20 Jahre §177-Reform – Die halbe Geschichte eines Meilensteins

Vorgestern feierte meine Timeline das Jubiläum eines Meilensteins: Nach jahrelangem Ringen wurde am 15. Mai 1997 eine Reform des Paragraphen 177 (heute „sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung“) beschlossen. Gegen den Widerstand weiter Teile der CDU wurde damals der Begriff „außerehelich“ aus dem Gesetzestext gestrichen, womit Vergewaltigung in der Ehe nun endlich auch als solche justiziabel war. Dem voraus gingen endlose Debatten, die heute größtenteils schockierend und absurd anmuten und sich deshalb perfekt zu Demonstrationszwecken eignen – zeigt dies doch, wie hart einst für Rechte gekämpft werden musste, die uns heute selbstverständlich erscheinen, obwohl sie auf dem Papier noch gar nicht so lange existieren.

Ich war 12, als die Reform auf den Weg gebracht worden ist. Ich wusste damals nicht, dass Ehepartner bis dato vom Straftatbestand „Vergewaltigung“ nicht erfasst worden sind und war darüber schockiert. Umso wichtiger finde ich eine Erinnerungskultur in Form einer Berichterstattung 20 Jahre nach der Reform.

Und trotzdem stößt mir gerade diese Berichterstattung sauer auf. Es wird nämlich nur die halbe Geschichte erzählt.

Sehen wir uns dazu den §177 mal an, der bis zur Reform nur den Tatbestand „Vergewaltigung“ umfasste:

§ 177. Vergewaltigung.

(1) Wer eine Frau mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben zum außerehelichen Beischlaf mit ihm oder einem Dritten nötigt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft.
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.
(3) Verursacht der Täter durch die Tat leichtfertig den Tod des Opfers, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.

 

 

Mit der Reform wurden die Straftatbestände „Sexuelle Nötigung“ und „Vergewaltigung“ zusammen gefasst, eine Vergewaltigung somit also zu einer besonders schweren Form der sexuellen Nötigung. Das neue Gesetz las sich dann nach einigen kleineren Korrekturen von 1998 bis 2016 (in gekürzter Form) so:
 

§ 177. Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung.

(1) Wer eine andere Person

  • 1. mit Gewalt,
  • 2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
  • 3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,

nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) [1] In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren. [2] Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn

  • 1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung)

Wie bereits erwähnt wurde hier „außerehelich“ gestrichen. Gleichzeitig, und das fällt vielleicht nicht so deutlich ins Auge, wenn der Text mit den sexistischen Vorzeichen gelesen wird, die wir alle mehr oder weniger verinnerlicht haben, wird jedoch auch aus der „Frau“ in der älteren Version das geschlechtsneutrale „Person“. Und das, liebe Berichterstatter, bedeutet nichts anderes als das: Vor der §177-Reform konnten Männer laut deutschen Gesetz nicht vergewaltigt werden.

Ich möchte nun sicher nicht darüber streiten, welche Änderung bahnbrechender war. So argumentierte ein Kumpel gestern, ein betroffener Mann hätte zwar keine Vergewaltigung, wohl aber die schon vor 1997 geschlechtsneutral formulierte „Sexuelle Nötigung“ (damals §178) zur Anzeige bringen können. Allerdings gilt für Vergewaltigung in der Ehe ähnliches: Diese konnte auch schon vor der Reform als einfache Nötigung (§240) oder Körperverletzung verurteilt werden (weshalb die Behauptung, sie wäre vor 1997 „straffrei“ gewesen, strenggenommen falsch ist).
Aber das sind Feinheiten. Richtig ist ganz simpel: Bis 1997 konnte vor dem Gesetz eine Frau nicht von ihrem Ehemann und Männer im Allgemeinen von niemanden vergewaltigt werden.

Soweit die Fakten. Fragen bleibt dennoch:

Warum wird die Änderung Männer betreffend an keiner Stelle miterwähnt? Warum fällt die gegenüber der Vergewaltigung in der Ehe völlig unter den Tisch? Gibt es darüber nicht ähnlich zeithistorisch interessante Bundestagsdebattenschnipsel, welche den schweren Weg bis dahin nachzeichnen? Wie wurde DIESER Antrag aufgenommen, wer hat ihn zur Diskussion gestellt, wie lauteten die Gegenargumente? Und so weiter.

Jetzt könnte man aus antifeministischer Sicht argumentieren, dass sexuelle Gewalt gegen Frauen nun mal als wichtigeres Problem wahrgenommen wird als gegen Männer. Aber selbst wenn man dieser Argumentation folgt, erklärt das in keinster Weise, warum auch aus Männerrechtler-Kreisen keine einzige Anmerkung zu dieser Reform gekommen ist. Stattdessen bin ich auf der Suche nach einer solchen einzig auf einen Eintrag zum §177 in der antifeministischen und sexistischen Datenbank WikiMANNia gestoßen, der allerdings die Reform weniger feiert als sie in verschwörungstheoretischer Manier negiert. Eine Sichtweise übrigens, mit der ich mich auch schon auseinander setzen musste:

Während ich mich also durchaus darüber ärgere, dass nur die halbe Wahrheit zu dieser dringend nötigen Reform den Weg in die Medien findet, besteht die Erinnerungskultur und damit Lobbyarbeit deutscher Männerrechtler mal wieder aus – genau – nichts.

Aber das ist ja nun auch nichts neues.

Quellen zur Straftatsbestandsgeschichte: lexetius.com

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20 Gedanken zu “20 Jahre §177-Reform – Die halbe Geschichte eines Meilensteins

  1. 1. Mir war schon beim Lesen direkt die Änderung von „Frau“ zum neutraleren „Person“ aufgefallen. Also JETZT ist mir das zum ersten Male aufgefallen Ich war damals schon erwachsen und kann mich nicht erinnern, dass die Strafbarkeitslücke zu Lasten von Männern jemals thematisiert worden ist. Weder vorher und auch nicht, als sie geschlossen worden war.

    Aber was genau ist jetzt dein Vorwurf? Das kein Männerrechtler diese Verbesserung aufgreift und würdigt? Hmmh….vielleicht macht das keiner, weil die Verbesserung eher auf dem Papier steht, was man den praktisch völlig fehlenden Hilfsangeboten für betroffene Männer festmachen könnte. Und auch an dem oft wiederholten Narrativ, dass bei häuslicher Gewalt in jeder Form Männer hauptsächlich als Täter dargestellt werden.

    2. Auf WikiMANNia steht viel Mist und diese Passage gehört definitiv dazu, denn das IST objektiv geschlechtsneutrale Gesetzgebung.

    • Ohne frage ist es besser als vorher, aber die das Tatmerkmal Penetration gibt es immernoch. Da hat es Frau schon schwer ohne weitere Hilfsmittel.
      auf schweren fall von sexueller nötigung kann auch ohne penetration entschieden werden, aber wenn penetration vorliegt wird einfacher auf vergewaltigung entschieden.

      bsp: Ein Mann der eine betäubte/schlafende/gefesselte Frau zum oralverkehr zwingt begeht ganz klar eine Vergewaltigung. Im Fall das eine Frau einen betäubten/schlafenden/gefesselten Mann zum oralverkehr zwingt (auf egal welche art) ist das nicht ganz so klar.
      Letztere wird vielleicht nicht von jedem als besondere Erniedrigung bewertet. Das ist der Unterschied.

      Bei Mord gibt es noch das Tatmerkmal Heimtücke. Das soll abgeschafft werden unter anderem weil es Nazivokabular ist, aber eben auch weil das häufiger bei Frauen triggert die z.B. Gift verwenden, weil ihnen aus rein physische gründen z.B. ein Knüppel nicht zur verfügung steht. Bei Benutzung eines knüppels kommt man aber vergleichsweise häufiger mit Totschlag/gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge davon.

      P.S: Wikimannia ist offesichtlich scheiße. außer man hat spaß an verschwörungstheorien. dann ist es fast auf dem LEvel von conservapedia.

  2. Ich finde es ja schon mutig, wie du dich durch WikiMANNia durchkämpfst. Da kann man sich wirklich nur aufhalten, wenn man auf nüchternem Magen ist. Und jedes Mal habe ich danach das Bedürfnis, eine lange heiße Dusche zu nehmen, um den ganzen Klärschlamm, der dort verspritzt wird, wieder von mir abzuwaschen.

    Von den Maskulisten ist da tatsächlich nicht viel zu erwarten. Die sind doch viel zu sehr damit beschäftigt, ihr Gift auf die pöhsen Feministinnen zu spritzen, die Männer keine Männer mehr sein lassen wollen!1!! Deswegen kann ich mit der „Männerrechtsbewegung“ auch nichts anfangen, auch wenn ich da tatsächlich auch einige Missstände sehe, die man mal angehen müsste.

    Dass Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar war, ist auch so ein Relikt aus der biblischen patriarchalischen Zeit, als man Frauen noch als Eigentum des Mannes ansah. Deswegen wurden männliche Ehebrecher auch weniger hart bestraft als weibliche. Denn sie haben nur dann gesündigt, wenn sie mit der Frau eines anderen Ehebruch begangen haben. Und dann war es ein Eigentumsdelikt. Während Frauen bei Ehebruch direkt gesteinigt wurden. Daher kommt auch noch die heute verbreitete Ansicht, dass Vergewaltigungsopfer dadurch entschädigt würden, dass sie von ihrem Peiniger geheiratet werden. Denn da geht es dann tatsächlich nur um ihren „Marktwert“. Echt zum Kotzen!

    Dass Männer bis vor 20 Jahren rechtlich gesehen nicht vergewaltigt werden konnten, hatte ich bis jetzt auch nicht auf dem Radar. Zum Glück betrifft es mich nicht, aber es hat wohl auch mit dem Männlichkeitsbild in unserer Gesellschaft zu tun, dass man dies nicht thematisiert. Denn wenn du als Mann zugeben müsstest, dass du vergewaltigt wurdest, dann kratzt das ja massiv an deiner Männlichkeit. Ist auch irgendwie so ein Bild, das man hat, dass man sich eine Vergewaltigung an einem Mann gar nicht vorstellen kann. Und das ist ja auch die Krux. Männer sind niemals Opfer, weil sie ja sonst Weicheier wären. Dann wären sie ja keine richtigen Männer!1!!

  3. „Von den Maskulisten ist da tatsächlich nicht viel zu erwarten. Die sind doch viel zu sehr damit beschäftigt, ihr Gift auf die pöhsen Feministinnen zu spritzen, die Männer keine Männer mehr sein lassen wollen!“
    Was genau erwartet man denn von den Maskulisten in dem Fall? Das man das feiert? Dass man anmerkt, dass man den Exhibitionismusstraftatbestand da vergessen hat? Die Wehrpflicht? Dass man ein männerdiskriminierendes Gesetz nur dann ändern kann, wenn man es mit einer Verbesserung für die Frau überlagern und so verstecken kann?
    Die rechtliche (damit meine ich vor dem Gesetz) Gleichstellung des Mannes ist eben noch ein ganzes Stück entfernt, und dass sich Maskulisten an dem toxischen Teil des Feminismus abarbeiten ist sicherlich ein ganzes Stück der Sorge geschuldet, das Pendel nicht noch weiter in die Richtung ausschlägt. Es gibt nicht viele Feministen, die einen fairen Blick auf Männerrechte haben, Männerrechte sind sowieso eher eine Lachnummer (wie bei der nohatespeech Kampagne zum Beispiel). An dem Robin’schen Feminismus habe ich sicherlich auch den Kritikpunkt, aber das sind Dinge, da kann man prima drüber diskutieren, sich nicht einig werden und sich trotzdem mögen. Das geht aber nur mit einer ganz kleinen Minderheit. Ich finde das durchaus schade. Ich behaupte nicht, dass das auf der Masku Seite anders ist. Viel zu vieles der Geschlechterdebatte finden nur an den Rändern statt. Hat so ein bisschen was von wir lassen die NPD und die MLPD alleine das Asylgesetz verhandeln..

    • @ Tom
      „Was genau erwartet man denn von den Maskulisten in dem Fall? Das man das feiert?“

      Es gibt noch eine kleine Grauzone zwischen „etwas feiern“ und „komplett ignorieren“.

      • Für mich ist das nicht wirklich ein Meilenstein. Wäre das Gesetz noch in seiner alten Fassung, wäre das sicherlich ein Maskuthema. Ist geändert. Viel mehr ist ein Thema, dass weiblicher Exhibitionismus nicht strafbar ist, aber die gleichen Mechaniken spielen da.. Eine Frau, die sich vor mir plötzlich entblöst hat für einen Mann nicht den gleichen Stellenwert wie umgekehrt.
        So spielt in unserer Psyche die Angst vor einer Vergewaltigung auch nicht ansatzweise die gleiche Rolle wie bei Frauen. Die Sorge davor, unschuldig der Vergewaltigung beschuldigt zu werden ist für einen Mann deutlich größer, als tatsächlich vergewaltigt zu werden (und könnte ich mir aussuchen, von einer Frau vergewaltigt oder der Vergewaltigung beschuldigt zu werden, ich würde spontan ersteres bevorzugen).

  4. Hat dies auf Gedankensalat… rebloggt und kommentierte:
    Unsere Robin hat wiedermal ein paar großartige Gedanken verfasst.
    Diesmal zum 20jährigen Jubiläum einer Gesetzesänderung, die den Tatbestand der ehelichen Vergewaltigung betrifft.

    Besonders hervorheben möchte ich ihren letzten Absatz.
    Während sich „Männerrechtler“ im Brustton der Überzeugung auf die Fahnen schreiben, sich für Männerrechte stark zu machen, zeigt dieses Beispiel doch eher wiedermal, dass das Interesse dahingehend eher marginal ist, solange es deutlich wichtigere Aufregerthemen, sprich irgendwelche Feministinnen gibt, über die man sich echauffieren kann, oder man sich als Opfer derselben definieren kann. Wen interessiert da schon eine Gesetzesänderung, die auch Männer in ihrer sexuellen Selbstbestimmung trifft?

    Aber lest selbst…

  5. Insgesamt ein guter, ordentlich recherchierter, mal ohne den üblichen Schaum-vor-dem-Mund-Modus geschriebener Artikel – leider reißt Du es mit dem letzten Absatz ein bisschen wieder rein. Aber mal der umgekehrten Reihe nach.

    1) Die Gesetzesnovellierung wird in männerrechtlichen Kreisen wohl vor allem deshalb nicht gefeiert, weil sie faktisch zu keiner Änderung geführt hat. Sexuelle Gewalt gegen Männer, vor allem die durch Frauen, ist immer noch ein weitgehendes Tabu. Schau Dir einfach mal den Unterschied zwischen den Zahlen in den (wenigen) wissenschaftlichen Untersuchungen, z.B. von Barbara Krahe, und der offiziellen Kriminialstatistik (Hellfeld) an. Es passiert, es wird aber nicht angezeigt oder darüber gesprochen. l
    Besser dokumentiert ist dies z.B. beim Thema Kindesmissbrauch. Etwa 20-33% weibliche Täter z.B. in der großen Mikadostudie (Uni Regensburg im Auftrag des BuFaMin), http://www.mikado-studie.de/index.php/103.htm, Hellfeld – 1.5%.
    Ach ja, und dann schau doch mal in der gleichen Studie ins Abstract: http://www.mikado-studie.de/index.php/sexueller-missbrauch.htm (letzter Absatz).
    Und dann denk nochmal drüber nach, nachdem Du 3) bei mir gelesen hast.
    Öffentliche Diskussion: So gut wie keine, kommt erst ganz langsam, da ist man damit aber schon weiter als beim Thema sexuelle Gewalt gegen erwachsene Männer bzw. weibliche Täterschaft.

    Zum Thema engagieren sich übrigens sehr wohl Männerrechtler, das ist eigentlich ein Dauerthema von Arne, Manndat thematisiert das, man-tau ebenfalls… aber warum sollte man ein Gesetz feiern, das praktisch nichts gebracht hat?

    2) Warum hat das Gesetz wenig bis nichts gebracht? Erstmal ist die Formulierung zwar eigentlich sehr gut, weil universal, aber eben auch etwas unscharf und definitionsbefürftig: ein „Eindringen in den Körper“ ist streng genommen auch ein tiefer Zungenkuss (der eindeutig eine sexuelle Handlung ist), trotzdem ist es in der Rechtsprechung keine, sondern eine einfache sexuelle Nötigung. Das ist gut und richtig so, steht aber strenggenommen nicht im Gesetz. So gibt es auch eine juristische Minderheitsmeinung, dass erzwungener Vaginalverkehr für ein männliches Opfer keine Vergewaltigung ist, da es von der Schwere her unter dem umgekehrten Fall angesiedelt ist (ich meine mich an einen Artikel in der NJW zu erinnern, mal schauen, ob ich den noch finde). Die Mehrheitsmeinung ist zumindest heute wohl anders*, aber das selbst unter Juristen da keine Einigkeit herrscht(e), zeigt, wie wenig intuitiv verständlich die Formulierung ist.
    Das zeigt auch die Reaktion „normaler“ Menschen: Ich habe gerade erst vor ein paar Wochen von einer Frau (Uni-Abschluss, sonst sehr gebildet und klug, selbsterklärte, aber liberale und offene Femistin) die Meinung gehört, Männer könnten nicht vergewaltigt werden – „doch höchstens im Gefängnis“. Ich schätze, weit über die Hälfte der Bevölkerung würde ihr da zustimmen. Kenne leider keine Umfrage, wäre mal interessant. Die Strafbarkeit der Vergewaltigung von Männern durch penetriert werden ist vielleicht auch noch einigermaßen offensichtlich, die durch erzwungene aktive Penetration aber eben nicht.

    Die Streichung von „nicht-ehelich“ dagegen ist vollkommen eindeutig, ohne Interpretationsspielraum.

    3.) Warum wird eigentlich nur die halbe Geschichte erzählt? Die Frage stellst Du gar nicht. Falls Dein letzter Absatz die Antwort sein soll: Arne und andere schreiben sich seit Jahren die Finger wund zu dem Thema. Könnte man auch mal zur Kenntnis nehmen, anstatt sich an der Strohpuppe Wikimannia abzuarbeiten, die weder besondere Reichweite noch Einfluss hat. Was auch sehr gut so ist.

    * In der Literatur; allerdings kenne ich keine Untersuchung, wie oft eigentlich der Fall erzwungener aktiver Penetration angezeigt wird und als was es dann bei Gericht abgeurteilt wird. Ich kenne in D ehrlich gesagt keinen einzigen Fall, wo das als Vergewaltigung verurteilt wurde, nur Fälle, bei denen z.B. mit einem Gegenstand anal penetriert wurde. Bezeichnenderweise greift der Becksche Kommentar zum §177 auch zu einer einer Entscheidung zum §176 StGB (sexueller Missbrauch von Kindern), um das Eindringen zu definieren. Bei Erwachsenen gab’s da wohl keine Entscheidung, zumindest nicht auf höherer Ebene.

    • ech, zu 3) „Die Frage stellst Du gar nicht“ ist natürlich Quatsch, tust Du ja, sollte „diskutierst Du gar nicht“ heißen, im Sinne eigener Standpunktfindung. Den Gesetzgebungsverlauf kann man übrigens grob ganz gut anhand der Entwürfe nachvollziehen, da ist die Begründung mit dabei, unddie sind auch online:
      http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/13/073/1307324.pdf
      Dort ist zwar explizit von Männern als Tatopfer die Rede, dass erzwungene aktive Penetration mitgemeint ist, wird deutlich weniger klar.

    • Nachtrag, weil ich’s verprochen habe: Die fraglichen Artikel sind einmal in der NStZ 2000, 310:
      Geht um den 176a, die Formulierung bezgl. Eindringen ist allerdings identisch. Darin:

      Der 2.Teil der Entscheidung betrifft die Frage, ob auch Verhaltensweisen nach § STGB § 176a STGB § 176A Absatz I Nr. 1 StGB bestraft werden können, bei denen das Kind in den Körper des Täters eindringt. Der Wortlaut von § STGB § 176a StGB gebietet dies nicht zwingend. Der Senat stellt fest, dass ein Wille des Gesetzgebers, das Eindringen in den Körper des Täters auszuschließen, nicht zu erkennen sei. Ein positiver Wille des Gesetzgebers, diese Fälle einzuschließen, ist aber nicht feststellbar. Es lässt sich den Materialien nicht entnehmen, daß eine Meinungsbildung zu diesem Punkt stattgefunden hat.

      Des weiteren NStZ 2000,471

      Eine ähnliche Beurteilung [dass es sich nicht um eine schwere sexuelle Nötigung bzw. Vergewaltigung handelt] ist vorzunehmen, wenn das Opfer sein Geschlechtsteil in eine Körperöffnung (Mund, Scheide oder Anus) des Täters/der Täterin einführt. Es ist nämlich ein entscheidender Unterschied, ob das Opfer selbst aktiv wird oder ob es Handlungen des Täters passiv über sich ergehen lässt.

      Autorin des erstens Zitats war übrigens Tatjana Hörnle, wer sie nicht kennt, einfach mal googlen – sehr öffentlichkeitsaffine Strafrechtsprofessorin und eine vernehmlichsten Fürsprecherinnen des neuen(2016) §177. Das zweite stammt von Staatsanwältin Susanne Folkers, Bochum.
      Vielleicht verdeutlicht das, welche Probleme diese Formulierung mit sich bringt. Ich erinnere mich an eine Diskussion mit Dir, in der Du irgendwelchen „Maskus“ vorgeworfen hast, sie verträten die absurde Ansicht, Männer könnten von Frauen nicht vergewaltigt werden. Diese Ansicht ist immerhin nicht absurd genug, um nicht von promovierten Strafrechtlern und Staatsanwältinnen vertreten zu werden.

      • Du erinnerst dich an die Diskussion, aber auch an meinen Beitrag dazu? Dort zitierte ich aus dem Münchener Kommentar zum Strafgesetzbuch, das nicht nur mehr Gewicht hat als Zeitschriftenartikel, sondern auch eine neuere Quelle ist (2005):

        „Als Vergewaltigung werden neben dem Beischlaf sexuelle Handlungen definiert, die das Opfer besonders erniedrigen, insbesondere wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind. Diese Handlungen müssen vom Täter am Opfer oder vom Opfer am Täter vorgenommen werden. Dabei ist grundsätzlich gleichgültig, ob das Eindringen in den Körper des Opfers oder des Täters erfolgt.“

        Das ist mMn recht eindeutig. Bei deinen Zitaten ist mir jedoch nicht ganz klar, ob sich beide auf Kinder als Opfer beziehen. Da fallen viele Möglichkeiten schon mal weg, da Kinder keine Erektionen bekommen können, passiver Vaginal- oder Analverkehr am Täter damit gar nicht stattfinden kann. Bei passiver oraler Vergewaltigung (Täter nimmt Penis des Opfers in den Mund) ist es wiederum egal, welcher Zustand der Penis hat. Dass es sich hierbei rechtlich um Vergewaltigung handeln kann, mag von vielen Juristen mal so, mal so interpretiert werden, da Oralverkehr (egal ob aktiv oder passiv) nun mal als sexuelle Handlung nicht als so gravierend angesehen wird wie Vaginal- oder Analverkehr. Das betrifft dann aber wiederum auch Erwachsene.

        Dass man es schwerlich Vergewaltigung nennen kann, wenn der Täter das Opfer zwingt, z.B. mit einem Finger in ihn einzudringen, ist dann wieder was anderes.

  6. Ach, die bösen Maskus verhalten sich mal wieder nicht so, wie Robin es für richtig hält. Trotzdem Danke für den Rest des Artikels.

    Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich habe keine Ahnung, wie Männerrechtler 1997 die Reform kommentiert haben, da war ich noch nicht so im Thema drin. Gab es die Männerrechtsbewegung in Deutschland damals überhaupt schon? „Sind Frauen bessere Menschen?“ ist 2001 erschienen, Savvakis‘ Webseite „Der Maskulist“ ging 2000 online.

    Was mich persönlich betrifft, interessieren mich Jahrestage nicht so furchtbar, und diesen hatte ich nicht mal auf dem Schirm. Deshalb ist es auch schon knappe zwei Jahre her, daß ich mich das letzte Mal mit dem Thema beschäftigt habe (Punkt 13). Oder zählen Kommentare nicht?

    Übrigens, von einem Fall, in dem eine Frau von einem deutschen Gericht wegen Vergewaltigung an einem Mann verurteilt wurde, habe ich auch seitdem nicht gehört. Du?

    B20

    • Kommentare, die auf einem der wohl menschenfeindlichsten, sexistischen Blogs geschrieben werden, den ihr die unendliche Dummheit besitzt, in eure Bewegung zu integrieren, nur um dann wieder darüber jammern zu können, dass die Politik euch nicht ernst nimmt, zählen für mich in der Tat nicht.

      • Robin,

        mal abgesehen davon, daß ich Deine Charakterisierung von Breakpoints Blog auch nach Abzug des Robin-Polemik-Faktors reichlich absurd finde:

        Das Argument wäre irgendwie plausibler, wenn Du im Artikel nicht genüßlich ausgerechnet aus der Wikimannia zitiert hättest.

        B20

      • Reichlich absurd. Nachdem diese Tussi gerade einen Beitrag darüber veröffentlicht hat, dass Vergewaltigung in der Ehe nicht hätte strafbar werden dürfen.

        Wow. Just wow. Ihr demontiert euch wirklich mit aller Gewalt selber.

  7. Tatsächlich bin ich als Mann wenige Jahre nach der Änderung von einer Frau – jedenfalls nach dieser neuen Definition von Vergewaltigung – vergewaltigt worden. Und obwohl ich dieser speziellen Frau einige Zeit danach sehr gerne aus kurzer Distanz mit einer Pistole ins Gesicht geschossen hätte, habe ich es nie in Erwägung gezogen die Sache anzuzeigen. Denn von allen Sachen, die sie getan hat, was das nicht strafwürdig, noch nicht mal schlimm.

    Ihr Feministinnen solltet nicht so viel versuchen, Eure subjektive Sicht auf Männer zu projizieren, sondern lieber zur Kenntnis nehmen, dass die Welt durch andere Augen anders aussieht.

    • Und das von jemanden, der sich einbildet, besser urteilen zu können was Frauen wollen als diese selbst. 🙄😂
      Antifemlogik as its best.

      • Frauen besser zu verstehen, als sie sich selbst ist wirklich nicht schwer. Es gibt übrigens auch einen objektiven Maßstab, ob man damit recht hat: Wenn es zutreffende Verhaltensvorhersagen ermöglicht.

      • „Frauen besser zu verstehen, als sie sich selbst ist wirklich nicht schwer. Es gibt übrigens auch einen objektiven Maßstab, ob man damit recht hat: Wenn es zutreffende Verhaltensvorhersagen ermöglicht.“

        Behaupten kann man im Internet alles. Ist ja so bequem. Kann man alles nicht überprüfen und noch weniger beweisen.
        Meinst du, irgendjemand glaubt dir deine Storys?

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