Meine Top 7 Alben aller Zeiten – Teil 4: System Of A Down „Mezmerize“

Und endlich dringen wir in die härteren Gefilde meines Musikgeschmacks vor🙂

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Tracklist
1. Soldier Side
2. B.Y.O.B.
3. Revenga
4. Cigaro
5. Radio/Video
6. This cocaine makes me feel like I’m on this song
7. Violent Pornography
8. Question!
9. Sad statue
10. Old school Hollywood
11. Lost in Hollywood

Erstkontakt
Hier haben wir mal eine Band, die ich schon kannte, bevor ich das Album hörte, das es in meine Liste schaffte!
Ab 16 war ich eigentlich jedes Wochenende in der örtlichen Metaldisco anzutreffen. Was tat sich mir da für eine entzückende neue Welt auf! Viele Bands, deren Songs ich heute noch rauf und runter höre, lernte ich dort zum ersten Mal kennen. So auch SoaD. Ihr Album Toxicity war im selben Jahr erschienen und beinhaltete einige einfach absolut großartige Songs wie Toxicity, Forest und Chop Suey! Alles Songs, auf die sich ultragut tanzen lässt. Und schöne Videos liefen auch wieder bei MTV!

Ich war also schon ein Fan, als 2005 das lang ersehnte Album Mezmerize erschien, nachdem Steal this Album! (der Vorgänger) nicht so wahnsinnig geflasht hat. Und dieses Album schaffte das, was Toxicity, so toll es auch insgesamt ist, nicht vollbringen konnte: Ich fand es von vorne bis hinten einfach nur megageil!

Highlights
Auch hier ist wieder einiges vertreten, was zumindest aus Metalsicht absolut tanzbar ist. Und was tanzbar ist, ist gut!
Es fängt direkt extremst cool an mit B.Y.O.B., das einen netten Kontrast hat zwischen krass metallischen Strophen und einem sanft gesungenen Refrain. Eine Radiotussi, die eine Metalsendung moderiert, nannte diesen mal „poppiger als viele Popsongs“. Das war dann der Moment, wo ich sie zu hassen begann…
Dann Revenga, ein Song, bei dem man sehr, sehr gut seinen gesamten Hass rauslassen kann. Wie könnte ich so etwas NICHT mögen?
Richtig ab gehts bei Radio/Video, bei dem es einige folkloristische Anleihen gibt, die das Lied einfach nur völlig fabulous machen und eindrucksvoll beweisen, warum sich SoaD schlecht in irgendwelche Schubladen stecken lassen. Vor allem der langsame Aufbau vor dem letzten Refrain ist so unglaublich gut. Es erfreut jedes Mal mein Herz, wenn auf einer Metalparty 100 Menschen auf der Tanzfläche erst leise mitwiegen, sich dann steigern und am Schluss jeder komplett eskalierend mitspringt!
Bei Violent Pornography liefert Serj Tankian in meinen Augen (Ohren, chrchr) die schönste gesangliche Leistung ab. Seine Triller und Phrasierungen während des Refrains (irgendwie gibt es zwei verschiedene Refrains oder wie auch immer man das dann nennt… das schafft auch nicht jede Band) MÜSSEN einfach mitgesungenbrüllt werden!
Sad Statue ist dann tatsächlich das: traurig. Oder klingt zumindest so. Ein wahnsinnig pathetischer, dramatischer Song, bei dem einen auf der Tanzfläche echt fast die Tränen kommen. Auch wenn ich wie bei allen SoaD-Songs nicht ganz kapiere, worum es eigentlich geht. Aber das ist okay.
Und dann mag ich einfach auch Old School Hollywood ziemlich gerne (auch wenn man darauf nicht gut tanzen kann). Der Song kommt irgendwie elektronisch daher und deshalb mögen ihn viele nicht. Außerdem gehts um Baseball, was nicht sonderlich spannend ist. Trotzdem!

Tiefpunkte
Lost in Hollywood ist mir entschieden zu soft! Obwohl es dennoch sehr nett ist. Denn auch hier haben wir wieder eigentlich keine wirklichen Tiefpunkte!
An Cigaro ist höchstens schlecht, dass der Song mit dem Rest nicht mithalten kann (auch wenn es eine der besten Textzeilen überhaupt hat: „My cock is much bigger than yours, my cock can walk right to the door“. Ähm, ja ^^). Für This cocaine makes me feel like I’m on this song gilt das selbe, außerdem lässt sich der Titel so schlecht merken. Man wird doch auch mal auf hohem Niveau meckern dürfen!
An Soldier Side ist nur doof, dass dieser Song auf dem Album Hypnotize (das mit Mezmerize ein Doppelalbum bildet, allerdings fand ich dieses erheblich schwächer) fortgesetzt wird und da viel besser ist.

Biographisches
SoaD wird für mich auf ewig mit mit politischen Aktionismus verbunden sein. Die Toxicity erschien 2001, das Jahr, das angeblich alles verändert hat.
Ich war 16 am 11. September 2001 (und habe das meiste davon verschlafen – wenn meine Kinder mich mal fragen sollten, werde ich lügen) und wie die meisten ziemlich in Schockstarre. Auch wenn ich schon am 13. September nicht mehr kapiert habe warum eigentlich. Warum sind tote Amerikaner so viel wichtiger als tote… irgendwas? Warum muss mich dieses Ereignis mehr schockieren als andere (von Menschen oder der Natur gemachten) Katastrophen, bei denen bis zu 100mal so viele Menschen sterben?
Ich war… skeptisch. Und dann, als ich mir die Berichterstattung zur Vertrauensfrage Gerhard Schröders ansah, auch richtig, richtig angepisst. Ich sah eine ARD-Reporterin, die einen etwas verranzt wirkenden Grünenpolitiker nach seiner Meinung fragte. Er setzte zu einer Antwort an, kritisierte den geplanten Afghanistanfeldzug und sie riss ihm das Mikro weg.
Ich spüre immer noch eine unglaubliche Wut, wenn ich daran denke. Vor allem an das verkniffene Gesicht der Reporterin. Diese blöde Fotze. Sorry. Nein, kein Sorry. Wie war das nochmal mit der vierten Gewalt im Staat? Und warum soll ich nochmal GEZ bezahlen, ihr Arschlöcher?
Ich hatte schon vorher geahnt, dass einige Dinge nicht so ganz in der Reihe laufen. An diesem Tag, durch dieses „Interview“ bekam ich dann meine Bestätigung. Danke, ARD.

Wie ging es also weiter? Ich diskutierte. Ich lief bei Demonstrationen mit. Ich las Michael Moore. Ich lieferte in der Schule ein Kunstprojekt ab, das im Grunde eine einzige flammende Rede gegen amerikanischen Faschismus, Kapitalismus und diesen verschissenen Irakkrieg darstellte (Note: Eins). Und ich hörte System Of A Down, die sich wie kaum eine zweite Band gegen diese ganze Scheiße positioniert hat. Dies bekam mit Boom!, einem Song von Steal this Album!, einen Höhepunkt und setzte sich mit B.Y.O.B. fort. Das steht übrigens für „Bring your own bomb“.

Heute sehe ich viele Dinge etwas differenzierter als mit 16. Oder mit 20, als Mezmerize erschien. Aber einige meiner Grundprämissen werden sich hoffentlich nie ändern. Dazu gehört, dass blood for oil scheiße ist. Krieg sowieso. Und dass man niemals staatlich subventionierten, konservativen Lügenmedien trauen sollte.
System Of A Down lieferten mir den Soundtrack zu dieser wütenden Phase, die ich niemals missen möchte.

Konzerterfahrung
Nachdem Serj Tankian schon solo unterwegs war und es fiese Gerüchte gab, SoaD hätten nicht nur eine kreative Pause eingelegt, sondern sich gar getrennt, kamen sie 2011 endlich zum Ring!!!
Naja. Ich mache es kurz. Das Konzert war an sich in Ordnung – meine Begleitung nicht. Sorry, aber ich kann nun mal nicht abgehen, wenn der Rest der Bagage nicht mitmacht. Wir standen einige Meter hinter dem zweiten Wellenbrecher kurz vor einem Monitor, konnten also alles, was auf der Bühne abging perfekt sehen, aber Party sieht doch anders aus. Aber die Herrschaften waren MÜDE. Grmpf.
Ich ging dann zwar mal auf eigene Faust etwas weiter nach vorne, um mit der Menge zu tanzen, aber ich war wohl zu nüchtern, um die Tatsache zu vergessen, dass ich gerade im Grunde alleine war. Obwohl die Leute in der Menge unglaublich nett waren.
Deshalb wurde dieses Konzert leider nicht zu dem Highlight, das es eigentlich sein sollte.

Was mich das Album lehrte
„Why don’t presidents fight the war
why do we always send the poor?“
– B.Y.O.B.

Trivia
Serj Tankian und Daron Malakian sind beide armenischstämmig und setzen sich sehr dafür ein, dass der Völkermord an den Armeniern endlich ausreichende historische Würdigung erfährt.
War nämlich auch eine riesige Sauerei, auch wenn gewisse Leute dies gerne leugnen. Gut gemacht, Türkei. Du warst auch schon vor letzter Woche nicht unscheiße.

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7 Gedanken zu “Meine Top 7 Alben aller Zeiten – Teil 4: System Of A Down „Mezmerize“

  1. Wenn ich mal kurz dazwischenfunken darf…
    Coole Idee, seine musikalischen Prägungen zu verbloggen. Ich sehe da einige Parallelen zu mir😉
    Sollte ich die Idee irgendwann mal klauen (kann ja auch ohne Musik nicht leben. Ohne TV würde mir nicht viel fehlen, aber ohne Musik, geht gar nicht), gäbs bei mir wahrscheinlich ein richtiges Durcheinander, weil es einfach viele unterschiedliche Einflüsse in all den Jahren gab. Viele Geschmäcker, die in mir wohnen, viele Entwicklungen. Wenn ich zurückdenke, was ich vor 15 Jahren mochte und was heute… *g*

    • Naja, man muss es ja nicht chronologisch machen. Das hab ich nur gemacht, weil ich keine andere Rangfolge innerhalb dieser Topliste haben will. Ich kann nicht sagen, welches Album davon am besten und welches am schlechtesten ist. Ich hätte es auch alphabetisch machen können… oder geordnet nach den Geburtsdaten der Bassisten… Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt😉

  2. Ein wirklich gutes Album🙂
    Umso mehr ärgert es mich, dass ich es gerade nicht finde *Argh!*. Ich muss sagen mich überrascht im Rückblick das ich SOAD erst als sehr unharmonisch und somit nicht so gut empfand, während ich damals wesentlich mehr Death Metal / Thrash Metal / und ähnliches gehört habe…
    Wobei das ist nen gutes Stichwort – Mal ne Runde Fear Factory anmachen.

    • Also, dass man SoaD unharmonisch findet, kann ich schon verstehen. Aber halt nicht, wenn man gleichzeitig Thrash Metal etc. hört:mrgreen:
      Naja, sie sind gewöhnungsbedürftig. Und wenn man sich dran gewöhnt hat, einfach nur geil.

      • Manchmal ists halt komisch was man so mag und wo man sich erst dran gewöhnen muss…
        Aber ich bin ja doch noch ‚bekehrt‘ worden😉

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