Meine Top 7 Alben aller Zeiten – Teil 5: Ignite „Our darkest Days“

Kommen wir zur vermutlich unbekanntesten Band/dem unbekanntesten Album in dieser Reihe, obwohl dieser Status absolut ungerechtfertigt ist!

Ignite

Tracklist
1. Intro (our darkest days)
2. Bleeding
3. Fear is our Tradition
4. Let it burn
5. Poverty for all
6. My Judgement Day
7. Slowdown
8. Save yourself
9. Are you listening
10. Three years
11. Know your history
12. Strength
13. Sunday bloody Sunday
14. Live for better days

Erstkontakt
Es war das Jahr 2006, ich war 21 und wieder hatte meine beste Freundin ihre Finger im Spiel. Aber als sie mir dieses Album (und damit auch die Band) erstmalig vorspielte, war ich irgendwie etwas unterwältigt. Ich weiß nicht, woran es lag, vielleicht hatte Zoli Téglás‘ durchaus ein wenig gewöhnungsbedürftige Stimme etwas damit zu tun, aber zu Anfang war ich tatsächlich der Ansicht, alle Lieder würden sich gleich anhören. Blasphemie!!
Es dauerte aber nicht lange, bis ich diese Ansicht revidierte. Und das ist gut so, denn sonst hätte ich nicht nur eine Hammerband verpasst, sondern auch einige meiner absoluten Lieblingssongs aller Zeiten!

Highlights
Ich greife mal vor und verrate, dass dieses Album eigentlich keine wirklichen Tiefpunkte hat. Dennoch gibt es natürlich ein paar Lieder die einfach auch im Vergleich zum Rest des Albums völlig überragend sind!
Bleeding ist so eines. Das Intro geht nahtlos darin über und, naja, bei dem Lied gibts wieder mal voll was auf die Fresse! Dazu (Hardcore-)Punkchor – einfach großartig!
Let it burn… ich werde nie verstehen, warum dieser Song nicht zumindest in der Szene zu einem Riesenhit wurde. Er ist sehr eingängig, fast schon poppig, und die Thematik – das Lyrische Ich singt über eine Freundin, die bei einem Autounfall starb – eigentlich doch genau das, was die Emomassen erfreut. Dazu ist er einfach auch hammergeil. Naja, man steckt nicht drin…
Bei Poverty for all wirds mal wieder politisch. Zoli Téglás hat ungarische Wurzeln und ist sehr geschichtsinteressiert. Dieser Song thematisiert den Ungarnaufstand von 1956 und ist einfach nur ein einziger krasser Aufruf zum zivilen Ungehorsam. Ein ganz, ganz großes Lied!
Sunday bloody sunday ist, wie man sich denken kann, ein U2-Cover und als solches genialst. Der alte Stoff, der ja auch schon ziemlich geil war, wird so richtig aufgepimpt. Einer meiner Lieblingscoverhits!
Aber das größte Highlight, vielleicht das beste Lied, das Ignite meiner Meinung nach jemals geschrieben hat, ist einfach Strength. Ich sehe den gesamten Song als eine Art (besseres) Gebet und als solches hat er mich schon oft aus der Scheiße gezogen. Dafür habe ich zu danken.

Tiefpunkte
Ihr kennt es inzwischen schon: Es gibt sie eigentlich nicht! Kein einziger Song, den ich beim Hören des Albums skippen würde.
Dennoch: Are you listening ist etwas langweilig, weil man hier ihre alten Zeiten noch deutlich durchhört, die viel weniger melodisch waren als das neue Zeugs. Meh.
Ähm, und das wars auch eigentlich schon!

Biographisches
Seit 2006 ist dieses Album aus meiner Sammlung nicht mehr wegzudenken und war ab diesem Zeitpunkt einfach immer selbstverständlich dabei. Heißt: Irgendwie fällt mir nichts konkret Biographisches ein!
Höchstens vielleicht der Abschluss des ge-ni-al-en Offspring-Konzertes im Jahre 2008. Meine beste Freundin und ich hatten im Auto übernachtet, wenn man das so sagen kann. Sie hatte zwei Stunden geschlafen, ich gar nicht. Heißt, es war leicht kritisch, in diesem Zustand zurück in die Heimat zu fahren, doch mussten wir beide mittags noch arbeiten gehen, also führte kein Weg daran vorbei. Dieses Album (sowie der nicht auf dem Album vertretenen, aber ebenfalls sehr sensationelle Song Veteran) hielt und wach und damit alive. Auch dafür kann ich einfach nur Danke sagen!

Konzerterfahrung
Leider, leider ist diese nicht vorhanden! Ignite ist keine sonderlich bekannte Band, auch wenn ich das nicht verstehen kann. Musikalisch haben sie exakt die selbe Entwicklung durchgemacht wie Rise Against, dennoch sind Rise Against heute megafamous, aber Ignite nicht. Ich check’s nicht!
Einmal hätte ich sie dennoch fast gesehen, als sie, puh… 2009? mit der Persistence-Tour unterwegs waren. Das kam jedoch nicht zustande. Ein paar Wochen später traf ich aber einen Typen, der genau das Konzert gesehen hatte, das ich besuchen wollte… und der hat meinen Schmerz dann stillen können, indem er einfach den Idioten raushängen ließ.
Ignite sind Hardcore. Das ist kein Kompliment, sondern eine Genrebezeichnung. Manche zählen sie zum Melodic Hardcore, andere zum Hardcore-Punk. Ist ja auch egal. Jedenfalls ist das leider genau die Art Musik, die Violent Dancer anzieht.
ignite2WTF?! – denkt ihr jetzt vielleicht. Der Begriff ist tatsächlich Programm. So schön ich Pogotanzen finde, aber es gibt für mich da einige eindeutige Grenzen. Diese sind überschritten, wenn man sich absichtlich gegenseitig weh tut, dies tatsächlich forciert wird. Genau das tun Violent Dancer. Im Prinzip geht es dabei nur drum, sich gegenseitig kreativ und halbwegs im Takt aufs Maul zu hauen. Männlichkeitswahnsinn komplett auf die Spitze getrieben von irgendwelchen gehirnamputierten Affen!
Eben einer dieser Affe erzählte mir stolz, dass er sich fast die Nase gebrochen hätte und jeder um ihn herum blutüberströmt war. Wow. Aber darüber hinaus fand er den Auftritt von Ignite superlahm. „Der Typ hat zwischen den Liedern dauernd gelabert, ich glaub über den Krieg und so. Das will doch keiner hören!“
Man hofft unwillkürlich, dass beim nächsten Mal vielleicht irgendjemand noch ein bisschen härter zuschlägt und diese menschliche Existenz aus dem Genpool entfernt… Aber lange Rede, kurzer Sinn: Unter diesen Voraussetzungen kann ich wohl leider kein Ignite-Konzert besuchen. Was aber vielleicht auch gar nicht schlimm ist, da Zoli Téglás einfach kein guter Sänger ist. Auf der Platte, mit viel Studioarbeit und allem drum und dran, klingt er noch völlig okay, aber nach allem, was ich gesehen habe, failt er regelmäßig auf jedem Konzert, vor allem bei dem hohen Tönen.
Daher ist das alles in Allem wohl kein besonders großer Verlust.


(okay, das ist noch in Ordnung. Allerdings ist der Song im Vergleich zum Rest auch relativ leicht zu singen und kommt ihm etwas entgegen.)

Was mich das Album lehrte
„Give me strength
to hold my head up high
to spit back in their face…“
– Strength

Trivia
Es gibt immer wieder Gerüchte darüber, dass Zoli Téglás vielleicht ein bisschen zu stolz auf seine Herkunft ist, sprich, ein Nazi.
Ein Punk, der gleichzeitig vehement gegen den Kommunismus, so wie er bisher in der Weltgeschichte verbrochen wurde, eintritt (weil eben seine Familie in Ungarn jahrelang unter der „red bourgeoisie“ gelitten hat) ist ja erst mal eine recht erfrischende Erscheinung. Ich hasse diese Relativierungen der Verbrechen des Sozialismus von links. Dennoch weiß ich leider nicht so ganz, wie ich das einordnen soll. Da ich aber bisher nicht rausfinden konnte, was er eigentlich genau gemacht hat, und seine Songs doch alle eine ganz andere Sprache sprechen, als ihm vorgeworfen wird, neige ich dazu, dies einfach mal so stehen zu lassen. Aber zumindest ist es eine Erwähnung wert.

ignite3

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3 Gedanken zu “Meine Top 7 Alben aller Zeiten – Teil 5: Ignite „Our darkest Days“

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