Abtreibung und Beratung. Teil 2: Ein Zwang, der eigentlich nur eine Pflicht ist und manchmal eine Chance sein kann

Teil 1

Die Beratungspflicht vor einer Abtreibung in Deutschland ist von feministischer Seite eigentlich kaum eine Diskussion wert, weil sich hier mal zur Abwechslung alle einig sind: Es handelt sich um eine bevormundende, sexistische Prozedur, eine reine Schikane gegen Frauen, die im besten Fall als Slutshaminng zu bewerten ist, im schlechtesten Fall aber beweist, dass wir offensichtlich immer noch für zu dumm und unselbstständig gehalten werden, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen.
Völlig ausgeblendet werden dabei jedoch Situationen, in denen ein solches Beratungsgespräch für Frauen praktisch lebensrettend sein kann – und die gar nicht zustande kämen, gäbe es keinen „Zwang“ dazu!

Die Frau Rat aus Teil 1 gibt’s eigentlich gar nicht. Ich habe sie erfunden. Genau wie diese Gesprächsprotokolle. Aber es wird wohl hoffentlich niemand abstreiten, dass es da draußen viele MüllerMaierSchmidts gibt, die in ähnlichen Situationen stecken!

Selbstverständlich ist der Beratungspflicht erstmal ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Frau. Allerdings gibt es unzählige Beispiele in unserem Staat, die seltsamerweise trotzdem nicht als „Zwang“ dämonisiert werden. Schulzwang? Gurtzwang? Klingt albern, ne – weil jedem klar ist, dass diese „Zwänge“ als freiheitliche Eingriffe dennoch einen größeren Nutzen als Schaden haben und außerdem die Erfahrung gezeigt hat, dass man hier nicht grundsätzlich auf Freiwilligkeit bauen kann. Das ist demnach absolut nichts ungewöhnliches.

Pflicht gegen den Zwang

Was allerdings zur Frage führt, ob hier überhaupt ein Schaden entsteht? Vor allem der Schwarzer-Feminismus, der noch aktiv gegen ein real existierendes Abtreibungsverbot kämpfen musste, stellte eine Abtreibung als medizinisch zu vernachlässigenden Eingriff dar (gefährlich nur, wenn er von „Engelmacherinnen“ durchgeführt wird). Verschiedene Gruppierungen vor allem aus dem fundamentalistisch-religiösen Bereich dagegen sprechen hier gerne von unsäglichen Traumata, die der Frau bei einer Abtreibung in jedem Fall entstehen. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Eine Abtreibung muss keine große Belastung darstellen, kann aber durchaus aufgrund gesellschaftlicher Umstände psychische Probleme verursachen. Zwangsabtreibungen haben da allerdings nochmal ein ganz anderes Niveau – und genau als solche bewerte ich Abbrüche aufgrund Drucks von außen.

Ein Beratungsgespräch als Pflichtveranstaltung bietet keine Sicherheit, aber wenigstens die Chance, solchen Frauen Hilfe zukommen zu lassen. Hilfe, die Betroffene nicht bekämen, gäbe es keinen Zwang – denn wer eine Frau oder ein Mädchen zu einer Abtreibung zwingt, hat sicher auch keine Skrupel, sie von einem freiwilligen Beratungstermin abzuhalten.

Erfordert es wirklich SO viel Phantasie, sich die drei obigen Szenarios vorzustellen? Ich hätte mir auch ein Dutzend ausdenken können. Man kann nicht einerseits immer behaupten, Frauen seien in unserer Gesellschaft vielfachen Sexismen ausgesetzt, dann aber andererseits felsenfest der Meinung sein, negative Einflüsse von Außen wären ausgerechnet nur bei diesem EINEN Thema nicht existent!

Antiklassistische Solidarität

Unwissenheit über finanzielle Ansprüche (wie in Fall 1) oder andere Vorgänge die Schwangerschaft betreffend (Fall 2) halte ich für einen weiteren Faktor, der in einem Beratungsgespräch eliminiert werden kann. Aber als ich mal zu diesem Thema was bei der Mädchenmannschaft postete, wurde mein Kommentar tatsächlich mit der Triggerwarnung „Klassismus“ versehen und weitere Kommentare nicht mehr freigeschaltet.

Das muss man sich mal reinziehen! Und das mir, die ich selbst von Klassismus betroffen bin!

Im Gegenteil ist es absolut klassistisch anzunehmen, alle Frauen hätten die gleichen Informations- und Handlungsmöglichkeiten und wären in keinem Fall Repressionen ausgesetzt, egal wie jung, ungebildet oder verunsichert sie sind. Die gleichgeschaltete MM-Rhetorik unterscheidet sich dahingehend nicht im Geringsten von der Argumentationslinie der Apologeten unseres sozial undurchlässigen Bildungssystems – nur gehen DIE davon aus, dass persönliches Versagen Aufstiege verhindert („hat sich halt nicht genug angestrengt“), während hier einfach unterstellt wird, jede Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung sei total informiert und ohne Repressionen geschehen. Tja, vor dem Hintergrund haben Frauen, die nach diesem erzwungenen Eingriff leiden, halt einfach die Arschkarte gezogen, weil sie ja angeblich gar nicht existieren. Das ist nicht nur klassistisch, sondern diskriminiert auch noch psychische Erkrankungen!

Ein weiterer schöner Vergleich drängt sich mir da in Bezug auf die Diskussionen um das US-Gesundheitsreform auf. „Warum soll ICH gezwungen werden, Geld in eine staatliche Krankenkasse einzuzahlen? ICH mache das ja sowieso schon privat. Etwa nur um den Pöbel zu unterstützen, der zu dumm ist, sich selbst um seine Vorsorge zu kümmern? Vielleicht haben es solche Leute ja VERDIENT, an Krankheiten zu verrecken, deren Behandlung sie nicht bezahlen können?”
Ja, und vielleicht SOLLEN Frauen, die nicht den Bildungsstand haben, sich selbst durch den bürokratischen Dschungel zu wühlen, ja gar keine Kinder in die Welt setzen? Antiklassismus, Mädchenmannschaftsstyle?

Klar nervt das, zu so einem Gespräch gehen zu müssen, obwohl man selbst den totalen Durchblick über sämtliche Eventualitäten hat. Aber kann man dieses Opfer nicht mal aus Solidarität auf sich nehmen?

Eine Abtreibung ist kein Kindergeburtstag

Ich bin für das Recht auf Abtreibung, das es in Deutschland immer noch nicht gibt. Aber Abtreibungen sind dennoch nichts schönes. Ein solches Statement mag vor fünfzig Jahren von einer Feministin unmöglich gewesen sein, aber heute sind wir doch ein bisschen weiter und sollten auch Dinge ansprechen dürfen, die nicht zur politischen Agenda der 60er Jahre gepasst haben.

Unabhängig von der psychischen Verfassung der Frau wird hier nun mal potentielles Leben zerstört. Das ist schlimm, aber anders als Pro-Life-Spinner werte ich die Persönlichkeitsrechte eines erwachsenen Menschen (der Schwangeren) höher als die eines Zellhaufens, der sich erst zum Mensch entwickelt.
Dass er dies allerdings ziemlich sicher tun wird, wenn man ihn in Ruhe lässt, ist halt auch ein Fakt – und ich der Meinung, dass es keine unzumutbare Last ist, etwa eine halbe Stunde Zeit zu opfern, um die Entscheidung zur Abtreibung in einem Beratungsgespräch zu bestätigen, wenn damit mögliches Leben gerettet werden kann. Zumindest DAS hat der Fötus meiner Meinung nach verdient, egal, was später daraus wird.

Man kann nicht immer nur Rechte fordern, aber jedwede Pflicht, die sich daraus möglicherweise ergibt, konsequent ablehnen. Dazu zähle ich auch den Umstand, Abtreibungen nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt durchführen lassen zu dürfen und danach mit der Entscheidung leben zu müssen. Anders erhält man nämlich am Schluss keine emanzipierten Frauen, sondern verwöhnte Kackbratzen, die darauf insistieren, ihre gesunden Babys bis kurz vor der Geburt umbringen zu dürfen, weil den wankelmütigen Madames vielleicht halt mal ein halbes Jahr zu spät einfallen könnte, dass ein Kind ja jetzt irgendwie doch nicht so gut passt. Ist DAS etwa Eigenverantwortung und Selbstständigkeit?

Dass letztendlich eine Beratungspflicht nur Frauen trifft und sie deshalb sexistisch ist, kann dagegen halt auch kein starkes Gegenargument sein, wenn nun mal nur Frauen schwanger werden können.

50 Gedanken zu “Abtreibung und Beratung. Teil 2: Ein Zwang, der eigentlich nur eine Pflicht ist und manchmal eine Chance sein kann

  1. „im schlechtesten Fall aber beweist, dass wir offensichtlich immer noch für zu dumm und unselbstständig gehalten werden, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen“

    Tja, aber genau in die Richtung läuft Deine Argumentation nunmal leider.

    Warst Du nicht für die Rezeptfreiheit der „Pille danach“?
    Also das nichteinmal ein Arzt konsultiert werden muss um sie zu erhalten?
    Anders als bei einer Abtreibung…

    Sehr inkonsequent, find ich, z. B. da dort ja ebenfalls „potentielles Leben zerstört“ wird. Warum ist das für Dich unproblematischer?

    • „dumm und unselbstständig“ ist nicht dasselbe wie „unter Repressionen stehend und ohne höhere Bildung“.

      Und bei der Pille danach wird selbstverständlich KEIN potentielles Leben zerstört, jedenfalls nicht im höheren Maße wie bei jeder normalen Verhütungsmethode, da hier eine Befruchtung verhindert wird.

      Was sagst du denn nun zu meinen Beispielen?

      • Was immer noch nicht erklärt, warum Du die dusseligen Kackbratzen, die u.U. ja nichtmal ihre fruchtbaren Tage allein richtig berechnen können, und alle Anderen in dem Fall dann nicht dazu nötigen willst fremden Menschen gegenüber zu erklären, warum sie zu dem Zeitpunkt nicht evtl. ein Kind austragen wollten.

        „Was sagst du denn nun zu meinen Beispielen?“

        Du hast Phantasie (gegen Schulzwang bin ich btw ebenfalls, und der Gurtzwang als Vergleich ist sehr lächerlich).

        Aber mal ehrlich: ein Gespräch allein hilft da doch auch nix, bei jemand der tatsächlich unter Repressionen steht. Wenn schon müssten die Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen auch das Recht bekommen, in Einzelfällen, wo sie den begründeten Verdacht haben, dass… den Frauen hinterherzutelefonieren, Anzeige zu erstellen usw.
        Wärst Du dafür?

      • „Was immer noch nicht erklärt, warum Du die dusseligen Kackbratzen, die u.U. ja nichtmal ihre fruchtbaren Tage allein richtig berechnen können, und alle Anderen in dem Fall dann nicht dazu nötigen willst fremden Menschen gegenüber zu erklären, warum sie zu dem Zeitpunkt nicht evtl. ein Kind austragen wollten.“

        Du meinst wegen der Pille danach? Weil sich hier diese Frage gar nicht stellt. Verhütung ist in Deutschland nicht strafbar und auch, wenn die Pille Danach als normale, d.h. alltägliche Verhütungsmethode zu viele Nebenwirkungen hat und zu teuer ist, steht sie den anderen Verhütungsmethoden (Pille, Kondom etc.) deutlich näher als einer Abtreibung. Beim da wird üblicherweise nicht gefragt, warum man jetzt kein Kind will.

        „Du hast Phantasie (gegen Schulzwang bin ich btw ebenfalls, und der Gurtzwang als Vergleich ist sehr lächerlich).“

        Tatsächlich? Ich habe noch nie jemanden getroffen, der gegen die Schulpflicht ist.

        „Aber mal ehrlich: ein Gespräch allein hilft da doch auch nix, bei jemand der tatsächlich unter Repressionen steht. Wenn schon müssten die Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen auch das Recht bekommen, in Einzelfällen, wo sie den begründeten Verdacht haben, dass… den Frauen hinterherzutelefonieren, Anzeige zu erstellen usw.
        Wärst Du dafür?“

        Es geht ja nicht NUR um Repressionen, sondern um auch Unwissenheit über Zahlungen die einem zustehen und anderen bürokratischen Scheiß. Das kann ein Gespräch sehr schnell klären.
        Und natürlich KANN ein solches Gespräch Frauen unter Druck helfen, wenn auch nicht allen. Wie schon gesagt: Ich halte das für zumutbar.
        Auf andere Formen, die dagegen schon an Überwachung grenzen, trifft das nicht zu.

      • „Verhütung ist in Deutschland nicht strafbar“

        Aber wenn Dein klassisch-feministischer Wunsch nach einem RECHT auf Abtreibung (ich betone gerne: NOTrecht) umgesetzt würde, fiele dieser Unterschied ja weg.

        „Tatsächlich? Ich habe noch nie jemanden getroffen, der gegen die Schulpflicht ist.“

        Einmal ist immer das erste Mal😉

        „Es geht ja nicht NUR um Repressionen, sondern um auch Unwissenheit über Zahlungen die einem zustehen und anderen bürokratischen Scheiß. Das kann ein Gespräch sehr schnell klären.“

        Einfachste Lösung: eine (mehrsprachige) Informationbroschüre, die der Gyn bereits bei der Feststellung einer Schwangerschaft aushändigt.

        „Ich halte das für zumutbar.“

        Es gibt Leute (Du natürlich nicht), die halten es für „zumutbar“, dass Frauen ungewollte Schwangerschaften austragen mit dem Argument, es gäbe ja schließlich die Möglichkeit zur Adoptionsfreigabe.

        Einen kurzen Krankenhaus- oder Arztbesuch, auch um zu klären, ob die Pille danach genannte Hormonbombe überhaupt von Nöten ist, fandest Du eher „nicht zumutbar“.

        Immernoch wüsste ich gern warum genau.

      • „Aber wenn Dein klassisch-feministischer Wunsch nach einem RECHT auf Abtreibung (ich betone gerne: NOTrecht) umgesetzt würde, fiele dieser Unterschied ja weg.“

        Das war in dem Fall eher im übertragenden Sinn gemeint. Nur völlig bekloppte religiöse Spinner haben was gegen Verhütung. Ansonsten fragt weder bei der Pille, noch bei Kondomen und auch nicht bei der Pille danach eine Sau danach, warum man jetzt kein Kind will.

        „Einfachste Lösung: eine (mehrsprachige) Informationbroschüre, die der Gyn bereits bei der Feststellung einer Schwangerschaft aushändigt.“

        Wenn ich mir überlege, wie viele Leute bei uns nach dem Preis für ein Bier fragen, obwohl sie eine Karte vor sich liegen haben, weiß ich, dass sowas nichts bringt.

        „Einmal ist immer das erste Mal“

        Das ist dein gutes Recht. Ich finde das dumm.

        „Einen kurzen Krankenhaus- oder Arztbesuch, auch um zu klären, ob die Pille danach genannte Hormonbombe überhaupt von Nöten ist, fandest Du eher “nicht zumutbar”.

        Immernoch wüsste ich gern warum genau.“

        Weil es keinen Nutzen hat. Ein Arzt leistet in diesem Fall nichts, was nicht auch eine Apothekerin leisten kann. Die gynäkologische Untersuchung, auf die manche Ärzte bestehen, ist erwiesenermaßen sinnlos, während das Beratungsgespräch auch in der Apotheke geführt werden kann. Sorgen wegen des übermäßigen Gebrauchs der Pille Danach als normales Verhütungsmittel sind gegenstandslos, weil sich das sowohl über den hohen Preis als auch über die stärkeren Nebenwirkungen selbst reguliert (selbst wenn jemand so doof wäre). Bei diesem damit an sich recht harmlosen Medikament erhöht die schnelle Einnahme die Erfolgschancen, womit der Umweg über einen Arzt (der sich zudem möglicherweise weigert, ein Rezept auszustellen, weil er ein Pro-Life-Bekloppter ist) zusätzlich eine Belastung darstellt. Reicht das?

      • „Ansonsten fragt weder bei der Pille, noch bei Kondomen und auch nicht bei der Pille danach eine Sau danach, warum man jetzt kein Kind will.“

        Warum dann bei der Abtreibung?
        (Ich weiß nicht, ob es wirklich so ist. Aber ich vermute, dass die meisten Frauen sich da im vorhinein im Geiste eine kurze Erklärung zurechtlegen, weshalb es jetzt nicht geht, bevor sie zu ihrem aufoktroyierten Gesprächstermin antanzen)

        „Weil es keinen Nutzen hat. Ein Arzt leistet in diesem Fall nichts, was nicht auch eine Apothekerin leisten kann.“

        Aber Du glaubst, dass die MA einer Beratungsstelle innerhalb kürzester Zeit besser erkennen könnte, ob die Frau von sich aus Abtreibungswillig ist oder dazu gedrängt wird oder Unterstützung benötigt als ihr/ein Gyn, den sie ohnehin mehrmals aufsuchen muss für den Eingriff?

        „womit der Umweg über einen Arzt (der sich zudem möglicherweise weigert, ein Rezept auszustellen, weil er ein Pro-Life-Bekloppter ist) zusätzlich eine Belastung darstellt.“

        Eben. Als Abtreibungswillige in eine Einrichtung gehen zu MÜSSEN, die aufm Schild z. B. „PRO FAMILIA“ stehen hat, ist genau das:
        eine zusätzliche Belastung. Als wäre der Schritt an sich nicht schon schwer genug.

      • „Warum dann bei der Abtreibung?“

        Weil da eine Schwangerschaft vorliegt.

        „Aber Du glaubst, dass die MA einer Beratungsstelle innerhalb kürzester Zeit besser erkennen könnte, ob die Frau von sich aus Abtreibungswillig ist oder dazu gedrängt wird oder Unterstützung benötigt als ihr/ein Gyn, den sie ohnehin mehrmals aufsuchen muss für den Eingriff?“

        Das Gespräch, bei dem ich damals als Begleitung dabei war, war schnell vorbei, weil die Entscheidung meiner Freundin feststand, aber im Zweifelsfall kann das auch ne Stunde gehen. Ich welcher Frauenarzt hat heute noch Zeit für sowas?

        „Eben. Als Abtreibungswillige in eine Einrichtung gehen zu MÜSSEN, die aufm Schild z. B. “PRO FAMILIA” stehen hat, ist genau das:
        eine zusätzliche Belastung. Als wäre der Schritt an sich nicht schon schwer genug.“

        Ich meinte keine seelische, sondern eine zeitliche Belastung, weil es bei der Pille Danach eben so schnell wie möglich gehen muss.

      • „Weil da eine Schwangerschaft vorliegt.“

        Und wen geht das was an, wer hat das Recht eine Begründung zu verlagen, wenn die Frau zur Abtreibung entschlossen ist?
        Wenn ich Dich richtig verstanden habe beim Geschlechterallerlei meinst du ja selbst: eigentlich niemanden!
        D’oh!

      • Ich habe dort gesagt, dass ich für das Recht auf Abtreibung bin, egal was der Vater dazu sagt. Ich habe hier ergänzt, dass dieses Recht mMn mit der zumutbaren Pflicht einhergeht, ein kurzes Gespräch, an dessen Ende man auf jeden Fall eine Bewilligung bekommt, über diese Entscheidung zu führen. Da ist kein Widerspruch. Komm damit klar oder lass es.

  2. P.S.

    Hab schon länger Nichts derart Frauenverachtendes gelesen wie das hier:

    „Anders erhält man nämlich am Schluss keine emanzipierten Frauen, sondern verwöhnte Kackbratzen, die darauf insistieren, ihre gesunden Babys bis kurz vor der Geburt umbringen zu dürfen, weil den wankelmütigen Madames vielleicht halt mal ein halbes Jahr zu spät einfallen könnte, dass ein Kind ja jetzt irgendwie doch nicht so gut passt.“

    • Es ist nicht frauenverachtend, Frauen scheiße zu finden, die beschissene Dinge tun, und das auch zu sagen. Es ist nicht mein Verständnis von Feminismus, jede Frau feiern zu müssen, egal wie ekelhaft sie sich aufführt.

      • Die Sprache und das Bild; das Du hier bedienst geht mal einfach gar nicht.

        Es gibt um die 30 Neonatizid-Fälle jedes Jahr in D.
        Gestrafte Wesen, diese Täterinnen, in meinem Verständnis.
        So wie auch die Frauen, die eine Spätabtreibung begehren (i.d.R. wegen diagnostizierten Schwerstbehinderungen):

        Ich kann Dich nur damit entschuldigen, dass Du gerad psychisch übelst drauf bist. Gute Besserung!

      • „Ich kann Dich nur damit entschuldigen, dass Du gerad psychisch übelst drauf bist. Gute Besserung!“

        Und mit dem Spruch kannst du mich dann ab jetzt gerne am Arsch lecken.

      • Ok, also um DAS wenigstens noch richtig zu stellen:
        mein Fehler war das „i.d.R.“, das hätt ich mir sparen sollen. Es gibt keine Spätabtreibungen außer medizinisch-indizierte, und das ist auch verdammt richtig so!

      • Dann lies das nächste Mal das, was ich geschrieben habe, und phantasiere nicht irgendeine Scheiße zusammen.

        Und jetzt geh zu deinem Psychoheini und wage es nie wieder, hier zu kommentieren.

  3. @ Sheera

    Bezüglich des Themas des Artikels bin ich hier mit Robin weitgehend einer Meinung.
    Aber ich wollte dich hierzu was fragen:

    „gegen Schulzwang bin ich btw ebenfalls“

    War ich früher auch mal.
    Heute bin ich allerdings eher nicht für völlige Abschaffung, sondern für Reduzierung des Schulzwangs, also quasi für einen „Kernschulzwang“, der sich auf die Vermittlung von für die Erhaltung eines hohen zivilisatorischen Niveaus sehr wichtige Dinge beschränkt und daneben viele, viele Angebote, die freiwillig sind.

    Wie sieht denn deine Alternative zum Schulzwang aus?

  4. Danke für diesen Beitrag. Schlüssig argumentiert, und auch, wenn ich darüber noch nie so nachgedacht habe (weil es mich in keinem Fall betreffen wird, weil ich ja nicht schwanger werden kann), fand ich das sehr nachvollziehbar und überzeugend.

  5. Toller Artikel!
    (Ich war, zugegeben, überrascht. Ich glaube, ich hatte eher erwartet, dass Du gegen das Beratungsgespräch wetterst. Aber da hatte ich Dich falsch eingeschätzt.)

  6. Auch von mir ein Danke für die beiden Beiträge. Als Mann komm ich nämlich normalerweise nicht zu solchen Einblicken. Und denke vermutlich viel zu pragmatisch, wenn ich mir sage, dass es vor jedem operativen Eingriff sowieso eine Belehrung über Risiken und mögliche Nebenwirkungen/Folgen gibt, also warum nicht auch vor einer Abtreibung, wo ja noch die psychische Komponente dazukommt.
    Nuja, ich seh jedenfalls kein Aufregungspotenzial, wenn man nach dem Termin seine Bescheinigung kommt, egal wie frau sich entscheidet.

    Oh, und @Schulpflicht: Wenn ich seh, was hier so durch die Straßen läuft, höre wie und auch was es spricht, dann ist eine Aufhebung der Schulpflicht das Letzte, was diese Gesellschaft braucht.

    • So ganz vergleichbar ist das nicht: Der Beratungstermin behandelt die Risiken der Abtreibung höchstens nur am Rande. Für die medizinischen Belange gibt es da den Arzt. Aber wegen den anderen genannten Aspekten halte ich es eben trotzdem für wichtig.

      Schulpflicht: unabdingbar. Das ist das beste Beispiel dafür, dass eine Pflicht nicht unbedingt eine Bevormundung sein muss, wenn die positiven Effekte größer sind.

      • Schon klar, aber ich war zu faul, noch mehr dazu zu schreiben. Aber da, wo der Doc die medizinischen Aspekte klärt, kann/soll/wird das Beratungsgespräch sich eher um psychologische Probleme kümmern. Die wiederum bei einer „normalen“ (naja, du weißt hoffentlich, was ich mein) OP nicht auftauchen.

  7. „Dass er dies allerdings ziemlich sicher tun wird, wenn man ihn in Ruhe lässt, ist halt auch ein Fakt – und ich der Meinung, dass es keine unzumutbare Last ist, etwa eine halbe Stunde Zeit zu opfern, um die Entscheidung zur Abtreibung in einem Beratungsgespräch zu bestätigen, wenn damit mögliches Leben gerettet werden kann. Zumindest DAS hat der Fötus meiner Meinung nach verdient, egal, was später daraus wird.“
    Schön formuliert, dem kann ich mich gerne anschließen.

  8. Jeder, der mit Menschen zu tun hat, wird nachvollziehen können, dass ein Beratungsgespräch in Extremsituationen nichts Dummes ist.
    Vermutlich jeder hier kennt die Situation, die Tage sind überfällig. Das hat mir in jungen Jahren schon genug Stress bereitet (meine Frau war da eigentlich immer sehr regelmäßig). Den Stress, den meine Frau da empfand, war wahrscheinlich noch deutlich größer. Man sieht da seine Lebensplanung schwinden, wenn das Kind dann auch noch ausserhalb einer festen Partnerschaft.. Wäre meine Frau ungewollt schwanger geworden, z.B. während des Studiums..
    Ich hatte da arge Gewissensbisse. Mein Standpunkt da war, ich unterstütze deine Entscheidung, egal, wie sie ausfällt. Klingt ja erstmal gut, aber damit hätte ich, so sie sich für eine Abtreibung entschieden hätte, die komplette Verantwortung der Entscheidung auf sie abgewälzt. Auch nicht prickelnd.
    Eine Schwangerschaft und vor allem auch deren Abbruch hat nicht nur eine medizinische Komponente. Da kommt sowohl eine soziale als auch noch eine ethische und eine psychische hinzu.
    In so einer Ausnahmesituation kann es eben schon sein, dass einem der Abbruch als die einzig mögliche Lösung erscheint, auch wenn es bessere Möglichkeiten gäbe. Robin hat hier einige aufgezeigt. Auch im Job (die schmeissen mich doch sofort raus, ich bin in der Probezeit.. nein, machen sie nicht, sobald du schwanger bist, stehst du unter besonderem Kündigungsschutz).
    Es gibt da vieles, das man da uU schlicht nicht weiss.

    Auch wenn ich nicht für ein Abtreibungsverbot bin, und ebenso für die rezeptfreie Pille danach, ein Schwangerschaftsabbruch ist eine Sache, bei der es vielleicht nicht nur um die Frau geht. Irgendwann wird aus dem Zellklumpen ein Mensch. Wann das der Fall ist, wage ich nicht wirklich zu beurteilen.
    Dennoch ist das mehr, als sich ein Liposom rausschneiden zu lassen.
    .

  9. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass das Beratungsgespräch erhalten bleiben sollte, aus ähnlichen Gründen. Nicht nur, um die Frau zu schützen, sondern eben auch des Embryos wegen. Ganz ehrlich gesagt bin ich mir sogar nicht so ganz sicher, ob man Abtreibungen nicht nur bis zur 10. Woche erlauben sollte, das ist aber wohl eher was Emotionales, weil ich meine Kinder (incl. deren damals schon ziemlich perfekte Hände, Füße und Köpfchen) in der 12. Wo im US gesehen habe.

    Die Pro-Life-Bewegung finde ich allerdings dennoch furchtbar, ein bigotter Haufen samt und sonders, ich kenne leider so einige davon persönlich (und dort ist dann oft genug die Frau wahlweise „sündig“ oder „eine Mörderin“).
    Was ich extrem wichtig finde: Dass so ein Beratungsgespräch keine Wartezeit hat bzw. nahezu keine. Denn de facto ist es eine Möglichkeit, über lange Wartezeiten eine „Fristüberschreitung“ zu erzwingen (ich habe ähnliche Überlegungen schon von Pro Life Leuten gehört, also, dass es ja dumm war, aus der Beratung auszusteigen, weil man da diese Möglichkeit zur Verfügung gehabt hätte). Wenn die Frau auf das Gespräch zwei Wochen warten muss und dann noch auf den Termin beim Arzt zwei Wochen, kann es schon ziemlich knapp werden. Und ich bin, wie gesagt, der Ansicht, dass eine Abtreibung wenn, dann so früh wie möglich erfolgen sollte.

    Diese Formulierung allerdings „Anders erhält man nämlich am Schluss keine emanzipierten Frauen, sondern verwöhnte Kackbratzen, die darauf insistieren, ihre gesunden Babys bis kurz vor der Geburt umbringen zu dürfen, weil den wankelmütigen Madames vielleicht halt mal ein halbes Jahr zu spät einfallen könnte, dass ein Kind ja jetzt irgendwie doch nicht so gut passt“ finde ich jetzt doch ziemlich hart (ja, ich weiß, dir ging es um gesunde Kinder). Ich weiß, dass es auch bei Spätabtreibungen häufig schwierige Fälle gibt z. B. von schwerst- und mehrfachbehinderten Kindern, bei denen die Mutter nicht wankelmütig ist und auch keine „madame“, sondern schlicht merkt, dass sie es doch nicht packen wird. Genauer gesagt hatte ich so einen Fall in der näheren Verwandtschaft. Das Kind war nachweislich mehrfach behindert, beide hatten sich nach längerem Überlegen dafür entschieden, der Vater bekam allerdings kalte Füße. Sie hat es dann allein aufgezogen bis zum 12. Jahr, wo es starb. Und das war verdammt hart und nicht zu unterschätzen und hat sie gesundheitlich auch ruiniert. Ich kann mir vorstellen, dass solche Frauen oft weit davon entfernt sind „madames “ zu sein, sondern dass sich ihre Lebensumstände eventuell nochmal drastisch ändern im Verlauf der Schwangerschaft (auch wenn das Kind nicht behindert ist, kann das ja vorkommen). Ich würde Spätabtreibungen nicht erlauben, aber habe doch Verständnis dafür, dass manche Frauen in extremen Lebenslagen diesen Wunsch äußern. Speziell wenn man im Verlauf der Schwangerschaft plötzlich „alleinerziehend“ wird, ist das mit Sicherheit verdammt hart.

    • „Diese Formulierung allerdings “Anders erhält man nämlich am Schluss keine emanzipierten Frauen, sondern verwöhnte Kackbratzen, die darauf insistieren, ihre gesunden Babys bis kurz vor der Geburt umbringen zu dürfen, weil den wankelmütigen Madames vielleicht halt mal ein halbes Jahr zu spät einfallen könnte, dass ein Kind ja jetzt irgendwie doch nicht so gut passt” finde ich jetzt doch ziemlich hart (ja, ich weiß, dir ging es um gesunde Kinder). Ich weiß, dass es auch bei Spätabtreibungen häufig schwierige Fälle gibt z. B. von schwerst- und mehrfachbehinderten Kindern, bei denen die Mutter nicht wankelmütig ist und auch keine “madame”, sondern schlicht merkt, dass sie es doch nicht packen wird. Genauer gesagt hatte ich so einen Fall in der näheren Verwandtschaft. Das Kind war nachweislich mehrfach behindert, beide hatten sich nach längerem Überlegen dafür entschieden, der Vater bekam allerdings kalte Füße. Sie hat es dann allein aufgezogen bis zum 12. Jahr, wo es starb. Und das war verdammt hart und nicht zu unterschätzen und hat sie gesundheitlich auch ruiniert. Ich kann mir vorstellen, dass solche Frauen oft weit davon entfernt sind “madames ” zu sein, sondern dass sich ihre Lebensumstände eventuell nochmal drastisch ändern im Verlauf der Schwangerschaft (auch wenn das Kind nicht behindert ist, kann das ja vorkommen). Ich würde Spätabtreibungen nicht erlauben, aber habe doch Verständnis dafür, dass manche Frauen in extremen Lebenslagen diesen Wunsch äußern. Speziell wenn man im Verlauf der Schwangerschaft plötzlich “alleinerziehend” wird, ist das mit Sicherheit verdammt hart.“

      Bei spät diagnostizierten Behinderungen ist das nochmal was anderes. In so einer Situation will ich auch niemals stecken, aber ethisch ist das halt auch nicht so einfach, vor allem auch vor dem Hintergrund der im feministischen Kontext ablaufenden Ableismus-Debatten.
      Aber an sich habe ich mich wirklich nur zu der generellen Möglichkeit der Spätabtreibung (heißt in dem Fall: bis ein Tag vor der Geburt) äußern wollen, die tatsächlich von einigen wenigen Radikalfeministinnen (z.B. Julia Schramm) gefordert wird. Argument ist hier einzig das „Selbstbestimmungsrecht der Frau“. Dafür bin ich natürlich auch, aber nicht, wenn es mit vollkommener Verantwortungslosigkeit einher geht. Und sowas nenne ich dann, so leid es mir tut, verwöhnt.
      Vor allem macht es nicht mal Sinn. Wie ich gestern schon im Geschlechterallerlei schrieb: Ein so großer Embryo, ob tot oder lebendig, muss trotzdem irgendwie aus der Frau raus, und das geht dann entweder über den Geburtskanal (sogenannte „stille Geburt“) oder per Kaiserschnitt. Warum muss ein gesundes (!) Baby im Mutterleib getötet werden, wenn die Frau doch so oder so eine Geburt über sich ergehen lassen muss?

      • Mir ging es auch mehr um ein gewisses Verständnis für den Wunsch bei bestimmten Müttern (nicht darum, das gesetzlich zu verankern, aber um eine verständnisvolle Haltung für die Mutter). Das Beispiel meiner Verwandten war insofern schlecht gewählt, als ich eigentlich nur ausdrücken wollte, dass es auch im Verlauf einer Schwangerschaft zu schwierigen Situtionen und Änderungen im Leben kommen kann, die die ursprüngliche Entscheidung noch einmal in Frage stellen. Einfacher wäre eigentlich ich selbst als Beispiel gewesen. Ich wurde ungeplant schwanger in einem für Akademikerinnen eher frühem Alter, beruflich noch nicht gefestigt und auch noch mitten in einer Beziehungskrise und war entsprechend zwiegespalten. Damals sagten mir eine ganze Reihe Leute hoch und heilig ihre Unterstützung zu und ich ging erstmal optimistisch in die Schwangerschaft. Das Ende vom Lied war, dass meine Schwester im Verlauf der Schwangerschaft wegzog, mein Vater einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter nach oben stieg, meine Mutter zwei neue Projekte übernahm und meine Freundinnen es größtenteils langweilig fanden, dass ich soviel daheim sein musste. Dazu kam noch, dass mein AG Probleme machte. Nach Schwangerschaft lief es dann auch genauso, wie ich gegen Ende befürchtet hatte. Meine Eltern hatten keine Zeit, die Schwester war zu weit weg und meine Freundinnen beschränkten ihre Hilfe (bis auf eine Ausnahme) darauf, mit „süüüüüßen“ Babysachen, das „süüüüüüße“ Baby zu besuchen und dabei Kuchen zu essen, den ich vorher gebacken hatte und mein AG versuchte, mich mit allen möglichen Mitteln loszuwerden (wie auch eine weitere schwangere Kollegin). Zum Glück erwies sich dann, dass mein Mann und ich eine Art „Dreamteam“ sind, was die Kinderbetreuung betraf. Trotzdem lief alles ganz anders als ursprünglich geplant und zwischenzeitlich war ich auch wirklich verzweifelt. Und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn die Beziehung im Laufe der Schwangerschaft zerbricht und vom Umfeld keine Hilfe zu erwarten ist und vielleicht zusätzlich noch der AG Ärger macht. Die Situation am Ende einer Schwangerschaaft kann ja wieder ganz anders sein, als die zu Anfang, Trotzdem bin ich gegen Spätabtreibungen, möchte aber keine Mutter moralisch verurteilen, die so verzweifelt ist, dass sie diese Möglichkeit in Betracht ziegt.

  10. Was übrigens am Rande dieser Diskussion interessant ist: Einige der mir bekannten Pro-Life-Aktivisten sind zugleich absolute Gegner der Schulpflicht …

    • @margret
      Um Argumente für die Schulpflicht zu finden muss man sich oftmals nur die Leute angucken die dagegen sind.
      Hyperchristen, Sektenleute, Verschwörungstheoretiker, Demokratiegegner und dann natürlich noch die Leute die meinen ihr Kind sei ihr Eigentum, wo ihnen auch niemand reinquatschen darf, schon gar nicht Schule und Jugendamt (Überschneidungen möglich).
      Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

      • @ Maren

        „Um Argumente für die Schulpflicht zu finden muss man sich
        oftmals nur die Leute angucken die dagegen sind.
        Hyperchristen, Sektenleute, Verschwörungstheoretiker, Demokratiegegner und dann natürlich noch die Leute die meinen ihr Kind sei ihr Eigentum, wo ihnen auch niemand reinquatschen darf, schon gar nicht Schule und Jugendamt (Überschneidungen möglich).
        Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.“

        Dass es Kritik an der Schulpflicht nur bei Rechten, Reaktionären und religiösen Fundamentalisten gebe, ist allerdings falsch – es gibt darüber hinaus sowohl eine linke als auch eine (radikal)-liberale Kritik an der Schulpflicht und zwar mit interessanten und bedenkenswerten, auch kinderrechtlichen Argumenten.

        Ich bin libertärer Sozialist, eine Ablehnung der Schulpflicht ist im libertären Sozialismus verbreitet.
        Dass ich bei diesem Thema von der reinen Lehre abweiche, (was ich höchst ungern tue) liegt vor allem daran, dass eine Abschaffung der Schulpflicht es m.E. rechten, reaktionären und religiös-fundamentalistischen Gruppierungen zu stark erleichtern würde ihre Kinder im Sinne ihrer Ideologien zu indoktrinieren. Das ist mein Hauptargument gegen Homeschooling. (Vielen der Argumente der linken Homeschooling -Befürworter stimme ich ansonsten durchaus zu.) Eine Aufgabe der Schule sollte es m.E. auch sein, Kindern aus autoritären Elternhäusern einen gewissen Freiraum zu bieten, den sie ansonsten nicht hätten. In diesem Sinne kann es also auch ein freiheitliches Argument für die Schulpflicht geben (sage ich meinen Genossen in solchen Diskussionen meistens.)

        Dass die Indoktrination durch das staatliche Schulwesen m.E. der Indoktrination durch prämodorne und reaktionäre Ideologen vorzuziehen ist, dass ich hier also bis zu einem gewissen Grad das kleinere Übel wähle, bedeutet jedoch keineswegs eine Bejahung des gegenwärtigen Schulsystens, noch eine unkritische Haltung dazu.
        Stattdessen bejahe ich – hier wieder im Einklang mit der libertär-sozialistischen Tradition – freie Alternativschulen, die in reformpädagogischer, freiheitlicher und antiautoritärer Tradition stehen:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Alternativschule

        Das gegenwärtige Schulsysten lehne ich ab und fordere es gründlich zu reformieren. Schulzwang ist zu begrenzen auf sehr wichtige Fächer und Inhalte, daneben sollte es viele, viele freiwillige Angebote geben.
        Junge Menschen zu zwingen Dinge zu lernen, die sie 1. nicht interessieren und die sie gleichzeitig 2. zu großen Teilen nicht brauchen ist m.E. kontraproduktiv und erzeugt vielfache pädagogische Gegenteileffekte.

        Ganztagsschulen lehne ich grundsätzlich ab, Zwang zu Hausaufgaben auch – Staat und Gesellschaft haben m.E. kein Recht den größten Teil des Tages eines jungen Menschen unter Zwang in Anspruch zu nehmen. Freie und ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung erfordert eben auch genügend Zeit sich eigenen Interessen und Hobbies zu widmen. Zwang zum Schulsport lehne ich ohnehin ab.
        Gegen auf Freiwilligkeit beruhende Angebote spricht dies natürlich nicht, im Gegenteil – diese sind stets wünschenswert.

      • @leszek
        Ich denke es geht bei vielen Schulpflichtgegnern (neben den genannten Gründen) einfach um Prinzipienreiterei, was auch daran zu erkennen ist, dass auch in Bildungspflichtländern die meisten Menschen Schulen nutzen.

        Mal ganz praktisch gesehen, wer hat denn bitte sowohl die Zeit, die Fähigkeiten und die Ressourcen, sein Kind angemessen auf z.B. ein Studium vorzubereiten? Insbesondere als Nichtakademiker? Wie willst du deinem Kind Oberstufenmathe beibringen wenn du es selbst nie gelernt hast?
        Die Tatsache, dass es sowohl die Möglichkeiten als auch die Pflicht gibt, sein Kind standardisiert zu bilden ist eine DER großen Errungenschaften der Menschheit und das einfach wegzuwedeln macht mich wütend.

        Zudem halte ich es für eine wichtige Station im Leben eines Kindes, sich auch einer fremden Welt (also der Schule) zurechtzufinden, andere Kinder kennenzulernen, andere Erwachsene als den von den Eltern ausgewählten Kreis. Unabhängig davon ob das Elternhaus autoritär ist oder nicht.

        *Schulzwang ist zu begrenzen auf sehr wichtige Fächer und Inhalte, daneben sollte es viele, viele freiwillige Angebote geben.*

        Welche Fächer wären das für dich?

        *Ganztagsschulen lehne ich grundsätzlich ab, Zwang zu Hausaufgaben auch – Staat und Gesellschaft haben m.E. kein Recht den größten Teil des Tages eines jungen Menschen unter Zwang in Anspruch zu nehmen.*

        Nun diese Konzepte gibt es ja nicht, weil man die Kinder ärgern will, der Staat reibt sich nicht böse kichernd die Hände weil er wieder ein Kind in seine Gewalt gebracht hat.
        Hausaufgaben dienen der Übung und der Vertiefung des Gelernten, ebenso sollen Ganztagsschulen die Umgebung bieten in der dieses unter Anleitung geschehen kann. Und diese Anleitung wird oftmals gebraucht, ansonsten wäre ich arbeitslos.🙂

      • @ Maren

        “Ich denke es geht bei vielen Schulpflichtgegnern (neben den genannten Gründen) einfach um Prinzipienreiterei,”

        Die Prinzipien linken und liberalen Denkens, auf denen die Forderungen nach einem Recht auf freie Bildung aber einer Abschaffung der Schulpflicht beruhen, sind gut begründet.
        Kritik am Schulzwang stellt eine konsequente Anwendung menschenrechtlich fundierter ethischer Theorien auf kinderrechtliche Anliegen dar und es gibt mehrere gute Bücher zu diesem Thema.
        Wenn es darum gehen soll, grundlegende linke oder liberale Prinzipien in einem bestimmten Fall außer Kraft zu setzen, so bedarf es einer guten Begründung, warum dies zulässig oder notwendig sein sollte.
        Ein Menschenrecht auf freies Lernen auch für Kinder und Jugendliche ist erstmal sowohl schlüssig aus freiheitlichen Prinzipien ableitbar als auch intuitiv einsichtig.
        Kinder und Jugendliche sollen kein bloßes Mittel zum Zweck für die Eltern oder die Gesellschaft sein – auch nicht in ihren Lern- und Bildungsprozessen – ein Lernen vom Kinde her, aufbauend auf dessen eigene Bedürfnisse, Interessen und kreativen Potentiale ist daher erstrebenswert.

        Kinderrechtler, die die Schulpflicht ablehnen, fordern das Recht für jedes Kind über sein Lernen selbst zu bestimmen, selbst darüber zu bestimmen, was es lernt und wo es unterrichtet werden will.
        Sie sind der Ansicht, dass es neben dem Recht auf Leben und körperliche und seelische Unversehrtheit kein wichtigeres Recht gebe als das Recht über das eigene Lernen selbst zu entscheiden, weil dies ein wesentlicher Aspekt der Gedankenfreiheit sei.

        Das war früher auch meine Ansicht und ich habe mich – obwohl ich diesen Standpunkt in dieser Radikalität heute so nicht mehr vertrete – hoffentlich nicht zu weit davon entfernt.
        Mindestens sollte die Idee des Rechtes von Kindern und Jugendlichen auf ihre eigenen freien Lern- und Entwicklungsprozesse den Ausgangspunkt für alle weiteren pädagogische Reflektionen – auch kritische – bilden.
        Denn Zwang ist rechtfertigungsbedürftig und es müssen schon gewichtige Gründe vorliegen um Schulzwang zu rechtfertigen. Mit einer bloßen Abwertung als „Prinzipienreiterei“ ist es hier also nicht getan.

        Des Weiteren ist neben den weltanschaulichen Hintergründen bzw. der kognitiven Dimension auch die Möglichkeit der Existenz erfahrungsgeleiteter Hintegründe zu berücksichtigen.
        Es gibt nun einmal Menschen (und wahrscheinlich nicht wenige), die unter dem gegenwärtigen Schulsystem stärker gelitten haben (was unterschiedliche Gründe haben kann) oder denen das verschulte Lernen einfach nichts gebracht hat und die vielleicht deswegen das Bedürfnis haben, ihren Kindern Alternativen anbieten zu können.
        Und es gibt auch Eltern, die sehen, dass ihre Kinder in der Schule aus irgendwelchen Gründen leiden oder nicht gemäß ihrer Persönlichkeit lernen und sich entwickeln können. Der Wunsch nach Alternativen (Alternativschulen oder Homeschooling) ist dann naheliegend.

        “was auch daran zu erkennen ist, dass auch in Bildungspflichtländern die meisten Menschen Schulen nutzen.”

        Das ist als Argument allerdings irrelevant, denn freieres Lernen bedeutet in dieser Perspektive eben auch die Möglichkeit zu Alternativen.

        “Mal ganz praktisch gesehen, wer hat denn bitte sowohl die Zeit, die Fähigkeiten und die Ressourcen, sein Kind angemessen auf z.B. ein Studium vorzubereiten?”

        Das manche Leute diese Fähigkeiten und Ressourcen nicht in ausreichendem Maße besitzen, kann aus Perspektive eines Homeschooling-Befürworters kein Argument dafür sein, diese Möglichkeit denen zu verweigern, die diese Fähigkeiten und Ressourcen eben doch besitzen.
        Zudem besteht ja auch die Möglichkeit, dass sich mehrere Leute für ein solches Projekt zusammenschließen und ihr Wissen und ihre Ressourcen bündeln.

        “Insbesondere als Nichtakademiker? Wie willst du deinem Kind Oberstufenmathe beibringen wenn du es selbst nie gelernt hast?
        Die Tatsache, dass es sowohl die Möglichkeiten als auch die Pflicht gibt, sein Kind standardisiert zu bilden ist eine DER großen Errungenschaften der Menschheit und das einfach wegzuwedeln macht mich wütend.”

        Tja, und das Recht auf persönliche Freiheit ist eine andere DER großen Errungenschaften der Menschheit. Unsere höchsten Werte kollidieren eben häufiger miteinander und wir müssen begründet entscheiden, welchem Wert wir den Vorzug zu geben und wie das beste Gleichgewicht zwischen verschiedenen unserer höchsten Werte hergestellt werden kann.

        “Unabhängig davon ob das Elternhaus autoritär ist oder nicht.”

        Bei meinem Gegenargument, dass die Schulpflicht es Kindern aus autoritären Elternhäusern ermöglicht einen Freiraum außerhalb der Familie zu haben, die Schulpflicht in solchen Fällen also eine relative emanzipatorische Funktion haben kann, handelt es sich um eine immanente Kritik des Homeschooling, die von ähnlichen oder den gleichen Werten und Prinzipien ausgeht wie die linken und liberalen Homeschooling-Befürworter, aber eben die kritische Frage stellt, ob Homeschooling bezüglich des Erreichens dieser Ziele nicht auch ein Schadenspotential besitzt, denn nicht nur freiheitlich gesinnte und verantwortungsvolle Eltern, die ihren Kindern ein ihrer Persönlichkeit angemesseneres Lernen ermöglichen wollen, auch autoritäre und religiös- fundamentalistisch eingestellte Eltern könnten Homeschooling potentiell nutzen und der autoritären Zugriff und Einfluss auf ihre Kinder würde dadurch potentiell verstärkt, weil die Schule als mögliches Korrektiv wegfiele.

        “Welche Fächer wären das für dich?”

        Es geht mir weniger um Fächer als um Inhalte.
        Für besonders wichtig halte ich z.B. :

        – Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift (Alphabetisierung ist eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung und Erhaltung moderner Gesellschaften)

        – Grundrechenarten und einige andere mathematische Kenntnisse, aber nur solche, die jeder Mensch wahrscheinlich tatsächlich in seinem Leben gebrauchen kann

        – Grundkenntnissen und -kompetenzen in Kommunikations- und Konfliktpsychologie

        – Förderung der Entwicklung hin zu höheren Moralstufen im Sinne von Kohlbergs Stufenmodell

        – Grundkenntnisse und -kompetenzen in Lernpsychologie, Lernbiologie und gehirngerechtem Lernen

        – Grundkenntnisse über das politische und soziologische System sowie über verschiedene Möglichkeiten demokratischer Entscheidungsfindung und Partizipationsmöglichkeiten

        – ein paar Grundkenntnisse über Geschichte

        – ein paar naturwissenschaftliche Informationen, die sich aber auf sehr wichtige Aspekte beschränken (z.B. Sexualkunde und Ökologie)

        – Englisch als Fremdsprache

        – ein paar Grundkenntnisse in Informatik

        Diese Dinge würden bei mir also unter das Konzept einer “Kernschulpflicht” fallen, die für alle Schüler verbindlich wäre.
        Alles andere sowie Spezialisierungen und Vertiefungen in den bereits genannten Gebieten würde dann in vielen, vielen freiwilligen Angeboten zur Geltung kommen können.
        Dinge wie Kunst, Musik, Sport, Handwerk, Literatur, Philosophie, der größte Teil der Mathematik der größte Teil von Biologie, Chemie, Physik, Geographie, weitere Fremdsprachen, Vertiefungen bzgl. Politik, Soziologie, Psychologie usw. fallen bei mir in diese zweite Kategorie der freiwilligen Angebote.

        Religionsunterricht gäbe es keinen, wichtige Informationen Religionen betreffend, könnten in anderen Fächern zu gegebener Zeit behandelt werden, allerdings nur im Sinne neutraler Informationsvermittlung. Alles, was in Richtung religiöser Erziehung geht, lehne ich strikt ab. Schule sollte m.E. ein aufklärerisches Bildungsideal haben.

        Im Allgemeinen bin ich der Ansicht, dass es am wichtigsten ist, dass Schüler lernen selbstständig und kritisch zu denken, postkonventionelle moralische Urteile zu fällen sowie dass sie lernen, wie sie am besten lernen können.
        Das sollten die wesentlichen Lernziele sein und die Vermittlung von wichtigem Faktenwissen ist demgegenüber zwar nicht unwichtig, aber zweitrangig.

        Lässt sich die Schulpflicht im Hinblick auf die genannten Aspekte tatsächlich rechtfertigen ?
        Ich würde das Konzept der Kernschulpflicht folgendermaßen begründen:

        1. handelt es sich hierbei um grundlegende Informationen und Fertigkeiten, um sich in einer modernen Gesellschaft zurecht zu finden, in ihr befriedigend und erfolgreich leben und an ihr partizipieren zu können.
        2. handelt es sich um grundlegende Informationen und Fertigkeiten, die für den Fortbestand einer auf Aufklärung und kultureller Moderne und deren Errungenschaften beruhenden Gesellschaft sehr wichtig sind.

        Mehr Zwang halte ich für moralisch nicht vertretbar, denn Zwang zum lernen ist m.E. nur insoweit zu rechtfertigen, wenn begründet argumentiert werden kann, das es ohne diesen Zwang letztendlichen zu noch größeren Freiheitsverlusten käme als mit diesem Zwang.

        Die Koedukation wird von mir übrigens entschieden bejaht. Forderungen nach Abschaffung der Koedukation halte ich für reaktionär.

        “Nun diese Konzepte gibt es ja nicht, weil man die Kinder ärgern will, der Staat reibt sich nicht böse kichernd die Hände weil er wieder ein Kind in seine Gewalt gebracht hat.”

        Sag bloß.
        Allerdings werden die politischen und ökonomischen Eliten trotzdem schon darauf achten, das Schulsystem möglichst so einzurichten, dass es ihren Interessen und ihrem Machterhalt dienlich ist. U.a. deshalb sind humanisierende Reformen des Schulsystems ja auch so schwer.

        “Hausaufgaben dienen der Übung und der Vertiefung des Gelernten, ebenso sollen Ganztagsschulen die Umgebung bieten in der dieses unter Anleitung geschehen kann.”

        Na und? Es ist trotzdem ethisch nicht zu rechtfertigen junge Menschen den größten Teil des Tages in Institutionen einzusperren um sie fremdbestimmtem Lernen auszusetzen.
        Und es ist ebenfalls falsch mittels Hausaufgaben zwangsweise in ihre Freizeit bzw. ihr Privatleben einzugreifen (außer in seltenen Ausnahmefällen wie z.B. Vokabellernen).
        Meine Kritik bezieht sich natürlich auf den Zwang zu Hausaufgaben. Gegen Hausaufgaben als freiwilliges Angebot habe ich nichts einzuwenden, es muss dann allerdings wirklich ein freiwilliges Angebot sein.

        “Und diese Anleitung wird oftmals gebraucht, ansonsten wäre ich arbeitslos.”

        Ich habe keinen Zweifel, dass ein Mensch mit deinen pädagogischen Fähigkeiten es auch unter den von mir skizzierten Bedingungen schaffen wird einer konstruktiven Tätigkeit nachzugehen und damit Geld zu verdienen.
        Nachhilfeschüler würde es sicherlich auch dann noch geben und vielleicht sogar Schüler, die manchmal ein paar der freiwilligen Hausaufgaben zum Üben nutzen wollen.

  11. Ich habe mich noch nie so richtig mit diesem Thema beschäftigt, weil es mich (bzw. meine Partnerinnen) nie betroffen hat. Was kann eine Frau dagegen haben, vor einer geplanten Abtreibung noch einmal beraten zu werden? Ich denke, es ist nicht der Glaube an eine Bevormundung. Es ist das normale menschliche Bedürfnis, nicht mit der Scheiße die man gebaut hat, oder bauen wird, konfrontiert zu werden. Das ist nämlich unangenehm. Und eine Abtreibung ist immer Scheiße. Es gibt bestimmt nachvollziehbare Gründe, sich für den Abbruch zu entscheiden (Bequemlichkeit oder Angst vor finanziellen Einbußen sind es für mich nicht) und ich bin mir sicher, dass es für keine geistig gesunde Frau leicht ist, sich so zu entscheiden, aber es bleibt eine Scheiß-Entscheidung für mindestens einen Menschen. Selbst Leuten wie muttersheera (hoffentlich ist das „mutter“ nur ein dummer Scherz) würde ich davon abraten, obwohl ich mir bei der nicht sicher bin, ob es für das Kind nicht besser wäre…
    Das Feministinnen in der Gesellschaft meist so unbeliebt sind, ist wohl dem Einsatz solcher Hohlbratzen zu verdanken. Aber das ist ein anderes Thema.
    Auf jedem Fall möchte ich zu Robin Danke sagen für diesen Beitrag. Ich denke, jeder mit dem Herz am richtigen Fleck und „normaler“ Denkweise, wird ihr beipflichten.

    • „Es ist das normale menschliche Bedürfnis, nicht mit der Scheiße die man gebaut hat, oder bauen wird, konfrontiert zu werden.“

      „Scheiße bauen“ setzt doch voraus, dass man aktiv falsch gehandelt hat. Wo würdest du denn dieses falsche aktive Handeln ansetzen? Baut jedes zeugungsfähige/fruchtbare Paar Scheiße wenn es Sex hat?

      Unter „Scheiße bauen“ fallen solche Sachen wie: „Bin zu besoffen mich um die Verhütung zu kümmern.“ und „Och, Schatz, lass und ohne Gummi machen, mit kann ich einfach nicht. Nur dieses eine Mal! Passiert schon nichts!“ aber nicht die sicher überwiegenden Fälle, in denen eine angewendete Verhütungsform schlicht und einfach versagt hat.

      • ? Hat sich hier jemand meinen Namen unter den Nagel gerissen? Ich will hier nichts unterstellen …

        Ich finde, dass Frank mit seinem Beitrag recht hat. Selbst wenn die Verhütung versagt und man nicht selber schuld ist, ist es nicht zu viel verlangt, ein Beratungsgespräch zu führen. Auch wenn ich keine Abtreibungsgegnerin bin, und denke, dass die Frau letztendlich die Entscheidung treffen sollte, da es um ihren Körper und meist auch hauptsächlich um ihr Leben geht, sehe ich es trotzdem so wie Robin. Eine Abtreibung kann erhebliche psychische Folgen haben. Das ist einfach keine Wurmfortsatzentfernung. Ein Beratungsgespräch schadet in keinem Fall, und es ist ja auch keine Strafe.

        Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass die Verhütung in den „überwiegenden Fällen“ versagt hat^^ Hier eine Übersicht der gängigsten Verhütungsmittel:
        http://www.schoen-sicher.de/die-pille/wie-sicher-ist-die-pille
        Es muss schon sehr viel Pech zusammenkommen, dass die Pille oder ein gutes Kondom versagt.

      • Edit: wobei ich es nicht so hart ausdrücken würde wie Frank. Ich sehe ein Beratungsgespräch, wie schon gesagt, nicht als Strafe an, auch nicht als „Konfrontation mit der Scheiße, die man gebaut hat“. Das ist es gerade nicht. Es kann eine Entscheidungshilfe sein, für die Fälle, in denen die Schwangere nicht sicher ist, ob sie wirklich abtreiben möchte. In den Fällen, in denen auf sie Druck ausgeübt wird.
        Diejenigen, die ohnehin schon überzeugt sind, wird es auch nicht umstimmen. Aber selbst dann kann es nicht zu viel verlangt sein, kurz darüber zu reden, bevor man sich für diesen Schritt entscheidet.

      • Verdammt viele Haie hier🙂
        Das war wohl ein Missverständnis. Mit der Scheiße die man bauen will meinte ich die geplante Abtreibung und nicht die ungewollte Schwangerschaft.

    • @ shark Mir ist schon drüben bei maren aufgefallen, dass deine beiden letzten Antworten unterschiedliche „Farben“ hatten (so ein helles und ein dunkles Grün). Gibt es dich jetzt zweimal? Und welche von beiden ist das Original made in Austria?

      • Bei Maren war es in der Tat zweimal ich (also der Haifisch made in Austria :D). Aber mit dem Beitrag unter Franks hab ich nichts zu tun. Ich glaube, ich besorge mir lieber ein ordentliches Avatar-Bildchen, damit ich in Zukunft Verwechslungen vermeide …

      • Ah, okay. Ich hab auch keins. Aber das rosa Mandala oder was das sein, soll gefällt mir auch nicht so wirklich.

  12. Wenn alle Gespräche so ablaufen würden, wie in deinen Beispielen wäre das schön. Ich denke, da ist es wichtig, geschultes und offenes Personal daran zu setzten, dass eben beraten will und nicht zur Schwangerschaft überreden. Gerade bei Beispiel 2, dem Elteren Paar ist eine Risikoaufklärung unumgänglich, ist ja auch geschehen.

    Eigentlich müsste es die Beratungsgespräche in beide Richtungen geben, um auch über Risikos aufzuklären. Machen die meisten Gynäkologen ja hoffentlich. Kindsmorde sind ja auch keine Laune der Mutter, sondern meist verzweifelte Situationen, die man hätte verhindern können. Nicht nur durch Abtreibung natürlich, sondern gesellschaftliche Unterstützung etc.

    • Hm, ich habe das Ergebnis der Beratungssgespräche bewusst offen gelassen. Alle drei Frauen könnten sich jetzt dafür entscheiden, das Kind zu behalten, sie könnten aber auch alle drei abtreiben. Wichtiger noch war aber darzustellen, dass es Situationen geben kann, die Frauen dazu zwingen können, eine Entscheidung zu treffen, hinter der sie gar nicht stehen.

  13. Hallo Robin,

    heute heftig zu dem Thema diskutiert. Ich geriet zwischen Tante A (70) und Tante B (64). Erstere ziemlich katholisch und ziemlich Pro Life. zweitere ziemlich frauenbewegt und ziemlich Pro Choice. Die erste fand meine Position furchtbar,, weil ich die Möglichkeit zur Abtreibung befürworte, die zweite fand meine Position furchtbar, weil ich die Grenze bei 12 (vielleicht 10) Wochen setzen würde und pro Beratung bin. Naja … Auf jeden Fall erwähnte Tante B etwas, was mich schon nachdenklich gemacht hat, nämlich, dass eine Beraterin, die nicht neutral agiert, einen großen Einfluss auf die Frau haben kann, die ohnehin unsicher ist. Also z. B. die Beraterin einer katholischen Einrichtung sehr stark darauf drängen könnte, die Schwangerschaft zu erhalten, andererseits eventuell eine andere Beraterin, die z. B. denkt, ein junges Mädchen packt das nicht, sehr auf Abtreibung drängen könnte. In so einem Fall kann die Beratung ja auch tatsächlich kontraproduktiv sein und mehr schaden als nutzen. Was denkst du dazu? Wie könnte man garantieren, dass das Gespräch neutral verläuft und die Ratsuchende nicht in die eine oder die andere Richtung gedrängt wird?

    • Sorry für diese viel zu späte Antwort😦

      Ich denke, dass deine Bekannte Recht hat, allerdings ist inkompetentes oder tendenziöses Personal keine Begründung für eine generelle Ablehnung der Beratungspflicht. Um bei meinem Beispiel zu bleiben: Auch die Schulpflicht verliert nicht ihre Relevanz, nur weil es viele unglaublich schlechte Lehrer gibt oder die Schule ein Ort ist, an dem häufig gemobbt wird. Ein Missbrauchsrisiko besteht immer und in jedem Bereich. Hier muss man durch Kontrollen sicher stellen, dass die Betroffenen ergebnisoffen und individuell beraten werden.

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