Es ist Hass.

Ich werde nie wieder in diesem ganz bestimmten großen deutschen Elektrofachmarkt, der hier ungenannt bleiben soll, irgendetwas kaufen. Nicht mal eine einzige verschissene Glühbirne. Denn ich habe endlich das Problem erkannt. Die hassen mich einfach.

Aber der Reihe nach.

Mittwoch, halb 8 abends. Ein Piepsen und mein Bildschirm wurde schwarz. War ja nur schon das dritte Mal an diesem Tag. Angepisst starrte ich mein Ladekabel an, das seit Wochen irgendein Scheiß-Problem hat und ständig Überspannung oder sowas in der Art erzeugt, wenn ich den Laptop irgendwie falsch bewege. Folge eben: Er geht aus.
Die Aussicht, Geld ausgeben zu müssen, sowie meine absolut galoppierende Faulheit hatten mich bisher davon abgehalten, dagegen etwas zu unternehmen. Aber jetzt reichte es, das ging so nicht weiter. Also schnell angezogen und in den Laden gestiefelt, solange er noch offen war.

Ich fragte einen Verkäufer, welches Kabel für mich das richtige ist, und zeigte mein altes her. Der bot mir ohne zu zögern ein Teil für 30 Euro an. Seufz. Aber gut. Bezahlen und nach Hause.

Wo ich sehen musste, dass das Kabel für meinen Laptop eine völlig falsche Voltzahl hat.

Es folgte ein Wutanfall epischen Ausmaßes. Am Ende saß ich mit starren Blick auf meiner Couch, rauchte eine Zigarette – und wanderte den Pfad der Erinnerung entlang. Rief mir all die Konfrontationen mit diesem ungenannten Elektrofachmarkt zurück ins Gedächtnis, von denen jede einzelne einfach nur ein gigantischer Tritt in den Arsch gewesen war. Es gab nicht ein positives Erlebnis.
Im Gegenteil. Im Gegenteil…

 

Ich bin…

froh, als ich die großformatige Anzeige entdecke, die mit einem vielversprechenden Angebot aufwartet. Der große deutsche, ungenannte Elektrofachmarkt bietet Ratenzahlung für Elektrogeräte, Null Prozent Zinsen, Laufzeit über zweineinhalb Jahre.
Es ist das Jahr 2011, es ist Winter und ich bin verzweifelt. Ich bin nämlich blank. Aber sowas von. Ich kriege Studienkredit, aber das reicht kaum, um über die Runden zu kommen. Ich finde einfach keinen Nebenjob, der diesen Umstand etwas entschärfen könnte. Dafür ist, Halleluja, mein Laptop am Verrecken. Gerade erst hatte mein Cousin ihn wieder soweit flott gemacht, dass er noch ein paar Monate hält… vielleicht. Nun brauche ich aber einen Laptop. Ich studiere ja. Und außerdem kucke ich gerne Youtube und so.
Die Möglichkeit, einen neuen Laptop auf Raten zu kaufen ist DIE Lösung. Ich würde mir natürlich ein billiges Modell aussuchen, mein jetziger hat gerade mal 300 Euro gekostet und der hat mir immerhin gute Dienste geleistet… das wären 10 Euro pro Monat…

Ich sehe mir auf meinem ächzenden Klapp-PC die Konditionen im Internet an, weil ich nicht glauben kann, dass eine solche Finanzierung so einfach sein soll. Aber dort steht nichts anderes als auf der Plakatwand. Scheint ja alles supereasy zu sein. Komisch kommt mir das zwar vor, aber wenn die das Risiko eingehen wollen – warum zur Hölle sollte ich mich da beschweren?

Ich betrete den Laden, lasse mich beraten. Suche mir ein günstiges Modell aus. Rede mit dem netten Verkäufer. Der will den Deal direkt perfekt machen und verlangt nach meinem Ausweis.
Verdammte scheiße, denke ich. Mein Personalausweis ist abgelaufen, vor ein paar Wochen schon. Ob das wichtig ist?
„Jaaa, schon…“ meint er bedauernd. Und damit war es vorbei. Ohne gültigen Personalausweis kein neuer Laptop. Dann müsse ich wohl wieder kommen, wenn ich einen neuen habe.
„Aber… sonst geht das alles ganz einfach? Ich brauch nur einen neuen Perso?“
„Ja.“

Leider dauert sowas ja ewig und das Angebot besteht nicht lange. Was tun? Naja, da gibt es ja diese vorläufigen…!
Ich checke meine Barschaft und sehe, dass ich mir momentan keinen neuen Perso leisten kann, zumindest nicht, wenn ich vor habe, die nächste Woche noch was zu essen. Meh. Aber ein vorläufiger ist gerade noch im Bereich des Möglichen… also auf zum Rathaus.
Ich frage die Beamtin, bei der ich die Formulare ausfülle, darüber aus, ob ein vorläufiger Perso denn genauso gültig ist wie ein richtiger. Sie ist unwirsch, glaubt wohl, ich wolle in irgendeiner Weise den deutschen Bürokratieapparat angreifen. Aber sie bestätigt das. Ein vorläufiger Perso ist genauso gültig wie ein richtiger auch.

Der Elektrofachmarktverkäufer sieht das anders. „Das geht so nicht.“
„Aber der ist gültig!“
„Das ist egal, ich kann das so nicht machen…“

Der Typ ist so nett und bedauernd, da will ich nicht flippen. Aber ich bin schon sauer. Stinksauer. Trotzdem schleiche ich ohne größeren Protest aus dem Laden. Ich hatte 10 Euro für den vorläufigen Personalausweis bezahlen müssen. Und als ich Monate später den richtigen machen lasse und nochmal nachfrage, ist die Beamtin NOCH angepisster. „Natürlich zählt das und die hätten den annehmen müssen, ABER DAS IST DOCH NICHT UNSERE SCHULD!!“
„Äh, hab ich ja auch nicht gesagt, ich wollte nur…“
„Das ist ein amtliches Ausweisdokument der Bundesrepublik Deutschland! AMTLICHES – AUSWEISDOKUMENT!!“

Ich kapituliere. Sauer bin ich aber immer noch.

Dann…

ist es Sommer und ich stehe wieder vor dem großen deutschen, ungenannten Elektrofachmarkt. Eigentlich möchte ich nach Hause in die alte Heimat, denn ein Kumpel hat Geburtstag… aber vorher muss ich noch das hier hinter mich bringen.

Ich möchte nicht. Ich weiß genau, wie diese Art Jobs laufen. Wie furchtbar die sind. Hatte fast zwei Jahre einen ähnlichen. Aber ich bin immer noch blank und habe keinen Job. Ein halbes Jahr Suche war leider nur enttäuschend, scheiterte größtenteils an meiner Immobilität, denn die meisten Arbeitsstellen konnte ich einfach nicht erreichen oder kam von dort nach Feierabend nicht mehr heim. Zwar hab ich da morgen diese Probeschicht in dieser Kneipe, aber naja…

Ich seufze und trete an den Infoschalter. Trage mein Anliegen vor. Die Schaltertussi beäugt mich von oben bis unten und gibt mir dann ein Formular für die Aushilfsstelle als Kassiererin. Wie lange es dauert, bis ich Antwort habe, frage ich. Und ob sich denn schon viele beworben hätten.
„Sie werden angerufen,“ lautet die lapidare Antwort. Sie sieht wohl den verräterischen Schimmer in meinen Augen nicht. Oder sieht ihn doch und ist absichtlich so kurz angebunden, die blöde Kuh.

Mehrere Stunden Zugfahrt liegen vor mir. Ich steige gerade an meinem Heimatbahnhof aus dem Zug, als mein Handy klingelt, unbekannte Nummer. Ich gehe ran. Es ist der ungenannte Elektrofachmarkt!!
„Ich habe gerade Ihre Bewerbung gesehen. Können Sie morgen zum Vorstellungsgespräch kommen?“
Was… morgen? Es ist Freitag. Morgen ist Samstag. Und ich bin ja gerade nach Hause gefahren…
„15 Uhr?! Schaffen Sie das nicht!?“ klingt es schon ziemlich ungeduldig, als ich ihr die Situation schildere. Boah, 15 Uhr, dann muss ich total früh aufstehen, muss dann ja noch heim und duschen und mich irgendwie vorzeigbar herrichten, und das nach einer Geburtstagsparty…!
„Geht es… geht es nicht auch ein bisschen später?“ frage ich eingeschüchtert nach. Mein Gott, ich brauch einen Job, aber die Leute am Wochenende herbeordern, Mann…
Die Frau ist unwirsch, aber wir einigen uns auf 16 Uhr. Immerhin.

Der nächste Tag ist stressig, ich bin nicht ausgeschlafen und verkatert. Eigentlich wollte ich viel später heimfahren, die Probeschicht in dieser Kneipe hab ich nämlich erst um Acht. Aber wenn ich den Job kriege, muss ich da ja vielleicht gar nicht mehr hin…

Die Frau wirkt arrogant, lässt mich ein Formular ausfüllen. Der Inhalt löst bei mir Stirnrunzeln aus. „Entschuldigung, ich soll hier meinen letzten Bruttolohn eintragen… aber ich hab bisher ja immer nur 400-Euro-Jobs gehabt, also keine Steuern bezahlt, also gibt’s da ja kein Brutto…“
„Schreiben Sie halt das hin, was Sie bekommen haben,“ schnarrt sie unwillig.
„Ja, aber… hier steht doch Brutto. Wenn ich jetzt meinen Lohn hinschreibe, der ja eigentlich Netto war… soll ich vielleicht „Brutto“ durchstreichen und…“
„Nein nein, schreiben Sie einfach den Nettolohn hin.“

Ich will eigentlich noch viel mehr sagen, aber schließlich kritzle ich unwillig sechs Euro 17 hin (sechs – Euro – siebzehn, Leute.). Wenn das wirklich jemand für Brutto hält, was denkt der dann, was ich Netto bekommen habe? Vielleicht noch knapp vier Euro? Und überhaupt, was geht die das eigentlich an?! Das ist doch nur ein Nebenjob!!
„Ähm, wie viel… wie viel ist denn der Stundenlohn?“
„Das kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen. Aber ich versichere Ihnen, es ist mehr als 6 Euro 17.“
Na, das heißt ja nicht viel, Alte… und wie läuft das überhaupt? Sehen die sich erst an was ich da hingeschrieben hab und entscheiden dann darüber? Denken die sich vielleicht in dem Fall „na, DIE hat sich ja mal schön verarschen lassen, da müssen wir nicht viel drauflegen!“ Und sitze ich dann am Ende an Kasse 2 und krieg sechs-fuffzig und die Tussi an Kasse 4, die schlau genug gewesen war beim Ausfüllen zu lügen kriegt zwei Euro mehr oder was?!

Wir unterhalten uns. Ich bin zwar schüchtern, aber ich glaube, ich mache einen ganz passablen Eindruck. Jedenfalls wirkt sie so, als würden die wirklich ganz dringend Leute suchen. Sie erklärt mir dann auch gleich schon, wie das läuft.
„Wir haben viele Studenten. Jetzt sind bei euch ja Ferien, da verlangen wir gerade in der Einarbeitungszeit Vollzeit. Danach, wenn die Vorlesungen wieder beginnen, dann 20 Stunden die Woche.“
Ich schrumpfe auf meinem Stuhl ein bisschen zusammen. 20 Stunden jede Woche kommt mir arg viel vor. Vor allem bei einer so unglaublich geistlosen Tätigkeit. Irgendwie, irgendwann muss ich ja auch noch studieren.
„Sie werden zuerst mit der Kasse vertraut gemacht. Zuerst werden Sie nur zusehen, dann auch mal selbst abkassieren und eine Kollegin sieht Ihnen dabei über die Schulter. Das dauert insgesamt so drei Wochen. Und dafür werden Sie nicht bezahlt.“
Sie sieht wohl, wie mir alles aus dem Gesicht fällt, denn sie setzt noch hinzu: „Manche schaffen es auch in zwei.“

Der Teil von mir, den ich normalerweise wirklich sehr schlecht unter Kontrolle habe, der aber gerade genauso sprachlos ist wie der Rest von mir, will aufspringen und „Fick dich und deinen Ausbeuterbetrieb, du beschissene Bonzentussi!!!“ brüllen. Aber ich bin wirklich komplett erstarrt.

Sie schlägt die Beine übereinander und bedenkt mich mit einem Blick, der wohl auf eine seriöse Art irgendwie gutmütig wirken soll. „Aber dafür geben wir Ihnen auch etwas mit, was Ihnen keiner mehr nehmen kann. Wenn Sie mit diesem Kassensystem vertraut sind, dann können Sie überall damit arbeiten. Das können Sie dann zum Beispiel auch in Ihren Lebenslauf schreiben.“

Oh, ja, ganz genau. Dafür studiere ich und häufe zehntausende Euro Schulden an, damit ich für den Rest meines Lebens an einer beschissenen Kasse sitze, du dumme Sau!!

Vielleicht erwartet sie, dass ich mich bedanke für diese einmalige Chance, aber ich kriege immer noch keinen Ton heraus. Deshalb erhebt sie sich, um den zweiten Chef zu rufen, mit dem ich auch noch reden soll. Ich warte sicher zehn Minuten, obwohl sie nur nebenan ist, bis sie zurück kommt. „Der ist gerade beschäftigt. Können Sie vielleicht nächste Woche nochmal kommen?“

Uh yeah, dafür bin ich extra vier Stunden früher als geplant zurück gekommen. An einem Samstag. Damit der Chef, der offensichtlich da ist, aber wohl telefoniert oder sowas, keine fünf Minuten Zeit für mich hat.
Ich sage, dass ich gerne wieder komme.
Sie verabschiedet mich mit einem herablassenden Blick auf meine Füße. „Ziehen Sie dann aber besser andere Schuhe an. Der Herr Müller ist da etwas empfindlich. Mit denen werden Sie hier nicht arbeiten können.“ – Denn es gibt ja für eine Kassiererin NICHTS wichtigeres, als hübsche Schuhe zu tragen, die hinter der Kasse keine Sau sieht. Ist klar, Chefin! IST KLAR!!!

Gott, wie habe ich schon jetzt mehr keinen Bock auf diese Scheiße. Aber ich bin arm, ich brauche den Job! Und ich bin fast sicher, dass ich ihn in der Tasche hatte. Aber eben nur fast. Das heißt, mir steht heute Abend noch was bevor.

Die Probeschicht in dieser Kneipe läuft dann überraschend super. Es ist ein langer Tag gewesen und ich bin ja IMMER noch verkatert, aber bis auf ein paar kleinere dumme Fehler, die auf meine momentane Verpeiltheit zurück zu führen sind, weiß ich, dass ich gut arbeite. Spaß macht es auch. Und die Kellnerin, die mir alles zeigt, ist voll nett.
„Probeschicht?“ meint sie ungläubig, als ich sie am Ende bang frage, ob sie meint, dass ich Chancen auf den Job habe, „wir machen keine Probeschichten. Das war deine Einarbeitungsschicht. Der Chef nimmt eigentlich jeden, außer du stellst dich richtig blöd an. Aber war doch okay, du bist dabei!“

Ich bin sprachlos. Dann heule ich fast vor Glück. Und das ist der Beginn einer Legende!!! Aber darum soll es hier nicht gehen…

Ich soll am nächsten Dienstag meinen zweiten Vorstellungstermin in dem ungenannten Elektrofachmarkt haben. Ich kann kaum den Montag abwarten, um anzurufen und abzusagen!
Aber der Laden kommt mir zuvor. Ich liege noch im Bett, als das Telefon sehr früh am Montagmorgen klingelt. „Sie hatten am Samstag ein Vorstellungsgespräch und sollten morgen wieder kommen…“ Ich kann an der Stimme der Telefonfrau hören, dass sie den Termin verschieben will, doch ich unterbreche sie. „Ich wollte heute sowieso anrufen, um abzusagen. Ich habe etwas anderes gefunden und nun keinen Bedarf mehr.“
Die Telefonfrau ist absolut perplex, was ein weiteres Zeichen dafür ist, dass sie mir nur einen neuen Termin geben wollte und nicht etwa eine Absage. Sie stammelt noch was, dann wird aufgelegt.
Ich drehe mich in meinem Bett auf die andere Seite, schließe die Augen wieder und grinse so breit, dass ich fast meine Ohren verschlucke. Dieser Scheißladen hat mich nicht gekriegt mit seinem Scheißkassensystem und seiner beschissenen Chefin und überhaupt alles Scheiße!

Okay, das ist eigentlich doch wenigstens zum Ende hin eine so richtig schön befriedigende Erinnerung.

Aber…

es ist Herbst und ich stehe wieder in diesem großen deutschen, ungenannten Elektrofachmarkt. Es gibt wieder dieses Angebot, diese Null-Prozent-Finanzierung. Ich habe zwar jetzt einen Job, aber noch nicht genug gespart für einen neuen Laptop, deswegen möchte ich das Angebot in Anspruch nehmen. Einen neuen Perso habe ich ja jetzt!

Dieses Mal komme ich bis zum Infoschalter mit dem eingepackten Laptop, bis ein Problem auftaucht. Wieder ist die Bürokratie Ursache. Die Schaltertussi fragt mich viele Dinge und gibt sie in ihren Computer ein, bis sie auf eine Antwort von mir plötzlich die Stirn runzelt. „Sie arbeiten seit Juli in Ihrem Betrieb?“
„Jaaa,“ antworte ich und kann gerade noch verhindern, das Kinn rauszustrecken und den Kopf zurück zu werfen. Mein Leben hat sich zu dreihundert Prozent verbessert, seitdem ich endlich einen Job habe.
Sie lässt die Hände von der Tastatur fallen. „Dann können Sie das Angebot nicht wahrnehmen. Sie müssen dafür mindestens ein halbes Jahr in Ihrem jetzigen Betrieb beschäftigt sein.“
Meine Gesichtszüge erstarren. „Ach?“
„Ja,“ antwortet sie – und verliert augenblicklich das Interesse an mir.

Wieder mal sieht man mich perplex. Als ich wieder sprechen kann, sind meine Augen Schlitze. „Verzeihung, ich werde gerade ein bisschen sauer. Das ist das dritte Mal, dass ich wegen dieses Angebots hier bin, und niemand hat mir je gesagt, dass ich dazu erst ein halbes Jahr angestellt sein muss.“
„Ist aber so,“ meint die Tussi gelangweilt.
„Davon findet sich auch NICHTS auf eurer Internetseite.“
„Natürlich nicht. Das kommt ja nicht von uns, sondern von *hier Name eines großen deutschen Bankinstituts einfügen*“
„Ja, na und? Warum sagt ihr das den Leuten nicht? Warum schreibt ihr die genauen Konditionen nicht wenigstens auf eure Internetseite?!“
„Wie gesagt, kommt nicht von uns. Das sind ja nicht unsere Konditionen.“
„UND?! Wenn ihr *Name des großen deutschen Bankinstituts* als Partner habt und die sowas verlangen, damit man das Angebot nutzen kann, dann sind das genauso EURE Konditionen!“
„Dürfen wir nicht.“
„So ein… und warum konnte mir das BIS JETZT niemand sagen? Ich hab extra gefragt, was ich dafür alles brauche!“
Sie zieht die Schultern hoch. „Gehen Sie doch mal zu Ihrer Bank und versuchen Sie, ohne einen solchen Nachweis einen Kredit zu kriegen.“
„Danke, aber ich HABE bereits einen Studienkredit!“
„Ah, ja,“ meint sie gleichgültig, löscht mit einem Mausklick die angefangene Datei und beginnt, sich anderweitig zu beschäftigen.

Und ich? Gehe dann einfach, bevor ich über die Theke und der Tussi ins Gesicht springe. Sowas tut man ja nicht. Und das ist der Moment, in dem ich diesen großen deutschen, ungenannten Elektrofachmarkt wirklich zu hassen beginne.

Trotzdem…

betrachte ich ein halbes Jahr später die Laptops und lasse mich von einem Verkäufer beraten. Zwar läuft mein jetziger Laptop immer noch, aber nur die Götter wissen wieso. Ich will nicht darauf warten, bis er nun endgültig den Geist aufgibt, hab ich doch nun tatsächlich genügend Geld gespart, um auf dieses beschissene Finanzierungsangebot nebst der damit einhergehenden irreführenden Werbung nicht mehr angewiesen zu sein.
Der Typ hatte mir zwei Modelle gezeigt, die beide meinen Ansprüchen genügen. Es sind die billigsten und kleinsten Modelle im Laden, das eine zwanzig Euro teurer als das andere. Viele Unterschiede haben sie nicht, jedenfalls nichts, was ich als ausgewiesener PC-Blödi erkennen könnte, aber ich tendiere dennoch zum teureren Modell, was ich aber wohlweislich für mich behalte. Schließlich habe ich mich im Geiste entschieden, nur Geld habe ich nicht dabei. Der Verkäufer steht abwartend neben mir. „Ich komme morgen wieder, bis dahin weiß ich, welchen ich nehme. Wollte heute nur mal kucken…“
Der Verkäufer lächelt daraufhin hintergründig. „Jaaa, kommen Sie besser morgen wieder…!“
Ich starre ihn an, verunsichert. Was versucht er mir da zu sagen? „Äh… warum?“
Er lächelt einfach nur weiter. Hm. Mein Hirn rattert und kommt schließlich zur einzigen Erklärung, die mir logisch erscheint. „Sind… sind die morgen im Prospekt? Sind die dann billiger?“
„Hm, sowas darf ich nicht sagen…!“
Ich starre ihn noch ein bisschen an. Lächle dann schließlich auch vorsichtig. Er lächelt zurück. Verschwörung, Baby, sagt dieser Blick.

Ich gehe nicht heim, ich hüpfe. Dabei versuche ich mir vorzustellen, wie viel die Laptops wohl runter gesetzt wären. Dreißig Euro vielleicht? Oder gar fünfzig?

Ich kann den nächsten Tag kaum erwarten. Das ist wirklich ein großes Ding für mich, nach dieser langen Zeit am Hungertuch mir wieder was großes leisten zu können! Aber natürlich hab ich NICHTS dagegen, wenn es dann plötzlich doch billiger kommt als erwartet…!

Ich eile durch die Reihen, dort hin, wo ich gestern vor den Laptops stand. Blicke mich suchend um, vielleicht nach sowas wie einem extra arrangierten Angebotstisch. So was ist nicht da. Was auch nicht da ist: Das billigere der beiden Modelle, das ich mir angesehen habe. Und das andere ist nicht günstiger. Keinen Cent.

Ich spreche einen Verkäufer an, einen anderen als den von gestern. „Entschuldigung, ihr hattet da gestern noch ein Modell hier stehen, wo ist das denn jetzt…?“
Der Verkäufer blickt über die Reihen. „Ach, hm. Was da nicht mehr steht, wurde aus dem Programm genommen. Wir haben heute ein bisschen umgebaut.“

Ich fühle mich, als hätte mir jemand gerade einen Baseballschläger in den Magen gerammt. Den Weg nach Hause über bin ich wie betäubt. Ich kann das einfach nicht glauben.
Warum? Warum hat mich dieser Verkäufer so verarscht? Hatten wir nicht einen unausgesprochenen Deal gehabt? Du und ich gegen das Corporate Business, die Bonzen da oben, die Laptops für ein paar Cent pro Stunde von Kindern in irgendwelchen Dritte-Welt-Ländern zusammen schrauben lassen, um sie uns für das hundertfache des eigentlichen Wertes zu verkaufen? Stattdessen… gibt mir missverständliche Signale, damit ich einen Tag später wieder komme und den teureren Laptop nehmen MUSS? Absichtlich? Ist das nicht unglaublich bösartig?

Ich trotte mit gesenktem Kopf dahin und zweifle an der Menschheit. Vor allem an dem Teil, der in diesem ungenannten Elektrofachmarkt arbeitet.

Schließlich…

habe ich nun endlich einen neuen Laptop. Und ich bin wahnsinnig, wahnsinnig unzufrieden.
Die Mitbewohner lachen über meine Flucherei. Wenn ich einen Laptop gewollt hätte, der genug Arbeitsspeicher hat, um so abwegige, technisch höchstanspruchsvolle Seiten wie Google aufzurufen, ohne dafür drei Stunden zu brauchen, dann hätte ich mir halt einen Mac kaufen sollen. Dass ich, trotz Job, immer noch kein Geld zum Scheißen habe, interessiert sie nicht, diese ekelhaften Bonzenkinder. Und auch nicht, dass mein anderer Laptop, inzwischen mehr als nur ein bisschen derangiert, immer noch läuft, obwohl er auch nicht teurer gewesen war.

Aber ich traue ihm einfach nicht mehr. Manchmal macht er einen Krach, als würde er jeden Moment explodieren. Deswegen fange ich auf dem neuen Laptop an, die Literatur für meine Abschlussprüfung in meinem dritten Fach zusammen zu fassen, wobei er zwar auch Ewigkeiten braucht, aber die Sicherheit, Mann, die Sicherheit.

Ich benutze ihn etwa zwei Wochen, dann stoße ich damit gegen die Kante meiner Kommode. Und der Bildschirm friert ein.

Ja, so ist das halt. Mein alter Laptop ist mir mindestens achtzigmal von meiner Couch gefallen. Dem hier zerknallt es die Festplatte, wenn man nur einmal kurz in seine Richtung hustet!!!

Aber ich habe ja noch Garantie. Und vielleicht kann man wenigstens die Daten noch retten, die ich so dringend brauche zum Lernen. Also erneut ein Gang in den großen deutschen, ungenannten Elektrofachmarkt.

Ich schildere der unfreundlichen Frau beim Reparaturservice das Problem, frage schließlich vorsichtig nach, ob bei der Reparatur die Daten von der Festplatte gerettet werden.
„Tze, nein. Das können wir GERNE in Auftrag geben, aber das kostet dann so 800 bis 900 Euro.“
Das Ganze in einem Ton, in dem sie auch „Leck mich am Arsch, du dumme Bitch“ hätte sagen können. Und diese absolute Unverschämtheit, so unbedeutend sie eigentlich im Vergleich zu all dem vorherigen ist, bringt mich schließlich endlich zum Explodieren. „Aha, können Sie das vielleicht NOCH abfälliger sagen?!“
Ihre Augen hinter ihrer ziemlich hässlichen Brille werden groß, sie sperrt den Mund auf. „Bitte?!“
„Ich habe da wichtige Daten drauf!“
„Tja, warum haben Sie keine Sicherheitskopie gemacht?“
„Das Teil ist zwei Wochen alt! Ich hab damit nicht gerechnet!“
„Tja, man muss trotzdem immer eine Sicherheitskopie machen.“

Am meisten nervt mich, dass sie Recht hat. Irgendwie. Aber trotzdem, verdammte Scheiße!!! Wer nimmt denn an, dass ein neuer Laptop gerade mal zwei Wochen hält!!!

Am Ende reiße ich ihr das Ding aus den Händen und stürme wutschnaubend aus dem Laden. Ich habe die vage Idee, ihn woanders reparieren zu lassen, wo man meine Daten retten kann, aber das erweist sich als zu teuer, wenn auch nicht so teuer wie von der Tussi behauptet und die Garantie würde dann auch noch verfallen und überhaupt. Letztendlich lasse ich ihn beim ungenannten Elektrofachmarkt reparieren, nur um zu Hause dann feststellen zu müssen, dass er nun zwar eine neue Festplatte hat, aber das n und das b nicht mehr funktionieren. Was einfach nur fantastisch ist, wenn man so heißt wie ich.

Am Ende…

sitze ich also hier, schreibe mit dem beschissenen Dreckslaptop meines Mitbewohners, weil ich meinen eigenen ja ohne Ladekabel nicht mehr aufladen kann, denn das alte habe ich beim Kauf des neuen, unnützen im ungenannten Elektrofachmarkt gelassen als Elektroschrott, habe hinter mir meinen zweiten Laptop stehen, der, kaum war die Garantie verfallen und ich entschlossen, ihn wegen der Kabelschwierigkeiten mit meinem alten Laptop, der von dieser Sache abgesehen immer noch irgendwie, irgendwie läuft, obwohl schon fünf Jahre alt, nun doch zu benutzen, nun wieder eine kaputte Festplatte hat, gerade als ich es riskiert hatte, mal wieder eine Datei darauf zu speichern, die dieses Mal zwar nicht für die Uni, mir aber trotzdem wichtig ist, werde nachher das falsche Kabel zurück bringen, und sollte es da irgendwelche Probleme geben, weil ich die Verpackung geöffnet habe, dann werde ich möglicherweise ganz vielleicht einen Mord begehen und ich bin der Meinung, dass mich kein Richter dieser Welt deswegen verurteilen wird.

Du großer deutscher ungenannter Elektrofachmarkt, ich mag nicht die schlauste Frau auf dieser schönen Erde sein, aber sogar ich habe es jetzt endlich kapiert: Du willst mein Geld eigentlich gar nicht. Oder jedenfalls willst du nicht, dass ich zufrieden bin. Im Gegenteil. Im Gegenteil…
Und dafür hasse ich dich, du großer deutscher Elektrofachmarkt, der aus rechtlichen Gründen ungenannt bleiben muss, den aber hoffentlich jetzt trotzdem jeder erkennt. Ich hasse dich so hart.

Aber das ist nicht schlimm, denn es beruht ja auf Gegenseitigkeit.

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30 Gedanken zu “Es ist Hass.

  1. Dann stell ich mich also schonmal darauf ein in den Nachrichten einen Bericht über einen Amoklauf im Elektrofachmarkt zu hören. Tu der Comicgemeinschaft und Co. aber doch den gefallen vorher alle Comics und Co. verschwinden zu lassen sonst kommt am Ende Mal wieder eine Diskussion zu deren schädliche Auswirkung auf Menschen zu stande 😉

      • Da wirst du stark sein müssen, denn ich fürchte, ja.
        Willst ja nicht Schuld sein das zukünftige Generationen nicht mehr sowas wie Kill Bill und so sehen können oder?

        Aber wenn wir dabei sind, vielleicht möchtest du vorher deinen Raum noch mit Justin Bieber und Angela Merkel Postern volltapezieren oder so…

        Aber ich dürck Mal die Daumen das sie das problemfrei umtauschen oder mittlerweile umgetauscht haben.

      • Da fällt mir gerade ein, Sonntag kommt auf Arte ab 14.00 eine dreiteilige Reihe (sprich ~2 Std.) die sich wohl um die Geschichte der Superhelden comics dreht – keine Ahnung ob du interessiert bist, Zeit hast etc. Aber ich dacht‘ ich teils Mal mit und ich wusst‘ keinen anderen Weg als hier im Kommentar.

  2. Ein bißchen Geduld, Robin.
    Nach erfolgreicher sozialer Revolution werden wir libertären Sozialisten, diesen Betrieb – genau wie alle anderen – direktdemokratisch vergesellschaften. Er wird kollektiviert, kommunalisiert oder syndikalisiert werden, die Arbeiter werden den Betrieb selbst kontrollieren, die ehemaligen Chefs können – wenn es sich um nette Menschen handelt – als Gleiche unter Gleichen in dem Betrieb weiter mitarbeiten oder wenn es sich um sozial sehr inkompente Personen handelt, müssen sie sich eben ein anderes Betätigungsfeld suchen, Föderationsräte oder die Kommune werden außerdem eine Koordinationsfunktion haben und eventuellen Mängeln wie Betriebsegoismus, Verarschung von Kunden u.a. entgegenwirken. (Gilt übrigens auch für deine Kneipe.)

    • YES!!! FRIEDE DEN HÜTTEN, KRIEG DEN PALÄSTEN!!! Gnihihihihi…!!!

      Oh Gott. Leszek, es ist ziemlich leicht, mich in Revoluzzer-Stimmung zu bringen. Und gefährlich. Beginne nichts, was du nicht wieder beenden kannst…! 😉 :mrgreen:

      (Ich wollte schon nachfragen, ob du böse auf mich bist.)

      • „Ich wollte schon nachfragen, ob du böse auf mich bist.“

        Nein, alles in Ordnung.
        Habe nur gerade viel zu tun – aber ich lese mit.

        (Gestern wurde ich übrigens dazu verdonnert einen
        klassenkämpferischen Flyer zu entwerfen.)

  3. “Tze, nein. Das können wir GERNE in Auftrag geben, aber das kostet dann so 800 bis 900 Euro.”

    Krass. Fast 1000 Euro für fünf Minuten Arbeit. Ich sollte Elektro-Markt-Kunden bescheißen lernen.

      • Wenn du in einer Stunde die Daten von 12 Festplatten mit gecrashter Servospur retten kannst, und der Reinraum plus das nicht gerade billige Equipment im Preis inbegriffen ist, dann kannst du tatsächlich solche Stundensätze aufrufen.

        Aber es wird in der Tat in dem Bereich sehr oft ziemlich hemmungslos geneppt. Und „kaputte Festpatte“ ist auch nicht immer ein Headcrash.

  4. Ein anderer, eher so mittelgroßer Elektromarkt, der seit neustem eine Filliale in unserem Heimatkaff hat, stört den Inet-Empfang der Handys seiner potentiellen Kunden, damit die nicht bei Amazon Preise vergleichen können.
    Das macht nichtmal der fiese Elektroriese mit den zwei Franchises.

    • War heute in so einem Markt. Kopfhörer für 400 Euro gibts bei Amazon für 250. Das finde ich krass.

      Ich bin grundsätzlich bereit in Läden mehr zu zahlen. Das mache ich vor allem auch bei kleineren Läden gerne, weil da auch andere Faktoren mit reinspielen. Aber bei so einem hochpreisigen Teil fast 100% Aufpreis? Weil die Preisdifferenz da manchmal jenseits von gute und böse ist, kaufe ich bei solchen Läden auch nix mehr ohne die ungefähren Peise zu kennen.

      Ich will aber an der Stelle sagen, dass es manchmal tatsächlich auch anders geht. Hab neulich meine erste Spiegelreflex-Kamera bei Saturn gekauft. Neben einer sehr tollen Beratung (sie war offensichtlich selbst begeisterte Photographin), bekam ich das Teil auch noch günstiger als bei Amazon. Hat mich überrascht.

      • Ich bin grundsätzlich bereit in Läden mehr zu zahlen.

        Ich auch, man hat ja dabei potenziell auch ein Bündel an Nutzen.

        Wenn die Strukturen des Ladens allerdings systematisch diesen Nutzen zunichte machen (indem sie z.B. solche Demütigungsrituale bei Bewerbungen abziehen), dann kann der Laden eben nur von Marktintransparenzen – vulgo: von der Dummheit/Uninformiertheit der Kunden – leben.

        „Ich bin doch nicht blöd!“ – man hat es offenbar dringend nötig, den Kunden das einzuflüstern.

  5. Oi. Oioi.
    Ein Freund von mir hat im „großen ungenannten Elektrofachmarkt“ mal eine Zeit lang (fest) gearbeitet. Was soll ich sagen? Er macht jetzt etwas GANZ anderes… Einmal dort und du bist für den Rest deines Lebens geheilt, in diesem Beruf auch nur annähernd zu arbeiten. Aber hey, dafür kenne ICH ja ihn, der mir bei technischen Schwierigkeiten immer helfen kann. ^^

    Wenn man mal schnell ein technisches Gerät braucht und die Konditionen für den Kredit erfüllt, dann sind die echt super. Aber wenn man ein Problem hat, sei es auch nur das geringste, oder gar Informationen verlangt, dann wird man da vollkommen über den Tisch gezogen…

    Ich habe mir mein Netbook damals in einem von einem Freund empfohlenen Onlineladen gekauft und bin damit sehr zufrieden gewesen. Und schlechter als der ungenannte Elektrofachmarkt geht ja wohl kaum….

  6. Sehr unterhaltsam xD

    Aber mal ehrlich diese tollen Märkte braucht man auch nur dann wenn man schnell und vor allem jetzt etwas braucht. Zumindest geht es mir so. Ansonsten wird es im Internet geklickt.

    Aber auch bei diesen dringenden Zwangsbesuchen können die wenigsten Märkte überzeugen. Mal ganz abgesehen von der super „Beratung“…

  7. Robin, es ist ein Rant, ok. Aber Du bist ganz schön blauäuigig. Es ist ein Kredit, und Werbeversprechen sind eine Sache, die Realität eine andere. Natürlich bekommst Du nicht die Konditionen, die der Wulff bekommt. Auf der anderen Seite stehen volljährige Kinder mit drei Mobilfunkverträgen und Russeninkasso.

    Auch mache ich Dir ungerne die feministische Freundin, aber Klassisizmusmäßig bist Du übel unsensibel. Das sind Leute, die einfach ihren Job machen. Und nichts als kleine Räder sind. Leicht ersetzbar und sehr abhängig. Wie im Callcenter. Lass uns mal über Privilegien reden…

    • Die Konditionen nachzulesen und nachzufragen ist alles was man tun kann. Darauf muss man sich verlassen können. Das hat nichts mit Blauäugigkeit zu tun: Eine Bude bei der die Konditionen wie Jack in the Box zufällig herausspringen ist schlicht unseriös. Imho gehört sie dafür auch abgemahnt und das wäre wa s für den Verbraucherschutz.

      Mit Klassismus hat das alles nichts zu tun.

    • Auf sowas hab ich ehrlich gesagt gewartet…

      „Robin, es ist ein Rant, ok. Aber Du bist ganz schön blauäuigig. Es ist ein Kredit, und Werbeversprechen sind eine Sache, die Realität eine andere.“

      Ich habe ohne jegliche Sicherheiten einen Studienkredit bekommen, der sich momentan auf über 30.000 Euro beläuft. Da ist es nicht allzu abwegig anzunehmen, für ein 300-Euro-Gerät ohne Nachweis einer längerfristigen Beschäftigung eine zinslose Ratenzahlung zu erwarten – vor allem, da ich mehrmals nachgefragt habe, ob sich das Werbeversprechen mit der Realität deckt. Es ist nicht naiv anzunehmen, auf eine Frage auch eine richtige Auskunft zu erhalten. Die haben ja nix davon, mich bewusst anzulügen, weil ich es ja spätestens bei Abschluss des Kredits bemerke.

      „Auch mache ich Dir ungerne die feministische Freundin, aber Klassisizmusmäßig bist Du übel unsensibel. Das sind Leute, die einfach ihren Job machen. Und nichts als kleine Räder sind. Leicht ersetzbar und sehr abhängig. Wie im Callcenter.“

      Das einzig Klassistische in meinem Text war die Abwertung der Kassierertätigkeit, aber es ist nun mal wahr, dass man dafür nicht studieren muss.

      Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wie für jedes mögliche Arschlochverhalten tausend Ausflüchte und Rechtfertigungen gefunden werden. Ich weiß selber, dass die Angestellten dort sich dem zu beugen haben, was die oberste Etage vorgibt. Trotzdem, sehen wir uns die Fälle mal gesondert an:
      1. Fall: Netter Kerl, wie ich auch schrieb, der nichts dafür konnte, dass er meinen vorläufigen Perso nicht annehmen durfte. Dieses illegale Vorgehen ist von der Firma bzw. der Bank vorgegeben und das darf ich selbstverständlich anprangern, was ich hiermit tat.
      2. Fall: Die Chefin (eben KEIN kleines Rädchen) findet nichts dabei, Leute am Wochenende zu Vorstellungsgesprächen her zu zitieren, obwohl sich dann rausstellt, dass ich sowieso nochmal kommen muss. Das ist einfach eine Frechheit. Und der Spruch, den sie mir mit der Kasse gedrückt hat, war von oben herab und megamäßig billig. Am Schlimmsten aber natürlich: 3 Dieunbezahlte Einarbeitung. Das ist Ausbeutung, die natürlich wiederum von der Firma vorgegeben ist.
      3. Fall: Trotz mehrmaliger Nachfragen die Kunden erst bei Vertragsabschluss mit den genauen Konditionen zu „überraschen“ ist eine bodenlose Unverschämtheit. Die Tussi kann zwar natürlich nichts für die Konditionen – wohl aber was für ihre eigene Art. Und die war wiederum unglaublich herablassend.
      4. Fall: Der Verkäufer war einfach ein saublödes Arschloch. Punkt.
      5. Fall: Die Frau beim Reparaturservice kann nichts dafür, dass das Retten der Dateien soviel kostet, das kommt ja von einer externen Firma (nämlich der, von der mein Laptop stammt), aber es ist keine Art, so beschissen abfällig mit Kunden umzugehen.

      Wo bin ich bitte klassistisch?

      Übrigens: Das ist Klassizismus: klick
      Und das ist Klassismus: klick

      Unglaublich, mir nach so nem Text mit „Privilegien“ zu kommen.

      • Robin, Du siehst süß aus, wenn Du Dich aufregst.

        Das ist eigentlich alles, was ich zu Deinem Auf-den-Boden-Stampfen sagen sollte. Aber ich versuchs mal.

        Wenn Du den Unterschied zwischen Deinem 30000 und Deinem 300EUR Kredit nicht verstehst, dann verdienst Du beide nicht. Klar, hätte klappen können mit den 300, ist aber auch keine so große Überraschung, daß das nun doch nicht funktioniert hat, nicht wahr?

        Du bist in einem Billigladen mit Ausbeutercharakter an halbfalsche Werbeversprechen geraten und an Mitarbeiter, die unfreundlich, desinteressiert und inkompetent sind. Überraschung? Kaum. Ja, man kann sich über sowas aufregen und ich tätschel Dir auch die Schulter, aber ein gewisses Grinsen über Deine Unerfahrenheit kann ich mir nicht verkneifen.

        Schön zu sehen, daß Du wenigstens in Bezug auf die fehlende Sicherheitskopie Einsicht zeigst. Sowas passiert uns allen, nur ist den meisten das einfach zu peinlich um es zuzugeben.

        Und jetzt kommen wir mal zu dem ernsten Teil:

        „. Vor allem bei einer so unglaublich geistlosen Tätigkeit. Irgendwie, irgendwann muss ich ja auch noch studieren.“ „an einer beschissenen Kasse“.

        Irgendwo im Internet sitzt jetzt ein Mensch und weint weil er nicht studieren kann, sein restliches Leben so eine unglaublich geistlose Tätigkeit ausüben muß und sich aus Mangel an Alternativen sogar solchen Ausbeutermethoden wie unbezahlte Einarbeitung ausliefert. Ungefähr alle Leute die an der Kasse sitzen. Und jetzt check nochmal Deine Privilegien.

        Dein Blogeintrag zu Deinem Klassismus ist reines Mimimi. Mein Unistart ist nach feministischer intersektionalität unterprivilegierter als Deiner gewesen. Muß ich ja sagen um ernst genommen zu werden, oder? Ich habe die Studienberatung auch nicht auf Anhieb gefunden, hätte aber nie daran gedacht, das auf den Elfenbeinturm und meine Abstammung zu schieben.

        Deine Belehrung über Klasszismus kommt dabei ziemlich von oben herab und so ganz nebenbei habe ich deutlich weniger für meinen Computer ausgegeben als Du. Keine Sorge, ich kann es mir leisten.

      • „Deine Belehrung über Klasszismus kommt dabei ziemlich von oben herab und so ganz nebenbei habe ich deutlich weniger für meinen Computer ausgegeben als Du. Keine Sorge, ich kann es mir leisten.“

        Wenn ich mir dein Geschreibsel so ansehe, komme ich nicht umhin festzustellen, dass du tatsächlich der Letzte bist, der sich über ein bisschen Herablassung beschweren darf.

      • Bei solchen dümmlichen, zum fremdschämen peinlichen Beiträgen, wie diesen von Gehard hätte ich persönlich ja vollstes Verständnis dafür, wenn du sie nicht freischaltest.

        Nach dem ersten Satz kann ich jedenfalls nicht mehr weiter lesen.

      • Kinch, „Bei solchen dümmlichen, zum fremdschämen peinlichen Beiträgen, wie diesen von Gehard hätte ich persönlich ja vollstes Verständnis dafür, wenn du sie nicht freischaltest.“

        Und dafür, daß sie es doch tut schätze ich Robin. Manchmal diskutiert sie auch mir zuviel mit Idioten.

        „Nach dem ersten Satz kann ich jedenfalls nicht mehr weiter lesen.“

        Sei nicht albern. Das, worüber Du Dich aufregst, kommt doch erst danach. Und nein, ich werde nicht mit Dir darüber diskutieren.

      • Das ist nochnichtmal Illegales Vorgehen der Bank,
        das ist Schlampige IT oder war es jedenfalls früher mal als ich mir bei den Läden aktiv war um mein Studium zu Finanzieren.

        Die Nummern von nem vorläufigen Ausweis setzen sich anderes als die von einem normalen Ausweis/Reisepass zusammen, deswegen akzeptierte das Programm damals die vorläufigen nicht, das mussten wir dann immer Telefonisch klären.

    • Der Fish stinkt halt immer vom Kopfe her. Wenn meine Vorgesetzten sich wie Arschlöcher benehmen, dann hat das seine Folgen für mein Verhältnis zu den Kunden. Da bin ich tatsächlich nur ein Rädchen.

      Es gibt zwar auch eine individuelle Komponente – Arschlöcher gibt es überall – aber da muss man sich halt fragen warum solche Leute nicht etweder zu Freundlichkeit motiviert werden oder als für den Umgang mit Kunden ungeeignet befunden werden. Wenn man Mitarbeiter danach selektiert, dass sie sich demütigen lassen, dann hat man eben andere Präferenzen. Für Leidensbereitschaft muss man Mitarbeiter eben auch bezahlen, und bei gleichem Lohn erhält man dann eben weniger Qualifikation (zu der auch softskills gehören)

      Ich kann aber in dem Artikel nichts klassistisches entdecken, ich sehe vielmehr eine Kritik gerade an den Kopf des stinkenden Fisches. Dadurch, dass auch die Bewerbungssituation geschildert wird ergibt sich doch gerade dieses Bild.

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