Rock am Ring ist total scheiße. Echt.

„This song is a
poem to myself
it helps me to live…“

– Taproot

Rock am Ring, das Thema hatte ich ja schon mal. Wer die Beiträge damals gelesen hat, könnte vielleicht auf die Idee gekommen sein, dass Rock am Ring für mich ein jährliches Highlight ist, dem ich schon Wochen vorher entgegen fiebere.

Aber das stimmt überhaupt nicht. Rock am Ring ist nämlich eigentlich voll scheiße!

Ich hatte ja schon mal vorgerechnet, wie viel Schotter man für die paar Tage hinblättern muss. Allein das ist schon so’n Ding, bei dem man hellhörig werden sollte. Aber ja längst nicht das Schlimmste.

Zum ersten Mal fuhr ich 2005 zum Ring und war seitdem, von einer Pause 2006 abgesehen, immer da. Sieben Mal insgesamt. Man kann also sagen, dass ich eine richtige Ringrockerin und in der Lage bin, eine Entwicklung zu erkennen, wenn sie denn passiert.

Und die Entwicklungen am Ring sind alle beschissen. Es sind ja nicht nur die Ticketpreise (geschenkt, echt…), sondern das, was dafür geboten wird.

Die Leute allein… wo kommen diese ganzen Kinder her? Und wann sind die alle so asozial geworden?
Der Ring hat den Ruf eines absolut exzessiven Wochenendes. Zurecht. Wir haben immer gesagt: „Für die paar Tage lassen wir unsere Menschenwürde zuhause.“ Und genau so war es dann auch jedes Mal. Das ist völlig okay. Dampf ablassen, um danach den Alltag wieder zu überstehen. Saufen, fressen, tanzen, brüllen, viel zu lange wach bleiben, nicht duschen, den Müll einfach hinter sich schmeißen. Alles super.
ABER. Es sollte doch noch ein PAAR Grenzen geben. Diese sind erreicht, wenn Dixieklos brennen oder umgeworfen werden (während jemand drin ist…), man Leuten vom Zeltplatz nebenan, wenn die nicht da sind, auf den Grill kackt oder einfach überall, wo man gerade steht, der Schwanz ausgepackt und vor sich gepisst wird. Dabei ist der nächste verdammte Zaun oder Busch nur 10 Meter weg.

Ich denke mir sowas nicht aus (nicht mal das mit dem Grill). Gerade letztes Jahr ist mir das unangenehmer aufgefallen als jemals zuvor. Ich frag mich, was das soll? Ich meine, da hat man schon einen Schwanz und damit das Potential, halbwegs diskret überall hinzupissen, wo man will… nur warum dann ausgerechnet mitten auf den Weg, wo sich gerne Leute hinsetzen – und nur einen Meter von tatsächlich friedlich dasitzenden Leuten entfernt? Oder – und da, liebe Leser, wäre ich fast ein BISSCHEN eskaliert!!! – warum zur Hölle in die Waschbecken Schrägstrich EINZIGEN KOSTENLOSEN TRINKWASSERSPENDER VOR DER CENTERSTAGE?!?! Während eine lange Reihe verwaister Pissoirs NUR EINE BOX WEITER ZU FINDEN IST!?!?

Sorry. Ich komme mit fünf Tagen ohne Dusche klar (wir fahren fuhren immer schon mittwochs…), auch wenn das in den letzten Jahren immer ekliger geworden ist, was vielleicht am Alter liegt oder was weiß ich, keine Ahnung. Aber ein Minimum an Hygiene möchte ich dann doch noch gewährleistet wissen. Darum ziere ich mich ein bisschen, aus Wasserhähnen zu trinken, während die Pisse von irgend so einem asozialen Arschloch nur ein paar Zentimeter unter meinem Gesicht rumschwappt. Ja, ich weiß, voll anti Rock’n Roll, aber dann bin ich wohl einfach langweilig!

Solche Zustände sind wohl auch auf die immer größeren Menschenmassen zurück zu führen. Letztes Jahr hatte ich zum ersten Mal überhaupt so etwas wie Platzangst auf dem Festivalgelände. Irgendwann ist einfach Schluss! Es reicht wohl nicht, die Karten immer teurer zu machen… es müssen auch immer mehr Menschen werden, die die Karten kaufen!

Mit einigen eindeutigen Nachteilen. Fängt schon bei der Sicherheit, sprich: der Einlasskontrolle an, deren desolater Zustand letztes Jahr für geradezu hysterische Kritik gesorgt hat.
Mir war das ja ehrlich gesagt scheißegal. Meine Tasche wurde letztes Jahr kein einziges Mal untersucht und das fand ich auch gut so. Ist ja nicht so, als wäre es auch in den Jahren davor immer nur darum gegangen, den mitgebrachten Alkohol zu konfiszieren, wo es doch auf dem Gelände so schön überteuertes (Leicht)Bier zu kaufen gibt.
Man muss der Tatsache ins Auge sehen: Sollte irgendjemand mal ein krummes Ding auf dem Festivalgelände planen, dann wird das auch klappen. Ob mit oder ohne Taschenkontrolle – die paar Securitys, die einen abtasten, verhindern auch keinen Anschlag oder ähnliches, wenn die Akteure das wirklich, wirklich durchziehen wollen. Ich habe mich sowieso schon gefragt, warum sowas noch nie passiert ist (manchmal denke ich, ich wäre eine weitaus bessere Terroristin als so mancher… aber lassen wir das).
Ich selbst hab mal ein Messer reingeschmuggelt. Das war allerdings keine Absicht. Es war das einzige Jahr, in dem wir sonntagmittags schon fertig gepackt hatten und nachts direkt vom letzten Konzert kommend nach Hause fahren wollten. Oben bemerkte dann ein Kumpel, dass er sein Taschenmesser noch in der Hosentasche hatte. Also steckte ich es mir in meinen Schuh, biss die Zähne zusammen (tat weh beim Gehen) und latschte damit durch die Kontrolle. Danach bekam er es wieder. Null Problemo. Außer eben, er wäre ein Terrorist gewesen oder so. Das wäre dann schon scheiße gewesen.
Doch halten wir fest, auch wenn mir das persönlich am Arsch vorbei geht: Die Sicherheitslage ist desaströs!

Das führt uns zu den Zuständen vor den Bühnen. Namentlich der Centerstage, wo die ganz Großen spielen.
Ich kann mich daran erinnern, dass ich 2007, ich war mit einer Freundin unterwegs, mich bzw. uns beide relativ locker bis in die zweite Reihe schlängeln konnte. Für irgendwas muss es ja gut sein, dass ich so klein bin.
Das ging schon 2008 nicht mehr. Ab dann, wenn ich mich recht erinnere, wurden Wellenbrecher installiert, also Barrieren, die den Raum vor der Bühne teilen und schon im Vorfeld quasi entzerrend und deeskalierend wirken sollen. In die vorderen Blocks, also A und B, kam man nur noch über die ziemlich schmale Boxengasse, die ebenfalls abgesperrt werden konnte, wenn die Blocks voll waren.
2008 hat das AUCH noch super geklappt, ebenso 2009, wenn man davon absieht, dass wir einmal samstags oder sonntags einfach die Absperrungen in der Boxengasse überrannt haben. Das war ziemlich cool.
Doch der Ring 2012 hatte wieder Neuerungen zu bieten (ein total ausgeklügeltes Ampelsystem, das anzeigte, ob sich ein Anstellen für den A- und B-Bereich überhaupt lohnt) und seitdem ist es vor der Bühne einfach nur scheiße. Früher hatte man gute Chancen, seine favorisierte Band aus der Nähe zu sehen, wenn man drei, vier Stunden vorher da war. Letztes Jahr saßen teilweise Leute ab zwölf Uhr Mittags vor der Centerstage, weil sie irgendwann um 22 Uhr ne Band sehen wollten!
Und das ist scheiße! Die Stimmung war dann auch entsprechend lahm, so lahm, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich meine, wie kacke ist das bitte für die Bands, vor lauter Menschen zu spielen, die einfach nur da sind, weil sie eine spätere Band sehen wollen, sich für die aktuelle Band aber einen Scheißdreck interessieren?
Und, wie schon gesagt, diese ganzen Kinder. Die sind tatsächlich bescheuert genug, um zehn Stunden Warterei durch zu ziehen. Wahlweise bei Regen oder brütender Hitze, ohne was zu trinken, ohne richtige sanitäre Anlagen, nüchtern. Und dann bei Linkin Park total verwirrt dastehen und nicht wissen, was abgeht, wenn die plötzlich „Sabotage“ spielen. Häää, Beastie Boys, who the fuck?!

Nein, der Ring ist ein riesiger Haufen Scheiße geworden. Und die größte Scheiße ist, dass ich dieses Jahr nicht hinfahre. Denn all das ist völlig und absolut scheißegal, wenn man mit den richtigen Leuten fährt.
Leute, die ich nicht mehr habe. Denn diese Freundschaften sind es, die sich in Scheiße verwandelt haben.

Heul.

Und weil das so zum Kotzen ist und ich irgendwie diese Woche überstehen muss, ohne mich umzubringen, kriegt ihr die nächsten sieben Tage eine neue Serie präsentiert. Die letzte (Kinderserien meiner, äh, Kindheit) hat mir gut gefallen, also werde ich das wohl noch öfter machen. Und da es beim Ring ja irgendwie doch um Musik geht, heißt das Thema ab morgen

Meine Top 7 Alben aller Zeiten

Ich weiß, das dürften eigentlich nur fünf sein. High Fidelity und so. Aber es soll ja ne ganze Woche gehen.

Warum übrigens den Anfang am Dienstag? Weil es dann montags endet, wie mein Ringerlebnis immer. Und weil ich gestern keine Zeit für diesen Beitrag hatte. Jap, dies ist der Artikel der harten Realitäten :/

Und jetzt setze ich mich ein bisschen in meinen Campingstuhl, trinke warmes Bier und heule in meine kalten Ravioli.

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6 Gedanken zu “Rock am Ring ist total scheiße. Echt.

  1. Leider wahr. Das war letztes 2012 schon extrem nervig, daher haben wir dieses Jahr beschlossen einfach mal nach Wacken zu fahren.

  2. Ich glaube ich werde immer einen Abend mit Freunden in einer Kneipe mit möglichst rockiger Musik solchen Festivals vorziehen, oder allgemein zu lauten und gedrängten Veranstaltungen.

    Ich bin aber gespannt was du nun für Alben vorstellen wirst 🙂

    • Laut und gedrängt darf es schon sein… wenn jeder ein bisschen auf den anderen Acht gibt. Das ist gerade bei Metalfestivals schon sehr der Fall. Aber trotzdem, manch einer benimmt sich halt gerne wie ein Affe :/

      Bin gespannt, wie dir die Alben gefallen 🙂

  3. GIb doch mal einen Euro an einen Straßenmusiker und höre dem zu. Ist billiger und manche sind echte Profis.

  4. Pingback: Meine Top 7 Alben aller Zeiten: Teil 6&7: Various Artist “To Be Announced” | robins urban life stories

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