Ich bin ein gottverdammtes Genie!!! :D

Die Wochen der seelischen Folter sind vorbei – meine Examensarbeitsnote ist da und es ist eine phänomenale

2,0!!!

coolcoolcool
Und damit bin ich endlich FREI!!!

freude2

Als ich heute mittag müßig die Notenseite checkte – müßig deswegen, weil ich seit zwei Wochen jeden Tag mehrmals reingesehen habe und sich die Panik deswegen irgendwann ein bisschen abgenutzt hatte – dachte ich, ich flieg weg!!! Sofort rannte ich meinen Studentenausweis holen und checkte meine Matrikelnummer ungefähr achtzigmal. Dann rannte ich aus meinem Zimmer.
„Dave! Dave!!!“ brüllte ich.
Dave war arbeiten. Dafür öffnete sich die Badezimmertür und ein völlig irritierter Mitbewohner David starrte mich an, seine Zahnbürste noch im Mund. Ich riss ihn trotzdem in eine Umarmung und verkündete ihm die Botschaft. Und er so:

batman augen

„Hast du die Nummer auch richtig gelesen?“ fragte er verdattert. Denn es ist wahr, Leute – meine geschätzten Mitbewohner trauen mir null zu 😀

Sie hatten das gesamte Massaker ja mitgekriegt. Meine, sagen wir, etwas unkonventionelle Art, mit Stress und Arbeit umzugehen, erweckte bei ihnen offensichtlich den Eindruck, dass meine Examensarbeit ein Megafail wird. Sowieso hab ich ja schon mehrmals das Gefühl gehabt, von beiden für ein bisschen blöd gehalten zu werden. Deshalb war der Highfive, den ich nach Abgabe bekam, auch irgendwie bitter.

Mitbewohner Dave: „Super, dass du das noch geschafft hast.“
Ich: „Hättste nicht gedacht, ne?“
Mitbewohner Dave: „Ganz ehrlich? Nein.“

bitch please

Nach der Abgabe folgten mehrere Wochen Panik und elendes Warten. Irgendwie machte der Umstand, dass der Wisch, der mir die fristgerechte Einreichung bestätigt hatte, offiziell verkündete, die Korrektur würde nur sechs Wochen dauern, alles sogar noch schlimmer!

Dann bekam eine Freundin von mir ihre Note sogar schon nach knapp fünf Wochen. Es war leider nur eine 3,7. Ganz bitter. Wobei ich ihr Thema unglaublich unspannend fand und ich nicht verstehen konnte, weshalb sie das überhaupt gewählt hat.
Sie hatte aber auch in Geschichte geschrieben, weswegen mich diese Nachricht komplett fertig machte. Zwar bei einem anderen Dozent, aber trotzdem… in dem Moment begann ich mich selbst dafür zu hassen, diesen Prüfer gewählt zu haben. Einen Dozenten, der Seminare anbietet, an denen man früher nur bei besonders guter Leistung teilnehmen durfte, während inzwischen nach der Bologna-Reform natürlich jeder reinkommt. Ich muss doch komplett verrückt gewesen sein, dachte ich.

Ich konnte mich selbst überhaupt nicht einschätzen. Aber wie gesagt, die Mitbewohner waren sich meines Misserfolges sicher. Deshalb meinte Mitbewohner Dave einige Wochen nach Abgabe aus heiterem Himmel vergnügt, er würde mir einen Kasten Bier zu kaufen, wenn ich mindestens ne 2 hätte.

Ich: „Aber ich trink doch überhaupt nicht gerne Bier.“
Mitbewohner Dave: „Okay, was dann?“
Ich: „Hm, ne Flasche Rum?“
Mitbewohner Dave: „Pfft, total billig. Dein Ernst?“
An dieser Stelle merkte ich, dass er sich seines Wettsieges SEHR sicher war, also erhöhte ich den Einsatz gnadenlos: „Okay, ne Flasche Glenfiddich dann.“
Mitbewohner Dave: „Hehe, alles klar.“
Ich: „Aber wie meinst du das genau, was besseres als ne 2… meinst du von 1,0 bis 2,0 oder alles unter 3,0?“

Dave antwortete nicht. Er lachte. Mitbewohner David lachte auch. Und Daves Freundin.

An dieser Stelle merkte ich, dass sie allein die Vorstellung, ich könnte etwas besseres als ne 3,0 kriegen, für absolut lächerlich hielten.

rudy sarkastisch2

Mitbewohner Dave bekam dann auch seine Note. Ne 1,7. Super, würden manche sagen. Aber auch wenn er sich dazu nicht äußerte, merkte man deutlich, dass er innerlich kochte. Ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der so unglaublich viel für die Uni arbeitet. Dementsprechend erfolgsverwöhnt ist er auch. Und nur deswegen wird ihn meine Note sowas von ärgern. Er hat so viel länger daran gearbeitet als ich und ist nun nur unwesentlich besser. Tja. Keks?

Vielleicht, weil er selbst von sich mehr erwartet hätte, meinte er nachdem er von seiner Note erfahren hatte zu mir, dass meine Arbeit ja allein schon wegen den ganzen Tippfehlern unmöglich etwas besseres als ne 3 sein könnte. Ich hielt das für Quatsch. Ich hab ja nicht in Germanistik geschrieben, wo jeder noch so kleine Fehler dem Prüfer einen halben Herzinfarkt beschert hätte. Zwar wird in jedem Fach die Rechtschreibung und die äußere Form mitbewertet, aber vermutlich nur in Form von Punkten. Macht man zu viele Fehler, kriegt man halt keine Punkte dafür und geht… keine Ahnung, vielleicht 0,3 Notenpunkte nach unten? Viel mehr schätze ich nicht.

Jedenfalls sitze ich deswegen seit zwei Wochen auf glühenden Kohlen und wartete ständig auf ein Ergebnis. Die Uniseite zu checken war jeden Tag das erste, was ich morgens tat, wenn ich aus dem Bett kroch. Problem dabei war, dass ich meine Matrikelnummer nicht auswendig kann. Das führte letzte Woche oder so zu einem völligen Kollaps. Für ein paar Sekunden habe ich doch tatsächlich geglaubt, ich hätte mit einer 4,3 die bisher schlechteste Note von allen abgeliefert. Wie scheiße wäre das bitte gewesen?! Ich wusste nicht mal, dass das überhaupt möglich ist. Ich dachte, alles über 4,0 wäre automatisch durchgefallen. Natürlich war ich nach diesem Schock hellwach mit einem Puls von 180!!
Am selben Tag später der nächste Schock: Dieses Mal stimmten sogar die ersten drei Zahlen mit meiner Matrikelnummer überein. Eine 1,7!!! Das wäre natürlich ein Traum gewesen. Aber auch dieser Schock ging vorüber und ich musste weiter warten.

Die Analyse meiner Reaktionen hatte mir allerdings gezeigt, dass ich eine gute Note für wahrscheinlicher hielt als eine schlechte. Auch wenn ich mir das selbst irgendwie nicht eingestehen wollte. Verdammte Sozialisation, die jeden Anflug von Stolz mit einem herrischen „Sei nicht so arrogant!“ im Keim erstickt hatte!

Ab Donnerstag war ich dann auf einem Festival (Bericht folgt irgendwann). Freitags wollte ich meine Note checken, aber niemand hatte Internet, also rief ich Mitbewohner David an.
„Willst du das wirklich jetzt wissen? Willst du nicht lieber das Wochenende genießen?“

you suck telefon

Er schaffte es jedenfalls nicht, sich mit meinen Daten einzuloggen, also hatte sich das auch erledigt.

Gestern waren dann schon ganz genau SIEBEN WOCHEN rum und immer noch nichts. Ich fing an, am gesamten Unibetrieb zu zweifeln. Aber heute dann… naja, ich erwähnte es bereits 😀 😀 😀

Jetzt die Frage: Bin ich mit der Note zufrieden? Kurze Antwort: JA. Lange Antwort: Ja, ABER…

Eine 2,0 ist ne 2plus. Mitbewohner David fand das nicht.
„Ne 2,0 ist ne glatte 2.“
Ich: „Stimmt nicht! Kuck doch, ne 1,0 ist ne 1plus, ne 1,3 ist ne 1 und ne 1,7 ne 1minus, demnach ist eine 2,0 ne 2plus!“
Ich weiß nicht, ob ich ihn überzeugt hat oder ob ihm die Diskussion zu anstrengend geworden ist. Egal. Jedenfalls finde ich ne 2plus gut, auch wenn es Zeiten in meinem Leben gegeben hat, in denen jede 2plus mit einem „Was war denn da los?“ seitens meiner Eltern quittiert worden ist. Legen wir jetzt zugrunde, in welcher Zeit ich vor allem den Schluss zusammen gestoppelt habe, kann ich mich echt sowas von gar nicht beschweren. Aber trotzdem – einen Abzug wegen ein paar blöden Tipp- und Grammatikfehlern habe ich auf jeden Fall bekommen… und das wäre definitiv vermeidbar gewesen. Das nagt jetzt irgendwie schon an mir. Andererseits, ICH weiß ja, dass die Note dann eigentlich hätte besser sein müssen und das ist alles was zählt, oder? Ich meine, wen interessiert schon das blöde Kultusministerium, das mir später eine Stelle auf Grundlage meiner Abschlussnote zuweisen wird?

Ja, liebe Kinder, so fällt jede kurzzeitige Euphorie irgendwie doch ziemlich schnell in sich zusammen, wenn man zum illusteren Kreis depressiver Menschen gehört 🙂

dr. cox

Jedenfalls wird heute Abend gesoffen. Immerhin bin ich ja schon seit Sonntag wieder vom Festival zuhause und seitdem nüchtern 😀

Und das heißt auch, dass ich euch demnächst zeigen kann, mit was ich mich da überhaupt beschäftigt habe. Das wird aber noch ein bisschen dauern. Es ist jedenfalls megaspannend 🙂

Damit bleibt nur zu sagen: Danke an alle Internetmenschen, die mich die letzten Monate motiviert haben und versuchten, mich aufzubauen, die mit mir mitgelitten und sich für mich gefreut haben und mir in einem Fall auch richtig tatkräftig halfen. Ihr seid so toll, Leute ❤

PS:
Ich: "Ne 2,0!!! 2,0!!! Und ich hab die letzten 19 Seiten in der Nacht davor geschrieben!!! Ich bin genial!!! Ich MUSS genial sein!!!"
Mitbewohner David: "19 Seiten, das ist praktisch die ganze Hausarbeit, die ich seit einem Monat nicht fertig kriege…"
Ich: "Ich helf dir! Das schaffst du in einer Nacht! Ich peitsch dich da durch!"
Mitbewohner David: "Mmh, das würde mir ja schon gefallen."

Hach ❤

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29 Gedanken zu “Ich bin ein gottverdammtes Genie!!! :D

  1. Glückwunsch, auch wenn mir irgendwie zu denken gibt, dass deine Mitbewohner dir nicht all zu viel zutrauen, es dann aber nicht gebacken kriegen, sich auf ner Seite einzuloggen, um deine Note zu checken.

  2. Gratulation! Es ist ein wundervolles Gefühl, den Unikram hinter sich gebracht zu haben. Ist denn eine 2,0 bei Euch gut? Hängt ja immer vom Fach ab, bei uns Juristen heißt es gottgleich, bei anderen: Du wirst dein Leben lang Bratwürste verkaufen oder Taxi fahren, aber dein Studium war ein Reinfall. Aus Deiner Reaktion schließe ich aber, dass das wirklich gut ist. 🙂

  3. Ganz herzlichen Glückwunsch auch von mir!

    Gerade wollte ich dir eine Mail schreiben, um zu fragen, ob deine Note nicht inzwischen vorliegt, aber ich dachte, ich schaue vorher noch mal in dein Blog …

    Auf meine Examensarbeit habe ich auch eine 2,0 bekommen. Das beweist: Ja, du bist ein Genie, Robin! 🙂

    • Danke *knutsch* Aber du sollst doch nicht öffentlich schreiben, dass wir via Mail die gemäßigte Weltverschwörung planen 😀

      Wenn du ne 2,0 hattest, besteht ja für mich noch Hoffnung 😉

  4. Herzlichen Glückwunsch! Man las es in den letzten Monaten ja ganz gut heraus, wie wichtig das für Dich war – und ich denke, es war richtig eingeschätzt. Es ist immer gut, wenn ein Mensch eine Ausbildung abschließt. Egal, was wir für inhaltliche Differenzen haben oder was wir uns gegenseitig noch an den Kopf schmeißen werden (wer weiß das schon?), ich freue mich für Dich.

    Ich habe seinerzeit nur viereinhalb Monate warten müssen, bis ich das Ergebnis der Abschlussarbeit wusste (vorgesehene Zeit waren acht Wochen). Bis zur Urkunde vergingen dann noch einmal zwei Monate.

    Ich hatte übrigens auch eine 2,0. Und ich dachte immer, das sei eher ernüchternd. Aber im Berufsleben hat’s mir nicht geschadet.

  5. Coole Sache. Herzlichen Glückwunsch dazu.
    Eines kann ich gerade nicht sicher einordnen. Ist das jetzt die finale Note, mit der du dein Studium absolvierst und nach der dich alle Leute bewerten werden, oder ist diese 2.0 ein Teil deiner gesamten Endnote?

    • Es ist ein Teil davon, aber es kommen noch Klausuren und mündliche Prüfungen. Allerdings erst in einigen Monaten.

      Wenn da am Schluss eine 2,0 stehen würde, wäre ich sehr zufrieden 😀

  6. Glückwunsch zur Note! Ich erinnere mich an mein Bangen wegen meiner Diplomarbeit und später an den Riesenstress mit der Dissertation – beide Arbeiten sind natürlich auch am Schluss unter Hochdruck mit der heißen Nadel gestrickt worden und sahen sprachlich auch entsprechend aus – aber ich glaub‘, so ist das in sehr, sehr vielen Fällen!

    … und zumindest sieht es in meinem derzeitigen Job, in dem ich durchaus die eine oder andere Bachelor-, Studien-, Master-, Diplom- oder Doktorarbeit im Entstehen sehe, auch so aus, dass es am Schluss in aller Regel schneller gehen muss, als der Sprache und sonstigen Qualität gut tut.

    • Danke!!! 🙂

      Mein Mitbewohner sowie eine Freundin haben halt parallel zu mir geschrieben und sogar ein paar Tage früher als nötig abgegeben. Das hatte ich tatsächlich noch NIE. Anscheinend hatten beide also genug Zeit zum Korrekturlesen… aber trotzdem schön zu hören, dass dies eher die Ausnahme als die Regel ist 😀

      • Also mindestens an der Physik-Fakultät, an der ich studiert habe und an der Maschinenbau-Fakultät, an der ich gerade arbeite, ist es meistens knapp. Leider scheinen – gerade bei den Maschinenbauern, bei denen ich gerade arbeite, die Profs die Knappheitseffekte nicht zu akzeptieren, was bei etwas „terminierbareren“ Arbeiten wie Dissertationen gerne dazu führt, dass die zwischen Erstkorrektor und Student noch mehrfach hin und her laufen – oft über die Länge des Geldes hinaus, das für das Projekt vorgesehen ist, in dem die Dissertation geschrieben wird. Und Dissertation fertig schreiben, während man schon wo anders arbeitet, das geht oft schief. Daher bin ich eigentlich eine Verfechterin des frühen Anfangens und des intensiven Kontakts mit dem Betreuer – aber das ist schwierig – und manche Betreuer wollen es nicht.

        Sorry, ich verfalle nun in meine Themen, wo’s eigentlich um Deinen Erfolg geht.

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