7 Filme, die ich liebe, obwohl sie jeder hasst

Was eignet sich in Zeiten, in denen ich eigentlich unter Hochdruck Bewerbungen schreiben müsste, besser als Prokastinationshilfe, als endlich einen Artikel zu liefern, den ich schon vor über eineinhalb Jahren versprochen habe? Zeigt dieser Umstand doch die ganze Misere meiner peinlichen Lebensunfähigkeit auf :3

Ein weiteres Problem bei der Fertigstellung war allerdings, dass mir lange Zeit einfach ums Verrecken kein 7. Film eingefallen ist. Als dies dann aber doch passierte, hätte der betreffende Film passender nicht sein können. Er ist nun meine Nummer 1! Damit Vorhang auf für…

7 Filme, die ich liebe, obwohl sie jeder hasst

 

Platz 7: American Pie
Im allerersten Kommentar unter dem anderen Artikel („7 Filme, die ich hasse, obwohl sie jeder liebt“) schrieb jemand, sie wäre vielleicht wohl ein wenig einfach gestrickt, weil ihr die Filme, die ich aufgezählt habe, alle gefielen… tja, wie soll man nun DAS nennen?
Ich kann nichts dagegen tun. Ich liebe, liebe, LIEBE dumme Teenager- oder Collegekomödien aus den späten 90ern einfach sehr hart. Ich hätte diese Liste problemlos nur mit solchen Filmen füllen können (habe es aber aus Gründen der Varianz nicht getan).
American Pie ist nun der ungekrönte König dieser Filme. „Pubertär“, „hirnlos“ und „dumm“ hat man ihn in meiner Gegenwart schon genannt – worauf ich nichts anderes antworten kann als: „Und trotzdem ist er witzig!“
Wobei, ist er wirklich so blöd? Eigentlich kam er damals mit einem ganzen Haufen guter Ideen um die Ecke. Die Hauptcharaktere sind alle auf ihre Art grundsympathisch, ihre Motivation nachvollziehbar, die jeweilige Auflösung für jeden einzelnen passend.
Und das Ende! Ist es nicht herzig?
Der zweite Teil war dann auch eigentlich genau so gut, weil er den ersten Teil praktisch eins zu eins kopierte. Es ist richtig cool zu sehen, dass wirklich jeder noch so unwichtige Nebencharakter (sogar Typen, die im ersten Teil nur mal im Hintergrund durchs Bild gerannt sind) im zweiten Teil wieder auftaucht und alle relevanten Plotlines genau so, nur halt anders, nochmal durchgehechelt werden.
Der dritte Teil fiel demgegenüber extrem ab, weshalb ich ihn überhaupt nicht mag, aber der vierte Teil macht dann wieder alles richtig. Das war Nostalgie pur.
Fazit: American Pie ist immer noch und für alle Zeit der perfekte Streifen für schnapsselige Filmabende – egal, wie blöd er ist!

Platz 6: Unbreakable
Viele Leute setzten große Hoffnung in diesen Film, der nach dem Überraschungserfolg von „The Sixth Sense“ das zweite große Projekt von dem damals als Regie-Wunderkind gefeierten M. Night Shyamalan war. Diese Erwartungen wurden enttäuscht, die meisten fanden den Film zum Gähnen langweilig.
Nun, es IST natürlich wahr, dass M. Night Shyamalan als Regisseur einige unverwechselbare Charakteristika mitbringt, die man tatsächlich nicht gerade actiongeladen nennen kann, und ja, auch mir geht es auf den Sack, dass er es schafft, jeden noch so guten Schauspieler sämtliche Schauspielkunst aus dem Leib zu prügeln und ihm dafür einen einzigen starren Gesichtsausdruck verpasst, während er viel zu lange viel zu pseudo-tiefgründige Gespräche führt und der überraschende Twist am Ende obligatorisch und daher null überraschend ist.
Und trotzdem hat mir der Film gefallen, was einzig und allein an der Prämisse liegt. Bis dahin habe ich nie darüber nachgedacht, aber es ist doch wahr: Wenn es Leute gibt, die an schrecklichen Krankheiten leiden, dann müsste es doch tatsächlich auch Leute geben, die irgendwie unzerstörbar sind. Vielleicht nicht ganz so wie im Film (mal ehrlich, dass er am Ende sogar telepathisch und präkognitiv veranlagt ist, kommt doch ein bisschen zu sehr aus dem Nichts), aber trotzdem. Und gibt es für Superheldenfans nichts schöneres, als einen fast schon logisch zwingenden Beweis dafür, dass es vielleicht, so ein ganz kleines bisschen, in Echt Menschen mit Superkräften geben könnte?
Es ist sicher kein Film, den ich mir zum Spaß noch ein Dutzendmal ansehen werde, weil „Shyamalan“ wohl das indische Wort für „das Gegenteil von Spaß“ ist. Aber auch wenn ich absolut nachvollziehen kann, warum man den Film nicht mag, mag ich ihn trotzdem.

Platz 5: Das Wunder von Bern
Inzwischen gilt ja so ziemlich alles, was in welcher Form auch immer einen nostalgischen Blick auf unser Heimatland wirft, als nazihaft irgendwie ein bisschen anrüchig. Und das deutsche Kino sehen ohnehin viele als größte Lachnummer überhaupt an.
Diesen Menschen empfehle ich dringend die unfassbar schlechte, offen gewaltverherrlichende und – lustigerweise! – latent nazihafte amerikanische Adaption des deutschen Kinoklassikers „Das Experiment“. Allen anderen sei hiermit mitgeteilt, dass ich „Das Wunder von Bern“ für einen großartigen Film halte, den ich mir immer wieder gerne ansehe – spätestens zur nächsten WM! Trotz einiger eindeutiger Fehler (so ist Fritz Walters, meines ewigen Fußballhelden, Dialekt anscheinend nicht richtig wiedergegeben! Skandal!) und der etwas tränendrüsigen Filmmusik bietet er genau die leichtfüßige Berieselung, die ich bei einem meiner Lieblingsgenres, nämlich dem auf Entertainment ausgelegten historischen Film, so schätze. Damit ist er nicht nur für Fußballfans interessant, sondern in der Tat ein treffendes Sittengemälde der frühen 50er Jahre! Hände hoch, wer die spritzigen Wortgefechte zwischen dem Journalisten und seiner Ehefrau nicht großartig findet.

Platz 4: Manta Manta
Bleiben wir doch bei Meisterwerken der deutschen Kinokunst!
Ich mag nicht nur billige Teenagerkomödien und seichte Historienfilme, sondern auch deutsches Prekariatskino! Als solches ist „Manta Manta“ wohl die Blaupause für alles, was danach kam. Besondere Aufmerksamkeit verdient er aber auch, weil er der letzte gute Film von Til Schweiger war!
Diese witzige Peinlichkeit hat mich sogar zur Idee einer Fortsetzung inspiriert: 20 Jahre nach den Ereignissen des 1. Teils findet die Tochter von Manni (Schweiger) seinen alten Manta irgendwo in einer Garage und macht ihn wieder flott, um die Bonzen an der Uni aufzumischen, während Manni irgendwie damit klar kommen muss, dass seine Tochter 1. studiert und 2. ein Mädchen ist. Das, sowie die Beantwortung der Frage, was aus den Protagonisten des 1. Teils geworden ist, bietet so viel Raum für Gags, Mario Barth wäre begeistert! Am Ende dann Versöhnung, die Erkenntnis, dass jedes Arbeiterkind, das es an die Uni schafft, ein Stück Proll im Herzen bewahren soll und ein megamäßig aufgepimpter Manta, natürlich der heimliche Star des Ganzen (wo er doch neben Til Schweiger sowieso der eindeutig bessere Schauspieler ist). Mantas sind ja auch einfach geile Autos, trotz ihres ungerechtfertigt schlechten Rufs! Ich denke, das könnte ein totaler Hit werden, aber vermutlich ist sich Til Schweiger inzwischen zu fein für sowas. Ich bin mir jedenfalls nicht zu fein für das Geständnis, wie sehr ich diesen Film immer noch feiere! Er lindert mich über den Schmerz hinweg, dass mein Stiefvater seinen (schwarzen! OMG!) Manta schon vor Jahrzehnten verkauft hat.

Platz 3: Titanic
Hier gilt ähnliches wie bei der Nennung von „Avatar“ in der anderen Liste. „Avatar“ war vielleicht der erfolgreichste Film aller Zeiten, wird aber sicher nicht von allen geliebt, und „Titanic“ hasst jeder, obwohl auch dieser Film einst Rekorde brach. Man mag es ein bisschen willkürlich nennen, aber meiner Empfindung nach ist „Titanic“ nun doch im Rückblick für die breite Masse ein eindeutig schlechter Film, Rekorde hin oder her.
Aber das völlig zu unrecht! Ich meine – ich sehe, welche Probleme viele mit dem Film haben. Eine kitschige Liebesgeschichte, natürlich, wie lame! Gerne wird dabei aber vergessen, dass „Titanic“ in erster Linie ein Katastrophenfilm, sprich pure Action ist! Und die sieht 20 Jahre nach der Veröffentlichung des Machwerks immer noch verdammt gut aus. Wesentlich besser als das meiste von dem, was uns heute als unispiriertes CGI vorgesetzt wird.
Doch nicht nur das! Die Kostüme! Das Design! Die hervorragend besetzten Schauspieler! Ich meine, allein Billy Zane reißt die Rolle des Schurken, die im Grunde genauso motivationsfrei und billig daher kommt wie ihre Entsprechung in „Avatar“ aber sowas von raus! Er rockt seinen Charakter! Nie war ein Kotzbrocken hassenswerter!
All das macht es wert, dass man die Ressentiments gegen den Hype zu diesem Film mal gründlich überdenkt und dann vielleicht zum Schluss kommt, dass er doch sehr gut unterhält!

Platz 2: Independence Day
Wir nähern uns der Zielgeraden mit einem Film, über den ich die letzten 15 Jahre eigentlich noch nie was positives gehört habe!
Denn ja, ich mag nicht nur billige Teenagerkomödien, seichte Historienfilme und deutsches Prekariatskino, sondern auch den Blockbuster-Actionfilm der 90er Jahre! Auch hier habe ich der Varianz wegen darauf verzichtet, die gesamte Liste nur mit Filmen wie diesem zu füllen.
Bevor Christopher Nolan, den ich ja bekanntermaßen hasse, mit dafür sorgte, Actionfilme dark und gritty und nolandish zu machen, waren Actionfilme bombastisch, herrlich unrealistisch und witzig! Denn Scheiß auf Pseudorealität – ich bin ein einfaches Mädchen und will Explosionen, übermächtige Freizeithacker und in letzter Sekunde gerettete Hunde!

Natürlich kann ich auch hier die Kritiken nachvollziehen. Aliens greifen die USA an, Amis blasen zum Angriff, ein überheroischer Präsident (noch dazu vermutlich Republikaner!) hält eine patriotische Rede, Amis retten die Welt und über all dieser hirnlosen Action weht das Star-Spangled Banner.
Klar, lebensfremde Action, übertriebener Pathos und völliger Unrealismus können schon nerven. Aber wisst ihr… das, was der Film macht, macht er trotzdem gut. Roland Emmerich wird als Ausländer den überrissenen Patriotismus seines Werkes wohl selber bemerkt haben. Mehr noch, ich stelle mir ihn sogar vor, wie er sich vor sein Produktionsteam stellt und sagt: „An diese Stelle soll nun eine patriotische, pathetische Rede. Und wisst ihr was?! Wir geben ihnen die PATRIOTISCHSTE, PATHETHISCHSTE REDE ALLER ZEITEN!!!“ Und genau so war es dann auch!
Ich meine, wer um alles in der Welt kann sich daran ernsthaft stören, dass alle Hauptcharaktere vom Anfang bis zum Ende immer nur haarscharf einer Katastrophe entkommen sowie die Lösung an den Haaren herbei gezogen ist und das „unrealistisch“ nennen, wenn es einfach gottverdammt spannend ist?! Und da ist es mir eben scheißegal, ob es Explosionen im Weltraum geben kann oder Will Smith nur durchs Zusehen lernt, wie man eine Alienuntertasse steuert, wenn es halt geil aussieht! Das mag auch wieder sehr seicht wirken – aber warum zur Hölle auch nicht? Den ganzen Tag sehen, lesen und hören wir von Tragödien, Kriegen, Umweltzerstörung, Mord und Totschlag – was ist also falsch daran, wenigstens für die Dauer eines abendfüllenden Actionfilms mal die Welt ohne mich weiter rotieren zu lassen, die Füße hochzulegen und mich verdammt nochmal gut unterhalten zu lassen? Gute Unterhaltung muss nicht tiefgründig sein und seichte Unterhaltung kann trotzdem wahnsinnig gut gemacht sein! Wenn ihr das nicht glaubt, dann schaut euch zum Vergleich einfach mal die Fortsetzung des Films an, denn DIE macht NICHTS richtig!
Nennt „Independence Day“ meinetwegen den professionellsten Trashfilm aller Zeiten, wenn ihr einen ironischen Grund braucht, um ihn euch anzusehen, bevor ihr ihn zerreißt. Aber messt ihn doch bitte nicht an Maßstäben, die er niemals erreichen wollte, und verurteilt ihn nicht dafür, reines Popcornkino ohne großen Anspruch bieten zu wollen. Denn das ist nicht nur völlig legitim, sondern macht auch einfach Spaß!

Platz 1: Wolverine
Hier ist er. Meine Nummer Eins. Der Film, der Fans auf der ganzen Welt zum Heulen gebracht und mir trotzdem gefallen hat.
Bei jedem anderen Film dieser Liste kann ich die Kritik daran nachvollziehen, teile aber einfach die Schlussfolgerung nicht. Dieser Film ist anders. Tatsächlich habe ich nicht mal gemerkt, welche Probleme er hat, bis ich die Kritiken las. Mein Urteil nach der ersten Sichtung war dann auch unbedarft positiv. Hugh Jackman, eine Filmcollage am Anfang, die mich wirklich geflasht hat, Hugh Jackman, viele Mutanten, Hugh Jackman, geile Kampfszenen, Hugh Jackman, coole Klamotten, Hugh Jackman… das sind doch alles Zutaten für einen guten Film, oder? Kein Meisterwerk, sicher, aber ich war dennoch völlig befriedigt rundherum zufrieden.
Bis ich, wie es meine Gewohnheit ist, Rezensionen zum Film las – die mir plötzlich ausführlich, nachvollziehbar und leider sehr logisch darlegten, was für eine grottige Umsetzung dieser Film darstellt… und was für ein Idiot ich war, ihn zu mögen.
Das kommt ja nicht oft vor, aber ich saß wirklich völlig sprachlos vor all diesen Argumenten und schrumpelte bei jedem bissigen Kommentar noch mehr zusammen, während ich mich vor Verlegenheit wand. Denn ich habe ihnen nichts, aber auch wirklich gar nichts entgegen zu setzen. Außer nun mal das (bitte in piepsiger Stimme lesen): „Ich mag ihn aber trotzdem.“
Nie klaffte meine eigene Meinung und die Auffassung der breiten Masse weiter auseinander, ohne dass ich mich dafür rechtfertigen konnte. Außer den Umstand, dass ich nun mal kein Fan der Marvelcomics bin und mir deshalb die katastrophale Umsetzung von Deadpool zumindest damals noch ziemlich am Arsch vorbei ging, habe ich auch nichts zu meiner Verteidigung vorzubringen. Habt also Mitleid mit mir!

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