Ich gehe jetzt wählen, und zwar…

… die Piraten.

Boah, wie doof, ne? Das war keine leichte Entscheidung. Ich wusste die ganze Zeit eigentlich nur, was ich NICHT wählen will.

– CDU/CSU: Niemals im Leben. Lieber würde ich mir eine Gabel ins Auge rammen.

– FDP: Darf ich mal lachen? Elende Wohlstandssöhnchen.
Den nachhaltigsten Eindruck hat die FDP bei mir mal an einem Infostand in der Uni hinterlassen, wo sich mir so ein gelbgewandeter Bonze in den Weg stellte. „Danke, keine FDP,“ sagte ich höflich herablassend und machte einen Bogen. „Wir sind gegen die Zweitwohnsitzsteuer!“ brüllte er mir hinterher. Und ich dachte so: „Toll! Gegen etwas sein, was ich leicht umgehen kann, aber in jedem Land, in dem ihr mit schwarz regiert, Studiengebühren einführen!“
Hätte mich mal auf eine Diskussion einlassen sollen.

– die Linke: Tatsächlich habe ich die EINMAL gewählt, mit 19, fürs Europaparlament (damals noch PDS). Das erste und einzige Mal, denn das wird mir sicher nicht nochmal passieren. Als Geschichtsstudentin, für die die Wiedervereinigung eine absolute Sternstunde der Menschheit darstellt, finde ich diese elende Relativierung der sozialistischen Verbrechen bei gleichzeitiger Abwertung von allem, was als „deutsch“ angesehen wird, einfach ZUM KOTZEN. Ihr absolut kindisches Abstimmungsverhalten bei der vorletzten Bundespräsidentenwahl hat den Deckel dann zugemacht. Niemals mehr.

– SPD: Stand das nicht mal irgendwie für Politik für Arbeiter und so? Und jetzt? Und dann auch noch Steinbrück? Wieder mal nur so ein alter Bonze, der mit meiner Lebensrealität nichts zu tun hat. Und seit dem Mittelfinger auch noch offiziell uncool. Schlimmer geht’s eigentlich nicht.

– die Grünen: Nach einer absolut asozialen Aktion in meiner Heimat, wo ich leider nicht mitwählen durfte, bei mir auf Landesebene unten durch. Und auf Bundesebene ebenfalls immer wieder enttäuschend. Ich würde gerne, aber ich kann einfach nicht mehr.

– NPD: Kein Kommentar.

– AfD: Wählen hauptsächlich Vollidioten, für die die Positionierung der Partei gegen „Genderirrsinn“ tatsächlich der einzige ausschlaggebende Punkt für die Stimme ist. Das ist ungefähr so, als würde ich die NSDAP wählen, weil die jedem Kindergarten ein Kätzchenposter spenden wollen.

Was bleibt also noch?

Mein erster Gedanke schon vor Monaten war: Wähle ich halt die Piraten WEIL CHAOS. So stellte ich es mir vor, wenn die tatsächlich in den Bundestag einziehen. Der Wert von ein wenig Chaos in einem ansonsten wohlgeölt-korrupten System kann gar nicht hoch genug bewertet werden.
Zwischendrin war ich dann aber doch wieder kurz davor, SPD oder Grüne zu wählen. Die mögen zwar nicht mehr für das stehen, wofür sie mal standen, aber behaupten tun sie es ja immer noch. Leuten, die sagen, CDU und SPD wären ja inzwischen total das gleiche und deshalb ist es egal, was man wählt, halte ich immer entgegen, dass man bei der SPD dann aber wenigstens noch motzen kann, wenn sie sich wie die CDU verhalten. Der CDU kann man das nur schwer vorwerfen, nech.

Tatsächlich hat mich dann aber der Wahl-O-Mat von diesem Vorhaben wieder abgebracht. Ich habe ja auch noch ne richtige Abstimmung gemacht und da waren die Piraten weit abgeschlagen auf dem 2. Platz (der erste Platz war „Die Partei“, aber… naja ^^). Also werde ich sie auch wählen.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich halte die Piraten im Großen und Ganzen für absolut inkompetent (Edit, da missverständlich: Ich meine inkompetent hier im Sinne von „nicht handlungsfähig, nicht wissend, wie die große Politik gemacht wird“). Aber ich wähle doch lieber jemand inkompetentes, der meiner Meinung ist, als jemand kompetentes, der das nicht ist. Das wäre ja gleich doppelt verrückt.

Mal sehen, ob sie den Sprung in den Bundestag schaffen. Das richtige Wahlprogramm haben sie jedenfalls, dafür fehlt halt vieles andere. Trotzdem mal sehen, ob es reicht. Wär cool, nicht nur wegen Chaos.

So, ich geh jetzt wählen. Ihr hoffentlich auch. Wählen ist wichtig. Also tut es auch.

Außer, ihr wollt CDU wählen, dann könnt ihr gern daheim bleiben.

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Ein Gedanke zu “Ich gehe jetzt wählen, und zwar…

  1. Die Piraten haben ein Programm?
    Also nicht falsch verstehen, aber obwohl ich sie immer wieder Mal wähle, habe ich das Gefühl das man bei denen momentan besser noch von einem Diskussionspapier sprechen kann – also abseits seltener klarer Forderungen.

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