Schulsport – ein Hurra auf ein unbeliebtes Fach

Guten Morgen, Robin! Da hab ich doch glatt eine Diskussion auf Twitter verpasst, welche die Gemüter hochkochen lässt, denn zu etwas, was jeder schon mal erlebt hat (bzw. erleben musste), hat natürlich auch jeder eine Meinung. Das Thema sind die Bundesjugendspiele! Ausgelöst wurde das durch folgenden Tweet:

Inzwischen ist die betreffende Petition tatsächlich ins Leben gerufen worden, aber das hat der Diskussion natürlich keinen Abbruch getan. Mittlerweile scheint sich das Thema teils auf Sport in der Schule allgemein ausgeweitet zu haben.

Ich finde es hochinteressant, in welch schöner Regelmäßigkeit dieses Thema hochkocht. Die perfekte Gelegenheit, endlich auch meine Meinung dazu in die Welt zu posaunen!

Ich werde mich hierbei aber hauptsächlich auf den Schulsport an sich konzentrieren, weil ich darüber schon seit längerer Zeit intensiv nachgedacht habe. Meine Meinung zu der Petition kommt am Schluss!

Warum überhaupt Schulsport?

Bei diesem Thema taucht über kurz oder lang immer die Frage auf, was Sport in der Schule überhaupt zu suchen hat, denn immerhin ist das nichts, was einem in irgendeiner Form im späteren Berufsleben nützlich ist.

Abgesehen davon, dass dieses Argument auf so ziemlich alle Fächer zutreffen kann, je nach dem, welchen Berufsweg man einschlägt, sehe ich den Sinn der Schule nicht in einer rein utilitaristischen Ausrichtung, nur dazu da, die Schüler als Humankapital für den Arbeitsmarkt vorzubereiten. In meinen Augen sollte die Schule breitgefächertes Wissen vermitteln, mit dem man im Alltag bestehen kann (mit der Option, manche Teilgebiete vertieft zu behandeln) und den Schülern gleichzeitig die Möglichkeit geben, ihre individuellen Talente zu erkennen.

Darüber hinaus muss das Schulfach Sport gerade in den letzten Jahren immer mehr Auswüchse eindämmen, die in unserer bewegungsarmen Gesellschaft leider auf dem Vormarsch sind. Die Kleinkinder von heute schneiden im Bereich Koordinationsvermögen deutlich schlechter ab als die Eltern- und Großelterngeneration im selben Alter. Gründe hierfür sind beispielsweise die fortschreitende Technisierung (die schon für die Kleinsten viele Alternativen zum „Draußen spielen“ bietet), der Leistungsdruck (der von den Eltern auf ihre Kinder projiziert wird – wenn der Wonneproppen später auf dem harten Arbeitsmarkt bestehen will, muss er schon frühstmöglich mit allen denkbaren Kursen gefördert werden, was dann leider zu Lasten der freien Spielzeit geht) und eine überbehütete Erziehung (durch genau die Eltern, die in ihrer eigenen Kindheit noch ganz andere Erfahrungen machen durften).

Das führt dann leider dazu, dass Kinder heute nicht mehr auf Baumstämmen balancieren können, keinen Purzelbaum mehr hinkriegen und es nicht schaffen, ein paar Meter Rückwärts zu laufen.
Naja… gibt schlimmeres, ne? Dafür haben sie immerhin auch weniger blaue Flecken oder gar Knochenbrüche, die man sich zwangsläufig zuziehen kann, wenn man draußen rumrennt, statt daheim in alle Ruhe PC zu zocken oder Geige zu üben.
Leider hat diese Art der Überprotektion eine ganze Reihe massiv negativer Nachteile, die den meisten Eltern überhaupt nicht bewusst sind. Dazu habe ich vor einiger Zeit einen wirklich ausgezeichneten SPON-Artikel gelesen. Auszug:

Statt nach der Schule dann ein, zwei Stunden im Freien zu toben, wie es Kinder und Jugendliche bräuchten, ziehen sie sich lieber zurück, vor Fernseher, Computer, Spielkonsole. Der daraus resultierende Bewegungsmangel ist Risikofaktor für praktisch alles: Soziale Interaktion mit anderen Kindern und Lernvermögen leiden. Zu wenig Bewegung lässt das Selbstvertrauen sinken, psychische Probleme nehmen zu. „Unsportliche Jugendliche erkranken fünfmal öfter anDepressionen als sportlich aktive“, berichtet der Grazer Kinder- und Jugendmediziner Peter Schober, „und ihr Suchtrisiko ist höher.“ Sogar ein Zusammenhang mit ADHS ist wahrscheinlich. So verbesserte sich der Zustand von aufmerksamkeitsgestörten Kindern, die der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther mit viel Bewegung und Herausforderung therapiert hatte, auch ohne Tabletten dramatisch – zwei Monate mit viel Arbeit auf einer Almhütte und käsen lernen hatten gereicht.

Unter dem Natur- und Bewegungsdefizit leidet die Gesundheit unserer Jugend. Kopf- und Rückenschmerzen, Haltungsschäden, Übergewicht und Essstörungen sind auf dem Vormarsch. Und Bewegungsmangel schafft Bewegungsprobleme: „Bei drei von vier verunfallten Kindern spielen motorische Defizite eine Rolle“, fasst Schober die Studienlage zusammen. Die Angst vor Beulen und die ständige Sorge um das Kindeswohl erschaffen letztlich also erst, was sie verhindern wollten: mehr Verletzungen, mehr seelisches Leid, mehr körperliche Probleme.

Link zum Artikel (Das Zitat befindet sich auf Seite 3, der Artikel ist aber in Gänze lesenswert!)

Schulsport ist für viele Kinder, kleine wie große, heutzutage oft die einzige Bewegung, die abgesehen von kleineren Fußstrecken oder (natürlich elterlich überwachten) Besuchen auf dem Spielplatz von ihnen gefordert wird. Wie so oft muss hier die Schule also einspringen, um Möglichkeiten zu bieten und Fertigkeiten zu vermitteln, welche die Kinder eigentlich ganz nebenbei im normalen Alltag lernen sollten.

Darum ist das Fach Sport nicht nur nicht unwichtig, sondern im Gegenteil sogar dringend nötig. Was uns dann aber zur nächsten Frage führt.

Warum kein Schulsport ohne Benotung?

Sehr viele sind der Ansicht, dass Sport durchaus weiterhin Schulfach bleiben sollte, aber die Benotung komplett abgeschafft gehört. Immerhin haben nicht alle Schüler das gleiche Talent für Sport. Schwache Schüler sollten also vor der negativen Erfahrung bewahrt werden, eine schlechte Note zu kassieren, selbst wenn sie sich sehr anstrengen! Wenn also eine Bewertung, dann höchstens die Mühe betreffend, die Schüler sich geben, unabhängig vom Endergebnis. Aber am besten doch gar keine Noten!

Soll das so sein? Dazu muss ich ein bisschen ausholen:

Ich studiere ja auf Lehramt, was bedeutet, dass ich neben meinen beiden Hauptfächern noch als drittes Fach Erziehungswissenschaften belegen musste, das ich bereits abgeschlossen habe. Überraschenderweise habe ich mich nicht nicht durch meine Seminare geschlafen, ohne das ein oder andere zu lernen.

Einer der wenigen Inhalte, die ich nicht für komplett nutzlos für die Lehrerausbildung erachte, war die sogenannte „Theorie der multiplen Intelligenzen“, die von dem Erziehungswissenschaftler und Psychologen Howard Gardner formuliert worden ist. Er geht davon aus, dass jeder Mensch nicht eine, sondern neun Intelligenzen in verschieden großer Ausprägung besitzt. Diese sind:

– Sprachlich-linguistische Intelligenz
– Logisch-mathematische Intelligenz
– Musikalisch-rhythmische Intelligenz
– Bildlich-räumliche Intelligenz
– Körperlich-kinästhetische Intelligenz
– Naturalistische Intelligenz
– Interpersonale Intelligenz
– Intrapersonelle Intelligenz
– existentielle-spirituelle Intelligenz

Wir kennen das ja aus Rollenspielen, egal ob Pen&Paper oder Computerspiel: Erstellt man am Anfang seinen Charakter, kriegt man eine Palette an Fähigkeiten, die für das Spiel notwendig sind, und eine gewisse Anzahl Punkte, die man auf diese Fähigkeiten verteilen kann. Die Punkte sind so bemessen, dass es unmöglich ist, einen perfekten Charakter zu erstellen, der in jeder einzelnen Disziplin brilliert. Man muss sich also entscheiden: Wenn der Charakter beispielsweise ein Meister der Magie sein soll, kann er nicht gleichzeitig ein herausragender Krieger sein. Ein Ass im Schwertkampf kann nicht außerdem den Bogen perfekt beherrschen. Und so weiter! (Natürlich kann die Punkte auch gleichmäßig auf alle Fähigkeiten verteilen, aber dann hat man halt einen profillosen, langweiligen Charakter. Also… für’s Spiel.)

Natürlich hat Gardners Theorie auch ihre Kritiker. Ich selbst bin sehr unglücklich über die Bezeichnung „Intelligenzen“, da ich Intelligenz unabhängig von individuellen Fähigkeiten für einen übergeordneten Wert halte und im vorliegenden Fall lieber von „Begabungen“ spreche. Aber ob man seiner Einteilung nun folgt oder nicht, gibt diese Theorie dennoch nicht nur Impulse bei der Entwicklung von Lehr-Lern-Einheiten (vulgo „Unterrichtsstunden“ 😀 ), sondern hat auch meinen Blick für die spezifischen Probleme jedes einzelnen Schülers geschärft.

Jahrelang war ich der gleichen Ansicht, die ich am Anfang dieses Punktes zusammen gefasst habe. Gerade in der Grundschule habe ich in Bezug auf den Sportunterricht nicht eine einzige positive Erinnerung. Ich war langsam und ein bisschen moppelig, traute mich nicht, ein Rad zu schlagen, was während einer denkwürdigen Schulstunde in einem Heulkrampf meinerseits endete, weil mich alle anderen deswegen auslachten, und war überhaupt sehr schlecht im Turnen.
Das änderte sich erst allmählich, bis ich mit der Zeit plötzlich sogar eine der Besten im Sport war. Die Inhalte waren anders (Mannschafts- oder Ballsportarten statt Leichtathletik und dieses dämliche Turnen) und in der Oberstufe durften wir sogar Sportarten auswählen, die zwei Jahre lang im Kurssystem unterrichtet wurden. Auch da war ich ganz vorne dabei und lieferte Glanznoten ab.

Dennoch: Die frühen Erfahrungen saßen tief. Wie ungerecht, dachte ich noch Jahre nach meinem Abschluss, dass hier Schüler schlecht bewertet werden, obwohl sie nichts dafür können, sportlich unbegabt zu sein.

Es dauerte viel zu lange, bis mir klar wurde, dass dies in jedem Fach der Fall ist.

Während ich in Sport versagte, war ich in der Grundschule die Beste in Mathe. Sowieso lerne ich viel leichter als andere. Ich erinnere mich an den Geschichtsunterricht in der 6. Klasse, in denen der Lehrer einen Schüler pro Stunde mündlich prüfte und ich völlig fassungslos zusah, wie einer nach dem anderen immer wieder in die selbe von ihm gestellte Falle tappte („Fanden die Olympischen Spiele in der Antike AUF dem Olymp oder AM FUSS des Olymps statt?“ – „Äh… auf dem Olymp?“ *headdesk*).
Mir war das unverständlich, ebenso wie ich nicht nachvollziehen kann, wie manche Leute einfache Texte lesen können, ohne zu kapieren, worum es dabei geht. Dafür bin ich eine absolute Niete in technischen Fragen. Ich habe in meiner Unikarriere bestimmt an die 20 Hausarbeiten geschrieben, aber ich muss jedes Mal neu googeln, wie man die Breite der Seitenränder ändert. Ich bin für sowas einfach unbegabt und darüber hinaus interessiert es mich auch einfach nicht. Ich weiß, dass man kucken soll, wo die Strombuchse ist, bevor man einen Nagel in die Wand schlägt, weil von dort aus die Leitungen zu den Steckdosen laufen, und viel mehr wird im normalen Leben Gott sei Dank auch nicht von mir verlangt. Solange ich nicht zu technikdoof bin, meine Playstation zu bedienen, bin ich glücklich!

Ein Schüler mit sportlich-kinästhetischer Begabung verdient genauso seine Erfolgserlebnisse wie ein Schüler, der gut in Deutsch ist oder dem in Mathe alles zufliegt. Sport ist das einzige Fach, dass Schüler mit einem solchen Begabungsschwerpunkt fördert. In jedem anderen Fach reicht es auch nicht aus, sich einfach nur besonders anzustrengen – dafür kriegt man keine gute Note, wenn die Hälfte der Antworten falsch ist. Maximal kann sich das positiv in der Mitarbeitsnote niederschlagen, aber dadurch wird aus einer 5 halt trotzdem keine 2. Und da JEDES Fach im Grunde ein Wettbewerb ist (Notenspiegel!), ist es schlicht nicht einzusehen, warum Sport hier die große Ausnahme sein soll.

Warum ist Schulsport so ein Drama?

Dies ist weder die erste Debatte, die ich zu diesem Thema mitkriege, noch wird es die letzte sein. Mein Eindruck ist, dass hier viele alte Verletzungen zutage treten, denn der Schulsport gehört für einige zu den schlimmsten Erfahrungen der Schulzeit.

Nun scheinen solche Debatten hauptsächlich in Akademikerkreisen stattzufinden – und da drängt sich mir dann ein Klischee auf, das möglicherweise einen wahren Kern hat: die Einteilung von Schülern in genau zwei Gruppen, nämlich Streber und Sportler, wie man sie so oft in amerikanischen Highschool-Filmen beobachten kann.

Nun ist das Leben kein Rollenspiel, das jedem Menschen am Tag der Geburt Fähigkeitspunkte zuteilt. Ich will damit selbstverständlich nicht sagen, dass jeder eine Niete in Sport ist, der einen Uniabschluss erreicht hat. Noch ist jeder Sportler in jedem anderen Bereich ein tumber Depp. Und natürlich gibt es auch genug Leute, die in beiden Bereichen gut sind (oder in beiden Bereichen schlecht). Aber zumindest eine Tendenz scheint sich mir hier abzuzeichnen – vielleicht auch aus Gründen der Erziehung oder Sozialisation, denn im deutschen Bildungssystem spielt Klassismus immer noch in eklatanter Weise eine Rolle.

Das macht die alten Verletzungen natürlich nicht besser. Trotzdem: Nur die wenigsten Menschen sind in allem gut. Jeder hat zumindest ein Gebiet, bei dem er völlig versagt. Aber wenn wir alle Fächer in der Schule streichen, die für einige Schüler aufgrund mangelnder Begabung einfach nur frustrierend sind und keinen Mehrwert bieten, können wir das System „Schule“ gleich ganz abschaffen.

Warum der Schulsport trotzdem eine Reform braucht

Eigentlich braucht ja unser ganzes dämliches Bildungssystem eine Reform, aber beschränken wir uns mal wirklich nur auf den Sport. Hier gibt durchaus es einige Baustellen, denn ich kritisiere nicht den Sportunterricht an sich, wohl aber die dabei verwendeten Methoden.

Möglicherweise werde ich hier von meiner eigenen Abneigung gelenkt, aber mir ist beispielsweise total schleierhaft, wofür Turnen gut sein soll. Natürlich, nur indem man die Kinder turnen lässt, findet man die zukünftigen Olympiastars dieser Disziplinen, aber, äh… sonst?
Diese Form der „Leibesertüchtigung“ geht auf die Kaiserzeit zurück, die sich doch nun wirklich niemand zurück wünscht. Und tragischerweise werden vor allem die Kleinsten mit diesem überhaupt nicht lustigen Müll traktiert. Wir jedenfalls haben in der Grundschule neben ein bisschen Leichtathletik NUR geturnt.
Warum nicht lieber etwas, das Spaß macht? Koordinationsvermögen lernt man genauso gut (oder eher sogar noch besser) beim Kicken, Gummitwist oder anderen Spielen. Bewegungslust im Sinne der Erlebnispädagogik sollte zumindest in der Grundschule überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, spielerisch vermittelt werden und sich nicht an starren Regeln aus grauer Vorzeit orientieren. Noten kann man trotzdem vergeben.
Und dazu doch mal direkt ein Filmtipp!

Historisch ist das nicht wirklich korrekt und besonders tiefsinnig auch nicht, aber trotzdem ist das ein ganz unterhaltsamer Film (komplett komfortablerweise komplett bei Youtube zu finden!) 🙂

Desweiteren ist absolut nicht einzusehen, warum man die Schüler selbst ihre Mannschaften wählen lässt. Dies ist IMMER ein reiner Beliebtheitswettbewerb und gehört für viele zu den demütigendsten Erinnerungen ihrer Schullaufbahn. Dabei macht dieses System schlicht keinen Sinn. Der einzige, der in der Lage ist, gut durchmischte, leistungsähnliche Mannschaften zu bilden, ist der anwesende Sportlehrer. Also sollte der auch verdammt noch mal seinen Job machen und die Mannschaften selbst zusammen stellen, allem Gemurre zum Trotz.

Auch scheint mir das alltägliche Mobbing im Sportunterricht unterdurchschnittlich oft sanktioniert zu werden. Als ich kein Rad schlagen konnte und deswegen gehänselt wurde, griff der Lehrer erst ein, als ich anfing zu heulen, aber die ganzen dummen Sprüche und das Gelächter meiner Mitschüler hat er stumm hingenommen.
Das ist absolut inakzeptabel. Jeder Schüler, der einen anderen auslacht, weil er beim Vorlesen herumstottert, wird im Deutschunterricht von der diensthabenden Lehrperson mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zurecht gewiesen. Warum nicht dasselbe im Sport? Gerade der Mannschaftssport bietet viele Ansatzpunkte zur Vermittlung sozialer Kompetenzen. Diese Chance sollte genutzt und der Solidaritätsgedanke sowie die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in den Vordergrund gestellt werden.

Und letztendlich – um nochmal den Bogen zum Aufhänger zu schlagen – ist Sport als Wettbewerb an Schulen und auch schulübergreifend bei Großereignissen wie den Bundesjugendspielen zu überrepräsentiert. Warum gibt es Schulsportfeste, aber keine Schreibwettbewerbe? Warum Fußballturniere zwischen Parallelklassen, aber kein Naturwissenschaftsquiz? Das erzeugt den Eindruck, dass sportliche Begabung wesentlich wichtiger sei als alles andere – was nun mal bei all den Chancen, die der Sportunterricht bietet, auch nicht stimmt.

Misserfolg und (De)Motivation

Schulsport muss beibehalten werden, Schulsport gehört benotet wie jedes andere Fach auch – aber was nun, wenn ein todunglückliches Kind von den Bundesjugendspielen heimschleicht, eine Teilnehmerurkunde in der Hand?

„Multiple Intelligenzen“ hin oder her: Es kann kaum das Ziel sein, dieses Kind damit zu trösten, dass es halt einfach nicht gut im Sport ist, dafür aber andere Sachen ganz toll kann. Wie man an mir sehen kann, stimmt das einfach nicht – ICH hatte auch immer nur Teilnehmerurkunden und war später trotzdem ein Ass im Sportunterricht.

Hier muss man das richtige Maß finden zwischen Trost und Ermunterung. Denn die (Fehl)Vorstellung des Kindes, sowieso nie gute Leistungen erbringen zu können, wird mit hundertprozentiger Sicherheit dazu führen, es gar nicht mehr zu versuchen. Mit einer Selbsterfüllenden Prophezeiung dieser Art fördert man das Kind nicht etwa, indem man es dazu bringt, sich auf seine schon sichtbaren Talente zu konzentrieren, sondern nimmt ihm die Chance, sich zu entwickeln und zu verbessern. Andererseits ist es natürlich genauso belastend für das Kind, wenn es seinen Misserfolg allein auf persönliches Versagen zurück führt statt auf (zu diesem Zeitpunkt noch) fehlendes Talent.

Das ist ein Problem, das allerdings in der Kindererziehung bei jedem erdenklichen Misserfolg des Kindes immer wieder auftritt. Um diesen Balanceakt zu meistern kann man wohl keine konkreten Handlungsanweisungen geben, da jedes Kind anders ist. Sicher ist nur, dass noch mehr Demütigung keinen motiviert und man ein Kind gar nicht oft genug in den Arm nehmen kann. Dann sieht auch eine Teilnehmerurkunde nicht mehr ganz so schlimm aus 🙂

Ein kleiner Disclaimer zum Schluss, damit nicht (schon wieder) unbeabsichtigt der Eindruck entsteht, ich wolle hiermit jemanden angreifen: Die Idee zu diesem Beitrag trug ich schon lange mit mir herum, aber auch, wenn ich dem Großteil der Argumentation von „Mama arbeitet“ in ihrer Petition nicht folge, finde ich es trotzdem zum Kotzen, dass sie für ihren Standpunkt offensichtlich teils massiv attackiert wird.
Ich meine, Hallo!?!? Wir haben hier eine Mutter, der das Herz blutet, weil ihr Sohn traurig ist, und die sich Gedanken um eine Lösung macht – wie völlig durch muss man sein, um darauf mit Beleidigungen zu reagieren?!
Mein Beitrag, vor allem aber der erste Punkt, der sich mit schädlichen Erziehungsfehlern befasst, ist allgemein gehalten. In keinster Weise ist dies als Angriff an sie gedacht, denn auch wenn sie auf mich wie eine liebende, besorgte Mutter wirkt, weiß ich trotzdem nicht, wie sie erzieht und daher maße ich mir da auch kein Urteil an.
Und auch wenn ich nicht ihrer Meinung bin hoffe ich natürlich trotzdem, dass ihr Kleiner die Enttäuschung gut wegsteckt 🙂

Edit: Schoppe, immerhin schon ganz richtiger Lehrer, hat den Artikel in seinem Blog kommentiert: Wozu braucht man in der Schule eigentlich einen Körper?

Advertisements

46 Gedanken zu “Schulsport – ein Hurra auf ein unbeliebtes Fach

  1. Ich habe die gesamte Grundschule hindurch in keinem Fach Noten erhalten (Volle Halbstagsschule), aber das hat meine minderen Fähigkeiten im Schulsport auch nicht weniger schmerzhaft gemacht – man bekommt ja auch so ganz gut mit, ob man hinterher hinkt ^^ Außer beim Halbjahr Akrobatik, da war ich als stabiler Stützpfeiler ganz unten in der Pyramide erstklassig ;P Bundesjugendspiele habe ich glaube ich nie mitgemacht, ich weiß gar nicht, was da abgeht.
    Woran ich mich gut erinnern kann ist, dass wir beim Kinderturnen in diesen Ringen, die an langen Seilen unter der Decke hängen, schaukeln sollten, indem wie die Beine durchstecken – meine waren natürlich zu dick.
    (Und beim Voltigieren mussten mich immer 2 Kinder auf den Haffi wuchten, statt 1 ._.)
    ich stimme dir zu – Sport kann ruhig so benotet werden wie andere Fächer auch, aber Mobbing und Teamwahl sollten von Lehrern besser gehandhabt werden. Allerdings sind manche Lehrer auch einfach keine netten Menschen. Mein Sportlehrer in der Grundschule war auch mein Mathelehrer, in beidem hatte ich keine natürliche Begabung und das ließ er mich auch spüren. Unvergessen der Tag, an dem er mich in der 3. Klasse vor versammelter Mannschaft Kotzbrocken nannte 🙂 (weil ich fragte, ob wir das gleiche Arbeitsblatt im letzten Schuljahr schon mal gemacht hatten). Von solchen Menschen kann man kein pädagogisches Feingefühl erwarten.
    Initiativen wie Mathe- oder Spracholympiaden hätte ich mir während meiner Schulzeit auch mehr gewünscht, aber dafür brauchte es in der Regel einen engagierten Lehrer, der sowas ins Rollen brachte.

  2. Wow, einfach nur klasse.

    Als jemand, der den Sportunterricht gerade in der Oberstufe hasste (es gab „nur“ 4 Ballsport-Kurse und einmal Tanzen, aber leider nichts dazwischen war es für mich als Brillenträgerin mit einer gewissen angelernten Panik vor Bällen und völlig ohne Rhytmusgefühl einfach nur die Wahl des kleinsten Übels und genug Zusatzkursen, um die Note zu streichen) mag ich deinen Artikel.

    Denn gerade in der eigentlich harten Zeit für Sportnieten (die ohne freie Wahl) habe ich, als nicht wirklich sportliche Person im Klassenverband immer Unterstützung erfahren, so wie du es in deinem Artikel wünschst. Da wurde nebenschulisch vor Sportfesten geübt. Da wurden Mannschaften solange umgestellt, bis auch die unsportlichsten so integriert waren, dass ihnen Erfolgserlebnisse verschafft wurden (durch Positionsabsprachen, eingelernte Spielrythmen und vielem mehr, was mir Ballspielen kurzsichtig ohne Brille erst möglich machte.)
    Da wurde im letzten Klassenjahr mit drei wirklich gut gemischten Mannschaften die ganze Stufe aufgemischt, die alle auf eine Best-Of-Mannschaft gesetzt hatten und gegen Teamplay (Zurufe, Ansprachen, Warnungen an die, die zu schnell den Überblick verloren) keine Chance hatten.

    Vielleicht leider die Ausnahme, aber ein positives Beispiel, wie Schulsport funktioniert (und das sogar oder leider ohne allzu große EInwirkung des Fachlehrers).

  3. Das Argument, der Schulsport alleine solle keine Noten beinhalten, restliche Fächer jedoch schon, finde ich auch seltsam. Ich sehe bisher keinen Grund dort eine andere Regelung umzusetzen. Ich bin jedoch nicht davon überzeugt, dass Schulnoten wirklich das sinnvollste Konzept sind. Ich fürchte mein Text geht hier erstmal Off-Topic BUT I FEEL LIKE RANTING! ^^

    Die Schule verstehe ich als ein/e Prozess/Einrichtung um Kindern möglichst effizient und gesellschaftskompatibel Wissen zu vermitteln, dass sie benötigen, um in eben dieser Gesellschaft ein eigenständiges Leben führen zu können. Das einzige Mal das Noten wirklich relevant werden ist beim Schulabschluss, da anschließende Lehr-/Bildungseinrichtungen oder Arbeitgeber ihre beschränkten Plätze an die ihrer Meinung nach geeignetsten Bewerber verteilen können. Ich sehe noch nicht, wie man diesen Bruch anders lösen könnte, darum muss ich davon ausgehen, dass in dieser Phase eine einheitliche Bewertung/Benotung beibehalten wird. Auf mich wirken Schulnoten in der Grundschule wie ein Gewöhnung an diese Situation. „Lerne jetzt damit klar zu kommen, dann ist es beim Schulabschluss nicht so stressig“.
    Ein zweiter Grund für Noten scheint mir darin, Kindern eine kontinuierliche „Motivation“ zu geben, sich anzustrengen. Ein Schulabschluss der 10 Jahre entfernt liegt, greift bei Grundschülern nicht. Das Schuljahresende jedoch schon. „Streng dich an, bekomm gute Noten, sonst wirst du nicht versetzt.“ Da aber auch ein Jahr sehr lang ist, lässt sich die Motivation noch weiter eindampfen. „Streng dich an, bekomm gute Noten, sonst werden deine Eltern und die Lehrer_innen böse und schimpfen“. Das ganze System basiert somit auf Angst, Drohung und Bestrafung. Somit wird ein kontinuierliches Stressgefühl aufgebaut, was eine von Grund auf ungesunde Haltung gegenüber der Schule, dem Lernstoff und im Schlimmsten fall dem Lernen selbst kultiviert.
    – meine persönliche Erfahrung und rückblickende Interpration meiner damaligen Gefühle

    Ich weiß nicht, wie es besser geht. Aber ich bin überzeugt, dass Kinder keine Androhung von negativen Konsequenzen und Deadlines brauchen, um sich Wissen anzueignen. Und ich glaube, dass eine kompetente Einschätzung des Wissenstandes eines Kindes möglich ist, ohne es ständig mit Noten zu hetzen. Somit sehe ich echt keinen Grund dafür in den frühen Schuljahren, bevor sich Kinder selbst Gedanken über ihre spezialisierten Interessen und Optionen nach dem Schulabschluss machen, sie künstlich unter Druck zu setzen.

    Was hat das mit Schulsport und Wettbewerbsgedanken zu tun? Scheinbar ist die Diskussion entstanden, weil in diesem konkreten Fall ein Kind schlecht damit klar kam, nicht so gut gewesen zu sein wie andere und sich anschließend viele Erwachsene daran erinnert haben, wie sehr sie darunter gelitten haben, sich als Kinder in etwas messen lassen zu müssen, was sie nicht gut können und das Ergebnis bescheinigt zu bekommen. Ich habe selbst nicht viel schlechte Erinnerungen an den Sportunterricht, aber wenn ich die Situation in die obigen Worte fasse, kann ich den Frust und den Aufschrei gut nachvollziehen. Es wird ja immer Sport und Spiel genannt, aber praktisch ist es oft eher Sport und (Wett-)Kampf. Wenn Kinder keinen Spaß mehr an der körperlichen Aktivität haben, weil sie keinen eigenen Nutzen sehen und sich nur als Kanonenfutter für erfolgreichere Kids verstehen, die sich an einem abarbeiten können, bevor sie dann gelobt werden, weil sie so gut sind, dann failt die Schule ganz hart in ihrem Auftrag, den Kindern das Wissen zu vermitteln, wofür Sport gut ist. Es macht Spaß! Ja es ist gesund und wichtig, aber vor allem macht es Spaß. Ich hab noch niemanden erlebt, der_die sich durch ein krasses Workout oder einen Jakobsweb entlang gequält hat ohne das eine Komponenten daran extrem befriedigend ist. Darum geht es beim Sportunterricht doch. Die Schule hat doch nicht den Auftrag Kinder fit zu halten durch Schulsport, sonden sie für Sport zu begeistern. Genauso wie sie nicht den Auftrag hat, Wissen in die Köpfe zu prügeln, so dass es auf Abruf hervorgekotzt werden kann und sofort danach verschwindet, sondern Schüler_innen für Themenfächer zu begeistern. Leider ist deutlich, dass das Schulsystem in vielen Fällen ganz mies scheitert.

    Mein Punkt ist, wenn Kinder den Wettbewerb am Sport nicht mögen, könnte es vielleicht helfen, ganz generell den Wettbewerbs-, Vergleichs- Benotungsgedanken im Lehralltag zu reduzieren so dass sich Kinder nicht so sehr mit Leistung identifizieren sondern eher mit dem Spaß an der Sache. Dann ist ein ein Bundesjugendspiele-Wettbewerb evtl. nicht nur spannend für diejenigen die wissen, dass sie Chancen auf einen Platz auf dem Treppchen haben, sondern für alle die gerne Sport treiben, auch wenn sie die letzten sind.

    Kleine Abschlussanekdote. Eine gute Freundin von mir, meldet sich gerne für so Iron-Man Läufe wie Krassfit oder Tough Mudder an. Nicht weil sie so super auf durch’n Schlamm krauchen steht. Sondern weil sie mit ihren Sportfreundinnen dabei ist und ne gute Zeit dabei haben will, gemeinsam den Event abzuschließen und am Ende ne Teilnehmerurkunde als handfeste Erinnerung in der Hand hat. Wenn man die nicht als Herabwürdigung versteht, da man sich eben nicht mit dem Ziel sondern dem Weg identifiziert, ist das auch ein schickes kleines Ding.

  4. Toller Beitrag, Robin. Und ich kann ihn einfach genau so unterschreiben. Ich bin eigentlich auch eine der „keine Noten für Sport“-Verfechterinnen, aber was soll ich sagen? ich hab auch noch nie ein vernünftiges Argument dagegen gehört. jetzt habe ich eines. Von dir. Und es ist so simpel, und so einleuchtend, dass ich ernsthaft überrascht bin, es in noch keiner anderen Diskussion gehört zu haben. LG susepedia
    PS: Und ja, Mannschaftswählen gehört abgeschafft! 😉

  5. Stimme dir voll und ganz zu. Ich finde Sportunterricht in der Schule extrem wichtig, um auch den Kindern, die in der Freizeit aus mangelndem Interesse keinen Sport machen, trotzdem die nötige Bewegung zu vermitteln. Zudem ist richtiger Sport ja superwichtig, um grundlegendes Körpergefühl und Körperspannung zu erreichen.

    Dafür ist der aktuelle Sportunterricht (kann da nur aus meinen eigenen Erfahrungen sprechen, gibt bestimmt auch fähige Lehrer) leider überhaupt nicht geeignet. Bei uns lief das eigentlich nur unter dem Motto: “Ich will folgende Übung von dir sehen. Jetzt mach mal!“ Ohne didaktischen Aufbau, Heranführen, Eingehen auf Probleme…als würde man zu einem Erstklässer gehen und sagen: “Wir schreiben jetzt einen Aufsatz. Mach mal!“
    Manche können das, manche nicht. Ist wieder die Frage nach Förderung der Schwachen, damit die nicht hinten runter fallen. Finde es auch nicht richtig, dass der Spportleher alleine mit so vielen Kindern ist. Sport sollte immer von 2 Lehrkräften unterrichtet werden, damit Zeit ist, Kindern, die die Bewegung nicht verstehen weiterzuhelfen.
    Ich war eines dieser schwachen Kinder. Kein Körpergefühl, was dazu führte, dass ich die Anweisungen nicht verstehen konnte, weil ich einfach nicht wusste, wie man die entsprechende Muskulatur ansteuert. Jetzt, mit fast 30, habe ich einen Trainer im Sportverein, der mir mit Engelsgeduld seit 2 Jahren step-by-step Vorwärtsrollen etc. beibringt…und seit ich trainiere, ist meine Körperhaltung besser und ich laufe nicht mehr so oft gegen Gegenstände etc…

    Und das Mannschaften-wählen fand ich nicht mal ganz so demütigend, wie Gruppenarbeit in anderen Fächern…wo der Lehrer aktiv drauf hinweist, dass man nicht alleine arbeiten darf, sondern sich jetzt einer bestehenden Gruppe anschließen soll…und alle starren einen hasserfüllt an -.-

  6. Grundschulsport hatte ich immer mit der Klassenlehrerin der Parallelklasse. Entsprechend hat sie uns immer Klassenweise in Teams aufgeteilt (wir haben sehr viele Spile gespielt). Dummerweise war die Parallelklasse einfach stärker als wir weil sie einige sehr gute Sportler mehr hatte. Das hat dazu geführt, dass unsere „Stadtklasse“ und die „Dorfklasse“ sich furchtbar hassten. Mit reingespielt hat natürlich auch, dass sich die Kinder aus der Stadtmitte und von den angegliederten Dörfern und Siedlungen sowieso nicht kannten und es keine oder kaum übergreifende Freundschaften hab. Jeder hielt sich für was besseres und hat es die anderen wissen lassen.
    Also braucht man auch wieder einen kompetenten Pädagogen. Aber das ist ja ziemlich selbstverständlich. Schade, dass wir trotzdem so viele unfähige Lehrer haben…

  7. Mir fehlt in deiner Abhandlung ein wichtiger Punkt: Ich hatte in meiner ganzen Schullaufbahn nicht einen einzigen Sportlehrer, der versucht hätte, mir tatsächlich etwas beizubringen. Man stelle sich das mal übertragen auf den Matheunterricht vor: Der Lehrer kommt jede Stunde rein, teilt Aufgabenblätter aus und dann soll die Klasse mal rechnen. Die Kinder, die nachmittags im Matheverein sind, haben das mit den binomischen Formeln dort schon gelernt, lösen das aus dem Handgelenk und werden vom Lehrer in den höchsten Tönen gelobt. Der Rest erschließt sich das aufgrund von vorhandenem Mathe-Talent entweder selbst oder geht halt unter (begleitet von aufmuntertenden Zurufen des Lehrers wie: „Schau, der X“ – Kind aus dem Matheverein – „kann das so schön, mach das mal genauso!“). Und damit nicht so auffällt, dass in Mathe kein wirklicher Unterricht stattfindet, bekommt jedes Kind, so schlecht es auch rechnen kann, mindestens eine 3 oder 4.

    • Super Vergleich!
      Leider gibt es solche Mathelehrer wirklich. (Steht ja alles im Buch, was man wissen muss.)

  8. Ich war meist auch einer dieser Schüler, die als letzte in die Mannschaften gewählt wurden – bis wir dann in den höheren Klassen selbst wählen durften, welchen Sport wir treiben wollen. Volleyball, Tanz, rhythmische Sportgymnastik – das lag mir und ich habe es auch genossen mich dabei zu bewegen und richtig an meine Grenzen zu gehen, weil es einfach Spaß gemacht hat. Da kamen dann die guten Noten ganz von allein. Ich verstehe nicht, warum so etwas nicht schon viel früher in den Lehrplan integriert wird. Natürlich muss man alles einmal ausprobieren, um entscheiden zu können, was einem Spaß macht, aber das dauert doch nicht bis zur Oberstufe!?

  9. Turnen war auch nicht meins, die besten Grundschulerinnerungen hab ich an Hockey und Rugby (wir hatten nen tollen Sportlehrer).
    Als ich letzt als Elternteil bei den Bundesjugendspielen mitgeholfen hab, stellte ich übrigens fest, dass die Mädels in der ersten Klasse im Schnitt weiter sprangen als ihre männlichen Mitschüler. Ab der zweiten Klasse aber kippte das bereits. Du siehst so nem fremden Kind auch kaum an, wie gut es sein wird (es sei denn, es ist deutlich übergewichtig). Und als letzte Erkenntnis: nicht wenige Kinder brauchen ne Art Soccer-Mom, die sie anfeuert, damit sie überhaupt erst richtig loslaufen. War teilweise schon echt witzig zu beobachten 🙂

  10. Ich muss mal jammern.

    Ich bin der Meinung, dass mit diesen sehr gezwungenen Sportfesten oder Bundesjugendspielen, so getan wird, als dürfe nur Sport gefeiert werden. Dann will ich mich nicht an die ganzen Sportfeste erinnern, wo ich von Erwachsenen angeschnauzt wurde, weil ich mich angeblich nicht anstrenge und von Kindern auch noch ausgelacht werde. In Wirklichkeit ging ich an meine Grenzen und mir war schwarz vor Augen. Wir hatten ein einziges Mal eine (auch halbwegs gezwungene) Mathe“olympiade“ (da wurde ich erste, yeay). ABER dieses Matheding fand am Nachmittag statt, das heißt die Kinder sind nicht hingekommen oder nur, wenn die Eltern sie gebracht haben (Wir waren fast alle Schulbus-Kinder). Sportfeste fanden immer in der Schulzeit statt und die anderen Fächer fielen dafür aus, manchmal gab es sogar Luftballons und Musik. Das ist doch unfair.

    Ich hab halt Pech, dass ich ein schwaches und ängstliches Kind war. Ich hatte ab der Grundschule durchgehend Eisenmangel und sehr oft Blutarmut, öfter auch recht extrem. Das interessiert aber keinen Sportlehrer, wenn man sagt, einem ist schwarz vor Augen und man Angst hat. Die sagen dann nur, dass man faul ist. In der 12. Klasse wollte ich keine Tabletten mehr nehmen müssen und bin zu Eisen-Infusionen gegangen. Hab das dem Sportlehrer gesagt, dass ich gerade von einer Infusion komme und musste trotzdem bei praller Sonne Tennisbällen hinterherrennen und wurde für meine mangelnde Leistungsfähigkeit schlecht beurteilt, obwohl ich mich extrem bemühte alles richtig zu machen. Der Sportlehrer war sowieso schlimm. Ich hatte das halbe Jahr vorher bei ihm Ski-Sport, bei der Vorbereitung hab ich mir die Handgelenke kaputt gemacht und bei der Ski-Woche beide Knie! Ich konnte ein halbes Jahr nicht wirklich Treppen steigen. Zum Glück hab ich mir noch nie etwas gebrochen.

    Wir hatten in einer anderen Schule einen braun gebrannten Schönling als Sportlehrer. Der war sehr gemein. Ihm schien es wirklich Spaß zu machen, schwächere Kinder vorzuführen. Ein Mädchen hatte Zuhause sehr große Probleme. Sie sah auch anders aus. Sie war dicker, ihre Kleidung war ärmlicher, passte nicht richtig. Sie hatte eine Shorts bei der der Reißverschluss nicht zu ging und sie hatte Achselhaare, obwohl alle anderen Mädchen sich die weg rasierten. Was macht der Lehrer? Der zwingt das Mädchen zu Übungen, die sie nicht hinbekommt und dann hängt sie da vom so ganz hohen Kasten ihr T-Shirt rutscht über den Kopf und der Lehrer zwingt sie weiter und lästert mit anderen Schülern und schaut auch noch angeekelt. Mir tat es beim aus dem Augenwinkel ansehen schon weh. Ich traute mich nicht irgendwas zu sagen, bin halt ängstlich. Also so, wir Kinder waren so zwischen 11 und 13 Jahre alt. Oh menno, jetzt geht es mir nicht gut.

    Mit dem Eisenmangel komme ich erst ab dem 25 Lebensjahr zurecht. Mit 26 Jahren hab ich auch gemerkt, dass ich ja auch Kraft hab und Sport machen kann wie andere auch. Ich mach mittlerweile viel mehr Sport als meine ganzen Freunde, weil ich mich damit gut fühle. Ich mochte aber schon immer so Aerobic-Sachen, das gab es im Schulsport nur nicht. Mir hätte es sehr geholfen, wenn man mir genau erklärt hätte (Mit Worten und Bildern) wie die Bewegungen gehen, insbesondere bei solche Sachen wie Hochsprung. Ich hatte mal einen Sportkurs Golf, das war das einzige Mal, wo mir erklärt wurde, wie man seine Hände halten soll, wie man stehen muss und wie das alles funktioniert.

    Zu Noten:
    Erst seit ich 30 Jahre alt bin, wurde mir erklärt, dass nicht jedes Kind/jeder Student überall eine Eins haben kann. Ich wusste das nicht. Ich dachte immer, ich muss mich ganz stark anstrengen, wollen und lernen, dann bekomme ich eine Eins. (Vielleicht kann ich die Schuld meinen Eltern geben?) Dementsprechend gebrochen war ich, wenn ich eine Note schlechter als 3+ hatte, weil ich ja mein Allerbestes gab. Ich hatte in Sport, Musik, Geschichte und Erdkunde immer total schlechte Noten und ich hab es nicht verstanden. Im Studium hab ich in Klausuren ein extremes Zeitproblem und schon allein deswegen, kann ich keine Eins bekommen. Insgeheim, glaube ich das aber doch noch irgendwie, dass jeder eine Eins bekommen können muss, wenn er genug lernt. Ich finde das so schrecklich, dass es nicht geht. Wieso sollte ich mich für ein Fach anstrengen, wenn ich nicht mal eine gute Note für meine Mühen bekomme?
    Wenn man Arbeiter ist wird man mit Geld bezahlt. Wenn man Schüler ist, wird man mit Noten bezahlt, finde ich.

  11. Hi Robin,
    ich würde trotzdem nicht an einer nach deinen Vorstellungen zum Schulsport organisierten Schule freiwillig am Schulsport teilnehmen.
    Mein Körper gehört mir, ich weise die Anmaßung von Staat und Lehrern darüber zu bestimmen, welche Bewegungen ich mit meinem Körper auszuführen habe, entschieden zurück.

    Die Petition gegen die Bundesjugendspiele finde ich eine gute Sache.
    Ich habe da während meiner Schulzeit übrigens manchmal eine sogenannte „Siegerurkunde“ bekommen, einmal auch eine sogenannte „Ehrenurkunde“. Ich habe den Quatsch dann schnell zerrissen und weggeworfen.
    Erst mich zu einem solchen Scheiß zwingen und mich dann als Gegenleistung für das Aussetzen des Selbstbestimmungsrechts über meinen Körper auch noch mit solchen blöden Urkunden abspeisen wollen.

    Gegen Schulsport als freiwilliges Angebot habe ich natürlich nichts einzuwenden (auch nicht gegen Bundesjugendspiele als freiwilliges Angebot), es darf auch gerne noch viel mehr schulische Sportangebote geben als heute, aber ob ich sie annehme oder nicht, das bestimme allein ich – und ich nehme sie nicht an. 🙂

    Mag sein, dass es aufgrund der oben beschriebenen Probleme im Zusammenhang mit Bewegungsmangel bei Kindern zu rechtfertigen sein könnte, zumindest in den ersten Schuljahren nicht auf Schulsportzwang zu verzichten, dann müsste der Schulsport aber zumindest so erträglich wie möglich gestaltet werden.

    Will man aber einen derart fundamentalen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht anderer Menschen die ganze Schulzeit hindurch durchführen, dann braucht man dafür m.E. schon eine gute Begründung. Zwang ist immer rechtfertigungsbedürftig, m.E. nur zu rechtfertigen, wenn ohne diesen Zwang der Verlust an Freiheit und Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung in einer Gesellschaft größer ist als mit diesem Zwang.

    Übrigens birgt der Schulsport auch eine erhöhte Verletzungsgefahr, das müsste man mit den potentiellen gesundheitlichen Vorteilen zusammenrechnen, ebenso die psychischen Belastungen für Schüler, die unter dem Zwang zum Schulsport leiden und den bei diesen häufig auftretenden pädagogischen Gegenteileffekt, dass sie aufgrund negativer Erfahrungen mit dem Schulsportzwang später freiwillig keinen Sport mehr machen, obwohl es sinnvoll für sie wäre.

    Mindestens sollte dein Modell den Schülern m.E. möglichst viele Wahlmöglichkeiten zur sportlichen Betätigung bieten, so dass sich jeder etwas aussuchen kann, was zu ihm passt, aber selbst dann hielte ich den Zwang zum Schulsport für ältere Kinder und Jugendliche wahrscheinlich für nicht zu rechtfertigen.

    Schulsport als freiwilliges Angebot würde wahrscheinlich sowieso von vielen Schülern angenommen werden. Den Anderen muss man eben etwas bieten, versuchen sie zu überzeugen – und wenn es nicht gelingt so wie bei mir, dann wird man dies eben respektieren müssen.

    Was machst du denn auf deiner Schule jetzt mit Schülern wie mir, die einfach keinen Bock auf Schulsport haben und diesem mit zivilem Ungehorsam begegnen?
    Es könnte ja sein, dass ich vielleicht andere nützliche Fähigkeiten habe, die ich später in die Gesellschaft einbringen könnte, daher wäre es vermutlich nicht wirklich von Vorteil, wenn ich jetzt in der Gosse ende, nur weil ich mich dem Zwang zum Schulsport verweigere.

    • Der Zwang dran teilzunehmen ist doch in jedem Schulfach da? Wir haben eine Schulpflicht und wenn man darüber hinaus zur Schule geht, hat man sich auch freiwillig verpflichtet am Unterricht teilzunehmen.
      Für mache Leute ist z.B. Kunstunterricht eine Qual und die müssen auch irgendwelche seltsamen Projekte gezwungenermaßen machen, oder nicht?
      Es steht einem ja auch nicht frei, ob man Mathearbeiten in der 4. Klasse zu schreiben hat oder nicht.

      Hab gerade eine Idee. Vielleicht wär es sinnvoll in Sport Hausaufgaben zu vergeben? Dann könnte man sich wie in anderen Fächern Zuhause (bei Sport vielleicht nachmittags in der Sporthalle) mir der Theorie (wie geht das eigentlich) beschäftigen und bestimmte Dinge einüben, die man dann im Unterricht vorzeigt und dann erst benotet wird. (Vielleicht hatte ich einfach so schlechte Sportlehrer, dass die mir nie gesagt haben, wie etwas geht oder wie man sich zu einer bestimmten Leistung hin trainieren kann.)

      Am Schulsport mag ich es auch nicht, dass Krankheiten total ignoriert werden. Wenn jemand z.B. Asthma hat, dann kann er öfters nicht so gut mitmachen und bekommt dadurch so ziemlich immer eine schlechte Note, weil man bei den Leistungen von irgendwelchen Tabellen für den Jahrgang abweicht. Das mit dem Jahrgangsvergleichstabellen ist auch bescheuert, ich hatte Probleme beim Übergang zur 5. Klasse also weiterführenden Schule und war dann die älteste. Das heißt ich musste ab dann immer mehr Leistung bringen, um die gleiche Note zu bekommen, wie die jüngsten Kinder aus meiner Klasse. Ich mit meiner Blutarmut (8 Schuljahre lang) konnte einfach nicht mithalten.

      Es werden auch, wie in anderen Fächern teilweise auch, ärmere Schüler benachteiligt. Die machen keinen Vereinssport, weil sie das Pech haben, dass keiner sie hinfahren kann oder die Gebühren zu teuer sind. Sie haben Zuhause meistens viel weniger Platz, sodass sie auch nicht mal einfach Decken auslegen können, um Purzelbaum zu üben. Sie können auch kein Nachhilfeunterricht nehmen, weil das auch Geld kostet. Wenn die Eltern dann in den Fächern auch keine Hilfe sind, dann ist es eben dumm gelaufen für die Kinder.

      • @ Mona

        “Der Zwang dran teilzunehmen ist doch in jedem Schulfach da?”

        Ein Unrecht kann aber nicht durch ein anderes Unrecht gerechtfertigt werden.

        Ich bin Anhänger der freiheitlichen Strömungen der Pädagogik (also z.B. Francisco Ferrer, Leo Tolstoi, Martin Buber, John Dewey, Otto Rühle, Alfred Adler, Carl Rogers, Abraham Maslow, Erich Fromm, Ivan Illich, Wilhelm Reich, Paul Goodman, George Dennison, Paulo Freire, Alexander Neill, Alice Miller, Jean Liedloff, Thomas Gordon, Ekkehard von Braunmühl, Wolfgang Hinte, John Holt, Jesper Juul, Alfie Kohn usw.)

        Mir geht es ganz allgemein um demokratischere und freiheitlichere Schulen, die mehr Wert auf die Förderung intrinsisch motivierten Lernens legen (also Lernprozesse, die durch echtes Interesse der Lernenden motiviert sind).

        Meine Vorstellungen zu Schule und Lernen stehen in der pädagogischen Tradition der freien Alternativschulen,

        https://de.wikipedia.org/wiki/Alternativschule

        bei denen mehr Freiheit bei der Wahl von Lerninhalten und mehr Beteiligung von Schülern an der Selbstverwaltung einer Schule die Regel ist.

        Abgelehnt werden an freien Alternativschulen in der Regel auch Noten (mit Ausnahme von Abgangszeugnissen), Wettbewerbe (es sei denn, irgendwelche Wettbewerbsspiele werden von den Schülern gewünscht) und Hausaufgaben (außer als freiwillige Angebote).

        Speziell mit den empirischen Forschungsergebnissen zu diesen Themen hat sich der bekannte US-amerikanische Erziehungswissenschaftler Alfie Kohn in mehreren Büchern beschäftigt:

        Für empirische Forschungsergebnisse zu den negativen Auswirkungen von Noten auf Lernprozesse siehe das Buch:
        Alfie Kohn – Punished by Rewards: The Trouble with Gold Stars, Incentive Plans, A’s, Praise, and Other Bribes, Houghton Mifflin, 1999.

        Für empirische Forschungsergebnisse zu den schädlichen Auswirkungen von Wettbewerb in pädagogischen Kontexten auf Lernprozesse und das soziale Miteinander von Schülern siehe das Buch:
        Alfie Kohn – No Contest: The Case Against Competition, Houghton Mifflin, 1992.

        Für empirische Forschungsergebnisse zu den nicht oder kaum vorhandenen positiven Wirkungen von erzwungenen Hausaufgaben auf Lernprozesse sowie den negativen Wirkungen von Hausaufgaben siehe das Buch:
        Alfie Kohn – The Homework Myth: Why Our Kids Get Too Much of a Bad Thing, Da Capo Books, 2006.

        Ein paar Beispiele für freie Alternativschulen aus Geschichte und Gegenwart:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Escuela_Moderna

        https://de.wikipedia.org/wiki/Summerhill

        http://www.gestalt.de/dennison_interview.html

        https://de.wikipedia.org/wiki/Sudbury-Schulen

        http://www.freie-alternativschulen.de/

        “Für mache Leute ist z.B. Kunstunterricht eine Qual und die müssen auch irgendwelche seltsamen Projekte gezwungenermaßen machen, oder nicht?”

        Ja, absurd, nicht wahr? Gerade ein Fach wie Kunst, wo es eigentlich um die Förderdung von Kreativität gehen sollte, wird durch Zwang und Noten ins genaue Gegenteil verkehrt.
        Ich besitze keine künstlerischen Begabungen, habe als Kind aber trotzdem immer gerne gemalt, das hat mir ein völlig inkompetenter, autoritärer Kunstlehrer in der 5. Klasse komplett ausgetrieben.

        “Es steht einem ja auch nicht frei, ob man Mathearbeiten in der 4. Klasse zu schreiben hat oder nicht.”

        Für empirische Forschungsergebnisse zu den negativen Auswirkungen von standardisierten Tests auf Lernprozesse siehe das Buch:
        Alfie Kohn – The Case Against Standardized Testing: Raising the Scores, Ruining the Schools, Heinemann, 2003.

        Und Mathematik ist für die meisten Schüler zu großen Teilen ohnehin ein überflüssiges Fach, es sei denn, es interessiert sie. Nur ein kleiner Teil der Inhalte des Mathematik-Unterrichts wird von den Meisten in ihren Leben je gebraucht werden und welcher das ist, ist leicht absehbar.

        “Hab gerade eine Idee. Vielleicht wär es sinnvoll in Sport Hausaufgaben zu vergeben? Dann könnte man sich wie in anderen Fächern Zuhause (bei Sport vielleicht nachmittags in der Sporthalle) mir der Theorie (wie geht das eigentlich) beschäftigen und bestimmte Dinge einüben, die man dann im Unterricht vorzeigt und dann erst benotet wird.”

        Das scheint mir keine so gute Idee zu sein. Erstens haben erzwungene Hausaufgaben auch in anderen Fächern keine oder nur geringe Effekte auf Lernleistungen und zweitens verstärkst du dadurch Abneigungen gegen Sport, denn Schüler hassen erzwungene Hausaufgaben.

        Es erscheint mir schon irrational genug zu glauben, man müsste Kinder, die ja von Natur aus ein starkes Bewegungsbedürfnis haben, in autoritärer Weise zu Sportmaßnahmen zwingen (noch dazu mit Zwangswettbewerben und Noten) anstatt ihnen freiwillige Angebote zu machen, die ihnen Spaß machen und ihren Bedürfnissen entsprechen.
        Dass ein Effekt des demütigenden Zwangssports gerade der ist, dass viele von denjenigen Schülern, für die es eigentlich wichtig wäre, mehr Sport zu machen, im Nachhinein überhaupt keine Lust mehr auf Sport haben, ist ja eigentlich naheliegend.

        So produziert man pädagogische Gegenteileffekte während man freudvolle Lernprozesse initieren könnte, wenn man mehr an die Motivationen und Bedürfnisse der Schüler anknüpfen würde.

        Außerdem: Kinder verbringen ja auch noch nicht genug Zeit mit Schule und Hausaufgaben. Wollen wir ihnen komplett die Kindheit versauen, in dem wir jede Minute für erzwungenes Lernen in Beschlag nehmen?

    • Wat?

      Und warum verstößt nur der Sportunterricht gegen dein „Selbstbestimmungsrecht über deinen Körper“ aber nicht der Kunstunterricht bei dem du gezwungen wirst mit deiner Hand(teil deines Körpers) einen Pinsel zu halten und Bilder zu malen?

      Im Musikunterricht wirst du dazu gezwungen zu Singen und z.B. Blockflöte spielen zu lernen.

      Gegen freiwilligen Kunst und Musikunterricht hätte ich ja nichts einzuwenden aber….

      Und wenn wir schon mal dabei sind… zum Lesen und Schreiben wird man auch gezwungen… am besten schaffen wir die Schule ganz ab.

      • @ St. Elmo

        „Und warum verstößt nur der Sportunterricht gegen dein “Selbstbestimmungsrecht über deinen Körper” aber nicht der Kunstunterricht bei dem du gezwungen wirst mit deiner Hand(teil deines Körpers) einen Pinsel zu halten und Bilder zu malen?“

        Beim Zwang zum Schulsport handelt es sich um eine direkte und unmittelbare Ausübung von Herrschaft über den Körper, bei Zwang zum Kunstunterricht ist dies hingegen lediglich Mittel zum Zweck für etwas anderes.
        Phänomenologisch betrachtet ist dies also etwas Unterschiedliches, denn wer unter dem Zwang zum Kunstunterricht leidet, leidet meist nicht daran, dass hier Zwang über seinen Körper ausgeübt wird, sondern daran, dass malerische bzw. künstlerische Leistungen von ihm gefordert werden, zu denen er weder Neigung noch Begabung besitzt.

        Aber selbstverständlich lehne ich auch den Zwang zum Kunstunterricht ab.

        „Im Musikunterricht wirst du dazu gezwungen zu Singen und z.B. Blockflöte spielen zu lernen.“

        Ja, das ist auch scheiße, aber wiederum in phänomenologischer Hinsicht etwas anderes als der Zwang zum Schulsport, der hier nunmal das Thema war.

        „Gegen freiwilligen Kunst und Musikunterricht hätte ich ja nichts einzuwenden“

        So ist es 🙂

        „Und wenn wir schon mal dabei sind… zum Lesen und Schreiben wird man auch gezwungen… “

        Ein Zwang lesen und schreiben zu lernen lässt sich m.E. ethisch rechtfertigen, da es sich hierbei um grundlegende Kompetenzen handelt, die, um sich in einer modernen Gesellschaft zu orientieren und Erfolg zu haben unerlässlich sind sowie weil der Fortbestand einer modernen, auf der Aufklärung und ihren Errungenschaften beruhenden Gesellschaft von der Alphabetisierung unmittelbar abhängig ist.

        „am besten schaffen wir die Schule ganz ab.“

        Eine vollständige Abschaffung des Schulzwangs wäre aus kinderrechtlicher Perspektive zwar einerseits konsequent, könnte aber leider andere negative Folgewirkungen nach sich ziehen, die ebenfalls eine Bedrohung für die Freiheit darstellen.

        Ich präferiere daher zur Zeit ein anderes Modell:

        https://robinsurbanlifestories.wordpress.com/2014/12/15/abtreibung-und-beratung-teil-2-ein-zwang-der-eigentlich-nur-eine-pflicht-ist-und-manchmal-eine-chance-sein-kann/comment-page-1/#comment-3999

  12. Schulsport gehört m.E. massiv reformiert! Dieses ganze wettbewerbliche Leichtathletik-Getue ist doch echt überflüssig. Man sollte den Kindern vor allem FREUDE AN DER BEWEGUNG und eine gute Körperwahrnehmung vermitteln, sowie Fitness und Kampfkraft (ja!), so dass sich sowohl Jungs als auch Mädels gegen Übergriffe wehren können – natürlich in einer Form, in der effektive Verteidigung der Maßstab ist, nicht das übertriebene Niedermachen des Gegners.

  13. Interessant, ich fand turnen immer am schönsten. Ich hab null Kondition, aber beim „wie weit kommt man mit den Fingerspitzen, bei durchgedrückten Knien, auf den Boden & darüber hinaus“ hab ich den Schulrekord geholt. Leider hatten wir dann 6 Jahre lang einen Lehrer, der mit uns NUR Basketball und Hockey gemacht hat. Also .. NUR. Ich hasse Basketball…

    Unsere Lehrer haben zum Glück meist nicht die tatsächliche Leistung bewertet, sondern das Mühe geben. Wenn man als unsportliches Moppelchen jedes Mal sichtbar bis an die Grenzen ging, wurde das gewürdigt – so finde ich Benotung okay. Schließlich soll man sich beim Sport primär an sich selbst messen und nicht an den Sportskanonen. Später, als wir eine junge Lehrerin bekommen haben, gabs dann auf einmal auch Tischtennis, Ski fahren, Badminton, tanzen, … und schon machte der Sport auch mal Spaß. Ich glaube, das einseitige Sportangebot bei alten, festgefahrenen Lehrern ist DER Motivationskiller überhaupt.

    Bundesjugendspiele fand ich trotzdem super beschissen. In der prallen Sonne (oder strömenden Regen…) in die Sandkiste springen, total versagen und sich zum Affen machen, war nie meins, würde es auch heute nie sein.

  14. Hallo,
    danke für den Artikel.
    Auch für mich bleibt der Schulsport insgesamt eher mit unangenehmen Gefühlen verbunden, aber seine dringende Notwendigkeit sehe ich trotzdem ebenfalls.
    Da ließe sich aber, wie Du geschrieben hast, vieles verbessern, indem demütigende Dinge vermieden werden,wie eben grade die Mannschaftswahlen.

    Wie Du auch siehst, sind die Geschmäcker verschieden, und nicht alle finden das Turnen so schrecklich überflüssig wie Du. Turnen und Leichtathletik fand ich immer am angenehmsten, da hab ich mich deutlich weniger blöd angestellt.
    Insbesondere sind grade die Mannschaftssportarten z.B. für ADHS-Betroffene (jaja, da bin ich bei meinem Lieblingsthema als selbstbetroffener) eine Katastrophe.
    Zu viel gleichzeitig, zu viele interaktionen, zu …
    Dabei sind grade ADHSler auf ein ausgleichendes Fach wie Sport mit viel Bewegung geradezu angewiesen. Sie hungern noch mehr als andere nach Körperlichkeit und Bewegung (zumindest die Jungen – die ADHS-Mädchen sind eher die träumerle, aber auch sie brauchen die Bewegung, um sie in der Realität zu verankern, auch wenn sie sie nicht selbst so aktiv suchen).
    Da ist dann alles, was nicht Mannschafssport ist, ein Segen. Neben Turnen und Leichtathletik auch Paarweise ausgeführter Sport wie Tennis, Badminton, Kampfsport.

  15. Im großen und Ganzen stimme ich deinem artikel zu. V. a. das Wäheln un Mannschaften: Da kam es ja nie drauf an, wie gut jemand war, sondern wie beliebt.

    Der Anfang allerdings nervt mich:

    „Das führt dann leider dazu, dass Kinder heute nicht mehr auf Baumstämmen balancieren können, keinen Purzelbaum mehr hinkriegen und es nicht schaffen, ein paar Meter Rückwärts zu laufen.“

    Manche Kinder. Die meisten bekommen das noch ganz gut hin. Zumindest in meinem Umfeld. Und dass wir „überbehüten“ (dein Artikel oben) ist auch so ein Standardvorwurf, der mich mega aufregt. Tun wir’s nicht, bekommen wir Eltern es nämlich prinzipiell von allen Seiten her reingewürgt. Wird ein Kind auf dem Schulweg angefahren „was durfte das Kind überhaupt schon alleine heimgehen“. Eins meiner Kinder hatte im Alter von zwei Jahren einen kleinen Unfall auf dem Trampolin (Fuß heftig verstaucht). Weißt Du, was ich mir 3 Tage lang von den Ärzten anhören durfte? „Warum haben sie zugelassen, dass ein Kind in diesem Alter aufs Trampolin geht?“ „Ist doch vollkommen egal, ob es wollte und sehr gut springt, Sie sind UNVERANTWORTLICH.“

    Und mein neuestes Highlight: Wir beim Essen im Gastgarten, Spielplatz direkt nebenbei, Kinder dort mit dem Großvater (!). Als wir gingen bekam ich von 2 Männern nachgerufen „Hey, Frau Du, DU musst dich mit deinen Kindern beschäftigen. das ist deine AUFGABE als Mutter. Warum waren die Kinder alleine auf dem Spielplatz?“

    Irgendwie kann man’s als Eltern nur mehr falsch machen. Entweder ist man unverantwortlich oder überwachende Heli-Mutter oder genussüchtige Latte Macchiatto Mami oder gönnt den Kindern nichts als disziplinierende Öko-Mutti. Man überfordert seine Kinder, unterfordert seine Kinder, man lässt ihnen zuviel Verantwortung oder nimmt ihnen alles ab und ganz bestimmt stehen immer und überall 10 Ärsche bereit, die einem je nach Standpunkt erklären, welche Fehler man jetzt wieder gemacht hat und wie man es richtig machen sollte – in 10 verschiedenen sich total widersprechenden Versionen.

      • Du hast keine Kinder Frank, ne? Eltern zu sein hat was von einem Parcours. Dauernd schreit dir jemand zu „Nicht dahin, da gibt’s Krokodile“. Du läufst in die andere Richtung und jemand schreit „Spinnst Du, hier sind wilde Tiger.“ Du läufst gradeaus und jemand schreit „Hey, dumme Nuss, hier gibt’s Treibsand.“. Du bleibst stehen und jemand schreit „Hey, Du fauler Sack, willst du hier verhungern“. Klar, mit der Zeit bekommt man mehr Sicherheit, hat sich eingespielt, aber in den ersten Jahren ist das nur scheiße.

        Das mit dem Rückwärtsgehen ist doch umstritten. Die gängigste Studie zum Thema testete das Rückwärtsbalancieren (auf einem 10 cm breiten Teppichstück) und nicht das Rückwärtslaufen. Und da stellt sich tatsächlich die Frage, ob Rückwärtsbalancieren eine Fähigkeit ist, die für das moderne Leben zwingend notwendig ist.

      • Was bringt denn jetzt die Erkenntnis, dass es immer jemanden gibt, dem dein Handeln missfällt, Margret? Du hast richtig erkannt, dass man es nie allen recht machen kann, also warum schert es dich so? Hast du ein so geringes Selbstvertrauen? Ich vermute es, daher wohl auch dieses gluckige „Ich muss meine Kinder vor jeder _möglichen_ schlechten Erfahrung schützen“.
        Zu deinem letzten Satz fällt mir aber echt nichts mehr ein. Kinder verlieren durch Bewegungsmangel nachgewiesenermaßen körperliche Fähigkeiten und du tust es sinngemaß ab mit den Worten „Wer braucht das schon? Kann weg!“ Nicht dein Ernst, oder? Passt nämlich so gar nicht zu einem Helikopter wie dir.

      • @ Frank

        Aus deinem Link:

        „Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass der Bewegungsmangel unserer Kinder bereits gravierende Folgen hat.“

        Wenn du Untersuchungen dazu kennst, dann sag auch, wo sie zu finden sind.
        Die Phrase: „Studien/Untersuchungen belegen …“, ohne die gemeinten Studien/Untersuchungen zu nennen oder zu sagen, wo man sie finden kann und dadurch Nachprüfbarkeit zu gewährleisten, ist eine gängige manipulative Diskursstrategie, trägt aber nichts zur Diskussion bei.

        Und was deinen zweiten Kommentar angeht:

        Phrasen wie „Hast du ein so geringes Selbstvertrauen? Ich vermute es (…)“ haben in einer rationalen Diskussion nichts zu suchen, ebensowenig die Verwendung des zum konservativen Schlagwort mutierten Begriffs „Helikoptereltern“ als Unterstellungsinstrument.

  16. Ich bin immer noch, wie ich auch auf der Website von besagter Mama schrieb, der Meinung, das es hier eigentlich gar nicht um die BJS bzw. den Schulsport geht. Nirgends erwähnt die Mutter, das der Bub keinen Spaß hatte und sich angestrengt hat. Es wird lediglich erwähnt, das Bub NUR eine Teilnehmerurkunde bekam. Sprich, seine Erwartungen zu gewinnen wurden nicht erfüllt. Die Petition selber begründet Mama dann mit ihren eigenen angeblichen traumatischen Erfahrungen, angeblichen extremen Leistungsdruck.
    Mir stellen sich somit mehrere Fragen:
    1. Wieso muss eine Mama das Leben ihrer Kinder für ALLE! öffentlich machen?
    2. Setzt die Mutter ihre Kinder nicht selber unter Druck, indem sie ALLES! für JEDEN! lesbar in die Welt hinaus schreibt?
    3. Kann man 30 Jahre alte Erfahrungen, einfach so auf die heutige Zeit übertragen?
    4. Wie hätte sie reagiert, wenn Sohnemann eine Ehrenurkunde bekommen hätte? „Juchu, Sohni hat alle geschlagen, Ist ein toller Bub! Bin Superstolz!“?
    5. Hätte sie dann auch eine Petition gestartet und die Abschaffung der BJS gefordert?

    LG danico

    • „1. Wieso muss eine Mama das Leben ihrer Kinder für ALLE! öffentlich machen?“

      Wieso das Leben ihrer Kinder? Es geht um eine kurze Episode.

      „2. Setzt die Mutter ihre Kinder nicht selber unter Druck, indem sie ALLES! für JEDEN! lesbar in die Welt hinaus schreibt?“

      Siehe oben. Wieso „ALLES“?

      „3. Kann man 30 Jahre alte Erfahrungen, einfach so auf die heutige Zeit übertragen?“

      Bei den BJS zweifellos. Meine Erfahrungen sind „erst“ knapp 20 Jahre alt und baugleich. Die meiner (sehr sportlichen Schwester) erst 10 Jahre alt und baugleich. Haben sich die BJS denn seither wesentlich geändert? Davon wäre mir nichts bekannt.

      „4. Wie hätte sie reagiert, wenn Sohnemann eine Ehrenurkunde bekommen hätte? “Juchu, Sohni hat alle geschlagen, Ist ein toller Bub! Bin Superstolz!”?“

      Warum denkst Du das? Bloße Unterstellung?

      „5. Hätte sie dann auch eine Petition gestartet und die Abschaffung der BJS gefordert?“

      Irrelevant, oder? Zumeist wehren sich Menschen, die mit einer Situation unzufrieden sind.

      • Zu 4. und 5. Ich gehe von mir aus und ich hätte bei einem Sieg natürlich nicht sie Abschaffung gefordert.

        Zum posten von auf Twitter über die eigenen Kinder habe ich massive Bedenken. Es ist ja nicht so, das das nur eine kleine Gruppe Menschen (Familie/Freunde/Bekannte) lesen kann, sondern wirklich ALLE.

        Ansonsten betont Frau F. ständig, das es ihr nicht um die Abschaffung, sondern um eine Freiwilligkeit geht. Die BJS sind aber freiwillig! Jede Schule kann sich entscheiden, ob sie die BJS durch führt oder eben nicht. Auch eine Benotung ist nicht vorgeschrieben. Über den Elternbeirat kann also ganz einfach durchgesetzt werden, das man die BJS nicht macht. Auch die Teilnahme ist freiwillig, zur Befreiung reicht eine einfache Entschuldigung der Eltern.
        Viele Petitionsunterzeichner, haben nur unterschrieben, weil sie eben diese Freiwilligkeit wünschen, die es schon gibt. Frau F. hätte in ihrem Blog zur Petition auf diesen Umstand hinweisen müssen!

        LG

  17. „Warum gibt es Schulsportfeste, aber keine Schreibwettbewerbe? Warum Fußballturniere zwischen Parallelklassen, aber kein Naturwissenschaftsquiz? Das erzeugt den Eindruck, dass sportliche Begabung wesentlich wichtiger sei als alles andere – was nun mal bei all den Chancen, die der Sportunterricht bietet, auch nicht stimmt.“

    Das übrigens frage ich mich auch. In anderen Ländern sind Wettbewerbe in Naturwissenschaften, Lesen, Buchstabieren, Debattieren … völllig normal. Allerdings zumeist auf freiwilliger Basis – und da müssten die BJS auch hin.

    • Die BJS sind schon freiwillig. Jede Schule entscheidet selbst ob sie die BJS durchführen möchte oder nicht. Der Elternbeirat kann somit ganz einfach beschließen, das die BJS nicht durch geführt werden. Auch eine zwingende Teilnahme gibt es nicht, es reicht eine einfache Entschuldigung der Eltern.

      Mit genau diesem Hinweis, hätte auch die heutige Drohung gegen eine Trierer Schule verhindert werden können, die heute die BJS durchführen wollten,

      • danico, das ist völliger Schwachsinn. Es geht um Freiwilligkeit für die SCHÜLER, also diejenigen, die teilnehmen müssen – was du ansprichst, ist Freiwilligkeit für Schule und Eltern. Und glaube bitte nicht, dass alle Eltern ihren Kindern Schwänzentschuldigungen schreiben. Hätten meine im Leben nicht getan.

  18. Ich finde mittlerweile auch, dass der Sportunterricht immer wichtiger geworden ist, weil die Kinder von heute ständig vor ihren Smartphones und ihren Spielkonsolen hängen anstatt öfters an die frische Luft zu gehen und sich draußen auszutoben. Da gebe ich Robin völlig recht. Und ich denke, dass jede Mutter, die sich allgemein über Sport in der Schule aufregt, vielleicht mal überlegen sollte, ihre Kinder zum Fußball spielen, schwimmen oder Inliner fahren zu motivieren, anstatt ihren übermäßigen Medienkonsum zu tolerieren und sie auch noch dick werden zu lassen.

    Was die Bundesjugendspiele angeht, denke ich, dass es eine freiwillige Teilnahme sein sollte. Warum sollte man hier Kinder nicht individueller fördern und sie für alternative Wettbewerbe begeistern? Naturwissenschaftsquiz und Schreibwettbewerbe sind schon mal ein paar gute Ideen von Robin, und es gibt ja auch die sogenannten Mathleten. Für mich wäre irgendetwas mit Kunst ideal gewesen.

  19. Ich halte Sportunterricht für sinnvoll (und fand das auch als Kind, obwohl ich immer nur mäßig gut war), aber das WIE stimmt oft nicht.
    In der Oberstufe gab es bei uns zum ersten Mal andere Disziplinen als Volleyball-Basketball-Badminton-Ringe-Reck – und plötzlich bekam ich auch mal gute Noten im Sportunterricht. Mir hat auch dann nicht alles gefallen, was wir gemacht haben, aber es war dann nicht mehr „und wie jedes Halbjahr scheitere ich mal wieder am Volleyball …“
    Ich vermute, Sportlehrer haben ihre Steckenpferd-Sportarten, die sie gern mögen und von denen sie dann davon ausgehen, dass auch die Schüler die gut finden. Für dich war Turnen der Horror und du freutest dich über Ballsportarten, ich hingegen war froh, wenn mal geturnt wurde. Da sollte man nicht vergessen, dass jeder andere Vorlieben hat!

  20. Pingback: Bundesjugendspiele – Fluch oder Segen? « Verrückte Wissenschaftler

  21. Wie wäre es, wenn man Sport nicht nach Klassenstufen, sondern nach Sportarten unterrichten würde? Und das zeitgleich für die ganze oder einen Teil der Schule? Nebenbei könnte man die Geschlechtergruppen abschaffen, das wäre in dem Fall nötig. Fachkräfte könnten interessierten Schülern und Schülerinnen in Zusammenarbeit mit Sportvereinen die Grundlagen einer ganzen Reihe von Sportarten erklären. Welche Arten ausgeübt werden, unterliegt der Wahl der Jugendlichen und Kinder. Wenn sie feststellen, dass ihnen die Sportart nicht gefällt, können sie wechseln. Alle Mitglieder einer Gruppe, die eine Sportart ausüben, wären von vornherein motivierter, da sie schließlich diese Sportart von selbst ausüben können. Dadurch entsteht nicht nur Motivation, sondern auch ein Gemeinschaftsgefühl, welches über den sozialen Radius einer einzigen Klassengemeinschaft hinausgeht. Allerdings ist die Mannschaftszusammenstellung ein reiner Beliebtheitswettbewerb unter Schülern, deswegen sollte dies der Lehrer übernehmen, damit gut durchmischte und leistungsähnliche Teams entstehen. Mannschaftssportarten bieten nämlich Ansatzpunkte, um soziale Fähigkeiten auszubilden und den Solidaritätsgedanken zu vermitteln. Wer keine Lust hat, eine Sportart auszuüben, kann sich in der Turnhalle einen Parcour bauen oder turnen. Da der Unterricht für fast alle zur selben Zeit stattfindet, könnten auch Lehrer und Lehrerinnen, die normalerweise andere Fächer unterrichten, die Jugendlichen dabei begleiten.

    • Ich finde bei dieser Idee, muss der Sportunterricht nicht gleichzeitig stattfinden.
      Sowas gibt es ja schon an Unis. Man hat ganz viele Sportarten und die sind einfach zu irgendwelchen Zeiten, wo man davon ausgeht, dass möglichst jeder Studierende, der dran teilnehmen möchte, es auch zeitlich schafft. Das funktioniert ja schonmal gut, weil in einer Schule ist der Unterricht ja meisten nicht den ganzen Tag und man könnte die verschiedenen Sportkurse am Nachmittag anbieten zu unterschiedlichen Zeiten, damit die Sporthallen nicht überfüllt sind.

      Was an Schulen vielleicht nicht so gut geht, ist der Altersunterschied. Wenn in einem Volleyball-Unterricht Schüler aus der 5. und 10. Klasse zusammen sind, sind die Kleinen im Nachteil. Sie kommen nicht so hoch und die älteren kommen schneller an den Ball. (Mir ist gerade kein besseres Beispiel eingefallen. Gibt bestimmt irgendein besseres Beispiel, wo der Altersunterschied eine Rolle spielt.)

    • „Und du willst Lehrerin werden…?“

      Mit guten Gründen. Robin hat ausgezeichnete pädagogische Fähigkeiten und ist außerdem unterhaltsam, menschenliebend und verantwortungsvoll.

      Allerdings habe ich andere Vorstellungen wie Schulen und Lernen allgemein organisiert werden sollten als dies in der heutigen Lehrerausbildung vermittelt wird. Dieser Artikel von Robin ist ein guter Artikel im Rahmen der Grenzen konventioneller schulischer Pädagogik an den Regelschulen. Ich lehne diese Schulform und die Pädagogik, auf der sie beruht, hingegen grundsätzlich ab und präferiere die Pädagogik der freien Alternativschulen.

      Was aber an Robins pädagogischen Kompetenzen nichts ändert.

  22. Pingback: Warum ich hinter “abschaffen” Unsportlogik sehe | Geschlechterallerlei

  23. > Möglicherweise werde ich hier von meiner eigenen Abneigung gelenkt, aber mir ist beispielsweise total schleierhaft, wofür Turnen gut sein soll.

    Wenn du mit „Turnen“ das konventionelle Geräteturnen meinst, kann ich dir nur zustimmen. Ich habe es als Schüler gehasst wie die Pest und mir geschworen meine Schüler nicht damit zu traktieren. Zum „Turnen“ gehört aber auch der von dir eingangs erwähnte Purzelbaum und Klettern, Balancieren und Schwingen.

    > Desweiteren ist absolut nicht einzusehen, […] ist der anwesende Sportlehrer.

    Sehe ich anders: http://www.jochenenglish.de/?p=10865

  24. Wie kommst du eigentlich auf deine Überschrift? Sport ist mit schöner Regelmäßigkeit eines der beliebtesten, wenn nicht sogar DAS beliebteste Fach. Siehe z.B. „In einer repräsentativen Umfrage haben 18- bis 65-Jährige ausgerechnet Mathe zum beliebtesten Schulfach gekürt – gefolgt von Sport, Geschichte und Erdkunde.“
    (Quelle: http://www.focus.de/familie/wissenstest/lernatlas/mathematik/mathe-ist-das-lieblingsfach-der-deutschen-schulfaecher_id_1964558.html)

  25. Also ich sehe deinen vergleich, dass man in allen Schulfächern begabt oder unbegabt sein kann, nicht so. Ich kann da natürlich nur auf meine persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Im letzten Schuljahr habe ich mich in der Schule sehr angestrengt und konnte mich dabei in fast allen fächer von 2-3 auf 1 hocharbeiten. Ich war in wenigen Fächern übermäßig begabt und fand den Lehrstoff auch oft alles andere als interessant und einige Fächer waren mir wirklich zuwider, aber indem ich Arbeit investiert habe, habe ich es trotzdem geschafft, dort sehr gute Leistungen zu erzielen.
    Außer in Sport.
    In Sport ist meine Note auf einer 2 gleichgeblieben. Nun ist das keine schlechte Leistung, aber in unserem Sportkurs wohl die zweitschlechteste mögliche Note nach einer 3+. Die Lehrerin verteilt anscheinend gerne gute Noten, es gibt auch wirklich zahlreiche Einsen in unserem Kurs (fast ausschließlich von Jungs).
    für Sport habe ich natürlich auch gearbeitet, um besser zu werden. Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule und bin dabei mit der Zeit schneller geworden und jogge auch täglich. Gemessen an der Zeit, die ich dafür aufwende, ist das die längste Zeitspanne täglich, die ich je für ein einziges fach investiert habe. Geholfen hat es leider trotzdem nicht. Wenn es darum geht, irgendwelchen 2 Meter- Jungs beim Basketball den Ball abzunehmen oder beim Volleybal nicht getroffen zu werden, hilft es mir wenig, meine Joggingleistung verbessert zu haben. Da kann man jetzt natürlich fragen: ‚Warum hast du denn kein Basketball oder Volleyball geübt?‘. Natürlich hätte ich das machen können, aber das hätte mir dann wieder nicht geholfen, wenn wir Tischtennis, Kraftzirkel und Ausdauerlauf durchnehmen.
    Man ist eben nicht (wie du es mit deiner Videospielmetapher treffend beschrieben hast) nicht überall perfekt. Im Sport kann man es, im Unterschied zu anderen fächern, auch nicht werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s