Alles neu! (Schon WIEDER.)

2016 und immer noch keine fliegenden Autos.

2015 ist vorbei – das vielleicht bisher intensivste Jahr meines Lebens. Zwei Themen haben dieses Jahr für mich dominiert. Davon war eines besonders unerfreulich: meine Depression.

Schon vorher hatte ich immer wieder am Rande erwähnt, dass ich an Depressionen leide. Seit diesem Artikel, der hundertfach geteilt worden ist, wusste es dann schließlich jeder: Eure Awareness kotzt mich an!

Seitdem habe ich Höhepunkte und Tiefpunkte erlebt. Schön war mit Sicherheit, dass ich nur wenige Monate nach diesem Beitrag tatsächlich endlich einen Therapieplatz bekommen habe. Leider war dieser eine Art Kompromiss: Ich wollte eigentlich eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie, bekommen habe ich aber eine Verhaltenstherapie, auch wenn ich das in meinem Fall für reine Symptombekämpfung halte und meine tatsächlichen Probleme viel tiefer gehen.

Trotzdem: Wenigstens hatte ich endlich einen Therapieplatz und eine Therapeutin, die ich nach einem holprigen Start nun doch ziemlich gut leiden kann. Zwar habe ich immer noch öfters das Gefühl, dass sie viel nach Lehrbuch abspult und nicht so richtig checkt, was meine wirklichen Baustellen sind, aber inzwischen habe ich gelernt, bei solchen Gelegenheiten einen klaren Cut zu machen und einfach klipp und klar zu sagen, dass sie mir mit ihrer Rumreiterei auf Themen, die mir scheißegal sind, auf den Sack geht. Schon etwas netter natürlich… aber dennoch.

Nachdem die großen, schwarzen Tiefs zum Winter hin Überhand nahmen und sich die Selbstmordgedanken häuften, entschloss ich mich dann auch für eine medikamentöse Behandlung. Auch hier hat mir meine Therapeutin sehr geholfen, weil sie mir sehr kurzfristig einen Termin besorgen konnte.

Und seitdem habe ich kein einziges richtiges Tief mehr erlebt. Stattdessen: Tage, an denen ich zwar MERKTE, dass ich OHNE Tabletten total abgestürzt wäre, aber sich das alles MIT Tabletten voll im Rahmen des Erträglichen bewegte. Gleichzeitig wurde ich umgänglicher, fröhlicher und fand plötzlich wieder Interesse an diversen Sachen. Überhaupt bin ich viel fitter und die bleierne Müdigkeit, die mich oft so erstarrt hat, ist einfach weg.

Problem ist einzig die richtige Dosierung. Von richtig schlimmen Nebenwirkungen bin ich zwar nicht betroffen, aber trotzdem wird mir von der niedrigsten Dosierung ziemlich schlecht, was dazu führt, dass ich zwar fit bin und was tun KÖNNTE, aber dann doch NICHTS tue, weil ich mich bei Krankheiten wie ein kleines Baby verhalte und pausenlos nur rumplärren könnte, während ich mich auf der Couch einrolle und im Endeffekt doch nichts tun kann.

Diese Übelkeit ist mit der mittleren Dosierung seltsamerweise weg und mit der höchsten Dosierung plötzlich wieder da. Ich habe keine Ahnung wieso!

Gleichzeitig habe ich die letzen Monate gemerkt, dass mich die Tabletten ZU chillig machen. So hätte ich dann zwar immer noch megaviele wichtige Sachen zu erledigen und auch die nötige Energie dafür – aber ich tue es nicht, weil es mir plötzlich irgendwie scheißegal ist. Womit ich schließlich doch nichts tue. Wenn ein Dilemma weh tun würde, würde ich nur noch brüllen!

Ich habe im letzten Jahr mehr Artikel zu diesem Blog nicht geschrieben als tatsächlich geschrieben. Mein Entwurfsordner quillt vollkommen über und das sind nur die Ideen, die ich nicht wieder vergessen habe, weil ich mich nicht sofort damit befasste. Das ist etwas, was mir selber tierisch auf den Sack geht.

Allerdings war Neujahr… ich weiß nicht. Viele Leute machen sich ja nur allzu gern darüber lustig, dass man Vorsätze fasst. Ich dagegen denke: Wer Vorsätze macht, schafft sie vielleicht nicht, aber wer keine macht erst recht nicht!!!
Meine Vorsätze bestanden daraus, endlich all das aufzuarbeiten, das sich in letzter Zeit angesammelt hat und gleichzeitig die Dinge zu erledigen, die noch vor mir liegen. Klingt erstmal unspannend und irgendwie meh.

Aber Leute: ES KLAPPT. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber seit dieser Woche bin ich so dermaßen motiviert wie noch nie in meinem ganzen verschissenen Leben!! Ich TUE DINGE!!! Und das sogar SOFORT!!! Und, verdammt nochmal: ES KLAPPT!!!

Vielleicht war es der berühmte Klick, der passieren muss, aber ich habe diese Woche mehr wichtige Dinge erledigt als im ganzen letzten Monat. Dabei war ich gestern sogar komplett außer Gefecht gesetzt, weil ich meine Tabletten aus Versehen überdosiert habe und mir kotzübel war. Wird mir sicher NIE wieder passieren. Aber das Beste: Während meine Tage früher häufig so aussahen wie der gestrige – der praktisch nur aus Rumgammeln bestand, weil ich zu nichts anderem fähig war – habe ich mich gestern unfassbar gelangweilt!! Ich KONNTE zwar nichts tun, WOLLTE es aber unbedingt!! Und das ist doch der absolute Hammer!!!

Mehr noch: Ich FREUE mich auf kommende Arbeit! Wenn Mitbewohner Dave demnächst auszieht, wollen Mitbewohner David und ich die Wohnung so richtig auf den Kopf stellen und so kommt es plötzlich, dass ich es gar nicht erwarten kann, das Wohnzimmer umzudekorieren! Und sein altes Zimmer einzurichten!! Und sogar das blöde Kühlfach endlich abtauen zu können!!!

Ich weiß nicht, was mit mir los ist und wieso, aber es gefällt mir! Und auch meine Therapeutin hat gesagt, dass ich Optimismus und Tatendrang ausstrahle! Dann muss es ja stimmen – die Frau ist vom Fach!!!

Ich habe also berechtigte Hoffnung… nein, vergesst das. Ich WEISS, dass ich mein Leben auf die Reihe kriegen werde. Ich WEISS es.

Armbändchen, um mich daran zu erinnern. Das habe ich ganz allein gebastelt!

Armbändchen, um mich daran zu erinnern. Das habe ich ganz allein gebastelt!

Am Dienstag habe ich mich zum ersten Mal seit Ewigkeiten bei dem Gedanken ertappt, glücklich zu sein🙂 So starte ich das neue Jahr nicht nur als Teil einer neuen Beziehung😀 sondern auch mit frischer, nie dagewesener Energie! Mit dem Versprechen an mich selbst: I WILL GET SHIT DONE – und dazu gehört hoffentlich auch einiges meiner alten Blogartikel-Karteileichen!

Euch allen ein superschönes neues Jahr!

22 Gedanken zu “Alles neu! (Schon WIEDER.)

  1. Das liest sich ganz wunderbar. Ich hatte selbst lange eine totale Ablehnung Medikamenten gegenüber, bin jetzt aber froh daß ich mich habe überreden lassen. Die kleinen Dinger haben auch mir seither schon ein paar Male das Schlimmste erspart.
    Und das mit den total chillig und alles scheißegal kenne ich auch🙂

  2. Schön! Das freut mich sehr zu lesen. Und ich kann Dir nur sagen: Man gewöhnt sich dran, neue Trampelpfade, GUTE Trampelpfade bauen sich im Hirn auf. Man kann glücklich sein.

  3. Heute möchte ich mich auch mal zu Wort melden.😉
    Ich finde deinen Schreibstil einfach nur “ herrlich „; direkt und etwas “ rotzig „.
    Zum Inhalt möchte ich nur so viel sagen, es freut mich, für dich, das dein Jahr so schön angefangen hat. Wenn man liest, was du in den letzten Monaten alles durchgemacht hast, freut man sich um so mehr, das es dir jetzt so gut geht.
    Ich wünsche dir für 2016, alles Liebe und viel Kraft, damit es so weiter geht, wie es angefangen hat.
    L.G. snake🙂

  4. Yes, der wohl schönste Blogeinträge zum Start ins neue Jahr, den ich bisher gelesen habe. Ich wünsche dir, dass es so positiv bleibt und du ein großartiges Jahr hast (und dass die danach natürlich auch so werden). Lass es dir gut gehen!🙂

  5. das klingt doch sehr wunderbar =)

    ich hab mich letztes jahr glaube ich zum jahreswechsel schon mal zu wort gemeldet, dass ich mir als guten vorsatz für 2015 genommen hatte, endlich einen therapieplatz zu finden. das hat nicht funktioniert.
    dafür war 2015 so scheiße, dass ich tatsächlich zum arzt gegangen bin.
    und nachdem der erste blöd war, mich nicht ernst genommen hat, mir erzählt hat ich möge doch EINFACH mal versuchen jeden tag um 9uhr aufzustehen und 3x die Woche 45min ausdauersport zu machen, mir versucht hat was homöopathisches aufzuschreiben (und auf meine aussage, dass ich das für ausgemachten schwachsinn halte und nicht daran glaube nur lapidar meinte, ich solle es trotzdem nehmen, es würde trotzdem helfen), bin ich sogar irgendwann (im november) an dem punkt gewesen, freiwillig nochmal zu einem anderen arzt zu gehen. und meine freunde wissen, ich kriech normalerweise freiwillig nur auf dem letzten fetzen zahnfleisch zum arzt (selbst gallenkoliken hab ich 2 jahre ausgehalten bevor ich hin bin).

    und der neue arzt hat mich endlich ernst genommen und verstanden und überhaupt, hach! er hat mir citalopram aufgeschrieben und ich war einfach nur noch froh, hatte ich doch die angst im nacken, zu wissen, dass das zeug bis zu 6 wochen braucht bis es wirkt und mein freund, der fast das einzige war das mich noch irgendwie zusammengehalten hat, in 6 wochen (also mittlerweile jetzt) für ein halbes jahr ins ausland geht. und es geht mir wirklich soooo viel besser. genau wie du halte ich immer wieder inne und bin erstaunt, dass ich plötzlich dinge tun kann. sofort. ohne vorher 5h drüber nachzudenken oder sie tage(wochen)lang vor mir herzuschieben. eine offenbarung. und eigentlich doch nur “normalität”. wodurch mir immer wieder sehr bewusst wird, was vorher alles nicht normal war, was mir gar nicht so aufgefallen ist weil es schon so eingefahren war. plötzlich kann ich wieder glücklich sein, und auch in dunkleren zeiten die hoffnung nicht verlieren. und das ist wundervoll.

    so jetzt weiß ich gar nicht so genau warum ich das alles aufgeschrieben hab und es ist wahrscheinlich unverständlicher wortsalat, aber egal. ich gratuliere uns einfach mal beiden zu diesem schritt und wünsche dir ein wundervolles jahr 2016.

    p.s: die therapie ist immernoch in planung, ich hab aber hoffnung, das jetzt mit dem ad auch tatsächlich in angriff nehmen zu können und nicht schon daran zu scheitern, auch nur den telefonhörer in die hand zu nehmen…

  6. Oh, wie sehr ich dir das gönne. Egal, dass wir einander nicht kennen: ich kann diese Lage so sehr nachfühlen. Das Gefühl, wie sich der bleierne Schleier lüftet und das Herz plötzlich wieder Blut durch den Körper pumpt, anstatt Honig (wahlweise: Rübensirup)…

    Aber auch das Gefühl von Sinnlosigkeit und Wut, wenn dir jemand mit Exposition, Rollenspielen und Situationsanalyse kommt, obwohl du buchstäblich gerade am bloßen Dasein verzweifelst.
    Unbestritten, VT ist wirksam und innere Widerstände ein Indiz, dass an einer Stelle was zu tun ist.
    Aber mir scheint, dass sie heute gerne als Allheilmittel angesehen wird um sich den ganzen mühsamen Kram wie Biographie, Lebensumstände, Umgang mit Gefühlen etc. sparen zu können.
    Quasi das Pferd von hinten aufgezäumt … oder so. Bessere Analogien mag jede(r) für sich finden ^^

  7. Hey,

    keine Ahnung, ob Du gerne Ratschläge hättest, was du außer Therapie und Medikamenten noch tun kannst. Falls ja, hier ist ein Tipp, basierend auf meiner eigenen Erfahrung:

    http://www.dhammanet.org/archive/Metta_Retreat_Germany_2013
    Metta-Meditation ist ein Weg, den Geist langsam aber sicher zu einem heilsameren Zustand zu führen. Die obige Vortragsreihe ist ein guter Startpunkt, aber lange nicht die einzige Art, diese Qualitäten (Wohlwollen, Freude und Mitgefühl für sich selbst und andere) einzuüben.

    Ich sage voraus, dass Psychologen in 20-30 Jahren spätestens merken werden, dass hier eine hervorragende Idee bereits seit ein paar tausend Jahren aufbewahrt wird.

    Was auch immer Du tust, ich wünsche dir alles Gute bei dem Projekt, aus den Schwierigkeiten herauszukommen.

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