Warum „Zurück in die Zukunft“ total unlogisch ist

Backtothefuture

Ok, um das direkt am Anfang klarzustellen:

Zurück in die Zukunft ist MEGASUPERAWESOME.

Deshalb wird für mich heute auch ein Traum wahr, wenn ich die Trilogie tatsächlich erstmals auf der großen Leinwand sehen kann, denn der erste Film kam im Jahr meiner Geburt ins Kino. Und danach steigt hoffentlich noch eine krasse Party, um dieses Event gebührend zu begießen, denn immerhin haben wir darauf sechsundzwanzig Jahre gewartet!!

Ihr seht, ich bin schwer begeistert – völlig zurecht! Denn man mag von 80er-Jahre-Filmen halten was man will: Die gesamte Trilogie ist auch heute noch ein Fest an spritzigen Witzen, lustigen Eastereggs, charmanten Charaktern, supergeiler Action, fantastischer Musik und intelligenter Story!

Wobei… ist das wirklich so? Lauert unter der dynamischen Fassade nicht eine fette Portion Unlogik, die man erst nach zwanzig Sichtungen bemerkt, weil man vorher zu klein und zu dermaßen gefesselt war?

Nochmal: Ich LIEBE diese Filme. Aber gerade deswegen ist es an solchen Festtagen mal schön, ein paar Schritte hinter die eigene Fangirl-Identität zu treten und sich anzusehen, was die Filme nicht toll machen, sondern wo es gewaltig hakt. Denn so unfassbar gut sie auch sind: Wenn man länger drüber nachdenkt, machen die Filme leider üüüüberhaupt keinen Sinn.

Paradoxa, Paradoxa everywhere!

Vermutlich ist es absolut unmöglich, einen Zeitreisefilm ohne Logikfehler zu drehen. Dasselbe gilt vermutlich auch für Bücher, Comics, Serien etc. pp. Was vielleicht dran liegt, dass das Konzept „Zeitreise“ und seine Möglichkeiten unser Hirn komplett überfordert.
Die gröbsten Schnitzer sind oft die ikonistischen, was aber nichts an ihrer Unlogik ändert. Darum wird eine quälende Frage wohl ewig unbeantwortet bleiben müssen: Wer zur Hölle hat Johnny B. Goode geschrieben?!
Wir erinnern uns: Marty fährt ins Jahr 1955, vermasselt dort erstmal alles, bringt dann alles wieder in Ordnung und darf am Schluss die Bühne rocken. Das hört derjenige, der als Urheber des Songs gilt, über Telefon. Botschaft klar: Marty war Chuck Berrys Inspiration für „Johnny B. Goode“.

Mal abgesehen davon, dass ich es wahnsinnig riskant finde, sich auf der Bühne so dermaßen in den Mittelpunkt zu stellen (immerhin könnte so ein Auftritt seine Mutter dazu bringen, sich wieder Hals über Kopf in ihn zu verlieben): Nachdem wir darüber alle kurz gekichert haben, dürfte hoffentlich klar sein, was für ein paradoxer Unsinn das ist! Wie kann Marty „Johnny B. Goode“ gelernt haben, wenn ER derjenige ist, der den Song Chuck Berry überhaupt erst vorführt?

Dasselbe im 2. Teil. Der alte Biff reist in die Vergangenheit, um seinem Vergangenheits-Ich den Sport Almanach zu bringen – und kehrt in eine Zukunft (bzw. seine Gegenwart, nämlich das Jahr 2015) zurück, in dem er den Almanach offensichtlich nie bekommen hat bzw. hat benutzen können. Hätte er nicht in eine Zukunft zurück kehren müssen, in der er reich und mächtig ist, da zu diesem Zeitpunkt Marty und Doc noch keine Gelegenheit hatten, seinem Vergangenheits-Ich den Almanach wieder wegzunehmen? Und heißt das nicht, dass sich das Jahr 2015 hätte ändern müssen, während Marty und Doc noch dort sind?

Die düsterste aller Timelines

Tatsächlich kann das alles durchaus logisch sein, wenn wir davon ausgehen, dass Doc Brown und Marty mitnichten durch die Zeit reisen, sondern in Paralleldimensionen. Damit wäre es theoretisch möglich, dass Marty aus einer Dimension stammt, in der ein Musiker namens Chuck Berry einen Song namens „Johnny B. Goode“ geschrieben hat und in das Jahr 1955 einer anderen Dimension reist, in der der Song niemals existiert hätte, wenn ER ihn nicht dorthin gebracht hätte. Das bedeutet allerdings auch, dass der alte Biff mit seiner Aktion, wäre sie denn erfolgreich gewesen, nur die Zukunft eines seiner Paralleldimensions-Ichs verbessert hätte, da es auf ihn selbst keinerlei Auswirkungen HÄTTE HABEN DÜRFEN – da er, also der alte Biff, der den Almanach stiehlt, bei Erfolg GAR NICHT EXISTIERT HÄTTE.
Aber naja, theoretisch ist es zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass der alte Biff so freundlich ist und tatsächlich einfach nur einer seiner Inkarnationen aus einer anderen Dimension etwas gutes tun wollte. Und ein weiteres Problem wäre damit vom Tisch: Nämlich die Frage, was um alles in der Welt mit Martys armer ORGINALFAMILIE passiert, denn diese wird durch seine Tätigkeiten im Jahr 1955 durch eine bessere Version ersetzt – und damit AUS DER EXISTENZ GELÖSCHT.

Folgen wir der Paralleldimensionen-Theorie, würde das nicht stimmen. Martys Originalfamilie lebt, und zwar in der alten Dimension, aus der Marty stammt. In diese kehrt er aber offensichtlich nicht ins Jahr 1985 zurück, sondern in die selbe alternative Dimension, in der es ohne sein Zutun niemals einen Song namens „Johnny B. Goode“ gegeben hätte – und DORT war sein Vater nun mal erfolgreich, seine Familie reich, seine Geschwister toll etc.pp. Das würde auch erklären, weshalb er, wieder zurück in seiner Gegenwart, keine, äh, Synapsenrekalibrierung durchmachen musste, wie man sie in „Butterfly Effect“ beobachten konnte, um seine alten Erinnerungen an Ereignisse, die durch die Änderungen in der Vergangenheit NIEMALS STATTGEFUNDEN HABEN, auszulöschen und an die neuen Ereignisse – und damit logischerweise auch an seine Erinnerungen daran und sein daraus resultierendes NEUES ICH – anzupassen. Denn: Seine Erinnerungen SIND real – sie haben sich nur eben in einer anderen Dimension abgespielt, die weiterhin existiert.

Das wäre zwar keine schöne Erklärung (wir wollen einen Zeitreisefilm sehen, keinen Dimensionshopper-Film!), aber sie würde wenigstens Sinn ergeben… bis auf folgende Kleinigkeiten:

– Wo ist der NEUE Marty aus der „George McFly ist erfolgreich“-Dimension?!

– Warum sagt Doc im 2. Teil, sie müssten Jennifer nicht von der Bank, auf der sie sie im neuen, düsteren Jahr 1985 abgelegt haben, mit zurück ins Jahr 1955 nehmen, da sich das düstere 1985 in das ursprüngliche 1985 zurück verwandeln wird, wenn sie dem jungen Biff den Almanach wieder abnehmen können? Würde es sich hierbei wirklich um verschiedene Dimensionen handeln, würde das keinen Sinn ergeben – Jennifer bliebe in der falschen Dimension, d.h. einer anderen als Marty und Doc.

– Wieso sagt Doc Brown, dass sie Biff in der Vergangenheit bekämpfen müssen, da sie es in der Zukunft mit einem „mächtigen Biff, der korrupt ist“ zu tun hätten?! Das macht mit KEINER MÖGLICHEN ERKLÄRUNG einen Sinn! Denn es ist mitnichten so, dass es in der Zukunft einfach nur SCHWIERIGER wäre, gegen Biff anzutreten, sondern weil die Zukunft, in der der alte Biff den Almanach stiehlt, aus ihrer Perspektive des düsteren 1985 ÜBERHAUPT NICHT STATTFINDEN WIRD! Was bedeutet: Gehen wir wirklich von Zeitreisen aus, ist diese ganze Biff-Sache ein weiteres Paradoxon – gehen wir aber stattdessen von Dimensionshopping aus, könnten sie den alten Biff allerdings tatsächlich in der Zukunft im Jahr 2015 stoppen, da diese noch GENAU SO IST, wie sie sie kennen gelernt haben!

So oder so: Das hier

zurück in die zukunft

sowie Docs Erklärung dazu kann nicht stimmen!

Warum eine Maschine bauen, wenn man für den doppelten Preis zwei bauen kann?

Als Kind gefiel mir der 2. Teil am besten, denn dieser hatte DAS HOVERBOARD. Was leider überhaupt nichts daran ändert, dass der komplette zweite Film – und damit logischerweise auch der dritte – völlig redundant sind, da sie auf der elefantös idiotischen Annahme Doc Browns basieren, man müsse die negativen Ereignisse im Jahr 2015 IM Jahr 2015 bekämpfen!

Ganz ehrlich. Wie dumm ist das bitte. Dieser ganze Stress. Dieses ganze Gelaber darüber, dass man nicht zu viel über seine eigene Zukunft wissen sollte. Das Fazit des 3. Films, das lautet: „Die Zukunft ist noch nicht geschrieben! Ihr könnt sie verändern!“

Alles, was nach dem 1. Film kommt, liefert darauf nur eine Antwort: „Pfeif drauf.“ Und verwendet ab da gut drei Stunden darauf, die Probleme zu lösen, die im 2. Film entstanden, weil man ein Problem lösen wollte, das man auch so hätte lösen können:

„Du, Marty? Ich war mal 30 Jahre in der Zukunft und am 21. Oktober 2015 baut dein Sohn gewaltige Scheiße. Du solltest ihn am diesem Tag nicht vor die Tür lassen, ne?“

Uuuuund… yay \o/

(Übrigens: Wie asozial ist es bitte von Doc, Marty in die Zukunft zu schleppen, wo er all diese futuristischen Dinge sieht, von denen er nichts wissen sollte, aber ihm dann nicht zu erzählen, dass sein Leben den Bach runter geht, wenn er sich auf ein dummes Autorennen einlässt? Dieser Typ hat ihm das Leben gerettet, verdammte Scheiße!!)

Aber gut. Es ist passiert. Doc macht einen richtig dämlichen Fehler und somit nimmt der 2. Teil seinen Lauf. Am Ende sitzt Doc im Jahr 1885 fest und Marty muss ihn schon wieder retten, was extrem erschwert wird, weil er die Benzinleitung des Deloreans kaputt macht. Der gesamt Rest des Films handelt dann nur davon, irgendeine Möglichkeit zu finden, den Delorean trotzdem irgendwie auf 88 Meilen pro Stunde zu beschleunigen.

Und das alles, OBWOHL IM JAHR 1885 BENZIN EXISTIERT. Wo? Na: In dem Delorean, MIT DEM DOC BROWN INS JAHR 1885 GEKOMMEN IST!

Diesen mauert er in einer stillgelegten Mine ein, damit Marty und die 55er Version von Doc Brown ihn finden und reparieren können, damit Marty zurück in die Gegenwart reisen kann. Er selbst konnte es nicht, weil ihm 1885 die Werkzeuge fehlen, um die defekte Zeitleitung zu reparieren.
Wohlgemerkt ist aber lediglich DIESE sowie das Antigravitationsmodul kaputt – die Benzinleitung und der Tank sind intakt! In dem eingemauerten Delorean sollte sich also Benzin befinden, das sie hätten benutzen können, um den reparierten Delorean wieder zum Laufen zu kriegen! Zwar hätte ICH an seiner Stelle das Benzin vorher abgelassen, da es nach 70 Jahren im Tank sicher schlecht geworden und den Tank beschädigt hätte – ABER DAS HÄTTE MAN DOCH ZUMINDEST MAL ERWÄHNEN KÖNNEN!

In diesem Sinne…

… ist die Zukunft morgen schon Vergangenheit – also schnappe ich mir jetzt meine Kinotickets, ziehe mein „Where is my Hoverboard?!“-Shirt an und genieße das Triple Feature von einigen der tollsten Filme, die jemals gedreht worden sind!

Und das solltet ihr auch tun! HAPPY BACK TO THE FUTURE DAY!!!

8 Gedanken zu “Warum „Zurück in die Zukunft“ total unlogisch ist

  1. OK an die Sache mit dem Benzin und der Leitung im anderen Delorean des Jahres 1885 habe ich tatsächlich noch nicht gedacht. Man hätte ja nur den Zettel mit den Reperaturen etwas erweitern müssen damit die Widersprüche etwas weniger offensichtlich sind.

    Übrigends bei Family Guy gab es noch einen intressanten Aspekt den man hätte berücksichtigen müssen:

  2. Pingback: Sind Zeitreisen möglich? | Ideenwerkstatt

    • NEIIIN!! Du kannst doch nicht einfach behaupten, BTTF wäre irgendwie unlogisch? ^^

      Ich glaube außer „12 Monkeys“ kenne ich keinen Zeitreisefilm, der Sinn macht. Und da die Gefahr besteht, dass auch der Film schwächen haben könnte, wage ich es gar nicht, da weiter drüber nachzudenken.

      Gestern war echt ein cooler Tag, ich laufe heute noch mit raushängenden Hosentaschen rum und ernte verwirrte Blicke. Das ist es mir wert.

      Hast du all die coolen Aktionen prominenter Personen und Firmen mitbekommen? Ich bin total im Kind-Modus🙂

      Obama und MJF:

      Hier sind 3 coole Videos zusammengefasst:
      http://chrisbergr.com/journal/the-future-is-now/

      Noch ein ultra-cooler Artikel mit 30 spannenden Fakten:
      http://ftw.usatoday.com/2015/10/back-to-the-future-facts-about-trilogy-future-day-eric-stoltz-video-trivia-marty-mcfly-spielberg-zemeckis

      Dass die Cubs genau am 21. aus den Playoffs geflogen sind, wo sie im Film die Playoffs an diesem Tag gewannen ist auch ein lustiger Zufall.

      Schade, dass bei mir das Kino nicht die Triologie gezeigt hat. Hab dann halt bei mir ne Privatparty gemacht. Mitten unter der Woche. War auch cool, aber bis zum Ende haben nur 3 ausgehalten ^^

  3. Ist doch ganz klar, das Lied war ein spontaner Einfall, a la Jamsession, nennt man Kreativität. Was allerdings heutige Bologna-StudentInnen nicht mehr können, denn die können nur auswendig lernen und fordern das dann auch von Filmcharakteren.🙂

    • Falls das ein saudämlicher, dazu noch unlogischer Seitenhieb gegen mich sein soll, dann sei dir gesagt, dass ich noch zu den alten Studiengängen gehöre, „Johanna“.

      Ich bin übrigens gegen die Bologna-Reform mehrfach auf die Straße gegangen. Was hast du in der Zeit so gemacht?

  4. http://www.hillvalley.de/faq.html

    „F: Als Doc und Marty im Jahr 1955-A sind, sagt Doc, dass sie nicht in die Zukunft zurückkehren könnten, um Biff daran zu hindern, den DeLorean zu stehlen, denn es würde die falsche Zukunft sein. Aber wenn das stimmt, wie hat es der Alte Biff geschafft, in die selbe Zukunft zurückzukehren, die er verlassen hatte? Hätte er nicht in eine andere Zukunft zurückkehren müssen?

    A: Wie aus der Antwort auf die vorangehende Frage ersichtlich sein sollte, glauben wir, dass der Alte Biff TATSÄCHLICH in eine andere Zukunft zurückgekehrt ist — in ein „2015-A,“ das sich um Marty, Doc, Jennifer and Einstein herum verändert haben würde (genauso wie Doc erklärt, wie sich 1985-A in 1985 verändern und sich unmittelbar um Jennifer und Einstein herum transformieren würde). Dies würde passieren, NACHDEM der Alte Biff mit dem DeLorean zurückgekehrt war. Aus diesem Grund stellten wir sicher, dass Doc Jennifer aufgesammelt und das McFly-Haus verlassen hatte, bevor der Alte Biff zurück kam. Somit KÖNNTEN, zu der Zeit als Marty und Doc Jennifer zurück zum DeLorean tragen, andere Bewohner in diesem Haus leben — oder vielleicht wohnen die McFlys noch immer dort. Es ist genauso glaubwürdig, dass die physikalische Erscheinung der Nachbarschaft sich NICHT verändert hat, wie man glauben kann, dass sie das tat — also änderten wir sie nicht. Wir beschlossen, nichts aus dieser Idee zu machen, weil dies eines der schwierigen Zeitreise-Konzepte ist, mit dem das durchschnittliche Publikum große Verständnisschwierigkeiten hat.“

  5. Genau dein Blogeintrag hat mich zu bewegt, BTTF nochmal reinzuziehen. Einmal aus Spaß, weil hammer, und zum anderen nochmal drüber zu grübeln. Ich kriege zwar dann immer Kopfschmerzen von, aber ich mag duie Theorien und Modelle, die es zu Zeitreisen gibt, Inklusive der Paradoxone (z.B. Vulkanausbruch-Paradoxon). Am Plausibelsten empfinde ich das Multiversumprinzip, in dem jeder Zeitsprung eigentlich ein Sprung in eine Parallelwelt ist. Aber es gibt ja auch die „Passiert ist passiert“ Version oder die abgewandelte „wibbly-wobbly-timey-wimey“ Variante. Vielleicht kann man mal drüber simpeln🙂

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