Von linken Händen und sadistischer Rechtsmacherei

Hände2a

Eine Studie unter amerikanischen Collegestudenten hat ergeben, dass die Hälfte der rechtshändigen Probanden keine Ahnung hat, welche Händigkeit ihre Eltern haben, während die Linkshänder fast alle darüber Bescheid wussten.

Ausgehend von diesem Phänomen ist es ziemlich schwer, zu diesem Thema etwas zu schreiben, weil fast 90% der Leute sich einen Scheißdreck dafür interessiert.

Aber, liebe Rechtshänder: Habe ich trotzdem kurz eure Aufmerksamkeit? Wo ich doch auch ein Bild gebastelt hab und alles?
Ja? Cool. Dann schnell weiter, bevor ihr euch langweilt!

„Nimm doch mal das gute Händchen!“

Ich bin Linkshänderin. Überraschung. Das führte bereits sehr früh zu Problemen – ich bin nämlich in meiner gesamten Familie die einzige.

Deswegen konnte mir niemand Schuhbinden beibringen. Meine Familie war nicht in der Lage, die unendliche Mühe auf sich zu nehmen, einfach mal die andere Hand zu benutzen und „umzudenken“. Da ich, wie jeder Linkshänder, mein gesamtes Leben genau dazu gezwungen bin, muss ich leider eine gewisse Faulheit und Unfähigkeit konstatieren!
Aber ich war natürlich schon eine Zumutung, wie ich da saß und mit links malte, statt mein gutes Händchen zu benutzen. Sprüche darüber durfte ich mir meine halbe Kindheit anhören – aber schlimm wurde es erst, als ich in die Schule kam.

Mein Grundschullehrer war von der alten Garde und eigentlich super, aber bei diesem Thema hatte er einen kleinen Spleen. Ich hatte mich total auf die Schule gefreut, aber schon nach einer Woche war ich mit meinen Nerven völlig am Ende. Grund: Er zwang mich, alle meine Hausaufgaben doppelt zu erledigen – einmal mit links und einmal mit rechts. Das klingt vielleicht harmlos, aber für ein sechsjähriges Kind ist so eine Doppelbelastung nicht gerade easy. Und nachdem sie sehen musste, wie fertig ich war, stiefelte meine Mutter in die Schule, um ein Machtwort zu sprechen.
Mein Lehrer beugte sich ihrem Willen, aber verstanden hat er es wohl nie. Mit den doppelten Hausaufgaben war es dann vorbei, aber auch danach forderte er mich immer mal wieder auf, doch einfach mal die andere Hand zu benutzen.
Ich war sechs Jahre alt, aber ich habe ihn einfach völlig ignoriert. Ein anderes Mädchen in meiner Klasse hat er auf diese Weise jedoch umerzogen.

Und das im Jahr 1991.

Auf der weiterführenden Schule ging das Elend weiter. Wir hatten in der fünften Klasse Handarbeit, was ich wirklich gerne lernen wollte. Aber meine Lehrerin schmiss ziemlich schnell die Häkelnadeln hin und erklärte, dass sie mir mit LINKS nichts beibringen könne. Wie ich nach diesem Statement ihren Unterricht bestehen sollte, interessierte sie nicht.
Wieder gab es Tränen zuhause und meine Oma verwünschte wieder mal meine Entartung, aber letztendlich brachte sie mich zu einer Freundin aus dem Kirchenchor, die zwar auch keine Linkshänderin war, dafür aber eine Handarbeitskönigin, und diese schaffte es schließlich mit viel Geduld, mir Häkeln mit der “falschen” Hand beizubringen. Es zeigte sich sogar, dass ich besonders begabt war und letztendlich konnte ich daher das verlangte Werkstück stolz und auf sorgfältigste Weise ausgeführt pünktlich abgeben.

Die Freude währte aber nur kurz: Meine Lehrerin warf einen Blick auf den vorbildlich gehäkelten Topflappen und erklärte, dass ich den unmöglich selbst gehäkelt haben konnte. Dabei sieht man beim Häkeln an den Maschen ganz deutlich, ob sie von einen Rechtshänder oder von einem Linkshänder gehäkelt worden sind!!
Ich wieder am Heulen, wieder musste meine Mutter einschreiten und schrieb der Lehrerin einen Brief, in dem sie beteuerte, dass der beschissene Topflappen von mir selbst gemacht worden ist, was die blöde Kuh dann zähneknirschend akzeptieren musste.

„Ne Linkshändlerin?! Also, du schreibst mit links?!“

Weitere Zusammenstöße mit Spitzenpädagogen dieser Art blieben mir persönlich glücklicherweise erspart! Von anderen Linkshändern habe ich schon wesentlich schlimmeres gehört. Ich wurde nie geschlagen, weil ich mit links schrieb, auch wurde mir nicht eine Hand auf den Rücken gebunden, und ernsthaft angefeindet von irgendwelchen Idioten, die das 21. Jahrhundert verpasst haben, wurde ich auch nie, weil ich die „Teufelshand“ benutze. Diese Denke gab und gibt es ja tatsächlich. Nicht umsonst leitet sich der Begriff „sinister“ (böse, heimtückisch, schlecht) vom lateinischen Wort für „links“ ab.

Aber wenn man es nicht anders kennt, gewöhnt man sich ja an vieles. Nach all den Jahren nerven die immer gleichen saublöden Sprüche (“benutz die richtige Hand!” – “Oh, ne Linkstratsche!” – begleitet von debilen Gelächter) zwar schon, aber es ist auszuhalten, auch wenn viele Leute wirklich eine bemerkenswert unbedarfte Doofheit an den Tag legen.
„Oh, du bist Linkshändlerin? Woah… das könnte ich ja nicht!“ Was soll ich denn darauf bitteschön antworten, Captain Obvious? Stell dir vor – ich kann dafür nichts mit rechts, wie man an dem Gekrakel oben sehen kann! Und warum ist meine Händigkeit so unglaublich? Es gibt noch so viele Dinge, die ich auch nicht könnte: Mit einer Frau schlafen, weil ich hetero bin, ohne Leiter ne Wand streichen, weil ich klein bin, Isländisch lernen, weil das keiner kann etc.pp. Warum höre ich so was dümmliches aber immer nur in Bezug auf meine dominante Hand?

Was gibt’s noch?

„Ich schaffe das mit links“ oder „Der hat zwei linke Hände“ – zwei Phrasen, die ich nie benutze (würde ja auch keinen Sinn machen, ne). Über sowas kann ich nur müde lächeln. Und die Tatsache, dass sämtliche Utensilien für Linkshänder teurer sind, lässt sich wohl auch nicht ändern.

Aber das ist alles nicht wichtig, eigentlich. Als diese Minderheit, die immer eine solche bleiben wird, lebt es sich ja nicht zwangsläufig schlecht. Das hier soll kein Forderung einer, kA… „Critical Rightness“ sein oder so eine Scheiße, auch wenn ich mir beispielsweise wirklich gewünscht hätte, dass die Leute, die mir nicht die Hand gaben, als ich letztes Jahr rechts einen Verband hatte, einfach mal auf die bahnbrechende Idee gekommen wären, mir stattdessen die linke Hand zu reichen.

Nee, das ist alles völlig okay, ab und zu ein bisschen ärgerlich, aber okay, wir kommen mit sowas klar, wir Lefties, wir sind es gewöhnt, und außerdem sind Kurt Cobain und Stephen King auch Linkshänder und das ist ultracool. Wir sind eben etwas besonderes!

„Linkshändigkeit ist ein Merkmal der Degeneration.“

Aber ich sage euch, was ganz und gar NICHT okay ist: Kindesmisshandlung.
Huch, krasser Themenwechsel? Nein, überhaupt nicht. Denn es wird verdammt noch mal Zeit, diese sadistische Unsitte der Umschulung als genau das zu benennen, was es ist.

Jahrelang dachte ich, ich wäre eine der Letzten gewesen, bei der man eine Umschulung versucht hatte. Immerhin ist das ja auch schon über 20 Jahre her und wie gesagt war mein Grundschullehrer sehr alt. Ich hielt das für ein Einzelfall, aber inzwischen weiß ich, dass bei zwei Freunden von mir, die einige Jahre jünger sind, diese Umschulung tatsächlich durchgezogen worden ist. Mir wird echt schlecht, wenn ich daran denke, dass der eine in der Metallverarbeitung arbeitet, täglich mit gefährlichen Maschinen hantiert und dabei die Hand benutzt, die bei ihm natürlicherweise nicht für Feinarbeiten ausgelegt ist. Und der andere ist mein Kumpel Tim, der Typ, bei dem ich früher immer gewaschen habe, ein Designstudent – nicht auszudenken, wie viel besser er wäre, wenn er mit der richtigen Hand zeichnen würde, die bei ihm nun mal die linke wäre.

Okay, die paar Jahre – aber HEUTE macht man das nicht mehr, ne? Falsch! Eine Bekannte erzählte mir von ihrem Sohn, den sie gerade im Kindergarten angemeldet hat. Sie teilte den Erzieherinnen mit, dass er Linkshänder ist. Was war deren Kommentar, nachdem sie den Jungen ein paar Minuten gesehen hatten? “Nö, der ist kein Linkshänder!”
Tja, nun hat sie den Buben aber testen lassen und er IST Linkshänder. Den Erzieherinnen war es einfach nur zu stressig, sich auf sowas Abnormes einzustellen und hätten ihn umerzogen, wenn man sie gelassen hätte!

Nun klingt „Umschulung“ oder „Umerziehung“ so lasch, deshalb könnte man sich ja, selbst wenn sowas noch Usus ist, einfach abregen, denn es geht ja nur um’s Schreiben und überhaupt, so schlimm kann das ja nicht sein, wenn umerzogene Linkshänder trotzdem Handwerker werden oder Design studieren können. Dafür macht es ihnen das Leben ja auch leichter, weil sämtliche Werkzeuge, Schreibgeräte etc. für Rechtshänder ausgelegt sind, man spart also sogar noch Geld!

FALSCH. Eine Umschulung ist schlicht und ergreifend das Schlimmste, was man dem menschlichen Gehirn antun kann, ohne daran rumzuschnippeln. Man zwingt es etwas zu tun, wofür es verdammt noch mal nicht ausgelegt ist. Das hat Auswirkungen, die man sich als stinknormaler Rechtshänder nicht mal vorstellen kann!

Zieht euch das mal rein: Die SELBSTMORDRATE ist unter umgeschulten Linkshändern höher als bei der Normalbevölkerung! Immer noch harmlos?! Auch psychische Probleme treten gehäuft auf, wobei da natürlich kaum jemand auf die Idee kommt, dass dies etwas mit der Händigkeit zu tun haben könnte, denn die Betroffenen wissen ja selbst oft nicht mehr, dass sie mal Linkshänder waren!

Bevor jemand auf die blöde Idee kommt:
Nein, umerzogene Linkshänder ≠ psychisch krank. Bei vielen äußert sich das lediglich in einer als charmant angesehenen Links-Rechts-Schwäche, bei anderen scheinbar gar nicht. Aber es gibt halt auch so Leute wie mein Kumpel Tim, der niemals den Führerschein machen und Auto fahren darf, weil er Epileptiker ist, eine Krankheit, die mutmaßlich nicht ganz weg wäre, aber viel schwächer ausgeprägt, wenn man ihn nicht umerzogen hätte. Das hat ihm sein Neurologe zweifelsfrei bestätigt.

Weitere mögliche Auswirkungen einer Umschulung: Konzentrationsschwäche, Gedächtnisschwäche, verminderte Leistungsfähigkeit, Legasthenie, Sprachstörungen, gestörte Reaktionsfähigkeit, Probleme mit der Feinmotorik und der räumlichen Orientierung – und dies nur primär. Was für Selbstwertprobleme und Folgeerkrankungen (dazu zähle ich auch Unfälle im handwerklichen Bereich, die mit der in Wahrheit dominanten Hand nicht passiert wären) sich daraus ergeben, kann sich jeder ja selbst vorstellen!

Nun ist das glücklicherweise kein Schicksal ohne Rückfahrkarte. Es gibt inzwischen viele Anlaufstellen, die eine sogenannte Rückschulung anbieten. Was man nun von umgeschulten Linkshändern liest, die sich zu einer Rückschulung entschlossen haben, ist wirklich unglaublich grauenhaft. Viele berichten davon, sich zum ersten Mal in ihrem Leben ganz und richtig zu fühlen, dementsprechend beschissen und zerrissen fühlten sie sich vorher. Wie, das klingt irgendwie so theatralisch und mimimi? Tja, so ist es aber nun mal. Eine Umschulung, egal ob mit oder ohne Gewalt, hat auf das Gehirn Auswirkungen, die man durchaus mit einem Trauma vergleichen kann – und es ist zum Kotzen, dass das keine Sau weiß!

Deshalb entscheiden sich viele auch gegen eine Rückschulung. 1. fehlt ihnen das Wissen darum, wie massiv dieser Eingriff für sie war, 2. kennen sie es ja nicht anders und 3. scheuen viele auch aus ganz pragmatischen Gründen davor zurück, denn eine Rückschulung ist zeitintensiv, anstrengend und stressig. Man muss ja wieder ganz neu Schreiben lernen!

Leider hält mein Kumpel Tim der letzte Punkt von diesem Schritt ab. Er müsste wohl ein Krankheitssemester einlegen, da er ja kreativ tätig ist und die Erstverschlimmerung bei einer Rückschulung auch nicht vernachlässigt werden darf (gerade auch bei seiner Krankheit). Wer gibt ihm diese Zeit zurück, wie soll er das bezahlen?

Zumindest darauf habe ich beim Überlegen über diesen Artikel eine Antwort gefunden, die vermutlich vielen total radikal vorkommt: der Staat. Ja, wirklich. Wer in einer Schule umerzogen worden ist (und, wie ich bereits darlegte, war dieses Phänomen nicht generell mit dem Siebzigern verschwunden, wie vielerorts behauptet wird), sollte eine Entschädigung und Hilfestellung bei der Rückschulung bekommen, denn Schulen sind staatliche Einrichtungen. Es ist eine Sache, wenn ein unbedarfter Privatmensch keine Ahnung von den negativen Folgen einer Rückschulung hat, aber wenn sowas nicht mal in der Ausbildung von Grundschullehrern enthalten ist, liegt der Fehler ganz eindeutig dort.

Wobei sich die Frage stellt: WIRD so etwas tatsächlich mal erwähnt? In meinem Studium der Erziehungswissenschaften jedenfalls nicht. Nun studiere ich aber ja auf Gymnasium, werde also Kinder unterrichten, bei denen der Prozess der Festlegung auf eine Händigkeit bereits abgeschlossen ist, aber andererseits musste ich mir auch sowas wie lerntheoretische Entwicklungsphasen von Babys anhören und dennoch war die Händigkeit NIE ein Thema. Ob das bei Grundschullehramt anders ist, kann ich nur spekulieren. Ich befürchte nein.
Man muss wohl kein ganzes Seminar über dieses Thema halten, das sich ja auch gut in drei Worten zusammenfassen lässt, nämlich „Umschulung? HELL NO.“ Aber naja, wenigstens EINE Sitzung sollte doch bitte Pflicht sein! Und wenn es nur darum geht, bescheuerte Eltern von so etwas abzuhalten!

Schattendasein als Spiegelbild

Das schockierende Phänomen „Linkshändigkeit“ ist zwar etwas, von dem jeder schon mal gehört hat, wird aber von vielen Rechtshändern, die es gewohnt sind, in einer rechtsdominanten Welt zu leben, unter „Irrelevanz“ abgelegt. Leider auch von vielen Eltern, die es oft nicht mal schaffen, ihren linkshändigen Kindern die einfachsten Hilfsmittel an die Hand zu geben!

Während meines Praktikums in einer Grundschule musste ich mal sehen, wie sich der einzige Linkshänder der Klasse mit einer Schere abmühte. Linkshänder können mit Rechtshänderscheren nur gut schneiden, wenn sie wirklich höllenscharf sind, weitaus schärfer als eine Schere, die Kinder diesen Alters in die Hände bekommen sollten.

Ich ging also zu dem Kleinen hin. “Hast du ne Linkshänderschere?”
“Nee,” antwortete der Bub piepsig.

Aaah, zum Kotzen! Dies ist sogar aus mehr als dem offensichtlichen Grund geradezu perfide: Die Fähigkeit, etwas schön ausschneiden zu können, wird nämlich bei Grundschülern und Kindergartenkindern gerne als Test für den Reifegrad herangezogen. Dann ist es doch einfach scheiße, wenn die kleinen Linkshänder mit falschen Scheren schneiden müssen!

Ich latschte zu seiner Lehrerin und sagte ihr, dass sie den Eltern sobald wie möglich klar machen sollte, dass der Junge eine ordentliche Ausrüstung für Linkshänder braucht. Nur hatte ich nicht den Eindruck, dass die Lehrerin kapierte, wie wichtig das ist!

Also bin ich selbst wieder zu dem Bub hingegangen und habe ihm gesagt, er möge seinen Eltern von der Praktikantin ausrichten, sie sollen ihm gefälligst eine richtige Schere kaufen. Viel lieber hätte ich ihm einen Zettel für seine blöden Eltern mitgegeben, aber ich hatte meine Kompetenzen ohnehin schon mehr als überschritten. Heute würde ich es trotzdem tun!

Was bezwecke ich eigentlich hiermit? Die üblichen Verdächtigen werden wohl behaupten, ich wäre halt mal wieder so eine Tussi, die nur jammern will. Aber dazu habe ich ja keinen Grund, denn mit MIR ist ja alles in Ordnung. Ich wurde nicht umgeschult und kann heute mit ein bisschen irrationalen Stolz auf meine Linke hinunter blicken und denken: „Yeah, you are special.“
Aber andere hatten dieses Glück nun mal nicht – und das muss viel stärker thematisiert werden.

Ich nannte eine Umschulung „sadistisch“, dabei verlangt Sadismus wohl Absicht, weshalb das eigentlich nicht zutreffend ist. Aber auch Ignoranz kann höllenartige Auswirkungen haben. Gegen diese schreibe ich an, denn selbst viele Linkshänder haben keine Ahnung davon. Wenn das dann gleichzeitig dazu führt, auch nicht-umgeschulten Linkshändern das Leben ein bisschen zu erleichtern, sei es nun mit der Bereitstellung „linker“ Materialien durch Erziehungsberechtigte oder einfach nur durch das Verkneifen eines doofen, schon tausendmal gehörten Spruchs – damit wäre ich auch sehr zufrieden!

Eigentlich wollte dieser Beitrag schon seit Ewigkeiten geschrieben werden, aber ich glaubte, dafür einen Aufhänger zu brauchen. Nun war ich am 13. August, dem internationalen Linkshändertag, leider nicht da. Doch eine kleine Unterhaltung auf Twitter gestern hat den Stein schließlich ins Rollen gebracht… und mir ist mal wieder klar geworden (auch durch die Beobachtung meiner Reaktion beim Schreiben – unglaublich, wie ich mich reinsteigern und sauer werden kann!), dass dieses Thema viel öfter auf den Tisch gehört, bis auch die letzten Rechtshänder checken, dass sie verdammt noch mal nicht allein auf der Welt sind.

Als letztes eine Empfehlung für solche, die mehr darüber erfahren wollen und vielleicht sogar jetzt überlegen, sich wieder zurückschulen zu lassen: Das Linkshänderforum mit vielen Erfahrungsberichten, Tipps und Links zum Thema!
leftpower

49 Gedanken zu “Von linken Händen und sadistischer Rechtsmacherei

  1. Sehr schön geschrieben.Ich bin Rechtshänder, aber meine Frau ist militante Linkshänderin. Man kann sie mit wenig so schnell auf 180 bringen, wie mit dem Satz: „Nimm doch mal das richtige Händchen“. Meine Kinder sind alle Linkshänder und wahrscheinlich ist das besser so, denn ein Rechtshänderkind wäre verdächtig gewesen. Meine Schwester ist eine zwanghaft umgeschulte Linkshänderin. Es ist bemerkenswert, was sie alles in ihrem Leben dafür verantwortlich macht und wie sich das Leben entwickelt hätte, wenn sie eine Linkshänderin hätte werden dürfen. Mein Vater und seine Mutter (meine Oma) sind wahrscheinlich auch umgeschulte Linkshänder, aber damals gab es einfach keine Linkshänder, entsprechend haben sie sich auch keine Gedanken gemacht. Sobald sie aber schwierige Tätigkeiten machen mussten, die nicht mit Schreiben oder Zeichnen zu tun hatten, dann haben sie die linke Hand benutzt. Der interessanteste Fall in meiner Familie ist allerdings die Tochter meiner Schwester. Sie ist Rechtshänderin aber meine Schwester ist der Meinung, dass sie eigentlich Linkshänderin ist und nur aus Trotz sich selbst zur Rechsthänderin umgeschult hat, obwohl meine Schwester alles versucht hat, um aus ihr eine Linkshänderin zu machen. Na ja. zum Abschluß noch eine Erfahrung eines Rechtshänders in einem Linkshänder Haushalt. Mit Linkshänder Scheren kann man als Rechtshänder auch nicht schneiden😉

    • Boah nee, das geht aber auch gar nicht. Alles, was ich zu umgeschulten Linkshändern schrieb, gilt selbstverständlich auch für umgeschulte Rechtshänder! So oder so ist es Gewalt am Kind!

      Was die Vererbung von Linkshändigkeit angeht: Da gibt es noch viele Leerstellen. Man weiß schlicht nicht genau, wie sich das vererbt. Als ich mal mit einem Mann zusammen war, der auch Linkshänder war, habe ich das mal nachgelesen, aber selbst bei zwei linkshändigen Eltern ist die Chance, ein linkshändiges Kind zu bekommen, nur bei 16%. Das ist nur wenig größer als ohnehin schon. Wenn sich noch viele weitere Linkshänder in der Familie befinden, dürfte sich das allerdings steigern, vermute ich einfach mal.

      Der einzige nachvollziehbare Kritikpunkt an einer Rückschulung, den ich gelesen habe, war übrigens ebenfalls dieses „verantwortlich machen“ für alles Mögliche. Viele denken vielleicht, dass sich dadurch ihr Leben von Grund auf ändert. Das ist vermutlich zu optimistisch. Dennoch empfehle ich JEDEM umgeschulten Linkshänder, sich zumindest mal über die Möglichkeiten einer Rückschulung zu informieren – und nur, weil manche möglicherweise Probleme auf die Umschulung projizieren, die nichts damit zu tun haben… das ist für mich kein Gegenargument.

  2. Woran kann man den merken, dass man umgeschult wurde, wenn man das nicht erinnert? Oder greift so eine Umschulung nur rein fürs Schreiben und die anderen Bereiche bleiben linkshändig?

    • Die meisten haben wohl ihr Leben lang eine Ahnung, so las ich zumindest. Auch wird das lange nach der Umschulung in vielen Familien noch thematisiert, wenn auch nur am Rande („Ach kuck, auf dem Bild malst du noch mit links, das war bevor wir es dir richtig beigebracht haben“).
      Inwiefern die Umschulung greift, hängt von der Härte ab. Manche Lehrer waren früher wohl damit zufrieden, wenn das Kind nur rechts schreibt und isst und haben alles andere toleriert, in anderen Familien hat man aber erst aufgehört, wenn das Kind in allem auf rechts geschaltet war. Das ist dann wohl am Schlimmsten.

      Von anderen Tätigkeiten kann man das nicht so sicher ableiten – auch reine Rechtshänder oder nicht-umgeschulte Linkshänder machen manche Sachen mit der „falschen“ Hand. Solange das ohne Zwang passiert, ist das wohl auch okay. Darüber hinaus gibt es ja noch das Phänomen der Beidhändigkeit.

      Es gibt einen Trick, den man auch bei Kindern anwenden kann, bei denen die Händigkeit noch nicht eindeutig ist:
      Man sucht sich einen Punkt im Raum, streckt den Arm aus und verdeckt diesen Punkt mit dem Daumen. Dann schließt man ein Auge. Ist der Punkt immer noch verdeckt, dann hat man die Händigkeit des Auges, das noch offen ist (also bei mir: Ich schließe das rechte Auge –> Punkt ist noch verdeckt –> ich bin Linkshänderin). Andersrum ist der Daumen plötzlich „daneben“.

      Das ist nur ein Schnelltest, der nicht 100%ig sicher ist. Normalerweise korreliert die Dominanz der Augen mit der Dominanz der Hände, aber auch da kann es Abweichungen geben. Das ist bis auf ein paar Ausnahmen aber nicht schlimm (beim Bogenschießen ist es z.B. blöd).

      Ich würde dazu tendieren, ein Kind, bei dem man sich nicht sicher ist, generell testen zu lassen. Dann hat man Sicherheit.

      • Komisch, ich kriege diesen Test nicht hin – ich sehe alles normal einfach (mit oder ohne Brille), aber sobald ich versuche, einen Punkt im Raum mit dem Daumen abzudecken, verdoppelt sich der abgedeckte Gegenstand und lässt sich dadurch eben nicht abdecken, da müsste ich beide Daumen nehmen – einfach kann ich den Punkt/Gegenstand nur mit einem geschlossenen Auge sehen o_o
        Sry das war jetzt gar nicht zum Thema aber irgendwie flasht mich das gerade, dass ich den Test nicht schaffe ._.

      • Der Gegenstand verdoppelt sich? Meinst du nicht den Daumen? Das finde ich jetzt komisch… wenn ich das mache, ist der Daumen praktisch durchsichtig, da man ja mit ZWEI Augen an ihm vorbei kuckt. Seltsam o.O

      • Der Versuch, den Kopf meiner Ikealampe zu mit dem Daumen verdecken, resultierte in 2 Ikealampen – eine unter meinem Daumen und eine daneben o_o Allerdings habe ich als kleines Kind geschielt, vielleicht ist das etwas, das durchkommt, wenn ich diesen Trick versuche.

  3. Interessanter Beitrag.
    Ich bin auch Linkshänderin. Und ich bin entsetzt, dass auch noch nach mir (ich war in den späten 70ern in der Grundschule) massiv umgeschult wurde – wir hatten wie es scheint gute Lehrer, die das nicht versuchten.
    Als Kind hatte ich einen Unfall, bei dem beide Hände verletzt wurden – ich war bis zur Einschulung oft deswegen im Krankenhaus, eine Hand war gefühlt immer verbunden. Alleine aus diesem Grund musste ich viele Sachen mit beiden Händen lernen. Dennoch war schon früh klar, dass ich unterm Strich Linkshänderin bin. Schreiben habe ich trotzdem mit rechts gelernt – meine Eltern wollten mir etwas gutes tun, da sie meinten, ich hätte es dann leichter in der Schule. Aber ich male und zeichne bis heute mit links. Stricken und häkeln habe ich (ohne dazu gezwungen zu sein) rechts herum gelernt, aber nähen geht nur mit links. Eigentlich alles, wozu ich Präzision brauche mache ich mit links. Lustig ist Essen – ich könnte nicht mit links das Messer führen und mit rechts die Gabel – da treffe ich den Mund nicht, das braucht Präzision. Aber zum Schnitzel beim Essen zersäbeln reicht es. Beim Kochen nehme ich aber (natürlich) das Messer links.

    Was mir aber sofort einfiel, als ich dein Beispiel mit der Schere las: Ich habe das Schneiden mit einer „normalen“ Schere gelernt. Ich habe inzwischen eine Linkshänderschere – und kann nicht damit umgehen. Ich gucke auf die „falsche“ Seite der Klinge und sehe daher nicht, wohin ich schneide … Anpassung an das falsche Handwerkszeug, die ich nicht mehr umgebogen bekomme.
    Richtig gefährlich wird so etwas aber bei Sägen oder Schneidemaschinen. Ich greife immer überkreuz – was meinen Ausbildern immer den Schweiß auf die Stirn trieb… Mache ich übrigens auch bei Nähmaschinen …
    Ich habe mich immer gewundert, warum mir das Geld und der Zettelkrimskrams aus dem Portemonaie fällt, wenn ich das Münzfach öffne – klar, als Linkshänder stelle ich es auf den Kopf, das wurde mir aber erst klar, als ich das erste Mal ein Linkshänderportemonaie in der Hand hielt – und zwar hier: http://www.linkshaenderladen-erfurt.de/

    Schreiben. Ich habe wie gesagt rechts schreiben gelernt – habe aber immer auch links geschrieben. Und als Erwachsene brach das immer mehr durch. Beim Telefonieren notiere ich immer mit links mit – auch Gesprächsnotizen mache ich mir meist mit links – ich habe den Eindruck, dann mehr Ressourcen zum Zuhören frei zu haben. Vieles andere schreibe ich mit rechts, diese Schrift ist trotz allem schöner. Links ist nicht so schön, dafür gleichmäßig, rechts sieht besser aus – aber immer anders. Mein Schriftbild ist auch ein Ausdruck meines aktuellen psychischen Zustands – ich weiß nicht, ob das am Umlernen liegt, oder ob das bei vielen so ist – zumindest ich kann da viel auch noch nach Jahren erkennen.

    Fies für Zuhörer ist in Seminaren, in denen ich schreiben muss, dass ich mit zwei Stiften/Kreiden an Tafel/Whiteboard stehe und mehr oder weniger simultan schreiben kann, ohne es aktiv zu merken… Mir wird es bewusst, wenn ich das Tafelbild angucke – und keiner mehr mitkommt… *schäm*

    In jedem Fall finde ich es beschämend, dass auch heute noch massiv in die Seele der Kinder eingegriffen wird und diese damit geschädigt werden. Inwieweit bundesweit an den Unis bei der Lehramtsausbildung die Händigkeit thematisiert wird, weiß ich nicht – eine befreundete Grundschullehrerin erzählte mir aber, dass zumindest bei ihnen das nicht mehr stattfinde, sie aber in der Uni auch nichts darüber gehört hätte (von ihr kam vor Jahren der Buchtipp darunter – den du sicher kennst. Ich fand das Buch faszinierend, erschreckend – und erhellend, egal ob sie an allen Stellen richtig liegt)
    Ich gehe davon aus, du kennst dieses Buch? http://www.amazon.de/Der-umgeschulte-Linksh%C3%A4nder-Knoten-Gehirn/dp/3403026450

    • Ach krass! Das mit dem Portemonnaie habe ich auch immer und mich nervt das total!
      Ich wäre gar nicht darauf gekommen, dass es daran liegt, dass ich es ja „falschherum“ halte!

      Jetzt muss ich mal gucken, ob ich ein schönes Portemonnaie für Linkshänder finde. Ich suche eh seit 2 Monaten seit einem Neuen🙂

  4. Auch ich bin entsetzt, dass sogar in den 90ern noch umgeschult wurde.
    Bei mir hatte sich das Problem von vornherein erledigt: Ich habe vor der Schule lesen und schreiben gelernt. Als ich es dann in der Schule mit rechts tun sollte, habe ich (problemlos übrigens🙂 ) von rechts nach links geschrieben. Zum Glück hat meine Mutter dann, ganz entgegen ihrer sonstigen Natur, massiv auf den Tisch gehauen. Bei Handarbeiten war ich eine Null, ich kriege bis heute keine Masche hin und beim Nähen wechsele ich immer munter die Richtung, geht gar nicht.
    Wann immer ich feinmechanische Dinge tun muss, muss ich erst den Bewegungsablauf durchgehen um sicher zu sein, „wie rum“ es läuft. Das bremst massiv aus und bindet viel Konzentration. Man muss geistig und praktisch jede kleine Bewegung durchgehen, übersetzen und dann einüben. So habe ich Jahre gebraucht, bis ich gelernt habe, wie ich mit meiner starken Hand den Schraubendreher greifen muss um die Schraube auch wirklich fest ziehen zu können. Ja! Hinterher ist es einfach :lol
    Die PC Maus zwang mich zur Rechtshändigkeit. Ich habe später mehrfach versucht, die Linkshänder Maus zu verwenden, aber es geht nicht, ich schob sie in die falsche Richtung. Inzwischen hat sich das erledigt, weil ich fast erblindet bin.
    Die Frage der Händigkeit steht bei fast jeder manuellen Tätigkeit ganz oben, nur beim Schreiben bin ich sicher (links natürlich).
    Solange ich sehen konnte, war ich im Landkartenlesen ein Ass. Allerdings konnte ich die Richtung nur zeigen, die worte rechts und links sind leider nicht sicher verankert.
    Wenn ich müde werde, tauschen die Hände nach dem Zufallsprinzip auf der Tastatur. Was heißt das? Die Buchstaben, die man mit Links schreibt, schreibe ich dann mit rechts und umgekehrt.
    Ich wünschte mir sehnlichst, eine Einhand-Tastatur zu finden, die sich blind sicher bedienen lässt!
    Die Rechte Hand ist nämlich gut für das Punktschriftlesen. Dann könnte ich wirklich besser arbeiten🙂
    Eine Linkshänderschere wünsche ich mir nicht, denn die würde ich genaus o kaputt machen, wie eine Rechtshänderschere. Scheren gehen einfach nicht.

  5. Sehr schöner Bericht. Ich bin Linkshänderin. War die erste (von Umgeschulten weiß ich nichts). Dann noch meine jüngere Schwester. Wir durften wie wir wollten. Das Handarbeiten hab ich mir abgeguckt und eigentlich selIber beigebracht. Meine Oma guckt immer ganz komisch, wenn ich bei ihr stricke, weil ich halt andersrum arbeite. Bei den Anleitungen nervt nur, dass ich erstmal probieren und umdenken muss.🙂

    Scheren kann ich sowohl links- als auch rechtshändige nutzen. Ich hatte mal ein Linkshänderlinieal. Damit kam ich gar nicht klar. Ich bin allerdings sehr froh, dass es inziwschen Ringblöcke für Linkshänder gibt. Die Ringe an der Seite nerven sonst sehr.
    In der Schule hatte ich einen Linkshänderfüller und halt Schere. Jetzt schreibe ich eh mit Kulli. Aber sonst hab ich so bewusst nichts sonderliches für Linkshänder. Außer halt Scheren.

    Ich überlege mir allerdings ein Brotmesser für Linkshänder zu holen. Vielleicht schneide ich das Brot dann ja mal gerade🙂

  6. Davon hatte ich bisher keine Ahnung und freue mich, jetzt ein bißchen über das Thema informiert zu sein.

    Des Weiteren: Ich bin zwar kein Sinnenmensch, sondern ein Intuitionsmensch, aber selbst ich bemerke, dass dein Blog irgendwie anders aussieht.

  7. Ein guter Artikel, wenngleich ich Rechtshänder bin, lustigerweise im Gegensatz zum Großteil meines Freundeskreises.
    Allerdings war es zu meiner Grundschulzeit keinerlei Problem, Linkshänder zu sein, habe ich in Erinnerung (Das war noch 2002 – 2005), ich erinnere mich, dass auf dem Pult im Klassenzimmer immer auch Stifte, Lineale und Scheren standen, falls einer von uns Schülern was vergessen hatte, und da waren auch Linkshänderscheren dabei. Im Handwerkerunterricht (so hieß der) hat unsere Lehrerin auch extra nochmal erklärt, wie man das als Linkshänder dann zu machen hat.
    Ich denke also, dass die Entwicklung schon in die richtige Richtung geht. (Oder es scheint zumindest so – allerdings wusste ich bis eben nicht, dass vereinzelt noch umgeschult wird)

  8. Ist wirklich komisch, dass sich Rechtshänder nie mit ihrer Rechtshändigkeit befassen und Linkshänder dafür umso öfter. Ich spreche da auch aus Erfahrung, bin selber Linkshänder und belese mich sehr gern zu diesem Thema (an dieser Stelle: Danke für den Artikel🙂 )
    Ich wurde zwar nicht umgeschult, aber bei mir hat auch keiner darauf geachtet, dass ich Dinge anders machen müsste als der Rest der Familie. Das fängt ja schon an bei: Gabel links, Messer rechts – ein Linkshänder müsste das eigentlich andersherum machen. Ich mache es aber bis heute wie meine Eltern es mir gezeigt haben…
    Und das mit den Scheren ist wirklich ein Problem. Das ist auch der Grund warum ich die Schere bis heute mit der rechten Hand bediene: ich hatte nie eine Linkshänderschere.
    Das dämlichste was ein Rechtshänder mich mal gefragt hat war übrigens: Wenn du Brot abschneidest, hälst du da, nicht wie wir das Brot sondern die Scheibe fest, die du abschneiden willst?…Arrrrrrghhh!

    • Das mit dem Brot erinnert mich an die Frühstücksbuffets in manchen Hotels, bei denen man sich Baguette und teilweise auch anderes Brot selbst abschneidet – als Linkshänder hat man da manchmal echt verloren – in vielen Fällen kann man das Brot dehen, oft hat man keinen Platz dazu – dann schneide ich zumindest wieder überkreuz – ich halte mit rechts das Brot, das aber nach links liegt, und schneide mit der linken Hand ab, die Schnittfläche liegt aber auf der rechten Seite. Das ich mir bei so etwas noch nix abgeschnitten habe, ist echt ein Wunder…🙂

    • „Das dämlichste was ein Rechtshänder mich mal gefragt hat war übrigens: Wenn du Brot abschneidest, hälst du da, nicht wie wir das Brot sondern die Scheibe fest, die du abschneiden willst?…Arrrrrrghhh!“

      Hahaha! Auf den Gedanken muss man mal kommen. Wenn der 6 war, fänd ich das aber echt süß.

  9. Ist ja ziemlich hart, was man als Linkshänder so alles erlebt. Wundert mich in Schulen in Deutschland, inbesondere bei Grundschulen aber nicht. Ich finde die meisten Lehrkörper da sadistisch. Ich habe den Eindruck, deutsche Grundschullehrer werden nicht darauf geschult mit Diversität klar zu kommen und bekämpfen sie. Sie üben Zwang mit der Selbstverständlichkeit aus die Menschen haben, wenn sie Macht über andere Menschen haben und sich nicht für Missbrauch rechtfertigen müssen.

    Meine Mutter ist Linkshänderin. Sie macht alles mit Links, außer Schreiben. Damals wurde sie noch geschlagen, wenn sie dafür die falsche Hand benutzt. Für mich unbegreiflich, wie man so mit Kindern umgehen kann.

    • Achso, hm, leider etwas Offtopic, du kannst den Kommentar hier auch gerne nicht freischalten.

      Ich wollte dir nur ein Feedback geben:

      „Aber, liebe Rechtshänder: Habe ich trotzdem kurz eure Aufmerksamkeit? Wo ich doch auch ein Bild gebastelt hab und alles?
      Ja? Cool. Dann schnell weiter, bevor ihr euch langweilt!”

      Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber hast du Lust dich auf einen Artikel oder eine Sache einzulassen, wenn du von Beginn an, derart von oben herab behandelt wirst?

      Ich kann zugegeben generell nicht verstehen, wieso man es bei feministischen Texten (womit nicht spezifisch du gemeint bist) so häufig findet, dass man die Zielgruppe des Textes … na ja missachtet würde ich sagen. Wenn man provozieren oder ranten will, kann ich das ja verstehen; aber das liegt hier ja nicht vor, denke ich?

      Wie auch immer; so wie ich das einschätze bin ich damit eher allein auf weiter Flur, aber ich wollt’s mal erwähnen.

      Grüße

      • „Ich kann zugegeben generell nicht verstehen, wieso man es bei feministischen Texten (womit nicht spezifisch du gemeint bist) so häufig findet, dass man die Zielgruppe des Textes … na ja missachtet würde ich sagen.“

        Von meiner Seite aus darf ich behaupten, dass ich das schon so gemacht habe, bevor ich Feministin war:mrgreen:

        Aber hier liegt ein Missverständnis vor: Rechtshänder sind nicht Zielgruppe des Textes, sondern alle. Nur hat mich die Erfahrung gelehrt (und Studien wie die anfangs erwähnte geben mir Recht), dass Rechtshänder sich für das Thema Händigkeit größtenteils nicht interessieren. Sofern meine Leserschaft allerdings den gesellschaftlichen Durchschnitt repräsentiert, also zu 85-90% aus Rechtshändern besteht, musste ich also davon ausgehen, dass viele einfach nicht weiterlesen, sobald sie sehen, worum es geht.

        Ich hab mir wirklich den Kopf zerbrochen, wie ich dieses Thema eröffnen kann, ohne direkt weggeklickt zu werden, denn es liegt mir wirklich am Herzen. Und ich hielt diesen provokativen Einstieg für gar nicht mal so schlecht.

        Als Mitglied einer Mehrheit muss man damit klar kommen, manchmal auch ein bisschen gestichelt zu werden😉

      • Wenn der Einstieg ostentativ (yeah! Endlich darfs ich mal benutzen) war kann ich die Absicht dahinter nachvollziehen und finde ich auch in Ordnung so.

        „Von meiner Seite aus darf ich behaupten, dass ich das schon so gemacht habe, bevor ich Feministin war :mrgreen:“

        Auf keinen Fall würde ich dir unterstellen, erst durch den Feminisimus zum Sticheln gekommen zu sein!😛

  10. Lefties represent!
    Ich bin auch Linkshänderin, zwar nicht um- , aber dafür komplett ungeschult. Linkshänderstifte, -scheren, etc? Nö, nie gehabt, was sich insofern auswirkt, dass ich ums Verrecken nicht damit umgehen kann.
    Ich hatte kürzlich einen linkshändigen Nachhilfeschüler und ich war komplett platt, was es nicht alles gibt. Der hatte das gesamte Sortiment, aber trotzdem ne fiese Sauklaue.😀
    Heutzutage gibt es ja sogar so Kurse, mit denen Linkis so schreiben lernen können, dass es nicht so aussieht, als würden sie sich gleich die Hand brechen (die berühmte Linkshänderkralle).

    Nichtsdestotrotz pfeift mich meine Mama immer noch an, wenn ich den Tisch auf Linki Art decke, wie sähe das denn aus, das Besteck liegt ja komplett falsch, ich könne mich doch nach der rechtshändigen Mehrheit richten. Worauf ich dann ganz gelassen mit Sitzstreiks und Transparenten kontere🙂

  11. Ich bin schon seit längerem stille Mitleserin, aber heute muss ich auch mal kommentieren.
    Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Mein Sohn ist Linkshänder in einer Familie von Rechtshändern. Bis jetzt war das nie ein Problem, weil er noch nicht in die Schule geht und im Kindergarten arbeiten darf wie er will. Allerdings ändert sich das jetzt so langsam.
    Angefangen bei den Schuhen, muss ich zugeben, dass ich es mir bis jetzt einfach gemacht habe. Wir haben ihm immer Schuhe mit Klettverschlusss geholt, da ich es einfach nicht hinbekommen habe, die Schleife mit links zu binden. Aber das ist eigentlich nicht in Ordnung! Ich werde mich jetzt hinsetzen und üben, bis ich meinem Sohn beibringen kann, wie er die Schleife richtig binden kann.
    Beim Lesen deines Beitrags ist mir klar geworden, dass ich mich mehr mit dem Thema auseinandersetzen muss, da auch wir immer mehr merken, dass Linkshändigkeit bei manchen Leuten tatsächlich wie eine Behinderung gesehen wird. Es ist daher unsere Aufgabe als Eltern dafür zu sorgen, dass unser Kind souverän mit diesen Leuten umgehen kann. Verrückt, ich hätte nicht gedacht, dass das noch Probleme gibt in der heutigen Zeit, aber ich habe das jetzt ebenfalls in mehreren Praktika jgesehen, dass Lehrer teilweise total überfordert sind, wenn plötzlich ein Linkshänder in der Klasse sitzt. Was macht man denn nun? Umschulen, soweit is man ja, is nicht mehr uptodate. Also bekommen die Eltern im Höchstfall eine Empfehlung doch Likshänderfüller,- blöcke etc zu kaufen, aber ansonsten wird das Thema ignoriert. Deshalb muss ich wohl mehr Zeit investieren für Dinge, die unsere Tochter so nebenbei gelernt hat, weil Rechtshänderin, wie zum Beispiel das Schleife binden. Danke also fürs Wachrütteln und für den Link zum Forum!

    Btw. schöne neue Farbe🙂

  12. Ich bin auch Linkshänderin!
    Und was für Eine😀
    Mit rechts kann ich echt fast gar nichts. Das geht so weit, dass ich beim Essen die Gabel natürlicjh links halte- Wenn ich etwas schneiden muss, muss ich das aber auch mit links machen. Also die Gabel in die rechte Hand. Aber mit rechts kann ich die Gabel schlecht nutzen, ich muss danach also zurücktauschen.
    Fazit: Ich schneide mir mein Essen wie für ein kleines Kind in Häppchen vor und nehme die Gabel dannwieder in die linke Hand!😀

    Ich wurde glückicherweise nicht umerzogen und habe auch Linkshänderartikel bekommen, wenn ich sie wollte.
    Am meisten freute ich mich über Linkshänderblöcke oder über gleichberechtigte Beidhänderblöcke (Ring oben, wobei das für manche Linkshänder auch nicht gehen würde).

    Letztes Jahr habe ich erst herausgefunden, dass ich nicht zu doof zum Stifte anspitzen bin, sondern dass das auch daran liegt, dass ich Linkshänderin bin- Das hätte ich echt nicht gedacht. Ich saß bei einer Freundin, deren Mutter Linkshänderin ist und die hat mir dann gleich einen Linkshänderanspitzer gezeigt und ich hätte am Liebsten den Bleistift am Stück kleingedreht, denn die Spitze ist NIE abgebrochen!! Das kann sich ein Rechtshänder vielleicht nicht vorstellen, aber ich hasse aspitzen, weil daaaauernd die Spitze abbricht und immer wenn ich denke „Jetzt! Einmal drehen noch und dann isses fertig!“ bricht die blöde Spitze ab und ich kann noch mal von vorn beginnen- Und das geht teilweise 3-4x so!

    Ich wollte früher auch sooo gern stricken und andere Handarbeiten lernen, aber in der Schule gab es das nicht und es hat auch keiner geschafft, es mir beizubringen. Jetzt habe ich ein Buch bekommen mit Fotos für Links- und Rechtshänder. Da kann ich dann immer auf die Linkshänderseite gucken🙂

    Bei vielen Dingen nutze ich aber bewusst keine Linkshändervariante- Zum Beispiel
    – bei der Gitarre. Gut, ich kanns nicht so gut (oder liegt das vllt genau daran?) aber mit einer Linkshändergitarre könnte ich nirgends mal die Klampfe in die Hand nehmen und was spielen…
    – der PC- Maus. Wie nervig war es in der Schule dauernd am Kabel zu rupfen, damit die Maus nach links kam.Das hab ich ganz schnell aufgegeben und ich komm ganz gut mit rechts klar. Aber manchmal merke ich doch, dass ich nicht alles so gut treffe
    – Scheren. Ich hab irgendwie so oft mit anderen Scheren geschnitten, dass ich die Linkshänderschere irgendwann ignoriert habe. Ich komme gut mit einer Rechtshänderschere zurecht. Das musste ich aber auch trainieren.

    Ein Kind meinte zu meiner Linkshänderfreundin während eines Praktikums im Kindergarten „Du bist nur Linkshänder, weil du was Besonderes sein willst!“
    Ja, das sind wir- Was Besonderes🙂

  13. Uff, I feel you, wenn auch nicht selbst, sondern über meine Mutter.

    Meine Mutter ist Baujahr ’49 und als sie geboren wurde, hatte ihr linker Arm Lähmungserscheinungen. Was tat mal also, um diesen Arm gebrauchstüchtig zu machen (das Mädchen sollte ja irgendwann mal arbeiten gehen und Geld für die Familie ranholen, geht ja mit einem Arm schlecht)? Man band ihr den rechten Arm auf den Rücken, der linke erholte sich prächtig und die linke Hand wurde zu ihrer richtigen… bis sie eingeschult wurde. Da band man ihr dann den linken Arm fest, und zwang sie, die rechte Hand zu benutzen. Sie hat uns sehr oft erzählt, wie unfassbar grausam sie das fand, und wie schrecklich es sei, Kindern das anzutun.
    Meine Mutter war bedingt dadurch immer „beidhändig“, sie konnte mit rechts und links schreiben, war links aber viel geschickter im Umgang mit Werkzeugen – bis sie einen Unfall hatte. Ihr linker Arm ist seitdem nutzlos – sie hat dort keinen Bizeps und keine Rotatorenmanschette mehr, und sie leidet (obwohl der Unfall schon 6 Jahre her ist) immer noch schrecklich drunter, jetzt schon wieder umlernen zu müssen, um auch mit der Rechten halbwegs elegant einen Löffel benutzen oder Brot schneiden zu können.

    Das einzige, was vielleicht auch nur ein bisschen positiv ist, ist dass auch meine Geschwister und ich mehr oder weniger beidhändig geworden sind. Mein ältester Bruder schreibt z.B. mit links genau so flüssig wie mit rechts (ich kann mit links nur rückwärts sauber schreiben).

  14. Sowas gibt es noch? Also auch 1991? Wow… Da bin ich etwas geplättet. Ich habe nie erlebt, dass jemand in meinem Umfeld wegen „Linksigkeit“ sich hätte irgendwas anhören müssen. Die einzigen Berührungspunkte – im wahrsten Sinne des Wortes – gab es, wenn man in der Schule als Rechtshänder links neben einem Linkshänder gesessen hat – aber das war ja schnell zu lösen… Ich dachte immer, diese Umerziehungsscheiße wäre seit der Generation meiner Eltern durch?!

  15. Hallo,

    ein interessanter Artikel. Auch ich bin umgedrehter Linkshänder und kann mich sehr gut an meine Schulzeit ab 1968 erinnern. Eigentlich eine Periode mit viel Reformen an den Schulen, gab es auch bei uns in der Familie die Diskussion um gites und schlechtes Händchen. Das führte sogar so weit, dass mein Vater mit seiner rechten Hand meine rechte führte. In der Schule gab es auch mal ein Lineal auf die linke, wenn ich damit schreiben wollte. Na ja, unsere Lehrer kamen teilweise noch aus einer ganz anderen Epoche, wo Rohrstockeriehung für das richtige Gedankengut sorgen sollte. Das Ergebnis war, dass es ständig Ärger gab, weil ich nie die genormte Schönschrift hinbekam. Das gab dann immer wieder Streit, weil ich mich angeblich nicht genügend angestrengt hätte.

    Das änderte sich erst, als eine Freundin, die in der Praxis bei einem Psychologen jobbte und meinte, probier doch mal die richige Hand aus, die Anlagen wären noch vorhanden. Heute mache ich vieles mit links, aber das händische Schreiben ist immer noch eine Katastrophe. Manchmal habe ich aber auch starke Steuerungsprobleme und „weiß“ oft nicht, mit welcher Hand ich Messer und Gabel nehmen soll, oder mit welcher ich die Kaffeekanne anfassen soll. Dann konzentriere ich mich auf links und dann geht es. Übrigens: Mein Vater war Linkshänder, meine Mutter Rechtsänderin.

    Heute hat man es leichter, weil die meisten Texte mit Computern entstehen und die Maus liegt links, was die Leute vom Support auf Arbeit immer etwas verwirrt🙂

    Selbst im hohen Alter und von Demenz geprägt musste ich mir von meinem Vater anhören, dass nach dem Abwasch die Tassen falsch herum im Schrank standen: mit dem Henkel nach links. Er selber war auch zwangsweise auf rechts getrimmt worden, beim Handwerken aber merkte man, dass er Linksherum war, denn den Hammer benutzte er immer mit der Linken.

    Ich dachte, dass man heute solchen Schwachsinn wie die Zwangsumschulung nicht mehr machen würde, anscheined ist dem aber nicht so.

    Liebe Grüße

    Manfred

  16. Danke für den Artikel. Sehr interessant.

    Bei mir sind die Symptome deutlich schwächer ausgeprägt. Als Grundschüler habe ich den Stift, die Schere und so fort immer zunächst in „die falsche Hand“ genommen und meine Eltern haben mich ermahnt, die Hand zu wechseln. Mehr war nicht nötig. Daran, dass mir alles viel schwerer fiel, kann ich mich nicht erinnern.

    Wir hatten ja auf Twitter mal kurz über dieses Thema gesprochen, weil ich schrieb, dass ich das Telefon immer links halte und das ganz praktisch ist, weil ich so die rechte Hand zum schreiben frei habe. Du, Robin, hast dann nachgefragt, ob ich umtrainierter Linkshänder bin, und ich war erstaunt, über diesen Treffer.

    Mir scheint es so, dass es auch die Händigkeit nicht binär ist. Ich habe offenbar eine Tendenz zur linken Seite aber keine großen Schwierigkeiten, mich umzustellen. Bei anderen ist es vielleicht deutlich stärker ausgeprägt. Kennst du da Untersuchungen zu, ob das stimmen könnte?

    Jetzt überlege ich nochmal, wie schon oft in meinem Leben, ob ich einmal beginnen sollte, meine linke Hand bewusst zu trainieren.

    • Es gibt natürlich auch Beidhändigkeit. Diese scheint allerdings sehr, sehr selten zu sein (man geht von unter 1% aus. Viele, die sich für beidhändig halten, sind einfach nur umgeschulte Linkshänder). Ich würde auch hier immer zu einem Händigkeitstest raten. Dir übrigens auch, nur das kann dir Sicherheit geben. Was du dann damit machst, ist deine Sache. Aber ich persönlich rate einfach jedem umgeschulten Linkshänder, sich wieder rückzuschulen. Wer weiß, das dabei rauskommt! Vielleicht hast du Nachteile, die dir gar nicht bewusst sind. Es ist so schwer, über das Thema zu reden, ohne Umgeschulten das Gefühl zu geben, sie in irgendeiner Weise für defizitär zu halten… Ich hoffe, den Eindruck vermittle ich bei dir nicht.

      Es gibt übrigens auch Linkshänder, die völlig ohne offenen Druck von außen umgeschult werden, sondern sich selbst durch Nachahmung auf rechts trainieren. 85-90% aller Menschen sind nun mal Rechtshänder, linkshändige Kinder mit lauter Rechtshändern in ihrer Kernfamilie keine Seltenheit. Durch „Abkucken“ erziehen sich viele Kleinkinder selbst um, ohne dass die Eltern das merken, und diese unterstützen das ohne böswillige Absicht z.B. dadurch, Malstifte etc. den Kleinen immer in die rechte Hand zu drücken.
      Ich war jahrelang der Ansicht, Leute, die sich so leicht umerziehen lassen, seien eigentlich keine richtigen Linkshänder, sondern höchstens beidhändig, aber inzwischen bin ich davon abgekommen.

      Im Linkshänderforum gab es auch schon Diskussionen um Beidhändigkeit: klick

    • „Wir hatten ja auf Twitter mal kurz über dieses Thema gesprochen, weil ich schrieb, dass ich das Telefon immer links halte und das ganz praktisch ist, weil ich so die rechte Hand zum schreiben frei habe.“

      Das ist bei mir genauso und ich habe mir niemals Gedanken darum gemacht, weil ich ansonsten alles mit rechts mache (außer rauchen, fällt mir grade ein, das ist auch meistens links), bzw keine Schwierigkeiten damit habe.

      • Naja, aber ich weiß ja zusätzlich, dass ich als Kind immer ermahnt wurde, die rechte Hand zu benutzen. War hat Thema in der Familie. Dann denkt man über sowas nach.

      • Nur weil man den Telefonhörer links hält, ist man ja noch lange kein Linkshänder, ob umgeschult oder nicht. Das ist ja keine Tätigkeit, die Feinmotorik erfordert. Ich halte ihn auch oft rechts, wenn ich nebenbei noch was anderes mache (schreiben oder rauchen). Ansonsten aber immer links, rechts wirkt unbequem. Wie ich bei Joachim darauf kam, dass er umgeschult ist, weiß ich nicht mehr, aber ich hatte ja offensichtlich recht ^^

  17. ich wollte mich auch nicht als umerzogenen Linkshänder outen ^^ , nur diese Erfahrung bestätigen. Ich telefoniere auch IMMER links, auch wenn ich nebenbei nichts mache. Rechts wirkt bei mir, ja wie du sagst unbequem. Ich hab das Gefühl ich halte das Telefon nicht richtig am Ohr, klappt einfach nicht. Auch das Telefon zwischen Schulter und Ohr einklemmen, wenn ich beide Hände nebenbei brauche, geht nur mit links.

    • Moin ihr beiden,
      es ist eben recht komplex, weil wir ja nicht mit allen Fähigkeiten auf die Welt kommen, sondern sie erlernen. Es dürfte im Einzelfall schwer nachzuweisen sein, ob wir den Höhrer links halten, weil die linke unsere „natürliche Seite“ ist, oder weil wir es schlicht so trainiert haben.

      Ich habe am Wochenende mal versucht, Gemüse mit Links zu schneiden. Es war schwierig. Langsam und ungeschickt. Mehr als dreißig Jahre Messer-mit-Rechts-nutz-Training wird nicht durch eine vielleicht angeborene Stärke der linken Seite übertrumpft. Deshalb bin ich auch etwas skeptisch, ob umtrainieren nicht mehr Schaden anrichten würde als nutzen. Warum sollte ich bei Dingen, die ich schon kann, nochmal von vorn anfangen?

      • Das musst du selber wissen – und vor allem erst mal nen Test bei einem Experten machen😉 Der kann dir mehr sagen als ich.

        (sorry übrigens, das Kommentar ist mir irgendwie durchgerutscht, deswegen hat’s so lange gedauert mit freischalten)

  18. Ich werde Linkshänder. Alles mit links machen. Umdenken. Es geht. Man kann sich das selbst beibringen! Links oder Rechts. Beides Hände. Ich weiß es. Arbeite schon mit der linken Maus. Schreiben ist noch schwer, aber ich werde es schaffen! Viel Glück

      • Blickwechsel. Hab mir das rechte Handgelenk geprellt. Gar nicht so einfach die linke Maus zu benutzen und ne Flasche mit der anderen Hand aufzuschrauben. Aber mit ein bißchen Geduld kriegt man das auch hin. Um so größer die Freude, wenn man schafft, was man für unmöglich hält. Schon mal ne Flasche mit der rechten Hand aufgeschraubt?

      • Blickwechsel? Na gut, wenn’s sein muss. Und ja, natürlich habe ich auch schon Sachen andersrum gemacht – dank einer Handverletzung im Kleinkindalter, die diverse OPs (auch heute noch) nach sich zog, gibt es immer wieder Phasen, in denen ich die verkehrte Hand nehmen muss, die andere ist ja bandagiert oder in Schienen. Auch Stricken und Häkeln habe ich „normal“ gelernt. Während es mich beim Stricken nicht stört, fühlt sich Häkeln damals wie heute falsch an.

  19. Habe mir jetzt die ganzen Kommentare nicht auch noch durchgelesen.😉
    Bin ein fast-umgeschulter Linkshänder. Da ich aber anscheinend schon immer etws rebellisch war, ist es bei mir nur oberflächlich gelungen. In späteren Jahren – im Teenageralter – bin ich dann immer mehr auf links zurückgeschwenkt.

    Bei mir war es aber soweit, dass ich fast mit rechts geschrieben habe, da ich elterlicherseits zum Schreiben mit rechts gezwungen worden bin. Ich musste meine Hausaufgaben bei geöffneter Türe machen, damit meine Eltern mich leichter kontrollieren konnten, ob ich mit der „falschen“ Hand schreibe.
    Durch diese ganzen Umerziehungsversuche, bin ich etwas „durcheinander“ was meine Handnutzung anbelangt. Ich schreibe mit links, Schneide mit rechts mit Scheren, Brote schneide und schmiere ich mit links, Schlagzeug spiele ich wiederum mit rechts, fange aber gerade an, auch hier ab und zu einmal umzustellen usw.

    Es gab Zeiten, da konnte ich mit links normal und gleichzeitig mit rechts in Spiegelschrift schreiben. Spiegelschrfit schreiben war sowieso als Kind eine „besondere“ Fähigkeit von mir. Das zeigt aber einzig und allein, wie verwirrt mein Gehirn war. Es war ja nichts, was ich absichltich beherrscht habe. Es war eine Fähigkeit, die entstand, weil mein Hirn verwirrt war.
    Ich nehme auch an, dass ich wegen der ganzen Umerzieherei einige Macken habe. Ich leide z. B. unter Konzentrationsschwächen und Einschlafstörungen. DAS aber könnte auch mit meinem Dasein als HSP zusammenhängen.

    „Alle Maschinen sind für Rechtshänder ausgelegt! Der Junge muss das mit der linken Hand abgewöhnt bekommen!“ Das ist ein hochgradig intelligenter Satz meines Vaters, der mich nachwievor begleidet, wenn ich über die Dummheit der Menschen nachdenke.😉

    Was mich an Deinem Artikel erschreckt hat, dass sich diese ekelhaft Unsitte bis heute gehalten hat. Ich dachte, das sei bei mir schon alles recht spät gewesen. (Ja, ich bin ein alter Sack *1973). Das zeigt aber wieder, dass der Mensch ewig und gerne dumm bleiben wird.

    Die einzigen auffälligen Probleme, die ICH mit meinem Linkshänder-dasein habe, ist die Tatsache, dass es MIR schwerfällt, meinem Sohn der Rechtshänder ist einige Sachen beizubringen, weil ich immer umdenken muss. Gut, aus dem Alter ist er jetzt raus, dass ich ihm da etwas beibringen muss, aber die Zeiten gab es. Obwohl es auch schon lustig war, zu sehen, wie doof man sich beim einfachen umdrehen von Dingen anstellen kann.😀

    Ich finde meine Linkshändigkeit passt zu mir. Ich denke, Deine Linkshändigkeit passt auch zu Dir. Sie macht uns zu etwas besonderem.😉

  20. Bin durch eine Bekannte auf den Blog gestoßen und wollte nur verlauten lassen, dass zumindest an der uni Würzburg da in jeder Schriftspracherwerbsveranstaltung (sei es eine Vorlesung oder ein Seminar) etwas erwähnt worden ist, weswegen ich mich trotz Rechtshändigkeit recht gut mit dem Thema Linkshänder auskenne, wie ich finde. Ich finde es auch richtig und wichtig, dass da so viel dazu kommt, da es mit „Umschulung? Hell no“ ja doch nicht ganz getan ist. Den Kindern muss auch erlaubt werden, das Blatt schräg zu halten um überhaupt eine ergonomische Schreibhaltung zu ermöglichen. Wie genau Linkshänder schreiben sollten damit es ergonomisch ist, wissen nämlich oftmals die „Betroffenen“ auch nicht. Einem Rechtshänder würde es genauso gehen, würde es ihm nicht anerzogen werden. Um das den Linkshändern genauso anerziehen zu können, müssen halt aber auch die Lehrer Bescheid wissen. langer Rede, kurzer Sinn: In EWS kommt sowas nicht vor, in Grundschuldidaktik durchaus, es gibt also Hoffnung für die Zukunft😉 Hilft allen nicht, die aktuell (noch) drunter zu leiden haben, aber immerhin werden Eltern immer seltener auf Urzeitdinosaurier ohne Ahnung von Händigkeit treffen🙂

    • Hi,

      ja klar, mit „Hell no“ ist es wohl tatsächlich nicht getan, aber versuch das mal aus meiner Perspektive zu sehen: Linkshänder sind es gewöhnt, dass ihre Bedürfnisse ignoriert werden, was blöd ist, aber Ignoranz ist immer noch besser als ne Umschulung😀

      Ich weiß zum Beispiel noch, was es immer für ein Akt war, wenn wir in bestimmten Räumen nicht an normalen Schulbänken saßen, sondern an diesen, ähm, Highschool-Stühlen, die eine angeschraubte Schreibfläche für jeden Sitz haben.
      Leider ist genau diese Schreibfläche für Linkshänder auf der falschen Seite! Man hat überhaupt keine Möglichkeit, seinen Arm beim Schreiben zu stützen, weil da links einfach nichts ist. Lösung: Entweder auf einen Linkshänderstuhl bestehen (was immer viel zu aufwendig war) oder zwei Stühle besetzen. Dann konnte man auf der Schreibfläche des Stuhles neben sich schreiben, was aber auch nicht so wirklich bequem war…

      Aber schön, dass die Ausbildung dahingehend besser wird🙂

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