Kurzer Halloweengruß

Es ist soweit, und das wie jedes Jahr völlig plötzlich und total überraschend: Der schönste Feiertag des Jahres! Halloween!!!

halloweenpumkin

An dieser Stelle möchte ich einfach nur ein kleines Hallo an alle dalassen, die sich nach meinem letzten Beitrag in den Kommentaren oder per Mail bei mir gemeldet und mir Mut zugesprochen haben. Viel mehr ist mir dieses Jahr zu diesem Festtag leider nicht möglich.
Die letzten Wochen waren depressionsbedingt sehr hart, aber wenigstens heute geht es mir ziemlich gut. So freue ich mich nicht nur drauf, heute Abend hammergeil kostümiert wie immer die Stadt unsicher zu machen, sondern feiere auch, dass ich mich nun schon das fünfte Jahr in Folge mit der Ausrede vor der Arbeit drücken konnte, Halloween sei für mich ein religiöser Feiertag (was stimmt).

Was die kommenden Wochen und Monate angeht, bin ich nun auch recht zuversichtlich, denn anders als befürchtet habe ich dank meiner Therapeutin noch diese Woche einen Termin bei einem Psychiater bekommen (das hätte, nur der Vollständigkeit halber, ohne ihre Intervention BIS MÄRZ gedauert. MÄRZ.), der mir nun Antidepressiva verschrieben hat. Diese werde ich ab Montag nehmen und hoffe, dass es was bringt.

Damit hat der Winter für mich ein wenig den Schrecken verloren, aber wenigstens heute soll der Tod und das Sterben trotzdem zelebriert werden. Weil… das gehört sich so an Halloween und ist SEHR GESUND!

Feiert schön, liebe Leute. Life’s no fun without a good scare – viel mehr bleibt uns auf dieser Welt und in diesem Leben auch nicht mehr übrig.

Und wenn ihr dazu noch was schönes zum Lesen wollt, hier nochmal meine Halloweenbeiträge vom letzten Jahr:
Die große Halloween-Blogparade
Meine fünf schlimmsten Horrorfilme
Spielereview: Betrayal at House on the Hill
Stephen Kings fünf beste Kurzgeschichten
Die fünf besten Halloween-Serienspecials
Minimalistische Partytipps

Und natürlich die gruseligste Halloweengeschichte aller Zeiten:
Halloween Horror Happening

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6 Monate und ein Leben

Es ist nun schon ein halbes Jahr her, dass mein Artikel „Eure Awareness kotzt mich an!“ für viel Furore gesorgt hat. Zeit für eine Aktualisierung.

Ich habe nämlich nun einen Therapieplatz.

Und es geht mir so schlecht wie noch nie.

Dabei fängt das gerade erst wieder an. Ich fühle es kommen – meine winterliche Depression. Die jedes Jahr schlimmer wird.

Die Intervalle werden dabei immer kürzer. Bis vor ein paar Wochen kamen die schlimmen Tage nur ein bis zweimal im Monat. Inzwischen sind es so viele in der Woche. Mit einer Tendenz zu „immer“.

Meine Kraft zu Kämpfen schwindet. Dabei ist noch nicht mal Halloween. Auf das ich mich bis jetzt irgendwie nicht freuen kann. So wie ich mich auf überhaupt nichts wirklich freuen kann.

Erledigt kriege ich sowieso nichts, denn nichts scheint irgendeinen Sinn zu machen. Warum etwas tun, das mir sowieso keine Freude macht? Warum etwas unangenehmes erledigen, wenn es doch eh nichts ändert?

Ich stehe morgens auf und warte den Rest des Tages auf sein Ende. Nichts, was dazwischen liegt, hat irgendeinen Reiz. Heute habe ich müßig daran gedacht, eine Freundin anzurufen, mit der ich mich eigentlich jede Woche einmal treffe. Wir trinken was und reden. Eigentlich ganz schön. Aber was soll ich ihr heute sagen?

Egal, was ich mir vorstelle. Alles ist grau. Weggehen. Film kucken. Ein Buch lesen. Was schreiben. Warum überhaupt?

Ich denke mir Projekte aus und schreibe Listen im Wissen, hier nur irgendeinen Grund zu konstruieren für meine erbärmliche Existenz. Ein verzweifelter Versuch, sie irgendwie mit Relevanz zu füllen. Aber was am Ende rauskommt, begeistert mich nicht. Weil mich nichts begeistert.

Ich tue das Minimum dessen, was von mir erwartet wird. Ich gehe arbeiten. Ich schreibe hier, aber nur, weil ich mir selbst Deadlines gesetzt habe. Es macht mir keinen Spaß und auf Kommentare zu antworten schaffe ich nicht. Irgendwann wird niemand mehr was schreiben. Irgendwann, bald vermutlich, werde ich auch all den Menschen in meinem Umfeld zu viel. Warum sollte es denen anders gehen als meiner Familie oder jedem anderen, der mir je etwas bedeutet hat?

Ich habe keine Träume mehr.

Ich habe mich dazu durchgerungen, doch mal Antidepressiva zu versuchen, weil ich das alles nicht länger aushalte. Meine Therapeutin kann mir aber keine verschreiben. Ich muss zum Neurologen oder vielleicht zu meinem Hausarzt, dem ich allerdings bei so einer heiklen Sache nicht vertraue. Inkompetentes Arschloch, zu dem ich nur gegangen bin, weil ich jederzeit kommen konnte, ohne vorher einen Termin gemacht zu haben. Das kommt zwar meiner Antriebslosigkeit entgegen, beweist aber wohl nur, wie inkompetent er ist, wenn er immer Zeit hat.

Neurologe. Facharzt. Facharzt für den Kopf. Ich habe heute fünfmal versucht, bei einem anzurufen. Immer besetzt.

Es geht alles wieder von vorne los. Wieder stehe ich allein da. Aber dieses Mal kann ich keine neun Jahre warten. Ich habe das Gefühl, nicht mal neun Tage warten zu können.

Meine Therapeutin versucht momentan nur, mich irgendwie durch mein Studium zu bringen. Das möchte ich auch, nur um es hinter mir zu haben. Irgendwie fertig werden. Aber dann? Stehe ich da, mit Schulden, die für drei Leben reichen, mit einem Abschluss, mit dem ich nichts anfangen kann. Was danach kommt, ist ein einziges schwarzes Loch.

Wie soll ich dieses Loch füllen, wenn ich nicht mal meinen Tag füllen kann?

Ich kann nicht mehr. Wofür auch. Ich habe keine Träume mehr. Außer diesem:

Ich träumte, meine Mutter sei tot. Ich wachte auf und musste weinen. Dann der Gedanke, dass ich mich endlich umbringen könnte, wenn sie tot wäre. Noch mehr weinen.

Ich habe Angst, dass ich das neue Jahr nicht mehr erlebe.
Und ich habe Angst, weil mir dieser Gedanke immer weniger Angst macht.

Montagsrezension: C wie Stephen Kings „Colorado Kid“

Stephen King – Colorado Kid
Colorado Kid, 2005 (Deutsch 2005)

colorado kid

Zwei alte Journalisten erzählen einer jungen Kollegin von einem rätselhaften Fall, der sich über 20 Jahre zuvor zugetragen hat. Damals wurde ein Unbekannter leblos am Strand gefunden. Die Todesursache ist unklar und da er keine Ausweispapiere dabei hat und niemand ihn zu kennen scheint, dauert es Monate, bis der Tote identifiziert werden kann. Doch das macht die Sache nur noch mysteriöser: Denn der nun als James Cogan identifzierte Familienvater stammt eigentlich aus Colorado und wurde dort am Tag seines Todes noch gesehen. Wie konnte er so schnell bis nach Maine kommen… und wieso?

Ich greife mal vor: Wie auch schon bei Achterbahn halte ich es für eine bodenlose Frechheit, diese gerade mal 160 Seiten lange Novelle als eigenständiges Buch heraus zu bringen, weil ich das als pure Abzockerei empfinde. Aber wie schon da wäre mir selbst das noch völlig egal, wenn die Geschichte wenigstens gut gewesen wäre.
Aber das ist sie nicht. Womit sich die Frage stellt: Was ist sie überhaupt? Mystery? Horror? Oder ein Krimi, wie behauptet wird?
Dazu fehlt leider einiges. Die Geschichte wirft viele Rätsel auf, die niemals gelöst werden. Wie kam der Mann nach Maine? Was hat er da gewollt? Warum hat er Zigaretten dabei, obwohl er nicht rauchte? Wo sind seine Kleider, mit denen er zuvor noch gesehen wurde? Was war letztendlich die Todesursache?

Zu all diesen Fragen haben die Protagonisten ihre Theorien, aber geklärt wird letztendlich keine, weshalb die Geschichte ohne Auflösung endet. Und darum ist sie auch kein Krimi. Oh, natürlich gibt es Krimis, in denen eine zentrale Frage niemals geklärt wird, zum Beispiel, ob der Unschuldige, der am Ende freigesprochen wird, nicht vielleicht DOCH der Täter ist. Sowas hinterlässt dem Leser dann mannigfaltige Spekulationen, die zwar nicht aufgelöst werden können, aber trotzdem Spaß machen.

Hier dagegen sind einfach zu viele lose Enden – und mich beschleicht leider der Verdacht, dass King selbst keine Auflösung parat hat. Mysteriöse plot devices wie die russische Münze, die das Colorado Kid bei sich trägt, machen aber nun mal keinen Sinn, wenn ihr Zweck niemals enthüllt und auch kein Anhaltspunkt für eine mögliche Lösung geliefert wird. Somit bleibt der Eindruck, dass King solche Details einfach reingeworfen hat, ohne selbst zu wissen, was es damit auf sich hat. Und damit ist es tatsächlich möglich, dass es wirklich KEINE HALBWEGS PLAUSIBLE AUFLÖSUNG GEBEN KANN, da sich diese vielen losen Enden schlichtweg nicht verknüpfen lassen!

Kann sowas noch ein Krimi sein? Ich sage nein. Leider ist die Geschichte aber auch zu uninteressant und am Ende eben auch zu unbefriedigend, um als Mystery-Story zu funktionieren. Ich kämpfte mich durch dieses Büchlein, nur um nach der letzten Seite das Gefühl zu haben, meine Zeit verschwendet zu haben und hatte daher auch nie wieder das Verlangen, es nochmal zu lesen.

Es bleibt mir also nichts anderes üblich, dieser Geschichte eine miserable Bewertung von

2 von 10 Zigaretten-Steuermarken

zu geben (und der Nuller-Wertung entgeht die Geschichte auch nur, weil sie mich zwar gelangweilt, aber nicht nachhaltig genervt hat!)!

Damit wäre ich mit dem Buchstaben C sogar schon durch. Beim Buchstaben D knabbere ich allerdings an der Frage: Soll ich da wirklich alle Buchtitel mit Artikel reinpacken? Das ist irgendwie so megalame. Aber was ist die Alternative – etwa ganz von meiner alphabetischen Vorgehensweise abrücken? Oder was meint ihr?

Warum „Zurück in die Zukunft“ total unlogisch ist

Backtothefuture

Ok, um das direkt am Anfang klarzustellen:

Zurück in die Zukunft ist MEGASUPERAWESOME.

Deshalb wird für mich heute auch ein Traum wahr, wenn ich die Trilogie tatsächlich erstmals auf der großen Leinwand sehen kann, denn der erste Film kam im Jahr meiner Geburt ins Kino. Und danach steigt hoffentlich noch eine krasse Party, um dieses Event gebührend zu begießen, denn immerhin haben wir darauf sechsundzwanzig Jahre gewartet!!

Ihr seht, ich bin schwer begeistert – völlig zurecht! Denn man mag von 80er-Jahre-Filmen halten was man will: Die gesamte Trilogie ist auch heute noch ein Fest an spritzigen Witzen, lustigen Eastereggs, charmanten Charaktern, supergeiler Action, fantastischer Musik und intelligenter Story!

Wobei… ist das wirklich so? Lauert unter der dynamischen Fassade nicht eine fette Portion Unlogik, die man erst nach zwanzig Sichtungen bemerkt, weil man vorher zu klein und zu dermaßen gefesselt war?

Nochmal: Ich LIEBE diese Filme. Aber gerade deswegen ist es an solchen Festtagen mal schön, ein paar Schritte hinter die eigene Fangirl-Identität zu treten und sich anzusehen, was die Filme nicht toll machen, sondern wo es gewaltig hakt. Denn so unfassbar gut sie auch sind: Wenn man länger drüber nachdenkt, machen die Filme leider üüüüberhaupt keinen Sinn.

Paradoxa, Paradoxa everywhere!

Vermutlich ist es absolut unmöglich, einen Zeitreisefilm ohne Logikfehler zu drehen. Dasselbe gilt vermutlich auch für Bücher, Comics, Serien etc. pp. Was vielleicht dran liegt, dass das Konzept „Zeitreise“ und seine Möglichkeiten unser Hirn komplett überfordert.
Die gröbsten Schnitzer sind oft die ikonistischen, was aber nichts an ihrer Unlogik ändert. Darum wird eine quälende Frage wohl ewig unbeantwortet bleiben müssen: Wer zur Hölle hat Johnny B. Goode geschrieben?!
Wir erinnern uns: Marty fährt ins Jahr 1955, vermasselt dort erstmal alles, bringt dann alles wieder in Ordnung und darf am Schluss die Bühne rocken. Das hört derjenige, der als Urheber des Songs gilt, über Telefon. Botschaft klar: Marty war Chuck Berrys Inspiration für „Johnny B. Goode“.

Mal abgesehen davon, dass ich es wahnsinnig riskant finde, sich auf der Bühne so dermaßen in den Mittelpunkt zu stellen (immerhin könnte so ein Auftritt seine Mutter dazu bringen, sich wieder Hals über Kopf in ihn zu verlieben): Nachdem wir darüber alle kurz gekichert haben, dürfte hoffentlich klar sein, was für ein paradoxer Unsinn das ist! Wie kann Marty „Johnny B. Goode“ gelernt haben, wenn ER derjenige ist, der den Song Chuck Berry überhaupt erst vorführt?

Dasselbe im 2. Teil. Der alte Biff reist in die Vergangenheit, um seinem Vergangenheits-Ich den Sport Almanach zu bringen – und kehrt in eine Zukunft (bzw. seine Gegenwart, nämlich das Jahr 2015) zurück, in dem er den Almanach offensichtlich nie bekommen hat bzw. hat benutzen können. Hätte er nicht in eine Zukunft zurück kehren müssen, in der er reich und mächtig ist, da zu diesem Zeitpunkt Marty und Doc noch keine Gelegenheit hatten, seinem Vergangenheits-Ich den Almanach wieder wegzunehmen? Und heißt das nicht, dass sich das Jahr 2015 hätte ändern müssen, während Marty und Doc noch dort sind?

Die düsterste aller Timelines

Tatsächlich kann das alles durchaus logisch sein, wenn wir davon ausgehen, dass Doc Brown und Marty mitnichten durch die Zeit reisen, sondern in Paralleldimensionen. Damit wäre es theoretisch möglich, dass Marty aus einer Dimension stammt, in der ein Musiker namens Chuck Berry einen Song namens „Johnny B. Goode“ geschrieben hat und in das Jahr 1955 einer anderen Dimension reist, in der der Song niemals existiert hätte, wenn ER ihn nicht dorthin gebracht hätte. Das bedeutet allerdings auch, dass der alte Biff mit seiner Aktion, wäre sie denn erfolgreich gewesen, nur die Zukunft eines seiner Paralleldimensions-Ichs verbessert hätte, da es auf ihn selbst keinerlei Auswirkungen HÄTTE HABEN DÜRFEN – da er, also der alte Biff, der den Almanach stiehlt, bei Erfolg GAR NICHT EXISTIERT HÄTTE.
Aber naja, theoretisch ist es zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass der alte Biff so freundlich ist und tatsächlich einfach nur einer seiner Inkarnationen aus einer anderen Dimension etwas gutes tun wollte. Und ein weiteres Problem wäre damit vom Tisch: Nämlich die Frage, was um alles in der Welt mit Martys armer ORGINALFAMILIE passiert, denn diese wird durch seine Tätigkeiten im Jahr 1955 durch eine bessere Version ersetzt – und damit AUS DER EXISTENZ GELÖSCHT.

Folgen wir der Paralleldimensionen-Theorie, würde das nicht stimmen. Martys Originalfamilie lebt, und zwar in der alten Dimension, aus der Marty stammt. In diese kehrt er aber offensichtlich nicht ins Jahr 1985 zurück, sondern in die selbe alternative Dimension, in der es ohne sein Zutun niemals einen Song namens „Johnny B. Goode“ gegeben hätte – und DORT war sein Vater nun mal erfolgreich, seine Familie reich, seine Geschwister toll etc.pp. Das würde auch erklären, weshalb er, wieder zurück in seiner Gegenwart, keine, äh, Synapsenrekalibrierung durchmachen musste, wie man sie in „Butterfly Effect“ beobachten konnte, um seine alten Erinnerungen an Ereignisse, die durch die Änderungen in der Vergangenheit NIEMALS STATTGEFUNDEN HABEN, auszulöschen und an die neuen Ereignisse – und damit logischerweise auch an seine Erinnerungen daran und sein daraus resultierendes NEUES ICH – anzupassen. Denn: Seine Erinnerungen SIND real – sie haben sich nur eben in einer anderen Dimension abgespielt, die weiterhin existiert.

Das wäre zwar keine schöne Erklärung (wir wollen einen Zeitreisefilm sehen, keinen Dimensionshopper-Film!), aber sie würde wenigstens Sinn ergeben… bis auf folgende Kleinigkeiten:

– Wo ist der NEUE Marty aus der „George McFly ist erfolgreich“-Dimension?!

– Warum sagt Doc im 2. Teil, sie müssten Jennifer nicht von der Bank, auf der sie sie im neuen, düsteren Jahr 1985 abgelegt haben, mit zurück ins Jahr 1955 nehmen, da sich das düstere 1985 in das ursprüngliche 1985 zurück verwandeln wird, wenn sie dem jungen Biff den Almanach wieder abnehmen können? Würde es sich hierbei wirklich um verschiedene Dimensionen handeln, würde das keinen Sinn ergeben – Jennifer bliebe in der falschen Dimension, d.h. einer anderen als Marty und Doc.

– Wieso sagt Doc Brown, dass sie Biff in der Vergangenheit bekämpfen müssen, da sie es in der Zukunft mit einem „mächtigen Biff, der korrupt ist“ zu tun hätten?! Das macht mit KEINER MÖGLICHEN ERKLÄRUNG einen Sinn! Denn es ist mitnichten so, dass es in der Zukunft einfach nur SCHWIERIGER wäre, gegen Biff anzutreten, sondern weil die Zukunft, in der der alte Biff den Almanach stiehlt, aus ihrer Perspektive des düsteren 1985 ÜBERHAUPT NICHT STATTFINDEN WIRD! Was bedeutet: Gehen wir wirklich von Zeitreisen aus, ist diese ganze Biff-Sache ein weiteres Paradoxon – gehen wir aber stattdessen von Dimensionshopping aus, könnten sie den alten Biff allerdings tatsächlich in der Zukunft im Jahr 2015 stoppen, da diese noch GENAU SO IST, wie sie sie kennen gelernt haben!

So oder so: Das hier

zurück in die zukunft

sowie Docs Erklärung dazu kann nicht stimmen!

Warum eine Maschine bauen, wenn man für den doppelten Preis zwei bauen kann?

Als Kind gefiel mir der 2. Teil am besten, denn dieser hatte DAS HOVERBOARD. Was leider überhaupt nichts daran ändert, dass der komplette zweite Film – und damit logischerweise auch der dritte – völlig redundant sind, da sie auf der elefantös idiotischen Annahme Doc Browns basieren, man müsse die negativen Ereignisse im Jahr 2015 IM Jahr 2015 bekämpfen!

Ganz ehrlich. Wie dumm ist das bitte. Dieser ganze Stress. Dieses ganze Gelaber darüber, dass man nicht zu viel über seine eigene Zukunft wissen sollte. Das Fazit des 3. Films, das lautet: „Die Zukunft ist noch nicht geschrieben! Ihr könnt sie verändern!“

Alles, was nach dem 1. Film kommt, liefert darauf nur eine Antwort: „Pfeif drauf.“ Und verwendet ab da gut drei Stunden darauf, die Probleme zu lösen, die im 2. Film entstanden, weil man ein Problem lösen wollte, das man auch so hätte lösen können:

„Du, Marty? Ich war mal 30 Jahre in der Zukunft und am 21. Oktober 2015 baut dein Sohn gewaltige Scheiße. Du solltest ihn am diesem Tag nicht vor die Tür lassen, ne?“

Uuuuund… yay \o/

(Übrigens: Wie asozial ist es bitte von Doc, Marty in die Zukunft zu schleppen, wo er all diese futuristischen Dinge sieht, von denen er nichts wissen sollte, aber ihm dann nicht zu erzählen, dass sein Leben den Bach runter geht, wenn er sich auf ein dummes Autorennen einlässt? Dieser Typ hat ihm das Leben gerettet, verdammte Scheiße!!)

Aber gut. Es ist passiert. Doc macht einen richtig dämlichen Fehler und somit nimmt der 2. Teil seinen Lauf. Am Ende sitzt Doc im Jahr 1885 fest und Marty muss ihn schon wieder retten, was extrem erschwert wird, weil er die Benzinleitung des Deloreans kaputt macht. Der gesamt Rest des Films handelt dann nur davon, irgendeine Möglichkeit zu finden, den Delorean trotzdem irgendwie auf 88 Meilen pro Stunde zu beschleunigen.

Und das alles, OBWOHL IM JAHR 1885 BENZIN EXISTIERT. Wo? Na: In dem Delorean, MIT DEM DOC BROWN INS JAHR 1885 GEKOMMEN IST!

Diesen mauert er in einer stillgelegten Mine ein, damit Marty und die 55er Version von Doc Brown ihn finden und reparieren können, damit Marty zurück in die Gegenwart reisen kann. Er selbst konnte es nicht, weil ihm 1885 die Werkzeuge fehlen, um die defekte Zeitleitung zu reparieren.
Wohlgemerkt ist aber lediglich DIESE sowie das Antigravitationsmodul kaputt – die Benzinleitung und der Tank sind intakt! In dem eingemauerten Delorean sollte sich also Benzin befinden, das sie hätten benutzen können, um den reparierten Delorean wieder zum Laufen zu kriegen! Zwar hätte ICH an seiner Stelle das Benzin vorher abgelassen, da es nach 70 Jahren im Tank sicher schlecht geworden und den Tank beschädigt hätte – ABER DAS HÄTTE MAN DOCH ZUMINDEST MAL ERWÄHNEN KÖNNEN!

In diesem Sinne…

… ist die Zukunft morgen schon Vergangenheit – also schnappe ich mir jetzt meine Kinotickets, ziehe mein „Where is my Hoverboard?!“-Shirt an und genieße das Triple Feature von einigen der tollsten Filme, die jemals gedreht worden sind!

Und das solltet ihr auch tun! HAPPY BACK TO THE FUTURE DAY!!!

Diese niedlichen Erstis

Ersti-Kneipentour, Die:
[1] Jährlich zu Semesteranfang wiederkehrendes Event organisiert von den unterschiedlichen Fachschaften der ortsansässigen Hochschulen für die neuen Erstsemester-Studenten mit dem hehren Ziel, diese mit ihren neuen Kommilitonen und dem urbanen Nachtleben des Studienortes bekannt zu machen.
[2] Euphemismus für mehrere Wochen Hölle, während denen sich freundliche, hart arbeitende Kellnerinnen herum schlagen müssen mit überfüllten Kneipen, inkompetenten Organisatoren und frechen Rotzgören, die in einer besseren Welt als dieser niemals ihr Abi bekommen hätten.


 


 

2013:

Typ: “Da hinten das ist unser Tutor.”
Ich: “Ah, okay.”
Typ: “Wissen Sie, was das heißt?”
Ich: “Hä?”
Typ: “Also, Sie studieren auch, oder? Dann können Sie mit den Begriffen was anfangen?”
WATT???
Ich: “Äh… JA. Und Kommilitonen siezt man nicht, die 50er sind vorbei!”

 


 

Ich: “Kriegt ihr” – drei Erstis – “noch was?”
ErstiTyp: “Ja, mir noch nen Rotwein.”
ErstiTussi1: “Ich nehm nen Weißwein!”
Ich: “Sekunde. Welchen Rotwein, Bordeaux oder Merlot?”
ErstiTyp: “Äääh, den trockenen.”
Ich: “Die sind beide trocken.”
ErstiTyp: “Äh….”
ErstiTussi1: “Ich nehm den Weißwein!”
Ich: “Einen Moment, bitte.”
ErstiTussi1: “Und ein Bier!”
Ich: “Äh, welchen Weißwein, lieblich oder trocken?”
ErstiTussi1: “Oh!”
ErstiTyp: “Den Merlot!”
Ich: “Okay *notier*”
ErstiTussi1: “Den lieblichen!”
ErstiTyp: “Für mich auch noch ein großes Bier!”
Ich: “Moment, Moment…”
ErstiTussi2: “Ich krieg auch ein Bier, aber klein!”
Ich: “Moment!”
ErstiTussi1: “Nee, ich hab dir doch grad eins mitbestellt!”
ErstiTyp: “Nee, für mich doch lieber auch klein! Oder groß?”
ErstiTussi1: “Jedenfalls ein Weißwein und ein Bier!”
Ich: “So, jetzt bitte mal einer nach dem anderen! Also, für dich…?”
ErstiTyp: “Den Merlot und ein Bier.”
Ich: “Das Bier jetzt groß oder klein?”
ErstiTussi1: “Also mir ein…”
Ich: “Pscht!”
ErstiTyp: “Äh…”
ErstiTussi1: “Für mich…”
Ich: “Pscht!”
ErstiTyp: “Klein!”
Ich: “Okay, JETZT du?”
ErstiTussi1: “Den lieblichen Weißwein und ein kleines Bier!”
Ich: “Okay…”
ErstiTussi2: “Mir ein kleines Bier!”
Ich: “Ähm, war das jetzt das, was sie dir mitbestellt hat?”
ErstiTussi2: “Äh…”
ErstiTussi1: “Ich wollte…”
Ich: “PSCHT!!!”
Und beim Bezahlen lief es genauso ab.


Ich, strahlend mit einem Tablett Frei-Shots ankommend: “Die gehen aufs Haus, herzlich Willkommen in…”
Typ *grapscht nach einem Shot*
Ich: “Äh, Gemach, lass mich doch mal abstellen.”
Typ1 *zieht die Hand zurück*
Typ2 *schnappt sich blitzschnell einen Shot, kippt ihn dabei halb um*
Ich (mit zusammenfallendem Enthusiasmus): “Ähm, das gilt auch für dich.”
Typ2: “Nee, für mich gilt das nicht!” *debiles Gelächter*


Typ: “Bei euch bezahlen die Tutoren nix, gell?”
Ich: “Ja.”
Typ: “Oh, okay, dann ZWEI Bier für mich!”


2014

Ich: “Was darf es für euch sein?”
ErstiTussi: “Also mir nur ein Wasser, aber mit Strohhalm, damit es so aussieht als hätte ich einen Cock-tääähl.”
Ich: *um Fassung ring*


Eine Gruppe mit 30 Erstis schlägt auf. Ich fange an einem Kopfende an und arbeite mich quälend langsam zum anderen vor.
Dort angekommen:
Ich: “Was kann ich euch bringen?”
Erstityp: “Äh…!” *karte in zeitlupe aufnehm*
Ich: *wart*
Erstityp: “Äh…!” *in karte starr*
Ich: *wart*
Erstityp: “Äh…!” *noch ein bisschen weiter starr*
Ich: “Okay, für euch?!”
Restliche Leute: *bestell* *bestell* *bestell*
Ich: “So, und für dich?”
Erstityp: “Äh… ein Kölsch! Aber klein!!”
Ich: “Alles klar…” *knirsch*
Erstityp: *erhebt den zeigefinger* “Aber bloß nicht abgestanden! Gestern waren wir in einer Kneipe, da war das Kölsch doch tatsächlich abgestanden!”
Ich: “Oh nein, keine Sorge. Gott bewahre, dass bei dreißig Getränken, die ich gleichzeitig machen muss, das Kölsch abgestanden wäre.”
Erstityp: “Ja, ganz genau.”
Ich: Kill… me…!


Ich: “Was darf’s für euch sein?”
Erstitussi: “Ein Cola-Asbach.”
Ich (beim Schreiben murmelnd): “Ein Asbach-Cola…”
Erstitussi (gereizt): “Nein, ein Cola-Asbach!”
Ich: *nur dumm kuck*

Kurz darauf, ich bringe die Getränke:
Ich: “…und hier war das Asbach-Cola…”
Erstitussi: “COLA – ASBACH!!!”
Ich: O.O
Alle Umsitzenden: O.O
Erstitussi: “Sorry. Aber so heißt das bei uns.”
Ich: “Ah. Ja.” *headshot*


Erstitussi: “Ne Weißweinschorle, bitte.”
Ich: “Lieblich?”
Erstitussi: “Oh! Was gibt’s denn noch?”
Ich: “…”


Ich: „Hey, soll ich bei euch schon mal abkassieren? Ihr müsst ja laut Plan gleich weiter…“
Tutor: „Pfft, das ist mir doch egal.“
Ich: o.O


2015

Gruppe von 30 Leuten schlägt auf und verteilt sich sofort über die gesamte Kneipe.
Ich: „Äh, sorry, Fachschaft VWL? Für euch haben wir hier die Tische reserviert.“
Erstitussi: „Aha.“ *bleibt sitzen*
Ich: „Ähm, sorry, würdet ihr euch dann vielleicht dort hin setzen?“
Erstitussi: „Och, warum denn?“
Ich: „Äääääh… DORT haben wir für euch reserviert. Überhaupt… ist es einfacher für uns, wenn eure Gruppe zusammen sitzt…“
Erstitussi: „Hier finden wir es aber schöner!“
Ich: „Ääääh… sorry, das ist mir eigentlich egal, DORT HINTEN IST FÜR EURE GRUPPE RESERVIERT…“
Erstitussi: Bleibt sitzen. Zusammen mit ihren dämlichen Freundinnen.
Ich: Abgang. Fassungslos.


Neue Gruppe will bestellen.
Ich (zu Erstitussi): „Verzeihung, dieses Glas Wein, das du von draußen mitgebracht hast, müsstest du bitte wegstellen.“
Erstitussi (mit lässig-gebieterischer Handbewegung): „Ach ja, das dürfen Sie abräumen.“
Ihre Nebenfrau erstarrt. Der Rest des Tisches erstarrt. Nach einer kurzen peinlichen Pause erstarrt auch die Tussi.
Ich: „Oh, darf ich das. Wie gütig.“


Erstitussi (an der Theke): „Sorryyy, kann man sich Musik wünschen?“
Ich: „Hm, was denn?“
Erstitussi: „Hiphop!“
Ich: „Nee, das haben wir nicht. Sorry.“
Erstitussi: „Nur mal kurz! Das hier ist so schrecklich!“
Ich: „Wie gesagt, wir haben kein Hiphop. Wir sind eine Rockkneipe.“
Erstitussi: „Boah, OKAY…“

Sie stöckelt zurück zum Tisch. Ich höre:
Erstityp: „Und?“
Erstitussi: „Will die nicht spielen. TOTALE IGNORANZ!!!“
Ich: *mich selbst am Hemdkragen zurück halt*


Tutor kommt zur Theke: „Entschuldigung, kriegen wir noch Freischnäpse? Es sind ein paar noch nachgekommen.“
Ich: „Sorry, aber meinst du nicht, das reicht jetzt? Ihr seid jetzt schon bei 39 Schnäpsen!“
Tutor: „Ja, wir sind ja auch so viele Leute!“
Ich: „Komischerweise seid ihr aber laut Bestellungen nur…“ Ich schaue nach. „ZWÖLF. ZWÖLF Leute.“
Tutor: „Ja gut, dann halt nicht. Merken wir uns für nächstes Jahr!“
Ich: „…“



Sind sie nicht niedlich?

Nein, sie sind nicht niedlich.

Montagsliste 2: 7 nett gemeinte Dinge, die jede Kellnerin hasst

Nach einer urlaubs- und energiebedingten Pause von 4 Wochen geht es nahtlos weiter mit der heutigen Montagsliste-am-Dienstag!

Schon lange nichts mehr aus der schillernden Nachtwelt der Kellnerei… das ist doch kein Zustand.

Heute geht es um ein ganz heikles Thema, denn Menschen reagieren immer sehr sauer, wenn sie helfen wollen und man ihre Hilfe ablehnt… oder sogar schlechtheißt. Allerdings ist „gut gemeint“ ja nicht „gut gemacht“ und „nett“ ist der kleine Bruder von „scheiße“, weshalb es leider einiges gibt, was man als Gast in Kneipen, Bars und Wirtshäusern falsch machen kann, obwohl man eigentlich nur behilflich sein will.
In solchen Fällen ist es als Kellnerin leider ganz schwer, die Contenance zu bewahren, denn einerseits möchte man freundliche Gäste nicht anschnauzen, andererseits steckt hinter dieser „Hilfe“ oft eine so riesige Portion himmelsschreiender Blödheit, dass man den Gästen gerne „Denk doch mal nach, du besoffener Vollhorst!!!“ ins Gesicht brüllen würde. Und wenn man das dann nicht KANN, weil man WEISS, dass sie es ja nur nett meinen… urgh.

Wenn ihr also die besten Gäste überhaupt sein wollt, vermeidet ganz einfach diese folgenden 7 nett gemeinten Dinge, die jede Kellnerin hasst!

1. „Ich bring dir das grad hoch!“

Da steht man hinter der Theke und ahnt nichts böses, als sich plötzlich am Rande des Gesichtsfeldes eine bedrohliche Bewegung abspielt. Gast hinter der Theke! GEFAHR!!
Nennt es Überdramatisierung. Aber wenn man nachts allein in einer Bar steht, dann gibt es gewisse Regeln, die für alle Gäste zu gelten haben. Und eine davon ist: GÄSTE HABEN HINTER DER THEKE NICHTS ZU SUCHEN.
Warum? Pragmatische Gründe. Und normalerweise WISSEN Gäste, dass dieser Bereich heilig und allein den Angestellten vorbehalten ist. Immerhin steht da der Alkohol und die Kasse – klar, dass man sich da fernzuhalten hat.
Aber naja, einfach schon mal die Gläser vom Tisch einsammeln und schnell hinter die Theke huschen zum Abstellen… wer könnte da etwas dagegen haben? Ist doch voll nett!
Nope. Grade, WEIL Gäste normalerweise NICHT von selbst hinter die Theke gehen, hat die Erfahrung gezeigt, dass nur megabesoffene und/oder potentiell gewaltbereite Gäste diese Regel brechen, also keine Personen, die man zu nah an den Alkohol, die Kasse oder sich selbst herankommen lassen möchte – was einen akuten Adrenalinflash zur Folge hat, wenn plötzlich so eine Gestalt hinter einem steht. Ob die dabei freundlich lächelt und die Hände voller Gläser hat, spielt dabei leider keine Rolle.
Gut, meistens sind Intermezzi dieser Art schneller vorbei, als man „Weg hinter meiner Theke!“ rufen kann, weshalb es nicht sooo tragisch ist. Aber unerwartete Schocks dieser Art nerven trotzdem. Darum: Wenn ihr unbedingt helfen wollt, stellt die Gläser AUF der Theke ab – oder einfach auf eurem Tisch so, dass man auch rankommt!

2. *Pling*

So schepperts, ehe man reagieren kann. Grade war man noch leicht angesäuert, weil die zahlenden Gäste kein Trinkgeld gegeben haben, da purzeln auch schon ein paar Münzen in die offene Kellnerbörse. Hebt man den Kopf, blickt man in ein paar strahlende Gesichter, in denen der Stolz die Wangen rosig färbt. Denn: SIE geben das Trinkgeld NACH dem Abkassieren, weil es auf die Weise weniger zu rechnen ist – und schmeißen es gleich in die Kasse rein, damit die Kellnerin nicht mal die Hand aufmachen muss!
Hach, Leute. Sicher gut gemeint und so. Aber es gibt nur sehr wenige Kneipen, in denen das Trinkgeld aus dem Betrag besteht, der übrig bleibt, wenn man die Kasse gezählt hat. Weil kaum eine Kneipe wirklich alle Getränke in die Kasse boniert oder aufschreibt – je ranziger, desto unwahrscheinlicher. Also nehmen die Kellnerinnen das Trinkgeld raus, wenn sie es bekommen und bewahren es separat auf. Was jedoch heißt: Alles, was in der Kasse landet, bleibt auch dort – und damit beim Chef.
Widersteht also dem Dagobert-Duck-haftigen Drang, Münzen klimpern zu lassen, und gebt uns das Trinkgeld direkt in die Flosse. Das erspart uns die grobe Peinlichkeit, nachfragen zu müssen, was wir wirklich hassen!

3. „Und noch einen Schnaps für dich!“

Heikler Punkt. Ich möchte auf gar keinen Fall den Eindruck erwecken, Kellnerinnen fänden es IMMER scheiße, wenn Gäste einen ausgeben. Im Gegenteil – möchte ich nach meiner Schicht noch weiter ziehen, ist das eine nette Gelegenheit, schon mal etwas vorzutanken, ohne den Schankverlust meines Chefs in astronomische Höhen zu treiben. (Die Alternative – das, was man trinkt, auch zu bezahlen – kommt natürlich gar nicht in Frage.)
ABER. Leider scheint Gästen nicht klar zu sein, wie oft so etwas passiert, zumal viele mit EINER Schnapsrunde mit der Kellnerin absolut nicht zufrieden zu stellen sind. Da Alkohol jedoch die Arbeitsleistung eklatant verschlechtert, was vielen Besoffenen scheinbar nicht bekannt ist, kann man schlicht und ergreifend nicht jedes Getränkeangebot annehmen.
Und, noch wichtiger: Man WILL es auch nicht. Natürlich machen ein, zwei Schnaps nicht besoffen. Aber nur, weil ich gerne einen trinken gehe, heißt das nicht, dass ich diesen Scheiß, der mir zudem überhaupt nicht schmeckt, in mich reinschütten muss, nur um Gästen einen Gefallen zu tun, weil sie das Angebot ja nur nett gemeint haben. Es ist nämlich immer noch MEIN Körper, den ich schädige, wann ICH es will. Und sowieso ist halbbesoffen weggeschmissenes Geld, auch wenn es nicht mein eigenes ist!
Also? Gerne könnt ihr fragen, ob die diensthabende Thekenkraft mit euch einen trinken will. Aber wenn sie „nein“ sagt, hört auch wieder damit auf – und seid dann verdammt noch mal nicht beleidigt!

4. „Lass mich das machen!“

Irgendwann im Laufe der Schicht kommt die lästige Aufgabe, das Leergut wegbringen zu müssen. Arbeitet man nun in einer Kneipe, in der dazu ein Gang durch den Gastraum nötig ist, kann man hundertprozentig sicher sein, dass mindestens ein Gast in den Weg springt und seine Hilfe anbietet.
Nett. Sicher. Aber falls ihr auch zu diesen Exemplaren gehört und gar nicht verstehen könnt, warum das so schlimm sein soll, beantwortet mir bitte eine Frage: Wenn dabei was schiefgeht und eine Flasche zu Bruch geht, welcher Depp muss dann wohl die Scherben aufkehren?
Na? Na??? Da habt ihr’s. Tatsächlich ist das keine Panikmache, wenn man viele verschiedene Flaschen in vielen verschiedenen Größen in eine Kiste quetscht. Dass da mal was durchrutscht, ist praktisch unvermeidlich, aber wesentlich unwahrscheinlicher, wenn jemand diese Kiste trägt, der das schon mal gemacht hat. Andererseits ist es leider absolut nicht hilfreich, sich einer Person in den Weg zu stellen, die diese wackelige Angelegenheit wegbringen will, bevor etwas passiert, oder gar schon an der Kiste zu zerren, ehe sie auf das freundliche Angebot überhaupt antworten konnte.
Natürlich gibt es sicher auch Kellnerinnen, die diese Form der Ritterlichkeit zu würdigen wissen. Bei allen anderen gilt jedoch das selbe wie bei den Freischnäpsen: EINMAL FRAGEN REICHT. Und da ich zwar als Kellnerin durchaus dafür Sorge tragen soll, dass Gäste sich wohlfühlen, aber nicht auf der Welt bin, um mich darum zu kümmern, dass fremde Männer sich wie Helden vorkommen, weil sie für mich eine unfassbar leichte Kiste mit leeren Flaschen wegbringen, sehe ich es auch nicht ein, diese Arbeit abzugeben, nur um jemanden einen Gefallen zu tun – zumal die möglichen Scherben dann wieder ganz allein meine Angelegenheit sind, denn beim Putzen hilft natürlich keiner.

5. „Lass mich dich heimbringen!“

Das letzte Bier ist gezapft, der Schankraum leer, nur noch ein Gast sitzt an der Theke. Alles ist bereit für den Feierabend, wäre da nicht ein Problem: penetrante Überfürsorglichkeit.
Auch das bitte nicht falsch verstehen. Ich bin vollkommen davon überzeugt, dass die meisten Angebote, mich sicher nach Hause zu geleiten, wirklich galanter Hilfsbereitschaft entspringen statt irgendwelchen Hintergedanken. Und trotzdem nehme ich sowas nicht an. Denn erstens bin ich jahrelang allein heim gegangen und lebe immer noch. Und zweitens sehe ich absolut nicht, warum es gefährlicher sein sollte, allein heim zu gehen, als mich von jemanden heimbringen zu lassen, den ich nicht kenne.
Denn ja, solche Angebote kommen nur von ganz neuen Gästen, die man genau an diesem Abend kennen gelernt hat. Sie waren nett, haben sich mit uns unterhalten, gaben ein gutes Trinkgeld. Aber vertraue ich ihnen deswegen? Nope.
Aus der Sicht des Gastes, der nur redliche Ziele hat, ist das natürlich eine krasse Beleidigung. Aber auch darauf kann man schlicht und ergreifend keine Rücksicht nehmen. Und einfach hartnäckig weiter darauf zu bestehen, mich heim bringen zu dürfen, obwohl ich das schon abgelehnt habe, ist nicht gerade dazu angetan, mich von der Harmlosigkeit der betreffenden Person zu überzeugen.

6. „Ich nehm schon mal…“

Ein Tablett zu tragen, voll mit befüllten Gläsern, davon viele hoch und schwer, ist ein heikler Balanceakt. Das sollte eigentlich jedem einleuchten. Darum leuchtet es mir absolut NICHT ein, warum Gäste darauf rumgrabschen müssen!
Ganz ehrlich, Leute: Finger weg!!! Was glaubt ihr, was passiert, wenn ihr mal eben so eurer bestelltes, pfundschweres Weißbier von einem vollbepackten Tablett nehmt, das mit einer Hand balanciert wird?! Und warum sind erwachsene Menschen so ungeduldig, dass sie der Kellnerin unbedingt beim Verteilen der Bestellung „helfen“ müssen, obwohl sie damit höchstens den Inhalt der Gläser über der Kellnerin verteilen?!
LASST ES. Es ist nicht nett, es ist nicht hilfreich. Es ist nur scheißgefährlich! Denn wenn man diese ruckartige Unbalance nicht reflexartig ausgleichen kann, hat man nicht nur viel zu wischen und ist sehr nass, sondern muss auch die tödlichen Blicke des Chefs ertragen, der solche Missgeschicke natürlich nicht in Rechnung stellt, aber halt auch nicht besonders begeistert davon ist.
Daher: Nehmt gerne eure Gläser vom Tablett, aber erst, wenn es sicher auf dem Tisch steht!

7. „Das macht…“

Ihr arbeitet seit Stunden ohne richtige Pause. Viele Leute gröhlen durcheinander, die Musik ist laut. Euch ist ein bisschen duselig, weil ihr euch ein paar Schnäpse habt aufdrängen lassen. Es ist mitten in der Nacht, aber der Feierabend noch lange nicht in Sicht. Wobei, EINE Gruppe will jetzt endlich bezahlen, also schnell die Rechnung aus der Kasse nehmen und hin, oje, viele verschiedene Getränke und alle wollen getrennt bezahlen, Moment, der eine Typ will als erster, drei Bier, vier Schnaps, zwei Longsdrinks, äh…
„Das macht soundsoviel Euro!“
Danke, Alter. NICHT hilfreich. Darüber hinaus Nervfaktor Unendlich bei Gästen und eine ach so nette Geste, die Kellnerinnen im ganzen Land abgrundtief hassen.
Glaubt jemand ernsthaft, ich könnte mich einfach so drauf verlassen, was ihr mir da jetzt vorgerechnet habt? Natürlich nicht. Menschen sind böse. Warum sollte ich bei völlig unbekannten Gästen also darauf vertrauen, dass sie mir den richtigen Betrag nennen? Und selbst, wenn diese Gäste total redlich sind: Menschen sind außerdem ziemlich doof. Viele brauchen keine laute Musik, Alkohol oder Stress, um sich schlicht und ergreifend zu verrechnen.
So oder so: Ich muss den Scheiß selber ausrechnen. Da ist es nicht gerade förderlich, mich dabei immer und immer und IMMER UND IMMER UND IMMER wieder zu unterbrechen, weil ihr schon auf die Lösung gekommen seid oder – ganz hilfreich, natürlich! – zum achtzigsten Mal aufzuzählen, was ihr alles getrunken habt!
Lasst uns Zeit zum Rechnen und haltet dabei bitte einfach die Schnauze. Das ist das netteste, was ihr tun könnt, ohne euch dabei anstrengen zu müssen!

Mit welchen hilfreichen Handgriffen machen euch in eurem Beruf Gäste, Kunden, Patienten, Klienten etc. das Leben schwerer als nötig?