Lernpause

Ich: „Weißte was? Ich mache heute mal Lernpause!“

Freund: „Ok.“

Ich: „Wie, ‚Ok‘? Willst du mich nicht zwingen? Du musst mich doch motivieren!“

Freund: „Ach, ich bin nicht wie unser Ex-Mitbewohner, der verlangen würde noch weiter zu schuften, damit aus einer 1,2 eine 1,0 wird…“

Ich: „Oh… du meinst, ich habe die Chance auf eine 1,2?“

Freund: „Nein.“

Ich: „Oh.“

Freund: „…“

Ich: „…“

Freund: „…“

Ich: „Die Note gibt’s ja auch gar nicht.“

—–

Leute… ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr die Uni gerade saugt!

Da fängt man als unbedarftes, pausbäckiges Mädel mit Sternen in den Augen und Hoffnung im Herzen an zu studieren – und kaum 10 Jahre später knallt einem die Realität brutal in die Fresse und man hat Abschlussprüfungen. Einfach so!!! Urplötzlich!!!

Twitter klage ich bereits täglich mein Leid. Jetzt also auch hier: Ja, es geht wirklich dem universitären Ende entgegen. Ja, ich habe Abschlussprüfungen. Und zwar schon ab nächster Woche -.-

Und ja, ich bin ein nervliches Wrack.

Heute habe ich beschlossen, mal eine Lernpause einzulegen (weil wegen Sonne. Und weil es nach drei Tagen intensiven Lernens ja auch mal höchste Zeit wird.). Nur deshalb schreibe ich überhaupt.

Dabei möchte ich so gerne schreiben. Pausenlos. An einer Handvoll toller Geschichten, Massen an Artikeln und mindestens drei Dutzend verschiedenen Blogbeiträgen. Wie immer, wenn ich EINFACH KEINE ZEIT HABE.

Ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Aber in dieser krassen Form kenne ich das von niemanden. Zumal dieser Drang, kreativ zu sein und tausend Projekte anzufangen und meine Festplatte zu sortieren und Sport zu machen und ein Drehbuch zu schreiben und nach Hollywood zu gehen und Bürgerinitiativen zu gründen und all das und überhaupt… am Ende ja doch wieder verschwunden ist. Denn:

Leider ist das nämlich kein Witz. Ich habe wirklich so einen Wisch bekommen. Und den habe ich immer noch nicht gelesen. Ich weiß nicht mal, wo ich ihn hingepfeffert habe. Was soll man dazu noch sagen?

Die Therapie hilft dabei auch nur bedingt, womit die Frage bleibt, ob ich den Rest meines Lebens dazu verdammt bin, wichtige Sachen (Hausarbeiten schreiben, Lernen für Prüfungen) so kurz vor knapp zu erledigen, dass die täglichen überforderten Heulkrämpfe praktisch vorprogrammiert sind, oder die schönen Sachen, die ich machen WILL, gar nicht zu erledigen.

Das betrifft nicht nur, aber auch den Blog. Ich möchte Karos Blogstöckchen beantworten. Ich möchte meine Stephen-King-Liste vervollständigen. Ich möchte von meiner USA-Reise schreiben, die ja erst eineinhalb Jahre her ist. Ich möchte ekelhaft romantische Dinge von mir und dem Freund teilen. Ich möchte Musik und Essen und Party. Ich möchte mich auch aufregen über unwichtigen Blödsinn. Ja, und bevor schon wieder jemand fragt, ich möchte sogar meine Liste mit Filmen, die ich liebe, obwohl sie jeder hasst endlich teilen und mir die Haue dafür abholen.

Warum kann ich das einfach nicht? Warum ist das ausgerechnet für mich nicht so einfach?

Die Hoffnung jedenfalls ist noch nicht ganz tot. Darauf, dass ich diese ganze Scheiße bis Oktober, wenn die letzte Klausur vorbei ist, und Januar, wenn die letzte mündliche Prüfung stattfindet, irgendwie überstehe und dann endgültig und tatsächlich durchstarten kann. Wie das aussieht weiß ich zwar noch nicht, aber das Thema „Uni“ ist dann jedenfalls abgeschlossen und „Lernen“ damit hoffentlich auch (zumindest in dieser Form – man lernt ja sein ganzes Leben und so).

Bis dahin freue ich mich über so aufregende Dinge wie den Keller aufräumen – morgen ist nämlich Sperrmüll. Was eine genauso gute Ausrede für eine Lernpause wie alles andere ist.

 

 

 

 

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7 Gedanken zu “Lernpause

  1. Mir geht es genau so :/ Wobei sich bei mir mit der Zeit was verändert hat, manches ist wirklich deutlich leichter geworden; mein Studium droht aber doch dran zu scheitern…

  2. Hallo 🙂

    Ich erkenne mich ein wenig in deinen Zeilen. Ging mir in meinem Studium auch so… Das Vorsichherschieben liegt besonders bei Leuten aus der IT hoch im Trend… 🙂

    Ich wünsche dir, von ganzem Herzen, dass alles so wird, wie du es dir wünschst und dass du bald einmal den Lohn für deine harte Arbeit in Empfang nehmen kannst. Oftmals ist dies der grösste Antrieb… Ging zumindest bei mir so…

    Alles Liebe!

    Abi

  3. Ist doch eigentlich gaaaanz einfach — du musst nur noch was wichtigeres, unangenehmeres finden, und dann studierst du, um das zu vermeiden. Also z.B. einfach Beziehungsstress mit dem Freund anfangen und dich dann weigern, mit ihm drüber zu reden, denn du musst ja gaaanz dringend für deinen Abschluss lernen…. 😉

    (Nein, ich schreibe diese Flugblätter nicht. Vermutlich aus guten Gründen.)

  4. Kann ich so unterschreiben… Ich hab mir 2 Semester für 3 popelige BA Prüfungen (scheinfrei & joblos, Also NIX anderes zu tun) „gegönnt“… Sprich Monate in Schreckstarre durchbrochen von 2wöchigen Heulphasen bei der konkreten Vorbereitung.
    Wünsche dir viel Erfolg, immer ans nachher denken, wenn alles vorbei ist.

  5. Hatte NIE so ne aufgeräumte Wohnung wie in der Prüfungszeit….

    Ach so – und falls Du das Merkblatt gegen Prokrastination findest: Scann mal ein! Würde mcih interessieren, was da drauf steht.
    … vielleich tlese ich es dann sogar 😉

  6. Das Merkblatt gegen Prokrastination kanst Du später immer noch lesen… da gibs grad wichtigeres zu tun… 😉

    Aber ganz ehrlich. Es geht vielen Menschen so, insbesondere Studenten. Denke ich jedenfalls, wenn ich da von mir (in meinen Erinnerungen) auf andere schließe. Da hilft nur, sich selbst auf den Hosenboden zu setzen – und sich klar zu machen, dass man das alles für niemanden außer SICH SELBST macht, und dass man das SELBST so ausgesucht hat. Und das immer wieder. Strategie B ist natürlich eine Art „Lerngruppe“ unter Gleichgesinnten…

    Ansonsten: Viel Erfolg!

  7. Okay, im Studium hatte ich das nie. Aber das kann daran liegen, dass bei Grafik-Design das japanische Prinzip „Wir sieben gnadenlos über Aufnahmeprüfungsmarathons und wer dann erstmal drin ist, hat eigentlich das Diplom praktisch in der Tasche“ gilt und ich vier sehr entspannte Jahre hatte (nur einmal, als mir der Kater auf die Aquarelle für die Seminararbeit gepisst hat und das ganze dann verlief und stank … ach, egal). Ich weiß, das hilft nicht.
    Ist Prokrastination wirklich so schlimm? Eine Kollegin von mir macht das ständig und spart so im Vergleich zum Rest unserer Abteilung etwa 50% Arbeit und Stress ein, weil sich oft blöde Aufgaben noch zehnmal ändern oder ganz überflüssig werden. Hat also auch seine Vorteile, Dinge erst auf den letzten Drücker zu machen.

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