Der Endgegner im Badezimmer 3: Buchtipp „Fettlogik überwinden“

Vermutlich hat jeder Mensch, der mal im Laufe seines Lebens versucht hat abzunehmen, irgendwann mal einen Diätratgeber in die Hand genommen oder Zeitschriften zu dem Thema gewälzt. Und vermutlich hat das nie etwas gebracht und deshalb kotzt euch das alles jetzt sehr an.

Und trotzdem möchte ich euch heute ein Buch empfehlen, das überhaupt kein Diätratgeber sein will, aber in meinen Augen sämtliche Ratgeber für alle Zeiten überflüssig macht.

fettlogik

Zur Autorin
Dr. Nadja Hermann hat Psychologie studiert, in dem Fach auch promoviert und ist heute Therapeutin. Bezüglich der Gewichtsprobleme liest sich die Biographie der Autorin aber sehr ähnlich wie meine: Sie war schon als Kind übergewichtig, hat im Laufe ihres Lebens eine Diät nach der anderen angefangen und wieder abgebrochen und gab schließlich auf mit der Gewissheit, dass manche Menschen einfach nicht für Normalgewicht gemacht sind. Nur brachte sie anders als ich am Ende nicht ein paar Kilo Übergewicht auf die Waage, sondern satte 150 Kilo auf 1,75 Körpergröße.
Zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit Fat Acceptance und war froh über die dort herrschende Meinung, dass Übergewicht eigentlich überhaupt nichts mit Gesundheit zu tun hat. So jedenfalls, bis sie sich eine Verletzung zuzog und plötzlich das Damoklesschwert „lebenslängliche Immobilität“ über ihr hing.
Zwangsläufig begann sie also, sich erneut mit dem Thema Gewichtsabnahme zu beschäftigen und stieß dabei auf all die vielen Techniken, Mythen, Methoden und Weisheiten, die wohl jeder von uns verinnerlicht hat: Der Stoffwechsel muss ständig angekurbelt werden, da er sonst seinen Dienst einstellt, man muss x-mal am Tag essen, um nicht in den „Hungermodus“ zu fallen, man darf eine bestimmte Kalorienmenge täglich nicht unterschreiten, weil das ungesund ist und man sonst nicht abnimmt etc.pp.
Zu ihrer eigenen Überraschung musste sie feststellen, dass sämtliche dieser Weisheiten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand hielten. Ein Jahr später hat sie ihr Idealgewicht von 62kg erreicht und sich entschlossen, all ihre Erkenntnisse in einem Buch zu sammeln, das ich euch nun vorstelle.

Über das Buch
Bücher dieser Art kommen normalerweise nicht ohne dämlich-reißerischen Untertitel aus. Der Untertitel hierzu könnte beispielsweise lauten: „So nehmen Sie ab – garantiert!“ – „Diätlügen entlarvt!“ oder „Wie Sie der Qual ein Ende bereiten – für immer!“

So oder ähnlich könnte man es auf das Cover drucken. Und das Beste: All diese Sprüche wären wahr.

Ich habe wirklich sehr lange gegrübelt, wie ich diese Rezension schreiben kann, ohne dass es wie billige Werbung wirkt. Aber das ist völlig unmöglich. Ich kann es einfach nicht anders ausdrücken: Dieses Buch ist eine einzige Offenbarung.

Es erschien am 30. April als E-Book auf Amazon. Ich durfte es aber schon vorab lesen. Nach nicht mal 50 Seiten klappte ich den Laptop zu und beschloss, mein Leben zu ändern.

Das klingt vielleicht hochgradig albern, aber Menschen mit unerfüllten Abnehmwunsch werden mich vielleicht verstehen. Mein Leben lang habe ich versucht, ein Gewicht zu erreichen, das mich zufrieden stellt und glücklich macht, aber ich bin immer gescheitert. Nach außen hin quälte ich mich weiterhin mit sinnlosen Diätversuchen, aber innerlich hatte ich mich schon längst von dem Gedanken verabschiedet, jemals mein Zielgewicht zu erreichen. Und dafür gab es ja auch so viele Gründe: mein niedriger Stoffwechsel, meine Schilddrüsenunterfunktion, meine Antriebslosigkeit, mein Körper, der NIE so wollte wie ich und so weiter.

Das Buch hat mir klar gemacht, dass das alles nicht stimmt. Die ganzen von mir verinnerlichten Mythen, von der Autorin „Fettlogik“ genannt, fußen auf nichts anderem als auf einer Sammlung von falsch interpretierten Studien, Fehlinformationen und schlicht Schwachsinn, der von Leuten verbreitet wird, die es selbst nicht besser wissen.

Und das zu lesen war das Beste, was mir je passieren konnte. Das Buch, obschon kein Diätratgeber, zeigte mir einen Weg auf, mein Ziel doch noch zu erreichen – frei von allen Ketten, frei von „Fettlogik“.

Und, was soll ich sagen: Es wirkt. Seit etwas mehr als einem Monat halte ich mich nun an meinen eigenen Diätplan, den ich anhand der Informationen aus dem Buch entwickelt habe – und habe in dieser kurzen Zeit schon fast sieben Kilo abgenommen. Seht selbst:

gewicht

Momentan habe ich ein so niedriges Gewicht wie seit Jahren nicht mehr. Und seit Jahren habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt. Doch will ich weiter machen – und Dank des Buches weiß ich nun, dass ich mein Zielgewicht nicht erreichen kann, sondern erreichen werde – und das sogar sehr bald. Natürlich muss ich dafür was tun (was ich tue, erzähle ich euch die nächsten Tage), aber das Buch nimmt aus dem Thema „Abnehmen“ die große Portion Willkür, an der vermutlich die meisten abnehmwilligen Menschen schon mal verzweifelt sind. Und das ist eine so immense Erleichterung, dass ich am liebsten heulen würde, wenn ich darüber nicht so glücklich wäre.

Neben dem großen Teil, der sich mit den Mythen rund ums Abnehmen beschäftigt und der für mich am wichtigsten war, nimmt auch noch eine Aufzählung der gesundheitlichen Risiken des Übergewichts viel Platz ein. Dieser Part ist dem Thema entsprechend etwas trockener, zumal ich mich damit nicht wirklich angesprochen fühlte, da ich mit einem Maximal-BMI von 30 nie wirklich schwer genug war, um wirklich starke gesundheitliche Einschränkungen zu spüren, wobei mein recht junges Alter natürlich auch eine Rolle spielt. Dennoch lohnt sich die Lektüre, auch wenn es teilweise etwas schockierend ist.
Ein Unterkapitel aus diesem Themenkomplex war dann jedoch auch für mich sehr interessant: Die Autorin zitiert eine Studie, die nahe legt, dass möglicherweise eine Korrelation zwischen einem hohen Körperfettanteil und Depressionen besteht, da zu viel Fett im Körper zu Entzündungserscheinungen führen kann, was wiederum die Hirnchemie stören könnte. Das ist noch nicht abschließend geklärt (was die Autorin auch nicht behauptet), aber ich bin sehr gespannt darauf, ob ich hierbei eine Verbesserung feststellen werde.

Der letzte Teil befasst sich mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Übergewicht und dürfte den meisten vermutlich am übelsten aufstoßen. Gänzlich einverstanden bin ich hier auch nicht mit allem, aber auch hier sind alle Aussagen mehrfach belegt und laden zur Diskussion ein. Dass diese mit Fat-Acceptance-Vertreterinnen allerdings nicht möglich ist, haben mir die letzten Tage gezeigt und diese werden das Buch so oder so zerreißen, ob mit oder ohne gesellschaftlichen Teil.

Fazit
Was soll ich sagen – dieses Buch ist schlicht genial. Im launigen Schreibstil verfasst und teils mit Auszügen aus der eigenen Biographie gewürzt lässt es sich leicht lesen und macht dabei auch noch Spaß. Dabei ist alles wissenschaftlich fundiert und durch zahlreiche Studien belegt, aus denen die Autorin großzügig und auch für die Laien nachvollziehbar zitiert. Damit wirft sie mal eben so viel Status Quo über den Haufen, dass ich teilweise mit offenen Mund vor dem Buch saß und das Wort „Nobelpreis“ in meinem Kopf aufblitzte.

Ist das völlig übertrieben? Vielleicht. Aber für MICH als Person, die ihr Leben lang mit ihrem Gewicht haderte, aber dabei an tausend Regeln scheiterte, die allesamt sinnlos sind, stellt das Buch die Art Aufklärung da, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie brauche, weil mir überhaupt nicht klar war, dass ich an lauter Bullshit glaube, der gar nicht stimmt.

Darauf möchte ich morgen noch genauer eingehen. Bis dahin sei dieses Buch jedem – wirklich JEDEM – empfohlen, der mit seinem Gewicht unzufrieden ist. Zwar habe ich hier die ganze Zeit von Übergewicht geredet, aber auch für Menschen mit Untergewicht, die daran etwas ändern wollen, zeigt das Buch Wege auf, damit umzugehen und es zu beheben. Doch auch für Menschen ohne Gewichtsproblematik lohnt sich der Kauf, denn durch Werbung, Diätratgeber und sogar Ärzte ist unsere Gesellschaft regelrecht durchzogen von „Fettlogik“. Außerdem ist es ein schönes Lehrstück darüber, nicht alles unhinterfragt zu glauben, denn bei mehreren Kapiteln, in denen die Autorin „Fettlogiken“ demontierte, saß ich mit Dauer-Facepalm vor dem Bildschirm und dachte „Mein Gott, natürlich!“ – denn einiges dieser „Fettlogik“ ist so unglaublich unlogisch, dass es fast unvorstellbar ist, dass noch nie jemand vorher darauf gekommen ist.

Die große Leistung der Autorin besteht also darin, genau diese Dinge hinterfragt zu haben und auf eine Art und Weise zusammen zu tragen, die bisher in der Diätratgeberlandschaft absolut beispiellos ist. Mir hat es so sehr geholfen und eine solche Last von den Schultern genommen, dass ich mir wünschen würde, es auf Rang 1 der Bestsellerlisten zu sehen, denn ich weiß, dass es viele Millionen Menschen da draußen gibt, die genauso unglücklich sind wie ich und genauso wie ich nicht wissen, was sie dagegen tun sollen. Jedenfalls bisher!

Das einzig Negative, was ich über dieses Buch sagen kann, ist: Schade, dass es noch keine Druckversion gibt – und dass ich es nicht schon vor 15 Jahren lesen konnte.

Blog zum Buch: Fettlogik

Themenwoche:
Teil 1: Der ewige Kampf
Teil 2: Fatshaming, Fatacceptance

36 Gedanken zu “Der Endgegner im Badezimmer 3: Buchtipp „Fettlogik überwinden“

  1. Schade, dass es keine Druckversion gibt – für einen kindle-losen Loser mit Abneigung zum PC-Lesen bisschen ungünstig.

  2. Gibts da auch ein paar Tipps gegen Appetit-Attacken? (Nicht Hunger – Appetit!) Das ist eine meiner Schwächen. Ich erliege keinen Illusionen, ja nur ganz wenig zu essen. Ab und zu gönne ich mir einfach das, worauf ich Lust hab und das sind nicht nur Äpfel oder Karotten.

    • Tatsächlich ja🙂 Keine wirklichen Tipps (wie gesagt, es ist kein Ratgeber), aber es wird behandelt, woher so etwas kommt und auch, wie man das ändern kann. Und mehr wird nicht verraten!😀

      • Ich sehe schon, du willst zum Kauf animieren😉
        Ich vergebe dir, weil man dir deine Happyness anmerkt🙂

      • Du hättest mich vor vier Wochen erleben sollen ^^ Aber ich wollte unbedingt dichthalten und erst was dazu sagen, wenn das Ergebnis schon für sich spricht😉 (und die 6,90 Euro tun doch echt nicht weh)

      • … außerdem ist das auch echt ein bisschen kompliziert zu erklären. Ich hab’s sofort verstanden, aber es für andere nochmal aufbereiten traue ich mir nicht zu ^^

    • Tipp: nachgeben. Der Wille ist wie ein Muskel, den muss man trainieren aber auch entspannen sonst failed er. Iss gut und clean, nicht zu wenig, nicht zu viel und lege alle paar Wochen (oder jede Woche einmal) einen Cheat Day ein an dem Du wie sonst wie ein Nilpferd alles in dich hineinfressen darfst. Danach bist Du wieder eine Zeit lang diszipliniert.

      Nachtrag:
      Wir Männer wissen das schon lange ^^. Es gibt durchaus Sachen, die die Mädchen von uns lernen können. Wir haben auch keine Fettlogik. Muss auch so ein Frauending sein.

      Schönen Abend!

      • Rofl. Einen kurzen Kommentar voller Fettlogik schreiben und sich dann daran aufgeilen, dass Männer angeblich keine Fettlogiken haben. Und das muss natürlich generalisiert werden, um den Frauen noch eins mitzugeben, obwohl wesentlich mehr Männer übergewichtig sind als Frauen😀

        Leg dich wieder hin und nerv nicht. Und lies das Buch – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du auch zu dick bist und es nur nicht weißt.

  3. Aus den Amazon-Rezensionen:

    „Sie hat in einem halben Jahr 45 Kilo abgenommen, indem sie nur 500kcal am Tag konsumierte und keinen Sport machte.“

    500 kcal am Tag? Meh… dafür esse ich echt viel zu gerne:/
    Essen ist Genuß und soll nicht zur Qual werden.

      • Ich halte ja überhaupt nichts von Diäten, weil ich überzeugt bin, dass irgendwann die große Heißhunger-Attacke kommt, die alles bisher erreichte zunichte macht. Alle Vorhaben (keine Chips, keine Schokolade, keine Kohlenhydrate nach 17 Uhr, etc….) hält man vielleicht ein paar Tage durch und knabbert abends nur an Paprikaschoten, aber irgendwann halt nicht mehr. Und ich habe große Probleme damit, mir Dinge radikal zu verbieten.

  4. Hallo Robin! In mir keimt Hoffnung! Ich werde mir das „Buch“ kaufen und beten… und wenn das alles endlich klappt, hast du meinen ewigen Dank! Wenn nicht, dann wars den Versuch wert😉 Grüße, Katinka

    • Das würde mich unheimlich für dich freuen!!!🙂 Und es würde mich schwer wundern, wenn du da nichts sinnvolles für dich rausziehen könntest!

  5. Pingback: “Fettlogik überwinden” – Eine Buchbesprechung | Gedankensalat...

  6. Pingback: Rezensionen, Shitstörmchen und noch mehr Rezensionen. | Fettlogik überwinden.

  7. Ich kannte bisher nur den Blog. Eigentlich bin ich mit meinem Gewicht (bzw. meiner Optik, die Zahl interessiert mich nicht wirklich) recht zufrieden, interessant find ichs aber schon. Mal noch ein paar Rezensionen lesen …😀

    • Okay, ich editiere mich quasi selbst – ich habe mir das Buch dann doch gekauft und schon fertig gelesen! Ich konnte es nicht aus der Hand legen. Sehr spannend und informativ. Im Prinzip inhaltlich nicht viel Neues (außer nun genaue Risiko-Zahlen zu bestimmten Krankheiten), aber dennoch in der Gesamtheit Augen öffnend und es hat mir vor selbige geführt, dass ich wohl zu den Skinny Fats gehöre & nicht selten unter Drunkorexia leide. Also – auch „normale“ Leute haben dringend Handlungsbedarf.
      Achja – vollste Kaufempfehlung!

  8. Finde ich super, dass du auch Untergewicht erwähnt hast, das vergessen nämlich viele.
    Es ist wichtig, auf Leidensdruck zu reagieren, wenn er zu groß wird. Ansonsten ist es schön, den Körper nicht als Gegner anzusehen und sich gegenseitig gesund und bei Laune zu halten.😉

    Daumen hoch für deinen Einsatz🙂

  9. Pingback: #notmyfeminism – “Fatshaming” | Gedankensalat...

  10. „seit Jahren habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt“

    Herzlichen Glückwunsch! Und weiter viel Erfolg.

    „… Sammlung von falsch interpretierten Studien, Fehlinformationen und schlicht Schwachsinn, der von Leuten verbreitet wird, die es selbst nicht besser wissen.“ …

    Das scheint mir ein Kernproblem vieler Diskussionen zu sein, die – um mich vorsichtig auszudrücken – irgendwas mit dem Wohlbefinden der Leute zu haben. Das ist umso konsternierender im vorliegenden Fall, als es sich dort großenteils um Stoffwechsel, also medizinische bzw. biologische Fakten handelt, deren Wahrheit ziemlich gut feststellbar ist.

    • An sich ja, aber wenn du das Buch liest, wirst du feststellen, dass diese Mythen auch bei Ärzten und anderen Experten tief verankert sind. Warum, wird sehr interessant erklärt🙂

  11. Ich muß mich bei Dir bedanken, da ich über Dein Blog auf das Buch gestoßen bin und sicherlich schon in den vergangenen Wochen einiges daraus verinnerlicht habe!

  12. Pingback: Printversion | Fettlogik überwinden.

  13. Pingback: #Fettlogik-Blogstöckchen | Gedankensalat...

  14. Pingback: Rezension: Die Fettlöserin – eine Anatomie des Scheiterns | robins urban life stories

  15. Pingback: Gastbeitrag: Die Kontrolle wiedergewinnen – Fettlogik überwinden.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s