Jakobsweg, die Dritte!

Ich hatte nach meinem letzten Beitrag über den Jakobsweg den Eindruck, dass meine Leser das Thema nicht so großartig interessiert. Daran kann ich aber leider auch nichts ändern, denn: Es geht morgen los 😉

Dieses Mal nicht ganz so passend wegen des fehlenden Meeres, aber scheiß drauf!

Dieses Mal nicht ganz so passend wegen des fehlenden Meeres, aber scheiß drauf!


Ursprünglich hatte ich geplant, NOCH einen Blog nur für meine Wanderung anzulegen, aber den Gedanken bald verworfen. Es ist einfach zu unsicher, ob und wie ich zum Bloggen komme. Kurz hatte ich überlegt, ob ich meinen treuen Laptop nicht mitschleppen und mir dafür einen Wlan-Stick sollte, aber das war von Anfang an eine beschissene Idee. Erstmal würde er den Weg, die Ruckelei und die krassen Temperaturen vermutlich sowieso nicht überleben und zweitens ist er einfach zu schwer. Jeder Jakobspilger weiß, dass das Gewicht des Rucksacks über den Erfolg der Pilgerreise entscheiden kann. Daher wäre ein Laptop eine unglaubliche Dekadenz, die ich mir mit meiner untrainierten Statur einfach nicht leisten kann.
Falls ich also ein Internetcafé oder sowas entdecke, werde ich euch hier mit Berichten versorgen, aber ob das regelmäßig passieren wird, kann ich nicht versprechen! In dieser Zeit gibt es dann natürlich (leider?) auch keine anderen Themen. Und ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich dadurch leider auch nicht so zeitnah zum Freischalten der Kommentare komme wie sonst und zum Beantworten erst Recht nicht. Freue mich trotzdem über Kommentare – natürlich!

Ich bin aufgeregt und habe noch nicht mal fertig gepackt. Dieses Mal werde ich mich aber bezüglich des gesparten Gewichts wohl selbst übertreffen. Auf meinem letztjährigen Jakobsweg habe ich festgestellt, dass man so viele Dinge einfach wirklich nicht braucht!
Es war nach meiner Sehnenentzündung. Ich war wieder on the road, aber sehr vorsichtig, und beschloss irgendwann, meinen Rucksack auszumisten. Es gibt nämlich die komfortable Möglichkeit, Pakete postlagernd nach Santiago vorzuschicken, wenn man merkt, dass man übertrieben hat.
Ich kippte also meinen Rucksack aus und sortierte. Und letztendlich war der Berg von Zeug, den ich nicht wirklich brauchte, wahrhaft gigantisch. Zweieinhalb Kilo schleppte ich mit, die ich eigentlich nicht benötigte. Darunter meine Jeans, die ich einfach nur als Luxus für abends einstecken hatte, ein paar Kosmetiksachen (aus meiner ohnehin schon ziemlich spartanisch gefüllten Kosmetiktasche) und diverser anderer Scheiß.
Danach fühlte ich mich, als würde ich über den Weg fliegen!

Überhaupt, Kosmetik: Auf dem Jakobsweg herrscht das Motto „Mut zur Hässlichkeit“. Das wollen viele Menschen nicht verstehen. Meine Oma findet es zum Beispiel unglaublich empörend, dass ich nur eine Hose mitnehme.

„Aber du braucht doch eine Hose zum Wechseln!“
„Nein, brauche ich nicht. Abends wasche ich die Hose, während ich meine Schlafshorts trage, und am nächsten Tag ziehe ich sie wieder an.“
„Trotzdem brauchst du doch wohl eine Hose zum Wechseln! Wie sieht denn das aus!“
usw.usf.

Sowas interessiert auf dem Weg keinen. Ebensowenig wie der leichte Schweißgeruch, der schon nach einer Woche jeden Pilger umgibt, selbst wenn er gerade geduscht hat und frisch gewaschene Sachen trägt. Mit Rei aus der Tube kriegt man komplett durchschwitzte Sachen einfach nicht sauber.
Deshalb und auch, weil viele Sachen eine brutale Handwäsche nicht gut überleben auf die Dauer, habe ich zwei meiner im Auflösen begriffenen Shirts ausgewählt, die ich danach wohl wegschmeißen kann. Aber das ist okay.
Die Farbzusammenstellung ist recht eigenwillig, aber auch das ist mir egal. Violettes „Phoenix Suns“-Basecap, graue Wanderhose, rotes Top (DAS immerhin habe ich mir neu gekauft, da mit Spaghettiträgern), schwarze Schuhe und zu allem Überfluss dann auch noch einen azurblauen Bauchgürtel. Ich habe einfach IRGENDEINEN gebraucht, aber diese Farbe tat es mir gestern im Einkaufszentrum an. Schön, aber in der Kombi vermutlich grauenhaft. Aber auch das ist mir egal.

Was die Schuhe angeht, bin ich wohl unbelehrbar. Ich werde wieder mit Chucks gehen. Ja, wirklich wahr.
Bei meinem ersten Jakobsweg hatte ich Chucks zum Wechseln dabei für abends und das war auch gut, denn nach ungefähr einer Woche stellte sich heraus, dass meine Wanderschuhe einfach zu klein waren. Meine Füße taten so unbeschreiblich weh. Also ging ich eines Tages einfach mit den Chucks los, und alles war gut!
Letztes Jahr bin ich von Anfang an mit Chucks gegangen. Manche sagten, dies wäre der Grund gewesen für meine Sehnenentzündung. Ich glaube das aber nicht, immerhin hat es schon einmal gut geklappt. Ich vermute, ich habe einfach zu wenig getrunken (tatsächlich kriegt man davon Sehnenentzündungen. Wer hätte es gedacht?). Und auf dem Jakobsweg anzufangen, mit Einlagen zu laufen, weil die Fußpflege meiner Mutter mal gesagt hat, ich würde irgendwann Plattfüße kriegen, war vermutlich auch eine mehr als nur beschissene Idee -.-

Dieses Jahr wollte ich mir passende Halbschuhe kaufen, bzw. kaufen lassen, denn mein Stiefvater wollte sie mir spendieren. Dazu ist es leider nicht gekommen, da er mich nun doch nicht mehr besuchen kam. Gestern dachte ich noch, ob ich halt selbst welche kaufen sollte, aber naja… ob ich jetzt mit einen Tag alten Wanderschuhen losmarschiere oder mit gut eingelaufenen Chucks, ob das wohl einen Unterschied macht?
Lediglich auf Schotter oder auf sehr heißem Asphalt sind Chucks ein Problem, doch ich werde damit hoffentlich klar kommen.

Ich werde nun doch von Barcelona aus gehen. Der Weg, von dem ich nicht wusste, wie er heißt. Jetzt weiß ich es: camino catalán. Ich werde eine Station nach Barcelona losmarschieren (vor allem deswegen, weil ich nicht in diesen Moloch von Stadt will… da käme ich ja nie wieder raus), und es werden genau 1089 Kilometer sein.

1089 Kilometer. Das wäre schon was. Allerdings habe ich momentan einfach nur Angst, dass ich es nicht packe. Die Erfahrungen meines letzten Caminos waren einfach zu hart. Und dann musste ich letzte Woche dann auch noch zum Orthopäden, weil ich Probleme mit dem Rücken hatte. Ich hab nix gemacht, mich weder verhoben, noch mich gestoßen oder sonstwas, aber eine Woche lang fühlte sich mein Rücken an wie falsch zusammen gesetzt. Kam ganz allmählich und wurde immer schlimmer, bis der Orthopäde es fünfmal knacken ließ.
Jetzt fühlt er sich okay an. Immer noch ein bisschen komisch, aber okay. Ich hoffe, das bleibt so, wenn ich mit meinem Rucksack loswandere.

Ich könnte wahrscheinlich noch zehnmal so viel schreiben und euch ne gesamte Packliste liefern, aber ich fühle mich total wirr und sollte wohl langsam aufhören.
Ich hoffe, das nächste Mal, wenn ich euch von meinem eigenen Laptop aus schreibe, wird in ungefähr 6 Wochen sein. Abbrechen müssen ist einfach schrecklich, aber das ist zumindest eine Option, die ich nach meinen Erfahrungen letztes Jahr einkalkulieren muss. Ich werde definitiv nicht nochmal eine Woche in Spanien rumhumpeln, sondern komme nach Hause, wenn ich wieder so große Probleme bekomme.

Wäre scheiße, aber noch bin ich guter Hoffnung!

Als letztes eine kleine Impression meines letzten Jakobsweges, bzw. seines Endes… Ich hoffe, ich werde dieses Jahr wieder dort stehen und das Meer sehen können, nachdem ich es aus eigener Kraft erreicht habe.
Wer das meditative Meeresrauschen bis zum Schluss durchhält, kann erstmals meine Stimme hören :mrgreen:

Ich werde jetzt NICHT schreiben „Ich bin dann mal weg…“ Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr das nervt 😉

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7 Gedanken zu “Jakobsweg, die Dritte!

  1. Pingback: Und wieder heißt es: Tschüss, bis bald! | Robins urban bar stories

  2. Wow, das ist ein ganz schönes Stück Weg, das du dir da vorgenommen hast. Ich wünsche dir viel Erfolg – und dass dein Rücken mitspielt.

  3. Sehr cool! Viel Spaß und viel Erfolg!
    Ich empfehle zum Wandern eine Männer-Bade-Bermuda, lange Stulpen und für abends eine schöne gestreifte lange Skiunterhose. Nimmt alles nicht viel Platz weg und ist leicht und man kann im Lagenlook kombinieren. Nachdem ich mich bei meiner ersten Wanderung totgeschleppt habe, habe ich auch gelernt, dass weniger mehr ist, vor allem, wenn man noch ein Zelt mitschleppt. Und ich könnte sogar noch auch mehr verzichten. Kosmetik ist überbewertet. Ich empfehle für diejenigen, die nicht ganz drauf verzichten wollen, vorher beim Friseur die Wimpern färben lassen. 😉
    Chaka, du schaffst es!
    LG Lotti

  4. Pingback: Herzliste 2014 | robins urban life stories

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