Montagsrezension: C wie Stephen Kings „Christine“

Willkommen zum Teil 4 meiner Montagskolumne-am-Dienstag, in der ich mich jeden 4. Montag des Monats einer Stephen-King-Rezension widme.

Stephen King – Christine
Christine, 1983 (Deutsch 1983)

ChristineDer schüchterne Teenager Arnie ist picklig und übergewichtig und in der Schule daher Opfer von Mobbing. Sein einziger Freund ist ausgerechnet Dennis, der Footballstar der Schule, der ihm zur Seite steht, allerdings auch nicht alle Lästerattacken abwehren kann.
Eines Tages entdeckt Arnie einen schrottreifen ’58er Plymouth Fury und kauft das Auto spontan mit der Absicht, es zu reparieren. Verzückt über den Wagen tauft er ihn liebevoll auf den Namen „Christine“. Er beginnt, ihn zu restaurieren, doch scheint er gar nicht viel tun zu müssen, da sich das Auto auf geheimnisvolle Weise selbst zu erneuern scheint. Eine ähnliche Wandlung macht auch Arnie durch: Sein anstrengender Sommerjob in der prallen Sonne lässt seine Pfunde schmelzen und seine Pickel verschwinden. Mit seinem Äußeren und seinem neu gewonnenen Selbstvertrauen findet er schließlich sogar mit Leigh zusammen, seinem heimlichen Schwarm.
Doch schon bald merkt sein Umfeld, dass sich auch sein Charakter ändert und sein Verhältnis zu seinem inzwischen wie nagelneu wirkender Oldtimer seltsam eng ist. Dass Christine jedoch mehr ist als ein normales Auto, zeigt sich, als einige Halbstarke den Wagen demolieren, wovon am nächsten Tag nichts mehr sichtbar ist, doch sämtliche Verantwortliche fallen einer nach dem anderen mysteriösen Unfällen zum Opfer, wofür Arnie jedoch Alibis hat.
Dennis und Leigh beginnen nachzuforschen, um Arnie zu helfen. Als sie sich dabei jedoch näher kommen, zieht das den Zorn von Arnie und Christine auf sich…

Irgendwie tut es mir richtig leid, meine regelmäßigen King-Rezensionen ausgerechnet mit diesem Buch wieder aufleben zu lassen. Ich kann hierzu nämlich exakt gar nichts sagen. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb ich mich damals entschlossen habe, auf’s Alphabet zu scheißen und das Buch „Cujo“ vorzuziehen, das korrekterweise erst danach dran gewesen wäre (bösartige Gerüchte, ich könnte nicht richtig buchstabieren, weise ich hiermit mit aller Entschiedenheit von mir!).
Es ist Ewigkeiten her, seitdem ich das Buch gelesen habe, und es ist eines der wenigen, die ich nicht selbst besitze, sondern mir irgendwann mal in der Bücherei geliehen habe. Deshalb konnte ich auch nicht mehr reinkucken, um meine Erinnerungen aufzufrischen. Ich weiß jedoch noch, dass es mir nicht gefallen hat. Die Story ist zu beliebig und reiht sich nahtlos ein in die vielen King-Stories, in denen irgendetwas vom reinen Bösen besessen ist, aber nicht so wirklich erklärt wird warum bzw. die Erklärung völlig hanebüchen wirkt. Natürlich ist JEDE phantastische Geschichte mit einer solchen Prämisse irgendwie hanebüchen, weil es sowas ja halt nicht gibt (oder doch!?!?), aber manchmal hat man bei Stephen King wirklich das Gefühl, dass er sich tatsächlich nicht die geringste Mühe gegeben hat, irgendeine Begründung zu liefern. In solchen Fällen scheint ihm die Frage nach dem „Wie“ völlig irrelevant gewesen zu sein – er will halt einfach nur sehen, was passiert, wenn er ein dämonisches Auto in die Handlung wirft.
Das kann verdammt gut sein. In diesem Fall ist es das leider nicht. Ich glaube, am meisten hat mich damals gestört, dass Arnie ja eigentlich ein Opfer ist, das dann jedoch unverschuldet auf die Seite des Bösen wechselt. Kann ein gemobbter, junger Typ zum Mörder werden? Natürlich kann er das. Aber gefallen muss mir das ja noch lange nicht. Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn die Geschichte mehr aus seiner Perspektive erzählt worden wäre oder man wenigstens den Eindruck gehabt hätte, er würde gegen diese dämonische Kraft, die von Christine, dem Auto mit dem dämlichen Namen, ausgeht, irgendwie ankämpfen. Tatsächlich gibt es dafür keinerlei Anhaltspunkte – womit es plötzlich so scheint, als sei Arnie kein Mobbingopfer, das zum Täter wird, sondern schon immer ein Täter, der durch das Mobbing irgendwie in Schach gehalten worden ist. Und das mag ich irgendwie absolut nicht.
Zusammen mit dem noch ziemlich ausbaufähigen Schreibstil seiner frühsten Werke und dem inzwischen fast antik wirkenden 80er-Jahre-Setting war „Christine“ kein Buch, das ich öfter lesen wollte, weshalb ich es nie nachgekauft habe. Tatsächlich kann ich mich nicht einmal mehr an das Cover der Ausgabe erinnern, die ich damals ausgeliehen habe (denn falls es euch interessiert: Das ist mein einziges Kriterium zur Auswahl der Cover am Anfang jeder Rezension).
Deshalb kann ich hier leider keine Empfehlung aussprechen und vergebe auf meiner hiermit neu eingeführten Stephen-King-Skala lediglich

3 von 10 roten Plymouths!

Lest auch meine anderen Stephen-King-Rezensionen!

4 Gedanken zu “Montagsrezension: C wie Stephen Kings „Christine“

  1. Erst einmal: Stephen-King-Rezensionen bringen grundsätzlich ein Like!😉

    Ich habe „Christine“ auch schon Jahre nicht mehr gelesen, obwohl ich es im Gegensatz zu dir im Regal stehen habe. Das liegt bei mir in erster Linie daran, dass ich den ganzen Aufbau sehr behäbig finde. Dagegen finde ich den Aspekt der Veränderung (oder auch nicht?) bei Arnie sehr interessant. Genau die Frage, die du auch stellst, nämlich ob er eigentlich immer schon der Täter war, der nur nicht Täter sein konnte, stelle ich mir auch. Und ich erinnere mich an meine eigenen Erfahrungen mit Schul-Bullies und deren Opfern. Da war es häufig so, dass die Mobbingopfer sich wiederum jemanden suchten, dem gegenüber sie stark sein konnten. Und einige schlugen dann auch über die Stränge. Für mich wäre Christine, also der Wagen, genau dieses Werkzeug, mit dem Arnie in der Lage ist, über die Stränge zu schlagen.

    Nicht mehr ganz sicher bin ich mir, ob der Roman nicht doch eine Erklärung zu liefern versucht, aus dem Christine böse geworden ist. Da erinnere ich mich nur noch an den Anfang des Carpenter-Films (den ich im Übrigen nicht so schlimm finde, wie er oft geschrieben wird), als der Wagen noch in der Fabrik auf dem Rollband anfängt Unheil zu verbreiten.

    Im Übrigen finde ich das Bild des 58er Plymouth Fury einfach unglaublich ikonisch!

    Zum Schreibstil gebe ich dir recht, wobei ich nur die deutsche Übersetzung gelesen habe. Es kann also auch daran liegen. Aber die ganzen frühen Kings haben ja einen ungefähren Ton, der sie miteinander verbindet. Ob der gute Steve sich Gedanken über die Story gemacht hat, die über „hey, was könnten wir denn jetzt besessen sein lassen?“ hinausgehen, lassen wir mal dahin gestellt sein😉.

    Deiner Plymouth-Wertung schließe ich mich einfach mal vorsichtig an und setze das Buch mal wieder auf meine To-Do-Liste.

  2. Dieses Nicht-Erklären oder Hanebüchen-Erklären stört mich bei King auch ziemlich oft. Mein schlimmstes Erlebnis war hierbei glaub ich „Es“. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr unheimlich finden, nachdem ich wusste, woher „Es“ kommt und was für ein Wesen „Es“ ist. Das ist der Grund, warum ich inzwischen ziemlich vorsichtig bin, bevor ich mir ein King-Buch kaufe. Ich hatte, vor allem bei der Auflösung/dem Finale am Ende, viel zu Oft das Gefühl, dass die Handlung ins Lächerliche abrutscht (Needful Things war da auch so eine Sache, das wäre meiner Meinung nach ohne den Knalleffekt am Schluss viel spannender gewesen).

  3. Puuh, ich denke gerade nach. Sehr scharf. Ich habe das Buch bei Erscheinung gelesen, also vor ~hüstel~ Jahren. Und es gleich danach verschenkt, was ich nur bei Büchern mache, von denen ich wenig beeindruckt war und weiß, daß ich sie nie mehr lesen werde wollen. Wollen werde? Egal.
    The Shining, Tommyknockers und Es, ja, das waren für mich Volltreffer.

  4. Mir fällt gerade nur ein Folge aus Star Trek ein, aber ich meine die Geschichte wurde in vielen Formen nacherzählt oder?

    Das er es nicht erklärt kann ich irgendwie nachvollziehen. Manchmal ist es besser Informationen wegzulassen. Besonders wenn die Prämisse recht gut ist, aber keiner der möglichen Hintergründe wirklich befriedigend ist. Habe mir versucht eine guteeErklärung zu überlegen und im besten Fall ist es klischeehaft und im schlimmsten Fall albern.

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