Männertränen to the Max und (fehlende) Vorbilder

Gestern hat „Mad Max: Fury Road“ bei den Oscars richtig abgesahnt. Der Freund war indes leicht verstimmt, weil ich den Streifen auf Twitter als „den bescheuertsten Film aller Zeiten“ bezeichnet habe.
Aber das ist er nun mal. Er ist bekloppt, total krank, maßlos übertrieben, irrsinnig, abgedreht, sprich: einfach bescheuert to the Max und das macht so verdammt viel Spaß, wie ein Film nur Spaß machen kann. Ob das oscarwürdig ist? Keine Ahnung. Beziehungsweise, naja, offensichtlich schon. Aber egal – für mich ist nur wichtig, dass ich den Film sicher nicht zum letzten Mal gesehen habe.

Tittenlastig

Die Oscarverleihung erinnerte mich jedoch gleichzeitig wieder an einen Text, über den ich vor Monaten gestolpert bin und der aus dem Reigen der übeschwänglichen Kritiken ausbricht. Wobei, eine Kritik kann man das wirklich nicht nennen… der Autor hat nämlich nur 10 Minuten durchgehalten, nimmt das jedoch zum Anlass, „dem neuen Filmstandard“ einen Rundschlag zu verpassen.

Neue Filme haben nämlich für ihn genau eine Schwachstelle. Etwas, was man der Welt eigentlich wirklich nicht zumuten kann. Neue Filme haben nämlich – so die weinerliche Heultriade – einfach VIEL ZU VIELE STARKE FRAUEN!!!

Ich weiß, was ihr jetzt denkt: E-kel-haft. Frauen als Hauptakteure? Frauen als leading roles? Mehr Frauen als Männer auf der Leinwand? Widerlich – da fault einem ja schon beim Gedanken daran der Schwanz ab!

Jedenfalls das kümmerliche Exemplar, den man sein Eigen nennen muss, wenn man so eine unfassbare Scheiße verzapft.

Oh, tears so manly

Okay, das habe ich jetzt nur geschrieben, damit die antifeministische Meute wieder was zu geifern hat. Überhaupt ist so ziemlich der einzige Punkt, den selbst seriöse Männerrechtler, die mich leiden können und beim bösen Wort „Feminismus“ nicht direkt Schnappatmung kriegen,  an mir kritisieren, meine konsequente Verwendung des Begriffes „male tears“. Aber wie soll man ein solches Mimimi anders nennen? Der Autor ist gar nicht persönlich betroffen, niemand zwingt ihn, sich diese Filme anzusehen. Und dennoch fühlt er sich IRGENDWIE benachteiligt, nur weil sich EINIGE Filmemacher an die offensichtliche Tatsache erinnert haben, dass die Hälfte der Menschheit aus Frauen besteht und man das deshalb auch in Filmen so zeigen kann.

Nun halte ich den Bechdel-Test, der zeigen soll, wie es um weibliche Repräsentation in Filmen bestellt ist, für ein absolut lächerliches Konstrukt. Mir sind zwei Frauen, die inhaltsschwer über den männlichen Hauptprotagonisten reden wesentlich lieber, als zwei Frauen, die sich über Lipgloss und Nagellack unterhalten (letzeres würde den Test bestehen, ersteres nicht). Und ein interessanter männlicher Charakter spricht mich bedeutend mehr an als ein weiblicher Charakter, den man nur eingeführt hat weil „weibliche Repräsentation und so“. Aber man müsste wirklich schon blind und dämlich sein, um nicht trotzdem zu merken, dass die meisten (Haupt)Rollen in Film und Fernsehen immer noch mit Männern besetzt werden.

Sich nun darüber zu echauffieren, dass es tatsächlich auch Ausnahmen gibt – wie soll man das anders nennen als „peinliche Jammerei“ auf einem Niveau, wie man es halt nur in der Manosphere findet, weshalb der Begriff „male tears“ nun mal zutreffender kaum sein kann?

Der Mittelpunkt des Universums

Wobei, natürlich trifft das nicht nur Filme und Serien. In die selbe Kerbe schlägt ein viel älterer Artikel, in dem sich ein männlicher Abiturient unter anderem darüber ereifert, in seiner Deutschprüfung „Frauenthemen“ behandeln zu müssen. Er musste nämlich wählen aus drei Themen: Eine Gedichtinterpretation zur „Loreley“ und „eine Textinterpretation über zwei Damen die an Liebeskummer leiden“. Das dritte Thema wird nicht erwähnt – vermutlich war das ein „Männerthema“.

Meine Fresse, ey. Wisst ihr, was meine Themen in der Oberstufe waren? Nathan der Weise, Minna von Barnhelm, Faust, Die Räuber, moderne Liebeslyrik und Die Blechtrommel. Also haargenau ein Werk, in dem tatsächlich eine Frau eine größere Rolle spielt – wobei es in „Minna von Barnhelm“ eigentlich ausschließlich um männliche Befindlichkeiten geht. Und da regt sich dieses angebliche Bübchen darüber auf, die „Loreley“ interpretieren zu müssen? Ist ja nur eines der bedeutendsten Gedichte der deutschen Romantik (das man übrigens auch antifeministisch deuten könnte, wenn man wollte). Und warum sich mit dem Liebeskummer zweier Frauen auseinander setzen, wenn man sich doch viel besser mit Oskar Matzeraths oder Karl von Moors Eskapaden befassen kann (zum Beispiel dem Vergewaltigen von Nonnen – was für ein tragischer Held)?

Dass dabei die MÄDCHEN in der Klasse auf der Strecke bleiben… hach, das juckt die Herren der Schöpfung natürlich nicht. Sie wollen, nein, MÜSSEN der Mittelpunkt des Universums sein – weniger ist inakzeptabel. Deshalb geht eine Deutschprüfung mit zwei Dritteln angeblicher „Frauenthemen“ gar nicht, obwohl die „männerfreundliche“ Alternative hieße,  zwei Drittel „Männerthemen“ zu behandeln. Oder drei Drittel. Was dann natürlich wieder überhaupt kein Problem wäre.

Ich halte diesen Brief eines Abiturienten ja für einen äußerst peinlichen Fake. Ernsthaft, allein dieser Satz: „Entschuldigt meine saloppe Ausdrucksweise aber ich hab genug von diesem erbärmlichen Quatsch mit Soße“? Also BITTE. Die Achtziger haben angerufen: Sie wollen ihre knorken Beleidigungen zurück! Zumal hier, wenn ich mich nicht ganz stark irre, bei Veröffentlichung noch „Quatsch mit Sosse“ stand, ein Fehler, der einem älteren Autor, der die Schule schon vor längerer Zeit abgeschlossen und daher von der letzten Rechtschreibreform nicht viel mehr mitgekriegt hat, als dass das ß irgendwie abgeschafft worden ist, in Nachahmung eines, äh… „jugendlichen“ Schreibstils (rofl) leicht unterlaufen kann, einem aktuellen Schüler allerdings eher weniger.

Abgesehen davon ist aber auch das einfach wieder Jammerei auf Höchstniveau – entweder von einem Mann oder einem Jungen, der dabei vergisst, dass er Dinge beweint, die für Frauen (und Mädchen) so alltäglich sind, dass sie den meisten nicht mal auffallen. Ich wäre als Schülerin nicht mal auf die IDEE gekommen, mich über die Überrepräsentanz männlicher Protagonisten in unserer Literaturauswahl zu beschweren, weil es so NORMAL war!

Die wenigen Vorbilder

Zurück zu den Medien und gleich mal zur Frage, warum ich das Thema JETZT auspacke, obwohl über Mad Max tatsächlich schon viel gesagt worden ist (auch zu diesem Thema). Ganz einfach: Erstens habe ich den Film erst kürzlich sehen können (und bin seitdem sehr betrübt darüber, um das Kinoerlebnis gebracht worden zu sein). Und zweitens hängt das stark mit einem weiteren Thema zusammen, über das ich zufällig ebenfalls gestern wieder nachdachte.

Eigentlich wollte ich nach der Serie „Versailles“ suchen (grauenhaft übrigens, genau das, was rauskommt, wenn man HBOs „Blut und Titten“-Erfolgsrezept kopiert, aber dabei interessante Charaktere, intelligenten Spannungsaufbau und tolle Story weglässt. Der Freund und ich schalteten nach einer halben Folge weg), stolperte dabei aber über eine Kindheitserinnerung: Lady Oscar.

Lady Oscar ist ein schon etwas älterer Anime, der in der Zeit der französischen Revolution spielt. Die titelgebende Hauptprotagonistin ist dabei die sechste Tochter eines hochrangigen Generals, der, da er sich einen Sohn gewünscht hat, Oscar einen Männernamen gibt und sie wie einen Jungen erzieht.

So wenig ich Animes auch mag und so albern Textzeilen wie „wie ein Mann kann sie fighten, sie kann fechten und reiten“ heute auch sind – als Kind habe ich diese Serie sehr gemocht. Sie bediente nämlich eine Sehnsucht, die ich jahrelang nicht benennen konnte.

In einem anderen Artikel schrieb ich mal:

Rollenklischees haben mir meine Kindheit zur Hölle gemacht. Mir ist täglich unter die Nase gerieben worden, wie schrecklich ich sei, nur weil ich nicht den Erwartungen eines “typischen Mädchens” entsprochen habe. Ich durfte nicht toben und Fußball spielen, bekam nie die Spielsachen, die ich gerne wollte und wurde in Klamotten gezwängt, die ich hasste. Außerdem wurde ich früh darauf vorbereitet, was mich in meinem späteren Leben unweigerlich erwarten wird: Hausfrau sein, Männer bedienen, lächeln, brav sein, die Fresse halten. Mein Umfeld hat mir eine so passive Art Weiblichkeit vermittelt, dass ich einen regelrechten Hass darauf entwickelte. Das machte die Anfänge meiner Pubertät extrem problematisch (“oh mein Gott, ich werde tatsächlich zur Frau – wie scheiße!”) und zog sich durch bis ins frühe Erwachsenenalter.

Als solches „untypisches Mädchen“ fühlte ich mich immer fehl am Platze, falsch, regelrecht wie ein Alien – und deshalb saugte ich sämtliche Beweise für die Existenz ANDERER Frauen, die so waren wie ich oder wie ich gerne sein wollte, gierig auf, ohne das überhaupt selbst zu merken. Natürlich gibt es in den Medien massenweise Frauen – aber welche Rollen nehmen die ein? Köchin, gute Mutter, schmuckes Beiwerk oder dumme Tussi, die ständig gerettet werden muss, wenn sie nicht gerade darüber jammert, dass ihr ein Fingernagel abgebrochen ist.
Tomboys dagegen, die man seltsamerweise in vielen Serien als Nebencharaktere findet, waren meine Heldinnen. Burschikose Mädels, die über den Schönheitswahn ihrer Schwestern die Augen rollten, kreativ waren, stur, belesen, nerdig. Das sprach mich an.
Und dann natürlich die echten, unrealistischen Heldinnen. Lady Oscar wurde ja schon genannt. Dann Wonder Woman – natürlich. Obwohl die eigentlich als Charakter sehr wenig Tiefe besitzt, jedenfalls weitaus langweiliger ist als Batman. Aber damals war mir das egal, Hauptsache ENDLICH mal eine Frau, die was interessantes macht, kämpft und stark ist, statt ein Mann. Immer und immer nur ein Mann.

Ich könnte noch Dutzende Beispiele nennen. Aber die Essenz ist: Was ich als Kind und Jugendliche suchte und sehr selten fand, waren weibliche Vorbilder. Und dabei gab ich mich schon mit sooo wenig zufrieden. Mit welcher Berechtigung können sich nun erwachsene Kerle darüber auslassen, dass es nun tatsächlich mal im filmischen Kontext EIN PAAR solcher Frauenfiguren gibt, die man tough und cool statt nervig und hilflos finden kann – wenn es denn überhaupt weibliche Charaktere gibt?

Ich bin es als Frau gewöhnt, mich auch relativ problemlos mit männlichen Charakteren identifizieren zu können, weil ich einfach sehr lange nie eine andere Wahl hatte. Wenn nun Männer sich zuhauf beschweren, weil in „Mad Max“ ausnahmsweise mal mehr Frauen zu Wort kommen als Männer, zeugt das nicht nur von einer intellektuellen Behäbigkeit, sondern nun mal auch von hochgradig peinlichen Rollenklischees. Und das, obwohl auch Antifeministen den Wert starker Vorbilder bewusst ist – verlinkt doch MANNdat gleich neben ihrem Abitur-Heulpost eine Jungenleseliste.

Solange die Mehrzahl der Hollywood-Blockbuster und Serien immer noch männlich dominiert sind, solange ist das Jaulen nach mehr männlicher Repräsentation nichts weiter als Ausdruck einer nach außen hin arroganten, aber innerlich hoch verunsicherten Männlichkeit, die vermutlich erst dann zufrieden gestellt ist, wenn alle Heldenrollen wieder 100% weiberfrei sind.

Da fragt man sich, wie es sich mit dem eigenen Bild von Männlichkeit verträgt, sich buchstäblich wie die Prinzessin auf der Erbse aufzuführen?

So, und jetzt warte ich auf den einen Kommentar von zehn, der nicht nur aus „Aber-aber-aber Feministinnen jammern doch auch!!!einself“ besteht. Den werde ich dann freischalten, alle anderen nicht. Warum? Weil ich Lust drauf habe. Heult doch.

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29 Gedanken zu “Männertränen to the Max und (fehlende) Vorbilder

  1. Ich weiß nicht, was an starken Frauen im Film auszusetzen wäre. Letztlich sind sie meistens nicht unsexy, sodass wir Männer uns rein biologisch-gesteuert nicht ausgestoßen fühlen müssen – und warum sollte man sich nicht auch mit Miss Marple, Mary Poppins oder Thelma & Louise identifizieren können, als abstraktionsfähiger Mann?

  2. Hachja, ich amüsier mich ja über jeden dieser Artikel. Also, weniger über den Artikel, mehr über die Notwendigkeit. Die Unterdrückung der Männer, White Genocide und all die anderen Primärgruppen, die weinerliche Angst haben, sie könnten auch nur ein Stück weit ihrer Vorteile verlieren… ich kann das einfach nicht ernst nehmen. :)))
    Aber ich bin ja froh, dass dein verkorkstes Umfeld es nicht geschafft hat, dich in „Hausfrau sein, Männer bedienen, lächeln, brav sein, die Fresse halten“ zu verwandeln. Was für ne Verschwendung wärs gewesen 😀

  3. Mad Max Fury Road war mein Film 2016 – einfach nur Spaß, auch wenn man niemandem beim Weiterempfehlen so wirklich sagen konnte, worum es geht, ohne den halben Plot zu spoilern xD Es grämt mich einzig, dass nach Fettlogik mein Furiosa T-Shirt zu groß wird ;P
    Wer den Film nicht mag, weil ‚zu viele‘ Frauen vorkommen, dem ist nicht zu helfen. Es ist einfach ein verdammt guter Actionfilm.
    Lady Oscar habe ich damals nur gelesen, mein Lieblingsanime war Heidi. Die schwingt zwar keine Säbel, aber ist immerhin auch nicht das grazile Blümchen ist, das ihre Tante will.

  4. Mad Max schrammt mehrmals sehr knapp an der Grenze zur Lächerlichkeit vorbei (Feuergitarre ^^), aber verdammt nochmal, ist das ein Fest für die Sinne! Ich war noch nichtmal böse, dass Star Wars unterlegen war. 🙂
    Ich hab auch nach der „Kontroverse“ wer weiß was erwartet gehabt, BH-verbrennende Amazonen, die irre kichernd links und rechts Männer killen oder sowas. Dem war ja dann eher nicht so. 😀

    Ich denke das hat ganz viel mit Franchise zu tun. Wenn irgendein dahergelaufenes Filmchen ne Frau engagiert, fein. Aber das hier ist Mad MAX! Das kann nicht sein, das DARF nicht sein. Bei Star Wars war das ja mit Rey fast genauso, da gab es auch den einen oder anderen, der den Film merklich nicht gesehen hatte und rein aus dem Trailer heraus versicherte, dass Rey ja voll die Mary Sue sei. Arschlochfanboys sind halt überall 🙂

  5. Nun, Lady OScar ist auch eine ziemlich starke Figur, mit der man mitfiebert, mitleidet, und in die sich, so denke ich, jeder hineinversetzen kann, der den IQ eines Holzscheites überschreitet. Ich fand und finde den Anima nach wie vor sehr sehenswert, und er zeigt auch, wie differenziert Frauenrollen auch in Anime betrachtet werden können. Ein anderes Beispiel wäre Ein Super Trio, wo man es gleich mit vier starken Frauenfiguren und dafür zwei leicht trotteligen Männern zu tun bekommt.
    Vermutlich müsste man da mal näher hinschauen, und mein Wissen um heutiges Kinderfernsehen, sofern es das in dem Sinn noch gibt, ist quasi nichtexistent, aber ich habe den Eindruck, dass früher (sorry) doch deutlich mehr möglich war. Sicher, aus PC-Sicht ist nicht alles koscher, aber da ich darauf eh nichts gebe,soll mir das auch recht sein.

  6. Der Danisch ist halt ein Idiot, aber manchmal eben ein unterhaltsamer Idiot. Da gucke ich manchmal aus langeweile rein, genauso wie ich einmal im Jahr ca. 3 min Djungelcamp aushalte. Dmmehit und übersteigerte Egos können in homöopathischen Dosen echt Unterhaltsam sein.

    Beim anderen bin ich nicht ganz deiner Meinung. Es ist Fakt das Jungs sich in Deutsch schwer tun, insbesondere bei Dingen wie Gedichtsinterpretation, da fände ichs nett wenn man ihnen entgegen kommt, anstatt ihnen nochmal extra auf die Eier zu gehen. Mädels sind im schnitt hinterher eh deutlich besser, egal was das Thema war.

    (Nebenbei war Gedichtsinterpretation das sinnfreiste ist was ich meinem Leben je gemacht habe. Da haben mich sogar die Erkenntnisse aus dem katholischen Religionsunterricht weiter gebracht.)

    Mein Lieblingsbeispiel für den Bechdel-test ist ja Sucker Punch. Mehr starke Fraunrollen geht garnicht *g*

  7. „Und das, obwohl auch Antifeministen den Wert starker Vorbilder bewusst ist – verlinkt doch MANNdat gleich neben ihrem Abitur-Heulpost eine Jungenleseliste.“

    MANNdat versteht sich als männerrechtlich und NICHT als antifeministisch.

    „MANNdat ist zwangsläufig feminismuskritisch, wo es um ungerechtfertigte Privilegien für Frauen geht. Wir sind aber keine Gegenbewegung zum Feminismus. Wir wollen für Männer das erreichen, was die Politik bislang verweigert: Eine Geschlechterpolitik, die zu einer nachhaltigen Geschlechterdemokratie führt, die jungen- und männerspezifische Interessen und Probleme genauso berücksichtigt wie mädchen- und frauenspezifische.“

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10683

    Das Eintreten von MANNdat gegen die Bildungsbenachteiligung von Jungen halte ich außerdem für völlig berechtigt, siehe für eine Zusammenfassung des Forschungsstandes hierzu: Arne Hoffmann – Plädoyer für eine linke Männerpolitik, S. 119 – 132.

    Und bezüglich der Leselisten sei übrigens erwähnt, dass am 23. August 2011 ein Jungen-lesen-Newsletter von MANNdat erschien,

    http://manndat.de/jungen/jungen-lesen-newsletter/jungen-lesen-newsletter-august-2011-von-manndat-erschienen.html

    bei dem unter den empfohlenen Büchern auch eines war, dass sich speziell an homosexuelle männliche Jugendliche richtet, nämlich ein Jugendbuch, in dem es darum geht, wie ein Jugendlicher seine Homosexualität entdeckt und seine ersten sexuellen Erfahrungen macht, also quasi ein Jugendroman zur Hilfe bzgl. Selbstfindung für schwule Jugendliche.

    http://www.bol.de/shop/home/suche/;jsessionid=BF4CC180C5A8B6126B412D94A01A3470.tc1p?sq=tilman+schneider+ich+sitze+vorn&sswg=ANY&timestamp=1456780530119

    Als Begründung für die Auswahl dieses Buch schreiben MANNdat:

    „Begründung für unsere Auswahl: Der Umgang für Jungen mit Homosexualität in der Pubertät ist ein Thema, das nur wenig in der Literatur aufgegriffen wird. Hier ein gutes Buch darüber.“

  8. Ich finde deine Aussagen absolut nachvollziehbar. Abgesehen von Mad Max, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Was die Leute da nun zwischen den Beinen tragen, ist mir ja nun relativ egal, mein Kritikpunkt ist eher: Ich fand die Story nicht nur unglaubwürdig – das sind ja viele Filme – sondern auch inkonsistent. Also, soweit man da überhaupt von Story sprechen kann. Und die ist mir bei jedem Film das wichtigste. Naja, ich hab ihn über dem Atlantik gesehen, da hatte ich ohnehin nix besseres zu tun…

    Bei uns waren die Abi-Themen im Deutsch-LK relativ ausgeglichen, soweit ich mich erinnern kann. Einerseits haben wir Christa Wolfs „Medea“ gelesen, wobei der Lehrer seinnvollerweise darauf insistiert hat, auch die historische Vorlage von Euripides zu lesen, andererseits Georg Büchners Woyzeck. Das dritte war irgendwas mit Naturlyrik, also geschlechtsneutral. Das einzige Problem daran war, dass unser Lehrer keinen blanken Schimmer von allem außer Goethe und Schiller hatte. Deswegen musste dann unbedingt noch Maria Stuart in den Plan gequetscht werden; auch irgendwie ein Frauenthema. Das hat jetzt niemanden gestört – warum auch – sondern eher die Tatsache, dass dadurch weniger Zeit für die abiturrelevanten Themen blieb.

  9. Die Kritik an dem neuen Terminator kann ich verstehen wobei ich nicht nachvollziehen kann warum er sich auf Sarah Connor beschränkt. Die Charaktere sind insgesamt eher unintressant im Vergleich zu den ersten Beiden und es gibt kaum eine Entwicklung bei ihnen. Hinzu kommt das Skynet genauso eine Entäuschung ist wie Ultron. Scheinbar können nur noch Videospiele vernüftig bedrohliche KIs einbringen.

    Mad Max war unterhaltsam, aber irgendwie konnte er mich nicht fesseln. Aber wirklich kritisieren kann ich da nichts. Einer der wenigen anständig gemachten Actionfilme die es irgendwie viel zu selten gibt.

    Tribute von Panem finde ich genauso überbewertet wie Harry Potter. Was aber viel mehr an mir nagt ist die Frage (auch wenn sie vielleicht weit hergeholt ist) ob die wegen dieser Reihe aus Mystique in den X-Men Filmen nachträglich eine Heldin gmachen wollen. Gute Bösewichte insbesondere weibliche scheint es noch seltener zu geben als weibliche Helden und ich fand die klassische Mystique auf ihre bedrohliche Art cooler.

    Was Star Wars angeht gut gemacht, aber trotzdem einiges was mich stört. Rey ist eine Mary Sue und die Macht hat fleißig Überstunden gemacht bei den ganzen „gewollten“ Zufallsereignissen. BB8 ist zu dem für die Handlung völlig überflüssig. Alles Dinge welche die Nachfolger korrigieren könnten. Ich hoffe wirklich die bekommen es hin und es endet nicht so wie bei der neuen Star Trek Reihe.

    Ansonsten noch zum Thema weibliche Helden: Finde Ellen Ripley besser als die meisten Actionfilmhelden (egal ob nun männlich oder weiblich) der letzten Jahre.

    • *BB8 ist zu dem für die Handlung völlig überflüssig.*

      Das ist so, als würde jemand sagen, dass Bücher und DVDs soviel Platz in der Wohnung wegnehmen, die man auch sinnvoller, eventuell durch Wäscheschränke, nutzen könnte.

      • Wenn du das „für die Handlung“ ignorieren möchtest und sowohl Bücher als auch DVDs nur zur Dekoration verwendest, dann gebe ich dir absolut recht.

        Dabei hätte man das leicht ändern können in den man Rey weniger zur Mary Sue macht und ihn statt sie Türen steuern oder technische Supportarbeit leisten lässt.

      • Ich hab so eine Ahnung dass dann gemeckert worden wäre, dass BB8 ein billiger Abklatsch von R2 sei. 😀

        Zudem, mir reicht völlig, dass er Poe Dameron zu einem unfassbar netten Kerl macht, wenn dieser BB8 überschäumend mit „BB8, mein Freund!“ begrüßt. Droiden im SW Universum und der Umgang mit ebendiesen waren schon immer eine Art Lackmustest für die Persönlichkeit der Charaktere.
        „Wir bedienen keine Droiden“ und so.

      • Wenn man darüber meckern möchte liefert das wohl eher noch einen zusätzlichen Grund. Damit wäre er ja eine Kopie der Vorzüge vom Original fehlen. 😉

        Dabei könnte man nebenbei auch die Unterschiede hervorheben. BB8 ist offensichtlich kleiner und wendiger, hat dafür aber vielleicht nicht so viele Funktionen wie R2D2. Damit kann er durch schmalere und kleinere Gänge oder jemanden besonders ungünstig in die Beine laufen.

        Bei mir hat Poe eigentlich nur durch die Interaktion mit Finn einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die hatten in der kurzen Zeit mehr Chemie als Anakin und Padame in der gesamten Prequel-Trilogie.

        Wobei ich allgemein mehr auf neue Ideen hoffe. Denke es ist nicht nötig die gleiche Geschichte nochmal zu erzählen. Knights of the Old Republic hat gezeigt das man noch viel mehr mit Star Wars machen kann. Wobei andere Spiele es ebenfalls gut hinbekommen haben.

  10. „Als solches “untypisches Mädchen” fühlte ich mich immer fehl am Platze, falsch, regelrecht wie ein Alien – und deshalb saugte ich sämtliche Beweise für die Existenz ANDERER Frauen, die so waren wie ich oder wie ich gerne sein wollte, gierig auf, ohne das überhaupt selbst zu merken.“

    Kommt mir sehr bekannt vor. Auch ansonsten „cooler Artikel“ – Merci!

  11. Ich kenne zwar Mad Max nicht und Male Tears sind mir auch egal, aber ich muss doch loswerden, dass es durchaus viele weibliche Vorbilder in meiner Jugend gab, gefühlt sogar mehr, als männliche.

    Lady Oscar hast du ja schon genannt, aber ich erinnere mich auch an Mila Superstar und deren Truppe, wo zwar auch Zicken dabei waren, klar, sie war auch kein Superheld, okay, aber da wurde nicht das Bild eines schwachen Mädchens vermittelt, sondern dass man mit ausreichend Disziplin und Übung weit im Leben kommt. In dem Fall halt Sport.
    Über Pipi Langstrumpf muss man gar keine vielen Worte verlieren, deren freier Geist, ihr Mut und die selbstbestimmte Art sind jedem bekannt. Heidi hatte zwar keine unmittelbare männliche Konkurrenz, aber sie und Peter hatten die gleichen Aufgaben und wurden auch gleich behandelt und welches Kind träumte nicht davon, mit einer Babyziege auf dem Schoß in den Alpen zu sitzen?
    Hanni und Nanni bedienten auch keine typischen Hausfrauen-Klischees und bei Sailor Moon gibt es einfach jede Art Frau. Den ruhigen Nerd, den starken Draufgänger, die Damenhafte, die gelassene Künstlerin, die burschikose KFZ-Mechanikerin und natürlich auch die Heulsuse. Aber es ist in meinen Augen ein realistischer Querschnitt durch alle Typen Frau und jedes Mädchen konnte sich seinen Favoriten als Vorbild frei auswählen. Bunny war es bei mir übrigens nicht 😉

    Also die Auswahl an potentieller weiblicher Vorbilder war durchaus da 😉

  12. Mein Freund findet den Film „Mad Max: Fury Road“ total klasse, und es interessiert ihn einfach nicht, ob der Held in diesem Film männlich oder weiblich ist, hauptsache, der Film ist gut gemacht. Warum manche Männer da einen riesen Faß aufmachen verstehe ich nicht, aber das sind meistens auch die selben, die Feministinnen eine sexfeindliche Einstellung unterstellen, wenn sie das Frauenbild in James Bond- oder von Michael Bay-Filmen kritisieren.

  13. Yup, die Einzigen, die wirklich diskriminiert werden , sind sowieso die christlichen weißen deutschen gesunden heterosexuellen Männer. Als Christen bedroht von der „Diktatur des Relativismus“, als Weiße bedroht von den dunkelhäutigen Sexmonstern, die ihnen das Monopol, ihre blonden Frauen selbst zu belästigen, streitig machen, als Deutsche bedroht von Ausländer*innen, die in spätestens zwei Generationen den ganzen Laden hier an sich reißen werden, als Nichtbehinderte bedroht von Rollifahrer*innen, denen man mit ihrem sauer verdienten Geld unnötigerweise überall Aufzüge reinbaut, als Heterosexuelle bedroht vom „Genderterror“, der ihnen vorschreiben will, in wen sie sich verlieben müssen, und als Männer bedroht von Frauen, die entgegen aller Notwendigkeit auch mal irgendwo auftauchen dürfen wollen.

    Opfergejammer der Privilegierten ist das neue Schwarz. Man könnte darüber lachen, wäre die Selbstviktimisierung von Mächtigen in der Geschichte nicht regelmäßig der Auftakt zur Gewalt gegen die angeblich so aggressiven Marginalisierten gewesen. Wer Opfer ist, darf und muss sich nämlich verteidigen. Notfalls, wie Seehofer es so unheilvoll der AfD vorformulierte, „bis zur letzten Patrone“…

  14. „Deshalb geht eine Deutschprüfung mit zwei Dritteln angeblicher “Frauenthemen” gar nicht, obwohl die “männerfreundliche” Alternative hieße, zwei Drittel “Männerthemen” zu behandeln.“

    Wie wäre es mit 4 Möglichkeiten mit einer 50/50 Aufteilung? Dann müsste niemand mehr heulen.

  15. Ja, ich habe auch mal darüber gejammert, dass in Filmen kaum Homos vorkommen. Doch dann habe ich mitbekommen: Das ist logisch, denn Homos sind eine kleine Minderheit. Und die Kulturindustrie dreht sich nicht alleine um mich 🙂

  16. Ganz was anderes, btw, zur besseren Einordnung: eine vorausgeschickte Entschuldigungversuch weil „Quatsch mit Soße“ allzu “ salopp“ sein könnte, kommt stilistisch beides wohl eher eher aus der Vorkriegszeit als aus den 80ern. 😉

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