Awareness: Ein Nachtrag an meine Leser

Noch ein Nachtrag zu meinem Artikel Eure Awareness kotzt mich an! und zum Nachfolgeartikel Awareness – und jetzt? Dieser richtet sich an die vielen Leser, die dadurch – oft erstmalig – zu meinem Blog gefunden haben.

Lange habe ich mich nicht geäußert, auch wenn mich immer noch fast täglich Kommentare zu den Artikeln erreichen – ob nun hier im Blog, auf Twitter oder persönlich per Mail. Die Resonanz auf meine Artikel hat mich absolut überwältigt und ich habe mich über jeden gefreut, der sich dafür bedankt hat oder wichtige Anmerkungen hinterlassen hat.

Leider habe ich es nicht geschafft, auf alle Kommentare zu antworten (sogar auf die meisten nicht). Einerseits, weil mich die pure Masse erschlagen hat, andererseits aber auch, weil ich im echten Leben grade sehr viel Stress habe und damit einfach keine Zeit. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle ein fettes DANKE! hinterlassen an alle, die sich die Zeit genommen haben, sich damit auseinander zu setzen. Ihr seid toll!

Einige Kommentare enthielten auch Fragen, auf die ich im Folgenden kurz eingehen will. Vor allem aber möchte ich einiges ergänzen und erzählen, wie es mir momentan geht.

Zuerst mal ein bisschen mehr zu meinem Werdegang. Mein erster Artikel enthielt ein gewaltiges Plothole, von dem ich sicher war, dass es mir zur Last gelegt werden wird. Tatsächlich ist es aber nur einen Kommentatorin aufgefallen und die kam auch noch ziemlich spät. Leute, ihr müsst mehr aufpassen! ^^
Das Plothole äußert sich in folgender Frage: „Woher weißt du eigentlich, dass du depressiv bist?“ – denn ohne Facharzt keine Diagnose. Das ist eine gute Frage, auf die ich näher eingehen will.

Als ich mich an die Konzeption des Artikels machte, war der Teil, der sich mit meinem persönlichen Werdegang beschäftigt, viel länger. Aus Gründen der Lesbarkeit habe ich einiges davon rausgeschmissen, um den ohnehin schon viel zu langen Artikel zu straffen. Ich entschied mich für die Phase der letzten paar Jahre, die mir wegen dem erfolglosen Kampf für einen Therapieplatz besonders enttäuschend im Gedächtnis geblieben ist.

Tatsächlich war ich aber einer ambulanten Therapie bereits einmal sehr nahe. Dem voraus ging eine ziemlich beschissene Jugend, während der sich meine Depression manifestierte. Ich schätze heute, dass ich wirklich ernsthaft depressiv bin seit meinem 13. oder 14. Lebensjahr. Damit einher ging Soziale Phobie, SVV (selbstverletzendes Verhalten) und spätestens nach dem Abitur auch eine dicke Adoleszentenkrise. In dieser Phase wurde von mir erwartet, einen Berufsweg einzuschlagen, obwohl es mir damals aufgrund der Depression unmöglich war, sinnvolle Entscheidungen dahingehend zu treffen oder mich darum zu kümmern. Dies führte zu (weiteren) gewaltigen Stress mit meiner Familie.

Mit 20, immer noch ohne Studienplatz oder Lehrstelle, offenbarte ich schließlich nach langem Ringen meinen Eltern meine Vermutung, depressiv zu sein. Wenn ich dadurch Hilfe erwartet habe, dann wurde diese Hoffnung enttäuscht – meine Eltern taten gar nichts. Aber da das böse D-Wort nun endlich ausgesprochen war, versuchte ich, mich um einen Therapeuten zu kümmern, von denen es auf dem Land leider noch weniger gibt als in der Stadt.
Der erste Therapeut entpuppte sich als Neurologe, der mir Fluoxetin verschrieb, das ich wegen gewaltiger Nebenwirkungen jedoch schnell wieder absetzte. Ansonsten konnte er, da ohne Therapeutenausbildung, nicht viel für mich tun, aber er regte für mich an, in eine Psychosomatische Klinik zu gehen, um die Zeit zu überbrücken, bis ich einen ambulanten Therapeutenplatz bekomme.

Um dort aufgenommen zu werden, sollte ich in der Klinik ein Gespräch mit dem Oberarzt führen – das meine Mutter eine Woche vorher ohne meine Zustimmung absagte. Das hätte sie selbstverständlich, da ich volljährig war, nicht gedurft, aber offensichtlich kann sie sehr überzeugend sein.
Der Grund ist wohl in ihrer absoluten Panik zu suchen, ich könnte irgendwie „nicht normal“ sein. Das passte nicht in ihr Konzept und ihre Familienplanung, also schleppte sie mich stattdessen zu Heilpraktikern und schickte mich zu einer ambulanten Gruppentherapie in ein Krankenhaus, das so weit weg lag, dass ich fast eine Stunde Auto fahren musste – und das im tiefsten Winter, obwohl sie mich sonst nie fahren ließ, wenn das Thermometer den Nullpunkt auch nur kratzte. Außerdem war es IHR Auto, das ich dafür nutzen musste, obwohl das bedeutet hätte, dass sie einmal in der Woche mit dem Bus zur Arbeit hätte fahren müssen. (Die Gruppentherapie entpuppte sich aber bereits beim Anmeldegespräch als absoluter Fail und die Therapeutin war selbst der Ansicht, dass ein stationärer Aufenthalt besser für mich wäre, also blieb es bei diesem einzigen Besuch.)

Mit all dem wollte meine Mutter mich über ihr absolut übergriffiges Verhalten hinweg trösten, aber ich ließ das nicht mit mir machen und vereinbarte einen neuen Termin in der Klinik, was sich aber Dank Feiertagen, Jahreswechsel etc. weiter nach hinten schob.

Dennoch konnte ich wenige Monate später in die Psychosomatische Klinik gehen, wo die Diagnose „Depression“, die mein Neurologe gestellt hatte, nochmal bestätigt wurde.

Ich sollte sechs Wochen dort bleiben, was später auf acht Wochen verlängert wurde. Leider kann ich nicht sagen, dass mir irgendetwas davon geholfen hätte. Ich war dort für Wochen die einzige Depressive und zudem die mit Abstand Jüngste. Ich saß dort mit Menschen mit Panikattacken, Leuten, die um Angehörige trauerten und nicht zuletzt einigen Patienten, die an Schmerzen litten, für die keine körperlichen Ursachen ermittelt werden konnten (Psychosomatik eben), aber überhaupt nicht verstanden, weshalb sie deshalb über GEFÜHLE REDEN sollten. Mit anderen Worten: Ich habe mich sehr, sehr unwohl gefühlt. Erst Recht, da alle um mich herum sehr schnell gesund zu werden schienen, aber anscheinend niemand meine Erkrankung nachvollziehen konnte. Ich wurde von Pflegern dafür kritisiert, dass ich soviel schlief und nicht aufstand, wenn plötzlich zehn Leute bei der morgendlichen Visite vor mir standen und wissen wollten, wie es mir geht. Bei der Gruppentherapie heulte ich meist durchgängig die ganze Sitzung lang, aber da die Therapeutin der Meinung war, dass ich mich schon selber melden müsse, wenn ich über was reden wollte, blieb es meistens dabei, also heulte ich, während ich zum 20. Mal die traurige Geschichte einer viel zu früh verstorbenen Ehefrau hören musste oder die verständnislosen Fragen einer Frau, die offensichtlich nicht kapiert hatte, warum man sie wegen ominöser Ohrenschmerzen in die „Klapse“ schickt.
Die Therapeutin dagegen, die meine Einzelsitzungen leitete, schien hingegen schlichtweg überfordert. Ihr offensichtlich rein verhaltenstherapeutischer Ansatz erschöpfte sich in Phrasen wie „Und wenn Sie versuchen, das nicht so anzugehen, sondern so oder so?“, mit denen ich damals einfach nichts anfangen konnte. Alternativen hatte sie aber nicht, also gab sie mir am Ende die resignierte Bemerkung mit auf den Weg, gegen diesen „Berg aus Traurigkeit“ einfach nicht anzukommen.

Ich verließ die Klinik also mit dem erhebenden Gefühl, ein hoffnungsloser Fall zu sein, und der traurigen Gewissheit, dass die Entscheidung, in eine Klinik zu gehen, zum endgültigen Bruch mit meiner Familie geführt hatte. Seitdem habe ich außerdem eine bereits geschilderte Abneigung gegen Gruppentherapien, an der sich bis heute nichts geändert hat.

Diese Klinik war für mich nicht der richtige Ort gewesen – aber am meisten verbittert mich, dass man sich dort nicht für mich um eine ordentliche Nachsorge gekümmert hat. Diese Leute hatten die Zeit, die Ressourcen und die Expertise, mir an meinem Studienort (denn direkt an den Klinikaufenthalt schloss sich endlich mein erstes Semester an, das ich aber vollständig an mir vorbei gehen ließ) oder auch Zuhause einen ambulanten Therapieplatz zu besorgen, aber dahingehend ist NICHTS passiert. Ich wurde nach dem Maximum der möglichen Zeit ungeheilt praktisch auf die Straße geworfen und bin seitdem ohne Behandlung. Die Suche danach habe ich ja schon erschöpfend geschildert.

Es ist schwer zu sagen, ob es mir heute besser oder schlechter geht als damals. Einerseits hat sich vieles bei mir verbessert. Meine Soziale Phobie, damals ganz massiv, habe ich selbstständig und unter großen Anstrengungen alleine in den Griff gekriegt. Das habe ich geschafft, indem ich mich bewusst immer wieder in für mich unangenehme Situationen gebracht habe, bis sie nicht mehr unangenehm waren – klassische Desensibilisierung. Übrig geblieben ist eine gewisse Social Akwardness, die aber vielleicht auch einfach Teil meines Charakters ist und mit der ich leben kann. Auch hat mir meine Arbeit als Kellnerin, der ich seit vier Jahren nachgehe, was vor neun Jahren völlig unmöglich gewesen wäre, mehr Selbstbewusstsein verschafft.
Dennoch sind die schwarzen Phasen, so scheint es mir zumindest, heutzutage wesentlich schwärzer als damals. Sie suchen mich allerdings auch nicht mehr so häufig heim – wenn aber doch, dann voll in die Fresse. Eine solche Phase hatte ich diesen Winter, was ich als die schlimmste Zeit meines Lebens in Erinnerung habe.

Momentan sieht es also so aus, dass es mir besser geht, ich aber dennoch weiterhin eine Therapie suche. Dank des vielen positiven Feedbacks sehe ich das allerdings nicht mehr so pessimistisch wie noch vor kurzem.
So sollte ich erwähnen, dass die Passagen, die sich mit der Therapeutensuche beschäftigten, alle im Präsens geschrieben waren, aber der letzte Teil davon – der, in dem ich diesen blöden Anamnesebogen vor mir habe – bereits drei Monate zurück liegt. Ich habe das dämliche Teil nicht nur ausgefüllt (mit ein bisschen Hilfe meiner Mitbewohner), sondern sogar geschafft, es zur Post zu bringen. Ich habe also schon die Hälfte der sechsmonatigen Wartezeit rum und vielleicht ergibt sich da ja was.
Andere Vorschläge wie Tagesklinik oder die Empfehlung, es doch mal in der Psychiatrie zu versuchen, sind leider mit meinem Leben momentan nicht vereinbar. Ich erhalte zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei finanzielle Unterstützung von irgendjemanden oder irgendeinem Amt, weshalb ich arbeiten gehen MUSS, allein um meine Wohnung und mein Essen zu bezahlen. Auch halte ich eine Psychiatrie (und eine Tagesklinik ist meist einer Psychiatrie angeschlossen) immer noch für den für mich letzten Ausweg, der für mich nur im absoluten Notfall in Frage kommt.

Was sich jedoch geändert hat: Die vielen Tipps bezüglich sozialpsychatrischem Dienst, der einem bei der Therapeutensuche helfen kann, möchte ich definitiv in Anspruch nehmen, sobald mein aktueller Real-Life-Stress etwas nachgelassen hat. Das soll mein zweites Standbein sein, falls es mit der oben angesprochenen Therapie nicht klappt. Und außerdem hat sich eine sehr nette Expertin bei mir per Twitter-DM gemeldet und es geschafft, mir meine absolute Abneigung gegen Psychopharmaka zu nehmen. Möglicherweise kann sich dadurch ja auch einiges verbessern. Zumindest ist es nach 10 Jahren ein neuer Versuch wert.

Ihr seht, so krass am Boden bin ich momentan nicht, auch weil sich unlängst einige positive Entwicklungen im Real Life ergeben haben, die mich sehr aufgebaut haben. Dennoch fühle ich mich seit meinen Artikel etwas unsicher gerade im Hinblick auf diesen Blog. Ich habe seitdem einige Twitter-Follower dazu gewonnen, aber allein die Followerzahlen meines Blogs gingen danach von ca. 160 hoch auf über 210!! Verglichen mit manch anderen Bloggern mag das nicht viel sein, aber es ist immerhin eine Erhöhung um ein fettes Drittel. Gleichzeitig zeigen mir meine Statistiken, dass unmöglich alle diese neuen Abonnenten in meinem Blog quergelesen haben können, um zu sehen, was ich eigentlich sonst so von mir gebe.

Ich befürchte, die könnten am Ende alle enttäuscht sein, wenn ich plötzlich wieder zu meinen normalen Themen zurück kehre und höchstens einmal im Monat etwas schreibe, was über einen kurzen Lacher oder einen Rant über einen doofen Film hinaus geht. Und Depressionen waren hier bisher sehr selten Thema, was eigentlich auch so bleiben soll, da ich vermutlich schon viel zu viel erzählt habe und das Gefühl nicht mag, nur noch darüber definiert zu werden. Ich möchte wirklich nicht von Leuten, die mit mir vorher ganz ungezwungen Quatsch gemacht haben, plötzlich wie ein rohes Ei behandelt werden.

Deshalb sitze ich jetzt hier und grüble über Blogideen. So fehlt ja immer noch mein Reisebericht aus den USA, den ich unbedingt schreiben wollte. Außerdem hatte ich eigentlich vorgehabt, zur Feier meines jüngsten Nebenbroterwerbs (DJ!) ein paar Mixtapes zu veröffentlichen, wobei ich als erstes einen von mir so betitelten „Depressive“-Mix vorgesehen hatte, aber nach diesen letzten Wochen habe ich keine Ahnung, wie sowas wohl ankommen würde. Ohnehin neige ich dazu, über meine Depression Witze zu reißen, was bestimmt auch einige sehr seltsam finden.

Andererseits kann ich sowieso nicht aus meiner Haut, also werden sich meine Themen wohl nicht wirklich ändern. Mehr kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt dazu aber leider nicht sagen, außer, dass ich hoffe, euch nicht allzu sehr zu enttäuschen ^^

Advertisements

22 Gedanken zu “Awareness: Ein Nachtrag an meine Leser

  1. Pingback: Awareness: Ein Nachtrag an meine Kritiker | robins urban life stories

  2. „Ich befürchte, die könnten am Ende alle enttäuscht sein, wenn ich plötzlich wieder zu meinen normalen Themen zurück kehre und höchstens einmal im Monat etwas schreibe, was über einen kurzen Lacher oder einen Rant über einen doofen Film hinaus geht. “

    Sorry, hier muss ich auch noch: Angst vor dem Fame? Mach das nicht, die Meute wird weiterziehen, ein paar bleiben dran, ein paar springen wieder ab und das war es dann. Mehr passiert da nicht. Der Mob zieht weiter, morgen haben sie ein neues Werbeplakat, ein neues Kinderbuch, ein Überraschungsei oder sogar eine andere arme Sau von Blogger, über die sie herziehen können. Eine Binse lautet: Du kannst es nie allen recht machen, irgendwem passt immer irgendwas nicht und wenn es in ein paar Wochen wieder zehn (oder 20, 30) Follower weniger sind, wen juckt das? Du schreibst hier umsonst, manchesmal absolute Bretter von Texten und die verschenkst du einfach. Du bist niemandem was schuldig. Schreib für dich, nicht für uns.

    (off the record: Deine Biographie kommt mir so vertraut vor. jedoch habe ich mit 27 weitgehend die Kurve gekriegt, so dass die schwarze Lady bei mir im Moment Hausverbot hat, erledigt von guten Freunden, die manchmal die besseren Therapeuten sind. Ich wünsche dir das auch.)

    • Lese schon lange Deinen Blog, habe (glaube ich) noch nie kommentiert, aber jetzt: Genauso weitermachen.
      Habe auch Depressions-Erfahrung und darüber Witze reißen ist sehr sympathisch. Und eine Musikliste habe ich ich auch und freue mich jetzt schon auf Deine.
      Lass Dich nicht unterkriegen.

    • Jap, ein bisschen Angst vor Fame ist wohl dabei. Trotzdem: Du hast natürlich Recht! Man macht ja sowieso was falsch, wenn man von allen gemocht wird (außer man ist Robin Williams).

      Ich hoffe, ich kriege auch mal so die Kurve wie du und schreibe dann trotzdem noch so geile Texte, die du standardmäßig raushaust 🙂

  3. So. Ich habe mich jetzt durch alle drei Artikel gewühlt (tatsächlich sind die ersten beiden aufgrund meiner derzeitigen Situation an mir vorbeigegangen).

    Wegen meiner Vergangenheit mit Transsexualität ist mir die Therapeutensuche nicht all zu fremd – die langen Wartezeiten kenne ich. Ich bin damals 85km gefahren, zu einer Therapie, die ich eigentlich nicht brauchte, aber machen musste, um Hormone zu kriegen.

    Die Geschichte mit den Therapeuten sehe ich im Moment auch wieder – in meinem Umfeld sind einige Leute, die in Erschöpfungsproblematiken reingerannt sind, und bei mir ist’s auch nicht weit. Die Therapeutensuche ist einfach „pain in the ass“. Ich habe einiges aus Deinen Posts gelernt – ich wusste nicht um die künstliche Verknappung und auch nicht um diese abartige Vergabepraxis von Kassensitzen. Das ist ja noch weit, weit infamer als die Blockadepolitik der Kassen mittels MDK, wenn es um die Bewilligung der geschlechtsangleichenden OP geht!

    Hmm … substanzielles als Kommentar kriege ich gerade nicht zusammen. Ich hoffe, dieser blinde Aktionismus hier aus dem Bedürfnis, etwas zu schreiben, ist nicht von außerhalb meiner selbst gesehen genau die fehlgeleitete Awareness …

    Aber eines ist mal sicher: Es ist schön zu lesen, dass es Dir besser geht, bei aller Oberflächlichkeit der Bekanntschaft nur so von Blog zu Blog.

    • Ich möchte absolut nicht, dass jetzt jeder sich selbst auf die Finger kuckt, weil sie denken, ich könnte das als „blinden Aktionismus“ abfertigen. Das ganz bestimmt nicht 🙂

      Ich bin froh über all meine Leser und alle Kommentare, auch wenn’s ne Woche dauert zu antworten 😀

  4. Pingback: Eure Awareness kotzt mich an! | robins urban life stories

  5. Liebe Robin,
    mach dir keenen Kopp, was andere denken. Mach dein Blog einfach weiter, wie du es für richtig hältst. Ich lese hier ja schon was länger mit und finde den Themenmix sehr erfrischend. Kann ich das so sagen?
    Ich drücke dir die Daumen, dass sich alles zum Positiven wendet, entweder der Therapieplatz in 3 Monaten (Was sind schon 3 Monate?) was wird oder dir durch den sozialen Dienst was vermittelt wird. Ich freue mich, dass du über den Weg auch gute Tipps bekommen hast. Auf die anderen Glotzer und Kritiker mache ich für dich einen großen Haufen, ok?
    Liebe Grüße
    Lotti

  6. Oh, Robin, NEIN!
    Nicht jetzt auch Du noch ein weiteres Opfer der vielen bunten Pillen.
    Ich hielt Dich nach dem, was Du schreibst, für einen denkenden und fühlenden Menschen, eine Frau, die eigenverantwortlich versucht, ihr Leben zu leben.
    Und jetzt verkaufst Du Deine Seele an die Psychopharmaka-Lobby.
    Ist es so leichter zu ertragen?
    Oder helfen die Substanzen bei der Suche nach der Wahrheit in Deinen ureigenen Gefühlen und Anschauungen?
    Sicherlich kostet es Kraft, nach neunundneunzig Tagen einsamem Weg durch tiefste Dunkelheit und Seelenpein dich auch noch am hundertsten hoch zu rappeln. Wenn es dir am vielleicht einhundertzehnten Tag gelingt, aus eigener Kraft dein Tal zu durchqueren, kannst du dich umdrehen und mit etwas Stolz auf den weiten Weg schauen, der hinter dir liegt.
    Klinkst du bereits am Anfang solchen chemischen Seelenverhärter ein, wirst du zwar funktionsfähig, Erkenntnisse, die dich auf deinem Weg voran bringen, wirst du kaum bekommen.

      • Damit dürftest Du Recht haben, Robin.
        Von einer „romantischen Reise“ sprach ich auch nicht.
        Ich bin in meinem sechzigsten Lebensjahr, kämpfe seit beinahe 40 Jahren mit Depressionen. Nach mehreren stationären Aufenthalten in der Psychiatrie und etwa 20 Jahren Therapien merkte ich vor beinahe 10 Jahren, dass Psychopharmaka lediglich Symptome verdrängen.
        Seit ich mich offen meinen Zuständen stelle, diese nicht mehr als „Krankheiten“ betrachte, die gleichgestellt mit der Symptomatik bekämpft werden müssen, sondern sie als Teil meiner Persönlichkeit und meines Lebens betrachte, verliert die Depression ihre Macht über mich.
        Ich nenne es „Erkenntnisse“, meine damit kleine Lernschritte zur Bewusstwerdung meiner selbst in Vergangenheit und Gegenwart.

      • Torsten, es sei dir unbenommen, für dich zu entscheiden, was für dich das richtige ist. Aber mir oder anderen, die in tiefschwarzen Phasen stecken, zu suggerieren, wir seien nun willfährige Opfer des konformistischen Systems, geht mir eindeutig gegen den Strich. Du redest davon, meine „Seele zu verkaufen“, und sprichst mir Eigenverantwortung ab, weil ich nach gangbaren Möglichkeiten suche, dass es mir besser geht.

        Das ist, sorry, unglaublich anmaßend. Wenn du keine Medis nehmen willst – bitte. Aber ich habe in Momenten, in denen ich an Selbstmord denke oder auch nur darum, mir wie früher die Arme und Beine aufzuschneiden, eindeutig besseres zu tun, als mir darüber Gedanken zu machen, ob ich durch Medis zur Konformistin werde. Das will ich nicht und das werde ich nicht. Denn ich will nicht für die Gesellschaft funktionieren, ich will für MICH funktionieren – denn meine Arbeit schaffe ich auch so, Dinge, die mir wichtig sind oder Spaß machen, dagegen nicht.

        Wenn ich im Bett liege und heule, weil ich eine supergeile Idee habe, aber einfach keine Kraft, sie umzusetzen, geht mir die Gesellschaft völlig am Arsch vorbei. Und auch Stigmatisierungen gegen Medikamente.

  7. Hi Robin,

    hier auch eine Stimme füpr Psychopharmaka. Die waren der „Kick“ für mich, nach einer durch die erste Schwangerschaft ausgelösten Depression wieder rauszukommen. Ich habe sie 9 Monate lang genommen. Klar, die sind nicht der Stein der Weisen, aber sie helfen einfach, das Leben wieder etwas anders zu sehen. Eine Therapie ersetzen sie nicht. Und zu Gewichtszunahme haben sie auch geführt (Appetitsteigerung). So extrem viel verdient die „Pharmalobby“ (siehe Kommentar oben) nun auch nicht daran ^^.

  8. Hey Robin,

    habe auch gerade alle drei Artikel gelesen und kann dich nur allzu gut verstehen. Habe selbst seit meiner Jugend Depressionen. Therapiesuche, Tagesklinik, Selbstmordversuch, Antidepressiva… Und geheilt bin ich nicht. Ich habe mittlerweile fast aufgegeben auf Hilfe zu hoffen. Ich habe versucht für mich einen Weg zu finden mit der Depression zu leben. Ich versuche in meinem Leben nur Dinge zu machen, die mich glücklich machen und auch Leute aus meinem Leben zu streichen, die mich unglücklich machen. Das hilft tatsächlich. Ich lebe noch, zwar mit dem Gedanken im Hintergrund eine tödliche Krankheit zu haben, die kaum einer versteht, aber meist geht es mir gut. Ich habe natürlich immer wieder Phasen, in denen ich nur Zuhause auf dem Sofa sitze, heule und einfach nichts schaffe, aber selten. Das ist in Ordnung.

    Ich muss sagen, dass meine Straegie vielleicht auch einfach eine Art weglaufen ist, aber sie funktioniert. Ich lebe. Und ich bin glücklich. Meistens.
    Ich habe keine Kraft mehr für die TherTherapiesuche. Ich kann dich verstehen.

    Etwas, was mir wirklich für eine zeitlang geholfen hat, war allerdings die Tagesklinik. Ich glaube nicht, dass es da am Geld scheitert, da du ja für den Zeitraum krankgeschrieben bist und die Krankenkasse zahlen müsste. Also mir hat das geholfe.

    Liebe Grüße,
    Miria

    • Hi Miria, ich freue mich, dass du Möglichkeiten gefunden hast, damit umzugehen. Ich habe jedoch sehr lange über meine Depression nachgedacht (auch über die Auslöser etc.) und bin zum Schluss gekommen, dass irgendwas in mir fundamental falsch oder gar nicht funktioniert. Ich weiß nicht, wie ich da ohne professionelle Hilfe rauskommen soll. Aber ich werde dafür kämpfen – allein schon, um diesen Arschlöchern von der Krankenkasse zu beweisen, dass sie so mit uns Depressiven nicht umspringen können.

      Das ist eine Sache, die für mich ganz gut klappt: Wut 😀

  9. Mach, was Du denkst und Du für richtig hälst.
    Und alle, die Dich ein wenig kennen, werden Dir folgen.
    Du bist Robin.

  10. Witze über die eigenen Erkrankungen, Fluchen, Ranten, Verzweifeln, Awkwardness, Metalhead-Geekette-Dasein und vor allem: „Ich schätze heute, dass ich wirklich ernsthaft depressiv bin seit meinem 13. oder 14. Lebensjahr. Damit einher ging Soziale Phobie, SVV (selbstverletzendes Verhalten) und spätestens nach dem Abitur auch eine dicke Adoleszentenkrise. In dieser Phase wurde von mir erwartet, einen Berufsweg einzuschlagen, obwohl es mir damals aufgrund der Depression unmöglich war, sinnvolle Entscheidungen dahingehend zu treffen oder mich darum zu kümmern. “

    Ohai. It me.

    Noch ein, zwei Prisen weitere Diagnosen drauf, vielleicht ein bisschen Trauma (not sure) und it actually me. Wow. Wir sind viele. Ich bin.. so beschissen das klingt, das zu jemandem zu sagen, dem es offensichtlich zum Kotzen geht, irgendwie echt froh. Nicht allein zu sein, nicht nur mit meinem Lebenslauf oder meinen Diagnosen, sondern mit der Kombination daraus und den nicht damit zusammenhängenden Eigenarten, Stilvorlieben… Ich hatte keine Ahnung, was ich studieren will, und dass ich studiere, war total klar. Eine Berufsberatung sollte hoffentlich was Interessantes erbringen, aber ich war so auf dem Muster, mir vor Erwachsenen nicht anmerken zu lassen, was mich wirklich umtreibt (ich handle mir damit nur Stress und/oder Unverständnis ein, für alle besser, wenn ich unter dem Radar fliege), dass es nichts brachte. Ich kam rein und erklärte mit einer Überzeugung, von der ich bis heute nicht weiß, wo sie herkam, dass ich in den Rettungsdienst wollte.
    Wie ich darauf kam und wo das herkam, ist mir bis heute nur teilweise klar.
    Dass ich gar nicht wusste, wie das ging, welche Ausbildungsoptionen es gab und was ich dafür brauchte, und dass ich dabei Hilfe gebraucht hätte, wusste ich nicht bzw. sagte ich nicht – und darum (oder vielleicht auch aus anderen Gründen) konnte mir auch der berufsberater nciht helfen. Er meinte irgendwas in Richtung „du scheinst dir ja schon komplett sicher zu sein, da brauch ich dir ja gar nichts mehr sagen“ und ich war erleichtert, die Situation abgewendet zu haben.
    Fast forward FSJ im Ausland, Wegzug ans andere Ende von Deutschland, völliger Depressions-Nadir, während ich so tat, als würde ich studieren. Stationäre Therapie; erst Akutpsych, dann Psychosomatik. Teilweise hilfreich, teilweise so nervig, dass genau das meine Lebensgeister weckte. Ich bestehe zu einem großen Teil aus Trotz. Weit vor jeder Lebensfreude ist es für mich wirksamer belebend, etwas so scheiße und unzutreffend zu finden, dass ich daran aus der Lethargie erwache – und an einer falschen Deutung merke, wie ich tatsächlich bin.

    Ja nun. Ich könnte Stunden schreiben, aber.
    Danke.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s