Jakobsweg: 2. Etappe: Jorba – Coll de la Panadella (15 km)

Kilometer: 46,6

Ich hatte mir gestern extra nicht den Wecker gestellt, weil mich der Abend so fertig gemacht hat. Ausschlafen war angesagt, vor allem, da ich schon vor dem ganzen Stress mit der Herberge beschlossen hatte, als naechstes eine kurze Etappe einzulegen. Meine Blasen sind naemlich ziemlich grossflaechig und von meiner Allergie will ich gar nicht erst anfangen!

Gluecklicherweise war es heute bewoelkt und fuer spanische Verhaeltnisse recht kuehl, so dass ich meine Hose lang lassen konnte. Der Ausschlang an den Beinen war naemlich so feuerrot und brannte so hart, dass ich es nicht wagte, ihn noch weiter der Sonne auszusetzen (die ab und zu mal durch die Wolken schaute). Ich muss dringend in die naechste Apotheke und richtiges Aloe-Gel kaufen, aber bei meinem heutigen Tagesziel werde ich da kein Glueck haben.

Also noch einen Tag durchhalten. Ueberhaupt mal aufstehen. Das ging schwerer als gedacht, der erste Tag hatte mich wohl doch ziemlich geschafft. Erst gegen sieben quaelte ich mich aus dem Bett und packte.
Vor der Herberge rauchte ich erst noch, bevor ich los ging… und da kamen mir die Spanier entgegen. Diese Tuer-nicht-Oeffner. Oh Mann, hatte ich immer noch eine Wut!!
Sie begruessten mich froehlich, aber ich fragte direkt unterkuehlt, warum sie mir gestern nicht aufgemacht hatten, als ich klingelte. Ihnen fiel alles aus dem Gesicht. Nein, sie haetten die Tuer nicht geschlossen, ueberhaupt waeren sie ja gar nicht da gewesen, weil sie bis ein Uhr saufen waren (aha, SOLCHE Pilger sind das!)… ob der Hospitalero mir denn keinen Schluessel gegeben haette?
„No,“ erklaerte ich angepisst, aber doch etwas besaenftigt. Ich glaube zwar IMMER noch, dass sie hinter sich abgesperrt haben, aber wenigstens haben sie mein Klopfen nicht einfach ignoriert.

Damit war das Kapitel erledigt. Spaeter, auf dem Weg, fuhren sie mit Raedern an mir vorbei, weshalb ich sie wohl nicht wiedersehen werde.

Der Weg, tja. Ich kann es nicht beschoenigen: ungefaehr 13 von 15 km war es reine Nationalstrasse. Die war zwar fast gar nicht befahren und ich hatte genug Platz auf der Fahrradspur (die hatte ich komplett okkupiert, nachdem ich gemerkt hatte, dass alle Radfahrer die Strasse benutzten), aber huebsch ist ja doch anders, ne?
Nur zweimal kam ich durch kleine Doerfer, aber dort war fast nichts los. Zuerst erreichte ich jedoch einen Rastplatz an der Nationalstrasse, wo ich mein taegliches Cola zum Fitwerden und -bleiben trank.
Nachdem das leer war, nahm ich die Eiswuerfel, die noch uebrig waren.

Spanien fun fact 4: In Spanien benutzt man keine Eiswuerfel, sondern massive, riesige Brocken. Kann je nach Glasgroesse das Trinken erschweren, aber sie halten Getraenke auch bei spanischer Hitze lange frisch!

Ich krempelte mein Hosenbein hoch und presste sie gegen die Stelle auf meiner Haut, die am rotesten war. Es schien sofort zu verdampfen -.-

Der Rest des Weges war unspektakulaer. Wie gesagt, nur Strasse. Total langweilig. An einer Stelle schienen sie sich zwar eine Alternative durch eine parallel laufende Allee ueberlegt zu haben, aber ich konnte sehen, wo dieser Weg wieder in der Nationalstrasse muendete, also blieb ich einfach direkt drauf. DIE zwei Minuten mehr auf dem Asphalt sind jetzt auch egal -.-

Als ich Coll de la Panadella erreichte (sehnsuechtig, denn inzwischen war es doch heiss geworden), sprang mein Ipod passenderweise zu End of Green: „Its the end…“ Und ich dachte: „Yeah!“
(weiter gehts uebrigens mit: „…one big smile before you dance with the dead…“ Das machte mir ein bisschen Angst.)

Auch in diesem Kaff, das eigentlich nur eine Ansammlung von Raststaetten an der Nationalstrasse ist, die seit dem Bau der Autobahn kaum noch befahren wird, gibt es keine Herberge. Ich musste also wieder viel mehr Geld ausgeben, als ich geplant hatte, und in ein Hostal gehen.
Dort war das dazu gehoerige Restaurant gerammelt voll. Ich wurde schockiert angestarrt, als ich, verschwitzt und pappig wie ich war, reingestiefelt kam.
Ein Kellner (es gab ungefaehr hundert, und alle ueber vierzig) bedeutete mir, zu warten. Mir taten die Fuesse ja nicht weh (keine Ironie!), deshalb ging das in Ordnung.
Ein Kellner zeigte auf mein Superman-Shirt und fragte lachend, ob ich denn her gewandert oder geflogen sei (haha…). Ein anderer wollte leicht angepisst wissen, ob ich denn keine Sonnencreme haette, mein Gesicht waere ja so rot!! Ich wollte ihm sagen, dass Gesichter nun mal rot anlaufen, wenn geschwitzt wird, aber das ging ueber meine Sprachkenntnisse und er war auch sowieso schon wieder weg -.-

Nach 20 Minuten wurde mir ein Schluessel ueberreicht. Ein Einzelzimmer fuer 21 Euro – Pilgersonderpreis. Naja, darueber darf man sich wohl kaum beschweren -.-

Eigentlich war es sogar ein Doppelzimmer, aber das zweite Bett blieb heute nacht dann halt unbelegt. Ein eigenes Bad, sogar mit Badewanne!! Allerdings ohne Stoepsel, daher nutzlos.
Ich war trotzdem ganz zufrieden und streckte mich erstmal aus.

Essen war ein Problem, da dieses Hostal mir eindeutig zu teuer war. Geschaefte gab es allerdings nicht wirklich – nur Tankstellen. Also musste ich mir dort was zusammen suchen. Mein Abendessen bestand demnach aus Brot, Chorizo und Streichkaese, wobei ich den Chorizo mit einer rumstreunenden Katze teilte. Allerdings nur ein bisschen… Chorizo ist so stark gewuerzt, das ist sicher nicht gut fuer Katzen oder Tiere allgemein.
Ihren dicken Zitzen nach zu urteilen, schien sie gerade Kaetzchen zu haben. Da blutet mir ja sofort das Herz. So schoen ich Spanien auch finde, aber wie das Land mit seinen Haustieren umgeht ist einfach zum Brechen. Ich glaube, waehrend meiner gesamten Spanienaufenthalten habe ich keine einzige Katze gesehen, die wirklich gesund ausgesehen hat. Rote, tropfende Augen, abgemagert, struppiges Fell… das ist einfach so falsch. Wobei es den Katzen, die wie diese Katzenmama noch in der Wildnis unterwegs sind, sogar fast noch besser geht als den Hauskatzen. Ihre Hunde scheinen die Spanier ja noch halbwegs zu moegen, aber Katzen sind wohl nur Platzverschwendung.

Sie lief dann irgendwann, als sie keinen Chorizo mehr bekam, einem Vogel hinterher und ich hoffe, sie hat ihn erwischt. Armes Kaetzchen 😦

Und viel mehr ist heute dann auch nicht mehr passiert. Nach dem Essen habe ich mir auf meinem persoenlichen Fernseher Tom und Jerry angesehen (das war sogar englisch!) und bin dann eingeschlafen, was nicht gut ist, weil es schon recht spaet war fuer einen Mittagsschlaf. Dafuer gewitterte es schon wieder (das tat es naemlich schon waehrend meiner Fahrt nach Montserrat), als ich wieder wach wurde.
Mich beschleicht so langsam das Gefuehl, dass Spanien auch einen ziemlich schlechten Sommer abgekriegt hat. Nur aeussert sich das hier natuerlich anders und ist fuer die Leute an sich vielleicht gar nicht mal so mies.

23 Uhr, dringend Zeit zum Schlafen. Morgen ist zwar eine Etappe dran, die genauso kurz ist (eigentlich waere die Etappe von heute und von morgen eine einzige gewesen, aber tja), aber viel spaeter sollte man auf dem Jakobsweg nicht ins Bett.

Oder jedenfalls ich nicht, wenn ich nicht wie ein Zombie ueber den Camino schleichen will.

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8 Gedanken zu “Jakobsweg: 2. Etappe: Jorba – Coll de la Panadella (15 km)

  1. Hallo.
    Kennst du eigentlich – das auf Aloe Vera – beruhende Superprodukt: „ungüento tradicional“ (der Firma mundicamino) ??? Das gibt es in 100ml, oder 200ml Ausgaben für 10 bzw. 20€. Es ist in Apotheken zwar selten erhältlich (aber bestellbar, was aber uninteressant sein dürfte) aber dafür in verschiedenen „Tante Emma Läden“ am Weg, von denen man gar nicht erwarten würde, dass sie Medikamente verkaufen…
    Das ist ein absolutes Edelprodukt und hilft gegen so ziemlich alles… Es hat mir auf meinem damaligen Camino erheblich geholfen (und ich war kurz davor es mir auch für diverse Probleme im Alltag per Internet zu bestellen)… Es ist eine weiße Dose mit grüner Beschriftung… Es ist darauf eine Muschel und ein Pilger bildlich dargestellt…
    Falls du die Gelegenheit hast das zu kaufen – es lohnt sich…
    Du kannst auch danach fragen, es kennen in Spanien mehr Verkäufer und Pilger, als man vermutet…

    Buen Camino
    Moren Wagner

    • Danke, das werde ich mir versuchen zu merken! Die Allergie ist zwar jetzt weg, aber ich finde trotzdem, dass es fuer die Haut kaum was besseres gibt!

      Ich glaube, das habe ich sogar schon mal gesehen (so wenige Umlaute in Spanien, da faellt sowas auf ;))… ich werde die Augen aufhalten!

  2. Seitdem ich selbst eine Katze besitze, achte und fühle ich viel mehr mit ihr. Naja warum ich Katzen vorher nicht so beachtet habe, liegt an einem kleinen Stück meiner Vergangenheit, in der mir eine geliebte Katze weggenommen wurde und ich dann eher Angst und Furcht gegenüber denen verspürt habe als irgendwas anderes.
    Ich finde es außerdem toll, dass du berichtest 😀 Man kann sichs schon ein wenig vorstellen!

    Liebe Grüße,
    Sarah

    • Ich hatte leider nie eine Katze (das ist das erste, was ich mir besorgen werde, wenn ich in eine schoene Wohnung mit Garten ziehe), aber es sind meine Lieblingstiere. Es ist wirklich schrecklich, wie die hier teilweise rumschleichen… hab jetzt schon mehrere Kaetzchen gesehen, um die sich offensichtlich keiner kuemmert 😦

      Freut mich, wenn es ankommt 🙂

  3. Hilft bei dir Sonnenschutzcreme nicht gegen die Allergie? Ich habe die nämlich auch. Vor allem an den Armen. Aber mit Ladival (gibt’s extra eins für allergische Haut) oder auch mineralischem Sonnenschutz habe ich es ganz gut im Griff. Und wenn ich doch mal die juckenden brennenden Pusteln habe, hilft dagegen Systral Gel ganz gut.

    Ich wünsche dir weiterhin buen camino 🙂

    • Ich habe Sonnenschutzfaktor 50, aber das bringt irgendwie gar nichts. Ich weiss echt nicht, warum mir das in Spanien immer passiert… zuhause habe ich wirklich GAR KEINE Probleme!

      Ich spoiler schon mal… das Problem hat sich erledigt 😉 Aber psst!

      • Hab’s schon kommentiert, sehr schön 🙂

        Ich krieg das leider überall. Wahrscheinlich ist die Strahlung in Spanien höher. Oder es hängt zusätzlich mit dem Wasser oder sonst was zusammen.

      • Als mir das bei meinem ersten Jakobsweg passierte, konnte ich mir das gar nicht erklaeren, weil ich halt noch nie Probleme mit der Sonne hatte. Damals dachte ich auch, es liegt vielleicht am vielen Chlor im Wasser. Vielleicht spielt das noch mit rein, wobei in der Region, in der ich bis jetzt unterwegs bin, gar nicht sooo viel gechlort wird…

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