Goooooo to the USAAA! Part 3: Pläne

So eine Reise will ja natürlich geplant sein. Ich tue also mal kurz so, als hätte mich des Kiezneurotikers düstere Prophezeiung nicht in nackte Panik versetzt und plane!

Wobei, Mitbewohner David wand schon vor unserer Buchung ein, dass wir ja vermutlich eh nicht einreisen dürfen. „Warum nicht?“ fragte ich. Dazu fiel ihm dann nichts konkretes ein – außer, dass er bei einer Reise nach Asien mal in einem arabischen Land zwischengelandet ist und deshalb einen entsprechenden Stempel im Pass hat. Was nun echt kein ausreichender Grund ist, würde ich meinen.

Bei dem ESTA-Verfahren, das jeder Einreisewillige über sich ergehen lassen muss, kann einem aber schon ganz anders werden. Es handelt sich dabei um einen Online-Fragebogen, den man vor dem Reiseantritt ausfüllen muss. Da finden sich neben normalen Angaben (Name, Geburtsdatum, Wohnort und so weiter) auch Dinge, die ich zumindest als leicht übergriffig empfinde – beispielsweise die Frage nach meinen Eltern oder dem Arbeitgeber.
Das ist allerdings noch zu verschmerzen, wohingegen die Frage, ob ich an einer ominösen Sache wie dem „weichen Schanker“ leide, noch für leichtes Gekicher gesorgt hat. Das war dann allerdings vorbei, als ich zur nächsten Frage kam. „Haben Sie geplant, sich an terroristischen Aktivitäten oder Völkermord zu beteiligen bzw. haben Sie sich jemals daran beteiligt?“

Ähm… was?

Hier stellt sich natürlich die Frage, wieso man Fragen stellt, auf die ein Terrorist sowieso nicht ehrlich antworten würde. Stattdessen gibt es dann ganz harmlose, unbedarfte Leute, die diese Fragen irgendwie falschrum verstehen und dann überall „Ja“ ankreuzen statt „Nein“. Und das führt dann wozu? Richtig: Einem lebenslangen Einreiseverbot in die USA!
Hm, wenn ich jetzt so drüber nachdenke… vielleicht ist das auch einfach nur ein sehr verschlankter Intelligenztest, der gar nicht auf Terroristen abzielt, sondern einfach nur solche Leute aussortieren soll.

Aber es sollte ja um unsere Pläne gehen. Davon haben wir einen ganzen Katalog erstellt.
Grob einteilen lässt sich unsere Reise in zwei Phasen: Phase „New York“ und Phase „Alles andere“. Denn wir haben vor, nach einigen Tagen in New York ein Auto zu mieten und ein bisschen rumzukurven. Aber eins nach dem anderen:

Grundsätzliches
Was wir beide wollen, ist vor allem essen. Viel, viel essen. Darunter folgendes:
– Chili-Hotdog
– Cupcakes
– Spareribs
– einen echten amerikanischen Burger in einem Diner
– etwas aus dem Red Lobster, weil ich noch nie Hummer gegessen habe
– und vieles, vieles mehr!

(Mein Cousin, der vor ein paar Jahren mal in den USA war, kommentierte das trocken mit: „Man kann in zwei Wochen in Amerika definitiv 10 Kilo zunehmen!“)

Zweitens: SHOPPING. Nachdem ich mich ein bisschen informiert habe, werde ich praktisch mit leerem Koffer reisen. Ich wusste ja schon vorher, dass meine geliebten Chucks in den USA billiger sind, aber SO viel billiger! In einschlägigen Amerika-Foren kursieren Preise um die 15-20 Dollar pro Paar. FÜNFZEHN. BIS ZWANZIG. DOLLAR! Das ist, je nach Farbe, gerade ein Drittel des deutschen Preises. Pro Paar spare ich 40 Euro!

(Mitbewohner Dave, der immer ein bisschen spitzfindig ist, kommentierte das mit: „An sich würde ich ja sagen: ‚Wenn du etwas für 20 Euro kaufst, was eigentlich 60 kostet, dann hast du nicht 40 Euro gespart, sondern 20 Euro ausgegeben‘, aber in diesem Fall…!“)

Ich habe daher vor, so viele Chucks wie möglich mitzunehmen. Am liebsten gleich 10 Paare auf einmal. Klar, das ist erst mal trotzdem viel Geld, aber langfristig hätte ich damit 400 Euro gespart, denn Chucks kaufe ich ja so oder so.
Problem ist hier der Zoll. An sich ist das recht easy: Man darf Waren bis zu einen Wert von 450 Dollar mit zurück nach Deutschland nehmen – solange es sich um Eigenbedarf handelt. Nur, welcher Zollbeamte würde mir das denn abkaufen? Trotzdem alle Schuhe dieselbe Größe haben?
Also muss ich wohl reduzieren. Fünf Paar werden es aber auf jeden Fall. Zur Sicherheit werde ich meine Sammlung fotographieren, vielleicht hilft es ja als Beweis.

Und Jeans! Mustang und Levi’s, für die man hier 100 Euro pro Hose latzen muss, kosten in amerikanischen Outlets 30 Dollar. Dafür kriegt man hier nicht mal ne H&M-Jeans! Da müssen auch einige mit.

Und dann habe ich nur aus Scheiß vor einigen Tagen eine sehr hübsche echte Lederjacke im örtlichen Mustang-Shop anprobiert, die schlappe 280 Euro gekostet hätte. Wenn ich da was schönes finden sollte und es ähnlich viel günstiger ist wie Jeans, werde ich mir das definitiv leisten.

New York
Wir werden abends um 18 Uhr ankommen, was vermutlich bedeutet, dass wir so um 22 Uhr in unserem Hostel sein werden.
Wie gesagt: Einen Tag früher buchen wäre in Sachen „Geburtstag feiern“ doch wesentlich schlauer gewesen. So werde ich eigentlich meinen gesamten Geburtstag im Flugzeug verbringen (aber vielleicht hilft es ja bei der Einreise – so ne Art Mitleidsbonus für das Geburtstagskind). Ich werde also nur im Duty-Free-Shop eine Flasche Whisky für uns kaufen und ansonsten wäre ich mit einem echten New-Yorker-Hotdog abends total zufrieden. Da wir inzwischen herausgefunden haben, dass Essen in unserem megabilligen Flug tatsächlich mit inbegriffen ist, müsste das ja reichen.

Wir wissen noch nicht genau, wie lange wir bleiben wollen. Aber auf jeden Fall sehen wollen wir folgendes:
– Ground Zero und das neue World Trade Center
– den Time Square
– Chinatown
– die Freiheitsstatue
– den Central Park

Dazu einige Dinge, auf die wir uns noch einigen müssen. Ich will zum Beispiel unbedingt zur MAD-Redaktion. Was ja im Prinzip nur ein Gebäude ist, das man sich von außen ansehen kann. Aber das hat historische Gründe.
Dann wollen wir zum Broadway – auch nur zum Kucken. Ich hätte ja megamäßig Bock, mir „The Book of Mormon“ anzusehen, aber das ist geradezu irrwitzig teuer. Aber wenn wir mal da sind und ich David überredet kriege… wer weiß!
Dafür will David in verschiedene Museen. Er steht auf moderne Kunst. Ich überhaupt nicht. Mein erster und einziger Besuch in einem Museum für moderne Kunst stattete ich dem Guggenheim-Museum in Bilbao ab und das war zwar schon irgendwie interessant, aber auch total verrückt. Ich kann damit nichts anfangen, bin aber gerne bereit, diesen Kompromiss einzugehen, wenn er mit mir dafür in „Ripley’s Believe it or not!“ geht. Das ist AUCH ein Museum, allerdings eher sowas wie ein Kuriositätenkabinett. An sich müsste ich da nicht hin, weil ich schon in der Filiale in London gewesen bin und das das größte Ripley’s der Welt ist, aber da ich mutmaße, dass jedes Ripley’s andere Exponate hat und es außerdem zu zweit viel mehr Spaß macht, möchte ich da unbedingt nochmal hin!
Und dann möchte ich unbedingt in einen echten New-Yorker-Comicshop… aus Gründen!

Alles andere
New York ist natürlich ein Erlebnis, aber umso schwieriger war es, uns darauf zu einigen, was wir danach machen wollen. Zumal David einige seltsame Vorstellungen hat.
„Das sind nur 7 Stunden Fahrt!“ teilte ich ihm zum Beispiel eines Tages freudig mit, nachdem ich den Routenplaner bemüht hatte (ich weiß nicht mal mehr wozu). „7 Stunden?!“ war seine entsetzte Antwort, „da müssen wir ja mal mindestens 20 Stunden einplanen!“

Äh – what!? Das ist eine Logik, die ich nicht nachvollziehen kann. Klar, wir wollen ja auch was sehen und gemütlich fahren, aber dann kann man mal 10 Stunden veranschlagen und nicht DAS DOPPELTE. Ich fürchte leider, das wird im Chaos enden!

Ganz kurz hatten wir die verrückte Idee, quer durch das ganze Land nach Las Vegas zu fahren. Da wäre die reine Fahrzeit allerdings schon fast vier Tage. In Davids Augen also ungefähr sechs Wochen. Zeit, die wir ja leider nicht haben.

Er war sehr niedergeschlagen, als wir diesen Plan begraben mussten, weil er unglaublich gerne mal in Las Vegas die Bank gesprengt hätte. Aber glücklicherweise hatte ich die rettende Idee: ATLANTIC CITY!!!
Dieses Mini-Vegas ist nur einen Katzensprung von New York entfernt und wird von uns nun einen Tag lang besucht. Danach sind wir entweder noch ärmer als ohnehin schon oder so stinkreich, dass der Urlaub verlängert wird. Ist ja nicht so, dass ich keine leichte Affinität zu Glücksspiel hätte, also muss ich da gewaltig aufpassen!

Als großer Stephen-King-Fan würde ich danach ja gerne durch Neuengland fahren, aber da er daran überhaupt kein Interesse hat und das Wetter momentan auch nicht so geil ist, ist dieser Plan eher unrealistisch. Zumal es mich dann doch gleichermaßen in den Süden zieht. In Florida herrschen locker 25 Grad, was mir für den März völlig unglaublich vorkommt.

Und dann stürzte ich eines Tages komplett eskaliert ins Wohnzimmer und schrie David an: „SPRING BREAK!!!“
Ich schwöre, er bekam kurz Tränen in die Augen. Das war tatsächlich etwas, das wir nicht einkalkuliert hatten, aber wenn wir schon mal da sind, wird dieses amerikanische Studentenereignis natürlich besucht.

David will die Gelegenheit nutzen, ein paar Collegehäschen aufzureißen. Ich dagegen will einfach nur ein paar Collegebübchen unter den Tisch saufen. Prioritäten, Leute.

Was noch? Wir wollen irgendwo in einem Motel im Nirgendwo übernachten, ohne dass wir einen besonderen Grund dazu hätten. Und am Ende der Reise muss natürlich das Weiße Haus fotographiert werden, auch wenn ich Washington nicht sonderlich spannend finde. Soweit jedenfalls die Pläne – aber ob das alles so kommen wird? Wir werden sehen.

Und damit verabschiede ich mich, denn die Reise startet – HEUTE!! USA, wir kommen!

Funfact zum Schluss:
Durch die Zeitverschiebung werde ich an diesem meinem 30. Geburtstag 30 Stunden Geburtstag haben. Ist das irre, oder was?

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7 Gedanken zu “Goooooo to the USAAA! Part 3: Pläne

  1. Wenn Du die gekauften Chucks bereits in NYC trägst, könnte das schon glaubwürdiger sein 🙂

    Broadway-Shows: Am Halfprice-Ticket-Shop gucken, lohnt sich total.

    Nehmt noch ins Programm auf, dass ihr mit der Staten Island Ferry fahrt.
    Du als Filmfan wirst es lieben und es gibt geniale Foto-Op’s 🙂

    Außerdem: Pastrami-Sandwich im Katz. zusammen mit NYC Blues, sprich den Polizisten …. 😉

  2. Und auch im dritten Teil hast du wieder feine Musik ausgesucht. Danke und viel viel Spaß! Ich habe für das Wochenende was ich definitiv in NY sein werde nur meinen Besuch im Adam Yauch Park eingeplant. *lach* Sonst noch garnichts. Oh, danke für die ESTA-Erwähnung. Habe mich mit solch einem Kram noch gar nicht befasst.

  3. „einen echten amerikanischen Burger in einem Diner“

    Ich hab mal eine Doku gesehen über europäische Gourmets, die Diners in amerikanischen Kleinstädten per Rundreise besucht haben. Das wäre mein Traum. Amerikanische Kleinstädte würden mich generell viel mehr reizen als die Großstädte. Auch die ganzen Motels. Ich mag so Zeugs mit ein bisschen abgefucktem Charme.
    Und dass du dir Neuengland entgehen lässt, ist ein Frevel! Das ist doch ein Muss! Canada müsste wohl auch noch sein, wenn schon, denn schon.
    In den USA außerdem Arcata, Ashville, Eugene (Oregon) und Portland und natürlich San Francisco.

    Und ein absoltes Must Have wären für mich die Tops von C & C California – allerdings seit dem Verkauf der Firma nicht mehr so genial wie früher. Trotzdem: Bringst Du mir welche mit ;-)?

    Allerdings frage ich mich, ob ein eher überdurchschnittliches Engagment für Edward Snowden und Chelsea Manning schon ein Grund wäre, nicht einreisen zu dürfen.

  4. „Hier stellt sich natürlich die Frage, wieso man Fragen stellt, auf die ein Terrorist sowieso nicht ehrlich antworten würde.“
    Ja, das ist eine gute Frage. Sowas kommt auch nochmal auf einem Zettel im Flugzeug, den du unterschreiben musst. Und denk daran, dass die Akkus elektronischer Geräte neuerdings geladen sein müssen, damit du sie bei der Sicherheitskontrolle auf Nachfrage einschalten kannst.
    Dazu möchte ich dir nur einen Tipp aus einem Ratgeber mitnehmen: Bei der Einreise in die USA gegenüber den Grenzbeamten niemals Scherze machen oder die Sinnhaftigkeit des Prozederes in Frage stellen!
    In diesem Sinne wünsche ich dir eine schöne Reise! 🙂

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