Media Monday #157

Es ist mal wieder Media Monday!

1. Die einen treten sang- und klanglos ab, andere SchauspielerInnen ruinieren sich ihren Ruf im Alter mit halbgaren Rollen. Leonardo di Caprio allerdings hat es geschafft, mich bis heute in ihren/seinen Rollen zu begeistern, denn ernsthaft: Gebt diesem Menschen endlich einen Oscar! Er ist schlicht ein sehr, sehr guter Schauspieler, der es verdient hat!
Eigentlich habe ich ihn ja mal gehasst – das war nach diesem Hype um Titanic. Ungerechterweise übertrug sich meine Aversion gegen diese „OMG ist der so süüüß!!!“-Hysterie (die ich nicht nachvollziehen konnte, weil ich den Leo eben NICHT süß finde) auf das Objekt der Begierde, obwohl der doch wirklich am wenigsten was dafür kann. Aber mit 12 ist man halt nicht immer ganz fair.
Später habe ich dann frühere Filme von ihm gesehen und das schmolz den Hass gegen ihn dahin. Jim Caroll ist großartig und für seine Rolle in Gilbert Grape hätte er damals schon einen Oscar bekommen sollen, auch weil er da 20 ist, aber keinen Tag älter aussieht wie 12. Wie nennt man das eigentlich, wenn die Pubertät gut zehn Jahre später zuschlägt?
Der Leo ist ein ganz Großer, wird irgendwann auch seinen Oscar bekommen und bis ins hohe Alter super schauspielern. I guarantee it!

2. Weil letzte Woche vehement danach verlangt worden ist (und die WM ja schließlich immer noch läuft): Der beste Fussballfilm ist natürlich Das Wunder von Bern! Deutscher Film, für viele schon ein Ausschlusskriterium, aber ich bin da nicht so. Die gesamte Story ist einfach nur richtig gut! Schön auch die Darstellung der verschiedenen Klassen (einerseits die Arbeiterfamilie, andererseits das leicht dekadent angehauchte Journalistenpärchen, das im 50er-Jahre-Schick schwelgt und mit seinen spritzigen Schlagabtauschs für die meisten Lacher sorgt!). Wenn ich irgendwann mal die Nachkriegszeit im Unterricht behandeln werde, werde ich vermutlich den Film zeigen. Es klingt so dämlich, aber Deutschland hätte sich vermutlich wirklich nicht so schnell wieder aufgerappelt, wenn die WM damals nicht gewesen wäre.

3. Wenn es darum geht, eine historische Persönlichkeit zu verkörpern, hat meiner Meinung nach Cate Blanchett in Elisabeth den besten Job gemacht, weil sie die Wandlung von der illegitimen Tochter hin zur Herrscherin über ein Weltreich perfekt hinkriegt. Anfänglich jung (wesentlich jünger, als sie zu dem Zeitpunkt wirklich war) und zerbrechlich wirkend ist sie am Ende wahrhaft aristokratisch. Besser hat’s nur Judi Dench hingekriegt, deren Darstellung doch eher die negativen Aspekte von Elisbeth I. beleuchtet (und trotzdem zum Brüllen ist).

4. Früher konnte ich mit dem Genre Punk überhaupt nichts anfangen, aber The Offspring hat mich bekehren können, weil ihr massentauglicher Song Pretty Fly ein super Einstieg war, der meinem vierzehnjährigen Ich die Türen zu den eher härteren Gefilden der musikalischen Welt öffnete. Davor war halt alles eher so Bravo Hits, ne? Deshalb ist The Offspring immer noch meine Lieblingsband, die auf ewig einen besonderen Platz in meinem Herzen haben wird, und ihr Album Americana werde ich ebenfalls immer in Ehren halten.

5. Das unsinnigste Merchandise-Produkt, das ich je gesehen habe… ach, ich glaube, sowas gibt es gar nicht. Entweder man mag den Film/das Buch/die Serie/das Franchise, dann ist auch jedes Merchandising-Produkt dazu irgendwie toll, oder man mag es nicht und dann ist natürlich alles, was sich darauf bezieht, auch total scheiße. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich kein Merchandising-Opfer bin, was sich spätestens dann bemerkbar machen wird, wenn sich meine finanzielle Situation ändert.

6. Taschenbuch, Hardcover oder eBook?
Taschenbücher! Hardcover sind mir zu sperrig und teuer, während man Taschenbücher so richtig schön quetschen kann. Sehr angenehm, wenn man so liest wie ich (flach auf dem Rücken, Buch über mich haltend). Mit eBooks bin ich bisher noch nicht warm geworden.

7. Zuletzt gesehen habe ich die vorletzte Folge von Penny Dreadful und das war ziemlich cool, weil mich die Serie echt überzeugt. Manchmal tropft der Schmalz meiner Ansicht nach ein wenig zu sehr und der Pathos schlägt einem voll in die Fresse, aber die tolle Sprache und natürlich nicht zuletzt die Story macht es wieder wett.
Gestern kam das Staffelfinale, welches ich mir heute vermutlich noch ansehen werde. Ich bin gespannt, wie die losen Fäden in nur einer Folge noch verknüpft werden können und hoffe natürlich das Beste.

It’s called Menstruation and here’s what it means to me!

Reden wir doch mal über Menstruation!

Irgendwie verfolgt mich das Thema. Also, ich meine nicht so, wie es fast jede Frau Jahrzehnte ihres Lebens verfolgt, sondern ganz geballt in letzter Zeit.
Beispielsweise durch diese „Free Bleeding“-Ente, angeblich ne feministische Bewegung, eigentlich aber nur ein bisschen unlustige antifeministische Propaganda, die natürlich von ein paar hysterischen Vollidioten direkt ernst genommen wurde – was einfach nur krass peinlich ist 😀
Dagegen wirklich witzig: dieser Beitrag der Nessy, über den ich sehr gelacht habe (ernsthaft: Seht euch das Video an!). Eine Willkommensparty für die erste Menstruation – es klingt so schrecklich, aber verglichen mit meinen Erfahrungen hätte ich liebend gerne getauscht!

Ich überlegte, ob ich nen Artikel darüber schreiben soll. Ich war unschlüssig.

Dann bekam ich meine Tage. So sei es – das rote Orakel hat gesprochen!
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Ich habe meine Tage zum ersten Mal mit 11 bekommen und hasste es.

Bereits, seit ich zehn war, konnte ich kaum eine Hand auf meinen Bauch legen, ohne dass es zu Spekulationen darüber führte, ob es wohl bald „soweit“ ist. Gerade meine Tante fand das Thema offensichtlich hochinteressant – vielleicht, weil sie selber nur einen Sohn hat. Jedenfalls kommentierte sie jede meiner Klagen über Bauchweh direkt mit einem bedeutungsschwangeren Blick zu meiner Mutter und den Worten „Das müssen sie sein!“

„Sie“. Auch mal „es“. Dieses große Unbekannte, was da unaufhaltsam wie die Zeit auf mich zurollte. Diese biologische Bombe in meinem Unterleib, die nur darauf wartete, in einer Kaskade aus Blut und totem Gewebe zu explodieren.

Bevor es so weit war, hatte ich tatsächlich oft Bauchschmerzen. Keine Ahnung, ob sie wirklich alle meine Menstruation ankündigten, aber einmal waren sie so schlimm, dass meine Mutter mich zum ersten Frauenarztbesuch meines Lebens schleppte und ich Bekanntschaft mit „dem Stuhl“ schloss – dieses Horrormöbel, über das in der Umkleidekabine nach dem Sportunterricht verschreckt getuschelt wurde.
Ohne große Umstände pflanzte die Gynäkologin mich auf den Stuhl und fuhrwerkte bereits an mir rum, bevor ich überhaupt realisieren konnte, was da gerade passiert. Ich saß starr da und bekam erst den Spreizer zu spüren, bevor sie mir dann noch einen Finger in den Arsch steckte, um dort noch vorsorglich alles abzutasten.
Well. Glücklicherweise war ja meine Mutter da. Die genau vor mir saß und einen so guten Einblick in mein Innenleben hatte, dass sie auf diesem Wege praktisch schon mal ihren Enkeln winken konnte. Kinder und Pubertierende haben ja bekanntlich kein Schamgefühl, weshalb man die Patientin nicht fragen muss, ob sich während dieser Prozedur alle überflüssige Personen verpissen sollen.

Die gutgelaunte Ärztin beendete die Untersuchung, konstatierte, dass alles in Ordnung sei und dass ich das nächste Mal doch bitte mit gefüllter Blase kommen solle, denn die Probleme kämen wohl eher daher. Ich lächelte höflich, verließ mit meiner Mutter das Untersuchungszimmer und schwor mir, mich dieser Person nie wieder auch nur auf 10 Meter zu nähern.

Meine Mutter und ich, wir sprachen darüber nicht. Auch war der nächste Termin irgendwie kein Thema. Aber die Zeit schritt unbarmherzig voran und so kam der Tag, etwa drei Monate vor meinem 12. Geburtstag, als ich pinkeln wollte und beim Runterziehen meines Slips ein Massaker vorfand.

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Völlig verstört riss ich meine Hose wieder hoch und rannte in mein Zimmer. Sehr schnell wurde mir aber klar, dass ich das wohl so nicht lassen konnte. Ich zeigte die Bescherung also meiner Mutter, die kreidebleich wurde und mir eine ihrer Slipeinlagen gab. Ich glaube, sie hat auch noch irgendwas über meinen Slip gesagt – dass ich ihn wegschmeißen soll oder so. Ansonsten geschocktes Schweigen.

Ich benutzte die Slipeinlagen laut der Packungsbeilage und ging ins Bett. Und das war meine „Willkommensfeier“.

In der 5. Klasse hatten wir Sexualkundeunterricht gehabt. In meinem Schulbuch war auch eine „Geschichte“ eines Mädchens zu lesen, die zum ersten Mal ihre Tage bekam. Ihre Mutter besorgte ihr Hygieneartikel, redete mit ihr darüber und führte sie dann liebevoll zu einer kleinen Shoppingtour, um zu feiern, dass sie jetzt „eine Frau“ sei.

Der Text war im Unterricht nicht dran gekommen, aber ich hatte die Geschichte trotzdem aufgeregt gelesen. Nun schlug mir die Realität eiskalt in die Fresse.

Warum konnte das bei mir nicht auch so sein?

Meine ersten Erfahrungen mit dem Thema waren somit eine seltsame Mischung aus „Darüber redet man nicht“ und völliger Distanzlosigkeit. (Tatsächlich halte ich die Frauenärztin von damals immer noch für die beschissenste Ärztin, mit der ich je zu tun gehabt hatte.)

Wie reagiert man auf sowas? Natürlich: mit Scham.

Bei meinen Schulkameradinnen wurde dieses neue Kapitel natürlich oft thematisiert, aber irgendwie gingen die damit wesentlich cooler um als ich. Ein Mädel, das ein Jahr älter war als ich und für ihr Alter völlig abgebrüht, merkte schnell, wie gehemmt ich deswegen war und hatte damit etwas gefunden, auf dem sie mit genüsslicher Grausamkeit rumhacken konnte. Wenn sie mitbekam, dass es bei mir mal wieder so weit war, musste ich jederzeit damit rechnen, dass sie mir in der Klasse ein „Robin hat ihre Tah-ge!!“ entgegen kreischte, was mir vor allem vor den Jungs unglaublich peinlich war. Leider fiel mir dazu nie eine schlagfertige Antwort ein, aber ich hasste das Mädchen deswegen heiß und heftig und verewigte sie schließlich in einem schrecklich gezeichneten Comic in meinem Tagebuch, in dem ich ihr eine grauenhafte Zukunft mit miesen Job und ohne Freunde prophezeite. Aber nicht mal da konnte ich meine Hemmungen ganz ablegen – ihr Comic-Ich sagte „Regel“ statt Tage. Könnt ihr euch sowas blödes vorstellen? Man möchte meinem Vergangenheits-Ich ein paar Cupcakes backen!

Auch meine anderen Freundinnen waren abgeklärter. „Stopf dir halt nen Stöpsel rein!“ kommentierte eine trocken, als ich eine Einladung zum Schwimmen gehen ablehnte, weil ich meine Tage hatte.

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Das war auch so’n Ding. Mit zwölf ging ich fast jede Woche mit meinen Großeltern schwimmen. Weil die „Regel“ in der Anfangszeit ihrem Namen allerdings nicht gerecht wird, ging das für ein paar Monate überhaupt nicht. Schmierblutungen, Zwischenblutungen, eine Menstruation, die scheinbar nach fünf Tagen vorbei war und dann irgendwie doch nicht etc. pp. Ich weiß noch, dass ich irgendwann mal heulend im Bett lag und völlig überzeugt davon war, dass ich wegen dieser Scheiße nie, nie, NIE wieder werde schwimmen gehen können!

Überhaupt waren die Tage der Tage Horror pur. Ich traute mich kaum, mich zu bewegen. Was ist, wenn was daneben ging?! Und die Binden schienen bei jedem Schritt zu knistern und ekelhaft an mir zu kleben.

Also war ein „Stöpsel“ gar keine schlechte Idee. Aber mir die selber kaufen?! OMG!!

Es war also eines dieser typisch verkrampften Gespräche mit meiner Mutter fällig. Wenn meine Mutter über solche Themen spricht, dann klingt sie nicht weniger als welterschütterlich. „Robin,“ sagte sie damals, legte ihre Hände auf meine Schultern und sah mir eindringlich-besorgt in die Augen, „dein Körper ist noch nicht bereit dazu.“

Ich weiß bis heute nicht, woran sie das fest gemacht hat. Soweit ich weiß, wurden Tampons in ihrer Anfangszeit nur für Frauen empfohlen, die bereits Mutter geworden waren, vermutlich, weil man irgendeiner dämlichen Vorstellung anhing, das erste, was die reine Maid in sich aufzunehmen habe, sollte halt der Schwanz ihres ihr ordnungsgemäß angetrauten Ehemannes in der Hochzeitsnacht sein, aber ich nehme einfach mal nicht an, dass meine Mutter so drauf war.

Argumentativ kam ich gegen sie nicht an (ich bekam eh kaum einen Ton raus), aber mir wurde die Situation immer unerträglicher und schließlich bekam ich von irgendwoher doch OBs. Die ganz kleinen Minis. Die benutzen zu lernen war schwieriger als es aussieht und hat weh getan, aber ich biss die Zähne zusammen und bekam es schließlich hin. Learning by doing!

In dem oben verlinkten Text über dieses saudämliche „Free Bleeding“ heißt es, Tampons wären ein Produkt der Befreiung. Und, Halleluja, so war es auch!!! Plötzlich konnte ich schwimmen gehen, hatte nicht mehr das Gefühl, mich kaum bewegen zu dürfen und genoss ein zu tausend Prozent besseres Körpergefühl. Bis heute habe ich NIE wieder eine Binde oder Slipeinlage benutzt und verstehe auch nicht, wie sich irgendeine Frau das antun kann. Jeder das ihre, aber… für mich kommt das nicht in Frage.

Ein weiterer netter Nebeneffekt meiner neuen Weiblichkeit waren höllische Schmerzen jeden Monat. Die trafen leider zusammen mit einer Mutter, die absolut manisch gegen Schmerzmittel war.

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Wie scheiße ist es doch, minderjährig zu sein. Dürfen Kinder überhaupt Aspirin kaufen? Ich habe es leider nie ausprobiert. Dafür hatte ich schnell alles andere durch. Meine Mutter wälzte Naturheilkundebücher und schüttete mich mit Schafgarbentee zu, was bei der ein oder anderen Frau helfen mag, bei mir jedoch nicht. Mir blieb also nur, mich mit einer Wärmeflasche auf der Couch zusammen zu rollen und zu leiden. Möglichst still, damit ich meinen Stiefvater nicht zu einer abfälligen Bemerkung über diesen Weiberkram provozierte, den er niemals selbst erleben wird. Er schüttelte den Kopf, wenn ich mich wand, denn so schlimm konnte das ja nicht sein und diese Brandblasen, die ich mir einmal zuzog und die Narben hinterließen, welche man noch Jahre später sehen konnte, waren ja auch kein Beweis dafür, dass sowas etwa tatsächlich weh tut.

Die Schmerzen wurden weniger, als ich mit 16 anfing, die Pille zu nehmen, aber verschämt war ich deswegen immer noch. Bis dahin war es mir immer noch unangenehm, Hygieneartikel zu kaufen, doch deutete sich ein langsamer Wandel an. Ich denke, es ist ein Stück weit normal, in der Pubertät total gehemmt zu sein, wenn es bei mir auch eindeutig übertrieben war, aber mit den Jahren kam ich immer besser damit klar.

Woran vielleicht ein ganz spezieller junger Mann seinen Anteil hatte.

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Dieser Typ, ein kleiner Fascho mit lächerlich schütteren Schnauzbärtchen, auf den er wohl grandios stolz war, war der Freund einer Freundin von mir. Es ist mir heute immer noch unbegreiflich, was sie an dem Kerl gefunden hat. Zusätzlich zu einigen eindeutigen Charakterfails – der Idiot war tatsächlich ein Nazi! – hatte er beim Thema Menstruation einen eindeutigen Schuss weg. Ganz klar: Das war eklig und er wollte überhaupt nichts davon hören!!
Er selbst dagegen laberte immer wieder minutenlang davon – eben darüber, wie krass eklig das sei. Daswirdmanjawohlnochsagendürfen!
Und dieser Typ war Metzgerlehrling!!
Immer, wenn ich ihm zuhörte, merkte ich, dass mich das tierisch ankotzte. Klar, irgendwo stimmt es, menstruieren ist jetzt wirklich nicht gerade wie ein Bad in Rosenblüten, aber Herrgott, ICH habe ein Recht dazu, mich darüber zu beschweren, aber ER nicht, zumal er sonst immer den Macho rauskehrte, aber ausgerechnet bei dem Thema zum Mimöschen mutierte!
Als er eines Tages wieder damit anfing, kramte ich einen Tampon aus meiner Tasche und bewarf ihn damit. Er kreischte theatralisch und hörte schlagartig auf mit der Scheiße, wenn ich dabei war.

So lernte ich einerseits, dass Männer mit einer Sache nichts zu tun haben wollen, die einen essentiellen Bestandteil des Lebens einer Frau ausmacht, und andererseits, dass mir so ein Mimimi scheißegal war 😀

Klein-Robin ist inzwischen eine Frau, die stark auf die Dreißig zugeht und mit sich und ihren Körperfunktionen im Reinen ist. So nervig es manchmal auch ist, so froh bin ich, dieses Ereignis jeden Monat begrüßen zu können. Irgendwann möchte ich mal Kinder haben und bis es soweit ist, sagt mir dieser regelmäßige Blutschwall, dass mit mir alles in Ordnung ist. Aus diesem Grund habe ich auch eine neue Pille schnellstens wieder abgesetzt, die dazu führen sollte, dass ich meine Tage GAR NICHT mehr bekomme. Mein neuer Frauenarzt konnte überhaupt nicht verstehen, warum ich deshalb nicht jubelte, aber ich habe einfach mal darauf verzichtet, es ihm zu erklären und nahm die Pille nach drei Monaten nicht mehr.
Im Bad steht eine Maxipackung Tampons offen herum, ungeachtet der Tatsache, dass ich mit zwei Männern zusammen lebe – vor einigen Jahren wäre das undenkbar gewesen. Männer, die gefasst genug sind, auf die Frage „Geht’s dir nicht gut?“ ein „Nee, ich hab meine Tage bekommen“ als Antwort zu verkraften, ohne grün um die Nase zu werden.
Die Schmerzen sind kein Vergleich zu früher, zumal ich jetzt endlich schon groß bin und mir selbst Ibuprofen kaufen darf, was bei vielen Frauen nicht wirkt, bei mir aber schon. Jeden Monat nehme ich eine Tablette, denke an meine Mutter, während ich sie runter schlucke und kann nichts weiter tun als kichern.

Ich bin weit davon entfernt, dieses monatliche Massaker zu genießen und habe keine Ahnung, was zur Hölle mit Frauen los ist, die ihre Periode als „Erdbeertage“ bezeichnen, aber Scham – nein, die ist weg. Es mag ein Abfallprodukt des Körpers sein, aber es ist MEIN Abfall. Deshalb könnte ich seit meinem ersten Aufeinandertreffen mit solchen Typen immer noch aufplatzen, wenn Menschen diese natürliche Funktion abwerten oder saudumme Witze drüber machen. Zwar habe ich inzwischen die perfekte Antwort gefunden, wenn man mir mal wieder meine monatlichen Körperfunktionen vorwirft, nur weil ich völlig zurecht sauer oder schlecht drauf bin, aber trotzdem ist es einfach nur krass dämlich.

Denn Witze über die Periode oder PMS sind NIE lustig. Niemals.

Okay, manchmal.

Media Monday #156

Es ist mal wieder Media Monday!

1. Der perfekte Film für einen Männerabend/Mädelsabend gibt’s nicht! Ich halte es ohnehin für Blödsinn anzunehmen, Männer und Frauen hätten komplett unterschiedliche Sehgewohnheiten. Mit einer Ausnahme: Frauen können sich restlos alles reinziehen, über Horror, Action, Abenteuer, Fantasy bis hin zu Komödien, aber sobald ein Film das Stigma „Weiberfilm“ hat, würden viele Männer den Teufel tun und sich das ansehen.
Dabei entgeht ihnen was! Mein Stiefvater war immer ein Riesenfan von Sex and the City, mit dem Mitbewohner habe ich mir letztens noch Sinn und Sinnlichkeit reingezogen. Ersteres war halt einfach immer wirklich witzig, letzteres lebt von der genialen Sprache und dem subtilen Humor. Warum sollten Männer das nicht mögen?
Daher lautet meine Antwort: Alles geht, Hauptsache ein bisschen seicht – denn an solchen Abenden will man Spaß haben und was trinken, da passt Lars von Trier oder irgendein Melodram nicht so gut.

2. Edge of Tomorrow soll ja ein toller Film sein, aber allein, dass Tom Cruise mitspielt, hält mich schon davon ab, ihn eines Blickes zu würdigen, weil ich den Kerl einfach nicht ausstehen kann! Mit seiner Sektiererei, dem Umgang mit seiner Frau (jetzt Ex) und seiner Tochter, seiner komischen Nase, dann nicht zuletzt die Tatsache, dass der Kerl einfach überhaupt kein guter Schauspieler ist und ständig den Mund offen stehen hat – da hab ich keinen Bock drauf, auch wenn der Film sich interessant anhört (obwohl der Trailer seltsam ist) und viele offensichtlich davon schwärmen.

3. Die WM ist im vollen Gange. Steht der Film- oder allgemeine Medienkonsum nun hinten an oder flieht ihr ganz bewusst in fremde Welten, um dem Fussball-Trubel zu entgehen?
Na, ich kucke mir die Deutschlandspiele an und noch das ein oder andere weitere Spiel, aber ich bin ja keine Fanatikerin. Alle paar Tage zwei Stunden Fußball sind jetzt wirklich nicht dazu geeignet, um meinen Medienkonsum ansonsten vollständig zu beschneiden. Alles wie gehabt, ich kucke halt nur zusätzlich noch Fußball.
Mit einer Ausnahme: Als Kellnerin muss ich etwas mehr arbeiten gehen als sonst, z.B. allein diese Woche vier Mal und in der Kneipe auch Fußball zeigen. Während der Spiele kann ich leider keine Musik laufen lassen, was ja nun auch unter Medienkonsum fällt 😉

4. Wenn schon historische Geschichte, dann aber bitte am liebsten aus der Epoche der Zeitgeschichte! Das bedeutet, so ca. ab dem 2. Weltkrieg, denn „Zeitgeschichte“ wird definiert als Epoche, zu der es noch lebende Zeitzeugen gibt (was da so langsam schwierig wird).
Ich finde es unheimlich interessant, wie krass schnell sich unsere Welt in den letzten ca. 70 Jahren verändert hat. Filme, die in den 50ern und 60ern spielen, scheinen fast von einem anderen Planeten zu kommen. Deshalb sind sie immer für Überraschungen und oft auch für den ein oder anderen Lacher gut.
Andere Epochen der Neuzeit sind auch okay. Vor allem das Viktorianische Zeitalter hat auch ne Menge zu bieten – wenn auch vielleicht nicht wirklich historisch, aber literarisch. Einzig die Antike gefällt mir nicht so. Wenn ich noch eine einzige weiße Götterstatue sehen muss, fange ich an zu schreien. Aber im Grunde geht alles!

5. Found-Footage-Filme nebst obligatorischem Kameragewackel sind doch cool! Einigen scheint von dem Gewackel schlecht zu werden, aber mir macht das nichts aus. Ich komme auch mit Logikfragen wie „Warum lässt der die Kamera nicht fallen, wenn sie angegriffen werden?!“ gut klar.
Hier gilt dasselbe wie bei jedem Genre: Es gibt gute und schlechte Vertreter. Erst vor wenigen Monaten habe ich Paranormal Activity gesehen und der war einfach nur fabelhaft. Davor The Bay, selbes Genre, unglaublich dämlicher Film. Das lag an der blöden Story, dem unbefriedigenden Schluss und den schrecklichen Schauspielern, die sich gegenseitig im Overacting überboten. Aber dafür kann man die Methode des Found Footage nun wirklich nicht verantwortlich machen.

6. Die Ablehnung von gifs im Kontext von Internetdiskussionen oder Blogbeiträgen ist so dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass sich mir jedes Mal der Vergleich mit der unendlich blöden Kritik Intellektueller an Comics aufdrängt.
Intellektuelle glaubten nämlich – und tun das teils heute noch – Comics wären in irgendeiner Weise ein minderwertiges Medium, bei dem durch die „unheilige Allianz“ aus Wort und Bild eine Hybridform entsteht, welche die REINEN Medien – nämlich besagte „Wort und Bild“ – pervertiert und beschmutzt. Das ist so dämlich, dass es mir fast noch lieber wäre, sie würden einfach auch wie hysterische Eltern oder nervige alte Säcke glauben, Comics seien gewaltverherrlichend oder zumindest verdummend. Die guten elitären Herren übersehen dabei nämlich, dass Filme und sogar Theaterstücke im Grunde auch nichts anderes sind als eine Verschmelzung von Wort und Bild!
Bei gifs scheint der Widerstand nun ähnlich geartet zu sein. Dabei sind gifs so toll. Aus medienwissenschaftlicher Perspektive müssten sie wohl tatsächlich dem Comic nahe stehen, da auch hier eine Bildabfolge vorliegt, die jedoch nicht gelesen, sondern halt gesehen wird.
Lustig wird’s, wenn dies von Leuten abgelehnt wird, die selber Comics zeichnen.
Und ja, Martin, damit meine ich dich 😀

7. Zuletzt gelesen habe ich Robert Lewis Stevensons Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde und das war lange überfällig, weil ich klassische Sciene Fiction und Horror aus dieser Zeit sehr mag, denn sie hat die ikonischen Gestalten und die Horrormotivik hervor gebracht, die heute jeder kennt!
Geschichten aus dieser Zeit sind oft ein bisschen lame (damals waren die Leute halt noch leichter zu erschrecken!), aber ich erfreue mich immer sehr an diesem Etepetete-Gehabe des Viktorianischen Zeitalters und natürlich auch an der Sprache, wobei der gute Mr. Stevenson hier wesentlich mehr reißt als der deutlich berühmtere H. G. Wells, bei dem ich immer das Gefühl habe, dass er seine vielen grandiosen und wegweisenden Ideen für das Genre einfach nur beschissen umsetzen konnte.

Media Monday #155

Es ist mal wieder Media Monday!

1. Der beste Beitrag oder die beste Kritik, die ich in der vergangenen Woche auf einem Blog gelesen habe, war des Kiezneurotikers Festivalbericht von Rock im Park. Beziehungsweise BerichtE, nämlich der, der, der und der. Weil, es sind ja immer mehrere Tage Festival. Erinnert mich daran, dass ich dahingehend auch noch ein, zwei Dinge nachzureichen habe. Aber bis dahin ist der Kiezneurotiker eine gute Alternative (:D ). Auch wenn ich bei den Beschreibungen all der tollen Bands, die ich dieses Jahr nicht sehen konnte, viel geweint habe.

2. Signs hatte ein wirklich enttäuschendes Ende, denn ich kann mich nicht erinnern, wann ein Film gegen Schluss so abgefallen ist.
Was haben wir uns gegruselt, meine beste Freundin und ich! Als dieses Alien im Kornfeld mal kurz Bein zeigt, oder bei dieser Szene, in der eine grobkörnige Amateuraufnahme eines Aliens im Fernsehen läuft, der mal kurz während eines Kindergeburtstags durch den Garten latscht und alle Kinder schreien und Joaquin Phoenix schreit auch. Allein die Musik dabei! Wie krass! Wie krass!
Aber sobald sie zum ersten Mal wirklich auftauchen und man sie richtig sieht, verpufft das alles. So dämlich animierte Aliens. Scheiß drauf, dass der Film null Sinn gemacht hat. Bis dahin war es irgendwie geil. Danach nicht mehr. Scheiß schlecht animierte Aliens!

3. In der zweiten Jahreshälfte 2014 freue ich mich am meisten auf meinen Sommerurlaub, weil es halt Urlaub ist! Mehr dazu demnächst.

4. Demnächst möchte ich viele neue Serien sehen, weil Breaking Bad vorbei ist, How I met your mother auch, die Simpsons nur noch schlecht sind und ich einfach neuen Stoff brauche. Aber dafür muss ich Zeit investieren. Neue Serien antesten – ein großes Ding! Das muss vorbereitet sein.
Es scheinen in den letzten zwei Jahren einige gute Serien in Amerika an den Start gegangen zu sein, aber um die wahren Schätze auszubaldowern bedarf es scharfsinnigster Marktanalyse. Tipps in den Kommentaren nehme ich gerne entgegen!

5. Zuletzt enttäuscht von einer Figur, die plötzlich völlig out-of-character agiert hat, war ich bei Jaime Lannister. Aber das wisst ihr ja schon.

6. Das größte Geschenk, das man mir in punkto Medien machen könnte, wäre ein DC-Filmuniversum, das genauso durchgeplant und gut ist wie das Filmuniversum, welches Marvel aufgebaut hat.
Ich verstehe das einfach nicht. Ich war DC-Fan seit frühster Teenagerzeit. Die Charaktere sind Ikonen, wesentlich bekannter als die Marvel-Helden. Aber trotzdem kriegt DC keine guten Filme hin. Green Lantern war ein Desaster, Catwoman eine Beleidigung für jeden Fan, Superman ein nolandisher Alptraum und die Batman-Trilogie hatte halt auch nur peripher was mit Batman zu tun. Und Wonder Woman gibt’s immer noch nicht als Film. Die drittgrößte Superheldin nach Superman und Batman und alles, was man bis jetzt hingekriegt hat, ist ein Zeichentrickfilm, diverse Nebenauftritte und die heute leider lächerliche Serie mit Lynda Carter. Das ist so scheiße! Gebt Superman nen richtigen Film, in dem er Pfadfinder sein darf, ohne zu nerven (wie man einen netten, grundguten Superman schreibt, der einem trotzdem nicht auf den Sack geht, sondern einfach sympathisch und authentisch ist, hat Superman: Die Abenteuer von Lois und Clark gezeigt), Batman einen Film, in dem er sich in seinem Kostüm bewegen kann, um Ninjamoves zu machen und Wonder Woman einen Film, der nicht weniger sein darf als episch, denn immerhin geht es hier um die griechische Mythologie. Dazu noch Green Lantern und Flash und bumm, da hätten wir schon fast alle, die man für einen JLA-Film braucht.
Ist das SO schwer?

7. Zuletzt gesehen habe ich das Finale der 4. Staffel von Game of Thrones und das war enttäuschend, weil (spoilerfreie Kurzkritik folgt) es als das beste Finale angekündigt worden ist, das die Serie jemals hatte.
Leider war es das nicht. Es war das schlechteste. So wie auch die 4. Staffel die bisher schlechteste war. Das lag einerseits zwar an der Vorlage – die Handlung zerfasert nach Buch 3 doch etwas sehr und hat auch nicht mehr so viele markante Plotpunkte – andererseits war vieles auch einfach schlecht umgesetzt. Und ich rede nicht mal von Jaimes Glanzleistung zu Beginn der Staffel. Das zog sich durch alle Folgen, durch alle Handlungsstränge. Unwichtiges wurde aufgebläht, wichtig-episches zu lasch umgesetzt und Schockeffekte schienen nur um des Schocks Willen eingebaut zu sein.
Ich kann wirklich nicht fassen, dass die Vorkommnisse aus der 9. Folge wirklich DAS Großereignis sein sollte, als das es angekündigt war. Es kam ja wirklich nicht mal eine Massenszene. Weder letzte Woche, noch diese. Das ist doch scheiße. Wenn von einer gewaltigen Armee die Rede ist, dann will ich die auch sehen. Ich will erstarren vor Ehrfurcht, schlottern vor Angst!!
Aber wenigstens hat diese Folge mir etwas gegeben, was ich als Buchleserin nicht kannte: Einen „What the fuck“-Moment beim Tod eines Charakters. Weil der im Buch nämlich noch lebt. Naja, nicht, dass es sonderlich wichtig wäre. Aber das war mal ganz interessant.
Damit sind die Game-of-Thrones-Erwähnungen beim Media Monday vorerst vorbei. Die nächste Staffel startet erst in ca. einem Dreivierteljahr und wird hoffentlich wieder besser.

In eigener Sache: Was mit Kommentaren geschieht

Ich möchte hier ein paar Worte über Zensur verlieren.

Wer es noch nicht wusste, der weiß es jetzt: Ich bin Feministin – und trotzdem ein ganz normaler Mensch. Manchmal schreibe ich hier feministische Artikel, manchmal (= öfter) nicht. Das hier ist kein feministischer Blog, sondern einer, in dem ich viele verschiedene Themen zusammen werfe, so wie es mir gefällt. Deshalb ist auch die Leserschaft ziemlich bunt gemischt. Während die meisten sehr liebe Menschen sind, über deren Kommentare ich mich immer freue, ist das bei vielen, die mit dem sogenannten Geschlechterdiskurs zu tun haben, leider nicht so wirklich gegeben.

Meine ca. zweijährige Karriere als feministische Bloggerin hat mich in Bezug auf die Kommentarpolitik genau eins gelehrt: Entweder du schaltest restlos alles frei – oder du bist eine zensurwütige Diktatorin schlimmer als Hitler. So zumindest der Eindruck netter Außenstehender, die weder einen eigenen Blog betreiben, noch nachvollziehen können, wie viel Hass einem als Feministin entgegen schlägt, obwohl sie eifrig daran teilhaben.

Gestern gab es wieder eine solche, hach, nennen wir es „Diskussion“, also habe ich etwas vorgezogen, was ich eigentlich erst für in ein paar Monaten geplant hatte: Eine Auflistung der Menschen, die bei mir nicht mehr willkommen sind plus Begründung.

Vielleicht interessiert euch das Thema Feminismus nicht. Dann könnt ihr eigentlich wegklicken. Meine „Zensurpolitik“ betrifft euch dann ja sowieso nicht. Aber vielleicht wollt ihr ja mal sehen, mit was für Gestalten man sich so alles rumschlagen muss und versteht danach ein bisschen besser, warum ich Feministin bin. Außerdem ist es wirklich lustig!

Meine „Blacklist“ findet ihr hier: klick
Ihr findet sie auch rechts oben neben „Startseite“ und „About“ als eigenen Reiter oder Seite unter dem Titel „Haters gonna hate“. Ich werde diese Liste aktuell halten, wann immer es nötig ist.

Endlich enthüllt: Warum Frauen einfach kein Abseits checken!

Frauen verstehen Abseits nicht.

Ich behaupte, es existiert keine Frau auf dieser Welt, die DEN dummen Spruch nicht schon mal gehört hat.

Heute beginnt mit der Fußball-Weltmeisterschaft das größte Turnier des deutschen Sportfans – und weil Fußball immer noch als die letzte Bastion testosterongeschwängerter Männlichkeit in unseren modernen Zeiten gilt, dreht sich in solchen Zeiten nicht nur der Ball, sondern auch das Bullshit-O-Meter. Es reicht halt nicht, dass unsere nationalen Damen in den letzten Jahren ihren männlichen Konterparts gezeigt haben, wie man ein solches Turnier gewinnt (mehrfach) und gleichzeitig die Menge an weiblichen Fußballfans zugenommen hat (deutlich), um den werten Herren zu beweisen, dass Frauen das Spiel sowohl aktiv wie auch passiv beherrschen können.

Also ein Abseits-Spruch. Das geht natürlich immer, das ist ein Brüller. Und diese Scheiße muss natürlich schon so früh wie möglich eingepflanzt werden. So hat die MÄDCHEN ihre letzte Ausgabe dem Thema Fußball gewidmet.
Ach ja, die MÄDCHEN. Seit wann ist die Zeitschrift so weichgespült? Als ICH noch ein Mädchen war, gab es da Berichte über diverses Sexzeug der explizitesten Art zu lesen. Kann man scheiße finden (mich hat es damals sowohl verstört als auch irgendwie total fasziniert), aber wenigstens hat es an der Vorstellung gerüttelt, Mädchen interessieren sich ja eigentlich nur für Kuscheln und gar nicht für Sex. Inzwischen wirkt das Heft wie „Brigitte Light“.

Fußballrelevante Bullshit-Themen dieser Ausgabe: Wie man sich für’s Public Viewing schminkt (offensichtlich, indem man kopfüber in nen Eimer mit schwarz-rot-goldener Farbe springt). Ein Poster mit Spielplan und den „sechs heißesten Fußballern“ (Ronaldo – würg). Eine Foto-Love-Story über ne Fußballmannschaft (natürlich männlich!) und Tussis, die Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um an die Jungs ranzukommen (Titel: „11 Kicker für Sophie“. Hat das Internet mich ruiniert oder klingt das für euch auch wie ein billiger Porno?). „Die MÄDCHEN Traum-11“ bestehend aus 0815-Typen, deren Bilder man für’s Voting einschicken konnte und die neben ihrem kleinen Steckbrief (Florian, 18, hält es für ein No-Go, wenn ein Mädchen die Rechnung übernimmt) verträumt in die Kamera starren und irgendwie hat das auch was mit Fußball zu tun.

Und mittendrin: eine offensichtlich brandneue Kolumne, die in dieser Ausgabe ihr Debüt hinlegt: „Was denken Jungs über…?“

„Unser neues Expertenteam! Hier stellen sich die vier Jungs vor, die dir ab sofort ehrliche Antworten auf aktuelle und intime Fragen geben, die du dich vielleicht nicht zu stellen traust.“ – denn Mädchen, so wissen wir, sind ja grundsätzlich kleine verschüchterte Hascherl.

In dieser Ausgabe nun geht es um „Fußballmädchen“. Aaaaber damit sind natürlich keine Mädchen gemeint, die Fußball spielen! Neinneinnein! Es geht nur um Mädchen, die die Dreistigkeit besitzen, mit ihren männlichen Freunden die WM-Spiele kucken zu wollen. Geht das für Jungs klar?
Louis (sic), Lenny (SIC) Norik (SIC!) und Yunus (SIC!!!) beantworten also diese Frage. Nur Yunus, 14, findet Mädchen als Zuschauer okay. Lenny, 15, kuckt lieber ganz alleine. Louis, 13, kuckt nur mit Kumpels, weil Fußball für Mädchen ja nur Party ist und nicht Fußball. Und Norik, mit seinen 18 Jahren praktisch die graue Eminenz des „Expertenteams“, findet „auf keinen Fall!“, denn er hat keinen Bock, den dummen Mädchen zu erklären, was Abseits ist. (Darüber hinaus findet er Mädchen, die Fußball spielen, „irgendwie unsexy“. An sich selbst mag er übrigens seinen Charakter und dass er mit allen Leuten super auskommt. Aja.)

Und da wären wir wieder. Dieser saudumme Spruch. Das ultimative Geschlechterklischee. Frauen und Abseits. Gröh-hö-höl.

Meine Kindheit habe ich sonntags neben den Fußballplätzen diverser Amateur-Dorfmannschaften verbracht, denn mein Stiefvater hat Fußball gespielt, weshalb es für meine Mutter praktisch Pflicht war, sich das anzusehen und mich mitzuschleppen. Meine gesamte Familie ist total fußballgeil. Also, die männliche Hälfte halt. Als ich dagegen mit zehn Jahren einmal zum Jugendtraining ging, zerrte mich mein Stiefvater regelrecht vom Platz und verbot mir, in den Verein einzutreten.
Man könnte also sagen: Ich und der Fußball, wir haben eine Vergangenheit. Und daher habe ich nach jahrelanger Observation und unzähligen Gesprächsanalysen die Lösung entdeckt. Der Grund, weshalb viele Frauen tatsächlich kein Abseits checken.

Es liegt schlicht und ergreifend an den Männern.

Habt ihr mal einen Kerl gefragt, ob er euch Abseits erklären kann? Mit großer Geste wird dann sinnierend gen Himmel gestarrt und ihr hört ein Gemurmel wie „Als Konrad Koch den Fußball in Deutschland etablierte… Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel… der Sammer damals… FC Bayern, Stern des Südens… Tante Käthe… schießenbolzenpassenabgebenstürmerverteidigertormannschiri…“

Oder, um das mal graphisch darzustellen:

AbseitsregelKompliziert

Und hier habt ihr das ganze Geheimnis. Die Abseitsregel ist nicht kompliziert – sie wird nur einfach völlig beschissen erklärt. Kein Wunder, dass das keiner checkt. Besser gesagt keinE. Denn es muss halt eher Frauen erklärt werden.
Warum? Na – weil die meisten Typen Jahre und Jahre Vorsprung vor der durchschnittlichen deutschen Maid haben. Die meisten Typen haben ihre halbe Kindheit lang als kleine Hosenscheißer auf dem Schoß ihres Papas gesessen und das Aktuelle Sportstudio verfolgt, ob sie wollten oder nicht. Möglicherweise führt dieser frühkindliche Overkill zu einer seltsamen Verknotung der Synapsen, die es unmöglich macht, einfachste Sachverhalte zu diesem Thema halbwegs verständlich zu erklären. Möglicherweise WOLLEN manche dieser Typen Abseits gar nicht simpel erklären, weil man sich so ganz doll schlau vorkommen kann, wenn dem Gegenüber Fragezeichen über dem Kopf aufploppen. Vor allem, wenn’s ne Frau ist, aber Fußball doch halt so ein Männersport und überhaupt, können die Tussis nicht einfach ein paar Schnittchen machen und Bier bringen, statt daneben zu sitzen und mitzugröhlen?!

Frauen verstehen Abseits nicht – nichts weiter als ein taktischer Bluff, um zu verschleiern, wer hier der wahre Schuldige ist, und um Mädchen ins Hirn zu prügeln, dass sie sowieso alle ein bisschen unterbelichtet sind. Dieses Ergebnis meiner jahrelangen Beobachtungen nenne ich die Abseits-Falle (ich weiß: tierisch clever).

Wenn euch also das nächste Mal ein Kerl darüber vollnölt, dass Frauen Abseits nicht kapieren, dann lächelt mitfühlend, schließt ihn warm in eure Arme und flüstert ihm sinnlich ins Ohr: „Etwas einfach erklären zu können kann man lernen. Ich glaube fest an dich.“

Alternativ: Bittet ihn, euch die Regel darzulegen, lehnt euch zurück und genießt es zu sehen, wie er sich abstrampelt und rumstottert. Besonders lustig ist es, wenn er noch ein paar Kumpels dabei hat, die ihm ständig ins Wort fallen, weil sie halt auch ne Meinung dazu haben.

Das ist ein Spaß, besser als jedes Länderspiel.

PS: „Abseits“ liegt vor, wenn ein Spieler den Ball Richtung gegnerisches Tor zu seinem Mitspieler schießt und sich im Moment des Abspielens zwischen diesem Mitspieler und dem gegnerischen Tormann kein anderer Spieler der gegnerischen Mannschaft befindet.
Und weil man Sachen immer besser checkt, wenn man den Sinn dahinter versteht: Gäbe es diese Regel nicht, könnte ein Spieler das gesamte Spiel über praktisch genau vor der Nase des gegnerischen Tormanns stehen bleiben und auf einen guten Pass warten, den er reindonnern kann, was dann ja wohl ziemlich lame wäre.

Oder, um das mal graphisch darzustellen:

Abseitsregel

Ich behaupte, es existiert keine Frau auf der Welt, die DAS nicht checken kann, wenn sie will.

Und ja, ich weiß, dass es da noch ungefähr eine Million Sonderregeln gibt. Das ist mir aber scheißegal. Ist ja nicht so, als wäre ich Fußballfan.

PPS:
Ich: „Kannst du mir mal Abseits erklären?“
Mitbewohner David: „Oh Gott, wo soll ich da anfangen…!“

Media Monday #154

Es ist mal wieder Media Monday!

1. Filme werden für das Kino gemacht – sagt man ja so schön. Doch dann gibt es da ja auch noch Fernsehfilme. Die zeichnen sich für mich zuvorderst dadurch aus, dass man ihnen ihr wesentlich geringeres Budget auch ansieht. Seien es nun Spezialeffekte oder die teilnehmenden Schauspieler – viele Stars lassen sich ja zu solchen Produktionen gar nicht mehr herab.
Das Gute ist: Solchen Filmen verzeiht man das aber auch. Bei manchen Effekten würde ich im Kino aufkreischen und mein Geld zurück verlangen, aber bei Fernsehfilmen ist das schon okay.

2. Als Literatur kann man ja vieles bezeichnen. Für mich ist das eine Frage, die ich schon über ein Jahrzehnt bewegt. Von einer Germanistik-Studentin könnte man ja verlangen, eine richtige Definition zu kennen, aber die Wahrheit ist, dass es sowas nicht gibt. Es gibt nur Annäherungen, die mal mehr, mal weniger gelungen sind. Ich erinnere mich an mein allererstes Literaturwissenschaftsseminar, in dem ein Kriterium für Literarizität genannt wurde – es war „Was in einem Buch veröffentlicht wurde, ist auch Literatur“. Well… hell no!
Ich erinnere mich ferner an eine Essay in der 12. oder 13. Klasse für meine Englischlehrerin, ein furchtbares Weib, die mein Referatsthema nicht annehmen wollte (während im Parallelkurs die Leute wirklich machen durften, was sie wollten!). „Batman“ hätte ja keinen literarischen Wert. Dem widersprach ich, was mir besagte Essay mit dem Titel „Besitzt Batman literarischen Wert?“ einbrachte. So falsch vieles von dem, was ich damals darin ausbreitete auch war aus meiner heutigen Sicht, so mag ich den Text trotzdem noch ^^ Aber das Referat zum Thema „Batman“ durfte ich trotzdem nicht halten. Hätte in der Essay nicht Shakespeare ein bisschen verunglimpfen sollen, was zufällig ihr Lieblingsautor war *hust*

3. Übermächtige Helden, die nicht sterben zu können scheinen ziemlich langweilig zu sein… außer, man lässt den richtigen Autoren ran. Grant Morrison ist ein Gigantomane nie gekannten Ausmaßes und von daher perfekt dafür geeignet, selbst dem desillusionierten 21. Jahrhundert noch Helden zu liefern, deren pure Epicness einem den Atem rauben. Sein Superman ist kein langweiliger Pfadfinder, sondern schlichtweg ein gottähnliches Wesen, vor dem man auf die Knie sinken will vor Ehrfurcht. Und sein Batman steht dem kaum nach. Es ist geradezu ekelhaft übertrieben (bei „All-Star Superman“ war es dann auch MIR zu viel), aber irgendwie kann ich nicht anders, als mit offenen Mund vor seinen Comics zu sitzen und sie zu lieben.

4. Nicht, dass man den Namen des Kameramannes kennen müsste, aber gerade der Typ, die Tussi oder wer auch immer bei Matrix für die Kamera verantwortlich war ist mir im Gedächtnis geblieben ob der ungewöhnlichen Blickwinkel und des einzigartigen Looks, denn es ist halt Matrix! Muss ich da noch mehr sagen? Bullet Time eben! Die ist halt cool, solange man sie nicht überstrapaziert!

5. Animes sind scheiße. Sorry. Aber ich kann damit null anfangen. Genauso wenig wie mit Mangas. Ich mag den Zeichenstil nicht, ich mag die Bildsprache nicht, ich mag die japanischen Symbolik nicht, ich mag die meisten Plots nicht. Serien gehen noch, gerade die Serien meiner Kindheit, die oft nur Literaturadaptionen waren (Heidi beispielsweise oder Eine fröhliche Familie – saublöder Titel, tolle Serie) aber ich hab tatsächlich noch keinen Animefilm ganz zu Ende geschafft, weil ich einfach keinerlei Bedürfnis danach verspüre, überhaupt einen anzufangen. Nochmal sorry. Aber so ist es halt. Man kann mich damit jagen.

6. Mobile Games – sprich Apps – zu aktuellen Kinofilmen gehen an mir komplett vorbei. Ich habe kein Smartphone und demnach auch keine Apps. Ich weiß noch nicht mal so richtig, was das überhaupt ist. Aber bisher komme ich auch gut ohne klar.

7. Zuletzt gesehen habe ich die erste Viertelstunde von Staffel 4, Folge 9 von Game of Thrones und das war irgendwie lame, weil ich finde, das Großereignis dieser Folge (und damit auch der Staffel) ist schlecht vorbereitet worden und schien zu urplötzlich zu kommen. Man weiß es zwar schon die gesamte Staffel lang (bzw. kann es sich denken), aber trotzdem. Und das, an das ich mich erinnern kann – ich bin nämlich eingeschlafen, was auch nicht gerade für die Folge spricht – schien auch nicht gerade großartig zu sein. Bis ich wegdriftete, war noch keine Massenszene zu sehen, was echt mies wäre, denn ohne käme die ach so riesige Bedrohung echt null rüber. Mittlerweile sollte die Serie sich sowas leisten können. Aber vielleicht kam das noch später. Ich sehe sie mir jedenfalls heute Abend nochmal ganz an.
So, und habe ich das nicht wunderbar spoilerfrei gehalten?!