die dem Begriff „weibliche Genitalverstümmelung“ auch sehr ablehnend gegenüber stehen, aus bereits genannten Gründen.

        Das ist mir wirklich eine zu anstrengende Metadiskussion. Ich habe das gesamte letzte Jahr damit verbracht, Awareness für das Thema zu schaffen, sowohl online als auch offline, wann immer ich die Gelegenheit hatte. Dabei habe ich gemerkt, dass die Ablehnung ganz spontan erfolgt, wenn von „Genitalverstümmelung“ die Rede ist – gerade bei beschnittenen Männern. Deshalb kam ich davon wieder ab. Es ist kontraproduktiv. Lieber diskutiere ich weiter (oder arbeite an einem Nachfolgeartikel, wie jetzt gerade… oh, wait) und überzeuge mit anderen Argumenten, als mich dumpf über Begrifflichkeiten zu streiten.

        Das darf übrigens als Anregung verstanden werden.

      • Weißt du was, das Argument dass du mit dem Begriff „Verstümmelung“ mehr männliche Betroffene gegen dich aufbringst und mit „Beschneidung“ für FGM mehr Verharmlosungs-Vorwürfe kassierst, finde ich sogar logisch und akzeptiere das einfach mal so.

        Ich finde trotzdem nichts „dumpf“ daran, die Terminologie mal zu diskutieren.

        Übrigens hatte ich übersehen, dass ich gar nicht deinen alten Artikel kommentiert hatte. sondern dass dies hier ja schon ein ausführlicher Nachfolgeartikel ist.
        Insofern nochmal Respekt für die Mühe, die du da reinsteckst!

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  4. >>Wenn sie das Kind aber nicht will, eben nicht. Hier kollidieren also die Bedürfnisse zweier Personen miteinander und, so unschön das ist: Das Recht des erwachsenen, alleine lebensfähigen Menschen geht in diesem Fall vor.
    Der Unterschied zur Beschneidung ist klar: Hier geht es um einen einzelnen Menschen, dessen Recht auf körperliche Unversehrtheit mit Füßen getreten wird, wenn er ohne seine Zustimmung beschnitten wird. Es existiert keine andere Person, die in unerträglicher Weise darunter leidet, wenn diese Beschneidung nicht passiert. Es gibt schlicht und ergreifend keinen Verlierer, wenn die Beschneidung ausgesetzt wird.
    Und darum ist das Abtreibungsargument einfach nur zynisch und beschissen.<<
    .
    Die Tötung eines drei Monate alten Lebewesens (alles schon ausgebildet) kann man problemlos akzeptieren, aber einem Kind am achten Lebenstag seine Vorhautspitze abschneiden – das ist brutal und barbarisch.
    Wer so etwas denkt und schreibt, der ist nicht nur zynisch und beschissen ….
    http://www.meinbaby.info/baby_entwicklung_1.aspx

    • Bin selbst betroffen. Mein Mann ist als Säugling (Jude) beschnitten worden und durch die Beschneidungsdebatte ist mir klar geworden,
      was unsere Ehe versaut hat. Mein Mann ist mir gegenüber chronisch misstrauisch und oft grundlos feindselig obwohl ich ihm keinerlei Veranlassung dazu gebe. Länger „können“ ist auch nicht immer so toll, wenn man nach einer Stunde total erschöpft und wund gescheuert gerne mal schlafen würde und der Gatte auf diesbezügliche Hinweise ausgesprochen unfroh reagiert und dann
      monatelang auf diesem Gebiet wegen des Verhaltens beleidigte Leberwurst überhaupt nichts mehr läuft. Ich habe inzwischen unbeschnitten ausprobiert und ziehe es eindeutig vor. Pech
      für die Herren der Schöpfung, die Beschnittensein so toll finden.

      Für die Damen, die Angst vor Gebärmutterhalskrebs haben, möchte ich anmerken, dass es eine wesentlich bessere Vorsorge ist einfach nicht zu rauchen und vielleicht auch besser nicht mit einem ungewaschenen Kerl in die Kiste zu hüpfen.
      Das Thema Beschneidung ist bei meinen Mann leider Tabu. Wir können nicht darüber sprechen, wenn ich es versuche flippt er jedes Mal aus.
      Er wollte unseren Sohn als kleinen Jungen auch beschneiden lassen, aber da habe ich zum Glück nicht mit gemacht. Ich hätte niemals zugelassen, dass wer auch immer, meinem Baby unnötigerweise Schmerzen zufügt. Von den Folgen der Beschneidung hatte ich keine Ahnung. Ich würde mir heute die Haare rausreissen, wenn ich damals nicht meinem Instinkt gefolgt wäre und mein Baby beschützt hätte.
      Unser Sohn ist heute 34 Jahre alt und sehr, sehr froh,dass an ihm noch alles dran ist.
      Die Debatte darf nicht aufhören. Es ist unerträglich, dass man
      seinem Kind(völlig zu Recht) keine Watschn geben darf, es aber
      erlaubt sein soll die Genitalien seines Sohnes irreversibel zu schädigen. Was Unrecht ist muss Unrecht bleiben, oder als solches
      anerkannt werden.

  5. >>Ich bin in einem gläubigen Elternhaus groß geworden. Ich verstehe religiöse Denkweisen.<>Sie leben in einem schlimmen Land. Muss scheiße für Sie sein.<>Gläubige<< der die Abtreibung (ohne gesundheitlichen Grund) als Tötung sieht -schlimm und scheiße in Deutschland zu leben. Da haben sie sich aber von ihrem katholischen Elternhaus weit entfernt – finden die das scheiße in Deutschland zu leben?

    • Ich bin in der Tat Neuheidin, falls es Sie interessiert, und habe kein Interesse an einer Diskussion über ganz rudimentäre weibliche Rechte. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, steht es Ihnen frei, woanders zu kommentieren.

  6. @Robin Urban: Abgesehen davon, dass der Artikel voll von unsachlichen Ad hominem Attacken ist, finde ich es niveaulos, Andersdenkende mit Ausdrücken wie „Halt die Fresse!“ mundtot gemacht werden sollen.
    Du schreibst, dass jede Religionsgemeinschaft ihre Mitglieder in ihre Gemeinschaft aufnehmen darf. Wie schön, dass du ihnen das zugestehst. Nur: Wer bist du, dass du denkst, bestimmen zu dürfen, wie das geschehen darf? Ich bin auf meinem Blog mal näher auf das Thema Beschneidung eingegangen, vielleicht lässt du dir ja ein paar meiner Argumente durch den Kopf gehen: http://trugbilder.blogspot.co.at/2013/12/zur-beschneidungsdebatte.html

    • Ich sehe nur, dass die meisten deiner Argumente idiotisch sind und z.B. juristische Begebenheiten völlig ignorieren. „Religiöse Traditionen stehen an erster Stelle“, jahahaha, nein, tun sie nicht.

      Vielleicht mal meinen Artikel lesen und den, den ich verlinkt habe – dann reden wir weiter. Ich habe die Beiträge u.a. darum geschrieben, um nicht immer wieder die selben saublöden Kommentare beantworten zu müssen.

      • Religionsfreiheit steht in Österreich in der Verfassung und in Deutschland meines Wissens auch. Ob es dir passt oder nicht: Dadurch kommt sie bei solchen Fragen an erster Stelle. Und da du mir schon vorwirfst, dass ich juristische Begebenheit ignoriere, hätte ich gerne, dass du mir folgendes beantwortest: Wie würdest du Eltern, die gg. ein etwaiges Beschneidungsverbot verstoßen würden, bestrafen? Eine simple Geldstrafe würde Gläubige wohl kaum von der Beschneidung abhalten und sie monatelang ins Gefängnis zu werfen it wohl kaum förderlich für das Wohl des Kindes, das du hier angeblich verteidigst.
        Oh und wenn du andere Kommentare als „saublöd“ bezeichnest, macht das deinen Artikel trotzdem nicht richtiger.

      • „Religionsfreiheit steht in Österreich in der Verfassung und in Deutschland meines Wissens auch. Ob es dir passt oder nicht: Dadurch kommt sie bei solchen Fragen an erster Stelle.“

        *facepalm*

        Sie haben aber den Text, den Sie hier kommentieren, schon gelesen?

      • Sehr geehrter Udo, mit Verlaub und bei allem Respekt, ihr Blogeintrag wirkt in der Tat etwas naiv und uninformiert, als ob er vor der nunmehr 1 1/2 Jahre laufenden Debatte geschrieben worden wäre. Davor hätte ich ihn als Meinungsäußerung eines durchschnittlich informierten, nicht betroffenen Bürgers durchaus noch durchgehen lassen. Aber mittlerweile sollte sich doch herumgesprochen haben

        a) dass die von Ihnen beschriebene “ pharaonische Beschneidung“ lediglich die schlimmste Variante der weiblichen Genitalverstümmelung darstellt, die im wesentlichen auf Ostafrika ( Äthiopien, Eritrea, Somalia, Teile von Kenia ) und einige andere Regionen in Afrika beschränkt ist, im weitaus größten Teil des Verbreitungsgebietes der weiblichen Genitalverstümmelung jedoch andere , teilweise weit weniger invasive Varianten vorherrschen. Sie haben ja vollkommen recht, dass diese von der WHO als Typ III benannte Variante der FGM mit der männlichen Beschneidung nicht zu vergleichen ist, das tut auch niemand, wirklich niemand ! Ich habe noch keinen einzigen Beitrag eines Beschneidungsgegners gelesen ( und ich habe sehr, sehr viele gelesen ! ) der behauptet hätte, die “ pharaonische Beschneidung“ sei mit der männlichen Vorhautbeschneidung vergleichbar. Aber andere, weitaus weiter verbreitete Varianten, wie zB die in Indonesien verbreitete Entfernung, teilweise nur Einritzen der Klitorisvorhaut , sind sehr wohl vergleichbar, teilweise sogar weit weniger invasiv. In Teilen des Verbreitungsgebietes ( zB in Ägypten) , wird die weibliche Genitalverstümmelung auch nicht von Laien mit der Glasscherbe vorgenommen, sondern von Ärzten im Krankenhaus, “ nach den Regeln der ärztlichen Kunst “ unter Betäubung. Dennoch sind alle Varianten, auch die milderen, – mE zu Recht – hierzulande verboten.

        b) dass es juristisch nicht um die Religionsfreiheit ( der Eltern) geht. Das behaupten nichtmal die Beschneidungsbefürworter, jedenfalls nicht die juristisch Bewanderten unter ihnen..
        Es geht um die Frage, wie weit das ( religiöse, kulturelle oder allgemeine ) Erziehungsrecht der Eltern reicht, und ob es einen medizinisch nicht indizierten Eingriff rechtfertigen kann. Juristischer Dreh- und Angelpunkt ist hier die Auslegung des Begriffes des “ Kindeswohls“ an den die Eltern im Rahmen ihres Erziehungsrechtes gebunden sind. Bei dessen Auslegung steht den Eltern zwar ein erheblicher Ermessensspielraum zu , dieser ist aber eben nicht grenzenlos. Die Streitfrage ist , ob die Eltern diesen Ermessensspielraum überschreiten, wenn sie im Rahmen der religiösen oder sonstigen Erziehung sich dafür entscheiden , dem Kind ohne medizinische Indikation irreversibel die Vorhaut abschneiden zu lassen. Hier ging die Tendenz in den letzten Jahren ganz eindeutig in die Richtung, körperliche Eingriffe nur in engen Grenzen zu tolerieren, man denke hier insbesondere an die Abschaffung des Züchtigungsrechtes oder das nunmehr bekannt gewordene Vorhaben der Großen Koaltion, Eingriffe an Minderjährigen ohne medizinische Indikation generell zu verbieten. Das “ Beschneidungsgesetz“ steht sozusagen gegen den Trend.

        c ) dass es den meisten Beschneidungsgegnern nicht darum geht, die Beschneidung in ihrer Eigenschaft als religiöses oder kulturelles Ritual anzugreifen, sondern in ihrer Eigenschaft als irreversiblen, verletzenden körperlichen Eingriff. Deshalb sind die Vergleiche mit anderen , rein symbolischen religiösen Ritalen wie Taufe, Bar Mitzwah, Brit Shalom, Kommunion, Konfirmation usw ziemlich absurd

    • @Udo: Ihre Argumente sind wirklich selten dämlich und keine weitere Diskussion wert. Informieren sie sich doch vielleicht erst einmal über die medizinischen Hintergründe der männlichen wie auch weiblichen Beschneidung. Da besteht bei Ihnen Nachholbedarf.

      Hier vielleicht als unaufwendiger Einstieg:

      • „Ihre Argumente sind wirklich selten dämlich und keine weitere Diskussion wert.“

        Die nächste unsachliche Ad hominem Attacke. Natürlich kann man so alles vom Tisch wischen und muss gar nicht erst auf sein Gegenüber eingehen. Angemessen ist das allerdings nicht. Und erklären sie mir bitte nicht, wo bei mir Nachholbedarf besteht. Schon einmal daran gedacht, dass ich einen ähnlichen Informationsstand habe und nur zu einem anderen Urteil komme?

    • @Udo:
      „Religionsfreiheit“ im Sinne der Menschenrechte (universell wie national) ist stets „nur“ die Garantie, Glauben zu dürfen, was man will, und dafür (!) nicht diskriminiert oder verfolgt zu werden.
      Sie ist NICHT die Freiheit, im Namen einer Religion alles zu dürfen.
      Punktum. Basta. Einfürallemal: Dieser Unterschied ist elementar.
      Das Grundrecht freien Glaubens kollidiert „auf Augenhöhe“ mit dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Hier abzuwägen ist kaum möglich.
      Aber: für die Beschneidungsdebatte auch nicht nötig.
      Denn das Freiheitsrecht der Zirkumzision steht eine Rechtsstufe unter dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Dieses Freiheitsrecht (sic!) ist eben kein Grundrecht.

      • Was Udo sowieso nicht versteht: Beschneidung von Minderjährigen hat bei uns gar nichts mit Religionsfreiheit zu tun.

        Es ging stets nur um einen Konflikt mit dem Recht der Eltern auf Pflege und Erziehung (welches der staatlichen Aufsicht des Kindeswohls unterliegt).
        Deshalb kann durch dieses bescheuerte Gesetz jetzt auch jeder seinen Sohn beschneiden lassen, dazu braucht man keine weiteren Gründe anführen.

        Der Staat lässt also die Eltern also erziehen, wie sie wollen und drückt bei einer durch ihn zu überwachenden offensichtlichen Kindeswohlgefährdung beide Aufen zu.

  7. Schon einmal daran gedacht, dass ich einen ähnlichen Informationsstand habe und nur zu einem anderen Urteil komme?

    Daran habe ich gedacht, bis ich sah dass Sie vollkommen uninformiert sind und auch mit basaler Logik Probleme haben.

    Daher habe ich mir sogar die Mühe gemacht und ihre Behauptungen auf Ihrer Seite zerpflückt. Was Sie offenbar nicht freischalten möchten. Ihr gutes Recht, aber dann fragen Sie bitte nicht so doof.

    Es fängt damit an dass Sie Vergleiche mit der Mädchenbeschneidung selektiv auf die sehr seltene pharaonische Beschneidung (10% Verbreitung) beziehen und damit durch krude Logik als Rechtspopulismus brandmarken wollen.

    Weiter kommen Sie mit kulturchauvinistischen Anflügen, dass die religiösen Beschneider „Experten“ (die ohne Betäubung Kinder misshandeln) seien, während afrikanische Beschneiderinnen als bösartige Wilde mit einer Glasscherbe charakterisiert werden.
    Und dass die ärztlichen Beschneider „wissen was wie tun“, indem sie gegen den hippokratischen Eid verstoßen und eine medizinisch vollkommen sinnlose Operation mit bei Säuglingen sehr fragwürdiger Anästhesie durchführen, wäre dann ein weiterer Ihrer intellektuellen Meilensteine.
    Am lustigsten ist aber ihre juristische Argumentation, der die Trivialität entgeht, dass Gesetze in einem Spannungsfeld stehen und nicht absolut sind, sondern gegeinander abgewägt werden müssen. So steht beispiel das Recht auf körperliche Unversehrtheit höher, was nun endlich praktiziert worden war, sonst hätte die neue Ausnahmeregelung ja gar nicht erst geschaffen werden müssen.

    Mit „im rechtlichen Rahmen“ zu argumentieren ist geradezu herrlich bescheuert, da das Gesetz eben verfassungsrechtlich wie moralisch hoch fragwürdig ist und gerade erst geschaffen wurde. Es konnte/kann also sehr wohl geändert werden und ist kein Grundrecht.

    Dann vergleichen Sie die gewaltfreie Taufe mit Verstümmelung, auch nicht schlecht.

    Sschlussendlich verstehen Sie auch nicht, dass hier nicht die Rechte der Eltern entscheidend sind, sondern die einer dritten Person betroffen sind, die mit der eigenen Beschneidung gar keine Religionsfreiheit ausüben möchte, sondern schlicht nicht einverständnisfähig ist.

      • Von meiner Seite aus nicht. Wer sich als Erwachsener beschneiden lassen will, kann das gerne tun (auch wenn es Unsinn ist), aber bis dahin müssen die Kinder vor ihren Eltern geschützt werden, egal was für eine Religion diese haben.

        Sie vergessen hierbei auch völlig, dass das bestehende Gesetz explizit NICHT nur die religiöse Beschneidung erlaubt, sondern die juristische Grundlage bietet, ALLE Jungs AUS WELCHEM GRUND AUCH IMMER beschneiden zu dürfen.

      • @Robin: „Sie vergessen hierbei auch völlig, dass das bestehende Gesetz explizit NICHT nur die religiöse Beschneidung erlaubt, sondern die juristische Grundlage bietet, ALLE Jungs AUS WELCHEM GRUND AUCH IMMER beschneiden zu dürfen.“

        Denke, dass das so geregelt wurde, um nicht versehentlich Rechtsunsicherheit für medizinische Eingriffe zu schaffen.
        Wenn Sie der Meinung sind, dass Volljährige sich beschneiden lassen dürfen (ob das Unsinn ist oder nicht, sei einmal dahingestellt), sind wir doch zumindest hier einer Meinung, oder?

      • Nein, das wurde so geschaffen, weil ein Gesetz, das Mitgliedern bestimmter Religionsgemeinschaften etwas erlaubt, anderen jedoch nicht, verfassungswidrig gewesen wäre (nicht, dass das Gesetz nicht ohnehin verfassungswidrig ist).

      • Was sollen diese ständigen Strohmänner?

        Udo: „Denke, dass das so geregelt wurde, um nicht versehentlich Rechtsunsicherheit für medizinische Eingriffe zu schaffen.“

        Es ging bei der Debatte niemals um medizinische Eingriffe. Das ist ein völlig anderes Thema.

        Udo: „Wenn Sie der Meinung sind, dass Volljährige sich beschneiden lassen dürfen (ob das Unsinn ist oder nicht, sei einmal dahingestellt), sind wir doch zumindest hier einer Meinung, oder?“

        Ebensowenig geht es darum, was volljährige Menschen mit sich machen lassen. Das ist in diesem Zusammenhang vollkommen uninteressant.

        Einfach mal beim Thema bleiben: Das Abschneiden von Teilen der Genitalien von Kindern, weil deren Eltern das aufgrund überkommener und grundlagenloser Vorstellungen gern so hätten.

  8. Die Süddeutsche gestern:
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/rituelle-beschneidung-bei-neugeborenen-unzureichende-betaeubung-mangelhafte-informationen-1.1846315

    Darin (und mir wird gerade übel):
    „Noch nicht ausgereift ist bei Neugeborenen tatsächlich das sogenannte Schmerzhemmsystem. Dieses dient dazu, die Wahrnehmung von Schmerzen zu dämpfen. Mediziner nehmen deshalb heute an, dass Neugeborene Schmerzen möglicherweise sogar noch stärker empfinden als ältere Kinder und Erwachsene.“

      • Ja, ich vergess mich auch demnächst mal …

        Muss doch mal mit dem Staatsanwalt meines Vertrauens ein Bierchen trinken gehen, ob der nicht doch den Mut aufbringt …

    • Das schlimmste daran ist, dass sich ein Schmerzgedächtnis aufbaut, dass diese Reize emotional koppelt und die Schmerzempfindlichkeit dauerhaft verschieben kann.

      Ein Grund warum zum Beispiel in deutschen Rehakliniken deutlich mehr chronische Schmerzpatienten/innen mit Migrationshintergrund (die als Kinder noch geschlagen und zudem oft beschnitten wurden) auflaufen.
      Es gibt auch eine studie dazu, dass die Schmerzempfindlichkeit von orthodox (ohne Betäubung) Beschnittenen höher ist als bei anderen beschnittenen Jungen.
      Umso früher starke schmerzen erlebt werden müssen, umso fataler ist es für die kindliche Entwicklung.

      möglicherweise sogar noch stärker empfinden als ältere Kinder

      Die nicht entwickelte Schmerzinhibition von Säuglingen ist eigentlich schon länger Konsens.

      • Ich hatte in meinem ersten Artikel noch argumentiert, dass ein so kleines Kind noch zusätzlich dadurch zu leiden hat, dass es nicht versteht, was ihm eigentlich passiert und warum es Schmerzen hat. Das möchte ich nochmal zu Bedenken geben.

  9. Nach mehreren Gesprächen muss ich hier nun stark zurückrudern. Mir wurde bewusst, dass sich die Sachlage fundamental anders darstellt, als ich gedacht habe und ich habe offenbar vieles nicht bedacht, als ich diesen Beitrag verfasst habe (vor allem was das universelle Recht auf Unversehrtheit angeht). Dafür entschuldige ich mich. So, jetzt könnt ihr eure Schadenfreude über mich ausschütten.

  10. Verfassungsbeschwerde gegen § 1631d BGB
    27. Dezember 2013

    Postalisch sowie per Fax
    an das
    Bundesverfassungsgericht
    Karlsruhe

    Beschwerde gegen das Bundesgesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes

    Am 12. Dezember 2012 hatte die Bundesregierung den Gesetzentwurf über den “Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes” (17/11295) in dritter Beratung verabschiedet. Seit dem Inkrafttreten am 28.12.2012 gilt nach § 1631 d BGB …

    Die Beschwerdeführer legen daher gegen dieses Gesetz Beschwerde ein und beantragen durch eine einstweilige Anordnung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG diese Vorschrift sofort außer Kraft zu setzen, um alle medizinisch nicht erforderlichen Beschneidungen, insbesondere Rituale wie Metzitzah B’Peh, pria und Praktiken wie im folgenden Link beschrieben, die sicherlich mit einer Zirkumzision lege artis nicht zu vereinbaren sind, trotzdem aber durchgeführt werden, zu verbieten bis das hohe Gericht über die Verfassungsbeschwerde entschieden hat.

    Die Beschwerdeführer beantragen zudem, die nicht medizinisch indizierte MGM an nicht einwilligungs- und urteilsfähigen Jungen auf die Liste der Auslandsstraftaten zu setzen, um sowohl Beschneidungstourismus zu verhindern als auch die gegebenenfalls erforderliche Strafverfolgung ortsunabhängig zu gewährleisten.

    http://eifelginster.wordpress.com/2013/12/28/364/

  11. Mir fällt gerade noch etwas ein, wenn die Leute einem immer wieder mit dem bescheuertem Argument kommen, dass Abtreibung eines (unschuldigen) Lebens erlaubt sein soll, nicht aber die ach so viel weniger schlimme Beschneidung.

    Man hat schon vor einiger Zeit, die Erfahrung gemacht, dass in Ländern,etwa 15 bis 20 Jahre nachdem Abtreibungen gesetzlich erlaubt wurde, die Kriminalität,
    insbesondere Gewalttaten stark abnahmen. Wahrscheinlich, weil es seitdem wesentlich weniger unerwünschte Kinder gibt, die keiner haben will, die herumgeschubst und schlecht behandelt werden und die später ihrerseits gewalttätig und kriminell werden. Ich glaube, dass es für Kinder die völlig unerwünscht sind, besser ist nicht geboren zu werden, es ist bestimmt nicht schön, wenn einen die Eltern nicht haben wollen. Da ist eine Abtreibung meiner Meinung nach das kleinere Übel. Ich selbst hätte das ja nie getan, aber ich habe das Glück, nicht zu doof zum Verhüten zu sein.

  12. Robin: das war eine erstklassige Ausarbeitung über ein Thema, welches in unserer Gesellschaft viel zu selten mit Offenheit und Klarheit diskutiert wird.
    KOMPLIMENT !
    Meine Meinung ist 1:1 zu Deiner Meinung.
    DANKE !

    • Meine Güte, in dem Artikel ist ja so viel falsch! Es stimmt schlicht nicht, dass Juden nicht vollwertig sind, wenn sie nicht beschnitten sind. Dafür gibt es auch zahlreiche Gegenbeispiele, so etwa die Ausnahmen, die ich in meinem zweiten Artikel zum Thema genannt habe (keine Beschneidung aufgrund einer Bluterkrankheit bzw. aufgrund des Umstandes, dass die betreffende Familie bereits Kinder durch diese Prozedur verloren hat). Russische Juden während des Kalten Krieges waren aufgrund ihres Glaubens unterdrückt und waren infolgedessen ebenfalls meistens nicht beschnitten, gelten aber trotzdem als Juden. Und das es UNBEDINGT am 8. Tag erfolgen muss, ist auch nicht wahr: So ist es zwar vorgeschriebene Tradition, aber ist das Neugeborene krank oder eine Frühgeburt, kann sie auch später erfolgen.
      Ein jüdischer Arzt, der sich dagegen entschieden hat, seinen Sohn beschneiden zu lassen, demontiert dann auch das Gerücht, ein unbeschnittener Jude wäre nicht vollwertig: Laut ihm darf ein solcher Jude alles, was ein „echter“ Jude darf, außer das Passahopfer empfangen, das allerdings in dieser Form seit 2000 Jahren nicht mehr praktiziert worden ist: https://robinsurbanlifestories.wordpress.com/2013/12/15/beschneidungsgesetz-ein-jahr-danach-unendliche-diskussionen-und-mein-nachtrag/

  13. Hannover im September 2014, wird der 70. Deutsche Juristentag verschiedene sogenannte leichte Formen der FGM (weibliche Genitalverstümmelung) bagatellisieren und der Bundesregierung empfehlen zu legalisieren?

    Thesen zum Juristentag – Tatjana Hörnle

    „6. Genitalverstümmelung:
    a) Bei der Auslegung von § 226a StGB ist zu beachten, dass nicht alle Veränderungen an weiblichen Genitalien unter „verstümmeln“ zu fassen sind. Dies ist nicht der Fall, wenn der Eingriff mit der Beschneidung von Jungen vergleichbar ist (etwa wenn nur Vorhaut der Klitoris betroffen ist, ohne Amputationen und weitere Verletzungen).“

    http://www.beschneidungsforum.de/index.php?page=Thread&threadID=4763&s=00ab3516abc2ee4af1e588012b4839abcb26f526

    Bringt uns der Juristentag die mit der Scharia verträglichen Paragraphen?

    Der 70. DEUTSCHE JURISTENTAG (2014) rückt heran und ein Blick in die Thesen der Gutachter und Referenten (Kultur, Religion, Strafrecht – Neue Herausforderungen in einer pluralistischen Gesellschaft) verheißt alles Gute für das Islamische Recht und wenig Gutes für die allgemeinen Menschenrechte. Von Edward von Roy.

    http://eifelginster.wordpress.com/2014/08/11/390/

    Machen wir Druck dahingehend, dass der Deutsche Juristentag 2014 den sogenannten milden Formen der Mädchenbeschneidung (FGM) kein grünes Licht gibt.

    Festzustellen wäre dort zusätzlich, dass auch die MGM nicht in den Begriff des Kindeswohls integrierbar ist. Der Minderjährige (unter achtzehn Jahren) ist in eine FGM oder MGM nicht einwilligungsfähig. Kinderrechte ins Grundgesetz.

      • „Machen wir Druck dahingehend, dass der Deutsche Juristentag 2014 den sogenannten milden Formen der Mädchenbeschneidung (FGM) kein grünes Licht gibt. “
        Hmmm, hmmm, hmmm – Eltern dürfen aus medizinischen Gründen einer Beschneidung bei Jungs zustimmen. Durch Vorhautverengung kann es z.B. zu Schmerzen bei einer Glied-Versteifung kommen.

        Bei Mädchen und der Klitorisvorhaut gibt es etwas ähnliches. Bei zu großer Klitorisvorhaut wird die Klitoris „verdeckt“ und es kommt zu Problemen bei der Orgasmusfähigkeit.
        Mit ein Grund warum sich erwachsene Frauen oft die Klitorisvorhaut beschneiden lassen.

        Beides sind also medizinische Gründe, die zu Problemen bei der Sexualität führen können. In diesem Fall sollte eine OP bei Jungs genauso wie bei Mädchen erlaubt sein. Mit welchem Grund sollte das bei Mädchen erst mit 18 und eigener Entscheidung erlaubt sein?
        Sollange ein Junge keine Schmerzen hat wäre eine OP ja bei ihm auch „unnötig“? Oder?

  14. Eine neue Idee kommt aus Juristenkreisen: Es wird die Gleichbehandlung für Mädchen gefordert, da diese nicht diskriminiert werden dürfen (https://hpd.de/artikel/10048).
    Zielrichtung ist eine Neudebatte, damit die Gleichheit dann tatsächlich vorliegt – und zwar für die Jungs, die dann endlich auch nicht mehr verstümmelt werden dürfen.
    Versteht mal wieder nicht jeder, weshalb manche die Juristin zum Teufel wünschen – hier, wo intelligent argumentiert wird, soll es richtig verstanden sein.

  15. Man wird man da agressiv, wenn man deine gesammelten „Argumente“ für die Beschneidung liest. Ich bin selbst aus medizinischen Gründen (aus eigenem Willen) beschnitten worden, teile aber bezogen auf dieses Thema, jeden deiner einzelnen niedergeschriebenen Gedanken. LG Markus

  16. „Ja, ein Kind hat keine Erinnerung an seine ersten Lebensjahre. Überhaupt versteht es sehr wenig von dem, was um es herum passiert.
    Und aus diesem Grund ist die Beschneidung im Säuglingsalter nicht besser, sondern sogar schlimmer. Ein älteres Kind oder gar ein Erwachsener versteht, was mit ihm passiert, weiß in den meisten Fällen sogar, warum dieser Schmerz jetzt ertragen werden muss (bezogen auf wirklich nötige Schmerzen – das Entfernen eines Splitters, eine Impfung oder auch eine größere OP beispielsweise.). Ein Baby versteht es nicht.

    Und das ist einfach nur grausam. Selbst wenn der erwachsene Mann sich nicht daran erinnern kann.“

    Tatsächlich kann kein Kind sich an die ersten drei Lebensjahre erinnern, aber das macht die Sache kaum besser, denn das Gehirn reift in der Phase noch, und wenn das Kind dann noch missbraucht wird, ist es erst recht fatal. Damit ist z. B. die Amygdala geschädigt und es können sich psychische Störungen wie Depressionen, komplexe posttraumatische Belastungsstörungen, Borderline oder Anorexia nervosa bilden.

  17. Pingback: 3 Jahre legalisierte Genitalverstümmelung | too long; didn’t read

  18. Es gibt ein neues „Argument“:

    http://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez—stadt/forschung-vorhaut-macht-tierversuche-ueberfluessig-23077384

    Die Amis machen das schon lange. Sie nennen das „Vorhaut-Ernte“. Außer Kunsthaut stellen sie aber auch noch Kosmetika und Kollagenpräparate zum Aufspritzen der Lippen daraus her. Dass menschliches Gewebe Tierversuche unnötig macht, ist neu. Was ließen sich da für Geschäfte machen – wenn … ja wenn es nur genügend Vorhäute gäbe …

  19. Der erste feministische Artikel dem ich voll zustimmen kann. Als Betroffener von Beschneidung kann ich jedem ihrer Argumente voll zustimmen. Es ist deutlich schwerer zum Orgasmus zu kommen als für unbeschnittene. Traurigerweise gibt es selbst im Internet kaum Informationen wie man SCHNELLER kommen kann, was zeigt, dass das Problem bisher kaum wahrgenommen wird.

  20. unfassbar gut recherchiert und geschrieben, APPLAUS !!!
    die desensibilisierung der eichel geht mit einer keratinisierung einher, ab 40 haben beschnittene männer verstärkt probleme, zum orgasmus zu kommen.. was ne gemeinheit ^^ p.s.: erkältungsbalsam hat schon einigen geholfen, der ERregung den kleinen schubs zusätzlich zu geben😉 so haben z.b. 45 jährige kumpels auch mal onanieren können mit absch(l)uss, einfach, weils entspannt, wenn die grad keine freundin haben😉

  21. Toller Beitrag!

    Wirklich mit dem Thema auseinander gesetzt bzw. voll gelabert wurde ich, als ich meinen Sohn 2009 bekam. Da gab es oft Diskussionen mit Müttern, die das eben tun und mich davon überzeugen wollten.

    Für mich ist es besonders abstoßend, wenn Mütter ihre Jungs beschneiden lassen, weil sie es schöner finden und weil sie dann später so toll im Bett sind. Es ist extrem übergriffig das Geschlecht seines Kindes nach den eigenen sexuellen Vorstellungen und Schönheitsidealen modellieren zu wollen.

    Das Religionsargument zählt für mich auch nicht. Viele Leute haben so eine Angst Religion zu kritisieren, dass sie nicht sehen, wenn sie Menschenrechte missachten. Ich hab auch noch nicht erlebt, dass wer vom Blitz getroffen wurde, der sein Kind nicht beschneiden lassen hat. Religion ist eh immer so Picky. Wenn es passt ist es nötig und wenn nicht kann man doch auch darauf verzichten. Oder sind alle Menschen, die religiös leben immer zu 100% Konform mit den Regeln? Jede Religion passt sich doch den Umständen an und wir leben nun mal nicht mehr im Mittelalter.

    Das Argument Selbstbefriedigung ist auch Käse. Geht ja doch auch noch mit Hilfsmitteln. Dann müsste man schon noch die Hände amputieren um es den Jungs schwer zu machen. Aber wir wollen mal Niemanden auf Ideen bringen.

    Am Ende ist aber auch jedes Argument völlig scheiß egal. Kinder haben ein Recht auf Unversehrtheit und weder Religion, noch ästhetisches Empfinden noch irgendetwas sonst rechtfertigt es, an einem gesunden Kind rum schneiden zu lassen. Kinder müssen als Erwachsene selbst entscheiden dürfen was sie mit ihrem Körper machen, welche Risiken sie eingehen, was sie schön finden usw.

    Ich lasse meinem Kind ja auch nicht den kleinen Finger amputieren, weil meine Glückszahl 4 ist.

    • Ich habe in dem auf diesen Artikel aufbauenden Beitrag erklärt, warum ich bei Männern die Bezeichnung „Beschneidung“ wähle:

      Darüber hinaus finde ich es unfassbar frech, hier mit so einer These „Feministin = Sexistin“ reinzuplatzen und frage mich ernsthaft, was das soll. Ich, die blöde sexistische Feministin, habe zur Beschneidungsdebatte mehr beigetragen als sämtliche Männerrechtler Deutschlands zusammen. Also behalte deine Vorurteile für dich.

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