Wie viele Deppen braucht man, um mir auf den Sack zu gehen?

Vorgestern stellte ich auf Twitter eine Frage:

Ein paar hübsche Mutmaßungen sind da zusammen gekommen.

– Ich habe gestrippt
– Ich habe alkoholfreies Bier ausgeschenkt
– Ich habe eine Wasserflasche fallen lassen und gerufen „Scheiße, das war der letzte Schnaps“
– Ich habe Trinkgeld nicht angenommen
– Ich habe gesagt, dass ich Star Wars scheiße finde
– „irgendwas mit Feuer“
– Ich bin umgekippt
– Ich habe mich für den falschen Fußballverein ausgesprochen
– Ich habe mich positiv über Feminismus und die Antifa geäußert
– Ich habe einer betrunkenen Person Alkohol verwehrt
– Ich habe die Theke „gewhamt“ (was wohl heißt, ich habe „Last Christmas“ gespielt)
– Ich habe beim Sambuca die Kaffeebohnen vergessen und ihn nicht angezündet
– Ich habe „Verdammt! Die Sportschau fällt aus und das Bier ist alle!“ gerufen
– „irgendetwas despektierliches zu Star Wars“
– Ich habe darauf bestanden, dass Abnehmen physikalischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist
– Ich habe alle Würfelbecher verbrannt, damit die Leute nicht mehr „meiern“ können

Teils sehr nette Antworten sind da darunter – und keine stimmt.

Die traurige Wahrheit, der schockierende Grund, weshalb eine ganze Theke voller Kerle mein Tun aufgeregt und gebannt verfolgte und (leider) auch fassungslos kommentierte:

ICH HABE EINE GOTTVERDAMMTE GLÜHBIRNE AUSGEWECHSELT!!!

Gut, eigentlich war es keine Glühbirne, sondern eine der kleinen Halogenlampen an der Theke. Sie brannte aus, ich wartete, bis sie abgekühlt war, nahm eine neue und wechselte sie aus.

DAS VERDAMMT NOCH MAL NORMALSTE AUF DER WELT – aber ich wurde angestarrt wie das 8. Weltwunder!

„Ey, kuck mal, was die da macht!“ rief der erste Kerl, als ich gerade den Draht entfernte, der die Lampe an Ort und Stelle hielt, woraufhin ich die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Kumpels und jeder anderen Person am Tresen genoss. Und dann, unglaublicherweise und völlig ironiefrei: „Die wechselt die Birne!!!“

Ich: sprachlos. Aber stoisch drehte ich die Birne raus, gerade als der Typ genau vor mir aufgefordert wurde, mir doch bitte mal zu helfen (was er glücklicherweise nicht tat).

Um die neue Birne einzudrehen, musste ich kurz auf die Theke klettern. Ein halbes Dutzend Männeraugen starrten mich dabei fassungslos und (leider kaum besser) mit unverhohlener Bewunderung an.

„Hast du ihr das beigebracht?“ wurde ein Stammgast an der Theke gefragt. Dann an mich: „Hat ER dir das beigebracht?“

Ich: „Nee. Dafür habe ich jahrelang studiert.“

Dann war ich fertig, die Scheißlampe brannte wieder und ich flüchtete unter den gefälligen Blicken meines Publikums.

Ohne Scheiß, Leute: WAS ZUR HÖLLE SOLL DAS. Wir reden hier von einer DÄMLICHEN GLÜHBIRNE. Für wie UNFASSBAR BLÖD wird man als Frau gehalten, wenn DAS als besonders kommentierungswürdige Leistung gilt, verdammte Scheiße!?

Und bevor irgendein höhnischer Trottel jetzt damit ankommt – ja, ich kenne den Witz:

„Wie viele Feministinnen braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln?“ – „DAS IST NICHT WITZIG!!!“

Das Ding ist, dass der Witz als Witz witzig ist. In der Realität ist das aber leider gar nicht witzig, ihr sexistischen Arschlöcher!!! Das hat auch nichts mehr mit „Wohlwollen“ zu tun, wenn Frauen für so unsagbar dämlich gehalten werden, einfachste handwerkliche Handgriffe nicht allein meistern zu können!

Was soll ich mir dabei denken?! Soll ich etwa stolz sein, weil ich so etwas kann?! Mich freuen, dass man das würdigt? Mich gar für die angebotene Hilfe bedanken, wenn ich doch einfach nur meinen Job erledigen will?! WAS ZUR HÖLLE SOLL ICH MIT SOWAS ANFANGEN?!

Und es ist ja nicht so, als wäre das ein Einzelfall. Ich wurde schon mit Komplimenten überschüttet, nur weil ich den Feuerstein meines Zippos selber wechseln kann. Dafür muss man nur ein Schräubchen aufdrehen. Das geht mit dem FINGERNAGEL.

Einen Tag später habe ich übrigens auf der Arbeit das übergelaufene Klo entstopft und musste zwei ganze Eimer voll Wasser vom Boden wischen. Eine klempnernde Frau, man stelle es sich vor!! Wobei, streicht den letzten Teil. Das ist ja putzen – DAS kann ich natürlich, so als Frau!

Wisst ihr, als ich diesen Blog vor Jahren startete, zog ich um und schrieb darüber. Damals renovierte ich auch ein bisschen mein Zimmer und dachte darüber nach, auch darüber zu bloggen. Die Idee verwarf ich schließlich, weil ich es für zu uninteressant hielt.

Inzwischen ist mir klar, dass das nicht stimmt. Eine Frau, die selber ein paar überflüssige Schrauben aus der Wand holt und streicht – ich wäre schlagartig berühmt geworden!!!

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31 Gedanken zu “Wie viele Deppen braucht man, um mir auf den Sack zu gehen?

  1. Wie konntest du so eine Aktion starten, ohne vorher die Übertragungswagen der Nachrichtensender kommen zu lassen?

    Pics or it didn’t happen! 😉

  2. Wow! Also dazu fällt selbst mir nichts mehr ein. Ich habe ja mit vielem gerechnet, aber das übersteigt dann doch meinen Horizont.
    Was mich alerdings mal noch kurz interessieren würde (auch wenn es nicht wirklich wichtig ist, weil dämlich bleibt es sowieso): Wie alt waren die Typen denn, die da so rumgesessen und gestaunt haben, als hätten sie gerade eine neue Biersorte entdeckt?

  3. Das kenn ich. Dass ich bei meiner Arbeit Menschenleben rette, wird allgemein unter „Arschputzen“ zusammengefasst, aber dass ich in meiner Hütte ein paar Möbel selbst zusammengeschraubt habe, wird als besondere Leistung bewundert. „Eeecht? Das haste selber hingekriegt?“
    Um es mit Sookee zu sagen: Realität, ich blicks nicht.

  4. Tja, das kenn ich, wenn man als Frau auf der Messe rumspringt und neben den Messebauern selbst ein paar Sachen aufbaut und dann noch nach nem torque fragt… *kopfschüttelt*
    Gut, andererseits weiß ich, was der Liebste an Reaktionen erhält, wenn er sich über Haarpflegeprodukte auslässt… Und stell dir mal die Gesichter vor, wenn ein Mann sich unter lauter Frauen plötzlich die Fingernägel fachmännisch und routiniert maniküren würde…. 😉

    • Uäh. Das würde ich nicht schaffen. Aber diejenige, die sie entfernt, bin trotzdem ich. Ich habe zwar Schiss vor Spinnen, aber ich stülpe eben einen Becher drüber und schiebe sie dann mit Papier hinein. Ha. Mein Freund hat Angst, die Tierchen zu verletzen. Jaja. Ich glaub’s auch.

  5. So what? Naürlich kannst Du eine Glühbirne auswechseln. Ich vermute, die Jungs haben da auch nicht wirklich dran gezweifelt.

    Kennst Du das nicht? Man ist in einer Truppe unterwegs, hat sich einen angetrunken, aber dann gibts grade kein Thema, das einen packt, und der Abend ödet leicht gelangweilt vor sich hin. Da kommt so etwas gerade recht, ein Aufhänger um irgendwelche blöden Witzchen zu machen und um völlig unnötig drauf rumzureiten. Natürlich ist es nicht wirklich witzig, und in nüchternem Zustand wäre einem das auch sofort klar, aber das ist gerade völlig wurscht. Je höher der Alkoholpegel, desto flacher die Witze. Ist bei Frauen auch nicht anders. Was da manchmal für Zoten gerissen werden, wenn die Mädels einen im Tee haben, meine Fresse. Aber muss man das unbedingt ernst nehmen?

      • Ja, sicher, eine kaputte Glühbirne ist ja quasi von derselben Bedeutung wie die Tatsache, seine Kinder vielleicht jahrelang nicht zu sehen.
        Haben Deine Jungs in der Kneipe Sprüche gebracht wie „Lass das mal, das kannst Du nicht“ oder „Du machst doch gleich die Lampe kaputt.“? Nein. Während Deine Jungs in der Kneipe Dich immerhin bewundert haben und Dir durchaus Respekt zollten, geht das Männern, die mit kleinen Kindern unterwegs sind, z.B. auf Spielplätzen ganz anders. Da kann man schon froh sein, wenn einem „nur“ die Erziehungskompetenz abgesprochen wird, und man wenigstens nicht gleich als Kinderschänder verdächtigt wird.

      • Der Link war echt interessant. Mir drängte sich gerade die Frage auf, warum es zwar okay ist, den Fakt zu erwähnen, dass mehr Männer drängeln und schnellfahren, aber es gleichzeitig nicht in Ordnung ist, den Fakt zu erwähnen, dass bei Gewalttaten häufiger Männer Täter sind (wie eben in einer Diskussion auf demselben Blog). Ich kann den Unterschied nicht so wirklich erkennen. Welche Logik soll denn das sein?

      • Siehst Du da Euer Jammermonopol gefährdet?

        Du darfst gerne weiter an den alten Rollenmodellen vom harten Kerl stricken, der alles einfach ohne Jammern aushält. Besonders natürlich das Gejammer von Feministinnen.
        Aber die Zeiten sollten jetzt langsam vorbei sein.

      • Dieser Themenwechsel, der von deiner selbstfabrizierten Peinlichkeit ablenkt, ist leider nicht ganz so elegant wie du denkst, Schätzelein 🙂

      • Ich sehe gar keinen Grund, von irgendetwas abzulenken. Du solltest schon mal erklären, was denn peinlich an dem Artikel gewesen sein soll, außer dass da angeblich ein Kerl jammert.
        Sonst quatscht ihr ja immer ohne Ende von „Geschlechterstereotype aufbrechen“, aber wenn man mal das Geschlechterstereotyp vom Mann als Verkehrsrüpel hinterfragt, dann haltet ihr das für männliches Gejammer. Aber wehe, wenn unsereins mal loslässt, dass Frauen nicht einparken können. Oder Glühbirnen wechseln, um zum Thema zurückzukehren.
        Mir scheint, was negative stereotype Zuschreibungen an Männer angeht, seid ihr sehr „tolerant“, die dürfen gerne bestehen bleiben.

      • Warum soll ich dir das erklären? Das ist in den Kommentaren schon mehr als ausführlich passiert. Hier müssen keine Geschlechterstereotypen aufgebrochen werden, weil gar keine stattfinden. Aber das merkst du vor lauter Empörung ja nicht 😀

      • Du liest auch nur das, was Du herauslesen willst. Außer Dir haben sich da vielleicht zwei so geäußert, dass das vielleicht ein wenig übersensibel wäre. In ungefähr 75% der Kommentare gings darum, ob mit „Einer“ ein generisches Maskulinum verwendet wird oder explizit ein Mann gemeint ist, obwohl in dem Bild eine Frau als Fahrerin gezeigt wird, und was anhand dessen wieder interpretiert werden müsste. Diese Diskussion fand ich absurd und hat den Hauptpunkt verwischt, nach dem nun mal bei „Drängeln“ und „Rasen“ ein Mann als Fahrer gezeigt wurde und bei „Abgelenkt sein“ eine Frau. Und Du willst jetzt erzählen, das wäre keine stereotypisierte Darstellung?

      • Nein. Ich will dir nur sagen, dass du, was das Jammern angeht, ein kleines weinerliches Mädchen bist. Und damit beende ich die Diskussion und werde dazu keine weiteren Kommentare von dir freischalten, weil mir meine Zeit dafür zu schade ist 🙂

  6. Ich muss zugeben mein erster Gedanke wären auch Glühbirnenwitze gewesen, alledings wäre das bei jedem so gewesen. Einfach, weil die Situation eine Glühbirnezvor Publikum zu wechseln eher untypisch für mich ist.

    Wie viele Dragon Ball Z Charaktere braucht man um eine Glühbirne zu wechseln?

    Einen allerdings braucht er dafür 4 Folgen.

  7. Scheisse, ist das behämmert! (also die Situation)
    Hoffentlich ist es die Generation unserer Enkel_töchter mal wirklich besser, für die Generation der Töchter/Söhne sehe ich schwarz…

  8. Teils sehr absurd-lustig, die Mutmaßungen in deiner Liste (besonders mit Abfälligkeiten über Star Wars muss man wohl in diesen Tagen vorsichtig sein), nun ist es ja so, dass man, hört man als Mann solche Äußerungen (als anwesende Person), es nicht weniger schmerzhaft ist (irgendwie ist da ja dann noch diese Fremdscham), aber: Hillbillies und Wildschweinmenschen wird es wohl immer geben, vorzugsweise in Bars, am Tresen.
    Ich wünsche aber fröhliche Weihnacht und brummkreiselige Silvester (ohne Arschlöcher!) …

  9. Wobei es ja zu einem kleinen Anteil auch diesen komischen Püppchen geschuldet ist, wenn Männer glauben, Frauen kämen mit normalen Alltagssituationen nicht klar.
    Es gibt ja leider diese Frauen, die selbst zum Glühbirne wechseln oder Nagel in die Wand schlagen ihren Gatten bemühen, weil *kicher* „Mach du das mal, ich kann das gar nicht. Du bist ja der Mann im Haus.“ *Nagellack trockenpust*
    Dieses Verhalten ist wenig hilfreich und regt mich regelmäßig auf, wenn ich es beobachten ‚darf‘.

  10. Tja, die Empirik ist oft niederschmetternd. Von 100 Glühbirnen werden wohl immer noch 99 von Männern ausgewechselt. Daher das Erstaunen.

    Viel interessanter finde ich aber dass Robin doch wieder in der Kneipe arbeitet. Gibt es jetzt einen Relaunch von der „Robin Urban Bar“ Seite?

  11. Ich vermute hier weniger den angenommenen allgegenwärtigen Sexismus, sondern eher die unerwartete Situation als Ursache für die Reaktionen.

    Unerwartet, weil in 90% der Fälle die Frau mit Hundeblick und Birne in der Hand irgendeinen Mann fragt, ob er die bitte auswechseln könnte.

  12. Wie viele Feministinnen braucht man denn nun?
    Zum Lampenwechsel: Du hast aber hoffentlich nicht den Glaskörper angefasst, oder? 😀

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