Die Demontage eines Idols: „Arrow“ (Teil 2: Kritik)

Achtung: Folgender kleiner Rant Folgende kleine Rezension ist voller Spoiler und bezieht sich auf die erste Staffel. Lest also nur weiter, wenn ihr die Staffel schon kennt oder euch Spoiler in diesem Fall egal sind!

Nach dem ersten Teil, in dem ich über die Comicvorlage berichtet habe und warum ich diese so liebe, könnt ihr euch also gut vorstellen, warum ich auf diese Serie gespannt war.
Und leider muss ich sagen: Ich mag sie nicht.

Prämisse

Bereits die Prämisse der gesamten Serie, die Basis von Olivers Motivation, ist so dermaßen an den Haaren herbei gezogen, dass man nur den Kopf schütteln kann: Wir sehen ihn mit seinem Vater und dem einzigen anderen Überlebenden des Yachtunglücks in einem Rettungsboot treiben (wie lange, wird nicht erläutert – es scheinen aber schon ein paar Tage zu sein). Die Vorräte sind knapp, Rettung offensichtlich noch nicht in Sicht. Daher beschließt Mr. Queen, die Überlebenschancen seines Sohnes zu erhöhen, indem er erst den (völlig unschuldigen) dritten Kerl erschießt und dann schließlich auch sich selbst, nicht ohne Oliver vorher zu beschwören, auch nur ja zu überleben, damit er nach Hause zurück kehren und das Unrecht, an dem er Anteil hatte, wieder gut machen kann.

Ähm, ja. Muss ich ausführen, wie löchrig dieser „Plan“ ist? Mr. Queen hatte nicht die geringste Ahnung, wie diese Sache ausgehen wird. Er wusste weder von der nahen Insel (die zu dem Zeitpunkt noch nicht zu sehen ist), noch von den vielen Jahren Folter, Entbehrungen und Training, die Oliver dort erwarteten. Wie kommt man auf die Idee, in einer solchen Situation – sein entkräftetes Kind schutzlos in einer Nussschale auf dem Pazifik treibend – sich selbst abzuknallen, nur damit es vielleicht nen Schluck Wasser mehr aus der Notration kriegt? Wäre es nicht wesentlich intelligenter gewesen, einfach, naja, AM LEBEN ZU BLEIBEN und damit auch für alle Eventualitäten gewappnet zu sein? Seinen Sohn vielleicht verteidigen zu können, wenn es nötig wäre? Gemeinsam an ein rettendes Ufer zu paddeln, wenn Oliver allein dazu zu schwach gewesen wäre? Sein Hirn anzustrengen und nach Lösungen zu suchen, statt es sich einfach wegzuballern?

Desweiteren ist Oliver zu diesem Zeitpunkt ein gedankenloser, arroganter Partyhengst, dem jegliches Interesse für andere Menschen oder das Geschäft seines Vaters völlig abgeht und der nicht im Geringsten zu dem befähigt ist, was sein Vater von ihm verlangt. Erst die Insel formte ihn zu einem „echten Mann“, wenn man das so nennen will. Wie hätte sein Vater das vorhersehen sollen?

Von diesen groben Logiklücken abgesehen bereitet mir der unbeteiligte dritte Mann allerdings noch mehr Kopfschmerzen. Oliver kehrt am Ende ja tatsächlich zurück, um als grüngewandeter Rächer den Kampf gegen das Böse aufzunehmen, ein Kampf, der ihm sein offensichtlich geläuteter Vater kurz vor seinem Tod aufträgt. Aber wie viel ist dieser Kampf wert, wie viel ist Oliver als verkörperte Gerechtigkeit wert, wenn all dies auf einem kaltblütigen Mord basiert? Und wie ernst mag seinem Vater die Wiedergutmachung wohl gewesen sein, wenn er völlig skrupellos in der Lage ist, einfach einen Unschuldigen zu erschießen? Zumal eine Reflexion über diese Tat völlig fehlt. Als Oliver die letzten Momente seines Vaters seiner Mutter schildert, wird dieser Mann nicht mal erwähnt, als gäbe es ihn gar nicht!! Dies grenzt schon extrem hart an Narzissmus – und ist eines Helden nicht würdig!

Die Dialoge

Eigentlich könnte ich diesen Punkt abkürzen und einfach nur sagen: Sie sind gotterbärmlich schlecht. Aber sie verursachen mir wirklich solche Schmerzen, dass ich es dabei nicht belassen kann.

Es gibt eigentlich nur drei Gesprächsthemen in der gesamten Serie:

– Sinnieren über Olivers Vigilantentum. Hauptakteure: Oliver und Dig.

– Emotionalisiertes Herumschwurbeln über seine Ex-Beziehung mit Laurel und darüber, wie ganz doll verstört alle Beteiligten sind und waren. Hauptakteure: Oliver, Laurel, Tommy.

– Allgemeines Rumheulen. Hauptakteure: Eigentlich alle. Aber vor allem die Queen-Familie.

Den letzten Punkt möchte ich gerne weiter ausführen. Mir scheint es wirklich so, als würde so ziemlich jedes Gespräch innerhalb der Familie so ablaufen:

Thea: „Ich war eben mit ein paar Freundinnen Eis essen. Du weißt schon, am Gesellschaftsleben teilnehmen, funktionieren. Aber ich konnte das Eis nicht genießen. Denn weißt du, wem das Eis auch gut geschmeckt hätte? Dad.“
Oliver: „Ach Dad.“
Thea: „Ja. Ich vermisse ihn so. Jetzt kann ich ihm nicht erzählen, dass ich mit Freundinnen Eis essen war.“
Oliver: „Das muss sehr hart für dich sein. Ich vermisse Dad auch.“
Thea: „Ja. Ich bin froh, dass du mir das erzählst. Seitdem du von dieser Insel zurück gekehrt bist, bist du nicht mehr der Bruder, den ich mal kannte. Du bist so verschlossen.“
Oliver: „Thea, ich kann dir nicht erzählen, warum ich so verschlossen bin. Es tut mir sehr leid.“
Thea: „WENN DAD DOCH NUR HIER WÄRE!!!“ *türenknall*

Und nein, das ist KEINE Übertreibung!
Meine Fresse, geht’s vielleicht noch ein bisschen unsubtiler auf die Tränendrüse?! Ich verstehe vollkommen, wie traumatisch es für eine Familie ist, ein Mitglied zu verlieren, und Olivers unerhoffte Rückkehr wird diese Wunden sicher wieder aufgerissen haben, aber Herrgott, irgendwann ist es auch mal gut! Immerhin ist ja jetzt nur einer tot statt wie vorher angenommen zwei. Das sollte doch zumindest ein bisschen tröstlich sein!
Außerdem ist es fünf Jahre her. Eigentlich genug Zeit, Trauerarbeit zu leisten und damit zumindest halbwegs abzuschließen. Natürlich hinterlässt so etwas für den Rest des Lebens Spuren und kann nie ganz abgeschlossen sein, aber naja, man muss auch nicht in jedem Gespräch wieder auf das Thema zurück kommen! DAS IST NICHT HILFREICH!

…und leider auch nicht authentisch. Alle Beteiligten wirken dadurch wie kleine, zarte Pflänzchen, die ununterbrochen nur jammern und offensichtlich seit 5 Jahren kaum ihr Leben im Griff haben. Und das ist einfach too much. Diese Laberei! Das war zwar schon in Dawson’s Creek erfolgreich (ernsthaft, ich habe die Serie kaum je gesehen, weil sie so genervt hat, aber gab es da auch nur EIN authentisches Gespräch, wie es auch zwischen echten Teenagern stattfinden könnte?) und auch Smallville hat sich da SEHR hervorgetan.
Offensichtlich ist dieses überemotionalisierte Herumschwurbeln IN. Ich finde es aber trotzdem scheiße!

Dieses viele Rumtöten…!

Aber kommen wir zu Oliver, der, kaum wieder Zuhause, natürlich direkt weiß, was zu tun ist und als verkleideter Schütze loslegt. Dabei erschießt er direkt in der ersten Folge schon mehrere Typen.

Und das, liebe Freunde der verehrten Comickunst, geht EIGENTLICH gar nicht, denn Green Arrow tötet NIE.

Nun entwickeln sich Comics ja auch weiter, ähnlich wie die menschliche Moral. Die Anfänge, als in Comics noch wahre Lichtgestalten unterwegs waren, sind längst Vergangenheit. Die Akzeptanz für gewisse Inhalte nahm immer weiter zu, so wie auch das Alter des Zielpublikums. Spätestens seit den Siebzigern trauten sich Comics auch Themen anzusprechen, die für Kinder nur bedingt geeignet sind (und erst da fing auch das große Massensterben diverser Charaktere an…).

green arrow first kill

Green Arrow verwackelt den Schuss. The Flash (erste Serie) #217, 1972

Was ich sagen will: Ich habe zwar immer noch lieber diesen Green Arrow im Kopf, der direkt ins Kloster rannte, als er mal jemanden aus Versehen erschossen hat, aber naja – mit einem Killer komme ich irgendwie auch klar. Solange nicht auch noch Batman so anfängt (Niemals. Bitte!!!).

Allerdings nur, wenn das alles noch hübsch den Regeln der Logik gehorcht und nachvollziehbar bleibt, was zugegebenermaßen bei der Rolle, in der ICH ihn gerne sehen würde, fast unmöglich ist (mir fällt jedenfalls nicht ein, wie man einen Charakter gleichzeitig frohgemut, links und dem Töten seiner Gegner nicht abgeneigt anlegen könnte…) – aber leider schafft es die Serie auch nicht. Aber sowas von nicht.

huntress

In mehreren Folgen taucht Helena Bertinelli auf, die Tochter eines Mafiabosses, die mit den kriminellen Machenschaften nichts zu tun haben will und dann, als sie im Geheimen versucht, Beweise gegen ihren Vater zu sammeln, ihren Verlobten durch ein Attentat verliert – angeordnet von ihrem Vater. Deswegen ist sie verständlicherweise sauer und möchte sich rächen.

Sowas nennt sich Motivation und ist zumindest im fiktiven Kontext absolut nachvollziehbar – aber nicht für Mr. Oliver Queen! Dessen Feldzug ist ja, äh, was völlig anderes.

Huntress (Helena Bertinelli) - das Original.

Huntress (Helena Bertinelli) – das Original.

Deswegen ist es ja auch okay, wenn er die bösen Typen, die auf seine Liste stehen, abknallt (und deren Freunde… und die Bodyguards… und noch so ein paar andere Leute, die halt irgendwie noch gerade da sind…!), aber Helena, die ihren mordenden Mafiadaddy um die Ecke bringen will, also nein, das ist ja bäh, das geht gar nicht!

Aber das muss man eben verstehen… der Kerl steht ja nicht auf der Liste. ER STEHT NICHT AUF DER LISTE!!!einself

Wenn man der Meinung ist, böse Menschen umbringen zu dürfen sei okay, begibt man sich auf SEHR dünnes Eis. Oliver Queen ist allerdings schon längst eingebrochen – und präsentiert sich damit als ein Typ, dessen Einschätzung offensichtlich das Maß aller Dinge ist, obwohl er sich nur auf eine saublöde Liste rekurriert und er ansonsten nicht im Geringsten über sein Handeln reflektiert!

Was mich zum nächsten Punkt führt:

Der Charakter „Oliver“/Olivers Charakter

Tja, was lässt sich dazu sagen? Außer dem vielen Rumheulen, dem halbgaren Moralkodex und dem fremdgesteuerten Rachefeldzug ist da ja nicht viel, oder?

Das nervt mich eigentlich am meisten. Denn Oliver Queen ist witzig. Er ist polternd, tönend, absolut überzeugt von sich, ein polemisches Großmaul, der Polizisten „blaue Faschisten“ nennt und „Bonzen“ hasst und dessen Ansichten ebenso unerschütterlich sind wie seine Neigung, ab und zu seine Meinung einfach mal so um 180 Grad zu ändern. Ein Charakter, den man, wenn er über’s Ziel hinaus schießt (höhö) gleichzeitig hassen als auch dafür lieben kann, dass er sich dabei so verdammt lustig aufregt. Er ist ein Mann mit Idealen, der für eben diese bereit ist zu kämpfen, der nur WEGEN diesen Idealen kämpft.

So ist der Comic-Ollie. Und Arrow-Oliver?

Wir erfahren nach und nach in Flashbacks, wie er auf der Insel zu der starken Kampfmaschine wurde, die ihren Bogen meisterlich beherrscht. Doch wie wurde er zu einem Menschen, der Böses verdammt? Wie wurde er zu einer Persönlichkeit, die sich für Schwache und Entrechtete einsetzt?
Die Antwort ist: gar nicht. In jedem gottverdammten Intro labert er davon, den letzten Wunsch seines Vaters in die Tat umzusetzen. Dabei ist er genauso humorbefreit wie der Rest dieser Serie. Aber darüber hinaus? Ein großes, schwarzes Loch, wo eigentlich so etwas wie eine Motivation sein müsste.

„Now I will fulfill my father’s dying wish“ klingt so großartig, ist aber nur eine nett verpackte Umschreibung für „Ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich hier eigentlich mache“. Und das NERVT.

Womit wir bei den Themen der Serie angekommen wären.

Die Themen

Wie gesagt ist Green Arrow eigentlich ein sozialkritischer Held, der sich für die Belange der unteren Klassen einsetzt und gegen Diskriminierungen kämpft. Zumindest in Ansätzen ist das auch in der Serie vorhanden, denn Oliver ist auch dort (obschon Mitglied der Upper Class) auf einem Feldzug gegen Bösewichte, die Schwächere ausgenommen haben, die sich nicht wehren können.

Solange sie halt auf seiner blöden Liste stehen.

Während vor allem die Hard Travelling Heroes Saga bemüht war, auch mal die Perspektive der Opfer zu zeigen (selbst wenn diese vermeintliche „Täter“ waren – beispielsweise Menschen, die nur stahlen, weil sie sonst verhungern würden), geschieht das in der Serie NIE. Eine Behandlung der sozialen Problemlagen findet praktisch nicht statt.
Was aber noch viel schlimmer ist: Es spielt kein Thema in der Serie, behauptet wird aber was anderes!

So gibt es eine Folge, in der eine Familie einen Bankraub nach dem anderen begeht. Dig meint daraufhin zu Oliver, dass sowas doch durchaus auch mal ein Job für „The Hood“ sein könnte. „Ich kümmere mich nicht um Straßenkriminalität“, wehrt Oliver diesen Vorschlag brüsk ab (am Ende tut er das Verlangte jedoch natürlich trotzdem).
Jo, ne. Banküberfälle haben ja so wahnsinnig viel mit Straßenkriminalität zu tun. Passiert ja täglich, so ein Bankraub, gell.

Tatsache ist: Straßenkriminalität ist wohl zu proll und bäh, um in der Serie eine größere Rolle zu spielen. Dann müsste man sich ja mit diesen ganzen Losern auseinander setzen, die klauen und überfallen und dealen, weil sie nie etwas anderes gelernt haben, da ihr Land sie schon von Anfang an abgestempelt und ihnen keine Chance gelassen hat, jemals etwas zu erreichen. Das ist ja zu differenziert, da kriegt man ja Kopfweh von. Lieber heult man noch ein bisschen über den toten Papi rum, der ja auch nicht so wirklich der gute Kerl war, für den man ihn gehalten hat, um sich nicht mit echten Problemen auseinander setzen zu müssen.

Auch hier gilt: Wäre das irgendeine Serie und irgendein Charakter, dann könnte ich das ja noch ignorieren. Aber hier geht es nun mal um Green Arrow, den Sozialaktivisten unter den Superhelden. Das ist ein ERBE. Und es ist ja nicht so, als ob in Zeiten von Bankenkrisen, die ganze Familien an den Rande des Ruins treiben, Rassismusdebatten, grassierender Homophobie, Überwachung etc.pp. ein solcher Held nicht mehr benötigt würde. Im Gegenteil!

Eine Serie mit solchen Inhalten hätte ich geliebt. Allerdings hätte sowas von den Programmmachern ja Mut erfordert – den Mut eines Denny O’Neill und Neal Adams. Aber der ist offensichtlich ausgestorben.

Was bleibt, ist ein absolut unpolitischer Held, den man scheut, auf reale Missstände loszulassen. Das treibt mitunter seltsame Blüten. Warum um alles in der Welt muss man in der heutigen Zeit für eine solche Serie eine Droge erfinden, gegen die Oliver dann kämpfen kann? Ich meine, gibt es nicht genug echte Drogen?

Vertigo – Dreh- und Angelpunkt der vielleicht blödesten Storyline der ersten Staffel. Wirkung? Weiß man nicht. Bestandteile? Oh nein, sowas kann man ja nicht in einem Familienprogramm erörtern. Auswirkungen? Ein paar blöde Upper-Class-Gören, die zugedröhnt Unfälle bauen (Olivers süße kleine Sis) oder auf der Straße tanzen, wo sie dann überfahren werden. Suchtpotential? Äh, da war doch dieser Typ, der total krass nervös war und, äh…!
Und das Zeug kommt in PILLENFORM. Oh my fucking God. Und so eine Kinderdroge soll diese ganze Stadt im Würgegriff haben?

Die Drogenproblematik ist eng mit Green Arrows Figurenhistorie verbunden. Als Denny O’Neill sich traute, das Thema in den Siebzigern anzuschneiden (er leitete die Story ein mit den Worten: „Viele werden sagen, die folgende Geschichte dürfe man nicht erzählen…“ *dramatische Musik einblend*), wagte er etwas zu zeigen, was zu dieser Zeit absolut neu und schockierend war:

Green Lantern (2. Serie) #85, 1971. Noch so  ein voll berühmtes Cover.

Green Lantern (2. Serie) #85, 1971. Noch so ein voll berühmtes Cover.

einen drogensüchtigen Superhelden. Green Arrow musste lernen, dass Drogensucht etwas ist, das nicht nur Schwächlinge und Feiglinge heimsucht, sondern jeden treffen kann – auch seinen eigenen Sidekick. Das war gleich aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens kratzte es an der Vorstellung des „perfekten Helden“ (war damit aber auf der Höhe der Zeit) und zweitens an dem Klischee, mit dem sich Politik und Eltern gerne beruhrigten – nämlich, dass nur Asoziale Drogen nehmen.
Seitdem kann das Thema bei Green Arrow nicht mehr unvoreingenommen behandelt werden. Schicksalsschläge, Baby. Und daher war es eigentlich auch nur logisch, dass Drogen auch in sämtlichen Adaptionen des Stoffes (höhö) auftauchen werden. Das war schon bei dem Green Arrow der Fall, der bei Smallville zeitweise rumturnte (leider kein Witz – allerdings war diese Figur und vor allem ihre krasse Beliebheit bei den Fans wohl mit ein Grund, warum Arrow überhaupt in Produktion gegangen ist) und nun eben auch in dieser Serie.

Aber warum so scheiße und oberflächlich?

Irgendwie schafft die Serie es, das Thema gleichzeitig zu diabolisieren als auch zu verharmlosen. So scheint sich seine (übrigens im Comic nicht-existente) Schwester zu Anfang so ziemlich alles einzuwerfen, was sie in die Finger bekommen kann – nur um dann von einem auf den anderen Tag damit aufzuhören. Leidensdruck, Suchtpotential? Irgendwie gar nicht. Gleichzeitig erfährt man über diese Pseudodroge Vertigo absolut nichts, außer eben, dass es eine Droge ist – und damit ja grundsätzlich eeeevil. Mehr Infos braucht man ja nicht, ne.

Ich kann mir nicht helfen – aber jedes Mal, wenn in einem Medium eine erfundene Droge auftaucht (und das ist leider schon öfter passiert), ist es bei mir irgendwie vorbei. Weil es so lame ist. Als müsste man die Zuschauer vor der harten Realität schützen.

Realitätsnähe?

Und damit wäre ich dann am letzten Punkt, der sicher nicht der schlimmste ist, aber nun mal trotzdem hier steht und mir unglaublich auf den Sack geht.

Seit Christopher Nolan für seine Batman-Trilogie so viel Fame abgegrast hat, wird versucht, sein Konzept der „Pseudorealität“ auf andere Projekte zu übertragen. Arrow ist Opfer davon geworden.

Ich bin absolut kein Fan von Pseudorealität (sowie ebenso kein Fan von Nolan allgemein), weil Superhelden nun mal nicht realistisch sind. Boom, harte Wahrheiten. Selbst bei theoretisch möglichen Helden wie Batman passt mir dieser Ansatz absolut nicht, weil damit schlicht und ergreifend ein Haufen Spaß auf der Strecke bleibt. Bei Nolans Batman äußerte sich das z.B. in ultralahmen Kampfszenen, weil sich Christian Bale in diesem Ganzkörperpanzer (warum genau hat er nochmal so viel für die Rolle trainiert?) kaum rühren konnte. Dabei ist Batman ein gottverdammter Ninja!

Bei Arrow ist das ein bisschen subtiler, aber einen großen Kritikpunkt hätte ich dann doch. Vielleicht einen, der für jeden, der noch nie einen Bogen in der Hand gehabt hatte, absolut uninteressant ist. Aber leider BIN ich nun mal selbst Bogenschützin (woran Green Arrow wohl mit einen Anteil hatte) und als solche kann ich das leider nicht ignorieren.

Zuerst war ich ja sogar sehr erfreut über die Änderung, Oliver ganze fünf Jahre auf dieser Insel versauern zu lassen statt nur ein paar Monate, denn fünf Jahre sind vor allem in einer solchen Extremsituation eine ausreichende Zeit, um ein solcher Ausnahmeschütze zu werden.
Natürlich tut er trotzdem mit seinem Bogen ständig Dinge, die ich unter „eigentlich absolut unmöglich“ einordnen würde. Aber hier greift nun die „Superhelden-Realität“: Das muss man eben einfach hinnehmen oder sich halt eine verdammte Doku ansehen. Wer nicht mal bereit ist, für einen Horrorfilm grundsätzlich die Prämisse zu akzeptieren, dass Geister existieren, hat ja auch keinen Spaß an dem Streifen. So auch hier: Da ist also dieser Typ, der eine ziemlich schwierig zu handhabende Waffe, für die man in nicht unerheblichen Maß auch schlicht Talent haben muss, perfekt beherrscht. Alles klar, ist einzusehen!

Doch nun kommen einige technische Details dazu – und ich aus dem Facepalmen nicht mehr raus.
In einer Folge sieht man in einem Flashback, wie Shado Oliver trainiert, indem sie ihn auf Wasser schlagen lässt, damit er stark genug wird, den Bogen zu spannen. Dieser Bogen habe, so wird erklärt, ein Zuggewicht von 150 lbs (englischen Pfund).

„Was mache ich hier eigentlich“ sagt dieser Blick!

Freunde und Nachbarn: HUNDERTFÜNFZIG PFUND. Hat irgendjemand der Schreiberlinge, die das verbrochen haben, schon mal einen Bogen in der Hand gehalten?! Warum haben die Bogenlehrer, die für die Serie sicher engagiert worden sind, nicht mal das Maul aufgemacht?! Hundertfünfzig Pfund!! Wisst ihr, wie VIEL das ist?! Wie gottverdammt UNMÖGLICH es ist, sowas zu spannen – und damit dann auch noch richtig zu zielen?!
Englische Langbogen, so ziemlich die stärksten Bogen, die jemals im größeren Maße auch wirklich verwendet worden sind, kamen im Mittelalter als rüstungsdurchschlagende Waffen zum Einsatz – und hatten sogar WENIGER Pfund! Allgemein geht man von einem Zuggewicht zwischen 100 und ca. 140 Pfund aus, und selbst DAS ist schon unglaublich viel!! Zusammen mit den völlig übertrieben scharfen Pfeilspitzen, die Oliver verwendet, sollte jeder Pfeil jedes Opfer, auf das er jemals geschossen hat, schlicht und ergreifend durchballern. Das ist auf so vielen Ebenen so unendlich übertrieben!!

… und leider nichts weiter als dummes Rumgepose. Denn nein, ein Oliver Queen würde einen solchen Bogen nicht spannen können, auch wenn er fünf Jahre lang nichts anderes getan hätte als Wasser zu verprügeln. Überhaupt, wie lange hat er das gemacht? Ein, zwei Tage? Und schon ging es? UND DANN AUCH NOCH SO LEICHT!?

Wisst ihr, warum mich das am meisten nervt? Weil es so grandios unnötig ist. Keinem Mensch fällt so ein Bullshit auf (außer Schützen wie mir), also hätte man es doch auch einfach weglassen können. Oder, krasser Gedanke: es einfach richtig darstellen können. Auch 70 oder 80 lbs sind für einen Anfänger je nach Fitness extrem schwer zu spannen und reichen für das, was er damit macht, vollkommen aus. Nehmen wir noch den Superhelden-Bonus mit rein: 100 lbs. Schön runde Zahl.
Aber nee – hauen wir doch noch 50% drauf! Ich wünschte, ihr wüsstet, wie dämlich das ist!!

Und das in einem Serienuniversum, das in der gesamten 1. Staffel ansonsten als „reale Welt“ gelabelt worden ist. Womit es laut Gerüchten demnächst vorbei sein wird (Achtung, Spoiler auf Staffel 2): The Flash wird aufkreuzen, erlebt wohlmöglich sogar in der Serie seine „Verwandlung“ von dem etwas lahmen Wissenschaftler Barry Allen zum schnellsten Mann der Welt, der sich mal locker mit vielfacher Schallgeschwindigkeit bewegen kann. Ich habe bisher nur die 1. Folge der 2. Staffel gesehen, aber die unglaublich unsubtil eingeworfene Nachrichtenmeldung über einen „neuen Teilchenbeschleuniger in Central City“ lässt schon eine grauenhafte Ahnung aufkommen (denn nein, ein Teilchenbeschleuniger hatte mit Barry Allens Superkräften im Comic nicht das Geringste zu tun).
Ich bin mir sicher: Die meisten Zuschauer, von denen viele offensichtlich nicht wissen, dass die Serie auf einem Superheldencomic basiert, werden hier unangenehme Gedanken in Richtung nuking the fridge haben – denn man kann nicht erst eine pseudorealistische Welt erschaffen, um sie dann mit sowas zusammen prallen zu lassen. Kein einziges fantastisches, mystisches oder sciencefictionhaftes Element in der gesamten ersten Staffel und dann DAS in Staffel 2? Ooooh jeeee…

Und sonst so?

Ich könnte ja noch ewig ranten. Zum Beispiel darüber, wie unglaublich dämlich die meisten Folgen sind, die oft auf dem Umstand basieren, dass Felicity offensichtlich nur noch ein Update davon entfernt ist, aus ihrem Computer eine Zeitmaschine oder eine Rakete zum Mars zu bauen. Man stelle sich die gesamte Serie mal ohne dieses unrealistische Wunderwesen vor. Klappt nicht, ne.
Oder darüber, wie sehr ich Roy Harper hasse. Der Junge ist verdammt noch mal mitsamt der gesamten Arrow-Familie einer meiner Lieblingssuperhelden, nicht nur deswegen, weil ich eine Schwäche für Charaktere mit Drogenproblemen habe, aber hier schaffen sie es, ihn aber sowas von vollständig komplett zu versauen. Allein diese Frisur!! Und es hat ja nicht gereicht, Clark Kent in Smallville immer in roter Weste und blauem Shirt rumrennen zu lassen – ohne rotem Hoodie kann dieser Typ hier offensichtlich auch nicht aus dem Haus! Er könnte auch ein Schild tragen mit „Seht mich an, ich werde demnächst Sidekick!“
Und Thea! Was für eine Schnepfe! Oder „Laurel“ (warum nicht Dinah!?)! Wie lame! Und diese völlig storyirrelevanten „Workouts“ von Oliver (ist euch aufgefallen, dass in jedem Vorspann eine andere Trainingseinheit gezeigt wird?!), nur um ihn oben ohne zu zeigen, als wäre er dieser hässliche Typ aus Twilight!! Und überhaupt: StarLING City?! Was war denn verkehrt an „Star City“?!

Aber es muss doch auch was gutes geben…?

Es fällt mir schwer, es zuzugeben, aber: Ja.

Stephen Amell ist zwar als Besetzung eigentlich viel zu jung, ist aber – man verzeihe mir mein Gelechze – ein absolutes Schneckchen, auch wenn er mir viel zu übertrainiert ist und ich deshalb auf seine halbnackten Fitnessstündchen verzichten kann. Auch sind die Kampfszenen größtenteils grandios choreographiert und lassen mein Fangirlherz höher schlagen. Das (und noch viel mehr) hätte ich mir für die Batman-Trilogie gewünscht. Und Paul Blackthorne spielt Malcolm Merlyn wirklich erstklassig und schafft es damit, dem einzigen interessanten Charakter in der gesamten Serie Leben einzuhauchen. Angeblich isser ja tot, aber so blöd werden die Macher ja nicht sein!

Fazit

Dennoch reichen diese paar Pünktchen nicht, um die Serie für mich zu retten. Zwar muss ich zugeben, dass ich mit ihr jetzt durch Hassliebe verbunden bin (wohl, weil ich mir ja tatsächlich die gesamte erste Staffel reingequält habe), heißt: Ich werde sie weiter verfolgen, aber leider ist da dennoch der Gedanke, dass hier wieder Mal ein DC-Charakter nicht die Behandlung bekommt, die er verdient, und unglaublich viel Potential verschenkt worden ist.

Ich bin gespannt, wie schlimm es noch werden wird, wundere mich in der Zwischenzeit ein bisschen, warum die Serie in der Internet Movie Data Base ein Rating von 8,1 bekommt und versuche weiterhin, mir beim Facepalmen kein Schädelhirntrauma zuzuziehen…

Die Demontage eines Idols: „Arrow“ (Teil 1: Flashback)

Oliver Queen, sorg- und argloses Millardärssöhnchen, erleidet mit seinem Vater Schiffbruch und erreicht nur mit knapper Not eine gottverlassene Insel. Erst fünf Jahre später wird er von dem Eiland gerettet und kehrt völlig verändert zu seiner Familie und in seine Heimatstadt zurück. Im Gepäck: Ein Notizbuch, das er von seinem Vater erhalten hat, bevor dieser starb, und in dem eine endlose Liste mit Namen zu finden ist von Männern, die durch Betrug, Korruption, Mord und Wirtschaftsverbrechen aller Art die Stadt und seine Bewohner geschröpft haben. Jeder einzelne läuft frei herum, geschützt durch seinen Reichtum und Status, doch Oliver hatte auf der Insel genug Zeit, Pläne zu schmieden und Fähigkeiten zu erlangen, mit deren Hilfe er diese Männer zu Fall bringen kann. Bewaffnet nur mit einen Bogen, den er meisterlich beherrscht, macht er sich im Schutz der Dunkelheit auf, um sich im Namen der Stadt an diesen Männern zu rächen…

Das ist eine kurze Zusammenfassung des Plots der Serie Arrow, deren zweite Staffel unlängst gestartet ist (obwohl die Einschaltquoten in meinen Augen recht mäßig sind, aber ich habe da kaum Vergleichswerte). Dies allein wäre noch kein Grund für mich, sie mir anzusehen. Aber leider musste ich es tun, denn – Superheldenfans wissen es vermutlich schon längst – ist die Serie nichts weiter als eine Adaption des DC-Helden Green Arrow.

Und dabei handelt es sich zufälligerweise um einen meiner absoluten Lieblingssuperhelden!

Aber er ist natürlich längt nicht der bekannteste Held des DC-Universums, was ein unsäglicher Missstand ist. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, für alle, die ihn noch nicht kennen, ein bisschen Figurgeschichte zu betreiben. Auf geht’s!

Für Insider: Ich lebe in einem Post-Crisis-Prä-Infinite-Crisis-Prä-The-New-52-DC-Universum. Finanziell bedingt musste ich vor Infinite Crisis aufhören, Comics zu kaufen, und verspüre bisher keinen großen Drang, meinen Rückstand aufzuholen. Ich mag das DC-Universum nämlich so, wie ich es Ende der 90er/Anfang der 2000er kennen gelernt habe. Ich weiß, dass sich inzwischen viel geändert hat, gerade auch bei Green Arrow – nur ist mir das egal 🙂
Das möge man bei Folgendem im Hinterkopf behalten und sich nicht wundern, wenn ich aus moderner Sicht Quatsch erzähle – denn diese Sicht existiert für mich nicht ^^

History

More Fun Comics #73, 1941

More Fun Comics #73, 1941

Green Arrow entstand wie viele andere Helden im „Golden Age“, der ersten großen Welle der Superheldencomics, im Jahre 1941. Und damit reihte er sich ein in die damals lange Gallerie von Helden, die ohne Superkräfte, dafür aber mit besonderen Fähigkeiten, Gadgets und einem Sidekick auf Verbrecherjagd gingen. Es dauerte ein bisschen, bis man erfuhr, dass er sich seine Bogenkünste während eines monatelangen unfreiwilligen Aufenthalts auf einer verlassenen Insel angeeignet hatte (wobei die Hintergrundgeschichte anfänglich eine andere war – aber diese Ursprünge sind inzwischen völlig vergessen, was wahrscheinlich gut so ist). Er ist außerdem Eigentümer und Geschäftsführer seiner eigenen Firma und steinreich.
Die Parallelen zu Batman sind nur allzu offensichtlich!

Wie bei die meisten Helden während des Golden Age konnte von einem wirklichen Charakter noch lange nicht die Rede sein. Er unterschied sich kaum von anderen und hatte als Person keinerlei Profil.
Die Figur verschwand im Zuge des massenhaften Comicsterbens Anfang der Fünfziger, tauchte aber zusammen mit den meisten anderen Helden (davon viele generalüberholt und in „neuer Besetzung“ – Green Arrow gehörte allerdings nicht dazu, unter der Maske steckte immer noch Oliver Queen) Ende der 50er/Anfang der 60er wieder auf – auch als Mitglied der Justice League, DC’s Superheldenteam Numero Uno.

Es sollten dennoch wieder einige Jahre ins Land ziehen, bis aus ihm ein echter Charakter wurde – einen, den man wirklich mögen kann.

Dabei entstand das eher aus der Not. Die Serie Green Lantern (ein Superheld, der einen intergalaktischen Ring trägt, mit dem er praktisch alles erschaffen kann, was er will – der megaidiotische Film mit Ryan Reynolds wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt) krebste mit schlechten Verkaufszahlen so vor sich hin und sollte neue Impulse bekommen. Die war Dennis O’Neill, ein junger, idealistischer Autor, mit Blick auf die aktuellen umwälzenden gesellschaftlichen Ereignisse nur zu gern bereit zu geben. Dafür brauchte er allerdings für den ziemlich engstirnigen Green Lantern, der (meistens) widerspruchslos von Aliens Befehle entgegen nahm, statt sich wirklich mit den erdnahen Problemen auseinander zu setzen, einen Konterpart. Und weil die Figur bisher unbefleckt war von Versuchen, ihm tatsächlich so etwas wie eine Persönlichkeit auf den Leib zu schreiben, fiel seine Wahl auf Green Arrow.

Green Lantern (2. Serie) 76, April 1970. Voll berühmtes Cover.

Green Lantern 76, April 1970. Voll berühmtes Cover.

Was danach geschah, ist als Hard Travelling Heroes Saga in die Comicgeschichte eingegangen. Nachdem Green Arrow (in einem anderen Heft) bereits neue, extrem schicke Klamotten plus Bart serviert bekommen, darüber hinaus leider aber auch sein komplettes Vermögen verloren hatte, entdeckte er seine Liebe für den kleinen Mann von der Straße und seine mannigfaltigen Probleme. 1970 tauchte er dann in Green Lanterns Serie auf – und machte dort erst einmal richtig Rabatz.

Nach vielen, vielen Vorwürfen gegen den leicht naiven, allzu oft Recht über Gerechtigkeit stellenden Green Lantern erklärte dieser sich bereit, mit Green Arrow auf Reisen zu gehen, um das „wahre Amerika“ mitsamt all seinen Problemen zu entdecken. Dazu gehörten die auch heute noch aktuellen Themen Rassismus, Ausbeutung, religiöser Fanatismus, Drogen, Umweltverschmutzung etc.pp.

Ollie redet Klartext

Ollie redet Klartext – episch.

Man beachte: 1970! Zu dieser Zeit hatte die gesamte Comicindustrie schon fast zwei Jahrzehnte unter repressiver Zensur gelitten und sich kaum je getraut, Kontroversen anzustoßen. Mancher Autor hatte vielleicht als Kind Comicverbrennungen miterlebt (kein Scheiß!!!) und lebte in einer Gesellschaft, in der die Idee Justice for all inzwischen längst als zynische Lüge entlarvt worden war. Es war verdammt schwer, in dieser Zeit ausgerechnet ein sozialkritisches Comic zu veröffentlichen – dennoch haben Autor Dennis O’Neill und Zeichner Neal Adams genau das vollbracht und damit mehr Mut bewiesen, als man sich heute vorstellen kann. Die Hefte gelten heute noch als Klassiker – auch wenn sie natürlich wie die meisten alten Comics aus moderner Sicht teilweise ein bisschen peinlich sind ^^

Ollie disst Aquaman. Kicher. (Green Arrow (3. Serie) 3, 2001)

Ollie disst Aquaman. Kicher.
(Green Arrow (3. Serie) 3, 2001)

Gleichzeitig schuf das Kreativteam damit aber auch einen der besten Superhelden überhaupt, einen der wenigen, der überhaupt so etwas wie Charaktertiefe besitzt: Green Arrow. In diesem (leider viel zu kurzen) Zyklus wurde aus dem bogenschwingenden Ex-Millardär nun tatsächlich ein moderner Robin Hood, der sich für die Schwachen einsetzt, für Gerechtigkeit kämpft und dabei so liberal ist, wie es für amerikanische Verhältnisse gerade noch erträglich war.

Natürlich passierte in seinem Leben (also… „Leben“) noch so einiges mehr, was ich euch erzählen könnte. Seine On-Off-Beziehung mit Superheldenkollegin Black Canary, die schockierende Entdeckung, dass sein eigener Sidekick drogensüchtig geworden war, seine Unfähigkeit, für seinen leiblichen Sohn ein guter Vater zu sein, sogar sein Tod und die (obligatorische) Wiederauferstehung waren dabei wichtige Wegmarken. Aber der Status Quo, den O’Neill und Adams gesetzt hatten, blieb immer vorhanden.

So jedenfalls, bis sich der Superheldenverlag DC vor zwei Jahren entschloss, sein gesamtes Universum platt zu machen – SCHON WIEDER.

Soviel also zur Geschichte des sympathischen grünen Bogenschützen, die doch um einiges länger ausgefallen ist, als ich beabsichtigt habe, doch ich hielt das für nötig, damit meine Kritik an „Arrow“ nachvollziehbarer wird (und außerdem rede ich gerne über Superhelden!). Eben diese Kritik verschiebe ich dann aber auf morgen!

Ich schließe mit ein paar (deutschen) Leseempfehlungen für all jene, die jetzt vielleicht Lust bekommen haben, selbst ein bisschen in den Comics zu stöbern (alles sollte über Ebay oder den Comicmarktplatz leicht erhältlich sein):

Green Lantern/Green Arrow Collection: Der komplette Hard Travelling Heroes Zyklus in einem schön gestalteten Band, für Neueinsteiger geeignet.

JLA Special 4 (Dino-Verlag): Green Lantern/Green Arrow: Die erste Begegnung unserer beiden grünen Helden in einer supergeilen Story – und man erfährt, wie Oliver Queen zu seinem Bart gekommen ist!

Green Arrow (Panini 2001) 1-10: Green Arrows Wiederauferstehung von den Toten, erzählt von Kevin Smith (ja, DER Kevin Smith!) auf hammergeile und sogar halbwegs logische Weise.

Worum geht es hier eigentlich?

Letzten Freitag, Vorglühen bei uns. Mitbewohner David ist anwesend sowie ein Kumpel von ihm – und wir kommen auf ein spezielles „Frauen“-Thema zu sprechen.

Kumpel: „Das ist genauso, wenn ich meiner Freundin sage, dass sie gut aussieht. Oh danke, das ist aber nett sagt sie dann. Das ist aber nett!!! Hallo?!“

Mitbewohner David: „Waaaah, schlimm.“

Ich: „?!“

Kumpel: „Ja, total. Ich hasse das.“

Ich: „Das verstehe ich nicht?“

Mitbewohner David: „Nett ist der kleine Bruder von scheiße.“

Ich: „Ah.“

Kumpel (richtig aufdrehend): „Na, wenn ich ihr sage, dass sie hübsch ist, dann meine ich das so und das hat doch nichts mit „nett“ zu tun! Das ist aber nett stimmt da einfach nicht! Ich sage das, weil das eine Tatsache ist! Weil ich das so finde! Aber doch nicht, weil ich NETT sein will!!! Im Grunde sagt das doch aus, dass ich Scheiß erzähle! Aber ich denke das doch wirklich!“

Ich: „Ähm… ich glaube nicht, dass sie das so sieht. Das ist halt einfach ne Phrase.“

Kumpel: „Trotzdem!!! Das ist aber nett – da könnte ich aus der Hose springen, so regt mich das auf!!!“

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So. Was glaubt ihr, war das genaue Thema der Diskussion?
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Na?
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Idee?
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Ich sag’s euch:

Frauen legen jedes Wort auf die Goldwaage.

Ähm… ja.

batman

Ungerechtigkeit muss weh tun. Allen.

Eine kleine Geschichte:

Ich lebe in einer WG mit zwei weiteren Studenten, David und Dave. Die Wohnung ist ein echter Glücksgriff: Jeder von uns hat ein ausreichend großes Zimmer, dazu gibt’s ein ebenso geräumiges Wohnzimmer, ein riesiges Bad mit Badewanne (!!! Traum!), sogar ein kleiner Garten. Altbau. Bis auf den Lärmpegel (sie liegt direkt an einer gut befahrenen Straße, aber daran habe ich mich sogar schon gewöhnt) und die Kälte im Winter kann man sich echt nicht beschweren – vor allem nicht für den Preis. Billigste Wohnung, in der ich je lebte. Da hatten wir Megaglück.

Zu Altbauwohnungen gehört meist auch eine große (Wohn)Küche. Eine solche haben und nutzen wir. „Viel Platz“ bedeutet in solchen Wohnsituationen aber leider auch meist „Viel Chaos“. Ernsthaft, manchmal wäre ich froh, sie wäre kleiner, denn solange immer noch ein dreckiger Teller irgendwo abgelegt werden kann, scheint der Druck bei uns allen, einfach mal zu spülen, ziemlich gering zu sein.

Das ist ein Problem, denn gemütlich ist ja anders, ne? Aber wir sind halt Studenten und kriegen das irgendwie nicht so ideal hin. Wenn es jedoch den Rahmen des Unerträglichen sprengt, müssen Gespräche her. Eben ein solches führte ich mit Mitbewohner Dave, als die Küche mal wieder aussah wie ein Ausblick in eine postapokalyptische Zukunft.

„Wenn es nicht anders geht, müssen wir einfach einen Putzplan machen,“ meinte Mitbewohner Dave schicksalsergeben. Mitbewohner David war gerade nicht da. „Dann ist halt jeder eine Woche für die Küche verantwortlich und spült alles und so.“
Ich ließ meinen Blick über die fünfzehn Teller, achtzehn Tassen, elf Gläser, siebenundzwanzig Bierflaschen und neun Töpfe und Pfannen schweifen, die darauf warteten, abgewaschen und/oder weggeräumt zu werden, und seufzte einmal laut. „Putzplan ist okay. Aber jeder eine Woche lang… das ist ungerecht. Ich meine, ich koche fast jeden Tag, aber David ja fast nie, und wenn, ist es dann meist eine Pizza…“

Dave starrte mich völlig perplex an. „Ja, aber… du kochst doch mehr und… also, ungerecht… äh…?“
„Ja, das meine ich ja. Es ist ungerecht, wenn David genauso viel aufräumen soll wie ich.“
Dave brauchte tatsächlich eine Weile, bis das bei ihm angekommen war. Seine Verwirrung war so groß, dass er zuerst geglaubt hatte, ich hätte genau das Gegenteil gesagt.

Und warum ist das so? Weil es leider extrem ungewöhnlich ist, zurück zu treten und einen Vorteil aufzugeben, wenn man ihn schon so gut wie in der Tasche hat. Ich hätte auch einfach nicken und lächeln und mich freuen können, in Zukunft weniger Arbeit zu haben, obwohl ich einen großen Teil dieser Arbeit verursache. Aber das konnte ich nicht. Wie schaffen es Leute, wissentlich Ungerechtigkeit in Kauf zu nehmen, ohne unter erheblichen Schmerzen zu leiden?

Das führt mich wieder zurück zu einer anderen Geschichte, die ich an anderer Stelle erzählt habe – die Geschichte eines Kumpels, der in seiner Wahlentscheidung einzig und allein auf sein eigenes Wohl späht. „Also, momentan als Student müssen wir ja SPD wählen, weil sonst gibt’s Studiengebühren,“ führte er aus. (Das ist schon ein bisschen her. Studiengebühren sind inzwischen ja so gut wie Geschichte.) „Aber wenn wir dann später Lehrer sind, dann ist es ja am besten, CDU zu wählen.“
Ich, sowie die anderen beiden Studentinnen am Tisch, waren von so viel argloser Ignoranz einfach nur komplett schockiert, doch als ich diese Geschichte unlängst erzählte, wurde das Verhalten meines Kumpels als „Pragmatismus“ bezeichnet. Ich neige ja immer noch dazu, es eher Egoismus zu nennen, und meinen Kumpel ein Arschloch (allerdings, wie gesagt: ein argloses Arschloch!).

Wie kann so jemand einen solchen Müll von sich geben, ohne sich selbst zu hassen?

Es gibt einige Dinge, die sind einfach universell. „Gerechtigkeit“ ist eines davon. Und deshalb sollte es einfach jedem wehtun, Ungerechtigkeit zu sehen, egal ob man davon betroffen ist oder nicht, egal ob man von dieser Ungerechtigkeit unmittelbar profitiert oder nicht.

Und nein, das hat nichts mit Schuldgefühlen oder Scham zu tun (wobei letzteres definitiv angebracht ist, wenn man Ungerechtigkeit willentlich und bewusst zulässt, nur damit man selbst keine Spülhände kriegt). Ich nenne es Verantwortung.

Wir haben übrigens immer noch keinen Putzplan.

Dieser Artikel kann als Nachtrag zu diesem verstanden werden.