Aufreger: Kartoffeliges Handball

Handball, ne? Handball geht mir ja eigentlich vollkommen am Arsch vorbei. Zwar habe ich das EM-Finale gesehen, aber auch nur, weil ich arbeiten musste und es in der Kneipe lief. Ach ja, und einmal, als ich mir vornahm, jeden Tag Sport zu treiben, habe ich mir die Termine für das Uni-Frauenhandball rausgesucht, bin dann aber doch nicht hingegangen, weil das wenige Wochen vor einer Wandertour war und ich Angst hatte, mir die Bänder abzureißen, weil Handball so ein verletzungsintensiver Sport ist.

Das war’s auch schon mit persönlichen Berührungspunkten. Trotzdem stolperte ich über diesen Artikel und tat ihn mir in Gänze an:

Wolfram Eilenberger: Eine Alternative für Deutschland

tl;dr: Der machohafte Brutalosport Handball bietet der deutschen Volksseele genau das, wonach sie gelüstet, nämlich machohafte Brutalität, womit Handball plötzlich die deutscheste aller Sportarten ist, viel besser als der „feminisierte“ Fußball.  Wen wundert es da, dass die gesamte Mannschaft aus echten doitschen Jungs besteht? Es weiß doch jeder und das hier ist nur der allerneuste Beweis, dass Deutschland eine rassistische Republik voller dämlicher Kartoffelköppe ist.

Eine journalistische Glanzleistung. NICHT.

Der Autor flachst auf Twitter, hiermit eine „kleine Probebohrung in die aktuale [sic] Volksbefindlichkeit“ vorzunehmen. Mit anderen Worten: ZEIT ONLINE räumt extra Platz frei für einen Pseudophilosophen, der zugibt, einfach nur provozieren zu wollen.

Wobei, das wäre immerhin noch besser als die Alternative: Dass er diesen unfassbar süffisanten Müll tatsächlich ernst meint!

Ich las vor ein paar Tagen auf Twitter die Formulierung „Besorgte Bürger von links“. BBVL sind radikale Vollidioten, die Donotlink verwenden, Bomben feiern, solange sie auf Deutsche fallen,  jeden haten und blocken, der nicht ihrer Meinung ist, jeden haten und blocken, der findet, dass haten und blocken eine etwas überzogene, um nicht zu sagen leicht faschoartige Reaktion auf eine simple Meinungsverschiedenenheit ist und jeden für einen potentiellen Nazi halten, der sich ein Länderspiel ansieht und es wagt, dabei zu jubeln. Oder mit anderen Worten:

 

Besorgte Bürger von rechts finde ich unglaublich scheiße. Besorgte Bürger von links allerdings auch.

Haben wir in Zeiten von PEGIDA, der AfD und Terroranschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte nicht vielleicht ein bisschen was anderes zu tun, als in jeder Handlung eines Deutschen oder einer Gruppe von Deutschen irgendwelche Nazihintergründe hineinzuphantasieren und dabei dann auch noch gleich einen Rundumschlag gegen ganz Deutschland zu machen? Und wundert sich noch irgendeiner, dass viele Leute zwar keine AfD wählen, mit linken Parteien aber auch nichts mehr anfangen können?!

Ich bin selber links und SEHR besorgt – darüber, dass so eine unfassbar unverhältnismäßige Scheiße mal wieder geeignet ist, die linke und antifaschistische Bewegung zu diskreditieren als ein Auffangbecken für dauerbeleidigte, elitäre, nie zufrieden zu stellende, ständig neue Diskriminierungsformen erfindende, dabei aber im Austeilen ganz große pseudophilosophische Hipster-Nervbacken, die noch dazu Wolfram heißen!!!

Ich musste im Übrigen lediglich die Seite der deutschen Handball-Bundesliga aufrufen, Wikipedia anschmeißen und ein bisschen zählen, um zu erfahren, dass bei den momentan fünf führenden Mannschaften (Rhein-Neckar Löwen, THW Kiel, SG Flensburg, MT Melsungen, Füchse Berlin) von 96 Spielern 56 keinen deutschen Pass haben.

handball

Das sieht bei Flensburg zum Beispiel so aus.

Zum Vergleich: In der Fußball-Bundesliga sind bei Bayern München, Borussia Dortmund, Hertha BSC Berlin, Schalke und Bayern Leverkusen derzeit von 135 Spielern 66 keine Deutschen (plus zwei mit doppelter Staatsbürgerschaft). Ups… da ist die Quote bei den Handballern ja sogar besser?! Kann der Herr Autor bei diesem Ergebnis noch Fußballfan (Bayern München übrigens. BAYERN MÜNCHEN.) bleiben?

Das war so einfach, das kann man nicht mal Recherche nennen! Und trotzdem wohl zu schwer für den Wolfram – das Feindbild könnte ja Risse bekommen!!!

Wobei natürlich zu erwähnen ist, dass die meisten dieser nichtkartoffeligen Spieler beim Handball aus Skandinavien kommen, was dann ja wieder ins „nordisch-arisierte Bild“ passt. Man muss bei dem Wolfram vom „Philosophie Magazin“ nicht mal deutsch sein, um durchzufallen – es reicht schon, wenn man nur wie einer aussieht!

Vielleicht – nur MÖGLICHERWEISE – gibt es keine Spieler mit Migrationshintergrund in der deutschen Nationalmannschaft, weil diese Mannschaft trotz EM-Sieg keine Ausnahmestellung genießt, wie das beim Fußball der Fall ist, und darum schlicht keiner Bock hat, seine Nationalität aufzugeben, nur um bei einem zweitklassigen Team, das einmal Glück gehabt hatte, mitspielen zu können – und das auch noch in einer vergleichsweise wenig lukrativen Randsportart wie Handball?!

Aber natürlich ist es viel einfacher, alle Spieler für Nazis zu halten, für die das Spielen in ihren Vereinen dann wahrhaft unerträglich sein muss.

Der Wolfram: Mein heutiger Beweis für das immer öfter zu beobachtende Phänomen, dass manche Leute so dermaßen links sind, dass sie rechts wieder rauskommen!

Edit: Noch ne Graphik ergänzt, die ich gestern glatt vergessen hatte.

 

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10 Gedanken zu “Aufreger: Kartoffeliges Handball

  1. Wolfram Eilenberger ist nicht links. Der ist einfach ein Idiot der sich so dermaßen an seinen Thesen berauscht das er nicht eine Sekunde dran verschwendet darüber nachzudenken was er da eigentlich grade vertritt.

    Der hat sich schon über Pep aufgeregt, weil der ja angeblich den Fußball feminisiert.
    Der Typ ist im Prinzip sowas wie ein besoffenener Fußballfan, nur das er seine beknackten Ansichten ab und zu in sprachlich geschliffenerer Variante in die Zeit(ung) erbrechen darf.

    • Und offensichtlich am meisten besorgt darüber, dass der unerwartete Erfolg im Handball seinem geliebten Fußball was wegnehmen könnte. Dahingehend ähnelt er Gegnern der Homoehe ^^

      • Dieser Vollspack war doch schon besorgt um sein geliebtes Männerfußball, weil es jetzt Frauenfußball gibt….

  2. Danke für diesen Beitrag, du triffst den Nagel auf den Kopf. Ich bin auch von Hause aus links und seit ich volljährig bin in der SPD. Aber an meiner Uni laufen dermaßene Hardcore-Linke rum, dass ich vor Schreck ganz liberal geworden bin und nur noch sage: Soll doch jeder nach seiner Facon selig werden. Man glaubt ja gar nicht, wie sehr man mit der Haltung bei manchen Leuten anecken kann.

  3. Ach, ich finde, es hätte alles viel schlimmer kommen können, denn

    1. scheint es in letzter Zeit bei fast allen Diskussionen nur noch darum zu gehen, die Gegenseite bestmöglich zu provozieren und zu reizen, was der Hr.Eilenberger sich dann eben doch noch (vergleichsweise) verkniffen hat; besonders, wenn man berücksichtigt, daß

    2. Handball eine ’nordisch-arische‘ (= dänische) Erfindung ist, die – und jetzt wird’s lustig – mitten im 1. Weltkrieg (!) von einem deutschen (!!) Oberturnwart (Hier mußte ich ernsthaft ein wenig lachen) weiterentwickelt wurde.
    Allerdings ursprünglich als ein Spiel explizit für Frauen und Mädchen. Damit die sich auch mal austoben können, was ich für die damalige Zeit eigentlich schon direkt wieder progressiv finde.
    Doch wir schweifen ab. Zurück zu
    2. Nach dem 1. Weltkrieg wurde es dank gewisser Regeländerungen körperbetonter und damit für Männer interessanter. Urheber der Regeländerungen war, man ahnt es schon, erneut ein Deutscher.
    1923 trennten sich dann u.a. die Handballer von den Turnern, weil sie, im Gegensatz zu letzteren, keinen Bock auf (deutschnationale) Politik hatten, sondern einfach nur in Ruhe ihren Sport treiben wollten. Doch wir schweifen erneut ab, denn, wieder zurück zu
    2. die Olympiade 1936 (ja, genau die) war die erste und einzige, bei der Feldhandball olympisch war. Angeregt hatte das, man glaubt es kaum, Hitler persönlich. Nein, wirklich! Und die Weltmeisterschaften wurden bis auf 4 Ausnahmen (die erste 1997) *immer* in Europa ausgetragen, die ersten 3 Plätze teilten sich mit Ausnahme der letzten WM, bei der das gastgebende Qatar 2. wurde, *immer* europäische Mannschaften.
    Hr. Eilenberger hat also beste Vorraussetzungen gehabt, noch mehr auf der deutschnational-weißbroteuropäischen Schiene rumzureiten. Vielleicht hatte er ja noch ein Einsehen. Vermutlich hat er aber einfach einen Elfer vergeigt. (Wow, der mußte jetzt raus!)

    PS: Ich habe übrigens exakt 0 Ahnung von Handball, ich habe meine Infos von hier:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Handball#Geschichte

    und hier:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Handball-Weltmeisterschaft

    Vermutlich mag Hr.Eilenberger ja aus grundsätzlicher Erwägung Wikipedia nicht?

  4. Ich weiß, ich bin hier persona non grata, aber so langsam werd ich noch zum (stillen) Fan.

    Ein Rant über diesen unsäglichen Typen war schon lange mal fällig. Etwas kartoffeligeres als den „Wolfram“ kann ich mir kaum vorstellen.

  5. Ich schreib hier mal was aus der Sicht eines Handballers, da sich hier viele als nicht Handballer positionieren.

    Handball ist nun nach langer Zeit wieder mein Lieblingssport. Ich habe mit fünf Jahren damit begonnen Handball zu spielen und dann mit 16 wieder durch eine Schulterverletzung damit aufgehört. Ganz losgelassen hat mich der Sport, aber nie zu viel Spaß macht es doch zu sehen mit wie viel Finesse manche Spieler auf dem Spielfeld agieren. Hier ein nettes Video, was hoffentlich zeigt was ich meine: https://www.youtube.com/watch?v=hwT9MiyvOq0 (Vorsicht: Bedient nicht das gewünschte „arische Feindbild“…). Lange Zeit habe ich dann nicht mehr gespielt bis ich dann letzten Jahres wieder damit anfing, da mich die Lust wieder gepackt hat.

    Der Grund warum die deutsche Nationalmannschaft nur aus „echten doitschen Jungs“ besteht lässt sich schön an dem Verein beobachten in dem ich groß wurde. Jahrelang gab es dort nur die „kartoffeldeutschen“ und man musste lange suchen wenn es darum ging jemanden zu finden der etwas stärker pigmentiert war als der Durchschnitt-Deutsche. Doch in den letzten zwei bis drei Jahren treffe ich immer mehr Spieler anderer Nationalitäten. Unter anderem sind dabei Leute aus Syrien, Marokko, Algerien und vor allem Kroatien, sowie Spanien vertreten. Bis man diese Veränderung halt mal im Nationalteam sieht kann halt einige Zeit dauern. Ich will ja gar nicht wissen wie lange das beim Lieblingssport des Zeitautors dauerte.

    Aber ja, in der momentan politisch sehr angespannten Lage die in Deutschland herrscht, ist es natürlich leicht mit solchen Artikeln und auch Überschriften Klicks zu ködern. Denn dieser Artikel ist nichts anderes als klassische „Clickbait“. Es ist traurig zu sehen, dass die Zeit sich auf dieses Niveau begeben muss. Noch trauriger ist es, dass sie damit der AfD die Wähler in die offenen Arme treibt, denn natürlich werden dann einige Handball Fans anfange Lügenpresse zu brüllen nur um dann in der AfD die schon seit geraumer Zeit dasselbe tut einen verbündeten zu finden.

    Bravo meine Liebe Zeit, ihr habt es geschafft die Leute die vielleicht noch nicht von der AfD überzeugt waren dazuzubringen nun vielleicht doch ihr Kreuzchen an der AfD zu verschwenden.

    Mein Fazit zu diesem Artikel: Einfach nur böswillig und dumm.

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