Eure Awareness kotzt mich an!

Ich bin Robin, ich leide an Depressionen und möchte mich bei jedem bedanken, der mir in den vergangenen schlimmen Wochen und Monaten seine ehrliche Anteilnahme schenkte, mir wirklich helfen wollte und besorgt war.
Ihr seid lieb. Aber: Es werden keine Lieder mehr für Helden geschrieben. Darum fühlt euch nicht angesprochen von dem, was folgt. Es ist nicht für euch.

Dieser Tag beginnt, wie der letzte endete: mit Tränen.

Viel weinen oder gar nicht, viel fressen oder wenig, viel schlafen oder sich rumwälzen.

Manchmal schlafe ich 10 Stunden am Tag. Eine kleine Flucht, die mir bleibt. Ich träume meist intensiv, oft totalen Schwachsinn, aber wenigstens ist es nicht langweilig. Ich schlafe so viel, dass mir der Rücken weh tut. Oft lege ich mich ins Bett, weil ich nicht mehr sitzen kann. Und stehe ich morgens, das heißt mittags, aus dem Bett auf, geht’s nach einem Abstecher ins Bad erst mal auf die Couch – zum Ausruhen. Ausruhen vom Aufstehen. Das ist kein Witz.

Schlimm, hm? Plastisch. #Notjustsad, indeed. Diese armen Depressiven, unterstützen muss man die. Das fave ich doch mal, und noch einen Retweet als Kirsche oben drauf. Ah, jetzt geht’s mir besser. Ich bin ein guter Mensch. Ich bin aware.

Und jetzt?

Sagt mir nicht “Bitte such dir Hilfe!” Es gibt keine Hilfe. Ich möchte, dass ihr das kapiert: Es gibt keine Hilfe. Eine Depression ist nicht wie ein fauler Zahn, der einem sofort einen Notfalltermin beim Zahnarzt verschafft. Nee, hier fault nur die Seele, das ist was anderes.

Anrufen, Therapeutentermine vereinbaren. Irgendwo kommt ein Stückchen Elan her und ich greife zum Hörer. Die Therapeuten habe ich mir vorher aus einer Liste ausgesucht.
Dabei die Frage: Kann ich da überhaupt Ansprüche stellen? Wenn man so lange warten muss, nimmt man dann nicht das, was man kriegen kann? Auch wenn man persönlich von einem rein psychoanalytischen Ansatz überhaupt nicht überzeugt ist? Brauche ich einen abgehobenen Freudianer, der mir erzählt, dass all meine Probleme im Endeffekt darauf zurück zu führen sind, dass meine Mutter mich nicht stillen konnte? Ach ja, und irgendwas mit Penis?

Es gibt Therapieplätze und davon viel zu wenige. Wenn ich morgen irgendwo da anrufe, habe ich mit Glück einen Termin in einem halben Jahr.
Nicht, dass ich morgen einfach irgendwo anrufen könnte. “Einfach irgendwo anrufen” ist nämlich nicht. Depressionen gehen mit Antriebsschwäche einher. Das Internet sagt dazu “Prokrastinieren”. Dieses Scheiß-Internet. Antriebsschwäche fühlt sich eher so an wie in einem Eisblock eingeschlossen zu sein. Ein Eisblock auf meiner Couch, den starren Blick auf einen Stapel Dreckwäsche gerichtet, die dringend gewaschen werden muss, weil ich nichts mehr zum Anziehen habe und es anfängt zu müffeln und mit jedem Tag wächst der Berg trotzdem weiter, aber ich sitze einfach nur da und starre. Manchmal werde ich nachts wach, denke an überfällige Bücher oder was auch immer gerade ansteht und bekomme Herzrasen. DANN könnte ich es sofort machen, aber dann ist ja Nacht, da ist die Bibliothek zu. Und am nächsten Morgen hat sich das Eis wieder um mich geschlossen.

Ich habe die Liste vor mir, die mir mein Hausarzt gab mit den besten Wünschen. Ich habe die Therapeuten markiert, die meine favorisierte Methode anbieten. Zehn Therapeuten. Zwölf verschiedene Sprechstundenzeiten.
Mir laufen wieder die Tränen. Ich lausche den Ansagen vom Band, notiere mir die Sprechstundenzeiten, darunter so Perlen wie “Montags zwischen viertel vor 9 und 9″. Ich habe einen Schritt gemacht und er war umsonst ohne den nächsten.
Der nächste Schritt. Der nächste Schritt. Zwei bis achtzig Wochen später, Montagmorgen. So lange habe ich gebraucht, bis ich rechtzeitig aufstehen konnte. 8 Uhr fünfundvierzig. Es klingelt. Niemand geht ran. Ich probiere es noch drei Mal. Nichts.

Keine Chance, unter sechs Monaten Wartezeit irgendwo unter zu kommen – außer Psychiatrie, die MÜSSEN einen ja nehmen, aber für Menschen mit Depressionen ist das nichts anderes als eine Verwahranstalt. Aggressive Leute, Schizophrene mit Wahnvorstellungen, drogeninduziere Psychosen vor allem. Krankenhäuser, die Psychiatrien angeschlossen haben, schicken dort am Wochenende gerne Komasäufer hin. Die sind nämlich laut und kotzen, das nervt, also raus aus dem Krankenbett, ab zu den Psychos, und diese zwar zu hart feiernden, aber ansonsten völlig gesunden Menschen müssen am nächsten Tag Fragen zu ihrer nicht vorhandenen Suchtproblematik beantworten, weil die in der Ambulanz behauptet haben, die hätten eine Suchtproblematik, weil sie die ja sonst nicht in die Psychiatrie hätten abschieben können.

Nein, da will ich nicht hin.

Ich komme durch, bekomme einen Termin. Endlich. Therapeutin: Ein Megafail. Ich soll erzählen, also erzähle ich und mittendrin unterbricht sie mich und verbietet mir, weitere Taschentücher zu nehmen, weil sie später noch Gruppentherapie hat und das ihre letzte Packung Kleenex ist. Wir verabreden einen zweiten Termin. Sie sagt ihn ab, indem sie einen Brief an meine Heimatadresse schreibt, den meine Mutter erreicht.

#NotJustSad. Depressive sind nicht einfach nur traurig. Wow. Haltet die Druckerpressen an, wir haben hier die banalste Schlagzeile der Welt.
Ihr habt studiert? Könnt Wikipedia bedienen? Warum wisst ihr das dann nicht? Und der Rest, die ganzen Arschlöcher, die einen für unzurechnungsfähig erklären oder für kleine Mimosen… denkt ihr, die lassen sich von einem Hashtag beeindrucken oder ein paar Artikeln?
Aber man liest es ja doch und fühlt sich voll aware, haut ein paar Internetadressen raus (“Hilfsangebote”) und weiter zum nächsten Skandälchen. Vielleicht hat ja jemand offizielles irgendwo “Schwule” gesagt und “Homosexuelle” gemeint, sowas geht doch nicht, Shitstorm on.

Zweiter Therapeut. Schlaffer Händedruck, ausdrucksloses Gesicht. Er sieht mich während der gesamten Sitzung nicht an und gibt mir am Ende eine Liste mit Therapeuten. Ich frage, warum er mir nur Frauen empfiehlt, mir ist das egal, ich habe keine Missbrauchserfahrung oder sonstiges, was es mir unmöglich macht, zu einem männlichen Therapeeuten zu gehen. Er nennt die Frage sinnlos. Ich deute an, dass ich aufgetaucht bin, weil ich ja bei IHM Therapie machen wollte. Er schnarrt: “Abgelehnt!” Ich bin fassungslos, springe auf, stammle irgendwas. “Unglaublich… in diesem Land…!”
Ich bin schon an der Tür. Er antwortet stoisch: “Dann wandern Sie doch aus.”

Ich weine auf dem Weg nach Hause, denke, dass diese Ignoranz mich hätte umbringen können, wäre ich gerade suizidal. Ein Teil von mir wünscht, ich wäre es.

Nur sehr wenige Behandlungsmethoden werden von der Krankenkasse anerkannt und übernommen. Eine neue Behandlungsmethode zur kassenärztlichen Legitimation zu verhelfen – ein jahrelanger Prozess, selbst wenn der Erfolg nicht wegzudiskutieren ist. Als würde man jemanden mit Schmerzen Aspirin verabreichen, weil irgendwie noch nicht abschließend geklärt ist, ob dieses ominöse Morphium auch tatsächlich wirkt.
Die Lösung besteht darin, sich einen Therapeut zu suchen, der beides kann: Die Behandlung, die von der Kasse bezahlt wird und die Behandlung, die tatsächlich am besten für einen ist. Der Therapeut therapiert dann nach der einen Methode, schreibt aber für die Kasse die andere auf die Abrechnung. So fickt man das System. Das System wollte es doch so.

Termin 3. Therapeutin, sympathisch, perfekt. Leider für mich nix frei. Aber sie empfiehlt mir Therapeuten und streicht sie für mich an.
Anruf. “Wir KÖNNEN Sie auf die Warteliste setzen, aber das dauert ein halbes Jahr!”
“Ist okay. Bitte setzen Sie mich drauf.”
“Wir haben SEHR viele Anfragen und viele kriegen zwischenzeitlich anderswo einen Therapieplatz, ohne sich bei uns abzumelden. Das ist sehr aufwendig und ärgerlich für uns. Bitte rufen Sie deshalb in drei Monaten wieder an, um zu bestätigen, dass Sie immer noch warten.”

Haha. In drei Monaten nochmal anrufen. Klar. Easy. Was spricht dagegen. “Einfach so”.

Ich bedanke mich, lege auf und notiere diese Frist in dem Wissen, dass ich sie niemals einhalten werde.

Nein, eigentlich will das System nur eines: mich tot sehen. Mich und andere wie mich. Wir kosten zuviel. Natürlich koste ich momentan überhaupt nichts, so ohne Therapieplatz, und so soll das auch bleiben. Die Nachfrage bestimmt das Angebot – nicht bei unseren Krankenkassen. Künstliche Verknappung.
Wer als Therapeut Patienten auf Rechnung der Krankenkassen behandeln will, braucht einen Kassensitz. Ein Kassensitz muss er sich aber erst kaufen gegen viele, viele tausend Euro. Und selbst wenn er so viel Geld mal einfach so aus dem Ärmel schütteln kann, kriegt er wahrscheinlich keinen, weil es ja nicht zu viele Therapeuten mit Kassensitz geben soll, denn so viel Bedarf besteht ja nicht. Also wird die Anzahl der Kassensitze klein gehalten, obwohl ein Bedarf nach Therapeuten mit Kassensitz eindeutig da ist. Angebot und Nachfrage – sonst gäbe es ja keine Wartezeiten von einem halben Jahr. Es sei denn, man ist reich und bezahlt die Behandlung selber.

Wusstet ihr nicht, ne?

Anderer Therapeut. “Die Wartezeiten für Einzeltherapie sind gerade sehr lang. In der Gruppentherapie sind aber noch Plätze frei!”
Ich mag keine Gruppentherapie. Ich hasse es, vor Fremden zu weinen. Und es interessiert mich nicht, ob Peter seit dem Tod seiner Frau keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht oder Paula in der Schule immer gemobbt worden ist. Ich fühle mich herzlos, wenn ich das denke, aber es ist so. Ich habe keine Kraft für andere. Ich habe keine Kraft für eine kaputte Gruppe.

Ich komme auf die Warteliste. Ich soll das in einem halben Jahr nochmal bestätigen. Haha.

Wenn ein Therapeut mit Kassensitz nichts mehr frei hat, kann der einen genau das bescheinigen. Sammelt man genug dieser Absagen, kann man damit zur Krankenkasse gehen. Dort knallt man denen das als Beweis auf den Tisch, dass sie mit der Berechnung des Bedarfs an Kassensitzen Scheiße gebaut haben. Die Krankenkasse bezahlt dem Patienten dann einen Therapeuten ohne Kassensitz. So bluten sie dann doch für ihre selbst erzeugte Knappheit.

Vor ein paar Jahren ging von den Krankenkassen eine Anweisung an ihre Therapeuten, solche Bescheinigungen nicht mehr auszustellen. Man wollte den Leuten keinen Therapeuten ohne Kassensitz bezahlen, auch wenn alle anderen Therapeuten schon ausgelastet waren. Dagegen haben sich die Therapeuten dann aber gewehrt. Unethisch sei das. Recht hatten sie.

Wusstet ihr nicht, ne?

Therapieambulanz. Wurde mir bereits ein Dutzend mal empfohlen. Geht schneller, ist für harte Fälle besser. Ich bin skeptisch: eine Ambulanz? Was für Ansätze verfolgen die? Können die überhaupt was?
Jahre später. Therapieambulanz, jetzt endlich. Tägliche Sprechstundenzeiten. Keiner geht ran. Aber wenigstens gibt es eine Emailadresse. Protokoll, Ausschnitt:
“Wir senden Ihnen die Unterlagen zu. Die Wartezeit beträgt sechs Monate.”
“Mir wurde gesagt, bei euch geht es schneller. War das eine Fehlinformation?”
“Ja, das war leider eine Fehlinformation.”

#NotJustSad, ja, lest das und denkt, wie schlimm das doch alles ist. “Du bist ein toller Mensch! Such dir bitte Hilfe!”
Alles klar, Leute. Wie wär’s mit einem Hashtag #NotSoEasy. Not so easy at all.

Und jetzt stellt euch vor, man würde einem Querschnittsgelähmten die Reha verweigern und was für ein Skandal das wäre. Aber ihr sagt, das wäre dasselbe. „Ableismus“. Von „to be able“ – „fähig sein“. Die Diskriminierung von behinderten Menschen, die gewisse Dinge nicht so können wie gesunde Menschen. So wie ein blinder Mensch nicht sehen kann. So wie ein gelähmter Mensch nicht gehen kann.

So wie ein depressiver Mensch nicht… was? Was, zur Hölle?

Es war selbstverständlich absolut ableistisch von mir, als selbst Betroffene anzumerken, dass ich mich gegen diesen Begriff verwehre. Nicht als behindert gelten zu wollen kann ja nur bedeuten, dass ich was gegen Behinderte habe, ableistisch bin – unaware. Definitionsmacht? Nur, wenn es ins politsche Programm passt.

Ich habe selbstverständlich absolut nichts gegen Behinderte. Die meisten Behinderten möchten ihre Behinderung nicht als tatsächlichen Makel verstehen. Recht haben sie. Und jede offene, freie Gesellschaft MUSS in der Lage sein, Behinderten und ihren Besonderheiten einen Platz bereit zu halten, eine Möglichkeit, ein zufriedenes Leben zu führen, auch ohne Sehvermögen oder funktionierenden Beinen.

Dagegen meine Depression. Oh, dafür sollte man dich nicht verurteilen und dieser Typ in diesem Flugzeug, also, dass die einfach behaupten, der sei depressiv gewesen, das KANN ja gar nicht sein! Shitstorm! Sieh nur, ich akzeptiere deine Besonderheit! Ich bin aware!

Oh mein Gott, ihr Arschlöcher, hier für euch eine Durchsage: Ich hasse meine Depression. Ich hasse sie, weil sie mein Leben zerstört, mein Leben bedroht und das letzte was ich will ist, dass ihr sie „akzeptiert“. Ich will, dass ihr sie genauso hasst wie ich und wie hoffentlich kein Behinderter seine Behinderung hasst!!!

„Aber nein, das verstehst du falsch. Ableismus, okay, damit wird meist auf Behinderungen rekurriert, aber, naja, „able“ heißt „fähig“ und umfasst alles, was damit irgendwie zu tun hat.“

Okay, ich bin also nicht fähig, morgens auf dem Bett aufzustehen, mich an Dingen zu erfreuen, glücklich zu sein. Ich bin außerdem nicht fähig, japanisch zu sprechen oder mit Computern umzugehen und einmal habe ich in einem Anfall selbstzerstörerischer Leichtsinnigkeit eine Glasscheibe eingeschlagen, musste ein paar Tage einen Verband tragen und war nicht fähig, meine Hand zu benutzen. Ableismus, Diskriminierung aufgrund fehlender Befähigung? Meine Güte, Wikipedia hat angerufen: Sie hätten gerne eine Definition, die nicht auf alles passt.

Einmal hat mir jemand, sicher in bester Absicht, mitfühlend geschrieben, wie schwer das sicher alles ist, so als Depressive. Allein, wie man auf der Arbeit diskriminiert wird. Und ich musste stumm kichern. Depression, das ist keine Behinderung, denn Depressionen kann man verstecken, jedenfalls bis es zu spät ist. Und kein depressiver Mensch geht damit in seinem echten Leben bei fremden Menschen hausieren.

Millionen Menschen leiden an Depressionen, hundert- und tausendmal mehr Betroffene als bei anderen „Besonderheiten“, für die ihr schicke neue Namen für Diskriminierungsformen erfindet, aber psychische Erkrankungen sortiert ihr bei Ableismus unter „ferner liefen“. Danke für diese Bestätigung meiner heimlichen Überzeugung, unwert zu sein. Danke für nichts.

Mich über Unwichtigkeiten ereifern, jetzt tue ich es schon selber. Nennt das, was man uns antut, halt „Ableismus“, ignoriert Stimmen von Betroffenen.
Natürlich ist es DAS, was mich eigentlich stört – nicht ein dämliches Wort. Betroffene werden nur gehört, wenn das, was sie zu sagen haben, zur Agenda passt. Und die Agenda heißt: Shitstorm. Moralische Empörung. Political correctness.

„Hab den Mathetest verhauen. Bin voll depri.“ Oh, das hat die Tussi jetzt NICHT gesagt, so ne Ignoranz, einfach medizinische Fachbegriffe zweckentfremden, wissen die Leute denn nicht, wie sich Betroffene bei sowas fühlen, Shitstorm, auf sie! Wir sind AWARE!!!

Ich lese „depri“ und fühle nichts. Weil es so unbedeutend ist. Umgangssprache. „ABER WORTE SCHAFFEN REALITÄT UND SPRACHE KANN BELIEBIG GEWANDELT WERDEN!“ – Ja, und deswegen heißt „depri“ hier „down“ und „Ich leide an Depressionen“ heißt „Ich leide an Depressionen“. So wie „Wenn ihr wirklich helfen wolltet, hättet ihr besseres zu tun als euch über so eine unwichtige Scheiße aufzuregen, ihr Idioten!!“ meint… nun, genau das. (Nur darf man „Idiot“ ja auch nicht mehr sagen. Das beleidigt Idioten. Aber möglicherweise ist es ja doch beleidigender, bei „Idiotie“ an geistige Behinderungen zu denken statt an Idioten.)

Währenddessen setzt irgendeine von euch eine Triggerwarnung über eine sexistische Werbung oder nennt eine prekäre Lebensituation „traumatisch“ und nein, das deckt sich ja so überhaupt nicht mit der medizinisch-psychiatrischen Definition, aber keine Sau interessiert’s, wer genug Fans hat, hat die Definitionsmacht, Scheiß auf Betroffene, außer die trinken mit dir einen Club Mate nach der Vorlesung und teilen deine Artikel auf Twitter. Nein, ich kritisiere keine Begrifflichkeiten, ich kritisiere diese unerträgliche Bigotterie und öde Irrelevanz eurer Awareness in Angesicht einer Krankheit, die unbehandelt zum Tod führt.

Man hat mir einen Anamnesebogen geschickt. Ich habe ihn vor mir, sechzig Seiten mit vielen intimen, distanzlosen, triggernden, ja wirklich triggernden Fragen und ich heule wieder. Fragen, steril formuliert, schwarze Tinte auf weißem Papier, ohne persönlichen Kontakt, niemand, der meine unmittelbare Reaktion sieht und mich auffangen könnte. Ich bin überfordert, denn ich weiß nicht, wie der Scheiß genau ausgewertet wird. Wenn meine Verfassung aber zu schlecht scheint, nehmen sie mich nicht. Gehen Sie in die Psychiatrie, da haben die all die tollen Drogen und ein schönes Zimmer, das Sie mit einem Komasäufer teilen können, der die ganze Nacht kotzt und sich einscheißt und morgen wieder weg ist.

Und wenn Sie nicht gehen und auch den Fragebogen nicht zurück schicken können, weil das schon wieder ein zu großer Schritt ist, weil wir Ihnen nicht helfen, weil Ihnen in diesem großen reichen Land niemand hilft, am allerwenigsten die, die es am lautesten behaupten, denn diese hysterischen Heuchler ohne auch nur das geringste Verständnis dafür, was es heißt, wirklich NICHT NUR TRAURIG und damit ALLEIN GELASSEN zu sein kreisen nur um sich selbst in ihrer billigen Imitation eines Menschen, dem andere nicht scheißegal sind – wenn Sie also letztendlich zusammenbrechen, dann tun Sie uns wenigstens den Gefallen und sterben leise.

Ich bin Robin, ich suche seit neun Jahren einen Therapieplatz und eure selbstgefällige Awareness kotzt mich so dermaßen an.


Wegen der großen Resonanz habe ich noch einige Ergänzungen nieder geschrieben. Darüber, was falsch ist, darüber, was sich ändern muss. Eure Ideen? Bitte lest hier: Awareness. Und jetzt?

Edit: Und noch zwei Nachträge:
1. Für die, die den Artikel mochten
2. Für die, die sich darüber aufregen

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102 Gedanken zu “Eure Awareness kotzt mich an!

  1. Was soll man dazu sagen außer: Verdammt gut und richtig getroffen. Habe selbst ne diagnostizierte Depression und sollte eigentlich längst eine Therapie machen, aber hab es aufgegeben nen Therapeut zu finden. Es ist einfach nur falsch wie mit diesem Thema umgegangen wird und wie die Behandlungsmethoden sind. Mit den richtigen therapeutischen Ansätzen ist oft sehr schnell geholfen, aber den muss der Betroffene erst mal finden :/

  2. Oh man, ist ja richtig übel bei dir :/ Und was für Arschloch-Theras da draußen praktizieren…

    Zum Thema kann ich dir nur zustimmen. Diese auf Symbolismus und Sprechakte ausgerichtete Helfer-Ritutale, tun viel, aber helfen wenig.

    Viel Erfolg dir trotz allem, in dieser beschissenen Situation.

  3. Hallo Robin,

    ich weiß nicht, ob es dir was bringt, aber meiner Tante ging es letztes Jahr genauso wie dir. Sie war am Ende so fertig, dass sie von meinem Onkel zum Hausarzt geschleppt wurde, der sie innerhalb von zwei Wochen in einer Klinik untergebracht hat. keine Psychiatrie, sondern eine psychosomatische Klinik. Bringt es dir was, wenn ih sie anrufe und frage, wie das genau ging und welche Klinik das war?

  4. Danke.

    Ich kann nicht viel dazu sagen, weil ich selber noch nie direkten Kontakt mit Depressionen bei mit oder anderen Personen hatte und will auch ganz bestimmt nicht so tun und dir irgendwelche Pseudo-Ratschläge geben. Ich habe keine Ahnung davon.

    Deshalb kann ich bzw. will ich mich hier für deinen Text bedanken, da mir diese Problematik nicht bewusst war. Und dir trotz allem noch viel Erfolg und Unterstützung wünschen und ich hoffe für dich, dass du doch noch einen vernünftigen Therapieplatz findest und dir geholfen werden kann.

  5. Ich bin ein wenig sprachlos. Teils aus eigener Betroffenheit aber auch zu einem großen Teil wegen meiner Ahnungslosigkeit(vor allem zum Thema Krankenkassen). Ich hatte 2008 das große Glück, eine gute Psychologin zu finden, welche mir auch sehr geholfen hat. 2012 ging es allerdings wieder abwärts und ich wollte erneut zu ihr. Da war dann derselbe Fall wie du ihn auch geschildert hattest: Warteliste, aber ich könne ja erstmal in die Gruppe. Hatte das Angebot angenommen aber ich war drei Mal da und dann nie wieder. Aus denselben Gründen. Ich hatte keine Lust und Kraft, mir die Probleme anderer anzuhören. Zudem kam ich mir unfassbar quengelig vor denn die Personen, die ebenfalls in der Gruppe waren, waren nicht nur im Durchschnitt doppelt so alt wie ich. Sie hatten wirklich, wirklich schlimme Sachen erlebt. Und dann war da ich, eine 20-Jährige mit dahergelaufener, hartnäckiger Depri-Phase. Zumindest waren das meine Gedanken damals.

    Ich finde deinen Beitrag augenöffnend und schonungslos ehrlich. Auch wenn ich selber von Depressionen und Angststörungen betroffen bin/war, so musste ich an einigen Stellen in mich hinein gehen und überlegen/einsehen, ob/dass ich zeitweise nicht auch so gehandelt habe wie diejenigen, welche du mit deinen Worten zu recht kritisierst.

    Ich hoffe sehr für dich, dass du einen guten Therapieplatz finden kannst und ein bergauf ohne tiefen Fall wieder möglich ist.

  6. Treffer. Schiff versenkt.

    Der Text hat wehgetan.

    „Oh, sie trinken Kaffee? Hören sie auf damit, dann verschwindet auch ihre Depression“

    Nein, das ist nicht erfunden. Das war ein Anthroposoph.

  7. ich hatte und habe depressionen. ich bin gleichzeitig einer der lustigsten und hilfsbereitesten menschen in meinem umfeld. und keiner will das klar bekommen.

    es traf mich im studium wie ein schlag, ich konnte nicht mehr aufstehen, zu schlapp. von heute auf morgen. tage später bekam ich husten… bestimmt nur eine erkältung… bleib mal im bett… bald ists besser. 3 wochen später bin ich immer noch „zu müde“, komisch… lieber noch etwas ausruhen. langsam geht es etwas besser, also stehe ich auf, einkaufen muss ich auch mal wieder, also möchte ich raus… es geht nicht. die tür ist plötzlich mein größter feind, draußen ist von heute auf morgen sooo weit weg und mit so vielen hürden besetzt. es scheint wahrscheinlicher auf den mount everest zu kommen als raus zu kommen.

    die reaktion meines freundeskreis war, „was ist denn los? warum kommst du nicht zur uni? wie kaputt? wie müde? haste abgebrochen? mach doch mal was schönes! geh doch einfach mal raus! also so schwer kann das doch nicht sein! hab dich doch nicht so! na irgendwas musste doch machen! Ich war auch schonmal schlapp, du musst einfach nur…! Ich war auch schonmal traurig, du musst nur…!“ und am ende „simulant“.

    die reaktion der familie war noch besser. „du kannst nicht so schlapp sein, sowas gibt es nicht.“ „was haben wir dir getan!“ „warum meldest du dich nicht“ „warum kommst du nicht vorbei“ „du musst aber jetzt mal XY“ „Ich war auch schonmal schlapp, du musst einfach nur…!“ „Ich war auch schonmal traurig, du musst nur…!“ und mein liebling „nu hab dich mal nicht so“.

    anstatt mich irgendwie zu unterstützen bekam ich nochmehr aufgedrückt. ich hatte aber glück. mein hausarzt war genial. meine depression war wie bei einigen menschen durch eine schilddrüsen unterfunktion bedingt und er hat dies bei einem routine termin erkannt. thyroxin hilft, doch die depression geht nicht einfach weg, man braucht immer noch hilfe. er hat auch dafür gesorgt das ich einen therapieplatz meiner wahl zeitnah erhalten habe.

    ich habe einen beschränkten zeitraum psychopharmaka genommen die dafür gesorgt haben, das ich überhaupt etwas machen konnte. in der therapie konnte ich diese unter aufsicht absetzen, denn ich mochte mich nicht wie ich war mit diesen medikamenten.

    das problem am ende bleibt für mich nur, depressionen sind nichts was einfach verschwindet wenn man therapiert ist. sie haben mich verändert und mich daran zweifeln lassen wer und was ich bin. depressionen schweben immer als damokles schwert über einem, sie haben eine deutliche rückfallquote.

    meine literarischen qualitäten sind gering, ich kann es nicht schreiben wie du es getan hast, ich fand auch bilder und comics haben meine situation immer besser wiedergegeben als texte. http://imgur.com/r/depression/Vdf2O

    danke für deinen text. ich habe mir einfach mal meine situation damals vond er seele geschrieben.

  8. Danke. Einfach nur Danke für den ganzen Artikel 🙂

    P.S.: Der Absatz zur politischen Korrektheit von Sprache und dass man nur genug Fans für die Definitionsmacht braucht ist einfach nur genial und auf sooo viele Aspekte des Lebens zu übertragen, dass es schon fast Angst macht ❤

  9. Danke Dir für Deinen Text. So treffend… Ich sitze hier, nicke und habe die Fäuste wütend geballt. Weil das alles so scheisse ist… Und ich nicht weiss wie man in diesem Dreckssystem irgendwie weiterkommt..

  10. Kommentar einer Therapeutin, als ich angesichts ihrer 8-monatigen Warteliste blass wurde:
    „Vielleicht haben Sie ja Glück(!!) und es klappt schneller. Es stehen sicherlich einige suizidale Patienten auf der Liste.“
    Ich habe nie herausgefunden, ob ich „Glück“ gehabt hätte, weil ich mich bei diesem Zyno-Hörnchen nicht auf die Liste habe setzen lassen.

  11. Wow, was du im ersten Teil beschreibst, klingt fast exakt wie mein Leben – nur ohne Weinen. Weinen konnte ich irgendwie nie. Leute, die geweint haben, haben mir immer Angst gemacht, da fühlte ich mich unglaublich klein und fremd.

    Eins zeigt dein Beitrag hier immerhin: Du hast Wut, eine Menge Wut sogar, so wie du dich über das System aufregst. Wut ist gut. Wut ist der erste, immens wichtige Schritt. Da kommt so mancher gar nicht erst hin.

    Bei mir hat es anderthalb Jahre gedauert, so lange stand ich auf der Warteliste. Rückblickend betrachtet frage ich mich, wie ich es eigentlich geschafft habe, in der Zeit meine Bachelor-Arbeit zu schreiben. Aber auch, wenn man dann einen Platz hat, ist das Problem ja noch lange nicht erledigt. Dann geht’s ja erst richtig los. Mein Masterstudium läuft noch schlechter, weil ich ja durch die Therapie ständig mit den schwierigen Sachen konfrontiert bin. Das zu verarbeiten ist wohl eher eine Lebensaufgabe, die Therapie ist nur der Startschuss dazu. Aber das ist natürlich wichtig. Es ist schwierig, fühlt sich aber richtig an, und das ist eine ganz andere Sache als vorher.

  12. Wow, das nenn ich mal nen Rundumschlag. Respekt! Wenn mir mal wieder jemand mit nem blöden Spruch ala „reiß dich halt etwas zusammen“ kommt, werd ich hierher verweisen. Wow.
    Danke. Einfach nur: Danke!

  13. Pingback: Eure Awareness kotzt mich an! | Bruellmausblog

  14. Ich kenne zwar dieses Gefühl der Lähmung, gegen die man absolut machtlos ist, aber es ereilt mich nur in Phasen, in zeitlich begrenzten Schüben, und ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass der „schwarze Hund“ kein Dauergast in meinem Leben ist.
    Und ich bin Dir dankbar, für diesen Wahnsinnsartikel, der mich bewegt und wütend gemacht hat. Helfen kann ich in keiner Weise, aber was immer auch vor Dir liegt: ich wünsche Dir die Kraft, es auszuhalten und durchzustehen.

  15. Oh ja,
    das meiste kann ich nur bestätigen. Und wenn du schon 9 Jahre wartest – das gibt Mut. Man, was ist das bloß für ein tolles System, das so für seine Kranken sorgt.
    Danke für deinen Post.

  16. Ich hab mir jetzt mal alles durchgelesen und möchte auch ein, zwei Sachen dazu loswerden.
    Zunächst mal: toll geschrieben. Also im Sinne von „gut zu lesen“. Aber… ich weiß nicht, ob dieser Rundumschlag gegen „die Nicht-Depressiven“ da draußen wirklich so zielführend ist. Ja, mir waren einige der Umstände, die du beschreibst, nicht bewusst. Aber viele Schuhe, die da um dich wirfst, zieh ich mir auch nicht an. Ich bin nicht „berufsbetroffen“, wenn jemand „ich bin depri“ schreibt (ich sehe dieses Beispiel genau wie du) und ich fühle mich nicht genötigt, jetzt den Samariter zu spielen und mich für Depressive zu „engagieren“. Wie auch immer das aussehen mag.
    Außerdem fehlt mir hier irgendwie etwas. Ich weiß nicht, ob jemand, der an Depressionen leidet, das überhaupt liefern kann – oder ob derjenige dann nicht eh in der Lage wäre, selbst zu therapieren – aber mir fehlt irgendwie ein Hinweis darauf, wie ein Nicht-Betroffener mit Menschen in seiner Umgebung, die an Depressionen leiden, nach deren Meinung umgehen sollte. Ich hatte sogar zuweilen das Gefühl, du erwartest von deinen Mitmenschen sogar das, was du seit acht Jahren suchst: eine fachgerechte Therapie. Bitte verstehe, dass „wir Ahnungslosen“ die gar nicht anbieten können. Wir können höchstens „aware“ sein und mit Neugierde und notgedrungen auch mit einer Portion Mitleid versuchen, euch an die Hand oder in den Arm zu nehmen und dabei „Heile, heile, Gänschen, es wird alles wieder gut!“ zu singen.
    Andererseits – und das ist letztlich der Grund, warum ich überhaupt hierdrauf so umfangreich reagiere – habe ich an vielen Stellen deines Textes (und auch bei so mancher Antwort) gestutzt und gegrübelt, ob meine Dauermüdigkeit, oft auftretende Lustlosigkeit (siehe Wäscheberg oder langes Liegenbleiben im Bett) und ähnliche Lebens-Qualitäts-Einbußen, die ich in letzter Zeit vermehrt erfahre, vielleicht doch nicht einfach nur temporäre „Launen“ sind. Und kann eigentlich zurzeit nur sagen: Ich will das nicht. Ich will nicht zu den Depressiven gehören. Ich will nicht dieselben Erfahrungen machen müssen, die du machen musstest.
    Und abschließend noch: Ich habe selbst zwei Menschen in der Verwandtschaft, die an Depressionen leiden. Jeder auf seine Weise – total unterschiedlich. Und mit beiden komme ich nicht klar. Weder so, noch so. Entweder, weil es zu oft Momente gibt, bei denen man von Depressionen überhaupt nichts merkt und dann wie vor den Kopf gestoßen ist, wenn einem dann unbeabsichtigt was „falsches“ entfährt. Oder weil ich eben einfach nicht weiß, wie ich mich der Person gegenüber am besten verhalte, wenn sie gerade mal wieder in einer „Down“-Phase ist. Ich für mich wähle dann tatsächlich meist den *hust* „einfachen“ Weg und ignoriere sowohl die Situation als auch – soweit möglich – sogar gleich die ganze Person. Denn sonst macht es *mich* fertig. Und dafür habe ich – wie du so schön im Kontext „Gruppentherapie“ scheibst – einfach nicht die Kraft.

    • Argh, zu schnell geklickt! Ok, das hier ist der Kommentar, den ich ursprünglich abschicken wollte: Ja, so ist es und ja, da ist diese unbändige Wut. Wut darüber, dass man zumindest medial in Verständnis geradezu ertrinkt aber im echten Leben bei Nichtfunktionieren ziemlich lange ziemlich alt aussieht.

      Meiner Erfahrung nach ist die Wahrheit (leider) diese:
      Abgesehen von vielleicht dem/r Partner,/in, den Eltern oder der Art Freunde, die Hanni&Nanni blass aussehen lassen, interessiert sich die Gesellschaft nicht für dein Wohlbefinden. Weil wir uns aber kollektiv gerne in der Rolle der Guten sehen, müssen wir immer uns selbst und uns gegenseitig immer und immer wieder symbolisch vom Gegenteil überzeugen. Like gegen Obdachlosigkeit! Ich hab hier mal so Links für dich gesammelt – Hilfe zur Selbsthilfe!
      Kranke lässt man heute nicht mehr auf dem Berg zurück, sondern steckt sie in ein kafkaeskes Aufbewahrungssystem. Dir fehlt nur der richtige Passierschein und dann wird alles gut.
      Am Ende aber kommt niemand und rettet dich. Es gibt keine Helden. Jeder hält sich für Frodo aber sorry, Sam hat auch ein Recht auf Selbstverwirklichung. Frodo kann’s ja mal mit der Telefonseelsorge versuchen!

      In mancher Hinsicht ist auch das Therapieangebot (was bei aller Jammerei in Deutschland bei weitem besser ist als in vielen anderen Ländern!) nur ein Pflaster, damit andere Menschen sich ruhigen Gewissens nicht mit der Existenz von Leid und Ungerechtigkeit befassen müssen. Würden wir an Therapien die gleichen Erfolgskritereien legen wie bei Medikamenten, dann wäre nichts zugelassen. Manchen hilfts, vielen aber auch nicht.

      Viel zu wenig geredet wird imho auch darüber, dass zwischen der Lebensrealität von studierten Psychotherapeuten (oder schlimmer, Psychiatern) und der von Leuten mit schweren psychischen Störungen (im Durchschnitt nicht der von Journalisten so geliebte High-Achiever mit Sinnkrise) so enorm unterschiedlich ist, dass bei ersteren Empathiedefizite eher die Regel als Ausnahme sind. Jeder sollte studierte Psychologen in seinem Freundekreis haben und die mal über Patienten/Probanden reden hören. Fun Fun Fun.

      Es gibt so viele konkrete Dinge, die man verändern könnte oder Diskussionen, die Betroffenen langfristig wirklich helfen würden. Aber der ganze Verständniskram hat eben null mit Betroffenen zu tun, sondern ist nichts als Befindlichkeitsmasturbation der Gleichgesinnten. Die meisten Leute sagen einem aus Höflichkeit ihre ganzen Vorurteile sowieso nicht ins Gesicht und ganz ehrlich, mich interessiert es auch einen Scheißdreck, ob man hinter meinem Rücken respektvoll über meinen Geisteszustand redet oder nicht.

  17. Hallo Robin,

    ein sehr interessanter und sehr trauriger Artikel ist es geworden. Es macht mich ausgesprochen wütend, dass es keine Hilfe gibt und dass unser gar wunderbares Gesundheitssystem an dieser Stelle noch beschissener ist als eh schon.
    Ich wünsch dir alles Gute und hoffe, es klappt doch irgendwie bald mit einem Therapieplatz.

  18. Hallo Robin,

    beim Lesen deines Artikels musste ich traurigerweise sehr oft schmunzeln >>> weil eben so erlebt: „Ich bin MO und DO zwischen 8:30 und 8:45 zu erreichen“, nächste Nummer besetzt, nächste Nummer Bandansage, nächste Nummer „Ich bin MI zwischen 11:45 und 12:00 zu erreichen“. Dann bin ich mal durchgekommen, die wollte mich nicht therapieren, die wollte mich direkt einweisen lassen. Die Kasse war NULL bemüht mir in irgendeiner Weise einen Platz zu verschaffen. Wartezeiten zwischen 3 und 6 Monate…JA aber ich brauche JETZT Hilfe -_- Oder auch genau dieselbe Situation mit der Warteliste „Wenn Sie in 3 Monaten immer noch an einem Platz interessiert sind, dann rufen Sie doch bitte an“, ja ne is klar…
    Man wird alle 4-6 Wochen zum med. Dienst zitiert; tut unheimlich gut, setzt einen gar nicht emotional unter Druck, gar nicht…Mein Glück hierbei war noch, dass ich einen sehr netten Arzt vor mir sitzen hatte. Da gibt es auch ganz andere. „Glauben Sie mir, ich WILL auch nicht krank sein. JA ich möchte auch so schnell wie möglich wieder einen ’normalen‘ Tagesablauf, JA ich will auch wieder arbeiten gehen und JA mir ist es unangenehm Krankengeld zu beziehen! Ich will das SO auch nicht !“ Ich werde auch regelmäßig gelobt, weil ich ja wo ‚willig‘ sei wieder gesund zu werden (..ne ich bin lieber krank…) aber jetzt muss ich mit der Kasse um einen Urlaub ringen, der mir wirklich gut tun und mich in meine Rehabiliattion auch voran bringen würde, aber nö, nixe is mit Urlaub. Dann lieber 8 Wochen Kur mit Gruppensitzung und ganz vielen anderen Depressiven (ist nicht abwertend gemeint).
    Ein weiteres Erlebnis: nach sechs Wochen bekommt man ja das o.g. Krankengeld. Ich war total konfus, hatte ich nämlich nie, meinte zu der Sprechstundenhilfe meines Arztes dann, das sei ja jetzt alles neu für mich und ich müsse ja jetzt mal schauen, wie ich mit dem weniger Geld zurecht komme. Sie daraufhin trocken: „Ja, und es gibt Menschen die sind RICHTIG krank und können sich sowas gar nicht erlauben“ Ich war sprachlos…hatte aber auch keine Kraft da irgendwas zu erwidern.
    Das Alles und noch viel mehr Unsäglichkeiten in einer Phase, wo man selber nicht mehr weiß wo Vorne und wo Hinten ist. Für mich ist das Ganze auch aus dem Grund so schwer, da ich mir meine Depression sehr lange Zeit (mind. 5 Jahre) nicht eingestanden habe und mir es immer noch schwer fällt dazu zu stehen, weil ich das immer mit Schwäche gleichgesetzt habe: ich bin zu schwach, um dieses Leben zu bestreiten. Wer gibt das schon gerne zu?! Und dann muss man sich noch mit so einem Mist auseinandersetzen, mal von den Sprüchen und schiefen Blicken abgesehen, die man erntet, wenn man sagt, man leide unter Depressionen. „Jaja, das ist ja gerade so modern, irgendwie hat gerade jeder eine Depression oder Neudeutsch, ein Burnout“
    Ich hatte Glück, habe verhältnismäßg sehr schnell einen Therapieplatz bekommen (2 Monate), direkt in der Nähe und fühle mich dort auch sehr wohl. Aber wie gesagt, das war einfach Glück. Kenne auch viele, die viel viel länger warten mussten und auch am Anfang zwischen den Therapiezeiten sehr viele Wochen liegen. Habe seit einem halben Jahr regelmäßig jede Woche eine Sitzung. Das ist wohl sehr unüblich.
    Ich habe auch Glück, das mein engster Kreis hinter mir steht und mich unterstützt. Und das wirklich auf eine angenehme Weise. Es wird nicht viel darüber gesprochen, außer ICH habe wirklich das Bedürfnis danach. Es kommen keine mitleidserfüllten Blicke oder Umarmungen. Der Umgang ist ’normal‘ a la du packst das schon und wenn du was oder wen brauchst, du weißt wo wir sind.

    Ich wünsch dir alles Gute und hoffe, dass du doch noch den für dich richtigen Therapieplatz bekommst. Danke für deinen Artikel!

  19. Scheiße!
    Mir war halbwegs bewusst, dass es schwierig ist, eine Therapeutin zu finden, aber ich dachte, das ist vielleicht nur so krass wie sonst bei Fachärztinnen, wo du ja auch unter Umständen Monate warten kannst. Ich hörte natürlich auch von Psychologinnen, wie schwierig es, einen Kassensitz zu bekommen und dass es ohne den schwierig ist zu arbeiten.
    Wenn ich das so lese, kriege ich wieder diesen Hass auf Krankenkassen. Unser Gesundheitssystem ist so am Arsch. Wir zahlen alle einen Haufen Schotter und die Kassen machen Überschuss, weil sie lebenswichtige Therapien nicht übernehmen wollen. Absolute Scheiße!
    Ich kenne diese Antriebslosigkeit von meinem Burnout. Wenn ich es einfach nicht geschafft habe, Briefe zu öffnen oder sogar Freunde anzurufen.
    Mir tut das so unendlich leid. Das wünscht man dem schlimmsten Feind nicht an den Hals. Ich wünsche dir alles Gute und drücke die Daumen, dass du einen Platz findest und es irgendeine Möglichkeit der Besserung gibt.
    Ich hasse deine Depression mit dir.

  20. Oh.
    Ehrlich gesagt würde ich Dir jetzt echt gerne was schreiben. Nur weiß ich nicht, was. Verfüge ich über genügend Selbstreflexion, um nichts Falsches zu schreiben? Ich weiß es nicht. Also falls das doch passiert, bitte nachsichtig sein.
    Weißt Du, ich denke mir:
    – Warum soll ich Robin überhaupt schreiben? Ich kenne sie ja nichtmal, habe zwar schon öfters in ihr Blog gestiezt (bzw. in Beide), aber nur sporadisch, hier und da, immer wieder gerne, aber nicht regelmäßig. Heute bin ich wegen des Links auf ednongs Seite mal wieder hier gelandet. Also: Warum sollte ich ausgerechnet jetzt etwas schreiben, vielmehr: Habe ich überhaupt „das Recht“ dazu?
    – Soll ich meine Hilfe anbieten? Kann ich das überhaupt, macht das Sinn? Ich bin kein Therapeut, keine Freundin. Die Hilfe, die Du möchtest und suchst kann ich Dir nicht bieten. Mist, aber ist so. UNd: JEmandem einfach so Hilfe anbieten – hat das nicht etwas Herablassendes?
    – Soll ich Dir sagen, wie toll und mutig ich diesen Beitrag finde? Könnte ich, ja, weil ich es so sehe. Gleichzeitig klingt es wieder so nach *Köpfchentätschel*, nach *HastDufeingemachtfüreineDepressive*. Und das sehe ich nicht so, das ist bullshit.
    Usw., usf.

    Alles, was ich oder jemand anders sagt, kann einen schalen Beigeschmack haben, etwas anderes vermitteln, als gemeint war. Deshalb aber gar nichts zu schreiben, wäre feige.
    Was also will ich Dir eigentlich sagen? Was, das nicht wie eine hohle Phrase klingt, wie eine billige Art und Weise, überhaupt etwas zu sagen und sich dann „Gutmensch“ zu fühlen?
    Tja, keine Ahnung.
    Gott sei Dank bin ich bislang von dieser fürchterlichen Krankheit verschont geblieben. Und kenne sie somit nur aus zweiter Hand. Ich habe lange Zeit jemanden „beleitet“, der an Depressionen erkrankt war. Was soll ich also sagen? Es ist scheiße, es ist Mist. Ich kann Dich gar nicht richtig verstehen, einfach, weil ich das nie am eigenen Leib erfahren habe!
    Die Starre, die Hilflosigkeit, der „Eisblock“, von dem Du schreibst: Das alles sah ich nur von Außen. Und was ich sah, war schlimm.
    Aber ich kann Dir sagen, dass ich Dir die Daumen drücke. Dass ich Dich symphatisch finde. Und stark!
    Und ich kann Dir Glück wünschen und Kraft und all das tue ich.
    Ich hoffe, Du findest eine Möglichkeit, bekommst eine Chance, in diesem Leben Dein Glück zu finden!
    Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute, liebe Robin!

  21. Ich behaupte, dass es ist für niemanden nachvollziehbar ist was man als Mensch mit einer Depression fühlt. Keiner weiß wie schwer es ist sich das überhaupt einzugestehen und wie schwer es tatsächlich ist sich aufzuraffen etwas dagegen zu tun.

    Wenn man sich dazu durchgerungen hat sich professionell helfen zu lassen kommen die von dir beschriebenen Probleme. Die Wartezeiten sind eine Katastrophe. Ich will nicht wissen wie viele aufgeben, weil sie keine Kraft mehr haben kontinuierlich am Ball zu bleiben. Was das Aufgeben für Konsequenzen haben kann, muss ich wohl nicht weiter erläutern.

    Ich habe ähnliche Erfahrungen sammeln können und ich hatte letztendlich wirklich Glück, dass in meinem damaligen Wohnort eine neue Praxis eröffnet hat. Immerhin hatte sie für kurze Zeit freie Plätze und ich konnte mit der Therapeutin auf Anhieb recht gut. Das ist nicht selbstverständlich. Es hätte genauso gut schief gehen können. Heute bekommt man dort auch nur sehr schwer einen Termin.

    Was ohne diesen Therapieplatz gewesen wäre will ich gar nicht wissen. Ich habe meine Behandlung nun nach 5 Jahren abgeschlossen. Ob das Alles war weiß ich nicht wirklich. Mir geht es wirklich besser und die richtig schlimmen Tage bleiben nun schon länger aus. Immerhin ein Erfolg. Die Angst, dass es wieder schlimmer werden könnte ist immer noch da. Wahrscheinlich wird sie es auch bleiben.

    Ich finde es sehr bedenklich, dass Depressionen nach wie vor verharmlost werden. Es wird immer noch stark zwischen physischen und psychischen Erkrankungen differenziert. Krank ist krank – auch wenn man es nicht sehen kann.

    Dir und allen anderen Betroffenen wünsche ich Kraft und Mut durchzuhalten. Es ist ein scheiß langer und schwerer Weg auf dem man sich immer wieder aufraffen und motivieren muss. Auch wenn es immer wieder ein Kampf mit sich selbst ist, sich in irgendeiner Form zu überwinden, es besteht irgendwann die Chance auf den Weg der Besserung.

    Ich hasse deine Depression und die Depression eines jeden anderen genauso wie ich meine gehasst habe! Keinem wünsche ich, dass er so etwas je durchmachen muss.

    Danke für die ehrlichen Worte und die wirklich treffenden Beschreibungen. Ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen. Hoffentlich berichtest du hier irgendwann einmal über einen Erfolg. Ich wünsche es mir für dich!

  22. Pingback: Awareness. Und jetzt? | robins urban life stories

  23. Ich kenne beide Seiten.
    Und ich finde Wut wichtig.

    Das System ist nicht perfekt. Aber wir haben kein anderes. Also wünsch ich Deiner Wut ein Ventil, das etwas verändern kann.

    Btw: Awareness ist besser als Ignoranz! Irgendwo muss ja der Umgang mit dem gelernt werden, was ewig weggeschoben wurde.

    Minusch

  24. Pingback: Depression | Jörg Rupps Blog

  25. Danke dass du so frei und offen über deine Erfahrungen und Gefühle schreibst, ich hab mich bei einigem was du schreibst wiedergefunden.
    Besonders der „Eisblock“ als Bild ist sehr treffend, ich hab es immer nur „die Starre“ genannt und mich nur gehasst dafür, dass ich wieder nichts gemacht habe.

    Die Suche nach Therapeuten hab ich aufgegeben, die wenigen Besuche fühlten sich einfach nicht richtig an, fühlte mich wie ein Betrüger und hatte auch nicht mehr das Gefühl die unbedingt zu brauchen. Im Augenblick hab ich meine dunklen Zeiten so halbwegs im Griff, gibt mehr bessere als schlechte Tage.
    Meine Freundin gab und gibt mir die Kraft mich selbst zusammenzureißen, fürchte mich trotzdem davor wieder in die schlechten Zeiten zurückfallen.

    Ich wünsche dir viel Kraft bei deiner Suche nach Hilfe und Unterstützung und hoffe dass du findest was du brauchst.

  26. Ich nehme seit einigen Jahren Psychopharmaka unter anderem wegen Depression, und muss sagen, mir helfen die Pillen, auch wenn viel gegen die Psychopharmaka gewettert wird. Die Nebenwirkungen halten sich in Grenzen, und insgesamt geht es mir mit den Pillen deutlich besser als vorher, wo sich die Behandlung auf Gespräche beschränkt hatte.

    Falls Du es noch nicht versucht hast, schau nach einem Neurologen (nicht Psychoilogen) der sich mit den Medikamenten auskennt. Es gibt eine ganze Auswahl an Anti-Depressiva, vielleicht ist eines dabei das bei Dir ausreichend gut wirkt, und nicht so viele Nebenwirkungen hat.

  27. Da bisher ja offenbar nur zustimmende Kommentare eingetroffen sind, hier eine – teilweise – Gegenmeinung:

    Der Post ist in meinen Augen zu schwarz-weiß. Ich kann Zorn, Frustration und Verzweiflung völlig nachvollziehen – wie wohl die meisten anderen Betroffenen hier. Technisch wird im Text aber nach meinem Dafürhalten Generalexklusion betrieben. Das habe ich auf Twitter schon recht häufig beobachtet und es betrifft dann eigentlich immer wenigstens teilweise tabuisierte oder sensible soziale Themen. Der/die betroffene Autor_in konstruiert oder benennt im verfassten Text dabei In-/Outgroups und kritisiert die Outgroup; schlimmstenfalls indem dieser direkt das Recht einer qualifizierten Äußerung abgesprochen wird.
    Dabei sollte gerade bei solchen Themenfeldern klar sein, dass nicht jede_r die eigene Betroffenheit öffentlich machen will oder gar in irgendeiner Form vor sich herträgt. Anders gesagt und auf diesen Fall bezogen: Nicht jeder Fav und nicht jeder Retweet kommen von Nichtdepressiven. Nicht jede_r, der/die sich äußert ist ein_e die eigene gute Gesinnung zur Schau stellen wollende_r Egozentriker_in.

    Die Wirkungslosigkeit von Klicktivismus und Empathie-per-Knopfdruck ist absolut kritisierenswert – vor allem, wenn sie sich wirklich einzig auf dies beschränkt und nicht zu weiteren Handlungen führt.
    Ich halte aber nichts davon, dass man sich erst in irgendeiner Art und Weise als Betroffene_r ausweisen muss, ehe man das Recht zur validen Äußerung zugesprochen erhält. Ähnliche Phänomene habe ich u.a. bei Diskussionen zum Thema Homosexualität beobachtet, bei gewissen nicht offen zutagetretenden Krankheiten, und – hier noch verschärft – Transgender-Diskussionen. In allen Fällen stehen die betroffenen Gesprächspartner vor einem Dilemma: Entweder sie nehmen ein öffentliches Coming-Out vor, um ihre Äußerungen zu „beglaubigen“ (der implizite Zwang kann je nach Engagement oder Betroffenheit ganz erheblich sein) oder aber sie tun es nicht und sehen sich durch das Gegenüber delegitimiert und schlimmstenfalls herabgewürdigt. Beides wäre denkbar ungünstig.

    Rants und Auskotzen ist völlig legitim. Wut und Kritik sowieso. Und auf Verzweiflung hat auch jede_r ein Recht – auch wenn das im Falle der Depression leider kein Recht sondern ein Zwang ist.
    „Awareness“ an sich, also das Bewusstsein oder sich selbst bewusst Machen solcher Problematiken ist in meinen Augen aber gar nicht so sehr das Problem. Das Problem ist, wenn man meint, damit sei es schon getan (das hast Du ja auch im Folgepost nochmal aufgegriffen).
    Indem man „Awareness“ idealerweise im Sinne der empathischen Annäherung und Hilfsbereitschaft begriffen, abqualifiziert, beraubt man sich aber schlimmstenfalls vieler idealistischer Verbündeter – die es in den meisten Fällen durchaus gut meinen, aber es nicht immer adäquat rüberbringen können. (Und dies völlig unabhängig davon, ob es sich dabei um Betroffene handelt oder nicht.) Damit meine ich natürlich nicht ignorante Ratschläge wie „Tu Dir doch mal was Gutes, dann geht es wieder“, sondern v.a. Leute, die ihr Mitgefühl ausdrücken und dergleichen.
    Zum großen Teil kann ich daher den Post unterschreiben. Die komplette Schwarzweißdarstellung aber nicht.

  28. Ganz abgesehen davon wünsche ich Dir alles Gute, dass Du möglichst schnell therapeutische Hilfe findest, die den Namen auch verdient und damit dann aus diesem beschissenen Loch rauskommst, das umso tiefer wird, je länger man darin steckt und dessen Wände permanent einzustürzen drohen. Halt durch!

  29. Pingback: Galoppierende Vollidiotie in der Politik – offener Brief an Joachim Herrmann (CSU) | lebenswort

  30. Danke. Wirklich! Vielen dank. Es war hart so vieles formuliert zu lesen, was genauso auch in mir vorherrscht und meinen Erfahrungen so nahe kommt

  31. Pingback: Hirnfick 2.0 » Berufsverbot für Karl Lauterbach!

  32. aus versehen an falscher stelle gepostet. hier nochmal.

    sorry, du heulst mir zu sehr rum. ich wollte es sympathisch finden aber du kommst irrsinnig unsympathisch rüber, weil du einfach nur in selbstmirleid versinkst und andere beschuldigst die situation zu verschlimmern. nein nur du jnd deine Depression tun das !

    ich hoffe dennoch dass dir bald geholfen wird und teile die Empfehlung eines anderen users mit antidepressiva, als zumindest “eerste hilfe” für den fall dass du sie eh nicht schon nehmen solltest. ich würde allerdings eher auf pflanzliche hilfe setzen wie hochdosiertes johanneskraut – nicht das aus ser drogerie! soll ebenbürtig sein wie Chemiekeule aber ohne die gefürchteten nebenwirkungen ! man unterschätzt schnell welchen positiven Einfluss bereits antidepressiva haben können.

    alles gute.

  33. medikamente. therapien helfen bei chronischer depression im grunde wenig, können aber begleitend zur medikation sinn machen. medikamente und dann, wenn der antrieb und die mitte im selbst so halbwegs wieder da ist, rituale. feste mahlzeiten, schlafenszeiten, tagesablauf, sport etc.
    termin beim psychiater zu kriegen geht ziemlich easy. nicht entmutigen lassen wenn nicht gleich das erste medikament anschlägt. verschiedene ausprobieren, das richtige finden. da muss man manchmal selber hinter sein, wenn es der arzt nicht ist. betrachte das ganze als stoffwechselkrankheit. ist manchmal sehr unangenehm, aber man kann damit leben. verallgemeinern ist immer so eine sache, aber ich kenne einige die es im griff bekommen haben, mich inkl. viel glück.

  34. Ich habe selbst heulen müssen, als ich den Text gelesen habe. Mein lieblings Spruch, den ich mal an den Kopf geworfen bekommen habe: Wenn du es nicht schaffst, dir Hilfe zu suchen, dann ist dein Leidensdruck noch nicht hoch genug. Das musst du alleine schaffen.

    Danke für den ansprechenden Artikel. Ich mag es, ausnahmsweise mal das Gefühl zu haben, verstanden zu werden.

  35. Ich habe lange gezögert, ob ich dazu etwas schreibe. Ich habe einschlägige Erfahrungen mit depressiven Episoden und mehreren Suizidversuchen, seit ich 16 oder 17 bin. Weil ich das recht gut deckeln kann, fällt das nicht auf und ich bin im mittleren Alter voll gesellschaftlich integriert. Deshalb bin ich hier anonym.

    Ich habe mehrere Therapien hinter mir. Habe eine selbst bezahlt (die war es nicht wert, die Therapeutin hat mir nach dem Munde geredet, weil ich wöchentlich Schwarzgeld ins Haus brachte, eine Frau übrigens, die explizit feministische Therapie als Credo hatte). Bei der nächsten 8 Monate gewartet und als ich sie antrat, ging es mir wieder einigermaßen gut, konnte man also auch vergessen.
    Die ausschlaggebende Therapie passierte, als ich so krank war, dass ich ohnehin aus allen Selbstschutzmechnismen und Komfortzonen vertrieben war. Da war ich tatsächlich bereit und gezwungen, mein Leben und einige wichtige innere Haltungen zu ändern (mit 40 ist es ohnehin sch…egal, was deine Eltern mit dir angestellt haben, da bist du längst erwachsen und für dich selbst verantwortlich).
    Das war nicht angenehm und hatte mit sich-nachspüren und selbsterkenntnisreichen Therapiegesprächen nichts zu tun. Ich bin da rausgekrochen, irgendwann völlig zusammengebrochen, in der Psychiatrie gelandet und habe einige Zeit Psychopharmaka nehmen müssen.
    (wo es, wenn es dir richtig Sch… geht relativ egal ist, ob neben dir eine Frau das Bett vollkotzt und dich hysterisch anschreit, sie wolle Beachtung von dir und Gott oder der promovierte Physiker beim Frühstück der allergrößte Stinker ist, der nicht mehr in der Lage ist, sich zu waschen, du bist nämlich mindestens genauso auffällig, mit deinem Geschrei, man solle dich in Ruhe lassen, du schmeißt alle anderen aus dem Fenster) So viel hat es gebraucht, um meinen inneren Widerstand zu brechen und die kleine Selbstbetrugsmaschine in mir abzustellen.
    Wenn Therapeuten einen ablehnen, kann das heißen, dass sie das Gefühl haben, ein Mensch ist noch nicht bereit, aus der Komfortzone rauszukommen und sich auf unangenehme, anstrengende Wege zu begeben. So wie Leute, die lieber Massagen statt anstrengender physiotherapeutischer Übungen wollen. Das ist ganz normal.
    Letztlich ist sind Therapeuten Werkzeuge und Katalysatoren, mehr nicht, die Veränderung macht man selbst. (und dass es ne Menge Unfähige dabei gibt, klar, die gibt es in jedem durchregulierten Beruf, wo du dich nur an deinem Job festhalten musst).
    Meine Erfahrung ist: Wenn es dir wirklich richtig schlecht geht, hast du schnell Hilfe. Fachleute haben genug Erfahrung, das zu sehen, die haben nämlich schon eine Menge gesehen. Wenn man in der Erkrankung auf sich selbst zurückgeworfen ist, erkennt man das nicht. In der Grauzone, in der du noch halbwegs gesellschaftsfähig und angepasst bist, noch nicht ans Eingemachte willst und tausend Bedingungen stellst, lässt man dich noch weiterlaufen.

    Es sei denn, du bist versiert genug, auf die richtigen Knöpfe des Gesundheitssystems zu drücken, aber dann bist du nicht krank. Ich kenne einige, die es schaffen, alle paar Jahre eine psychosomatische Kur in landschaftlich schöner Gegend zu machen und für sich „mal was aufzuarbeiten“. Solche Leute sind sogar gern gesehen. Denn eine ganze Station voller frei drehender Psychos ist kaum in den Griff zu kriegen. Die Lifestyle-Kranken sind dann wie Puffer dazwischen.
    Ich kann mir vorstellen, dass das jetzt nicht angenehm zu lesen ist, aber ich fürchte, die meisten Depressiven, die sich auf den Weg der Linderung begeben konnten (Heilung gibt es ja sowieso nicht), mussten da durch. Und der Rest ist emotionale Nachreife, du bist ja noch sehr jung. Aber du bist eine Kämpferin, das schätze ich sehr an dir.

    Und das mit der Reaktion deiner Umgebung. Hm. Die falschen Freunde helfen nicht. Und denen, die du schilderst, geht es scheinbar um sich und ihre Theorien, nicht um Betroffene. Das ist nichts als streberhaftes Haltungsturnen. Von toxischen Kontakten muß man sich ohnhin irgendwann verabschieden.

  36. „Wer als Therapeut Patienten auf Rechnung der Krankenkassen behandeln will, braucht einen Kassensitz.“

    Das ist Falsch. Wusstest du nicht, Narzistisches Mimimi um diesen Punkt zu unterstreichen!
    Natürlich ist es „richtig“, aber es ist eben auch Falsch. Ein Therapeut ohne Kassenzulassung kann die Therapie für einen Patienten ebenso bei der Kasse beantragen wenn es einen Grund gibt – z.b. der das alle Kassentherapeuten eine Warteliste haben die bis zum Mars gefüllt ist. Es kann sich also durchaus lohnen diese Therapeuten anzusprechen und sie einen Antrag an deine Kasse schreiben zu lassen. (was in sich witzig ist – den von Kassentherapeuten habe ich schon solche Sprüche gehört wie „Patienten für die ich ein Gutachten schreiben muss lehne ich ab, das ist mir zu viel Arbeit.“. Ist lustig weil der Antrag EIGENTLICH ohne Gutachten nicht möglich ist. Der sammelt also nur Leute die woanders schon abgebrochen haben und hat den Terminplan dennoch voll. #Yolo.)

    Also auf zu den nicht Kassentherapeuten, gogogo!

    Und mal ehrlich – Therapeuten sind keine Götter. Die Schwubbeln was von Hilfe zur Selbsthilfe, haben – wenn du dich schon mit Selbsthilfe auseinander gesetzt hast – gerne auch mal weniger Ahnung vom Thema als du oder Arbeiten gegen die Ergebnisse der vorherigen Therapie.
    Beispiel gefällig? Ich bin zur Psychosozialen Beratung meiner Uni gegangen bevor ich Therapieplätze gesucht habe – dort habe ich unter anderem Frieden mit dem Thema geschlossen das meine Eltern mich finanziell unterstützen und mich das mit über 30 sehr belastet – Zeitsprung zur PsychoTheraphie – Die Therapeutin aus vollster Überzeugung „Sie tun das um ihre Eltern zu bestrafen.“
    Oder auch: Ich bin enttäuscht von der Therapie weil meine Therapeutin weil sie mir nie glaubt das es mir zu langsam geht und sie permanent Erkenntnisse von mir verlangt die ich vor Jahren schon gefunden habe – glaubt mir dies aber nicht und wirft mir vor das es schwer für sie wäre da ich ihre Arbeit nicht würdige.. das ich die Bücher und Videos über die ich zu diesen Erkenntnissen gekommen bin daheim liegen habe glaubt sie mir nicht – dabei helfen mir diese Ideen die ich längst verstanden habe in meinen Alltag zu integrieren hilft sie mir nicht. Sie ist nur damit beschäftigt sich selbst und ihr Ego zu schützen anstatt zuzuhören und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. (es war nicht nur diese eine arz der Situation, ich könnte viel aufzählen.)

    Und das ist der Wichtigste Punkt in diesem Beitrag. Du bist egal. Allen anderen. Deinen Therapeuten, den Menschen in der Uni, dem Ort an dem du dich um Arbeit bewirbst. Die interessieren sich nicht dafür das du es schwer hattest und hast. Genau so ist es bei mir auch. Und wieso sollten sie auch, die suchen einen Menschen mit dem sie Arbeiten können, spass haben können ect.

    Am ende bist du die einzige Person die wichtig ist in deinem Leben. Und du kannst dich entscheiden wie du Sterben willst, egal ob morgen vor einem Zug oder mit 90 auf dem Sterbebett. Willst du da liegen und merken das du nichts von dem was du dir Wünscht gemacht, Probiert und erlebt hast? Den Job den du wünscht, die reisen, die Frauen, der dreier, die Freundin, die Familie, die Konzerte, Falschirmspringen, Surfen, die Natur erleben und so weiter.

    Und du kannst das alles angehen, zumindest sagen „ICH HABE ES VERSUCHT!“, „Ich habe alles gegeben!“ wenn es nicht klappt. Langsam zu lernen das scheitern gut und wichtig ist, das wieder aufstehen und sofort weiter machen danach lernen ist super wichtig. Und du hast alle Mittel dazu, dir fehlt kein Arm, dir fehlt kein Bein, du hast das Internet – kannst dir auf torrent trackern die teuersten Bücher und Videos von Selbsthilfe Gurus laden (in denen sicher nicht alles Gold ist, aber du bist nicht dumm – das sehe ich sofort wenn ich hier lese – du bist in der Lage die wichtigen Dinge für dich aus diesen Inhalten zu ziehen!), du kannst dir Teilweise tolle Bücher für ein paar Cent gebraucht kaufen ect. ect.

    Sicher verstehe ich dich wenn du sagst ich Prokastiniere viel. Das kenne ich auch, plötzlich ist eine Woche vorbei, dann ein Monat, dann ein Jahr. Und Veränderung von Heute auf Morgen gibt es nicht, es wird sicher immer mal wieder passieren. Aber das ist OK. Du hast diese Probleme aber es ist Ok, denn du Arbeitest an ihnen und zwar mit der Zielstrebigkeit die dir die Therapeuten nie gegeben haben. Ist das schade? Ja klar. Richtig scheiße sogar – aber willst du passives Opfer sein und mit dem Finger aufs System Zeigen oder willst du am ende sagen können „Ich habe alles versucht!“?

    Hier ein Anfang.
    https://www.ted.com/topics/depression
    http://www.amazon.com/Top-10-Books-On-Happiness/lm/R35T2O9JOBWPH2

  37. Liebe Robin, in einer Krise gibt es den Krisendienst oder die Telefonseelsorge. Telefonnummern kannst du dir für den Bedarfsfall raussuchen und bereitlegen. Da kannst du anrufen, je nachdem wo du wohnst kommt dann im Notfall auch ein/e Arzt/Ärztin bei dir vorbei. Vielleicht hast du auch in deinem privaten Umfeld jemanden, den/die du anrufen kannst. Du kannst dich auch beim Sozialpsychiatrischen Dienst melden, da mahlen die Mühlen nur meist langsam. Oder du gehst gleich in die Klinik. Die können dich in der Krise nicht abweisen. Wenn es gar nicht anders geht, dann mit der Feuerwehr. Und ja, auf Akutstationen kann es laut werden – Menschen in Krisen… Das kann erstmal ein Schock sein, zumal wenn bei einem selbst die Krise eher leise ist. Man kann das bei Aufnahme auch gleich so sagen, dass man sich das auf einer Akutstation schwer vorstellen kann und auf eine andere Station oder in die Tagesklinik will.

    Ansonsten möchte ich dir sagen: bleib am Ball mit dem Therapieplatz in den Zeiten wo es dir besser geht. Manchmal hat man auch Glück und es wird kurzfristig ein Platz frei. Ist anstrengend, klar. Und all deine Kritik ist berechtigt. Aber neun Jahre Warten müssen und sollten nicht sein.

    Es gibt auch das Kostenerstattungsverfahren, d.h. wenn du keinen Kassenzugelassenen Psychotherapeuten findest, kannst du zum privat niedergelassenen Psychotherapeuten gehen und die Kasse übernimmt die Kosten für die Therapie. Dafür brauchst du mindestens 3, besser 5 Absagen von Kassenzugelassenen Therapeuten. Du rufst die Therapeuten an und protokollierst die Absagen.Wartezeiten über drei Monate gelten grundsätzlich nicht als zumutbar. Das genaue Vorgehen wird im Ratgeber zur Kostenerstattung der Bundespsychotherapeutenkammer beschrieben:
    http://www.bptk.de/uploads/media/BPtK_Ratgeber_Kostenerstattung.pdf (PDF)

  38. Mit das Bedrückendste für mich an dieser (besser gesagt) meiner Situation ist, dass ich permanent das Gefühl habe mich selbst aus diesem Morast befreien zu können. Ich schmiede tolle Pläne, motiviere mich, vermute was mir gut tun würde und verliere die ganze Zeit mit nachdenken – ohne etwas oder genug getan zu haben … und das ist unglaublich kräftezehrend.

    Und jetzt kommt das für mich Unverständliche: Diese permanente Traurigkeit ist so fest in mir verankert, dass ich mir gar nicht vorstellen mag wie es ist, ohne sie Leben zu müssen. Sie macht ja schließlich einen sehr großen Teil meines Ichs aus – also wie ich empfinde und wie ich Situationen beurteile … wenn da nur nicht diese Antriebslosigkeit wäre; die hasse ich wirklich.

    Nach diesem beeindruckenden Artikel schwirren mir noch so viele Gedanken im Kopf herum, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen oder aufhören soll … vielen Dank aber für diese Gedanken, die mir so vertraut sind.

  39. Sehr gut geschrieben! Und trifft sich mit meinen Erfahrungen! Termine gibt es für Depressive höchstens in einem halben Jahr, die telefonische Erreichbarkeit umfasste bei Therapeuten tatsächlich eine Viertelstunde pro Woche, Es gab Verweise auf Selbsthilfegruppen, bei denen man sich aber regelrecht (immer wieder) geradezu bewerben muss. „Wir melden uns“, was jedoch nicht erfolgte. Bekam dann aber doch recht kurzfristig einen Termin bei einer Therapeutin für ein erstes Gespräch. Jedoch wurde dann eine Therapie abgelehnt. Warum? Weil ich bei dem Gespräch sagte, Alkohol zu trinken (wegen der Depression). Sehr dumm von mir und ein großer Fehler. Denn dann müsste ich nämlich nach Ansicht der Therapeutin erstmal ‚trocken‘ werden (obwohl ich wegen der Depressionen Alkohol trank). Ich bekam Empfehlungen für Alkoholikertherapien und sollte mich erst nach deren Abschluss wieder melden. Habe aber diesen Schritt als Depressiver dann nicht gemacht. Dazu fehlte einfach die Kraft und der Antrieb! Wer dann die Empfehlung bekommt, sein Leben erstmal ohne eine Therapie gegen die Depression in Sachen Alkohol zu ändern? Damit er sie erst danach erhalten darf? Inzwischen lebe ich seit über einem Jahr zwar ganz ohne Alkohol, aus „eigener Kraft“ ohne fremde Hilfe, bin aber weitgehend immer noch depressiv. Eine erneute Suche nach einer Therapie? Sie würde mich unter den geschilderten Umständen leider noch depressiver machen!….

  40. Danke dass ich es nicht schreiben muss.
    Zu mir kamen immer regelmäßig Typen, die meinten, meine Freunde sein zu wollen um was aus mir machen und schließlich gekniffen haben, weil es ihnen zu blöd wurde. Danke auch, für diese Definition von „Freund“
    Aktuell suche ich nur noch nach irgendeinem Psychologen, der mir klar sagen kann welches Pottpürree aus Murks in meinem Kopf umhergeht.
    Scheiß auf Therapie, wir beißen sowieso alle irgendwann ins Gras

  41. Ich kann dein geschriebenes 100% nachvollziehen mir ging es vor ein paar Jahren genauso wie du es beschreibst. Als ich endlich in einer tagesklinik aufgenommen wurde war es das schlimmste denn anstatt mir Zu helfen haben sie alles noch schlimmer gemacht.
    Gute Therapeuten sind Rar, freie Termine ein 6er im Lotto uns wenn man Pech hat muss man sich damm noch schlechter fühlen weil der gegenüber Seim Einfühlungsvermögen und seine Kompetenz Zuhause vergessen hat.

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