Ein feministisches Desaster: Wonder Woman

Seit Wonder Woman vor zwei Wochen in den amerikanischen Kinos angelaufen ist, bricht dieser Film Rekorde. Nicht nur das Einspielergebnis, sondern auch die Ratings auf imdb, Rotten Tomatoes etc.pp. beeindrucken.
Spätestens der inzwischen oft gelesene Spruch „Wonder Woman – der beste DC-Film seit langem!“ sollte allerdings stutzig machen, denn in Anbetracht von Verbrechen an die Filmkunst wie Man of Steel, Batman v Superman und Suicide Squad muss man sich fragen, ob das tatsächlich eine großartige Leistung darstellt.

DC hat mich in der Vergangenheit einfach zu oft enttäuscht, um den euphorischen Berichten glauben zu können. Deshalb habe ich etwas getan, was ich noch nie getan habe und bin am ersten Tag der deutschen Veröffentlichung ins Kino gegangen, um endlich mitreden zu können.

Leider wurde ich erneut enttäuscht, wenn auch ganz anders, als ich vermutet habe. Ich habe einen mittelmäßigen Actionfilm mit feministischen Anklängen erwartet – tatsächlich ist es mir aber nach dem Kinobesuch völlig unbegreiflich, was an diesem Film feministisch oder überhaupt in irgendeiner Weise herausragend sein soll.

Spoilerwarnung – Details zur Handlung, inklusive Plottwists

Wonder Womans erster Coverauftritt, 1942

Einige scheinen zu glauben, Wonder Woman müsse feministisch sein, weil es ein Film mit einem weiblichen Superhelden ist. Das ist aber falsch. Ein Wonder-Woman-Film muss feministisch sein, weil Wonder Woman feministisch ist. Ihr Schöpfer William Moulton Marston erfand sie, weil es ihn ärgerte, dass alle Superhelden männlich waren. Er war selber Feminist und hat mit Wonder Womans Background als Amazone den Inbegriff weiblicher Macht und Unabhängigkeit gewählt. Wonder Woman begleitet Steve Trevor in die Welt der Männer, um den Krieg zu beenden, aber auch, um für die Gleichberechtigung der Frau zu kämpfen (in der Neuinterpretation ihrer Figur Mitte der Achtziger war das sogar der Hauptgrund).

Und schon sind wir mittendrin in der feministischen Kritik. Das ist nämlich etwas, was im gesamten Film nicht mit einem Wort Erwähnung wird.

Dabei betritt Wonder Woman im Film eine Zeit, die inzwischen 100 Jahre in der Vergangenheit liegt. Doch nicht ein einziges Mal stutzt sie oder wird überhaupt wirklich konfrontiert mit dieser Welt, in der Frauen nicht wählen oder Kriegsdienst leisten dürfen oder überhaupt etwas zu sagen haben. Kein Stirnrunzeln, als die versammelten Generäle sich ereifern, weil sie, eine FRAU, es gewagt hat, in ihre Sitzung zu platzen. Nicht ein Wortwechsel zwischen Steve und seinen Compagnons, die ihn fragen, was um alles in der Welt er sich dabei gedacht hat, eine Frau auf ihre Mission mitzunehmen. Und damit auch keine Gelegenheit für Diana, sich gegen diese Behandlung zu wehren – und den Jungs demonstrativ zu beweisen, dass sie trotz ihres Geschlechts alles kann, was sie können, nur besser.

Eine Frau als Präsident? In 1000 Jahren vielleicht.

Es scheint inzwischen als feministisch zu gelten, eine Frau in eine klassische Männerrolle zu stecken und dann so zu tun, als würde das keinen Unterschied machen. Leider werden damit Tatsachen ignoriert, die aber nun mal existieren – heute und noch viel mehr vor 100 Jahren. Wonder Woman kommentiert den Sexismus dieser Welt nicht, sie registriert ihn ja nicht mal. Sie nimmt ihn vielmehr sogar an. Sie akzeptiert ohne Widerrede, dass sie sich nicht öffentlich in ihrer Uniform zeigen darf, auch wenn sie nicht weiß wieso, und lässt sich fügsam aus der Versammlung der Generälen führen, so, wie sie sich eigentlich den ganzen Film über von Steve Trevor führen lässt. Da bleiben auch die wenigen Male, als sie (endlich!) doch tut, was sie für richtig hält, nicht im Gedächtnis und ein Spruch wie „Ich lasse mir von dir nichts befehlen!“ wirkt eher hysterisch in seiner Hilflosigkeit. So typisch Weib eben.

Ich habe mir kein flammendes feministisches Plädoyer von einem Film gewünscht, im Gegenteil. Das wirkt schnell belehrend und nervt. Aber dieses völlige Ausblenden historischer Diskriminierungserfahrungen, sogar die bloße Nicht-Erwähnung des Umstands, dass Frauen im Jahr 1918 normalerweise nicht an die Front reisen und kämpfen – das ist geschichtsvergessen und schlicht ignorant.

Sexismus kennen übrigens auch die Amazonen – denn Männer, das sind für sie ausnahmslos Kriegstreiber, Gewalttäter, Tiere. Diana nun betritt in ihrer Achtziger-Version die Welt der Männer nicht nur als ihre Botschafterin mit dem Auftrag der Befreiung der Frau – sondern lernt, dass es auch gute Männer gibt. Steve ist einer davon, ihre späteren Kollegen Superman und Batman ebenfalls. Diese versöhnliche Botschaft geht über den vulgärfeministischen Ansatz eines William Moulton Marston, der von der Überlegenheit der Frau überzeugt war und sich ein Matriarchat herbei sehnte, weit hinaus und hätte Chancen geboten, die hier gnadenlos verspielt worden sind, weil das Geschlechterthema schlicht und ergreifend völlig eliminiert wurde.

Ein Superheldenfilm ohne Geschlechterthematik? Klar kann man das machen. Aber eben nicht bei Wonder Woman. Und wenn alle, die den Film bisher euphorisch gelobt haben, mal einen Schritt zurück treten würden, dann müssten sie erkennen, dass dieser Film nicht direkt ein feministisches Meisterwerk ist, nur weil im ersten Drittel ein paar durchaus coole Amazonen vorkommen.

Wonder Woman auf dem Cover des feministischen Ms.-Magazins

Allein dadurch wird Wonder Woman zu einem Film, der von dem Geschlecht der Superheldin abgesehen keine feministische Botschaft hat, sogar im Gegenteil unfeministischer ist als so ziemlich alles, was ich in letzter Zeit im Kino gesehen habe. Selbst Deadpool, der eine Frau abknallt, weil er es irgendwie sexistisch findet, wenn er während seiner Tötungsorgie nur bei Frauen eine Ausnahme machen würde, ist da emanzipatorischer. Ist es wirklich zu viel verlangt, sich nur eine einzige Szene zu wünschen, in der Wonder Woman einem Macho, der sie beleidigt, voll auf die Fresse haut?

Aber eine Frau hat Regie geführt! Kaum ein Artikel, der Patty Jenkins‘ Regiearbeit nicht besonders hervorhebt, als handle es sich hierbei um die Entdeckung des achten Weltwunders. Erwähnenswert dabei immer Monster, „Jenkins‘ Oscarfilm“ – tatsächlich hat einzig Charlize Theron, die die Hauptrolle spielte, für den Film einen Oscar erhalten, auch wenn die Formulierung etwas anderes nahelegt. Und da Jenkins seit Monster (von 2003!) keinen Kinofilm mehr gedreht hat, gibt es kaum eine Gelegenheit, ihre bisherige Arbeit zu bewerten und damit auch keine Möglichkeit, ihren persönlichen Stil zu erkennen. Vielmehr ist eine andere Handschrift unverkennbar – Zack Snyders, der bei Man of Steel und Batman v Superman Regie geführt hat und hier sowohl Produzent ist, als auch die Story beigesteuert hat. Slowmotion ist sein filmisches Markenzeichen. Die Zeitlupeneinstellungen während der Kämpfe, mit denen die ohnehin schon überrissene Akrobatik der Amazonen mehr als einmal haarscharf am Rande der Lächerlichkeit taumelt, nehmen den Kämpfen allerdings viel Dynamik und werden schlicht überstrapaziert. Das allerdings ist typisch für Snyder und Grund für so ziemlich allen Spott, den er für seine Arbeit erhält. Neben dem viel zu auffälligen CGI-Effekten natürlich. Diese, sowie sein Hang zu düsteren Farben, sind bei Wonder Woman und vor allem der Darstellung von Themyscira nicht ganz so ausgeprägt wie sonst, aber immer noch störend genug in ihrer Künstlichkeit. Bei Filmen wie 300 (Synders Durchbruch), den ich sehr mochte, war das ja noch neu und passend, aber ich kenne wirklich niemanden, der diesem Stil langfristig etwas abgewinnen kann. Umso unbegreiflicher, dass er immer noch solche Megadeals erhält!

Was allerdings wohl sicher auf Jenkins zurück zu führen ist – und das hat mich tatsächlich positiv überrascht, weil ich das in dieser Deutlichkeit noch nie bemerkt habe – ist das völlige Fehlen des „männlichen Blicks“. Aber selbst dieses wohltuend ungewohnte Stilmerkmal verkehrt sich ins Negative, wenn Steve Dianas zeitgemäße Verkleidung brüsk kommentiert: „Sie sollte doch WENIGER auffällig aussehen!“ – und die Kamera die ganze Zeit auf ihrem Gesicht bleibt. Die Aussage ist nicht nur lächerlich (das graue Kostüm kann man maximal adrett nennen), sondern auch unpassend umgesetzt, da ja aus seiner Sicht gefilmt wird, ohne einen Schwenk über ihren Körper aber der Eindruck entsteht, es sei wirklich nur ihr Gesicht und nicht etwa ihr knappes Superheldenoutfit, was ihn bisher gestört hat. Was hat er sich als Verkleidung vorgestellt, eine Burka?

Hätte ich einen Regisseur nennen müssen, der es versteht, Frauenrollen zu drehen, wäre mir auf Anhieb ein Name eingefallen: Joss Whedon. Das Mastermind hinter Buffy, der vielleicht besten Serie mit einer starken Frau in der Hauptrolle aller Zeiten, war auch verantwortlich für Avengers und hat dort mit Black Widow einen weiblichen Charakter interpretiert, der interessant, cool, stark und wahnsinnig tough ist. Eben das hätte ich mir für Wonder Woman gewünscht und sollte sie im kommenden Justice-League-Film so dargestellt werden, dann ist das ganz allein Whedons Verdienst, der kürzlich für den ausgefallenen Synder als Regisseur eingesprungen ist. Hätte ich gewusst, dass es tatsächlich möglich ist, gleichzeitig für Marvel und für DC zu arbeiten, wäre er als Regisseur für Wonder Woman meine allererste Wahl gewesen.

Tatsächlich war er vor Jahren schon mal im Gespräch gewesen als Regisseur, aber die Verhandlungen darüber scheiterten. So wurde es also Jenkins und wäre sie es nicht geworden, dann eine andere Frau, denn genau das war das alleinige Kriterium, nach dem Warner Bros. den Posten der Regie besetzte. Kompetenz egal, Hauptsache weiblich – das kann ich beim besten Willen nicht als Fortschritt ansehen, vor allem nicht eingedenk des vorliegenden Ergebnisses.

Nach eigener Aussage wollte Jenkins Wonder Woman schon seit Jahren drehen. Umso unverständlicher, warum dann ausgerechnet mit Wonder Womans Abstammung als Tochter des Zeus (der laut Überlieferung die Menschen übrigens NICHT erschaffen hat, aber wen interessieren schon solche Details) ein Storyelement in den Film Einzug hielt, das in den Comics erst seit 2011 etabliert wurde. Davor war ihre Schöpfung aus geformten Lehm Kanon gewesen – SIEBZIG JAHRE LANG.
Änderungen wie diese passieren in Comics häufig und regelmäßig und so gut wie immer sind die alteingesessenen Fans damit unzufrieden. Aber obwohl mir schon oft Pingeligkeit vorgeworfen wurde bei meiner Kritik an Neuheiten oder nicht-werkgetreuen Adaptionen, weigere ich mich, das dieses Mal gelten zu lassen. Was DC damals angerichtet hat, geht weit über die üblichen Umgestaltungen hinaus und hat der Wonder Woman als Figur massiven Schaden zugefügt.

Und das wird nun auch auf die Leinwand getragen: Nicht Hippolyte, die als Herrscherin über ein ganzes Volk voll starker, wunderschöner Frauen glücklich sein müsste, es aber nicht ist, weil sie sich nichts mehr wünscht als ein Kind, erschafft Diana. Zeus ist es. Doch zeugt er kein Kind der Liebe (oder auch nur der Lust), sondern eine Waffe gegen seinen entfesselten Sohn. Diana ist damit Mittel zum Zweck, kein vaterloses Wunder aus Lehm, dem Aphrodite aus Gnade gegenüber der flehenden Hippolyte Leben einhaucht, einer Tochter, die sie schuf um ihrer selbst willen, von den Göttern des Olymps ausgestattet mit Kräften weit über das menschliche Maß hinaus. Nein, stattdessen ist sie lediglich ein weiblicher Halbgott, wie es sie zu Dutzenden gibt. Und so stellt sie sich dann auch ihrer Bestimmung, nicht weil sie getrieben ist von ihrem unbedingten Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit, sondern weil Zeus, ihr Vater, ein Mann, das eben so geplant hat.

Das ist mehr als nur ärgerlich. Es ist traurig. Und es macht die Figur schon auf der untersten konzeptionellen Ebene unfeministisch. Tatsächlich ist es so, als hätte man ihr damit die Seele ihres Schöpfers ausgetrieben. Der Film nun, der nicht verpflichtet gewesen wäre, dieser Neuinterpretation zu folgen, tut das nicht nur, sondern verhöhnt auch noch die ursprüngliche Idee. „Ach ja, du wurdest ja aus LEHM geformt,“ spottet Steve – und das ist zusätzlich auch noch unfassbar arrogant. Mit welchem Recht spuckt die Filmadaption auf eine Originstory, die im ersten Moment für Nicht-Comicleser vielleicht lächerlich klingt, sich aber wunderbar in das mythologische Setting einfügt, wesentlich origineller ist als die meisten anderen Superheldenentstehungsgeschichten und darüber hinaus noch die tiefgründige Bedeutungsebene der vaterlosen Geburt trägt?

Mein erster DC-Comic war Wonder Woman – und ich war als Kind absolut fasziniert von ihrer Geschichte, auch wenn ich diesen Subtext noch nicht verstand. Mein Fanherz blutete bei Steves Spott und mir ging das Messer im Sack auf. Ist es da ein Wunder, dass DC seit Jahren im Kino keinen Fuß auf den Boden bekommt, wenn sie so mit ihren Schöpfungen umgehen?

Abgesehen von dieser dezidiert feministischen Kritik möchte ich allgemein von der eigentlichen Handlung noch zwei weitere Dinge heraus stellen, die mir besonders negativ aufgefallen sind.

Zum einen wäre da die reichlich seltsame Entscheidung, das Setting von Wonder Woman, deren Historie über 75 Jahre eng mit dem 2. Weltkrieg verbunden war, in den 1. Weltkrieg zu verlagern. „Intelligent“, findet die FAZ, Nazis seien ja so ausgelutscht. Kann man so sehen, allerdings wusste selbst die grenzdebile Sarah-Palin-Doppelgängerin in Iron Sky, dass es keine besseren Schurken gibt als Nazis. Deshalb funktioniert die Änderung des Settings auch aus dem gleichen Grund nicht, aus dem Kriegscomics nach dem 2. Weltkrieg aus der Mode kamen, obwohl mit dem Koreakrieg der nächste große Konflikt gar nicht lange auf sich warten ließ: Das Feindbild ist einfach nicht besonders gut. Den 1. Weltkrieg allein Deutschland anzulasten, selbst wenn es unter dem Einfluss von Kriegsgott Ares stand, ist historisch bestenfalls fragwürdig und nötigt den Zuschauern einiges ab. Nazis dagegen, als alleinige Aggressoren, Hassprediger und Massenmörder schon schlimm genug, aber mit ihrem Mutterkult und einem Rollenbild, in dem die Frau nur als Gebärmaschine und gehorsame Dienerin ihres arischen Mannes Platz hat auch der Inbegriff eines Patriachats – das wäre was gewesen. Es ist nicht ausgelutscht, wenn es funktioniert.

Tatsächlich wollte DC wohl einfach keinen Superheldenfilm mit Nazis drehen, wenn Marvel das doch schon mit Captain America vorgemacht hat. Aber die haben halt trotzdem kein Patent auf Nazis, und wenn man schon solche Angst vor Plagiaten hat, sollte man nicht General Ludendorffs Chefchemikerin eine Substanz erfinden lassen, die frappierend an Captain Americas Superserum erinnert, darüber hinaus aber nahezu keine Storyrelevanz besitzt.

Gleichzeitig mit dem Settingwechsel wird damit auch jegliche Verbindung zu Amerika gekappt. Nun ist der Standort USA neben Feminismus und griechischer Mythologie aber ein integraler Bestandteil der Figur. Wonder Woman ist schlicht eine amerikanische Heldin, nicht gerade in dem Maße wie Captain America, aber nah genug dran. Vor einigen Tagen schien sich das ganze Internet darüber zu amüsieren, dass FOX den fehlenden Patriotismus der Figur bemängelte, aber leider hat diese Kritik, so lächerlich sie auch wirken mag (und so antisemitisch motiviert sie in Wahrheit möglicherweise ist), einen wahren Kern, wenn man bedenkt, dass tatsächlich nicht ein einziger Amerikaner – von einem amerikanischen Ureinwohner an der belgischen Front einmal abgesehen – in diesem Film vorkommt. Der Frage, warum Wonder Woman dann ein Star-Spangled-Banner als Kostüm trägt, wurde zwar aus dem Weg gegangen, indem man die Sterne einfach wegließ – die Assoziation bleibt aber, denn Wonder Woman ist nun mal eine Ikone der Popkultur, deren Darstellung auch der bisher desinteressierteste Kinobesucher irgendwann schon einmal irgendwo gesehen hat. Das lässt sich nicht einfach so wegwischen, selbst wenn es die Verantwortlichen wirklich versucht hätten, wovon man aber wiederum nichts merkt. Gleichzeitig beweisen Dianas im Laufe des Films zunehmend übermenschliche Fähigkeiten bzw. der Umstand, dass diese bis zur Enthüllung ihrer Herkunft nicht erklärt werden, dass beim Publikum minimales Wissen um die Figur vorausgesetzt wird, was damit ja auch wieder inkonsequent ist.

Der zweite Punkt betrifft die Weglassung des Contests. In bisher fast jeder Adaption musste Diana zuvor eine Reihe von Wettkämpfen bestreiten, bis feststand, dass sie die beste Kämpferin unter den Amazonen und damit würdig ist, den Titel „Wonder Woman“ (sowie das dazu gehörige Kostüm und das Lasso der Wahrheit) zu tragen. Im Film dagegen entschließt sie sich einfach, die Insel zu verlassen, und handelt damit gegen den erklärten Befehl ihrer Mutter und Königin (deren hervorstechendes Merkmal ist aber ohnehin, dass sie sich erst über missachtete Befehle ereifert und dann doch nachgibt, worüber ich mir jetzt jeglichen Kommentar spare).
Der Unterschied ist offensichtlich: In der Ursprungsversion hat sie sich die Ehre VERDIENT, während sie in der Filmversion durch die Untätigkeit der Amazonen regelrecht dazu getrieben wird. Die Betonung ihrer edlen Gesinnung geht also zu Lasten derer ihres Volkes, dem die Kriegsopfer in der Außenwelt damit anscheinend ziemlich egal sind.

Natürlich MUSS ein Film, der nun mal eine begrenzte Laufzeit hat, an manchen Stellen gekürzt werden. Aber der Contest ist meiner Meinung nach zu essentiell, um gestrichen zu werden – anders als der Kampf der Amazonen gegen die eindringenden Deutschen. Natürlich: Man wollte sie kämpfend, eben in Aktion zeigen – aber gerade das wäre doch auch beim Contest der Fall gewesen. Und damit wäre auch die peinliche Frage vermieden worden, wieso die mächtige magische Barriere um Themyscira offensichtlich von jeder kleinen Nussschale von einem Boot durchbrochen werden kann.

Antiope, Dianas Tante und Ausbilderin (die in den Comics übrigens schon seit Jahrzehnten von der schwarzen Amazone Philippus verkörpert wird, was die große Masse der radikalfeministischen Wonder-Woman-Neufans glücklicherweise nicht weiß und wir damit einer weiteren ermüdenden Whitewashing-Debatte entronnen sind), hätte außerdem nicht sterben müssen. Das inzwischen nur noch nervige und dämliche Klischee eines toten Familienmitglieds als Motivation des Helden, das in Barry Allens (The Flash) ermordeter Mutter einen traurigen Höhepunkt gefunden hat, wäre vermieden worden. Vielmehr hätte sich hier die Möglichkeit geboten, Diana WIRKLICH als würdigste Kandidatin zu zeigen – indem sie Antiope im Kampf Frau gegen Frau erstmals besiegt. Die Schülerin übertrifft die Meisterin, Antiope senkt respektvoll ihr Haupt – wie großartig wäre das bitte gewesen.

Ich glaube, das hätte man durchaus unterbringen können. Natürlich hätte man dann an anderer Stelle kürzen müssen, aber bedenkt man die pure Dämlichkeit des eigentlichen Plots, wäre hier weniger eine Kürzung denn eine komplett andere Story nötig gewesen. Bis hierhin war der Verriss größtenteils eine Kritik an der ADAPTION einer Figur, die ich bereits vorher kannte. Aber auch als normaler Superheldenfilm ist Wonder Woman EINFACH NICHT GUT. Ludendorffs Plan, das neu entwickelte Supersenfgas gegen die englische Zivilbevölkerung einzusetzen, ist am Ende ein Twist aus dem Nichts und als Storyelement so löchrig wie die Gasmasken nach einer Behandlung mit eben diesem. Denn für einen solchen Angriff wäre keine jahrelange Forschung nötig gewesen – oder trägt etwa jeder Londoner eine Gasmaske im Bett, die man erst aufwendig zersetzen muss, bevor das Gas seine tödliche Wirkung entfalten kann? Überhaupt, was macht London als Ziel attraktiver als Paris, Moskau, Washington? Der gesamte Plan wirkt wie eine Rachaktion, wenn man auch nicht weiß für was – einen kriegsstrategischen Sinn vermag ich dahinter jedenfalls nicht erkennen, sofern Ludendorff nicht vorhat, die gesamte Weltgemeinschaft noch mehr gegen Deutschland aufzubringen und den Krieg auf diese Weise zu beenden, weil ihm die schon laufenden Waffenstillstandsverhandlungen irgendwie zu konventionell sind. Mein Gott, ist das so blöd! Ähnlich schwammig und verwirrend wirkt dann auch Ares‘ Plan, den ich nicht mal wiedergeben könnte, weil er total an den Haaren herbei gezogen ist.

Und selbst wenn man über so etwas in einem Actionfilm, der nicht zwangsläufig intelligent oder auch nur schlüssig sein muss, hinweg sehen kann, hat der Film noch weitere Probleme. Die Spezialeffekte machen stellenweise einfach fassungslos. Schon in der Szene, in der Diana als Kind von der Klippe springt (warum auch immer), also gerade mal gut 5 Minuten im Film, sind die Hintergründe so grauenhaft schlecht animiert, dass ich im Kino wirklich die Hände über den Kopf zusammen schlug. Ein Film mit diesem Budget, und DAS kommt dabei heraus?! Es gibt Filme, die zwanzig Jahre und mehr auf dem Buckel haben und trotzdem bessere Effekte aufweisen können. Und die wurden noch mit Bluescreen gedreht! Leider kein einmaliger Ausrutscher, sondern fast in jeder Szene mit Special Effects, vor allem bei Wonder Womans Kampfszenen, zu bestaunen. Allein dafür könnte man schon fast sein Geld zurück verlangen. Das Studio weiß offensichtlich sowieso nichts damit anzufangen!

Und ja, ich weiß, dass das niemand hören will – aber Gal Gadot ist eine BESCHISSENE Schauspielerin. Schon bei ihrem ersten Auftritt zeugt ihr Gesichtsausdruck von ihrer Karriere als Model, denn der Blick ist alles, nur nicht natürlich. Sie ist wunderschön, klar, aber gibt es in Hollywood solche Frauen nicht zu Hunderten, die deutlich besser schauspielern können? Da sie zuvor praktisch unbekannt war, kann dieser Faktor da auch keine Rolle gespielt haben. Das ist in der Tat eine Besetzung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann und versaut mir auch noch den Spaß an den Szenen, die nicht pointless, unfreiwillig komisch oder auf andere Weise schlecht sind!

Fazit: Trotz der ikonischen Hauptfigur und einer reichen Veröffentlichungshistorie, aus der man sich bei Story und Konzeption hätte bedienen können, wurden bei Wonder Woman eigentlich nur falsche Entscheidungen getroffen – personell, narrativ, dramaturgisch. Das Ergebnis ist dann vom feministischen Standpunkt aus ein absolutes Desaster und auch ansonsten einfach kein guter Film, weder für normale Kinogänger, als auch im noch größeren Maße für Fans. Hätte man dieselbe Mühe, die man anscheinend darauf verwendet hat, Wonder Woman alles Feministische auszutreiben, in die Entwicklung einer guten Story gesteckt, wäre der Film ein Meisterwerk geworden. So ist er nur ein schreckliches Vorzeichen auf das, was mit Justice League noch kommen mag. Aus den Lobeshymnen kann man indes nur schließen, dass die Latte für DC-Produktionen inzwischen wirklich gewaltig niedrig hängt – und eine Frau als Hauptperson, die nicht eindeutig sexistische Klischees bedient, offensichtlich schon reicht, um das Label „feministisch“ zu verdienen.

Damit ist nicht Wonder Woman der beste DC-Film seit Langem, sondern weiterhin The LEGO Batman Movie und mein Gott, wie traurig ist das bitte.

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18 Gedanken zu “Ein feministisches Desaster: Wonder Woman

  1. Diana hatte ein ganz klares Ziel. Entsprechend hatte sie keine Zeit mit den Männern, Generälen, etc. zu diskutieren. Ich fand das eine der besten Szenen des Films.

    Den Plot in den 1. Weltkrieg zu packen war eine gute Idee. In Anbetracht von Sir Patrick als Ares kann ich die Kritik, dass die Deutschen alleine für den Krieg verantwortlich sind, nicht nachvollziehen.

    Letztlich will ein Studio mit einem Film Geld verdienen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine feministische Version wie Du Sie Dir vorstellst die Produktionskosten wieder reinholen würde.

    • Sie hat keine Zeit mit ihnen zu diskutieren, weil sie ein klares Ziel hatte? So kuhäugig, wie sie durch den Raum latscht?

      Sir Patrick als Ares ist nun mal Ares, nicht Sir Patrick. Alle Soldaten, gegen die sie kämpft, sind deutsch.

      „Eine feministische Version, wie du sie dir vorstellst“ – was stelle ich mir denn vor?

  2. Ich finde du bist ein bisschen zu hart zu dem Film, was nicht heißt das ich einem guten rant wie diesem nicht was abgewinnen kann.

    Wenn du so auf Joss Whedon stehst kannst du dich ja auf Batgirl freuen. Den wird er schreiben und regie führen.
    Das tote (weibliche) Familienmitglied ist ja auch Whedons standard-trope, da wären wir auch bei Whedon nicht drum rum gekommen…

  3. Die meisten Kritikpunkte kann ich durchaus nachvollziehen (bis auf die Kritik an Gal Gadot), auch wenn ich sie nicht teile, einige habe ich ja selbst angesprochen, wenn auch mitunter anders gewichtet. Ich finde im Kontext deiner Kritik vor allem diesen Artikel interessant, auf den ich gestern gestoßen bin, der genau die entgegengesetzte These vertritt: https://www.themarysue.com/wonder-woman-feminist-film/

    Bei Warners weiterem Fahrplan bin ich auch recht skeptisch, nicht nur ist ein Batgirl-Film geplant, ein Nightwing-Film soll ja ebenfalls kommen, von Matt Reeves Batman-Film gar nicht erst zu sprechen. Vielleicht sollten sie ihr Franchise in „Batman Extended Universe featuring the Justice League“ umbenennen. 😀

    • Wie schon gesagt… ich teile die Ansicht nicht, dass ein Ausblenden von Sexismus feministisch ist. Anscheinend stehe ich damit recht allein da 😦

      Ich kann mir unter dem Fahrplan auch nichts vorstellen. Müsste vor Nightwing nicht Robin kommen? Alles ziemlich fragwürdige Entscheidungen. Wie schon bei Batman v Superman, wo Wayne Manor plötzlich zerstört ist, verstehe ich nicht so ganz die Struktur dahinter und warum DC einerseits sehr vieles ändert, andererseits dann aber wahnsinnig viel Vorwissen voraussetzt. Einfach nur noch verwirrend.

  4. Hmm .. wow? Lange nicht mehr soviel Text von dir gelesen .. und ich bin verwirrt.
    Nach dem feministischen Rummel in meiner Twittertimeline zum Amerikastart des Films hab ich in dann eine wesentlich aggressivere Figur erwartet als es im Film dann gab .. aber gleich zu sagen da wäre gar nichts feministisches gewesen? Oder alles mögliche aus WW Hintergrund sei verschwiegen worden? Ich weiß nicht so recht ..
    Ja vieles wurde nur angedeutet und wenn man dann gerade in die falsche Richtung denkt kann man es leicht übersehen (die Babyszene zb.) aber muss man wirklich immer alles vorkauen? Muss man eine eher ermüdende Szene einbauen um die Leute mit der Nase drauf zu stoßen, daß Dianas Weltsicht nicht mehr der Welt in London zusammenpasst? Ich fand dies eigentlich sehr ansprechend gelöst ..
    Um mal noch einen anderen Punkt aufzugreifen .. Joss Whedon .. echt jetzt? Der Typ dem ständig vorgeworfen wird seine Frauenrollen eher ungeschickt anzulegen, der Typ dessen WW Script in den letzten Tagen auf Twitter übelst verrissen wurde weil es eine Steve Homage ist in der evtl. WW zu sehen sein könnte … der hätte es besser gemacht?

    Wie gesagt, ich bin etwas verwirrt ..

    • „aber gleich zu sagen da wäre gar nichts feministisches gewesen? Oder alles mögliche aus WW Hintergrund sei verschwiegen worden? Ich weiß nicht so recht“

      Naja, der Hintergrund ist nicht verschwiegen worden, sondern geändert und das negativ. Ich will wirklich niemanden vor den Kopf stoßen, der den Film mochte, aber ich kann da als alter Fan einfach nicht unvoreingenommen rangehen. Man muss sich schon fragen, warum die Frage ihrer Herkunft so beantwortet worden ist, obwohl sie das anscheinend in den aktuellsten Comics wieder auf den alten Stand gebracht haben.

      Ich habe bewusst den Ausdruck „unfeministisch“ benutzt. Anscheinend fühlen sich wirklich viele schon total geflasht von einem weiblichen Lead und den Amazonen, die man allerdings am Ende nochmal hätte einbauen müssen (kehrt Diana nie auf die Insel zurück? Was hat sie in den 100 Jahren seitdem gemacht, wenn das aktuellste Foto, das Batman auftreiben kann, aus dem 1. Weltkrieg stammt?). Aber darüber hinaus? Ich finde einfach, der Film ist bei dieser Frage im schlechtesten Sinn neutral. Eine Frau an der Front, was so gar keine Kommentare provoziert? Sorry, aber das ist doch einfach unrealistisch.

      „Ja vieles wurde nur angedeutet und wenn man dann gerade in die falsche Richtung denkt kann man es leicht übersehen (die Babyszene zb.) aber muss man wirklich immer alles vorkauen?“

      Na, ich habe die Babyszene ja kapiert, aber der Autor des Artikels offensichtlich nicht ^^ Deshalb hätte man das einfach ausbauen können – auch, weil ich es 1. blöd finde, dass Diana sich einfach so von Steve wegzerren lässt und sich 2. da eine nette Szene angeboten hätte. Das ist doch eigentlich traurig, der Gedanke, dass sie immer allein war als Kind. Ermüdend hätte ich das nicht gefunden.

      „Um mal noch einen anderen Punkt aufzugreifen .. Joss Whedon .. echt jetzt? Der Typ dem ständig vorgeworfen wird seine Frauenrollen eher ungeschickt anzulegen, der Typ dessen WW Script in den letzten Tagen auf Twitter übelst verrissen wurde weil es eine Steve Homage ist in der evtl. WW zu sehen sein könnte … der hätte es besser gemacht?“

      Man muss sich fragen, von wo dieser Hate kommt. Joss Whedon hat sich vor ein paar Jahren an irgendeiner Stelle ungeschickt ausgedrückt und besitzt außerdem die Frechheit, als Mann mit Frauen in den Hauptrollen zu arbeiten, statt ein guter Ally zu sein und die Schnauze zu halten. Deshalb wird seit Jahren auf ihn eingehackt und sogar im Nachhinein gefeierte Werke (z.B. eben Buffy) plötzlich neu analysiert, wobei man dann natürlich zum Schluss kommt, dass das ja eigentlich noch nie empowernd und feministisch war.
      Natürlich ist sein Werk auch männlich geprägt, beispielsweise ist Black Widows Verhörszene ja schon ziemlich sexualisiert, aber was interessiert mich das, wenn sie kurz darauf sämtliche Gangster platt macht und sogar Captain America auf sie hört. Da wird sich dann auch noch drüber aufgeregt, dass sie dabei auch ein paarmal Schläge abbekommt, weil männliche Gewalt gegen Frauen und so, aber mein Gott, sie ist eine Superheldin, natürlich wird sie dabei auch mal verhauen!
      Und die selbe Mädchenmannschaft, die sich darüber aufregt, dass mit Black Widow in Avengers nur eine Frau mitspielt und man auf dem Kinoplakat ihren Hintern sieht, wünscht sich dann für den nächsten Avengers-Film Wonder Woman als weiteres Teammitglied. Sorry, solche Leute kann ich nicht ernst nehmen. Weder in ihrer Kritik an Whedon, noch in ihrem Lob an WW. Deshalb traue ich auch der Einschätzung nicht, sein Drehbuch wäre megasexistisch gewesen, aber es ist mir jetzt auch ehrlich gesagt zu lang, um es selber zu lesen.

      • Joss Whedon hat mit Firefly all das erreicht, für das er nun abgefeiert wird. Lebendige, nicht stereotyp „starke“ (TM) Frauenfiguren und Gleichberechtigung in Plot und Hintergrund.
        Gina Torres als Wonder Woman … DAS wär´s gewesen! 🙂

  5. Hey Robin,

    wow, was ein langer Text. Du erhälst ein paar Gedanken von mir, ich bin gespannt auf Deine Antworten. Nach meiner Meinung, ignorierst Du einige klassische Filmdramaturgieregeln und nur weil etwas anders kommentiert wird, als Du es Dir wünscht, macht es doch nicht gleich schlechter.

    „Nicht ein Wortwechsel zwischen Steve und seinen Compagnons, die ihn fragen, was um alles in der Welt er sich dabei gedacht hat, eine Frau auf ihre Mission mitzunehmen. Und damit auch keine Gelegenheit für Diana, sich gegen diese Behandlung zu wehren – und den Jungs demonstrativ zu beweisen, dass sie trotz ihres Geschlechts alles kann, was sie können, nur besser.“

    – Doch gibt es. als Steve Trevor seine Geheimeinheittruppe in dem Pub aufsucht. Sie die anderen 3 neuen Mitglieder komplett fassungslos, dass WW an die Front soll. Das wird dadurch erwidert, dass sie den Scharfschützen vor einem Fielsing rettet. Meine Frage wäre daher, muss im filmischen Medium das unbedingt im Dialog ausgedrückt werden?

    „Sie akzeptiert ohne Widerrede, dass sie sich nicht öffentlich in ihrer Uniform zeigen darf, auch wenn sie nicht weiß wieso, und lässt sich fügsam aus der Versammlung der Generälen führen, so, wie sie sich eigentlich den ganzen Film über von Steve Trevor führen lässt.“

    – Sie gibt Widerworte, doch sieht sie ein, dass sie sich der Welt fügen muss, um an ihr Ziel zu kommen: Ares und den Krieg zu beenden.

    „„Ich lasse mir von dir nichts befehlen!“ wirkt eher hysterisch in seiner Hilflosigkeit. So typisch Weib eben.“

    – Sehe ich hier auch nicht, sie hat mutig und tapfer gehandelt. Sie kam weder weibisch, sondern selbstbewusst und idealistisch rüber.

    „Ist es wirklich zu viel verlangt, sich nur eine einzige Szene zu wünschen, in der Wonder Woman einem Macho, der sie beleidigt, voll auf die Fresse haut?“

    – Hat sie gemacht, aber mit einer größeren Waffe: Worte. Einmal bei dem General, der die Gefahr und Opferung der Truppen in Kauf genommen hat.

    Außerdem hat sie in dem Pub, wo das Team zusammengestellt wird, zu Beginn klar gemahct „Respektier mich, ich bin nicht dein Püppchen“, siehe erste Szene mit Sameer.

    “ Kompetenz egal, Hauptsache weiblich – das kann ich beim besten Willen nicht als Fortschritt ansehen, vor allem nicht eingedenk des vorliegenden Ergebnisses.“

    – Natürlich kann es als positiver Rassismus gewertet werden, aber vielleicht öffnet es eine Tür in Hollywood. Bisher durfte nur 1 (in Worten: EINE) Regisseurin einen Film über 100 Mio. Dollar stemmen: Kathyrin Bigelow. Ein Unding und sehr schade, dass da so eine große Lücke klafft. Eine Änderung dieses Verhältnis ist doch wünschenswert, oder?

    Außerdem zeigt sie sehr wohl Kompetenz, weil sie mehrere Jahre um den Posten der Regisseurin für Wonder Woman sich beworben oder „gekämpft“ hat.

    „Der Film nun, der nicht verpflichtet gewesen wäre, dieser Neuinterpretation zu folgen, tut das nicht nur, sondern verhöhnt auch noch die ursprüngliche Idee. „Ach ja, du wurdest ja aus LEHM geformt,“ spottet Steve – und das ist zusätzlich auch noch unfassbar arrogant.“

    – Stell Dir vor, jemand fremdes, den Du seit Stunden kennst, erzählt Dir sowas. Das ist merkwürig und komisch. Hier kommentiert Steve nur das, was der Zuschauer denkt ,der nicht mit der Mythologie vertraut ist, nämlich: Was? Ist das dein ernst?.

    „Nein, stattdessen ist sie lediglich ein weiblicher Halbgott, wie es sie zu Dutzenden gibt.“

    – Sie ist keine Halbgöttin, sondern Göttin. Deswegen sagt ihre Mutter: „Du bist keine Amazone.“ Außerdem hätte sie sonst nicht ARES besiegen können, nur ein Gott kann einen anderen Gott besiegen.

    „Den 1. Weltkrieg allein Deutschland anzulasten, selbst wenn es unter dem Einfluss von Kriegsgott Ares stand, ist historisch bestenfalls fragwürdig und nötigt den Zuschauern einiges ab.“

    – Es wurde klar kommuniziert, dass Ludendorff und Poison eine Splittergruppe waren und es andere deutsche Meinungen gab. Außerdem ist es nur angelehnt an die Geschichte, sieht man die Geschichte anhand Ludendorff und Franz Tausend, kann man sehr wohl eine realgeschichtliche Beziehung in ein fiktives Werk packen.

    „In der Ursprungsversion hat sie sich die Ehre VERDIENT, während sie in der Filmversion durch die Untätigkeit der Amazonen regelrecht dazu getrieben wird.“

    – Es wurde ihr angeboren im Film, schon richtig. Aber das harte Training und der Kampfeinsatz reichen doch als Rechtfertigung für. Das hätte den Film geschadet, so wurde eine schöne Mythologie erzählt.

    „Überhaupt, was macht London als Ziel attraktiver als Paris, Moskau, Washington?“

    – Wir haben Charaktere und das Leben in London im Film erlebt. So haben wir einen emotionalen Bezug dazu. Es ist motiviert. Außerdem kann man London als das „Herzen“ des UKs sehen, da passt es doch.

    • – Doch gibt es. als Steve Trevor seine Geheimeinheittruppe in dem Pub aufsucht. Sie die anderen 3 neuen Mitglieder komplett fassungslos, dass WW an die Front soll. Das wird dadurch erwidert, dass sie den Scharfschützen vor einem Fielsing rettet. Meine Frage wäre daher, muss im filmischen Medium das unbedingt im Dialog ausgedrückt werden?
      Oh, da muss ich wohl kurz eingenickt sein. Natürlich muss es nicht im Dialog ausgedrückt werden und das Szenario war auch nur ein Beispiel von vielen, wie ich es mir gewünscht hätte – und zwar mehr als nur einmal kurz!

      – Sie gibt Widerworte, doch sieht sie ein, dass sie sich der Welt fügen muss, um an ihr Ziel zu kommen: Ares und den Krieg zu beenden.
      Nicht wirklich.

      – Sehe ich hier auch nicht, sie hat mutig und tapfer gehandelt. Sie kam weder weibisch, sondern selbstbewusst und idealistisch rüber.
      Finde ich nicht.

      – Hat sie gemacht, aber mit einer größeren Waffe: Worte. Einmal bei dem General, der die Gefahr und Opferung der Truppen in Kauf genommen hat.
      Sie hat ihn für seine Feigheit kritisiert und dafür, Soldaten leichtsinnig in den Tod zu schicken, nicht wegen Sexismus.

      Außerdem hat sie in dem Pub, wo das Team zusammengestellt wird, zu Beginn klar gemahct „Respektier mich, ich bin nicht dein Püppchen“, siehe erste Szene mit Sameer.
      Wie gesagt, das war EINMAL.

      – Natürlich kann es als positiver Rassismus gewertet werden, aber vielleicht öffnet es eine Tür in Hollywood. Bisher durfte nur 1 (in Worten: EINE) Regisseurin einen Film über 100 Mio. Dollar stemmen: Kathyrin Bigelow. Ein Unding und sehr schade, dass da so eine große Lücke klafft. Eine Änderung dieses Verhältnis ist doch wünschenswert, oder?
      Klar, aber ich hätte mir dafür jemanden gewünscht, der qualifizierter gewesen wäre.

      Außerdem zeigt sie sehr wohl Kompetenz, weil sie mehrere Jahre um den Posten der Regisseurin für Wonder Woman sich beworben oder „gekämpft“ hat.
      Ich weiß nicht, wieso das ein Zeichen von Kompetenz sein sollte. Höchstens für „Leidenschaft für die Sache“, aber dann hätte sie ja Zeit gehabt, sich eine bessere Story zu überlegen. Zumal sie nur Ersatz für die ursprüngliche Regisseurin war.

      – Stell Dir vor, jemand fremdes, den Du seit Stunden kennst, erzählt Dir sowas. Das ist merkwürig und komisch. Hier kommentiert Steve nur das, was der Zuschauer denkt ,der nicht mit der Mythologie vertraut ist, nämlich: Was? Ist das dein ernst?.
      Es wäre ok gewesen, wenn Steve sich darüber lustig macht, wenn es trotzdem so gewesen war. War es aber nicht, womit Diana jetzt zusätzlich noch wie ein dummes Naivchen rüber kommt, weil sie die Geschichte ihr ganzes Leben geschluckt hat.

      – Sie ist keine Halbgöttin, sondern Göttin. Deswegen sagt ihre Mutter: „Du bist keine Amazone.“ Außerdem hätte sie sonst nicht ARES besiegen können, nur ein Gott kann einen anderen Gott besiegen.
      Den Spruch solltest du nicht so ernst nehmen. Ihre Mutter ist keine Göttin, also macht sie das zur Halbgöttin. Als solche wird sie auch in der DC-Datenbank geführt (obwohl sie in den 90ern tatsächlich mal kurz eine Göttin war, aber das ist eine ganz andere Geschichte)

      – Es wurde klar kommuniziert, dass Ludendorff und Poison eine Splittergruppe waren und es andere deutsche Meinungen gab. Außerdem ist es nur angelehnt an die Geschichte, sieht man die Geschichte anhand Ludendorff und Franz Tausend, kann man sehr wohl eine realgeschichtliche Beziehung in ein fiktives Werk packen.
      lol, sorry, aber wenn die Verantwortlichen weniger Schwarz-Weiß gewollt haben bei ihrem Feindbild, haben sie dabei gründlich versagt. Natürlich gibt es Deutsche, die den Krieg beenden wollen, aber der Feind ist dennoch allein Deutschland.

      – Es wurde ihr angeboren im Film, schon richtig. Aber das harte Training und der Kampfeinsatz reichen doch als Rechtfertigung für. Das hätte den Film geschadet, so wurde eine schöne Mythologie erzählt.
      Inwiefern ist das eine schöne Mythologie?

      – Wir haben Charaktere und das Leben in London im Film erlebt. So haben wir einen emotionalen Bezug dazu. Es ist motiviert. Außerdem kann man London als das „Herzen“ des UKs sehen, da passt es doch.
      Meine rhetorische Frage zielte auf die pure Dämlichkeit von Ludendorffs Plan, wie ich bereits ausführte. London zu vergasen hätte ihm exakt gar nichts gebracht und hätte rein dramaturgisch schon vorher als sein erklärtes Feindbild genannt werden müssen, weil es auf diese Weise überhaupt keinen Sinn macht.

  6. Der Lego Batman Film ist aber auch verdienterweise der bislang beste DC Film. So schlimm finde ich das nicht. Er hatte das beste Drehbuch, den besten Regisseur und den besten CAST 🙂

  7. Hallo Robin, vielen Dank für Deine Wonder Woman – Kritik. Ich hatte über den hohen feministischen Anspruch auch der frühen Comics ja keine Ahnung! Allerdings: Ein Setting im Zweiten Weltkrieg hätte zwar viele Story – Optionen und Seitenhiebe auf die Ideologie des Dritten Reichs erlaubt (Mutterschaft, Lebensborn etc.), die Nazis dann aber quasi als von Ares ferngelenkt darzustellen hätte sie dann aber wohl arg entkräftet (als Bösewichte). David Irving hätte applaudiert.

    • Der Gedanke ist mir gestern auch gekommen. Das hätte wohl für ziemlichen Wirbel gesorgt. Aber ich bin immer noch der Meinung, dass man dann eben hätte die Story ändern müssen, nicht das Setting.

  8. Danke für die Spoilerwarnung 🙂

    Da ich den Film nun endlich gesehen habe:

    Du hast absolut recht, die Story, insbesondere alles was Ludendorff so tut und plant, ist irgendwie schwachsinnig. Ares‘ Plan, den Menschen lediglich Ideen zu geben, diese dann aber freien Willens schlechtes tun, weil Menschen halt scheiße sind, finde ich super, nur die Inszenierung dessen war eher miserabel.

    Das fehlen von Nazis finde ich auch schade, ich tröste mich aber mit dem Gedanken, dass ja keiner behauptet hat, sie wäre nicht auch um WKII an der Front gewesen.

    Auch ich bemängele das Fehlen von Dianas Verwunderung über den Sexismus in London und ein dagegen auflehnen. Im Gegensatz zu dir aber nicht aus einer feministischen Erwartungshaltung heraus, sondern weil es einfach keinen Sinn macht. Sie kennt nichts anderes als ihre Heimat in der sie alles sagen, tun und lassen kann, was sie will, nun wird sie aber so eingeschränkt.

    Ihre Entstehungsgeschichte ist die aktuelle, wie sie im neuesten neuen Comicuniversum von DC ebenfalls erzählt wird. Diese finde ich auch doof, aber es wäre sicher falsch, in den Filmen nun wieder eine andere zu erzählen.

    „Bei Filmen wie 300 (Synders Durchbruch), den ich sehr mochte, war das ja noch neu und passend, aber ich kenne wirklich niemanden, der diesem Stil langfristig etwas abgewinnen kann.“ -Wir kennen uns jetzt nicht persönlich,.. Aber ich wäre so ein Exemplar. Entsprechend gut hat mir die Stimmung in BvS gefallen und entsprechend schade fand ich die nachträgliche farbenfrohere Colorierung von WW (und künftig auch JL). Der 1. Trailer vor der „Einfärbung“ war viel spannender.

    Bei einem allerdings will ich dir grundsätzlich widersprechen: Gal Gadot!
    Als die ersten Gerüchte aufkamen, dass ein WW-Film tatsächlich realisiert werden könnte, dachte ich sofort an sie. „Wie perfekt wäre sie denn in der Rolle? Aber naja, das wird sicher niemals passieren“ dachte ich noch. Um so überraschter war ich, als es tatsächlich so kam, und um so begeisterter war ich, wie gut sie die Rolle verkörpert. Ich habe schon einige Male von dir gelesen, ihr Gesicht sei so Ausdruckslos, aber das verstehe ich nicht. Sie ist eine Göttin, die Arroganz und und Ignoranz in ihrem Gesicht in BvS haben perfekt gepasst, in WW war sie jünger und hat Emotionen gezeigt. Keine Ahnung, so sind Geschmäcker halt verschieden. Schade fand ich nur, dass sie bei all der Mühe im Gym nicht mehr Muskulatur aufbauen konnte. Die großartige Robin Wright hat mich physisch mehr überzeugt.

    Du hast in einem deiner Kommentare geschrieben, dass es dich stört, dass sie naiv dargestellt wird. Ich habe erst in den 90ern angefangen, WW zu lesen. Nachträglich ein paar golden Age ausgaben angeschafft. Aber Diana wurde irgendwie immer naiv dargestellt, das ist für mich eine von vielen Eigenschaften, die sie so toll machen.

    Nundenn. Trotz allem was mich stört, habe ich den Film doch genießen können. Obwohl sie nach Batman mein liebster Superheld ist, hat mir das alles nicht die Laune verdorben und ich bin überglücklich, dass sie endlich im Kino ist und auch in Zukunft Arschtritte verteilt.

    Btw: Sie war übrigens nicht nur in den 90ern Göttin, letztes Jahr habe ich mir das Comic „Göttin des Krieges“ zugelegt.

  9. Habe gerade den Film gesehen und muss sagen ich fand ihn zwar nicht herausragend, aber dennoch ein weites Stück von schlecht entfernt.

    Ich war mir im Vorfeld schon ziemlich sicher, dass man vieles aus der Comicgeschichte nicht verwenden würde. Im Bezug auf die Erschaffung aus Lehm habe ich das sogar schon vor Jahren gesagt. Mir hätten zwar viele Ideen besser gefallen als jene die im Film verwendet wurde, aber ich kann nachvollziehen, dass man in diese Richtung gegangen ist. Der Stil der bisherigen DC Filme (unabhängig davon ob er einem nun gefällt oder nicht) lässt da erst recht nicht viel zu und einen völlig anderen Weg einzuschlagen würde praktisch bedeuten das gemeinsame Universum aufzugeben.

    Was das Setting angeht fand ich den Wechsel zum 1. Weltkrieg tatsächlich vergleichsweise erfrischend. Historische Korrektheit erwartete ich dabei allerdings auch eher wenig. Die Hauptbösewicht mag zwar ein Deutscher gewesen sein, aber mir kam es nicht so vor als ob alle anderen mit ihm gleichgesetzt wurden. Das erkennt man auch daran, dass die Handlung nicht so leicht auf den 2. Weltkrieg übertragbar ist wie man vielleicht denkt. Denn im Film geht es nicht darum die Deutschen zu besiegen, sondern es ist immer nur die Rede davon den Krieg zu beenden. Dies zeigt sich auch in der Darstellung der Verwundeten und auf andere Weise gezeichneten (auch wenn der Film da nicht ganz konsequent ist). Bei Nazis kann man das nicht so einfach machen, denn im Bezug auf sie ist der Kampf legitimiert. Er ist etwas was notwendig ist, während der der 1. Weltkrieg im Vergleich nur unnötig Leid erzeugt hat ohne wirklich einen Zweck zu haben. Der Krieg an sich war in der Hinsicht der eigentliche Antagonist.

    Auf den feministischen Aspekt werde ich zwar nicht im besonderen eingehen, aber muss schon sagen, dass mich so eine Szene schon sehr entäuscht hätte:
    „Ist es wirklich zu viel verlangt, sich nur eine einzige Szene zu wünschen, in der Wonder Woman einem Macho, der sie beleidigt, voll auf die Fresse haut?“
    Von Superhelden erwarte ich mir, dass sie sich besser verhalten als ein gewöhnlicher Mensch der einfach nur Macht hat. So ein Vorfall entspricht dem genauen Gegenteil davon. Es wäre zwar weniger drastisch gewesen, aber im Prinzip die gleiche Richtung wie der „Laster auf Strommast“-Moment in Man of Steel.

  10. Vielen Dank für die sehr spannende Kritik. Ich gehöre zu denen, die den Film mochten, denke aber trotzdem, dass einige Punkte in Deiner Kritik sicher treffen, zumindest in der Tendenz. Was die (un-)feministische Perspektive des Films betrifft, lässt sich im Detail sicher streiten. Nur ein Punkt, den ich dann schon bemerkenswert fand (und vielleicht auch anders als Du wahrgenommen habe): Die Phase, in der Steve die „Führung“ übernimmt war aus meiner Sicht doch sehr schnell vorbei. Ich hatte den Eindruck – und danf das gut -, dass er uns seine „Jungs“ sehr schnell kapieren, dass Diana unendlich viel mehr drauf hat, als sie alle zusammen. Und dann verhalten sie sich – mein Eindruck – sehr schnell entsprechend. Am deutlichsten etwa, als Steve sich an die „Schild“-Technik, die er auf der Insel gesehen hat, erinnert – und mit seinen Begleitern ohne zu zögern auf die Knie geht, um den Support für Diana zu geben.
    Da ich, aber das ist ein anderer Punkt, Historiker bin, fand ich es außerdem ziemlich spannend, über die Verlegung des Schauplatzes in den Ersten Weltkrieg nachzudenken … zuerst war ich irritiert, fand das dann aber eine gute Idee (https://timoluks.wordpress.com/2017/07/04/in-flanders-fields-wonder-woman-vs-general-ludendorff/)
    Jedenfalls noch einmal danke für die umfangreiche und spannende Rezension!

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